Mit ‘Barbara Crampton’ getaggte Beiträge

Zu ihrem Hochzeitstag versammeln Paul (Rob Moran) und Aubrey Davison (Barbara Crampton) ihre vier erwachsenen Kinder und deren Partner in ihrem riesigen Landhaus. Während die beiden ältesten Söhne Crispian (AJ Bowen) und Drake (Joe Swanberg) beim Abendessen sofort wieder in ihren alten Streit verfallen, fällt der Freund von Tochter Aimee (Amy Seimetz) einem von außen durchs Fenster geschossenen Pfeil zum Opfer. Unbekannte, mit Tiermasken verkleidete Gewaltverbrecher haben das Haus umstellt und es auf das Leben der Bewohner abgesehen. Für die beginnt ein erbitterter Kampf um Leben und Tod, den vor allem Crispians Freundin Erin (Sharni Vinson) mit äußerster Entschlossenheit kämpft …

In den vergangenen zehn Jahren etablierte sich innerhalb des Horrorfilmgenres der sogenannte „Terrorfilm“: Die Filme, die diesem Begriff subsummiert werden, zeichnen sich durch eine meist „realistische“ Handlung aus, also den Verzicht auf übersinnliche oder fantastische Elemente, und reduzieren diese auf ein relativ einfaches Drohszenario. Gewaltdarstellungen sind heftig und brutal, ohne im Stile des Funsplatters allzu breit ausgewalzt zu werden, der Tod ist stets etwas, das unvermittelt und mit unerbittlicher Härte ins Durchschnittsleben seiner Allerweltscharaktere eingreift. Die Motivation hinter den Gewalttaten entspringt entweder einem derangierten Innenleben – etwa dem Wahnsinn des Mörders – oder aber sie bleibt ganz verborgen: ein Einbruch des Irrationalen in eine durch Überschaubarkeit geprägte Welt. YOU’RE NEXT gehört einerseits sehr deutlich dem Terrorfilm an – inhaltlich erinnert er mit seiner Home-Invasion-Thematik an Filme wie ILS, THE STRANGERS oder auch an die erste Hälfte von HAUTE TENSION –, andererseits schlägt er von diesem wieder einen Pfad zurück zum traditioneller angelegten Erzählkino. Die „motivlos“ zuschlagenden Mörder entpuppen sich im Verlauf des Filmes als keinesfalls aus dem Nichts zuschlagende Killer, vielmehr sind sie nur der extremste Ausdruck eines innerhalb des Familienidylls schon lange schwelenden Disputs.

YOU’RE NEXT überzeugt zuerst mit dem langsamen und stetigen Anziehen der Spannungsschraube: Der Prolog deutet die drohende Gefahr an, die kleinen Streitereien der Davison-Brüder machen klar, dass die Killer keineswegs auf vereinten Widerstand stoßen werden, das folgende Belagerungsszenario wird durch die mit ganz unterschiedlichen Strategien zuschlagenden Eindringlinge auf die Spitze getrieben. Wenn dem Zuschauer dann das Motiv hinter den Taten enthüllt wird, verwandelt sich YOU’RE NEXT zum potenten Suspense-Thriller: Das Final Girl, das vom Komplott im Hintergrund nichts weiß, darf sich der Sympathien des Betrachters gewiss sein. So nähert sich Wingards Film seinem unabwendbaren Finale. Dieses bringt dann leider einen kleinen, vor allem unnötigen Stilbruch, weil es die konsequent aufgebaute Anspannung mit einem nicht zum gnadenlosen Rest des Films passenden Gag auflöst, der auf das kathartische Gelächter des Splatterpublikums setzt. Auch wenn es dem Film keinen nachhaltigen Schaden zufügen kann, so steht es doch im Kontrast zum finsteren Ton des Films, der bürgerlichen Familien und vor allem der heutigen Generation der Söhne kein allzu gutes Zeugnis ausstellt. YOU’RE NEXT überzeugt formal mit stimmungsvollen, dunklen Bildern und einem dräuenden Score. Ein effektiver Schocker, dem zum ganz großen Wurf die Vision fehlt, aber auch das Selbstbewusstsein, das nötig ist, dazu zu stehen, „nur“ einen heftigen Hieb in die Magengrube zu liefern.

Acht „Teens“ – vier Männlein, vier Weiblein, darunter auch ein Ehepaar – verabreden sich für eine „Party“ in der abgeschlossenen Mall, in der just drei hochmoderne Roboter als neue Security installiert wurden. Als diese durch einen Blitzeinschlag einer Fehlfunktion unterliegen, drehen sie durch und machen Jagd auf die Teens, die nun um ihr Leben kämpfen müssen …

Filmemachen kann so einfach sein und keiner weiß das besser als Roger Corman. CHOPPING MALL ist potenziell tausendfach gesehener generischer Quark, aber in der richtigen Situation einfach der beste Film aller Zeiten. Hier bilden die einzelnen Dummheiten eine Symbiose, die sie gegen jede wohlfeile Erbsenzählerei immun macht. Am Ende steht da ein kleiner 75-Minüter mit hauchdünner Prämisse, häusergroßen Plotholes, turmhohen Logikfehlern, zahlreichen In-Jokes und der nötigen Dosis Sex & Gore, bereit zum herablassenden Urteil und alles, was man sagen kann ist: „Wow. War das gerade der unterhaltsamste Film ever?“

Willkommen in Corman’s Exploitation-Land, bitte anschnallen: Der meist humanoide Killer des Slasherfilms wird kurzerhand durch drei seelenlos-blecherne Mordmaschinen ersetzt. Doch noch bevor man „Science Fiction!“ und „Dystopie!“ und „Konsumkritik!“ rufen kann, fällt einem auch schon ein, dass ja schon das Setting CHOPPING MALL mit DAWN OF THE DEAD verbindet und Kelli Maroney bereits im herrlichen NIGHT OF THE COMET mitwirkte, der ebenfalls eine Mall-Sequenz hatte. CHOPPING MALL ist kein hipper Metafilm, seine Zitate stehen einfach so da, bedeuten nicht viel mehr, als dass sie den Film in einem Universum verorten, in dem seine Mängel plötzlich Tugenden sind. Die Vorführung der mitleiderregenden Roboter – der Paul Bartel und Mary Woronov als lästerndes Ehepaar beiwohnen – nimmt ROBOCOP vorweg, lässt dem ein Jahr später Geborenen aber wenigstens das Privileg, diese Szene im Unterschied zu hier gleichermaßen bos- und schmerzhaft enden zu lassen. Dick Miller muss als offensichtlich tief gefallener Ex-Beatnik-Künstler Walter Paisley – remember A BUCKET OF BLOOD? – den Boden wischen, bevor er einem Stromschlag der Robbies zum Opfer fällt, das Waffengeschäft lautet auf den Namen „Peckinpah’s“, eine Zoohandlung heißt „Little Shop of Pets“, im Fernsehen läuft ATTACK OF THE CRAB MONSTERS, über den einer der Protagonisten sagt, dass es einer seiner Lieblingsfilme sei, und die örtliche Frittenschmiede dient als Aushang für Poster zu GALAXY OF TERROR, SLUMBER PARTY MASSACRE, THE LOST EMPIRE und BARBARIAN QUEEN. Wenn das die Referenzen sind, ist man gern bereit zu akzeptieren, dass zwei Menschen in aller Ruhe zusammen einen Film schauen, während ihre besten Freunde sich in Sicht- und Hörweite ineinander verkeilt haben.

CHOPPING MALL ist so kurzweilig, dass man gar nicht auf die Idee kommt, zu bemängeln, dass nichts an diesem Film neu ist. Die Protagonisten sind die übliche Mischpoke, zusammengesetzt aus der silkonbrüstigen Nymphomanin, dem bebrillten, herzensguten Nerd, seinem unvermeidbaren Love Interest (Kelli Maroney), dem kaugummikauenden Chauvi, dem krakeelenden Valley Girl (Barbara Crampton) und dem Ehepaar, das zwar weniger offensiv ist,  dessen männliche Hälfte aber dem noch fehelnden Typus „entschlossener Macher“ entspricht, den solche Filme meist noch brauchen. Die Idee, eine Party in einer Mall zu feiern, war schon in HIDE AND GO SHRIEK so bescheuert, dass sie den Film paradoxerweise umso stärker zusammengehalten hat – und das klappt auch hier wieder. Und dann die Roboter: zyklopen- (oder auch Cylonen-)hafte Hutständer mit verkümmerten Armen und Panzerketten statt Füßen werden einem als neuester Stand der Sicherheitstechnologie verkauft und man fragt sich, wie diese Wunderwerke wohl reagieren, wenn sie mit einer schnöden Treppe konfrontiert werden. (Auch hier denkt man unweigerlich wieder an ROBOCOP.) Wynorski aber erzählt seinen Stiefel so ungerührt von jeglichen Anforderungen an eine innere Logik oder Plausibilität herunter, dass es den Film förmlich on the spot legitimiert. Keine Ahnung wie diese Blecheimer von Etage zu Etage kommen, aber es scheint ihnen irgendwie möglich zu sein, so what, Spielverderber? CHOPPING MALL ist nicht nur Wynorskis wahrscheinlich bester Film (was kein allzu großes Lob darstellt), sondern auch ein Paradebeispiel dafür, was gute Exploitation auszeichnet, was Trash von Trash unterscheidet und warum solche Soße wie MACHETE nur ein gernegroßer Pickel am Arsch des Grindhousefilms ist, dem er sich so verpflichtet fühlt. Es sind die Unbedingtheit und die Selbstgenügsamkeit, die diesem Film genau jene Unschuld verleihen, die es braucht, um solchen Quatsch nicht bloß goutieren, sondern ihn für bare Münze nehmen und ins Herz schließen zu können. Klaro, Corman will auch nur an unser Geld. Aber wenn er uns Filme wie CHOPPING MALL schenkt, hat er jeden Cent verdient.

