Mit ‘Billy Dee Williams’ getaggte Beiträge

Wiedersehen mit einem Film, den ich damals, nachdem er ohne große Aufregung zu verursachen, aus den Kinos verschwunden war, auf DVD erwarb und den ich dann schnell ins Herz schloss: THE LADIES MAN ist (zum Glück) kein Remake des gleichnamigen Jerry-Lewis-Klassikers, sondern eine kleine Komödie, die auf einem SNL-Charakter basiert (ähnlich wie zuvor z. B. THE BLUES BROTHERS, A NIGHT AT THE ROXBURY oder WAYNE’S WORLD): Der „Ladies Man“ ist Leon Phels (Tim Meadows), ein Sexberater im Radio, der modisch und geistig in den Siebzigerjahren steckengeblieben ist, lispelt, haarsträubende Ratschläge gibt und ein aufregendes Dasein als Frauenbeglücker führt.

Im Film wird Leon, der von seiner Entdeckerin, der etwas konservativen Julie (Karyn Parsons) protegiert wird, nach einer Reihe von Beschwerden von seinem Sender rausgeschmissen und sucht verzweifelt mit ihr einen neuen Arbeitgeber. Gleichzeitig befindet sich eine Gruppe von Ehemännern, deren Frauen von Leon beglückt wurden, auf der Suche nach ihm. Als das neueste Opfer zu ihnen stößt, erhalten sie einen wichtigen Hinweis auf seine Identität. Zur selben Zeit knüpfen Leon und Julie romantische Bande.

THE LADIES MAN wurde damals weitestgehend verrissen und heute kann ich das dann auch besser nachvollziehen als von 18 Jahren. Auch wenn ich den Film streckenweise immer noch ganz witzig finde, wirkt er doch sehr hingeschludert, und die Idee, die für ein paar improvisierte Sketche vielleicht ganz gut funktionierte, trägt das nur knapp 80 Minuten lange Vehikel kaum. Dazu kommt, dass THE LADIES MAN seinen Witz zum einen ganz wesentlich daraus beziehen soll, dass Phelps am laufenden Band Schweinereien loslässt, ohne dies wirklich zu bemerken, der Film sich also als „anstößig“ positioniert, aber nicht nur in den tatsächlichen Äußerungen seines Helden, sondern auch insgesamt unglaublich brav und bieder wirkt. Ein Beispiel: Als Leon für einen Testlauf bei einem christlichen Radiosender unterkommt, muss er eine Nonne interviewen. Es kommt zum erwartbaren Eklat, weil Leon den Begriff „missionary position“ falsch auslegt: Ein Missverständis, dass zusätzliches Feuer dadurch erhält, dass die Nonne dann auch noch von „Bangkok“ und dem „Yellow River“ spricht. Der ganze Witz wirkt einfach ungelenk konstruiert und albern, keineswegs „racy“, sondern schlicht infantil. In einer anderen eigentlich ganz schönen Szene tritt Leon Phelps in einem ungewöhnlichen Wettkampf gegen den arroganten Exfreund Aloysius (Regisseur Reginald Hudlin) von Julie an: Die Herausforderung besteht darin, das eklige Barfood zu essen, dass Wirt Lester (Billy Dee Williams fungiert auch als Voice-over-Erzähler) auf der Theke bereithält – Schweinefüße, eingelegte Eier, Rinder- und Schweinehoden. In der misslungenen Pointe wird dann enthüllt, dass die letzte „Spezialität“, die der Exfreund da triumphierend verdrückt hat, nichts anderes als menschlicher Kot war. Unter dem lauten Gelächter der „Guten“ zieht er schließlich gedemütigt ab. Mal davon abgesehen, dass ich bezweifeln möchte, dass ein Barkeeper ein Einmachglas voll mit Scheiße bei sich für den Fall aufbewahrt, dass er jemandem einen bösen Streich spielen möchte, finde ich, dass Menschen, die einen anderen in einen solchen Streich verwickeln, eigentlich nicht unsere Sympathie erhalten sollten. Witzig ist THE LADIES MAN aber immer dann, wenn Will Ferrell als Anführer der Selbsthilfegruppe auftritt. Sein Lance DeLune ist ein closeted gay man, der von seiner Gattin (Tiffani Thiessen) betrogen wurde, weil er lieber Griechisch-römisches Ringen mit seinem Freund Brian trainierte, als zärtlich ihr zu sein. Seine großen Reden, in denen er sich sehr zur Irritation seiner Jünger immer wieder in schwulen Fantasien verliert, sind die Höhepunkte des Films.

