Mit ‘Arnold Schwarzenegger’ getaggte Beiträge

Es ist mir nicht möglich, unserem alten Himmelhunde-Text, der nunmehr auch schön fünf Jahre alt ist, noch Wesentliches hinzuzufügen. Ich beschränke mich deshalb auf ein paar persönliche Eindrücke.

Zunächst mal: Beeindruckend, wie Camerons Film einer ähnlich gut geölten, unaufhaltsamen Maschine gleicht, wie sie auch der titelgebende Terminator in der Darstellung Schwarzeneggers ist. Das ganze erste Drittel, in dem die drei Protagonisten strategisch in Stellung gebracht werden, ist ein Musterbeispiel ökonomischer Inszenierung. Keine Szene, kein Bild ist hier überflüssig. Wie es Cameron unter fast vollständigem Verzicht auf erklärende Dialoge gelingt, die Mission des Terminators sowie die drohende Gefahr für Sarah Connor für den Zuschauer greif- und nachvollziehbar zu machen, ist schlicht meisterlich. Weil er zwischen den beiden Konfliktparteien hin- und herschneidet, ist der Zuschauer dem Geschehen immer einen Schritt voraus. Bis zum ersten Aufeinandertreffen von Sarah, Kyle und dem Terminator steigert sich die Spannung stetig und mit eisiger Präzision. Das passt zu einem Film, der sich der dramaturgisch eigentlich undankbaren Aufgabe stellt, seine eigene inhaltliche Ausgangslage zu ermöglichen, indem er genau das erfüllt, was von Anfang an Status quo ist. „Du redest über Dinge, die ich noch nicht getan habe, in der Vergangenheit!“, sagt Sarah einmal zu Reese und bringt das Dilemma der Heldin damit auf den Punkt. Zeichnet sich der Held im klassischen Verständnis dadurch aus, dass er sich den Gegebenheiten widersetzt, sie umkehrt, selbst Geschichte, Schicksal schreibt, muss Sarah Connor lernen, das zu werden, was schon vorgezeichnet ist. Es gibt keine Freiheit für sie. Und doch vollzieht sich das Unabdingbare in THE TERMINATOR stets spontan.

Camerons Film ist supereinflussreich gewesen, seine Nachbeben spürt man noch heute im apokalyptischen Film, er prägte Schwarzeneggers Karriere wahrscheinlich wie kein anderer und erfand mit „Tech Noir“ gleich noch den Begriff, mit dem man die Verbindung von düsterer Noir-Metaphorik und High-Tech-Science-Fiction bezeichnet. Was für mich aber mehr als seine Maschinenästhetik den Geist des Films ausmacht, ist die Liebesszene zwischen Sarah und Kyle. Sie ist der Knotenpunkt, in dem die Zeitachsen zusammenlaufen, in dem der Film vom reinen Actioner zur tragisch-existenziellen Bestandsaufnahme wird. Und wenn sich der Zirkel am Schluss mit der Entstehung jenes Fotos, aufgrund dessen Kyle Reese sich in Sarah verliebt, schließt, ist das pure Magie. Ja, eigentlich ist THE TERMINATOR der Film über eine die Gesetze von Zeit und Raum aufhebende und überschreitende Liebe; eine Liebe, die ihre eigene Verwirklichung gegen jede naturwissenschaftliche Wahrscheinlichkeit erzwingt und im Vollzug die Grundlage für ihre eigene Existenz erneut schafft. In dem Moment, in dem Sarah und Kyle sich in der Gegenwart vereinigen und ihren Sohn zeugen, gewährleisten sie, dass sie sich „wiedertreffen“ (weil John Kyle ja aus der Zukunft in die Vergangenheit – Sarahs Gegenwart – schickt). In einer Zeitschleife erleben sie jene kurzen friedlichen Stunden der Intimität, in denen sie allein sind und der Terminator noch weit weg, in denen sie ihr Schicksal annehmen und die ihnen zugedachte Aufgabe erfüllen, bis in alle Ewigkeit.

Von allen großen Actiondarstellern der Achtzigerjahre war Arnold Schwarzenegger der modernste. Während Kollegen wie Sylvester Stallone oder Chuck Norris mit heiligem Ernst und stoischer Miene ihren Dienst verrichteten und dabei an wiedergeborene Helden der Antike erinnerten, da positionierte sich „Arnie“ schon früh in ironischer Distanz zu sich selbst. Was zu Beginn aus der Not geboren war – als Quereinsteiger aus Österreich mit entsprechendem Akzent brachte er nicht die Mittel mit, um als Schauspieler wirklich ernstgenommen zu werden –, entwickelte sich bald zum Markenzeichen. Arnie war immer Arnie, ob er nun Conan, T-100, John Matrix oder Dutch hieß. Anders als Stallone, dessen Persona gewissermaßen ihre Apotheose in Rocky Balboa und John Rambo fand, verschwanden Schwarzeneggers Figuren hinter ihrem Star. So konnte Schwarzenegger auch außerhalb des Actionfilms erfolgreich sein (TWINS markiert den Komödienhit, um den sich Stallone umsonst bemühte) und seine Karriere in die Neunzigerjahre hinüberretten, das Jahrzehnt der Ironie, in dem seine einstigen Konkurrenten entweder gänzlich von der Bildfläch verschwanden oder aber deutlich an Popularität einbüßten.

