Mit ‘Anthony Hickox’ getaggte Beiträge

Der Partner von Max Dire (Mario van Peebles) sprach eben noch davon, den Polizeidienst zu quittieren, zu heiraten und ein neues Leben zu beginnen, da wird er bei einem Einsatz brutal niedergeschossen und ohne große Überlebenschancen ins Krankenhaus eingeliefert. Umso erstaunter ist Max, als der Partner wenige Tage später nicht nur vor ihm steht, als sei nichts passiert, sondern er in der Ausübung seines Dienstes plötzlich einen fast übermenschlichen Ehrgeiz an den Tag legt, der nichts von seinen vorherigen Bekundungen mehr erkennen lässt. Das ungute Gefühl Max‘ findet seine Bestätigung, als der Partner sich schließlich wieder nur einige Tage später öffentlich erschießt. Der geschockte, trauernde Cop wird daraufhin vom Psychologen Adam Garou (Bruce Payne) angesprochen: Er lädt Max in eine von ihm geleitete „Selbsthilfegruppe“ ein. Doch diese entpuppt sich bald als mehr als das, nämlich eine Art Spezialeinheit, in der ein von Garou entwickeltes Serum zum Einsatz kommt, dass die Polizisten in unbesiegbare Kampfmaschinen verwandelt …

Mal wieder eine kleine Nostalgiestunde: FULL ECLIPSE – vom einstigen Genrespezialisten Anthony Hickox fürs amerikanische Pay-TV inszeniert – reifte Mitte der Neunzigerjahre bei seiner deutschen Videoveröffentlichung zum kleinen Kulthit heran, der bei mir sehr hoch im Kurs stand. Grund für meine Begeisterung waren die hübsch pulpige Verbindung von Horror- und Polizeifilm, das dadurch bedingte Nebeneinander von blutigen Schießereien, die der damaligen Mode entsprechend an Meister Woos artistischen Bullet Ballets angelehnt waren, und splatterigen Werwolfeinlagen, aber auch die hübsche Besetzung: Mario van Peebles ging so eben noch als Quasi-Actionstar durch, Patsy Kensit sah man als Heranwachsender immer gern und Bruce Payne zählte damals zu meinen ausgesprochenen Lieblings-Schurkendarstellern. Ich war bei der Wiederbegegnung auf handfeste Ernüchterung eingestellt, ja, hatte diese eigentlich fest eingeplant. Mir war klar, dass der Film heute nicht mehr ganz so unmittelbar kicken konnte, wie er das vor nunmehr fast 20 Jahren tat: Die Trends haben sich ebenso verändert, wie die Möglichkeiten der Darstellung und FULL ECLIPSE war ja nun eben keine Multimillionen-Dollar-Kinoprodution, die damals Maßstäbe hinsichtlich ihrer Effekte gesetzt hätte, sondern ein bescheidener Fernsehfilm, der vor allem durch seine Attitude punkten konnte. Und ich bin keine 17 mehr und deutlich weniger begeisterungsfähig als damals. Umso größer mein Erstaunen darüber, dass ich FULL ECLIPSE immer noch sehr unterhaltsam finde. Na klar, die Shootouts reißen heute niemanden mehr vom Hocker, sind mit ihren beidhändig schießenden Hechtsprüngen durchaus ein bisschen albern und der Film wirkt heute noch etwas kleiner und billiger als damals. Aber das Wesentliche bleibt von diesen heute sichtbaren Mängeln unangetastet: Hickox‘ Film macht einfach Spaß, er ist schön kurzweilig und er pflegt einen überaus sympathischen Umgang mit seiner inhärenten Blödheit: Er zieht sein Ding sehr straight durch und lässt nur in ganz kurzen Augenblicken erkennen, dass er selbst in on the joke ist, anstatt sich in selbstdistanzierendem Wink-wink, nudge-nudge zu ergehen. Da gibt es etwa diesen einen sehr geilen, sehr komischen Moment: Adam Garou und seine Werwolf-Spezialeinheit haben soeben ein Sprengstoff-Attentat überlebt und marschieren in einer dieser mit pathetischer Musik unterlegten Zeitlupenszenen in das Polizeipräsidium. Mit ihren zerrissenen Klamotten und den geschwärzten Gesichtern ziehen sie sofort die Blicke der umstehenden und -sitzenden Kollegen und der anwesenden Zeugen und Verdächtigen an: Alle sehen für einen Augenblick von ihrer Tätigkeit ab und verfolgen gebannt, was diese illustre Gruppe im Sinn hat. Die anderen im Schlepptau tritt Garou zum Schalterbeamten, knallt ein abgerissenes Lenkrad auf das Pult und sagt mit einem selbstbewussten Grinsen: „Wir brauchen ein neues Auto.“ – Das ist kein besonders origineller Spruch und auch keine wirklich einfallsreiche Auflösung der Szene, aber sie trifft dennoch ins Schwarze, weil Hickox sie ganz trocken runterinszeniert. Man merkt fast gar nicht, dass das ein Witz ist. Ich kann mir richtig vorstellen, wie zeitgenössische Regisseure den One-Liner damit eingeleitet hätten, dass die Musik mit einem „Kratzer“ verstummt wäre, Garou seine Witz in die neue Stille hineingesagt hätte, damit man ihn auch bloß nicht verpasst. Oder dass die Kamera dazu ruckartig an ihn herangezoomt hätte, er den Spruch im Stile eines Clint Eastwood ins Objektiv gegrummelt hätte . Nichts davon hier. Eher noch hat man den Eindruck, dass Bruce Paynes verschmitztes Lächeln von seiner Belustigung über die Szene herrührt und absichtlich dringelassen wurde. Wie gesagt: sympathisch.