Die erste Sichtung nach etlichen Jahren war demnach ernüchternd: Zwar finde ich einige Szenen immer noch lustig, aber insgesamt ist THE LADIES MAN in vielerlei Hinsicht unbeholfen. Dass das Urteil noch einigermaßen versöhnlich ausfällt, liegt auch daran, dass er so kurzweilig und unterambitioniert ist, dass man ihm nicht wirklich böse sein kann. Beachtlich ist lediglich, welchen Aufwand man für die Adaption eines TV-Sketches betrieb: In Nebenrollen sieht man neben den schon Genannten außerdem solche Leute wie John Witherspoon, Eugene Levy, Tamala Jones und Julianne Moore, der Klassiker-gespickte Soul-Soundtrack dürfte auch nicht so billig gewesen sein. Hätte man das Geld lieber mal in ein Drehbuch gesteckt …

In den Achtzigerjahren erfreute sich der Buddyfilm großer Beliebtheit. In Dutzenden von Filmen wurden ungleiche Paare – meist waren es männliche Polizisten – zusammengestellt und vom Drehbuch dazu gezwungen, sich gegen eine verbrecherische Übermacht zusammenzuraufen. Großes Vorbild war zunächst Walter Hills 48 HRS., MIAMI VICE setzte mit Buddy-Konzept Maßstäbe in der Evolution der Fernsehserien, Ende des Jahrzehnts gelang Richard Donner mit LETHAL WEAPON eine weitere Auffrischung, die auch wesentliche Inspirationsquelle für NUMBER ONE WITH A BULLET gewesen sein dürfte, den die Cannon im selben Jahr in die Kinos brachte. Wie die genannten Vorbilder vereint Smights Film eine weißen und einen schwarzen Cop, wie bei Donner wandelt der Weiße auf dem schmalen Grat zum Wahnsinn, wie bei MIAMI VICE interpretiert Williams seinen Bullen als öligen Charmeur im feinen Zwirn.

Der Fokus liegt allerdings klar bei Robert Carradine, dessen Detective Berzak, Spitzname „Berserk“, alle Klischees des heißgelaufene Bullen in sich vereint: Er wird eingeführt, wie er seinem Partner Hazeltine (Billy Dee Williams) bei einer schönen Blonden die Tour vermasselt, indem er ihr erzählt, er habe kürzlich in Ausübung seiner Pflicht ein Kind erschossen . Weil er selbst die Trennung von seiner Ehefrau Teresa (Valerie Bertinelli) nicht verkraftet hat, gönnt er auch dem Partner keinen Erfolg in Liebesdingen: Später kommt er Hazeltine noch einmal in die Quere, indem er sich gegenüber einer seiner neuen Eroberungen als dessen schwuler Liebhaber ausgibt. Die stalkerhafte Penetranz, mit der er der Ex-Gattin nachstellt, legt Smight als liebenswerte Marotte aus, findet es augenscheinlich saukomisch, wenn Berzak potenzielle neue Lebensgefährten seiner Frau mit Andeutungen über eine bei ihr vorliegenden Geschlechtskrankheit in die Flucht schlägt. 30 Jahre später fragt man sich nur, was für ein psychopathisches Arschloch dieser „lustige“ Kerl ist. Aber solche Geschmacksentgleisungen tragen natürlich auch zum Amüsement bei, von dem der streng genommen höhepunktarme Film nur profitieren kann. Der eigentliche Krimiplot um einen in verbrecherische Machenschaften verwickelten reichen Unternehmer, den Berzak schon seit geraumer Zeit auf dem Kieker hat, dem er aber nie etwas nachweisen konnte, ist ein in die Jahre gekommener Genrestandard, dem Smight nicht viel Neues abgewinnt. Und für eine Cannon-Produktion kommt NUMBER ONE WITH A BULLET auch ziemlich trocken daher. Ihm fehlt dieses kirmeshafte, marktschreierische Element, das die Cannon-Filme sonst so unverwechselbar macht.