Für seine Rückkehr auf die Leinwand nach rund zehnjähriger Abwesenheit (ein paar Nebenrollen und Cameos nicht mitgerechnet) durfte Schwarzeneggers Hang zur Selbst-Darstellung durchaus skeptisch stimmen: Im fürchterlichen THE EXPENDABLES 2 waren Schwarzeneggers Auftritte am schmerzhaftesten, zeigten die schlimmsten Auswüchse seiner Selbst-Ironisierung und -Mythologisierung. Ein ganzer Film davon wäre kaum zu ertragen gewesen. Erstaunlicherweise ist THE LAST STAND, der auch Kim Jee-Woons Hollywood-Debüt darstellt, keineswegs das Zeugnis einer triumphalen Rückkehr nach langer Abwesenheit, selbstbewusste Zelebrierung einer Leinwandlegende zu Lebzeiten oder Hollywoods kulturelle Hegemonie demonstrierender Event-Overkill, sondern vergleichsweise unaufgeregt und ruhig. Noch nicht einmal aus dem stattlichen Alter des Hauptdarstellers, das in den jüngsten Werken seiner ehemaligen Mitstreiter stets mitthematisiert wurde, möchte er eine große Sache machen. Und so verlässt sich der immer schon bildgewaltig inszenierende Kim Jee-Woon ganz auf seinen ikonischen Helden: Es reicht, Schwarzenegger im Sheriff-Outfit vor der Wüstenkulisse zu sehen, um die richtigen Assoziationen zu wecken. Beispielsweise: Western, Wayne, THE WILD BUNCH. Leben, Sterben, letzter Kampf. THE LAST STAND eben.

Ein bisschen mehr Aufregung hätte es dann aber doch ruhig sein dürfen. In den ersten beiden Dritteln, in denen letztlich bloß alle Parteien für den Showdown in Position gebracht werden, ist THE LAST STAND richtiggehend leer und damit auch ziemlich beliebig und langweilig. Summerton, das Provinznest in der Einöde, in dem Sheriff Ray Owens (Schwarzenegger) seinem verdienten Ruhestand entgegensieht, wird nie lebendig, nie entsteht diese symbiotische Bindung zwischen dem Ort und dem Protagonisten, die doch so wichtig wäre (und die beispielsweise in Mangolds COP LAND so wunderbar aufgebaut wird). Alle Nebenfiguren sind Klischees, die nicht mehr groß erklärt werden müssen, aber hier erfüllen sie kaum noch ihre Funktion als Klischees. Der Schurke schließlich ein Schurke nur seiner Reputation nach. In THE LAST STAND tut er eigentlich nicht mehr als wegzulaufen und sich den falschen Ort für die Grenzüberquerung nach Mexiko auszusuchen. Er hat keinerlei Präsenz, wohl auch, weil er fast den ganzen Film über in Bewegung ist. Wie er da in einem superschnellen Sportwagen seinem Ziel entgegenrast, an dem Sheriff Owens und Partner die Vorbereitungen zur Verteidigung treffen, weckt natürlich Erinnerungen an HIGH NOON. (Die nur sporadisch eingesetzten und deswegen wirkungslos verpuffenden Zeiteinblendungen tun ihr Übriges.) Aber viel eher illustriert seine Abhängigkeit von einer PS-Schleuder, dass er seinem Gegner, dieser Verkörperung unverrückbarer Gegenwart, nicht gewachsen sein wird.

