Mit ‘Arnold Schwarzenegger’ getaggte Beiträge

Die Schwertmeisterin Red Sonja (Brigitte Nielsen) begibt sich auf den Weg zur Festung der schurkischen Königin Gedren (Sandahl Bergman): Die hatte einst nicht nur Sonjas Familie ermordet, sie ist auch im Besitz eines Steins, mit dessen Hilfe sie die Welt unterjochen will. Der Kämpfer Kalidor (Arnold Schwarzenegger) sowie der kindliche Prinz Tarn (Ernie Reyes jr.) und dessen treuer Diener Falcon (Paul L. Smith) schließen sich ihr an …

Ein Jahr nach CONAN THE DESTROYER drehte Richard Fleischer – wieder für seinen alten Freund Dino De Laurentiis – diesen Barbarenfilm, ebenfalls basierend auf einer allerdings weniger populären Comicserie. Der zum damaligen Zeitpunkt 69 Jahre alte Regisseur wird das später wahrscheinlich bereut haben: Der Film floppte an der Kinokasse, wurde einhellig verrissen, Brigitte Nielsen verlacht und auch heute noch ist man sich weit gehend einig darüber, dass der Film eine einzige Lachnummer ist. So ganz nachvollziehen kann ich das ehrlich gesagt nicht. Klar, RED SONJA ist nicht mehr als harmloses Fantasykino ohne jeden Tiefgang für eher schlichte Gemüter und gehört zudem einem Subgenre an, dessen Höhepunkt CONAN, THE BARBARIAN danach eigentlich nichts mehr hinzuzufügen war, aber das weiß man ja schon, bevor man sich diesen Film anschaut. Man kann ihm Einiges vorwerfen – Nielsens und Schwarzeneggers Schauspielkunst, das mäßig originelle Drehbuch –, aber definitiv nicht, dass er handwerklich schlecht gemacht wäre. Mir hat RED SONJA gestern jedenfalls überraschend gut gefallen: Es gibt ein paar wirklich tolle Bauten und Kulissen zu bewundern, die Kostümbildner haben sich ebenfalls nicht lumpen lassen, prachtvolle Matte Paintings sorgen für Nostalgieschübe, Morricones Score für das Pathos und die große Gefühle, die die Story vermissen lässt, und wenn der Film auch eine durchgehende Dramaturgie und etwas Gewicht vermissen lässt, so sind seine Episoden doch immerhin kurzweilig.

RED SONJA als Fleischer-Film zu betrachten, macht natürlich überhaupt keinen Sinn und man fragt sich schon, ob der zun diesem späten Zeitpunkt seiner Karriere nicht besser beraten gewesen wäre, sich in den Lehnstuhl zurückzuziehen und andere die Arbeit machen zu lassen. Seine beeindruckende Laufbahn hätte sicherlich ein ruhmreicheres Ende verdient gehabt. Lässt man das außen vor, dann kann man mit RED SONJA aber durchaus glücklich werden. Ich finde ihn nicht wesentlich schlechter als Fleischers CONAN-Film.

Königin Taramis (Sarah Douglas) nimmt Conan (Arnold Schwarzenegger) gefangen und verspricht ihm, seine geliebte Valeria von den Toten zurückzuholen, wenn er ein magisches Artefakt erbeutet, dass sich in den Händen des bösen Zauberers Toth-Amon befindet. Gemeinsam mit seinem Gehilfen Malak (Tracey Walter), dem riesenhaften Bombaata (Wilt Chamberlin), dem Zauberer Akiro (Mako), der tapferen Kriegerin Zula (Grace Jones) und der Prinzessin Jhenna (Olivia D’Abo) stürzt sich Conan ins Abenteuer, nur um am Ende zu erfahren, dass die Königin ihn für ihre bösen Pläne benutzt hat …

In Kurzform: CONAN THE DESTROYER kann seinem Vorgänger, Milius‘ misanthropischer Nietzsche-Rezeption CONAN THE BARBARIAN nicht die Butter vom Brot ziehen, versucht dies aber auch gar nicht erst. Statt düsterer Gewalt-, Blut- und Bodenoper von epischen Ausmaßen inszeniert Hollywood-Regielegende Richard Fleischer das Sequel als kurzweilige Nummernrevue mit heftiger Schlagseite in Richtung Komödie. Conan ärgert sich erneut mit einem Kamel rum, stammelt in einer Szene besoffen vor sich hin, die in Liebe für ihn offensichtlich erblindete Jhenna bezeichnet ihn gar als „handsome“ und darf sich vom als Comic Relief eigentlich überflüssigen Sidekick Malak, der wiederum der dominanten Zula Avancen macht, eine Lektion in Sachen Antiaufklärung geben lassen. Die Settings sind hübsch, erreichen aber nie die archaische Qualität des Vorgängers und selbes gilt für die Effekte von Carlo Rambaldi. Selbst der unverwüstlich-pathetische Score von Basil Poledouris, der in Milius‘ Film noch wie Lava aus den Boxen floss, klingt hier irgendwie freundlich und wenn dann auch noch ein Zeichentrickdrache die Prinzessin entführt, weht gar ein Hauch von Disney durch Film, wo CONAN THE BARBARIAN noch nach Blut, Schweiß und Kot roch. Misst man CONAN THE DESTROYER an seinem Vorgänger, dann bleibt wenig Raum für lobende Worte. Wenn man sich davon aber freimachen kann, dann ist das Sequel immerhin ein leidlich spaßiger und unschuldiger Timewaster, der 95 Minuten anspruchslose Kurzweil und bunte Bildchen – courtesy of DoP Jack Cardiff – bietet. Aber – und das ist die traurige Kehrseite der Medaille – brauchte es dafür wirklich einen Mann wie Fleischer? Dessen Karriereende in den Achtzigerjahren muss man nach einer über 40-jährigen Laufbahn, während der er solche Filme hervorbrachte wie 20.000 LEAGUES UNDER THE SEA, BANDIDO, THE VIKINGS, FANTASTIC VOYAGE, THE BOSTON STRANGLER, 10 RILLINGTON PLACE, SEE NO EVIL, SOYLENT GREEN, MANDINGO oder MR. MAJESTYK als traurig und unwürdig bezeichnen. Nach CONAN THE DESTROYER kam zu allem Überfluss auch noch das Schwarzenegger/Nielsen-Vehikel RED SONJA. Schuld daran war der vor kurzem verstorbene Produzent Dino DeLaurentiis, der gute Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Fleischer bei THE VIKINGS hatte. Wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde.

Mit dieser Sichtung von CONAN THE BARBARIAN habe ich mich von einem mir seit meiner Erstbegegnung mit dem Film anhaftenden Makel befreien können: Ich zählte nämlich bislang zu den unglücklichen Seelen, die mit Milius‘ Barbarenfilm, Fantasyklassiker und Lieblingsfilm zahlreicher junggebliebener Männer nicht so richtig warm werden wollten und konnten. Zwar fand ich ihn keinesfalls schlecht – welcher Actionfreund könnte einen Film mit halbbekleideten Muskelprotzen, die sich zu Basil Poledouris‘ testosterongeschwängerter und pathosgetränkter Musik gegenseitig die Köpfe einschlagen, auch schlecht finden? -, aber er hatte – ähnlich wie BLADE RUNNER – immer eine immens einschläfernde Wirkung auf mich. Diesmal bin ich also wachgeblieben, habe den Film sehr genossen und seine bleierne Atmosphäre, die ich bisher immer als Mangel empfunden hatte, als absolut adäquat für einen Film erkannt, der seine vulgärnietzscheanische Übermenschen- und Selbstüberwindungsphilosophie ins Gewand einer nahezu wortlosen Gewaltoper kleidet.

