Mit ‘Armand Assante’ getaggte Beiträge

Ein puertoricanischer Gangster wird vom Polizisten Mike Brennan (Nick Nolte) erschossen – in Notwehr wie der Polizist behauptet und mehrere Zeugen bestätigen. Der Staatsanwalt Al Reilly (Timothy Hutton), ein Anfänger, wird damit beauftragt die Ermittlungen zu leiten – und das vorgefertigte Urteil „Notwehr“ am Ende zu bestätigen. Doch Reilly stößt schnell auf Ungereimtheiten: Es sieht so aus, als habe Brennan den Gangster förmlich hingerichtet – doch auf wessen Auftrag? Er stößt bei seinen Nachforschungen nicht nur auf eine lange Geschichte der Korruption, sondern auch auf unter der Oberfläche schwelenden Rassismus. Kann er sich selbst davon freisprechen?

Mir fällt nicht wirklich etwas Schlaues zu Q&A ein – weshalb ich dann auch wieder einmal den ganz konservativen Einstieg mit Inhaltsangabe gewählt habe. Mit SERPICO und PRINCE OF THE CITY hat Lumet Klassiker des Polizeifilms geschaffen; Filme, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben und als definitive Statements zu Korruption im Polizeidienst gelten dürfen. Q&A hat dem nichts wesentlich Neues hinzuzufügen: Der Idealist Reilly stößt auf einen bis in die Mikrostruktur des Systems reichenden Filz, der sich auch dann nicht beseitigen lässt, wenn man ein paar Köpfe ihrer gerechten Strafe zuführt. Am Ende sind einige Sündenböcke geopfert worden, doch der politisch ambitionierte Chef des Morddezernats Quinn (Patrick O’Neal), ein Hardliner mit geheim gehaltener krimineller Vergangenheit, darf weiter im Amt bleiben. Mit gewohnt unprätentiösem Professionalismus erzählt Lumet diese Geschichte mit etwas weniger Konzentration, als ihr gut getan hätte. Die Ermittlungen – die der Titel ins Zentrum rückt – treten schnell zugunsten der Fokussierung auf die involvierten Gangsterbosse in den Hintergrund. Armand Assante gibt den Belastungszeugen Bobby Texador als schmierigen Verführer und beansprucht so etwas zu viel Aufmerksamkeit. Die Mafia mischt auch noch mit und tritt in den genretypischen Kleinkrieg mit dem Puertoricaner, inklusive konspirativer Treffen, Verrat und Auftragsmorden. Das alles verwässert den Film und wirkt im Jahr von GOOD FELLAS wie ein Zugeständnis an den Zeitgeist. Wenn man sich daran erinnert, was Lumet aus seinem Kammerspiel 12 ANGRY MAN herauszuholen wusste, der ahnt, dass die hier vollführten Handlungssprünge von New York nach Miami nach Puerto Rico und zurück nicht sein Steckenpferd sind.

Zu sich kommt der Film in den leisen Momenten. Im romantischen Subplot, sonst meist lästige Beigabe, tritt am klarsten hervor, worum es Lumet eigentlich geht. Während der Zeugenbefragungen trifft Reilly seine ehemalige Freundin, die Puertoricanerin Nancy (Jenny Lumet), wieder. Sie hatte ihn vor sechs Jahren ohne Nennung von Gründen verlassen, war von einem Tag auf den anderen aus seinem Leben verschwunden. Nun ist sie mit dem Gangster Bobby Texador liiert. Als Al sie, immer noch schwer verletzt von ihrer Trennung, konfrontiert, erfährt er, was sie damals dazu brachte, so abrupt aus seinem Leben zu verschwinden: es war sein Blick, als er feststellte, dass der Vater seiner Geliebten ein Schwarzer ist. Reilly muss akzeptieren, dass er sich von dem Allagsrassismus, den er in der Polizei am Werk sieht, selbst nicht frei machen kann. Die Probleme, auf die er in seinem Job stößt, haben ihren Ursprung in jedem einzelnen Individuum. Der Film schließt mit Reillys Voice-over. Er hat Nancy auf einer kleinen Karibikinsel ausfindig gemacht, auf die sie sich nach der Ermordung Bobbys zurückgezogen hat. Schweigend sitzen sie nebeneinander am Strand, schauen wortlos aufs Wasser. Solange, bis er selbst mit sich im Reinen, der Keim des Rassismus in seinem Innersten abgetötet ist. Es ist der stärkste Moment des Films. Schade, dass man 2 Stunden auf ihn warten muss.

Frank (William Baldwin), Bug (Dash Mihok), Dennis (Jason Gedrick), Paddy (Jim Breuer) und Chuck (Josh Hopkins) sind seit ihrer Kindheit dicke Freunde und außerdem in die mafiösen Strukturen ihres Viertels verwickelt, hinter denen der rücksichtslose Holly (Armand Assante) steht. Als Dennis anscheinend an einer Überdosis stirbt, vermutet Frank einen Mord. Und die Aufklärung dieses Mordes wird auch einen Keil zwischen die Freunde treiben …

Es steckt viel drin in HELL’S KITCHEN: Er handelt von einer alten Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird, von der Melancholie, mit der die Vergangenheit aus einer Gegenwart heraus betrachtet wird, die längst nicht all das gebracht hat, was man sich von ihr erhofft hatte, vom graduellen Abstieg in die Kriminalität und von den sozialen Verstrickungen seines Handlungsorts. Moresco gelingt es zunächst ganz gut, das Bild einer „Dorfgemeinschaft“ mitten in der Millionenmetropole einzufangen, wohl auch, weil ihm kein riesiges Budget im Weg steht, das in jeder Szene um Aufmerksamkeit buhlen würde. Alles ist etwas kleiner, understated, und das funktioniert in Verbindung mit der herbstlich-traurigen Stimmung sehr gut. Soviel zu den positiven Seiten, zu denen natürlich auch die durchweg gute Besetzung zählt. Leider kann sich Moresco aber einige schrecklich abgegriffene Inszenierungsklischees nicht verkneifen, die seiner eh schon nicht besonders originellen Geschichte auch noch den letzten Rest Leben „absaugen“. In Gewaltszenen muss eine hässliche Ruckel-SloMo herhalten, will er zeigen, wie sehr die Freunde einander lieben, dann müssen sie gemeinsam singen und sich besaufen. Den Gnadenschuss verpasst er HELL’S KITCHEN aber zum eigentlich traurigen Finale, das er unter Einsatz von Zeitlupe, einem ultrapathetischen Score und dem übertriebenen Spiel seiner Darsteller zum opernhaften Kitschfest übersteigert, das mich vor Fremdscham zusammenzucken ließ. Schade um die guten Ansätze, die durch dieses Ende ziemlich nivelliert werden.