All dieser schwerwiegenden Probleme zum Trotz findet THE LAST STAND im Showdown dann doch noch wie durch ein Wunder zu sich. Kim Jee-Woons bis dahin unauffällig im Dienste der Plotabwicklung stehende Regie trägt entscheidend dazu bei. Insgesamt mag sein Film flüchtig wirken, leicht und vergänglich, aber im Explodieren der Schüsse und dem Krachen ihrer Einschläge entwickelt er eine ungemeine Physis, eine Unmittelbarkeit, die nach dem beliebigen Auftakt fast erschreckt. Statt elaborierter Stunts und überdrehter Set Pieces setzt es einen furztrockenen Shootout nach dem anderen, keine durchchoreografierten Bullet Ballets, sondern kurze, heftige Duelle. Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Gerade. Bumm, zack, another one bites the dust. Da merkt man dann auch, dass THE LAST STAND richtig toll aussieht. Supercrisp brennt die Sonne vom endlos blauen Himmel, macht die Konturen so scharf, dass es in den Augen schmerzt. Das Maisfeld, in dem sich die Boliden belauern, eine schöne Enturbanisierung des Finales von Walter Hills großartigem THE DRIVER. Und am Schluss, als sich der Drogenbaron Gabriel Cortez und Ray Ownes schließlich gegenüberstehen, auf einer provisorischen Brücke, die die Henchmen des Bösewichts für seine Flucht aus dem Boden gestampft haben, da sehen sie aus, wie in einen alten Western-Screenshot hineinretuschiert. Aber nur einer fühlt sich hier zu Hause. Das Zeug zum John Wayne hat Arnie, jetzt muss er nur noch seinen THE SEARCHERS machen (bis zu THE SHOOTIST hat er ja noch Zeit). THE LAST STAND ist eher TRUE GRIT, aber immerhin.

THE EXPENDABLES hat mich vor etwas mehr als zwei Jahren wahnsinnig glücklich gemacht: Ein richtig guter Film war er trotzdem nicht. Die Freude darüber, die alten Recken nach teilweise entbehrungsreichen Jahren in einem großen Actionfilm vereint zu sehen, überdeckte die milde Enttäuschung darüber, dass Slys Film kein großes „Fuck You!“ an die modernen Sitten und Gebräuche des Actionkinos darstellte, sondern weitestgehend dessen fragwürdigen ästhetischen Rahmenbedingungen verpflichtet war. Dass THE EXPENDABLES verglichen mit anderen Großproduktionen dennoch beinahe bescheiden rüberkam – was Viele ihm ankreideten –, er nicht versuchte, das Rad neu zu erfinden oder Michael Bay und Konsorten in Sachen Megalomanie zu überbieten, fand ich sehr angenehm. Es passte zur Altersmüdigkeit seiner Darsteller, zu ihrem Wissen, dass der eigene Mythos längst gesichert ist. Niemand von ihnen musste irgendwem noch irgendwas beweisen. Bei THE EXPENDABLES 2 ist die Unschuld weitestgehend verloren: Die Freude über das Wiedersehen, das schöne Gefühl, den alten Helden bei ihrer verdienten Ehrenrunde zujubeln zu dürfen, weicht hier dem Eindruck, dass das alte Eisen den angekündigten Ruhestand gern noch ein paar Jahre nach hinten verschiebt, wenn die große Kasse winkt. THE EXPENDABLES war ein Geschenk, THE EXPENDABLES 2 ist im Grunde Business as usual. THE EXPENDABLES war Black Sabbath einmalig wiedervereint mit Ozzy, THE EXPENDABLES 2 ist die xte Tournee der greisenhaften Rolling Stones. Der Film schmälert schon durch seine bloße Existenz rückwirkend den Liebesdienst, den Sly seinen Fans mit Teil 1 erwiesen hat. Und er wirft teilweise sogar die Frage auf, ob er wirklich verstanden hat, was einen guten Actionfilm auszeichnet, was Fans am Genre und seinen Protagonisten lieben und was am ersten Teil gelungen war.

THE EXPENDABLES handelte seine Action-Set-Pieces fast pflichtschuldig ab, war dafür immer ganz bei sich, wenn er seinen wettergegerbten Helden dabei zusah, wie sie sie selbst waren. Mehr als irgendwelche Stunts oder Effekte sind es die kleinen Momente, die sich bei mir eingebrannt haben: Stallone und Rourke im nachdenklichen Zwiegespräch, die Sorge Jet Lis um sein finanzielles Auskommen, Dolph Lundgrens fall from grace und seine finale Wiederaufnahme im Kreis der Kameraden. Dass ich hier die Namen der Darsteller verwende und nicht die ihrer Rollen, ist zwar meiner Faulheit zuzuschreiben, bei IMDb nachzuschauen, macht aber dennoch Sinn: THE EXPENDABLES bediente den Wunschtraum eines jeden Fans, dass seine Helden (oder etwa die Mitglieder der Lieblingsband) auch privat die dicksten Kumpels sind, in ihrer Freizeit miteiander rumhängen und in Erinnerungen schwelgen, Anekdoten austauschen, sich necken und aufziehen, aber immer für einander da sind. Außergewöhnlich an diesem Film war nicht die Allstar-Besetzung, sondern seine fast unverschämte Relaxtheit. Der generische Plot um Eric Roberts und seine Bananenrepublik hat beim Ehemaligentreffen fast gestört.

