Mit ‘Billy Wilder’ getaggte Beiträge

Nein, gemessen an Wilders zahlreichen  Großtaten ist BUDDY, BUDDY kein guter Film. Aber weil es eben ein Wilder ist, ist er dennoch amüsant geraten. Das Remake von Édouard Molinaros L’EMMERDEUR von 1973 lässt Walter Matthau als Auftragsmörder Trabucco auf den suizidalen Fernsehzensoren Victor Clooney (Jack Lemmon) treffen. Trabucco will von seinem Hotelzimmer aus den Kronzeugen in einem Mafiaprozess erschießen, doch dabei kommt ihm immer wieder der nebenan wohnende Clooney in die Quere, der seine Ehefrau (Paula Prentiss) an den Sexguru Dr. Zuckerbrot (Klaus Kinski) verloren hat und sich deshalb umbringen will. Die Versuche Trabuccos, den Störenfried loszuwerden scheitern und am Ende benötigt er sogar die Hilfe der bürgerlichen Nervensäge.

BUDDY, BUDDY hat eine schön lakonische Performance von Matthau, einen gewohnt nervösen Lemmon und einen herrlichen Kinski aufzubieten, dazu eine sonnige kalifornische Atmosphäre, aber der Erfolg des Ganzen wird durch eine eher hemdsärmelige Dramaturgie sabotiert und ihm fehlt etwas, was Wilders Komödien sonst immer auszeichnete: Tempo und Timing. Seinen Witz bezieht BUDDY, BUDDY zumindest auf dem Papier eigentlich daraus, dass ein hoffnungsloser Verlierer einen eiskalten Profi an den Rand des Wahnsinns treibt, bis letzterer auf ersteren sogar angewiesen ist. Aber genau hier versagt Wilder: Ihm fehlt der lange Atem und auch die Finesse, um Trabucco langsam, aber unaufhörlich in den Wahnsinn zu treiben. Vielleicht ist die Entscheidung, mit Matthau und Lemmon ein Traumpaar der US-Komödie für BUDDY, BUDDY wiederzuvereinen, mitursächlich für das Scheitern des Films: Ihr Mit- und Gegeneinander ist schon zu eingeschliffen, als dass es noch echte, ursprüngliche Emotionen evozieren würde. Matthau wirkt als Trabucco weniger genervt von Clooney, als einfach nur müde. Auch der Subplot um Dr. Zuckerbrot zeigt diese Probleme: Wilder steuert im Konflikt zwischen Clooney und dem exzentrischen Wissenschaftler auf einen großen Höhepunkt zu, nur um Kinski dann kurz vorher höchst unspektakulär aus dem Film zu nehmen. Der geht einfach!

Natürlich ist Wilder einfach zu gut, als dass hier nicht auch der ein oder andere Lacher abfiele. Die meisten gehen auf das Konto von Lemmon, der sich als moralistischer Spießer über Nippel zur Primetime ereifert und die Patienten in Zuckerbrots Sexklinik als „Perverse“ beschimpft. Kinskis Performance beweist, dass an ihm ein grandioser Komiker verloren gegangen ist, dessen Potenzial in dieser Richtung leider unentdeckt blieb. In einer Nebenrolle punktet zudem Dana Elcar als wichtigtuerischer Captain Hubris (!). Matthau hingegen agiert eine Nummer zu routiniert für diesen Film: Er agiert so abgebrüht, dass ihn dieser Clooney eigentlich kaum wirklich aus der Ruhe bringt, was aber Dreh- und Angelpunkt des Plots ist. Und Paula Prentiss ist als Clooneys Ex-Frau, die seinen Ehering zu einem Penisanhänger für den neuen Lover hat umformen lassen, seltsam übersteuert. Dass die beiden 12 Jahre miteinander verbracht haben sollen, nimmt man beiden einfach nicht ab.

So bleibt am Ende ein, wie gesagt unterhaltsamer, hier und da durchaus komischer Film, der aber viel, viel mehr Potenzial gehabt hätte und insgesamt unüberlegt und provisorisch wirkt. Vielleicht hatte Wilder einfach keine rechte Lust mehr.

Wieder eine verspätete Erstbetrachtung eines Klassikers: Billy Wilders Verfilmung eines Romans von James M. Cain gingen acht Jahre voran, in denen das Drehbuch durch Hollywood kursierte und verzweifelt, aber erfolglos versucht wurde, es zu verfilmen. Der strenge Hays-Code machte es nahezu unmöglich, eine Geschichte, in der es um die Verkommenheit des Durchschnittsbürgers, um Ehebruch, Versicherungsbetrug und Mord ging, filmisch umzusetzen, ohne Ärger zu bekommen. Billy Wilder, dem alten Zyniker, ist das Kunststück durch eine ungemein suggestive Inszenierung gelungen, die nichts unklar lässt, ohne wirklich etwas zu zeigen. Und er schuf damit die Initialzündung für den Film Noir.

Ob DOUBLE INDEMNITY nun wirklich der erste Noir ist, diese Frage überlasse ich lieber Filmhistorikern und -chronisten. Tatsächlich aber lieferte Wilder so viele Inszenierungsideen und erzählerische Kniffe, dass man die historische Sonderstellung dieses Films bei heutiger Betrachtung unbedingt mitdenken muss, um nicht den Fehler zu begehen, die ständigen Déjà-vus, die man bei der Betrachtung unweigerlich erlebt, gegen ihn auszulegen. Dinge, die heute längst zum Klischee geworden sind, hier aber zum ersten Mal ausprobiert wurden und auf ein vollkomen unvorbereitetes Publikum trafen: Voice-over-Narration (sie legt den Hauch des Unausweichlichen und Schicksalhaften über den Film, ein klassisches Noir-Mittel), durch Jalousien fallendes Licht (steckt die Figuren noch in Freiheit hinter Gitter), Femme Fatales (Barbara Stanwyck ist als Phyllis Diedrichsen billig, teuflisch und verführerisch), krasse Schattenspiele (Teile des Films spielen in absoluter Dunkelheit), sexuell aufgeladene Dialoge und im entscheidenden Moment nicht anspringende Motoren (dieses mittlerweile billigste aller spannungserzeugenden Mittel sorgt hier für einen nervenzerrenden Moment).

Und wenn man sich diese beeindruckende Liste vor Augen führt, fällt einem plötzlich auf, dass DOUBLE INDEMNITY tatsächlich nichts weniger als perfekt ist. Ein Film, in dem keine Szene, keine Einstellung nichts bedeutet.

aceinthehole1Der Zeitungsreporter Charles Tatum (Kirk Douglas) ist nach Engagements bei großen Tageszeitungen aufgrund von Alkoholismus und Disziplinlosigkeit in der Provinz gelandet. Beim „Albuquerque Sun Bulletin“ findet er eine neue Anstellung und hofft auf den großen Coup, um sich wieder für größere Aufgaben zu empfehlen. Diese Chance eröffnet sich durch bloßen Zufall, als Charles in einer Höhle den verschütteten Leo (Richard Benedict)  findet. Schnell bläst er das Unglück zu einem großen Medienspektakel auf, für dessen Gelingen er auch Charles zu opfern bereit ist …

Billy Wilder ist vor allem für seine (btw auch nicht gerade ein freundliches Menschenbild zeichnenden) Komödien bekannt, doch in ACE IN THE HOLE (zu deutsch wenig subtil REPORTER DES SATANS), seinem zehnten Spielfilm, gönnt er dem Zuschauer nicht einmal das sprichwörtliche im Hals stecken bleibende Lachen. Kirk Douglas, der seinen nur auf den eigenen Vorteil bedachten Sensationsreporter mit der Intensität eines ausgehungerten Bluthundes spielt, gibt die Marschroute vor: Wilders Film ist eine Tour de Force, die den Zuschauer mit der Schlechtigkeit und Dummheit des Menschen und der Perfidität der (amerikanischen) Presse konfrontiert und dabei keine Schonung kennt. Die Rücksichtslosigkeit Tatums wird durch die absolute körperliche Immobilität seines Opfers ins Unermessliche gesteigert, das in sein Erdloch eingeschlossen langsam in den Wahnsinn abdriftet, während an der Erdoberfläche in aller Seelenruhe die Fäden spinnt, die ihm den Wiedereinstieg ins ganz große Zeitungsgeschäft sichern sollen. Es ist erstaunlich, wie aktuell ACE IN THE HOLE immer noch ist. Die Karawanen von Schaulustigen, die um die Unglücksstelle campieren, die einfältigen Liedchen, die flugs um die Ereignisse gedichtet werden, die Reporter, die sich immer dort niederlassen, wo es am schlimmsten nach Scheiße riecht und Interesse an am Menschen heucheln, aber doch nur an die Story und den Verkauf denken: Das hat sich in den fast 60 Jahren, die seit Erscheinen des Films verstrichen sind, höchstens oberflächlich verändert. Tatum ist einer der Vorkämpfer dieser Entwicklung und für das alte journalistische Ideal „Tell the Truth“, das als altmodisch gesticktes Motto in den Redaktionsräumen des Sun Bulletin hängt, hat er nur ein herablassendes Lachen übrig: So kommt man vielleicht in den Himmel, verkauft aber garantiert keine Zeitungen. ACE IN THE HOLE geht über die reine Kritik am Medienzirkus weit hinaus, ist auch als Kritik am Kapitalismus zu verstehen und als Film über menschliche Hybris generell: Im Reporter Tatum, der sich nicht damit begnügt, zu berichten, sondern vielmehr seine eigene Realität schafft, äußert sich auch der vermessene Wunsch, selbst ein bisschen Gott zu spielen.

the front page (billy wilder, usa 1974)

Veröffentlicht: September 9, 2008 in Film
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Chicago in den 1920er-Jahren: Der Starreporter des Examiners Hildebrand „Hildy“ Johnson (Jack Lemmon) hat die Schnauze voll vom Zeitungswesen. