Mit ‘Beverly Garland’ getaggte Beiträge

roller-boogie-posterAls mein Kurztrip durch das Musical/den Musik- und Zeitgeistfilm der Siebziger- und Achtzigerjahre mich zu diesem Film führte, war die Vorfreude groß: Zum Gipfelpunkt des Discofiebers und Rollerskate-Trends inszeniert von Mark L. Lester, der in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren diverse Großtaten im Bereich des Action- und Gewaltfilms vollbringen sollte – CLASS OF 1984, FIRESTARTER, COMMANDO, CLASS OF 1999, SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO, EXTREME JUSTICE -, mit Linda Blair besetzt und fotografiert von niemand Geringerem als Dean Cundey, versprach ROLLER BOOGIE ein Quell bubblegumbunter Freude zu sein.

Doch leider, leider opfert der Film alle diese potenziellen Tugenden auf dem Altar der biederen Mittelmäßigkeit. Die leidlich interessante, aus Dutzenden von Liebes-, Musik. und Teeniefilmen bekannte Story – Mädchen aus reichem Hause liegt mit ihren Eltern über Kreuz, verliebt sich in den einfachen Rollerskater, gewinnt mit ihm einen Wettbewerb, rettet nebenbei den von finsteren Geschäftemachern bedrohten Skaterink vor der Schließung und versöhnt sich über all diesen Ereignissen mit den Eltern – wird hier in einer besonders leblosen Variante abgespult. All das Sommerfeeling, das der in Venice Beach gedrehte Film verströmt, muss wirkungslos verpuffen. Die Versäumnisse von ROLLER BOOGIE stechen besonders ins Auge, wenn man den Film mit dem inhaltlich sehr ähnlichen DIRTY DANCING vergleicht. Der ist nun auch nicht gerade ein Meisterwerk, aber er hat im Zentrum zwei Protagonisten, deren Paarung Funken versprüht und all die Klischees, die die Handlung auftürmt, vergessen macht. Linda Blair hingegen hat als nur rudimentär entwickelte Terry Barkley nicht viel mehr als ihre eigene gewinnende Persona ins Rennen zu werfen. Und Jim Bray, kein Schauspieler, sondern ein Rollerskate-Champion, dessen einziger Film dies blieb, macht seine Sache zwar ordentlich, entwickelt aber keinerlei Chemie mit dem Star. Was die beiden aneinander finden, bleibt das Geheimnis des Films, und es ist fast eine Erlösung, wenn die beiden am Ende wieder eigene Wege gehen. Allzu schwer fällt ihnen der Abschied dann auch nicht. ROLLER BOOGIE versäumt es total, irgendetwas Unverwechselbares zu erschaffen: Alles bleibt oberflächlich, flach. Die Dramaturgie besteht aus einem lustlos-geschäftigen Abhaken von standardisierten Plotpoints, die in regelmäßigen Abständen von mit aktuellen Hits untermalten Rollerskate-Szenen unterbrochen wird. Das finale Turnier, das eigentlich der Höhepunkt sein sollte, wird eilig abgespult, ohne dass da auch nur ein Iota von Spannung aufkäme oder man gar das Gefühl hätte, der Film interessiere sich wenigstens selbst für dessen Ausgang. Es bleibt ein Nachgedanke und selten wirkte ein Hauptgewinn so unverdient, so vorhersehbar, so leicht errungen. Seltsam überdies, dass es keinen Aufstand unter den Mitbewerbern darüber gibt, dass die Jury alles andere als unparteiisch ist: Sie besteht aus Terrys Eltern, dem Kumpel ihres Tanzpartners und dem Veranstalter, der den Besitz des Etablissements überhaupt nur dem Engagement des Protagonistenpärchens zu verdanken hat. Das steht exemplarisch dafür, wie leicht man es sich hier gemacht, wie sehr man sich auf die Zugkraft der Zeitgeist-Zutaten verlassen hat. Selbst unter der Voraussetzung, dass man hier eh kein Meisterwerk erwarten durfte, ist das ein bisschen zu wenig. Schade drum.

curucu_beast_of_amazon_poster_05Um über diesen Film überhaupt einen brauchbaren Text schreiben zu können, werde ich hier hemmungslos spoilern. Wer CURUCU, BEAST OF THE AMAZON noch sehen will und der Meinung ist, dass er dafür nichts über die Handlung wissen darf, sollte hier also aufhören zu lesen. Ich darf eine Empfehlung mit auf den Weg geben, allerdings sollte man besser keinen knalligen Monsterspaß erwarten …