Nun also THE EXPENDABLES 2: Die Vermarktungslogik ließ vermuten, dass gegenüber dem Vorgänger vor allem quantitativ zugelegt wird. Und so ist es dann auch: Die Cameos von Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger wurden zu Nebenrollen ausgebaut, Chuck Norris darf einen Gastauftritt absolvieren, Jean Claude Van Damme den Schurken spielen, die Rolle des obersten Henchman, die im Vorgänger Steve Austin zufiel, übernimmt nun Scott Adkins. (Zu meinem Bedauern wurde Gary Daniels nicht adäquat ersetzt. Dabei hätten sich Lorenzo Lamas, Billy Blanks, Roddy Piper, Sasha Mitchell oder Jeff Speakman sicherlich über einen Anruf gefreut und wären wahrscheinlich zu Fuß zum Drehort gelaufen. Na gut, Billy Blanks vielleicht nicht, der dürfte als Tae-Bo-Guru mehr Geld gescheffelt haben als mit allen seinen Filmen zusammen.) Diese personelle Auftstockung wird aber bei genauem Blick schon dadurch relativiert, dass Jet Li bereits nach gut 20 Minuten aus dem Film verschwindet. Ein Fehler, weil es auch sein Rapport mit Dolph Lundgren war, der dem Vorgänger Herz und Seele verlieh. Und Lundgren, der eigentliche Star und emotionale Kern von THE EXPENDABLES, wird hier als hohler Comic Relief verheizt. Randy Couture und Terry Crews waren schon im ersten Teil nur Randfiguren und werden noch mehr marginalisiert. Die Szenen, die das Team bei den gemeinsamen Plauderstündchen zeigen, vermisst man schmerzlich. Gerade, weil sie auch hier wieder genau jene Momente markieren, in denen der Film die Seele offenbart, an der es ihm sonst an allen Ecken und Enden mangelt. Die Actionszenen wurden ausgebaut, sie sind länger, blutiger und auch spektakulärer, zudem – eine der wenigen echten Verbesserungen gegenüber dem ersten Teil – deutlich übersichtlicher und kohärenter inszeniert, aber sie füllen nicht die Lücke, die da sonst klafft.

Wie auch THE EXPENDABLES wird auch sein Sequel voreilig als Eighties-Revival-Action, als Dienst am Fan des guten alten Actionkinos der Achtziger bezeichnet. Das traf schon auf Teil 1 nur bedingt zu (stilistisch hatte er mit den Actionfilmen der Achtziger rein gar nichts zu tun), hier geht es vollkommen an der Sache vorbei. THE EXPENDABLES 2 ist genauso am Reißbrett entworfenes Produkt wie so viele Filme, die man sonst mit dem Arsch nicht anschauen würde. Die Ausnahme ist, dass hier Leute mitspielen, von denen man dachte, dass sie es besser wüssten. Das große Ärgernis des Films ist seine unerträgliche Selbstreferenzialität, mit der er sich eben gerade nicht an die Cracks wendet, an Menschen, die das Werk Stallones, Schwarzeneggers, Norris‘, Lundgrens oder Van Dammes in- und auswendig kennen, es studiert haben und innig lieben. Die hohlen Zitate, die da vor allem Schwarzenegger in einem fort in den Mund gelegt werden, sind genau jene Zeilen, die zu bejubeln man die Quelle gar nicht mehr kennen muss, weil sie längst in den Fundus der Popkultur eingegangen sind. Wie einfallslos und ahnungslos muss man sein, wenn man ein von Arnie geäußertes „I’ll be back“ als Pointe in einer Multimillionen-Dollar-Produktion verkauft, die sich als Oldschool-Action versteht? Wenn man ihn Bruce Willis ein „Yippiekayay“ entgegnen lässt? Das hat nichts mit Ehrerbietung oder Metahumor zu tun (und mit Insiderwitz noch viel weniger), das ist einfach nur miserables Handwerk. Ein Armutszeugnis, ehrlich gesagt. Chuck Norris‘ Auftritt wäre eine schöne Sache gewesen, wenn man sich wenigstens ein bisschen Mühe gegeben hätte, ihn halbwegs sinnvoll in die Handlung zu integrieren. So latscht er in den Film rein, weil er auch noch mitmachen muss und verwandelt ihn in eine härtere Variante von HOT SHOTS. Es hätte nur noch der Schwenk auf das mitfilmende Kamerateam gefehlt, die Entfremdung wäre dadurch kaum stärker ausgefallen.

