Mit ‘Anthony Michael Hall’ getaggte Beiträge

Johnny Walker (Anthony Michael Hall) ist der Starquarterback seines Highschool-Teams und deshalb, kurz vor dem Schulabschluss stehend, heiß begehrt bei den verschiedenen Colleges, die sich im Bemühen, den viel versprechenden Footballspieler für sich und das College-Footballteam zu gewinnen, förmlich überschlagen mit ihren Angeboten. Bei all der Aufmerksamkeit, die man ihm entgegenbringt, und den damit einhergehenden hochtrabenden Versprechungen droht der gute Johnny aber den rechten Weg aus den Augen zu verlieren – und damit Freunde und Familie zu verprellen …

Gott, was für ein Mist. Es ist schon erstaunlich, wie man diese altbacken-konservative Story um Versuchung, Enthaltung und Selbsterkenntnis, die wohl zu den größten Klischees nicht nur des Sportfilms gehört und sich deshalb doch fast von selbst erzählt, so dermaßen in den Sand setzen kann. Mal davon abgesehen, dass JOHNNY BE GOOD einfach fürchterlich langweilig ist, ist der ganze Konflikt des Films völlig unglaubwürdig: Anthony Michael Hall – der in den Filmen von John Hughes als linkischer Nerd brillierte und hier das komplette Gegenteil seiner etablierten Persona spielen muss – ist von Beginn an viel zu nett, als dass man sich wirklich Sorgen um seinen Sündenfall machen müsste. Er bleibt stets brav, rennt vor einer nymphomanen MILF, die ihn vernaschen will, sogar weg und das Schlimmste, was er sich erlaubt, ist es einen über den Durst zu trinken, eine Stripbar aufzusuchen, sich geschmacklos anzuziehen und mit Goldschmuck zu behängen. Big fuckin‘ deal! Das Einzige, was positiv zu erwähnen ist, ist die Leistung von Paul Gleason, der als schmieriger Trainer Johnnys eigene Interessen verfolgt – und zudem mit einer Tupperparties veranstaltenden Ehefrau verheiratet ist, die von Jennifer Tilly gewohnt amüsant und angemessen trashig gegeben wird. Über den Auftritt von Steve James (u. a. die AMERICAN NINJAReihe) habe ich mich auch gefreut, aber eigentlich muss man eher traurig sein, wer hier sinnlos verheizt wird. Das Niveau des Films spiegelt sich ganz gut in seinem abgenudelten Titel wider, der dann auch noch als Dialogzeile vorkommt und die Frage nach dem Song, der während der Schlusscredits dudelt, ziemlich überflüssig macht. Dass dann auch noch die miese Judas-Priest-Coverversion des Chuck-Berry-Klassikers Verwendung findet, spricht Bände. Bud Smith hat übrigens  Oscar-Nominierungen als Editor für THE EXORCIST und FLASHDANCE eingeheimst: Aber inszenieren kann er nicht für drei Dollar.

Gary (Anthony Michael Hall) und Wyatt (Ilan Mitchell-Smith) sind die Lachnummern ihrer Schule und haben bei den Mädchen demzufolge keinen Schneid. Der Computer von Wyatt bringt beide auf eine Idee: Warum nicht eine „echte“ Frau simulieren, die ihnen dann mit Rat und Tat zur Seite steht? Das Experiment verläuft jedoch erfolgreicher, als beide zu hoffen gewagt haben, und plötzlich steht eine Traumfrau mit Gardemaßen in der Tür. Von beiden „Lisa“ getauft, hilft sie ihnen, ihr Versagertum zu überwinden und bei einer Riesenparty nicht nur ihre Traumgirls abzugreifen, sondern förmlich zu Helden zu werden …

Die Science-Fiction-Prämisse, die andere Regisseure wohl in den Mittelpunkt gerückt und sich ausgiebeig den Problemen bei der Erschaffung der Traumfrau gewidmet hätten, dient Hughes hier lediglich als Exposition für das, was ihn auch in seinen anderen Teeniefilmen beschäftigt hat: die Selbstfindung des Losers und Nerds und die daraus hervorgehende Entfaltung seines brachliegenden Potenzials (wer Fotos von Hughes kennt, ahnt, dass er auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann). Das geht hier wieder deutlich entspannter und lockerer vonstatten als im ambitionierteren und auch ernsteren Vorgänger THE BREAKFAST CLUB. Geschadet hat es Hughes nicht, WEIRD SCIENCE war ein veritabler Erfolg und zog noch zehn Jahre später eine immerhin auf fünf Staffeln kommende Fernsehserie nach sich.