Was mir diesmal mehr als damals aufgefallen ist: FULL ECLIPSE bedient sich ikonografisch recht dreist bei den X-Men und da natürlich vor allem beim Design Wolverines. Die erste Verfilmung der Comicserie sollte erst gut sechs Jahre später erscheinen und es ist mehr als fraglich, ob Singer als Vorbereitung darauf ausgerechnet diesen kleinen Pay-TV-Fernsehfilm gesehen hat. Die Szenen, in denen die Spezialeinheit in vollem Werwolf-Look und in Body-Suits im Mondschein herumpost, weckt allerdings mehr als nur leise Assoziationen. Sehr wahrscheinlich ist es eher umgekehrt: Mit der seit damals gewonnenen Kenntnis dutzender Superhelden-Comicverfilmungen sieht auch FULL ECLIPSE heute so aus wie eine von diesen. Früher war es einfach nur ein merkwürdiger Genrehybrid ohne große Vorbilder, heute sieht man in seiner Dramaturgie zahlreiche Parallelen zu den modernen Marvel-Filmen. FULL ECLIPSE erzählt demnach so etwas wie die Origin Story von Max Dire, dem Werwolf-Polizisten, und das Ende deutet dessen kommenden Abenteuer an, in denen er seine Eigenschaften dann für das Wohl der Menschheit einsetzt. Schade, dass nie ein Sequel gedreht wurde. Das hätte mir – wie FULL ECLIPSE auch – wahrscheinlich besser gefallen als alle X-Men-Filme zusammen.

Als der schmierige Macho und Kunstsammler JP (Kevin Bernhard) die Säule erwirbt, in der der teuflische Cenobit Pinhead (Doug Bradley) im Vorgänger gebannt wurde, leitet er damit dessen Rückkehr ein. Die Fernsehreporterin Joey (Terry Farrell) wird in die Geschichte hineingezogen und scheint die einzige, die die Invasion der Höllenkreaturen aufhalten kann. In den Straßenschluchten Manhattans kommt es zur Auseinandersetzung …