Aber diese Stromlinieförmigkeit fällt nicht weiter negativ ins Gewicht, im Gegenteil: Genrekost wie diese lebt ja auch vom Wiedererkennungswert, dem Spiel mit den nur verhaltenen Variationen. In NUMBER ONE WITH A BULLET findet man sich sofort gut zurecht, kann sich daran versuchen, die nächsten dramaturgischen Schritte vorherzusagen und, weil man dabei meist erfolgreich ist, die kleinen Details in der Charakterzeichnung ins Visier zu nehmen. Wobei „Charakter“ hier schon übertrieben ist, denn Carradine und Williams spielen sattsam bekannte Archetypen. Der Unterschied zu weniger gelungenden Vertretern des Subgenres liegt allerdings darin, dass die beiden Profis das sehr überzeugend hinbekommen und einem ihre Figuren mit laufender Spieldauer tatsächlich fast ein wenig ans Herz wachsen. Berzak dichtet das Drehbuch einen putzigen Mutterkomplex an, lässt ihn immer wieder zur Gitarre greifen, eine Bierflasche mit einem abgelösten Cola-Etikett tarnen und rohes Fleisch aus der Supermarktverpackung essen. Williams‘ Hazeltine bekommt demgegenüber nicht viel zu tun, aber der Akteur verfügt über das Glück, mit Charme im Übermaß gesegnet worden zu sein: Er muss nur selbstbewusst in die Kamera lächeln und erreicht damit mehr als andere Darsteller in zehnminütigen Monologen. Das lässt sich auf Smights ganzen Film ausweiten: Er leistet nichts Außergewöhnliches, aber das, was er macht, macht er richtig. Demzufolge habe ich auch nicht viel Substanzielles zu sagen über NUMBER ONE WITH A BULLET. Außer, dass er mir auf seine unprätentiöse Art 90 sehr kurzweilige Minuten beschert hat.

Als der Terrorist „Wulfgar“ (Rutger Hauer) nach einem Bombenattentat in London nach New York einreist, um dort mit einem weiteren Anschlag sein angeknackstes Renommee beim terroristenführer Hammad wiederherzustellen, unterweist der britische Terrorexperte Peter Hartman (Nigel Davenport) eine Handvoll New Yorker Cops in Anti-Terror-Maßnahmen. Unter diesen befinden sich auch die Partner Deke DaSilva (Sylvester Stallone) und Matthew Fox (Billy Dee Williams) und vor allem Deke ist ob der empfohlenen Methoden skeptisch: Doch dann steht er dem kaltblütigen Mörder gegenüber ….