Mit Blick auf Hughes‘ Filmografie ist dieser Schritt aber durchaus nicht uninteressant: WEIRD SCIENCE scheint in seiner Leichtigkeit, den losen Anspielungen auf Genrefilme – die von der colorierten Fassung von BRIDE OF FRANKENSTEIN, die Gary und Wyatt im Fernsehen schauen, bis hin zum Auftritt von Vernon Wells und Michael Berryman als Mitglieder einer endzeitlichen Rockergang reichen –, der episodisch-lückenhaften Dramaturgie (woher Lisa etwa ihre Zauberkräfte hat, wird nie befriedigend erklärt) und der poppig-bunten visuellen Gestaltung eher der ideale Nachfolger von Hughes‘ Regiedebüt SIXTEEN CANDLES, wirkt nach THE BREAKFAST CLUB eher wie ein Rückschritt – oder, positiv gesprochen, wie eine Rückbesinnung auf das, was Hughes als Filmemacher auszeichnet: der Blick für jugendliche Bedürfnisse und ihre Trends und ein unbestechliches komödiantisches Timing, das auch in kleinsten Szenen noch zum Vorschein kommt.

Vor allem Anthony Michael Hall leistet wieder mal Erstaunliches, avanciert in der herrlichen Blues-Club-Sequenz gar zum weißen Eddie Murphy und scheint der ideale Mann für Hughes‘ pfeilschnelle Wortwechsel. Ilan Mitchell-Smith, von dem man danach nicht mehr viel gehört hat, gibt den Straight Man, damit Hall neben ihm gleich nochmal so witzig rüberkommt, hat außer einer an Jerry Lewis erinnerndern Stimme sonst aber nicht viel zu bieten. Kelly LeBrock, die spätere Frau Seagal, muss eigentlich auch nicht viel mehr tun als gut aussehen, hat als herzensgute Femme Fatale aber ebenfalls eine recht originelle Rolle abbekommen, die sie mit Leben zu füllen versteht, Bill Paxton ist als redneckiger Arschlochbruder Wyatts ebenfalls perfekt besetzt und in einer Nebenrolle rollt Robert Downey jr. die schönen braunen Augen und trägt Shorts zur stylischen Lederjacke. Gute, kurzweilige, aber niemals flache Unterhaltung also, die zudem ohne Durstrecken und nennenswerte Mängel auskommt; es sei denn, man begreift seine entwaffnende Harmlosigkeit als solchen. Wahrscheinlich genau der Film, den Hughes brauchte, um die Kraft für sein Meisterwerk FERRIS BUELLER’S DAY OFF zu sammeln und damit ohnehin rehabilitiert.

Oje. Ein Wiedersehen mit einem einst sehr geliebten Film, das leider nicht ganz so erfreulich verlaufen ist. Ich fürchte, ich bin der Zielgruppe einfach entwachsen: Die Probleme, die einem als Teenager unüberwindlich und existenziell erscheinen, habe ich hinter mir gelassen und irgendwie scheint sich damit auch der Bedarf für THE BREAKFAST CLUB erübrigt zu haben. Beziehungsweise: Die größere Distanz zum Film hat den Blick geöffnet für arge dramaturgische Schwächen, die mir so vor 15 Jahren nicht aufgefallen sind – oder die damals einfach nicht ins Gewicht fielen.

Dabei war mir ja durchaus bewusst, dass THE BREAKFAST CLUB – der TWELVE ANGRY MAN des Teeniefilms – konzeptionell nicht unproblematisch ist. Da werfen ein paar Nachsitzer ihrem Lehrer vor, sie in Schubladen zu stecken, anstatt sie als Individuen zu begreifen, und Hughes steckt sie selbst in diese Schubladen. Klar, das gehört zum Kniff des Films, der sowas wie das Manifest des Teeniegenres ist: Der Jock, der Nerd, die Prinzessin, die Durchgeknallte und der Kriminelle, sie alle werden durchpsychologisiert, mit Background und Neurosen ausgestattet, sodass kein nachfolgender Film sich diese Arbeit noch machen musste. Und weil Klischees natürlich nicht aus dem Nichts kommen, Hughes zudem über einiges Fingerspitzengefühl und glaubwürdige Darsteller verfügt, emanzipieren sich seine Figuren von ihren Etikettierungen und werden lebendig.