Kurz zur Handlung: Im brasilianischen Amazonasgebiet laufen westlichen Industriellen die einheimischen Arbeiter davon, weil immer wieder Tote mit unerklärlichen Verletzungen aufgefunden werden. Sie glauben, dass ein Ungeheuer dahinter steckt (und wir wissen, dass sie Recht haben), doch die weißen Herrenmenschen, allen voran der heißblütig undiplomatische Rock Dean (John Broomfield), sind natürlich der Überzeugung, dass das Hirngespinste von unzivilisierten Primitivlingen sind. Es hilft alles nix: Um ihnen das zu beweisen, muss die Reise zu den Curucu-Fällen im Kopfjäger-Gebiet angetreten werden, wo das Monster angeblich beheimatet sein soll. Dean macht sich gemeinsam mit seinem Führer Tupanico (Tom Payne) und der eigensinnigen Ärztin Dr. Andrea Romar (Beverly Garland) auf den Weg.

CURUCU, BEAST OF THE AMAZON ist einer von nur knapp zwei Handvoll Filmen, die Siodmak, ein dafür umso fleißigerer Drehbuchautor, während seines langen Lebens inszenierte, und er wird damit zitiert, sich von den Dreharbeiten on location körperlich nie wirklich erholt zu haben. Gegenüber anderen Monsterschinken aus jener Zeit ist CURUCU nicht nur erheblich bunter, weil in knalligem Eastmancolor gedreht, sondern eben auch eine Ecke aufwändiger. Klar, hier und das wird das im Amazonas gedrehte Material mit stock footage gestreckt, aber weitestgehend fühlt sich Siodmaks Film eben echt an und nicht wie Kasperletheater in Pappkulissen. Ansonsten ist er aber geradezu archetypisch: Der Held ist ein ultrakerniger Mannmann, der in erster Linie aus Bartstoppeln und Muskeln besteht, Whiskey in den Adern hat und selbst beim ärztlichen Gesundheitscheck die Fluppe nicht aus dem Mund nimmt. Frauen gehören von Natur aus in seine starken Arme oder an den Herd, ganz gewiss aber müssen sie keine Karriere machen. Und tun sie das doch, so wie die selbstbewusste Ärztin, die der gute Rock geradezu reflexhaft angräbt, kaum dass sie sich in einem Raum mit ihm befindet, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder bei Sinnen sind und sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Ach ja, und „Eingeborene“, sprich: alle Menschen, die außerhalb der Industrienationen leben, sind ein primitives Völkchen, das man mit der gleichen mitleidigen Herablassung behandelt wie Haustiere. Das Monster, ein gockelhafter Riesenvogel, den man ein paarmal kurz zu Gesicht bekommt, ist von nur minderem Interesse. Dass man es gleich am Anfang sieht, lässt den späteren Twist des Films schon erahnen: Es ist nämlich gar kein Tier, sondern Tupanico, der in ein Kostüm geschlüpft ist, um so den Vormarsch der Weißen in das Gebiet der Ureinwohner, deren Häuptling er ist, zu stoppen. Natürlich kann Rock Dean das nicht auf sich sitzen lassen.

Interessant an CURUCU ist, wie er sich vor den förmlich aufdrängenden Erkenntnissen verschließt, um ein typischer chauvinistisch-konservativer Film jener Zeit bleiben zu können. Die weibliche Protagonistin beginnt als selbstbestimmte, selbstbewusste Wissenschaftlerin, die sich deutlich Besseres vorstellen kann als ein Leben als Anhängsel eines dumpfen Macho-Arschs, nur um sich im Verlauf der Expedition – wahrlich eine Reise ins Herz der Finsternis – in ein jammerndes Weibchen zu verwandeln, das erst durch Aufgabe ihres Singlestatus eine „ganze“ Person werden kann. Rock Dean hingegen, ein Kotzbrocken vor dem Herrn, der jedem, der nicht seiner Meinung ist, sofort aufs Maul haut (ich glaube, er weiß gar nicht, was „Kommunikation“ ist), sich selbst für absolut unwiderstehlich hält und seine grenzenlose Borniertheit wie eine Auszeichnung vor sich her trägt, bleibt als Held unhinterfragt, einfach weil das eben die Konvention dieser Filme ist. Genau andersherum verhält es sich bei Tupanico: Seine antikolonialistisch-ökologische Position ist sofort und unmittelbar einsichtig, noch nicht einmal die beiden Helden können ihm Argumente entgegensetzen (OK, von Rock war das auch nicht unbedingt zu erwarten), trotzdem muss er den Schurkentod sterben, ohne dass sein Handeln auch nur den geringsten Nachhall finden würde. Die ganze, jeden vernunftbegabten Menschen schier wahnsinnig machende Weigerung, sich von guten Argumenten anstatt von vorformulierten Glaubenssätzen leiten zu lassen, die das Zusammenleben in komplexen Gesellschaften oft so qualvoll und schmerzhaft macht, verkörpert Siodmaks Film gewissermaßen in sich.