NIGHTHAWKS hatte ich irgendwann in meinen Teenagerjahren mal auf RTLplus aufgezeichnet, ihn dann aber nie komplett gesehen, was umso komischer ist, als ich damals ausgewachsener Stallone-Fan war (und dies ja eigentlich auch immer noch bin). Nachdem ich die Lücke gestern endlich geschlossen habe, muss ich leider einräumen, dass ich in all den Jahren eigentlich nichts verpasst, im Gegenteil damals sogar unbewusst eine sehr richtige Entscheidung getroffen habe. NIGHTHAWKS – in der Stallone-Filmografie zwischen ROCKY II und dem Huston-Flop VICTORY anzusiedeln – ist nämlich nur eines von zahlreichen Beispielen schlechter Rollenauswahl, die die Karriere des Superstars und Oscarpreisträgers durchziehen, und ein Film, dessen großes Potenzial durch eine einfallslose und plumpe Inszenierung konsequent unterlaufen wird. Post-9/11 ist ein Film, der Terrorismus vor der imposanten Kulisse Manhattans behandelt, eigentlich per se schon interessant und dass Malmuth antritt, den europäischen Polit- und Agententhriller mit dem US-amerikanischen Großstadtkrimi zu verkuppeln, ist zumindest vor dem Genrehintergrund ein reizvoller Ansatz. Leider demonstriert er hier allerhöchstens, dass beides nicht zusammengehört. Die eisige Nüchternheit des einen Genres erschöpft sich in ein paar Texteinblendungen, die umso sinnloser sind, als Malmuth dies nach der Exposition einfach wieder fallenlässt, und der kühlen Fassade Rutger Hauers, die Direktheit des anderen verkommt in Malmuths uninspirierter Inszenierung zum albernen Kinderkram, wenn DaSilva und Fox ihre Kollegen anzicken und vor ihrem Vorgesetzten die beleidigte Leberwurst spielen. Diese Konflikte gehören zwar zum Inventar des Copfilms, doch hier muten sie bloß simuliert an, weil keinerlei Charakterzeichnung stattfindet. Fast bin ich sogar geneigt, Stallone und Williams als fehlbesetzt zu bezeichnen: DaSilva etwa hat ein Gewissensproblem, das es ihm unmöglich macht, den Abzug in Gegenwart Unschuldiger zu betätigen. Nicht nur, dass diese Schwäche lediglich behauptet wird, zur Figur – immerhin einem Vietnamveteran! – beim besten Willen nicht passt und im weiteren Verlauf des Films auch nie die Rolle spielt, die ihr zunächst zugewiesen wird: Aus heutiger Sicht, mit den berühmten und alles andere als zimperlichen Actionhelden vor Augen, die Stallone später spielen sollte, nimmt man ihm diese moralischen Zweifel einfach nicht ab.

Fehler und Schlampigkeiten dieser Art ziehen sich durch den ganzen Film, der nie der aufregende Großstadtactioner wird, der er wohl gern wäre, seinen B-Movie- oder gar Fernsehfilm-Flair nie ablegen kann. Warum etwa bringt ein Superterrorist eine mit maximal zehn Touristen besetzte Gondel in seine Gewalt, wenn er in New York doch ungleich größeren Schaden anrichten könnte – und dies vorher bei einem Bombeattentat ja auch tut? Weder wird dies seinen größenwahnsinnigen Ansprüchen gerecht, noch sollte dieser Profi ernsthaft annehmen, mit einer Geiselnahme davonkommen zu können. So kommt nie das Gefühl von Bedrohung auf, dass die besten Filme dieser Art hervorrufen: Die Konfrontation zwischen DaSilva, Fox und Wulfgar erfolgt viel zu früh; geradezu lächerlich wirkt es, wenn sie ihm – von dem sie noch nicht einmal wissen, wie er nach einer Gesichtsoperation aussieht -, gleich bei der ersten Patrouille durch nackten Zufall begegnen, nachdem sie vorher lang und breit über seine Raffinesse und Gerissenheit  aufgeklärt wurden. Solche Blödheiten (die ich bei Filmen sonst eigentlich ungern bemängele) sind vielleicht in einem Seagal-Film akzeptabel – mit HARD TO KILL hat Malmuth ein paar Jahre später dann ja auch einen besonders dummen gedreht -, aber nicht in einem reale Ängste bedienenden Terroristenthriller. Neben den Bildern des winterlichen Manhattan – für die ich immer sehr empfänglich bin, weil ich die Metropole selbst zwei Mal in den Wintermonaten besucht habe – und der noch über dem Film liegenden Siebzigerjahre-Aura ist der Schlusstwist, mit dem Malmuth den Bogen zur Auftaktsequenz spannt, das einzige, was ich an NIGHTHAWKS  positiv hervorheben möchte. Das ist deutlich zu wenig. NIGHTHAWKS ist eine der größten Enttäuschungen der letzten Zeit.