Mit ‘Billy Dee Williams’ getaggte Beiträge

Billy Dee Williams ist Nick Allen, ein nicht näher spezifizierter Agent im Staatsdienst, dessen 15-jährige Tochter an einer Dosis Heroin verreckt. Allen findet schnell den verantwortlichen Dealer und schlägt ihm die Fresse blutig, doch dessen Jammern, er sei doch nur ein einfacher „worker“ leitet einen Erkenntnisprozess bei dem verzweifelten Vater ein: Wenn er wirklich etwas ändern will, dann muss er die bestrafen, die am Anfang des Wertschöpfungsprozesses stehen: eine neunköpfige Gruppe von feinen Herrschaften im fernen Marseille. Allen stellt ein Team von alten, in Ungnade gefallenen Kollegen und Leuten, die selbst ihre Erfahrungen mit dem Drogengeschäft gemacht haben, zusammen, mit denen er den titelgebenden „Hit“ plant. Ihm dicht auf den Fersen sein Vorgesetzter und dessen Bluthunde, die den abtrünnigen Staatsbediensteten in seine Schranken weisen wollen.

Die Anwesenheit von Williams und Pryor schürt in Zusammenhang mit dem Produktionsjahr zunächst Erwartungen auf einen Blaxploiter mit tief bis zu den Knien hängenden Eiern und swagger for days, aber Furies HIT! ist eher ein Verwandter jener eiskalten, furztrockenen Männerfilme und Agententhriller, wie sie damals regelmäßig von Filmemachern wie Don Siegel, Sam Peckinpah, John Flynn oder auch Michael Winner kamen. Im Vergleich zu den beiden erstgenannten ist HIT! sogar noch eine ganze Spur eisiger: Das Handeln von Allen wird ohne jede Romantik oder Nostalgie für einen aussterbenden Typus Mann betrachtet, lediglich mit sachlich-kühler Distanz. Dazu passt auch, dass keinerlei Bemühungen unternommen werden, dem Zuschauer irgendwie entgegen zu kommen. Ich lehne mich jetzt mal so weit aus dem Fenster und behaupte, dass in HIT! keine einzige Zeile expositorischer Dialog gesprochen wird. Nichts wird erklärt, kein Wort vergeudet: Dass die Tote Allens Tochter ist, macht nur der Schnitt klar. Man erfährt nie, welches Amt Allen genau bekleidet. Wenn er jemanden trifft, den er kennt, begrüßt er den nicht erst mit vollem Namen und Berufsbezeichnung und er erklärt auch nie, was genau er eigentlich vorhat. Als er die Leute aufsucht, die später sein Team bilden sollen, weiß man weder, wer die sind noch, was er von ihnen will. Auch die französischen Drogenhändler bleiben komplett namenlos. Man hinkt dem Geschehen immer hinterher, wie die Beamten, die Allens Plan vereiteln wollen, und man muss höllisch aufpassen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Der Verlauf des Films bleibt über weite Strecken unvorhersehbar, nicht, weil er wirklich so anders verliefe als andere, ähnlich gelagerte Filme, sondern weil das Drehbuch so überaus sparsam mit seinen Informationen ist. Im Umkehrschluss wird der Protagonist so mit einer immensen Coolness und Souveränität ausgestattet, die keine markigen One-liner oder sonstige Mätzchen braucht. Allen ist der einzige im Film, der zu jeder Zeit weiß, was Phase ist, und der so in alle Ruhe seinen Plan durchzieht. Und Furie, der damals schon gute 15 Jahre im Geschäft war und dabei mit Superstars wie Marlon Brando, Michael Caine, Diana Ross, Robert Redford und Frank Sinatra zusammengearbeitet hatte, zeigt, warum er als ein vergessener Meister betrachtet werden darf: Ein Film wie HIT! bedarf zum Funktionieren absoluter Selbstsicherheit und einer klaren Vision und Furie lässt zu keiner Sekunde die Zügel schleifen.

Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es dann aber doch: die obligatorische Trainingssequenz. Mit seinem Team zieht sich Allen in ein winterlich-ausgestorbenes Nest an einem See zurück, wo er jeden einzelnen in seiner Aufgabe unterweist. Es ist ein Standard des Commando- oder auch des Heistfilms: Die Mitglieder verzweifeln an ihren unterschiedlichen Aufgaben, es gibt vielleicht eine (zwischenmenschliche) Krise, die das Team zwingt, näher zusammenzurücken, bis schließlich jeder seinen Platz einnehmen und gut vorbereitet in die Schlacht ziehen kann. Das ist auch bei HIT! so, doch zum einen unterscheiden sich diese Aufgaben kaum voneinander, zum anderen wirkt das Training gemessen an dem, was sie später leisten müssen, geradezu läppisch. Die Drogenabhängige Sherry (Gwen Welles) wird einen der Drogenhändler in einem Restaurant mit Wein vergiften und dann fliehen müssen (wie es die Strategie des Films ist, weiß man das zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht): Ihr Training sieht so aus, dass sie eine Flasche Wein öffnet und dann ca. 15 Meter weit zur Tür hinaus rennt, während Allen mit der Stoppuhr daneben sitzt und sie dazu antreibt, schneller zu sein. Das große Drama besteht darin, dass sie aufgrund des High-Heels-Zwangs zu langsam ist und an Allens Unnachgiebigkeit verzweifelt. Das wirkt einfach albern und viel zu unspezifisch. Pryors Willie muss einer Yacht hinterhertauchen und den Schurken dann aus dem Wasser mit einer Harpune erschießen. In seinem Training besteht die größte Hürde aber darin, seinen Taucheranzug schnell genug wieder auszuziehen. Das ist einfallslos, unspezifisch und und fügt dem Film nicht nur keine Dramatik hinzu, es lässt die ganze Unternehmung amateurhaft wirken. Hier wäre mit Leichtigkeit mehr drin gewesen. 

Aber auch dieser Makel verhindert letztlich nicht, dass HIT! über seine ganze opulente Spielzeit von zwei Stunden nahezu perfekte, arschtight inszenierte und spannende Unterhaltung bietet, die einen Hollywood-Standard mit frischem Wind beatmet und im Finale dann auch ziemlich ruppig daherkommt. Ein starker Genrebeitrag, der Freunden des Seventies-Männerkinos viel Freude bereiten sollte und zudem den Bonus hat, dass sein Name noch nicht von jedem Baum gerufen wird.

Wiedersehen mit einem Film, den ich damals, nachdem er ohne große Aufregung zu verursachen, aus den Kinos verschwunden war, auf DVD erwarb und den ich dann schnell ins Herz schloss: THE LADIES MAN ist (zum Glück) kein Remake des gleichnamigen Jerry-Lewis-Klassikers, sondern eine kleine Komödie, die auf einem SNL-Charakter basiert (ähnlich wie zuvor z. B. THE BLUES BROTHERS, A NIGHT AT THE ROXBURY oder WAYNE’S WORLD): Der „Ladies Man“ ist Leon Phels (Tim Meadows), ein Sexberater im Radio, der modisch und geistig in den Siebzigerjahren steckengeblieben ist, lispelt, haarsträubende Ratschläge gibt und ein aufregendes Dasein als Frauenbeglücker führt.

Im Film wird Leon, der von seiner Entdeckerin, der etwas konservativen Julie (Karyn Parsons) protegiert wird, nach einer Reihe von Beschwerden von seinem Sender rausgeschmissen und sucht verzweifelt mit ihr einen neuen Arbeitgeber. Gleichzeitig befindet sich eine Gruppe von Ehemännern, deren Frauen von Leon beglückt wurden, auf der Suche nach ihm. Als das neueste Opfer zu ihnen stößt, erhalten sie einen wichtigen Hinweis auf seine Identität. Zur selben Zeit knüpfen Leon und Julie romantische Bande.