Milius‘ Film beginnt mit dem Nietzsche-Zitat „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ programmatisch-plump und weicht von der damit zum Ausdruck gebrachten Ein-Eindeutigkeit auch in den folgenden zwei Stunden nie ab. CONAN THE BARBARIAN dürfte Milius‘ Evangelium sein: Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der jede ihm auferlegte Prüfung besteht, mag sie auch noch so hart sein, der an erlittenen Qualen zum Übermenschen und König wächst und keine Autorität jenseits seines eigenen Leibes braucht. Dass Conan zunächst noch seinem Gott Krom huldigt, ist ein Zeichen der Schwäche und Unreife, die er – so darf man vermuten – überwindet, als ihm sein Kamerad Subotai (Gerry Lopez) entgegnet, dass es keinen mächtigeren Gott als den Himmel und die vier Winde – also das Universum selbst – geben könne und jeder, der darunter stünde, mithin nicht mehr als ein falscher Götze sei.

CONAN THE BARBARIAN könnte man vielleicht als antiaufklärerisch missverstehen: Die Haudrauf-Mentalität seines Helden, die Verortung in einer vorzivilisatorischen, von Aberglauben geprägten Zeit, in der der Stahl das Maß aller Dinge ist und Menschen sich ausschließlich auf körperlicher Ebene miteinander messen, der fast vollständige Verzicht auf Dialoge und sogar auf einen konventionellen Spannungsbogen ließen sich in diese Richtung interpretieren. Doch bedeutete dies, den radikal-emanzipatorischen Gestus von Milius‘ Film gründlich zu übersehen: CONAN THE BARBARIAN ist zutiefst antiautoritär, indem er jede Religion und mit ihr jede Ordnung, die den Menschen von außen auferlegt wird, verwirft. Das Böse kommt durch Thulsa Doom (James Earl Jones) und seinen Schlangenkult in Conans einfache, nur aus Leben und Tod bestehende Welt, er unterjocht die Menschen, macht sie willenlos und treibt sie in ritualistische Selbstmorde. Conans Reise, die er in Anlehnung an klassische Heldenerzählungen unternimmt, ist demnach auch ein Reifeprozess: von der totalen Abhängigkeit über die Selbsterfahrung hin zur völligen Autonomie. Demzufolge tritt auch seine zunächst ganz konkret persönliche Motivation – Rache am Mörder seiner Eltern – zugunsten eines urspünglichen und a priorischen Überlebenstriebs in den Hintergrund, der jedoch nicht mehr bloß passiv verstanden, sondern von ihm ganz offensiv ausgelegt wird: Was gegen Conan ist, muss getötet werden, damit nur noch Conan übrig bleibt. Das finale Bild, das ihn auf dem Thron als König zeigt, ist nicht bloß ein Bild des Triumphs, sondern auch eins der Einsamkeit: Wie aus Stein gehauen, regungslos, sitzt Conan da und sinniert über sein Schicksal wie ein Gott ohne Jünger.

CONAN THE BARBARIAN ist – abgesehen natürlich von seinem reizvollen Äußeren: weder zuvor noch danach ist die Umsetzung einer gezeichneten Vorlage in Film so gut und nahezu ohne Reibungsverlust gelungen wie hier  – ein schwieriger, ja sogar ein böser Film. Weil er trotz seines Voice-Over-Kommentars keine reflektierende Instanz zwischen Film und Zuschauer schiebt, sich jeden ironisierenden Unterton verkneift, der den grimmen Ernst des Films relativieren würde, und seine Philosophie anhand einer Welt entwickelt, in der es zwischen dem nackten Leben und dem grausamen, mitleidlosen Tod nichts zu geben scheint und die nur, wenn man über ein besonders pessimistisches Menschenbild verfügt, zum Vergleich mit unserer Welt einlädt. Es ist aber vor allem diese einlullende Gleichförmigkeit, das stete und völlig unaufgeregte Wechselspiel aus Sterben und Morden, das den Film vor allem auszeichnet, ihn aber für mich zu einer wahrlich körperlichen Herausforderung gemacht hat. Und ich fühle mich ein bisschen wie Conan, jetzt, wo ich diese Herausforderung bestanden habe.

