Mit ‘Bill WIlliams’ getaggte Beiträge

Ein schlafender Mann in einem Bett. Eine Hand nähert sich seinem Gesicht, legt sich schließlich um seinen Hals, drückt zu. Der Schlafende erwacht, die Kamera zieht auf, zeigt ein Krankenhauszimmer. Der „Würger“ entpuppt sich als geistig etwas derangierter Patient, der sein „Opfer“ als Verräter beschimpft, bevor er sich von der resoluten Krankenschwester vertreiben lässt. Fleischers THE CLAY PIGEON etabliert gleich vom Start weg eine Atmosphäre der Bedrohung und des Schocks, die den Zuschauer unmittelbar mit dem Protagonisten verbindet und ihn so in den mit knapp 60 Minuten erneut sehr knackig geratenen Film hineinzieht.

Als der Marinesoldat Jim Fletcher (Bill Williams) nach zwei Jahren mit partieller Amnesie aus dem Koma erwacht, dann als Verräter beschimpft und darüber aufgeklärt wird, dass ihn das Kriegsgericht erwartet, ergreift er die Flucht. Auf der Suche nach seinem Kameraden erfährt er zudem, dass er genau diesen umgebracht haben soll. Zusammen mit dessen Ehefrau Martha (Barbara Hale), die er schließlich von seiner Unschuld überzeugen kann, setzt er alles daran, seinen Namen reinzuwaschen und den wahren Mörder dingfest zu machen …

Die Story des unschuldigen Fletcher, der sich als vermeintlicher Mörder in der Mitte eines Komplotts wiederfindet, aber weder eine Ahnung hat, wie er in diese Rolle hineingerutscht ist, noch wer sie ihm aus welchem Grund zugedacht hat, ist ungleich interessanter und spannender als der noch recht biedere BODYGUARD und weitet zudem die sich in jenem Film noch auf kurze Szenen beschränkenden hitchock’schen Suspense-Strategien auf seine gesamte Lauflänge aus. Die schönste Szene des Films soll hier wieder mal als Illustration meiner Aussage herhalten: Fletcher besucht bei seinen Ermittlungen eine chinesische Frau in ihrer Wohnung. Als seine Verfolger vor der Tür stehen, versteckt die Frau ihn hinter einem Vorhang, der das Zimmer ihres Babys vom Rest des Raums abtrennt. Fletcher muss nun darauf hoffen, dass das Baby, das ihn fröhlich beäugt, nicht losschreit und ihn so möglicherweise verrät. Das Baby bleibt ruhig, doch stattdessen fällt den Gangstern der zugezogene Vorhang auf. Auf die Frage, was sich dahinter befinde, antwortet die Frau halbwegs wahrheitsgemäß, dass dort ihr Baby seinen Mittagsschlaf halte. Doch das überzeugt die Schurken nicht. Fletcher ahnt, in welcher Gefahr er schwebt. Im Unterschied zu seiner Situation wenige Sekunden zuvor, würde das Schreien des Babys ihn nun gerade retten: Es wäre der Beweis, dass die Frau die Wahrheit gesagt hat. Fletcher ergreift kurzerhand eine Puppe des Kindes und bricht dieser mitleidlos den Arm ab. Das Baby beginnt zu schreien, die Frau beklagt, dass ihr Kind nun aufgeweckt worden sei, die Schurken drehen konsterniert ab. Nicht nur der Aufbau dieser Szene – wie das Schreien des Kindes erst eine Gefahr und dann die Rettung bedeutet -, auch die sadistische Pointe mit der mutwillig zerstörten Puppe erinnert an den Großmeister.

Dass es Fleischer nicht ganz gelingt, den Drive des Films bis zum Ende beizubehalten, ist wohl auch ein strukturelles Problem dieser Art von B-Movies: Der Rahmen ist mit 60 Minuten eng gesteckt und limitiert die Möglichkeiten, zumal auch noch ein Happy End mit Liebesglück vorgeschrieben scheint. Die Auflösung des so spannend gestarteten Films ist banal und etwas enttäuschend, da hätte man sich doch deutlich mehr Raffinesse gewünscht, die in der Kürze der Zeit aber wohl nicht zu haben war. Dennoch darf man eine deutliche Qualitätssteigerung zum Vorgänger verbuchen.

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