HELLRAISER III stammt aus einer problematischen Phase des US-amerikanischen Horrorkinos: Er bildet einen der letzten Ausläufer des seriellen Achtzigerhorrors, dessen meist (halb)menschlichen Monster – Freddy Krueger, Michael Myers, Leatherface, Jason Voorhees – zu den eigentlichen Stars avanciert waren, die Vorzeichen des Horrorfilms auf den Kopf gestellt, ihn letztlich gar kastriert und seiner Existenzgrundlage beraubt hatten. Auch Pinhead, HELLRAISERs Hauptattraktion, war zu einer Ikone jener Tage geworden: „Merkwürdigerweise“ muss man hinzufügen, denn nicht nur war er in Clive Barkers Film und auch Tony Randels Fortsetzung HELLBOUND für echtes Stardom eigentlich viel zu selten im Bild (andererseits: rar macht sich beliebt), beide Filme stellten mit ihrer düsteren Thematik und ihrem Verzicht auf grellen Humor auch eine ausgesprochene Ausnahmeerscheinung im Horrorkino der späten Achtzigerjahre dar, waren alles andere als Date Movies, in die man die Angebetete zerrte, in der Hoffnung, sie würde einem ängstlich in die starken Arme sinken. Wahrscheinlich war es das kongeniale Design Pinheads, dass ihn für eine breitere Vermarktung prädestinierte: So wurde auch er also dem Mainstream einverleibt, fand sich als Spielzeugfigur im Regal gleich neben den Kollegen Freddy, Jason, Michael und Leatherface wieder, mit denen er doch eigentlich denkbar wenig gemein hatte. Die geschilderte Kluft zwischen dem Franchise-Anspruch der Produzenten und dem finsteren, beunruhigenden Kern der ersten beiden Filme war mit HELLRAISER III endgültig zugeschüttet worden. Pinhead war in genau jenem Horror-Mainstream angekommen, dem er zuvor nur nominell angehört hatte und der 1992 schon kurz vor dem Exitus stand: Sprücheklopfend zieht er als Lack-und-Leder-Freddy durch den Film, seine ursprünglich einmal sehr eindrucksvolle, mystische Erscheinung untergrabend. Spätestens, wenn er in einer Metaldisco etwas von „turn up the volume“ faselt, weiß man, woran man ist. (Man beachte auch, wie Metal- und Hardrocksongs den großartigen orchestralen Score von Christopher Young ersetzen.)

Vergessen sind Barkers beunruhigenden Exkurse in den Sadomasochismus, die an den deutschen Expressionismus erinnernden Bilder einer areligiösen Hölle. In HELLRAISER III regiert der vordergründige, schmerzlose Splatter, werden die Cenobiten – einst ebenso tragische wie furchteinflößende Gestalten – zu skurrilen Actionfiguren degradiert. Dem konfusen Plot zu folgen, macht wenig Sinn, geht es doch hier lediglich noch darum, ein paar saftige Effekte – die immerhin noch hübsch handgemacht sind – aneinanderzureihen. Während der deutlich kleiner budgetierte HELLBOUND durch geschickte Kameraarbeit und Lichtsetzung Bilder von geradezu wagnerianischer Epik zauberte, da verpufft das vollmundige Versprechen des Plakatmotivs, die Hölle auf Erden in Manhattan zu entfachen, angesichts steriler Studiosets und menschenleerer Seitenstraßen im Nichts (der Film wurde tatsäclich in North Carolina gedreht). Weil mit Anthony Hickox jemand hinter der Kamera stand, der wenn schon nicht visionär, so doch zumindest routiniert war, funktioniert HELLRAISER III als Popcorn-Horror immerhin noch ganz gut. Es gibt ein paar schöne Bilder, die ein oder andere Dialogzeile Pinheads will man sich immer noch auf ein T-Shirt drucken („Down the dark decades of your pain, this will seem like a memory of Heaven.“), die blasphemische Jesus-Interpretation Pinheads ist zwar vorhersehbar, aber trotzdem ein Höhepunkt. Es sollten noch deutlich ärgerlichere Horrorfilme in den folgenden Jahren kommen – einer davon ist HELLRAISER IV: BLOODLINES –, aber das ändert nichts daran, dass das Attribut, das am besten auf Hickox‘ Film passt, eigentlich den Genickbruch für jeden ambitionierten Horrorfilm bedeutet: HELLRAISER III: HELL ON EARTH ist nett.