raw_deal1Mal wieder eine schon viel zu lange bestehende Bildungslücke geschlossen. RAW DEAL, 1986 zwischen COMMANDO und PREDATOR in der Hochphase des Achtzigerjahre-Actionfilms gedreht, hat ein bisschen damit zu kämpfen, dass Irvin dem Trugschluss erliegt, Schwarzenegger in einer „normalen“ Rolle einsetzen zu können bzw. damit, dass Arnies Persona noch nicht etabliert war. RAW DEAL ist auffallend janusgesichtig und das kann man durchaus auch – aber nicht nur – an Schwarzenegger festmachen. Der Film beginnt mit einem Hieb in die Magengrube – Mafiakiller legen einen Kronzeugen und die ihn bewachenden Staatsdiener brutal um -, mildert diesen Impact danach aber durch die eher komische Einführung des Schwarzenegger-Charakters Kaminski. Dieser ist ein ehemaliger FBI-Agent, der unzufrieden ein Dasein als Kleinstadt-Sheriff fristet, aber Gelegenheit zur Rückkehr in den alten Beruf erhält, als der Sohn seines einstigen Mentors ermordet wird. Kaminski schleicht sich in die Organisation des Mafiosi Patrovita (Sam Wanamaker) ein, um diese von innen heraus zu zerstören. Zu Beginn erwartet serviert Irvin noch klassische Cop-Film-Klischees – Probleme mit der Ehefrau und der Disziplin -, deren Ausarbeitung er aber schnell über Bord wirft. (Absolut auffällig wie RAW DEAL einen Bogen um das Thema „Sexualität“ macht: Arnie wird auch hier schon beinahe entsexualisiert.) Doch auch den meisten gängigen Regeln des Undercover-Subgenres verweigert er sich: Zu viel Spaß hat Kaminski in seiner Rolle als Killer, der sich das Vertrauen der Mafiosi erschleicht, zu wenig Angst macht ihm die Gefahr, enttarnt zu werden, mehr noch, zu wenig scheint ihn die Geheimhaltung seiner wahren Identität überhaupt zu interessierern, so aufreizend unvorsichtig geht er vor. Hier zeigt sich schon, dass es für Schwarzenegger zwischen mythischer Überhöhung, völliger Entpersonalisierung oder aber komischer Selbstpersiflage nur wenig Einsatzmöglichkeiten gibt.

RAW DEAL schrammt zwischenzeitlich immer wieder haarscharf an der Komödie vorbei, muss seinen Charakter zum Showdown hin beinahe vollkommen resetten, um in das kathartische Inferno münden zu können. Das Finale bricht mit dem vorher etablierten Bild von Kaminski als einem Schelm, dessen Frechheit ihn sprichwörtlich unverwundbar macht, und terminatorisiert ihn – schlägt somit den Bogen vom einen Extrem der Schwarzengger-Persona zur anderen: Zwar wird diese Verwandlung durch eine hastig eingeschobene Szene – sein Mentor wird seinerseits niedergeschossen – motiviert, diese macht die Sache jedoch kaum plausibler. Mit Lederjacke und einem hübschen Waffenarsenal – damit gleichermaßen Vergleiche mit THE TERMINATOR und COMMANDO evozierend – pflügt sich Kaminski gnadenlos durch die feindlichen Heerscharen, fast so als gäbe es etwas aufzuholen, was vorher versäumt wurde. RAW DEAL ist trotz oder auch wegen dieser Unausgewogenheit ein schöner Vertreter des Genres, das ich so liebe. Irvin gelingen durchaus ein paar tolle Momente: Die Schwarzblende, nachdem Kaminskis Freund ihm vom Tod seines Sohnes erzählt hat, hat eine geradezu niederschmetternde Wirkung; die Eröffnungssequenz, die ich schon erwähnte, drückt den Betrachter mit ihrer überfallartigen Inszenierung tief ins Sitzkissen und die Überblendung von einer gewaltigen Explosion auf Kaminski verleiht der Figur eine Bedrohlichkeit, die Schwarzeneggers Spiel sonst eher unterwandert. Man addiere ein paar Größen wie Paul Shenar und Robert Davi, fertig ist die gelungene Abendunterhaltung. An die Sternstunden des Genres kommt RAW DEAL, so viel sollte klar geworden sein, aber nicht heran.