Mit ‘Annie McEnroe’ getaggte Beiträge

Nach den Ereignissen aus HOWLING: Ben White (Reb Brown) wohnt der Beerdigung seiner Schwester bei, als der mysteriöse Stefan Crosscoe (Christopher Lee) ihm offenbart, dass diese ein Werwolf war, der den Freitod gesucht hatte. Ben ist ungläubig, doch die Reporterin Jenny Templeton (Annie McEnroe), eine Arbeitskollegin seiner Schwester, überzeugt ihn, zusammen mit Crosscoe nach Transylvanien zu reisen, von wo aus die Werwolfkönigin Stirba (Sybil Danning) die Weltherrschaft der Werwölfe anstrebt …

Die Erstbegegnung mit diesem Film via RTLplus-Videoaufzeichnung in unschuldigen Teenagerjahren war ein denkwürdiges Erlebnis. Erwartet hatte ich einen straighten Werwolfhorrorfilm (Joe Dantes Original war mir nur nominell bekannt), was ich zu sehen bekam, sprengte aber die Grenzen gewöhnlichen Genrekinos mit sexploitativen Elementen und einer sich durch den Film ziehenden, nur wenig greifbaren fremdartigen Atmosphäre – nicht, dass ich das damals so hätte beschreiben können, da war ich einfach nur sprachlos und meine, mich daran erinnern zu können, mehr als nur etwas beschämt von HOWLING II gewesen zu sein. Diese Reaktion scheint aber eine durchaus gängige Rezeptionserfahrung für Zuschauer des Films zu sein: Durchforstet man das Web nach Rezensionen und Texten zu Moras Film, findet man zahlreiche, die ihn als abstrusen Trash in die So-bad-it’s-good-Kategorie einsortieren, damit aber weniger den Film charakterisieren, als vielmehr die eigene Verwirrung demonstrieren. Klar, HOWLING II (der auch noch den schönen Alternativ-Subtitel STIRBA, WEREWOLF BITCH trägt) ist ein ziemlich wüstes Teil und als Horrorfilm nur mäßig erfolgreich. Aber dafür leistet Mora in anderer Hinsicht Beachtliches: Er verquickt der Exploitation-Sphäre angehörende Elemente, wie einen Christopher Lee mit modischer Sonnenbrille, einen New-Wave-Titelsong, einen um sich ballernden Reb Brown, eine in Fetischklamotten gewandete Sybil Danning, groteske Splattereffekte und viel sleazig inszenierten Sex, mit einer dem Arthouse- und Avantgarde-Kino zuzurechnenenden Montagetechnik und einer traumgleich-surrealen Narration und irrirtiert de Betrachter damit nachhaltig. Es gibt nur wenige Filme – jedenfalls fallen mir nicht allzu viele ein – bei denen die gängigen Werkzeuge der Filmkritik so wenig dazu geeignet sind, das Filmerlebnis treffend zu beschreiben. HOWLING II: YOUR SISTER IS A WEREWOLF ist mehr als das, was auf der Leinwand zu sehen ist. HOWLING II: YOUR SISTER IS A WEREWOLF ist Kunst.

Nachdem die „Oil Wars“ die Zivilisation zerstört haben, versuchen einige unbescholtene Siedler den Neuaufbau, während der schurkische Straker (James Wainwright) mit seinen Leuten das Land in seinem riesigen gepanzerten Truck unsicher macht und nach verbliebenen Rohstoffen und Schätzen sucht. Als sich Corlie (Annie McEnroe) weigert, einen Tötungsbefehl von ihm auszuführen, sich daraufhin in die Arme des Einsiedlers Hunter (Michael Beck) flieht, während Straker auf der Suche nach ihr eine Spur der Verwüstung hinter sich herzieht, sind die Weichen für den Kampf Gut gegen Böse gestellt …

Sauberer, schnörkelloser Endzeitfilm, der ausnahmsweise einmal nicht vom großen Vorbild MAD MAX klaut. Es gibt zwar diverse aufgemotzte Fahrzeuge wie schon in THE ROAD WARRIOR, aber hysterische Punks sucht man in BATTLETRUCK vergeblich. Atmosphärisch hat mich der Film eher an John Milius‘ grob missverstandenen und unterschätzten RED DAWN erinnert (über den ich ganz dringend mal was machen muss, weil mich die nicht müde werdenden Stimmen, die ihn stets als ultrareaktionär und -dumm beschreiben, maßlos aufregen): Beide malen die Zukunft nach dem Dritten Weltkrieg nicht als hitzeflirrendes Live-Action-Rollenspiel für Lack-und-Leder-Anarchos, sondern vielmehr als langen Winter, in dem der Mensch gezwungen ist, seine Zivilisation neu aufzubauen, seine vergessenen Talente als Jäger, Sammler, Bauer und Handwerker wiederzuentdecken. Statt der genreüblichen Wüstensettings bilden die imposanten schneebedeckten Gipfel Neuseelands und karge Hochebenen die stimmungsvolle Kulisse, die die überdurchschnittliche Kameraarbeit nicht müde wird, ins Bild zu setzen. Alle Farbe scheint aus dem Film gezogen und dazu passt auch, dass der Schurke Straker kein augenrollender Psychopath ist, sondern eher an einen konservativen Militär-Hardliner denken lässt, der den roten Knopf gedrückt und es sich danach mit Seinesgleichen  im Bunker gemütlich gemacht hat. In einer besonders abgewichsten Szene sieht man Straker im Bildvordergrund auf einem Felsen stehen, von dem aus er zweien seiner Untergeben, die sich in einer Senke weiter hinten im Bild befinden, einen Schießbefehl erteilt. Die Verurteilten – kaum mehr als zwei schwarze Punkte in der Landschaft – rennen weg, die Schreie dringen aus der Ferne leise ans Ohr, bevor ihnen zwei Schüsse ein jähes Ende bereiten. Cokeliss hält seine statische Perspektive noch ein, zwei Sekunden, bevor dann der Schnitt folgt. Michael THE WARRIORS Beck gibt indes den wortkargen Helden, der mit dem Neuanfang, den diverse Siedler versuchen, nichts zu tun haben will: Sympathie evoziert er eigentlich bloß aus der Konvention heraus, er bleibt dem äußeren Erscheinungsbild des Films angemessen unnahbar und fremd. Das ist dann auch das Problem des Films, dessen ausgesprochen homogene  formale Gestaltung und erzählerische Schmucklosigkeit – Subplots, die das geschehen auflockern würden, gibt es nicht, BATTLETRUCK läuft schnurstrack auf die finale Auseinandersetzung zwischen Hunter und Straker hinaus und bietet auf dem Weg dorthin keinerlei Überraschungen – weniger zimperliche Gemüter mit einigem Recht als „langweilig“ bezeichnen könnten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich BATTLETRUCK ziemelich geil gefunden hätte, wenn ich ihn im entsprechend beeinflussbaren Alter gesehen hätte und ihm dann auch heute noch ganz kritiklos gegenüberstünde. So reicht es zwar nicht für die große Begeisterung, aber auf jeden Fall für Anerkennung und Sympathie. Furztrockene Actioner wie diesen kann es einfach nicht genug geben.