Solcherlei Stückwerk, die unkreative, ohne Sinn für eine übergeordnete Dramaturgie erfolgte Aneinanderreihung zotiger Gimmicks zerstört dann auch den Effekt, den die gelungeneren Szenen ohne jeden Zweifel hätten haben können. Jean Claude Van Damme hat eine traurig unterentwickelte Schurkenrolle abbekommen, aber er reißt den Film in jeder seiner Szenen an sich. Er muss dafür nicht mehr tun, als anwesend zu sein und sein in den letzten zehn Jahren ausgeprägtes Eisgesicht hinter einer coolen Sonnenbrille zu verbergen. Er sieht aus wie die Muse eines Avantgarde-Künstlers, wie die Gestalt aus einem Kraftwerk-Video: unantastbar, kantig, androgyn, geil. Dem Affentheater, zu dem der Film in den letzten 20 Minuten verkommt, setzt er Arroganz, Selbstbewusstsein und Kaltschnäuzgkeit entgegen. Auch Scott Adkins nutzt seine Mini-Chance und bekommt die Gelegenheit, seinen bewährten Yuri-Boyka-Akzent in einer Hollywood-Produktion unterzubringen (vielleicht der einzig echte In-Joke des Films, schon deshalb, weil er kaum jemandem aufgefallen ist – so ähnlich wie Gary Daniels im Vorgänger). Nur Stallone kann da mithalten. Sein kurzatmig ausgestoßenes „Track him, find him, kill him!“ ist einer der raren Gänsehautmomente des Films. THE EXPENDABES 2 sollte eigentlich voll von solchen Momenten sein, aber die Prioritäten lagen leider woanders.

Der Text ist jetzt etwas schärfer geworden, als ich das vorhatte. Es ist mir tatsächlich genetisch unmöglich, THE EXPENDABLES 2 nicht doch irgendwie zu mögen, aber die Erkenntnis, dass die unantastbaren Helden nicht nur nicht unfehlbar sind, sondern auch noch unter massiven Geschmacksverwirrungen leiden, ist ziemlich schmerzhaft. Ich wollte einen anderen THE EXPENDABLES 2 als diesen. Einen, der ohne dämlichen Humor auskommt, einen, der seine Recken nicht insgeheim zu Clowns degradiert. Einen der mir nicht ständig – wink-wink, nudge-nudge – zuzwinkert und sich mit mir verbrüdern will, indem er mir Witze erzählt, die ich schon kenne. Einen mit Herz und Seele und nicht nach zielgruppenorientierter Marktanalyse zurechtoptimierten Eventklumpen. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich damit einer Minderheit angehöre. Und ich bin durchaus kompromissbereit. Das Problem an THE EXPENDABLES 2 ist nicht in erster Linie, dass er etwas macht, was ich nicht wollte. Sondern dass er das, was er macht, schlecht macht.

Die Schwertmeisterin Red Sonja (Brigitte Nielsen) begibt sich auf den Weg zur Festung der schurkischen Königin Gedren (Sandahl Bergman): Die hatte einst nicht nur Sonjas Familie ermordet, sie ist auch im Besitz eines Steins, mit dessen Hilfe sie die Welt unterjochen will. Der Kämpfer Kalidor (Arnold Schwarzenegger) sowie der kindliche Prinz Tarn (Ernie Reyes jr.) und dessen treuer Diener Falcon (Paul L. Smith) schließen sich ihr an …

Ein Jahr nach CONAN THE DESTROYER drehte Richard Fleischer – wieder für seinen alten Freund Dino De Laurentiis – diesen Barbarenfilm, ebenfalls basierend auf einer allerdings weniger populären Comicserie. Der zum damaligen Zeitpunkt 69 Jahre alte Regisseur wird das später wahrscheinlich bereut haben: Der Film floppte an der Kinokasse, wurde einhellig verrissen, Brigitte Nielsen verlacht und auch heute noch ist man sich weit gehend einig darüber, dass der Film eine einzige Lachnummer ist. So ganz nachvollziehen kann ich das ehrlich gesagt nicht. Klar, RED SONJA ist nicht mehr als harmloses Fantasykino ohne jeden Tiefgang für eher schlichte Gemüter und gehört zudem einem Subgenre an, dessen Höhepunkt CONAN, THE BARBARIAN danach eigentlich nichts mehr hinzuzufügen war, aber das weiß man ja schon, bevor man sich diesen Film anschaut. Man kann ihm Einiges vorwerfen – Nielsens und Schwarzeneggers Schauspielkunst, das mäßig originelle Drehbuch –, aber definitiv nicht, dass er handwerklich schlecht gemacht wäre. Mir hat RED SONJA gestern jedenfalls überraschend gut gefallen: Es gibt ein paar wirklich tolle Bauten und Kulissen zu bewundern, die Kostümbildner haben sich ebenfalls nicht lumpen lassen, prachtvolle Matte Paintings sorgen für Nostalgieschübe, Morricones Score für das Pathos und die große Gefühle, die die Story vermissen lässt, und wenn der Film auch eine durchgehende Dramaturgie und etwas Gewicht vermissen lässt, so sind seine Episoden doch immerhin kurzweilig.