THE LADIES MAN wurde damals weitestgehend verrissen und heute kann ich das dann auch besser nachvollziehen als von 18 Jahren. Auch wenn ich den Film streckenweise immer noch ganz witzig finde, wirkt er doch sehr hingeschludert, und die Idee, die für ein paar improvisierte Sketche vielleicht ganz gut funktionierte, trägt das nur knapp 80 Minuten lange Vehikel kaum. Dazu kommt, dass THE LADIES MAN seinen Witz zum einen ganz wesentlich daraus beziehen soll, dass Phelps am laufenden Band Schweinereien loslässt, ohne dies wirklich zu bemerken, der Film sich also als „anstößig“ positioniert, aber nicht nur in den tatsächlichen Äußerungen seines Helden, sondern auch insgesamt unglaublich brav und bieder wirkt. Ein Beispiel: Als Leon für einen Testlauf bei einem christlichen Radiosender unterkommt, muss er eine Nonne interviewen. Es kommt zum erwartbaren Eklat, weil Leon den Begriff „missionary position“ falsch auslegt: Ein Missverständis, dass zusätzliches Feuer dadurch erhält, dass die Nonne dann auch noch von „Bangkok“ und dem „Yellow River“ spricht. Der ganze Witz wirkt einfach ungelenk konstruiert und albern, keineswegs „racy“, sondern schlicht infantil. In einer anderen eigentlich ganz schönen Szene tritt Leon Phelps in einem ungewöhnlichen Wettkampf gegen den arroganten Exfreund Aloysius (Regisseur Reginald Hudlin) von Julie an: Die Herausforderung besteht darin, das eklige Barfood zu essen, dass Wirt Lester (Billy Dee Williams fungiert auch als Voice-over-Erzähler) auf der Theke bereithält – Schweinefüße, eingelegte Eier, Rinder- und Schweinehoden. In der misslungenen Pointe wird dann enthüllt, dass die letzte „Spezialität“, die der Exfreund da triumphierend verdrückt hat, nichts anderes als menschlicher Kot war. Unter dem lauten Gelächter der „Guten“ zieht er schließlich gedemütigt ab. Mal davon abgesehen, dass ich bezweifeln möchte, dass ein Barkeeper ein Einmachglas voll mit Scheiße bei sich für den Fall aufbewahrt, dass er jemandem einen bösen Streich spielen möchte, finde ich, dass Menschen, die einen anderen in einen solchen Streich verwickeln, eigentlich nicht unsere Sympathie erhalten sollten. Witzig ist THE LADIES MAN aber immer dann, wenn Will Ferrell als Anführer der Selbsthilfegruppe auftritt. Sein Lance DeLune ist ein closeted gay man, der von seiner Gattin (Tiffani Thiessen) betrogen wurde, weil er lieber Griechisch-römisches Ringen mit seinem Freund Brian trainierte, als zärtlich ihr zu sein. Seine großen Reden, in denen er sich sehr zur Irritation seiner Jünger immer wieder in schwulen Fantasien verliert, sind die Höhepunkte des Films.

Die erste Sichtung nach etlichen Jahren war demnach ernüchternd: Zwar finde ich einige Szenen immer noch lustig, aber insgesamt ist THE LADIES MAN in vielerlei Hinsicht unbeholfen. Dass das Urteil noch einigermaßen versöhnlich ausfällt, liegt auch daran, dass er so kurzweilig und unterambitioniert ist, dass man ihm nicht wirklich böse sein kann. Beachtlich ist lediglich, welchen Aufwand man für die Adaption eines TV-Sketches betrieb: In Nebenrollen sieht man neben den schon Genannten außerdem solche Leute wie John Witherspoon, Eugene Levy, Tamala Jones und Julianne Moore, der Klassiker-gespickte Soul-Soundtrack dürfte auch nicht so billig gewesen sein. Hätte man das Geld lieber mal in ein Drehbuch gesteckt …

In den Achtzigerjahren erfreute sich der Buddyfilm großer Beliebtheit. In Dutzenden von Filmen wurden ungleiche Paare – meist waren es männliche Polizisten – zusammengestellt und vom Drehbuch dazu gezwungen, sich gegen eine verbrecherische Übermacht zusammenzuraufen. Großes Vorbild war zunächst Walter Hills 48 HRS., MIAMI VICE setzte mit Buddy-Konzept Maßstäbe in der Evolution der Fernsehserien, Ende des Jahrzehnts gelang Richard Donner mit LETHAL WEAPON eine weitere Auffrischung, die auch wesentliche Inspirationsquelle für NUMBER ONE WITH A BULLET gewesen sein dürfte, den die Cannon im selben Jahr in die Kinos brachte. Wie die genannten Vorbilder vereint Smights Film eine weißen und einen schwarzen Cop, wie bei Donner wandelt der Weiße auf dem schmalen Grat zum Wahnsinn, wie bei MIAMI VICE interpretiert Williams seinen Bullen als öligen Charmeur im feinen Zwirn.