CURUCU, BEAST OF THE AMAZON war ein optimaler Einstieg in den letzten Tag des Wochenendes, auch wenn das Vergnügen durch einen mir gänzlich neuen Universal-Brauch milde getrübt wurde: Die Studios verfolgten wohl eine zeitlang den ätzenden Brauch, auf 4:3 gedrehte Filme „aufzublasen“, indem sie einen entsprechenden Ausschnitt vergrößerten. Das führte, wie bei der Kopie von CURUCU, nicht nur zu Unschärfen, sondern auch dazu, dass das Bild bei erheblichem Kopfraum unten massiv beschnitten war. Wieder was gelernt.

Weil seine Rasse auf dem fernen Planeten Davana von einer rätselhaften Blutkrankheit dahingerafft wird, wird einer der Außerirdischen (Paul Birch) auf die Erde geschickt, um herauszufinden, ob Menschenbluttransfusionen die Krankheit stoppen können. Als „Paul Johnson“ engagiert der Außerirdische die Krankenschwester Nadine (Beverly Garland) und holt sich mithilfe des Chauffeurs Jeremy (Jonathan Haze) unfreiwillige Blutspender ins Haus …

Im gleichnamigen Remake von 1988 hatte Jim Wynorski mithilfe von Traci Lords und dem Fokus auf dem Fish-out-of-Water-Aspekt eher die komische Seite der Geschichte betont, während Corman sie mit viel Mitgefühl für die todgeweihten Außerirdischen erzählt und so unweigerlich die im Zentrum des Films stehende moralische Frage in den Mittelpunkt rückt: Darf sich eine „überlegene“ Rasse über eine andere stellen, wenn es um ihr Überleben geht? Oder anders gefragt: Darf man von ihr verlangen, dass sie  sich in einer solchen Situation abstrakten moralischen Grundsätzen unterwirft, wenn sie damit ihr eigenes Todesurteil unterzeichnet? Corman gibt auf diese Frage keine Antwort (bzw. umgeht er sie gewissermaßen, weil er seinen Außerirdischen keinerlei Empathiebegabung mitgibt), aber es ist trotzdem klar, dass es hier eigentlich nicht um eine erfundene Alienrasse geht, sondern um die Menschheit und ihre eigene seit der Antike proklamierte Überlegenheit, die sie als Legitimation betrachtet, Unterlegene – seien es Tier- und Pflanzenwelt oder aber vermeintlich weniger weit entwickelte Kulturen – auszubeuten. Dass Nadine und ihre Helfer dem Außerirdischen, der bereit war, die Menschheit auszurotten, am Ende einen Grabstein mit der Inschrift „He was not of this earth“ spendieren, scheint die Möglichkeit einer über die eigenen genetischen Grenzen hinausgehenden Solidariät, ja sogar eines voraussetzunglsosen Verzeihens anzudeuten, aber irgendwie muss man mehr als 50 Jahre nach Cormans Film doch konstatieren, dass das nach wie vor Wunschdenken ist. Eine Sternstunde des Exploitationfilms mit einem herrlichen Kurzauftritt von Dick Miller als Staubsaugervertreter mit fettem Brooklyn-Akzent („You wanna puychase or you don’t wanna puychase?), die ich wahrscheinlich noch mehr zu würdigen gewusst hätte, wenn ich nicht erst vor kurzen das Remake gesehen hätte, das sich im Handlungsablauf kaum vom Original unterscheidet.