RED SONJA als Fleischer-Film zu betrachten, macht natürlich überhaupt keinen Sinn und man fragt sich schon, ob der zun diesem späten Zeitpunkt seiner Karriere nicht besser beraten gewesen wäre, sich in den Lehnstuhl zurückzuziehen und andere die Arbeit machen zu lassen. Seine beeindruckende Laufbahn hätte sicherlich ein ruhmreicheres Ende verdient gehabt. Lässt man das außen vor, dann kann man mit RED SONJA aber durchaus glücklich werden. Ich finde ihn nicht wesentlich schlechter als Fleischers CONAN-Film.

Königin Taramis (Sarah Douglas) nimmt Conan (Arnold Schwarzenegger) gefangen und verspricht ihm, seine geliebte Valeria von den Toten zurückzuholen, wenn er ein magisches Artefakt erbeutet, dass sich in den Händen des bösen Zauberers Toth-Amon befindet. Gemeinsam mit seinem Gehilfen Malak (Tracey Walter), dem riesenhaften Bombaata (Wilt Chamberlin), dem Zauberer Akiro (Mako), der tapferen Kriegerin Zula (Grace Jones) und der Prinzessin Jhenna (Olivia D’Abo) stürzt sich Conan ins Abenteuer, nur um am Ende zu erfahren, dass die Königin ihn für ihre bösen Pläne benutzt hat …

In Kurzform: CONAN THE DESTROYER kann seinem Vorgänger, Milius‘ misanthropischer Nietzsche-Rezeption CONAN THE BARBARIAN nicht die Butter vom Brot ziehen, versucht dies aber auch gar nicht erst. Statt düsterer Gewalt-, Blut- und Bodenoper von epischen Ausmaßen inszeniert Hollywood-Regielegende Richard Fleischer das Sequel als kurzweilige Nummernrevue mit heftiger Schlagseite in Richtung Komödie. Conan ärgert sich erneut mit einem Kamel rum, stammelt in einer Szene besoffen vor sich hin, die in Liebe für ihn offensichtlich erblindete Jhenna bezeichnet ihn gar als „handsome“ und darf sich vom als Comic Relief eigentlich überflüssigen Sidekick Malak, der wiederum der dominanten Zula Avancen macht, eine Lektion in Sachen Antiaufklärung geben lassen. Die Settings sind hübsch, erreichen aber nie die archaische Qualität des Vorgängers und selbes gilt für die Effekte von Carlo Rambaldi. Selbst der unverwüstlich-pathetische Score von Basil Poledouris, der in Milius‘ Film noch wie Lava aus den Boxen floss, klingt hier irgendwie freundlich und wenn dann auch noch ein Zeichentrickdrache die Prinzessin entführt, weht gar ein Hauch von Disney durch Film, wo CONAN THE BARBARIAN noch nach Blut, Schweiß und Kot roch. Misst man CONAN THE DESTROYER an seinem Vorgänger, dann bleibt wenig Raum für lobende Worte. Wenn man sich davon aber freimachen kann, dann ist das Sequel immerhin ein leidlich spaßiger und unschuldiger Timewaster, der 95 Minuten anspruchslose Kurzweil und bunte Bildchen – courtesy of DoP Jack Cardiff – bietet. Aber – und das ist die traurige Kehrseite der Medaille – brauchte es dafür wirklich einen Mann wie Fleischer? Dessen Karriereende in den Achtzigerjahren muss man nach einer über 40-jährigen Laufbahn, während der er solche Filme hervorbrachte wie 20.000 LEAGUES UNDER THE SEA, BANDIDO, THE VIKINGS, FANTASTIC VOYAGE, THE BOSTON STRANGLER, 10 RILLINGTON PLACE, SEE NO EVIL, SOYLENT GREEN, MANDINGO oder MR. MAJESTYK als traurig und unwürdig bezeichnen. Nach CONAN THE DESTROYER kam zu allem Überfluss auch noch das Schwarzenegger/Nielsen-Vehikel RED SONJA. Schuld daran war der vor kurzem verstorbene Produzent Dino DeLaurentiis, der gute Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Fleischer bei THE VIKINGS hatte. Wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde.