Der Wissenschaftler David Harrison (Jim Metzler) reist mit seiner Familie in das kleine Wüstenkaff Purgatory, wo er an der Produktion eines Blutersatzes auf Pflanzenbasis mitarbeiten soll. Was David nicht weiß: Hinter dem Projekt verbirgt sich Jozek Mardulak (David Carradine), ein Vampir, der hofft, dass seine Rasse in Einklang mit den Menschen leben wird, wenn sie nicht mehr auf deren Blut angewiesen ist. Die Vampire, die die gesamte Bevölkerung von Purgatory stellen, haben sich mithilfe von Sonnenbrillen, -hüten und extrastarker Sonnenmilch zumindest schon gegen das Sonnenlicht immunisiert, doch so ganz können sie von ihren Trieben noch nicht lassen. Und deshalb formiert sich unter den Vampiren offener Widerstand gegen Mardulaks Pläne …

Ich hatte hier anlässlich von WAXWORK und WAXWORK II schonmal über Hickox schwadroniert. SUNDOWN war mir zwar bekannt, aus mir unerfindlichen Gründen hatte ich ihn aber bislang immer als vernachlässigbar einsortiert. Diese Verfehlung hat aber auch ihr Gutes, denn so bin ich gestern in den Genuss gekommen, ihn zum ersten Mal sehen zu dürfen. Und was war das für ein Genuss! SUNDOWN ist nicht nur enorm einfallsreich, witzig, geistreich, originell und mit Schauspielern wie Bruce Campbell, Deborah Foreman, M. Emmet Walsh, John Ireland und TWIN PEAKS-Star Dana Ashbrook überaus gut besetzt, sondern darüber hinaus auch noch eine absolute Augenweide. Dank einer eleganten Kameraführung und des Scopeformats erblüht Hickox‘ Westernhommage im Vampirfilmgewand in voller Pracht und erscheint deutlich größer, als sie eigentlich ist. Das beginnt schon bei der schön animierten (und kein bisschen antiquiert wirkenden) Titeleinblendung und setzt sich bei der spektakulär eingefangenen Naturkulisse – SUNDOWN wurde unter anderem im Arches National Park in Utah gedreht – fort. 

Solche ästhetischen Reize nützten natürlich nix, wenn Hickox nicht auch eine schöne Geschichte zu erzählen hätte, mit der er seiner Zeit zudem gute zehn Jahre voraus war. Beschäftigt man sich im Vampirfilm seit BLADE häufiger mit der Frage der Resozialisation der Vampire, so betrat Hickox damit Ende der Achtzigerjahre, als der Horrofilm sich in eine Phase der Stagnation befand, Neuland. Und er schlachtet seine Prämisse längst nicht nur für visuelle Einfälle (man denke etwa an die drei Vampire von der Tankstelle) aus, sondern hat dabei durchaus Relevanz zu bieten. Es ist doch offenkundig, dass es in SUNDOWN nur an der Oberfläche um Vampire geht, darunter aber vor allem um eine Konservatismus-vs.-Fortschritts-Diskussion um Integration des „Anderen“ und die Probleme, die diese bereitet (womit er zudem beängstigend aktuell ist): Mardulak will die friedliche Koexistenz von Mensch und Vampir, die aber eben an die Bedingung geknüpft ist, dass der Mensch von letzterem nichts mehr zu befürchten hat. Und das setzt wiederum einen Sinnes- und Lebenswandel der Vampire voraus, zu dem diese längst nicht alle bereit sind, weil er gegen ihr „Wesen“ verstoße. Auch dass Hickox diese Geschichte vor dem Hintergrund alter Westernfilme austrägt, ist längst nicht nur Gimmick: In SUNDOWN geht es um einen Aufbruch zu neuen Ufern, zur Überschreitung einer bis dato festen, unüberwindlichen Grenze und die Begründung einer neuen Zivilisation: mithin um die Kernthemen des Westerns. Und wie in diesem ist der Prozess der Zivilisation leider mit Opfern verbunden. Auch deshalb kann man SUNDOWN durchaus kritisch diskutieren, denn es muss sich ja vor allem eine Seite – die der Vampire – anpassen und wer von ihnen keine Lust darauf hat, muss eben gewaltsam weichen. Auch der Schlussgag, der ziemlich plakativ zeigt, dass die „neuen“ Vampire jetzt tatsächlich „angekommen“ sind in der Gemeinschaft der Menschen, ist eigentlich nur in einem Genre entschuldbar, das von Scharzweißmalerei, einer gewissen Simplifizierung und einem Reaktionismus geprägt ist, dessen Aussagen mithin von vornherein nicht eins zu eins auf komplexe Sachverhalte angewendet werden können. Insofern ändert dieser Kritikpunkt – so man ihn als solchen empfindet – auch nichts an meinem Urteil, stützt es sogar noch, weil er mit dazu beiträgt, dass SUNDOWN auch über seine rasanten 90 Minuten hinaus beschäftigt: Ein völlig unterschätzter Film und sehr wahrscheinlich Hickox‘ bester.