Der Fokus liegt allerdings klar bei Robert Carradine, dessen Detective Berzak, Spitzname „Berserk“, alle Klischees des heißgelaufene Bullen in sich vereint: Er wird eingeführt, wie er seinem Partner Hazeltine (Billy Dee Williams) bei einer schönen Blonden die Tour vermasselt, indem er ihr erzählt, er habe kürzlich in Ausübung seiner Pflicht ein Kind erschossen . Weil er selbst die Trennung von seiner Ehefrau Teresa (Valerie Bertinelli) nicht verkraftet hat, gönnt er auch dem Partner keinen Erfolg in Liebesdingen: Später kommt er Hazeltine noch einmal in die Quere, indem er sich gegenüber einer seiner neuen Eroberungen als dessen schwuler Liebhaber ausgibt. Die stalkerhafte Penetranz, mit der er der Ex-Gattin nachstellt, legt Smight als liebenswerte Marotte aus, findet es augenscheinlich saukomisch, wenn Berzak potenzielle neue Lebensgefährten seiner Frau mit Andeutungen über eine bei ihr vorliegenden Geschlechtskrankheit in die Flucht schlägt. 30 Jahre später fragt man sich nur, was für ein psychopathisches Arschloch dieser „lustige“ Kerl ist. Aber solche Geschmacksentgleisungen tragen natürlich auch zum Amüsement bei, von dem der streng genommen höhepunktarme Film nur profitieren kann. Der eigentliche Krimiplot um einen in verbrecherische Machenschaften verwickelten reichen Unternehmer, den Berzak schon seit geraumer Zeit auf dem Kieker hat, dem er aber nie etwas nachweisen konnte, ist ein in die Jahre gekommener Genrestandard, dem Smight nicht viel Neues abgewinnt. Und für eine Cannon-Produktion kommt NUMBER ONE WITH A BULLET auch ziemlich trocken daher. Ihm fehlt dieses kirmeshafte, marktschreierische Element, das die Cannon-Filme sonst so unverwechselbar macht.

Aber diese Stromlinieförmigkeit fällt nicht weiter negativ ins Gewicht, im Gegenteil: Genrekost wie diese lebt ja auch vom Wiedererkennungswert, dem Spiel mit den nur verhaltenen Variationen. In NUMBER ONE WITH A BULLET findet man sich sofort gut zurecht, kann sich daran versuchen, die nächsten dramaturgischen Schritte vorherzusagen und, weil man dabei meist erfolgreich ist, die kleinen Details in der Charakterzeichnung ins Visier zu nehmen. Wobei „Charakter“ hier schon übertrieben ist, denn Carradine und Williams spielen sattsam bekannte Archetypen. Der Unterschied zu weniger gelungenden Vertretern des Subgenres liegt allerdings darin, dass die beiden Profis das sehr überzeugend hinbekommen und einem ihre Figuren mit laufender Spieldauer tatsächlich fast ein wenig ans Herz wachsen. Berzak dichtet das Drehbuch einen putzigen Mutterkomplex an, lässt ihn immer wieder zur Gitarre greifen, eine Bierflasche mit einem abgelösten Cola-Etikett tarnen und rohes Fleisch aus der Supermarktverpackung essen. Williams‘ Hazeltine bekommt demgegenüber nicht viel zu tun, aber der Akteur verfügt über das Glück, mit Charme im Übermaß gesegnet worden zu sein: Er muss nur selbstbewusst in die Kamera lächeln und erreicht damit mehr als andere Darsteller in zehnminütigen Monologen. Das lässt sich auf Smights ganzen Film ausweiten: Er leistet nichts Außergewöhnliches, aber das, was er macht, macht er richtig. Demzufolge habe ich auch nicht viel Substanzielles zu sagen über NUMBER ONE WITH A BULLET. Außer, dass er mir auf seine unprätentiöse Art 90 sehr kurzweilige Minuten beschert hat.

Als der Terrorist „Wulfgar“ (Rutger Hauer) nach einem Bombenattentat in London nach New York einreist, um dort mit einem weiteren Anschlag sein angeknackstes Renommee beim terroristenführer Hammad wiederherzustellen, unterweist der britische Terrorexperte Peter Hartman (Nigel Davenport) eine Handvoll New Yorker Cops in Anti-Terror-Maßnahmen. Unter diesen befinden sich auch die Partner Deke DaSilva (Sylvester Stallone) und Matthew Fox (Billy Dee Williams) und vor allem Deke ist ob der empfohlenen Methoden skeptisch: Doch dann steht er dem kaltblütigen Mörder gegenüber ….