In nicht allzu ferner Zukunft: Nach einem Kometeneinschlag liegt die Welt in Trümmern, eine gigantische Staubwolke sorgt für ewige Nacht und außerdem wird das Überleben der Menschheit von einer rätselhaften Seuche gefährdet. Doch ein Heilmittel ist in Sicht: Sechs Menschen erweisen sich Träger eines Gens, das sie gegen die Seuche immun macht. Fünf von ihnen werden dummerweise vom Schurken Little Ray (Bryan Genesse) getötet, lediglich Christine (Barbara Crampton) kann fliehen, nachdem sie die Ermordung ihres Mannes Oliver (Gary Daniels) beobachtet hat. Bald trifft sie Olivers Bruder Roland (Gary Daniels) wieder, der sich mittlerweile als Kopfgeldjäger verdingt. Und der muss sie nun gegen seinen alten Jugendfeind Little Ray, der mittlerweile herausgefunden hat, was es mit der entkommenen Christine auf sich hat, beschützen …

Über Isaac Florentine habe ich hier schon mehrfach geschrieben (siehe THE SHEPHERD: BORDER PATROL, NINJA, UNDISPUTED 3: REDEMPTION). COLD HARVEST ist einer seiner früheren, ausschließlich für den Videomarkt produzierten Filme und auch wenn man daher ein paar produktionsbedingte Abstriche machen muss, zeigen sich auch hier schon die großen Qualitäten des Regisseurs: visueller Einfallsreichtum, ein ausgesprochenes Talent für dramatische Pointierung und natürlich sein unnachahmliches Können hinischtlich der Inszenierung und Chroreografie von Actionszenen. Florentine inszeniert seinen Endzeitfilm als Western, was zwar aufgrund der Parallelen zwischen beiden Genres kein besonders neuer Einfall sein mag, in der hier gebotenen Konsequenzaber trotzdem ziemlich einzigartig und vor allem ansehnlich ist. So duellieren sich die Figuren mit altmodischen Revolvern, tragen rote Halstücher, Chaps und Stiefel, prügeln sich durch abgeranzte Saloons und hinterlassen ihr Konterfei auf Steckbriefen im Sheriff’s Office. Die Enge der Settings (begünstigt durch die Abwesenheit von Sonnenlicht) korreliert nicht nur mit der einer Westernstadt, sie trägt auch dazu bei, dass COLD HARVEST insgesamt sehr intim wirkt; was wiederum einen interessanten Kontrapunkt zur Tragweite der hier – und im Endzeitfilm allgemein – dargestellten Vorgänge bildet. Die Apokalypse in COLD HARVEST lässt sich durchaus als Privatapokalypse lesen: Alles Geschehen gruppiert sich um das Viereck Roland/Oliver, Little Ray und Christine: selbst der Handlungsort ist deren alte Heimatstadt und der zwischen ihnen ausgetragene Konflikt letztlich einer, der schon in der gemeinsamen Jugend schwelte. Das ist eine überaus reizvolle Idee, die dem über die Jahre in Chiffren, Klischees und Konventionen erstickten und hermeneutisch längst ausgedeuteten Endzeitfilm eine ganz neue Perspektive abgewinnt. Florentines Inszenierung unterstreicht diese Invertierung: Sein emotional nachhaltigstes Bild findet er nicht in der Darstellung universellen Leids, sondern im Close-up auf Christines Gesicht, als diese der Ermordung ihres Mannes beiwohnen muss. So wundert es auch kaum, dass sich COLD HARVEST gegenüber anderen Filmen des Regisseurs eher ruhig ausnimmt. Es gibt ein paar kurze, aber dafür brillant gefilmte Martial-Arts-Fights, die meines Erachtens belegen, dass Florentine der derzeit beste Actionregisseur auf diese Planeten ist: Selbst einfache und für sich genommen unspektakuläre Bewegungen erhalten durch seine Inszenierung eine ungemeine Power, weil er einfach weiß, wo er die Kamera zu platzieren hat, wann er zu schneiden hat, wie er seine Sets ausleuchten muss und wann ein hübscher Soundeffekt angebracht ist. Da kann man als Actionfan nur davorsitzen und staunen. Gegen Ende nimmt COLD HARVEST dann fast eine Wendung zum Märchenfilm, die vielleicht ein bisschen zu viel des Guten ist, aber eigentlich nur konsequent, schließlich lässt sich Florentines ganzes Oeuvre als Suche nach dem jeweils klarsten, unmissverständlichsten Bild verstehen. Wenn der Bösewicht – Bryan Genesse in einer grandiosen Darstellung als pompous bastard Little Ray, der ein bisschen wie ein Hugh Jackman des B-Films rüberkommt – am Schluss tot ist, Christine und mit ihr – wahrscheinlich – auch die Menschheit gerettet ist, dann ist es nach dieser Logik des klarsten Bildes nur folgerichtig, dass auch die Sonne wieder aufgeht. Man mag das kitschig finden. Ich finde es wunderbar.