waxwork ll: lost in time (anthony hickox, usa 1992)

Veröffentlicht: November 24, 2009 in Film
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Für den Mord an ihrem Stiefvater, den in Wahrheit eine dem finalen Gemetzel aus WAXWORK entkommene Zombiehand begangen hat, muss sich Sarah (Monika Schnarre) vor Gericht verantworten. Da niemand ihre wilde Geschichte glaubt, stehen ihre Chancen auf Freispruch schlecht. Gemeinsam mit ihrem Freund Mark (Zach Galligan) macht sie sich mithilfe eines Kompasses, der es ihnen ermöglicht, in der Zeit zu reisen, auf die Suche nach entlastendem Beweismaterial.

Was ich über den Vorgänger geschrieben habe, ließe sich hier nahezu wortwörtlich wiederholen. Die Story ist haarsträubend und lediglich Aufhänger für die Horrorszenarios, die diesmal jedoch wesentlich elaborierter sind und sich noch stärker an existierenden Filmen orientieren. In einer noch an WAXWORK erinnernden Episode wird zunächst Baron Frankenstein (Spandau Ballet-Bassist Martin Kemp) und seinem Monster ein Besuch abgestattet, bevor es die Protagonisten dann für eine ALIEN-Hommage ins Weltall bzw. ins Spukhaus aus THE HAUNTING verschlägt. Letztere Sequenz ist der absolute Höhepunkt des Films, nicht nur weil Hickox den visuellen Stil von Robert Wise‘ Gruselklassiker perfekt zu imitieren und dadurch geschickt zu persiflieren, sondern vor allem dank des komödiantischen Talents von Bruce Campbell, dessen Auftritt mit offenem Brustkorb hier einfach alles ist. Ich finde es immer wieder schade, dass Campbell seine Fähigkeiten nie in einem richtig großen, auf ihn zugeschnittenen Film unter Beweis stellen durfte. Ich sehe ihn etwa in einer Realverfilmung eines Tex-Avery- oder Looney-Tunes-Cartoons vor mir: Für mich ist er die menschgewordene Comicfigur (und von Raimi ja auch oft so inszeniert worden). Aber zurück zu WAXWORK II: LOST IN TIME, mit dem es nach diesem Höhepunkt leider drastisch bergab geht. Leider wirft Hickox sein Konzept (das übrigens etwas an den Gottschalk/Krüger-Film DIE EINSTEIGER erinnert) des kurzweiligen Filmhoppings völlig über den Haufen und verfrachtet Mark und Sarah für das letzte Drittel des Films in ein langweiliges Mittelalterszenario, das keinem erkennbaren Vorbild mehr folgt und das Tempo massiv verschleppt. Ich muss eingestehen, dass mich in den letzten 20 Minuten des Films der Schlaf übermannt hat, was allerdings mehr über den Film verrät als alles, was ich sonst darüber sagen könnte. Das größte Manko des Films ist, dass er sich mehr für seine Protagonisten interessiert als der Zuschauer: Wie schon WAXWORK so lebt nämlich auch das Sequel einzig und allein von den Ausflügen in ein liebevoll gestaltetes Horrorfilm-Paralleluniversum und offenbart riesige Schwächen, sobald er sich nicht mehr auf vorgegebene Narration stützen kann, sondern seine eigene Geschichte erzählen muss. Während WAXWORK diese Schwäche mit seinem hingeworfenen Patchwork-Charakter und seiner offenen Naivität noch auffangen konnte, bricht sie dem epischer angelegten WAXWORK II: LOST IN TIME das Genick. Der lässt den Vorläufer in seinen besten Momenten zwar weit hinter sich, hat davon aber einfach zu wenige. Irgendwie ärgerlich.

waxwork (anthony hickox, usa 1988)

Veröffentlicht: November 23, 2009 in Film
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Die College-Freunde Mark (Zach Galligan), Sarah (Deborah Foreman), China (Michelle Stevens) und Tony (Dana Ashbrook) besuchen ein merkwürdiges Wachsfigurenkabinett, das inmitten der Wohnsiedlungen von Beverly Hills seine Pforten geöffnet hat. Doch während des Aufenthalts verschwinden China und Tony. Mark und Sarah stellen Nachforschungen an und kommen einem diabolischen Plan auf die Spur …

Man kann der Inhaltsangabe schon entnehmen, dass der Reiz von Hickox‘ Film definitiv nicht in seiner einfältigen Storyline zu suchen ist, sondern vielmehr in deren Ausschmückung. So wurde der ganze Film um die Szenen im Wachsmuseum herumgestrickt, in denen die ahnungslosen Besucher buchstäblich in die dort aufgebauten Horrorszenarios gesogen und zu ihrer Verwunderung plötzlich zu deren Protagonisten werden. Tony fällt einem Werwolf zum Opfer, China muss sich mit einer ganzen Schar blutdurstiger Vampire herumschlagen, einen Polizisten verschlägt es in die Grabkammer eines rachsüchtigen Pharaos, Sarah erliegt dem fragwürdigen Charme des Marquis de Sade und Mark sieht sich schließlich in die Nacht der lebenden Toten versetzt. Hickox lässt diese liebevoll ausgearbeiteten klassischen Horrorszenarios auf die Gegenwart prallen und erzählt unter der Oberfläche auch etwas über den Horror, sein Medium und seine Rezipienten. Das Wachsfigurenkabinett verweist ja per se schon in die Vergangenheit, trotzdem wird das Dargebotene  für seine Besucher auf eine Art und Weise „real“ wie das eben idealerweise vor allem Filme leisten können. Letztlich ist aber alles nur eine Frage des Glaubens und der Fantasie. Leider hätte sich aus dieser Grundidee ein sehr viel besserer Film hätte machen lassen als WAXWORK dann tatsächlich geworden ist. Im Gegensatz zu den zuletzt hier von mir besprochenen Achtzigerjahre-Horrorfilmen ist er nämlich alles andere als gut gealtert. Richtig Stimmung kommt nur in den eben beschriebenen Sequenzen auf, der Detektiv-Plot drumrum ist eher fad und die letztliche Auflösung einfach uninteressant, auch wenn sie zum Finale Gelegenheit für eine doch recht hübsche slapstickartige Massenkeilerei mit Monstereinsatz gibt. Der Kultstatus, den dieser Film – wohl auch dank der geschnittenen und mit REISE ZURÜCK IN DER ZEIT ungelenk betitelten deutschen Fassung – mal genoss, lässt sich kaum noch aufrechterhalten. Das git im Grunde für fast alle Filme, die Anthony Hickox von Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger drehte (z. B. SUNDOWN, HELLRAISER III: HELL ON EARTH, WARLOCK: THE ARMAGEDDON, FULL ECLIPSE oder das WAXWORK-Sequel SPACESHIFT: WAXWORK II): Alles sind sie durch die Bank als Kinder ihrer Zeit zu erkennen, ohne dies in irgendeiner Form transzendieren zu können. Schlecht ist WAXWORK aber auch wieder nicht: Neben den genannten Meriten sprechen für den Film die gute Besetzung, die neben der entzückenden Deborah Foreman solche Veteranen wie David Warner, John Rhys-Davies ud Patrick Macnee aufbietet, sowie natürlich die vor allem im Vampirsegment happigen Splattereffekte.