NIGHTHAWKS hatte ich irgendwann in meinen Teenagerjahren mal auf RTLplus aufgezeichnet, ihn dann aber nie komplett gesehen, was umso komischer ist, als ich damals ausgewachsener Stallone-Fan war (und dies ja eigentlich auch immer noch bin). Nachdem ich die Lücke gestern endlich geschlossen habe, muss ich leider einräumen, dass ich in all den Jahren eigentlich nichts verpasst, im Gegenteil damals sogar unbewusst eine sehr richtige Entscheidung getroffen habe. NIGHTHAWKS – in der Stallone-Filmografie zwischen ROCKY II und dem Huston-Flop VICTORY anzusiedeln – ist nämlich nur eines von zahlreichen Beispielen schlechter Rollenauswahl, die die Karriere des Superstars und Oscarpreisträgers durchziehen, und ein Film, dessen großes Potenzial durch eine einfallslose und plumpe Inszenierung konsequent unterlaufen wird. Post-9/11 ist ein Film, der Terrorismus vor der imposanten Kulisse Manhattans behandelt, eigentlich per se schon interessant und dass Malmuth antritt, den europäischen Polit- und Agententhriller mit dem US-amerikanischen Großstadtkrimi zu verkuppeln, ist zumindest vor dem Genrehintergrund ein reizvoller Ansatz. Leider demonstriert er hier allerhöchstens, dass beides nicht zusammengehört. Die eisige Nüchternheit des einen Genres erschöpft sich in ein paar Texteinblendungen, die umso sinnloser sind, als Malmuth dies nach der Exposition einfach wieder fallenlässt, und der kühlen Fassade Rutger Hauers, die Direktheit des anderen verkommt in Malmuths uninspirierter Inszenierung zum albernen Kinderkram, wenn DaSilva und Fox ihre Kollegen anzicken und vor ihrem Vorgesetzten die beleidigte Leberwurst spielen. Diese Konflikte gehören zwar zum Inventar des Copfilms, doch hier muten sie bloß simuliert an, weil keinerlei Charakterzeichnung stattfindet. Fast bin ich sogar geneigt, Stallone und Williams als fehlbesetzt zu bezeichnen: DaSilva etwa hat ein Gewissensproblem, das es ihm unmöglich macht, den Abzug in Gegenwart Unschuldiger zu betätigen. Nicht nur, dass diese Schwäche lediglich behauptet wird, zur Figur – immerhin einem Vietnamveteran! – beim besten Willen nicht passt und im weiteren Verlauf des Films auch nie die Rolle spielt, die ihr zunächst zugewiesen wird: Aus heutiger Sicht, mit den berühmten und alles andere als zimperlichen Actionhelden vor Augen, die Stallone später spielen sollte, nimmt man ihm diese moralischen Zweifel einfach nicht ab.

Fehler und Schlampigkeiten dieser Art ziehen sich durch den ganzen Film, der nie der aufregende Großstadtactioner wird, der er wohl gern wäre, seinen B-Movie- oder gar Fernsehfilm-Flair nie ablegen kann. Warum etwa bringt ein Superterrorist eine mit maximal zehn Touristen besetzte Gondel in seine Gewalt, wenn er in New York doch ungleich größeren Schaden anrichten könnte – und dies vorher bei einem Bombeattentat ja auch tut? Weder wird dies seinen größenwahnsinnigen Ansprüchen gerecht, noch sollte dieser Profi ernsthaft annehmen, mit einer Geiselnahme davonkommen zu können. So kommt nie das Gefühl von Bedrohung auf, dass die besten Filme dieser Art hervorrufen: Die Konfrontation zwischen DaSilva, Fox und Wulfgar erfolgt viel zu früh; geradezu lächerlich wirkt es, wenn sie ihm – von dem sie noch nicht einmal wissen, wie er nach einer Gesichtsoperation aussieht -, gleich bei der ersten Patrouille durch nackten Zufall begegnen, nachdem sie vorher lang und breit über seine Raffinesse und Gerissenheit  aufgeklärt wurden. Solche Blödheiten (die ich bei Filmen sonst eigentlich ungern bemängele) sind vielleicht in einem Seagal-Film akzeptabel – mit HARD TO KILL hat Malmuth ein paar Jahre später dann ja auch einen besonders dummen gedreht -, aber nicht in einem reale Ängste bedienenden Terroristenthriller. Neben den Bildern des winterlichen Manhattan – für die ich immer sehr empfänglich bin, weil ich die Metropole selbst zwei Mal in den Wintermonaten besucht habe – und der noch über dem Film liegenden Siebzigerjahre-Aura ist der Schlusstwist, mit dem Malmuth den Bogen zur Auftaktsequenz spannt, das einzige, was ich an NIGHTHAWKS  positiv hervorheben möchte. Das ist deutlich zu wenig. NIGHTHAWKS ist eine der größten Enttäuschungen der letzten Zeit.