Mit dieser Sichtung von CONAN THE BARBARIAN habe ich mich von einem mir seit meiner Erstbegegnung mit dem Film anhaftenden Makel befreien können: Ich zählte nämlich bislang zu den unglücklichen Seelen, die mit Milius‘ Barbarenfilm, Fantasyklassiker und Lieblingsfilm zahlreicher junggebliebener Männer nicht so richtig warm werden wollten und konnten. Zwar fand ich ihn keinesfalls schlecht – welcher Actionfreund könnte einen Film mit halbbekleideten Muskelprotzen, die sich zu Basil Poledouris‘ testosterongeschwängerter und pathosgetränkter Musik gegenseitig die Köpfe einschlagen, auch schlecht finden? -, aber er hatte – ähnlich wie BLADE RUNNER – immer eine immens einschläfernde Wirkung auf mich. Diesmal bin ich also wachgeblieben, habe den Film sehr genossen und seine bleierne Atmosphäre, die ich bisher immer als Mangel empfunden hatte, als absolut adäquat für einen Film erkannt, der seine vulgärnietzscheanische Übermenschen- und Selbstüberwindungsphilosophie ins Gewand einer nahezu wortlosen Gewaltoper kleidet.

Milius‘ Film beginnt mit dem Nietzsche-Zitat „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ programmatisch-plump und weicht von der damit zum Ausdruck gebrachten Ein-Eindeutigkeit auch in den folgenden zwei Stunden nie ab. CONAN THE BARBARIAN dürfte Milius‘ Evangelium sein: Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der jede ihm auferlegte Prüfung besteht, mag sie auch noch so hart sein, der an erlittenen Qualen zum Übermenschen und König wächst und keine Autorität jenseits seines eigenen Leibes braucht. Dass Conan zunächst noch seinem Gott Krom huldigt, ist ein Zeichen der Schwäche und Unreife, die er – so darf man vermuten – überwindet, als ihm sein Kamerad Subotai (Gerry Lopez) entgegnet, dass es keinen mächtigeren Gott als den Himmel und die vier Winde – also das Universum selbst – geben könne und jeder, der darunter stünde, mithin nicht mehr als ein falscher Götze sei.

CONAN THE BARBARIAN könnte man vielleicht als antiaufklärerisch missverstehen: Die Haudrauf-Mentalität seines Helden, die Verortung in einer vorzivilisatorischen, von Aberglauben geprägten Zeit, in der der Stahl das Maß aller Dinge ist und Menschen sich ausschließlich auf körperlicher Ebene miteinander messen, der fast vollständige Verzicht auf Dialoge und sogar auf einen konventionellen Spannungsbogen ließen sich in diese Richtung interpretieren. Doch bedeutete dies, den radikal-emanzipatorischen Gestus von Milius‘ Film gründlich zu übersehen: CONAN THE BARBARIAN ist zutiefst antiautoritär, indem er jede Religion und mit ihr jede Ordnung, die den Menschen von außen auferlegt wird, verwirft. Das Böse kommt durch Thulsa Doom (James Earl Jones) und seinen Schlangenkult in Conans einfache, nur aus Leben und Tod bestehende Welt, er unterjocht die Menschen, macht sie willenlos und treibt sie in ritualistische Selbstmorde. Conans Reise, die er in Anlehnung an klassische Heldenerzählungen unternimmt, ist demnach auch ein Reifeprozess: von der totalen Abhängigkeit über die Selbsterfahrung hin zur völligen Autonomie. Demzufolge tritt auch seine zunächst ganz konkret persönliche Motivation – Rache am Mörder seiner Eltern – zugunsten eines urspünglichen und a priorischen Überlebenstriebs in den Hintergrund, der jedoch nicht mehr bloß passiv verstanden, sondern von ihm ganz offensiv ausgelegt wird: Was gegen Conan ist, muss getötet werden, damit nur noch Conan übrig bleibt. Das finale Bild, das ihn auf dem Thron als König zeigt, ist nicht bloß ein Bild des Triumphs, sondern auch eins der Einsamkeit: Wie aus Stein gehauen, regungslos, sitzt Conan da und sinniert über sein Schicksal wie ein Gott ohne Jünger.

CONAN THE BARBARIAN ist – abgesehen natürlich von seinem reizvollen Äußeren: weder zuvor noch danach ist die Umsetzung einer gezeichneten Vorlage in Film so gut und nahezu ohne Reibungsverlust gelungen wie hier  – ein schwieriger, ja sogar ein böser Film. Weil er trotz seines Voice-Over-Kommentars keine reflektierende Instanz zwischen Film und Zuschauer schiebt, sich jeden ironisierenden Unterton verkneift, der den grimmen Ernst des Films relativieren würde, und seine Philosophie anhand einer Welt entwickelt, in der es zwischen dem nackten Leben und dem grausamen, mitleidlosen Tod nichts zu geben scheint und die nur, wenn man über ein besonders pessimistisches Menschenbild verfügt, zum Vergleich mit unserer Welt einlädt. Es ist aber vor allem diese einlullende Gleichförmigkeit, das stete und völlig unaufgeregte Wechselspiel aus Sterben und Morden, das den Film vor allem auszeichnet, ihn aber für mich zu einer wahrlich körperlichen Herausforderung gemacht hat. Und ich fühle mich ein bisschen wie Conan, jetzt, wo ich diese Herausforderung bestanden habe.