Zumindest für die ersten beiden Drittel des Films. Denn danach stellt der über allem stehende pädagogische Eifer Hughes ein Bein. Zu SIXTEEN CANDLES hatte ich noch geschrieben, dass er in seiner Episodenhaftigkeit sympathisch, aber auch noch etwas zerfahren ist, während spätere Filme – etwa THE BREAKFAST CLUB – dieses Problem in den Griff bekommen hätten. Das stimmt nicht. THE BREAKFAST CLUB ist genau solange großartig, wie er episodisch erzählt, wie er aufbaut, die fünf denkbar unterschiedlichen Schüler dabei zeigt, wie sie versuchen, die Zeit rumzukriegen, wie sie ihre Claims gegeneinander abstecken, sich belauern und abtasten, wie sie schließlich über die Konfrontation mit dem gemeinsamen Feind – Principal Vernon (großartig: Paul Gleason) – zueinander finden und eine Allianz bilden, die ihre Differenzen bröckeln lässt. Wenn sich im Schlussdrittel aber alle fünf zusammensetzen und voreinander ihr Innerstes offenbaren, fühlt man sich eher an Schülertheater und Psychologie-AG erinnert. Zeigte Hughes zuvor großes Geschick, seine Figuren in kleinen Gesten oder pointierten Dialogzeilen zu charakterisieren, ergeht er sich nun in den Klischees der Inszenierung: Alle müssen weinen und der Ernst, mit dem die Teenieprobleme durchgekaut werden, grenzt schon an unfreiwillige Komik. Hughes‘ Vorhaben ist sicherlich ehrenhaft: Er will diese Teenies mit ihren Sorgen ernst nehmen, eben nicht mit der angeblichen Weisheit des Alters auf sie herunterblicken. Aber da kommt ihm eben das Konzept in die Quere, das diese Jugendlichen zum Zweck der Dramaturgie auf Schablonen reduziert, damit es passt. Dass am Ende alles aufgehen muss, jeder seine Lektion gelernt hat – selbst der Rektor, der in der besten Szene des Films ausgerechnet vom Hausmeister auf seine Fehler aufmerksam gemacht wird –, alle Mädels unter der Haube sind, ist einfach zu viel des Guten – wenn nicht gar verlogen. THE BREAKFAST CLUB ist natürlich ein eminent wichtiges filmisches Zeitzeugnis, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber dass er seinen Status als Klassiker und Kultfilm genießt, ist eher darauf zurückzuführen, dass er seiner Zielgruppe damals aus der Seele sprach, nicht darauf, dass er ein wirklich großer Film wäre.

Samantha (Molly Ringwald) lernt auf die harte Tour, was es bedeutet, erwachsen zu werden: Ihre ganze Familie vergisst in der allgemeinen Aufregung um die bevorstehende Hochzeit von Samanthas Schwester deren sechzehnten Geburtstag. Und zu allem Überfluss verliert sie in der Schule auch noch den Zettel mit dem ausgefüllten Sextest, auf dem sie den Namen ihres großen Schwarms Jake Ryan (Michale Schoeffling) vermerkt hat. Der ist jedoch mitnichten so abgeneigt, wie sie glaubt. Vorerst muss sie jedoch die Annäherungsversuche des hartnäckigen Nerds (Anthony Michael Hall) abwehren …

John Hughes Regiedebüt mag nicht ganz so bekannt und ausgereift sein wie seine späteren genredefinierenden Erfolgsfilme THE BREAKFAST CLUB, WEIRD SCIENCE oder FERRIS BUELLER’S DAY-OFF, dafür besitzt er eine anarchische Wildheit, die überaus ansteckend ist und den Film komplett aus dem Ruder laufen lässt. Die beiden parallel laufenden Plots – neben der Liebesgeschichte mit Hindernissen um Samantha und Jake widmet sich Hughes dem Aufstieg des Losers zum selbstbewussten Charmeur – kämpfen gleichermaßen um die Aufmerksamkeit des Zuschauers und erst gegen Ende, wenn Anthony Michael Halls nur „The Geek“ genannter Charakter mit dem It-Girl der Schule auf dem Rücksitz eines Rolls Royce aufwacht, erinnert sich Hughes daran, dass der doch eigentlich nur eine Nebenfigur war und beschert seiner Protagonistin Samantha das Happy End, das man erwarten durfte. Und so wie Hughes also seine Protagonistin zeitweise vergisst, mäandert SIXTEEN CANDLES in loser episodischer Folge von einer pubertären Katastrophe zur nächsten. Die ausufernde Party etwa, bei der das Haus von Jakes Eltern sprichwörtlich in Schutt und Asche gelegt wird, ließ mich als empathiebegabten Zuseher mehr als einmal das Gesicht verziehen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Da erscheinen selbst Terry Gilliams apokalyptischen Partyvisionen aus FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS nicht wesentlich schlimmer. Zusammengehalten wird SIXTEEN CANDLES also weniger durch dramaturgische Einheit, sondern durch einen gewissen jugendlichen Spirit – den einzufangen bzw. in Form zu gießen Hughes später dann perfektionieren sollte – und die Leistung von Anthony Michael Hall, der als selbstbewusster Nerd brilliert und jede seiner Szenen komplett regiert. Schade, dass ihm sein milchbubihaftes Äußeres wohl eine größerer Karriere verwehrt hat: Seine Interpretationhier schlägt so ziemlich alles, was seine Bratpack-Genossen zur gleichen Zeit abgeliefert haben.

In einem Film voller Szenen und Ideen gibt es natürlich auch ein paar weniger gelungene: Ich wäre auch ohne den trotteligen Koreaner mit dem albernen Namen „Long Duk Dong“ ausgekommen und die finale Hochzeit von Samanthas Schwester setzt dem Film noch eine Katastrophe obendrauf, die gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Letztlich egal, denn SIXTEEN CANDLES ist trotzdem temporeiches, witziges und schwer sympathisches Teeniekino – und das impliziert ja fast einen gewissen Übereifer.