raw_deal1Mal wieder eine schon viel zu lange bestehende Bildungslücke geschlossen. RAW DEAL, 1986 zwischen COMMANDO und PREDATOR in der Hochphase des Achtzigerjahre-Actionfilms gedreht, hat ein bisschen damit zu kämpfen, dass Irvin dem Trugschluss erliegt, Schwarzenegger in einer „normalen“ Rolle einsetzen zu können bzw. damit, dass Arnies Persona noch nicht etabliert war. RAW DEAL ist auffallend janusgesichtig und das kann man durchaus auch – aber nicht nur – an Schwarzenegger festmachen. Der Film beginnt mit einem Hieb in die Magengrube – Mafiakiller legen einen Kronzeugen und die ihn bewachenden Staatsdiener brutal um -, mildert diesen Impact danach aber durch die eher komische Einführung des Schwarzenegger-Charakters Kaminski. Dieser ist ein ehemaliger FBI-Agent, der unzufrieden ein Dasein als Kleinstadt-Sheriff fristet, aber Gelegenheit zur Rückkehr in den alten Beruf erhält, als der Sohn seines einstigen Mentors ermordet wird. Kaminski schleicht sich in die Organisation des Mafiosi Patrovita (Sam Wanamaker) ein, um diese von innen heraus zu zerstören. Zu Beginn erwartet serviert Irvin noch klassische Cop-Film-Klischees – Probleme mit der Ehefrau und der Disziplin -, deren Ausarbeitung er aber schnell über Bord wirft. (Absolut auffällig wie RAW DEAL einen Bogen um das Thema „Sexualität“ macht: Arnie wird auch hier schon beinahe entsexualisiert.) Doch auch den meisten gängigen Regeln des Undercover-Subgenres verweigert er sich: Zu viel Spaß hat Kaminski in seiner Rolle als Killer, der sich das Vertrauen der Mafiosi erschleicht, zu wenig Angst macht ihm die Gefahr, enttarnt zu werden, mehr noch, zu wenig scheint ihn die Geheimhaltung seiner wahren Identität überhaupt zu interessierern, so aufreizend unvorsichtig geht er vor. Hier zeigt sich schon, dass es für Schwarzenegger zwischen mythischer Überhöhung, völliger Entpersonalisierung oder aber komischer Selbstpersiflage nur wenig Einsatzmöglichkeiten gibt.

RAW DEAL schrammt zwischenzeitlich immer wieder haarscharf an der Komödie vorbei, muss seinen Charakter zum Showdown hin beinahe vollkommen resetten, um in das kathartische Inferno münden zu können. Das Finale bricht mit dem vorher etablierten Bild von Kaminski als einem Schelm, dessen Frechheit ihn sprichwörtlich unverwundbar macht, und terminatorisiert ihn – schlägt somit den Bogen vom einen Extrem der Schwarzengger-Persona zur anderen: Zwar wird diese Verwandlung durch eine hastig eingeschobene Szene – sein Mentor wird seinerseits niedergeschossen – motiviert, diese macht die Sache jedoch kaum plausibler. Mit Lederjacke und einem hübschen Waffenarsenal – damit gleichermaßen Vergleiche mit THE TERMINATOR und COMMANDO evozierend – pflügt sich Kaminski gnadenlos durch die feindlichen Heerscharen, fast so als gäbe es etwas aufzuholen, was vorher versäumt wurde. RAW DEAL ist trotz oder auch wegen dieser Unausgewogenheit ein schöner Vertreter des Genres, das ich so liebe. Irvin gelingen durchaus ein paar tolle Momente: Die Schwarzblende, nachdem Kaminskis Freund ihm vom Tod seines Sohnes erzählt hat, hat eine geradezu niederschmetternde Wirkung; die Eröffnungssequenz, die ich schon erwähnte, drückt den Betrachter mit ihrer überfallartigen Inszenierung tief ins Sitzkissen und die Überblendung von einer gewaltigen Explosion auf Kaminski verleiht der Figur eine Bedrohlichkeit, die Schwarzeneggers Spiel sonst eher unterwandert. Man addiere ein paar Größen wie Paul Shenar und Robert Davi, fertig ist die gelungene Abendunterhaltung. An die Sternstunden des Genres kommt RAW DEAL, so viel sollte klar geworden sein, aber nicht heran.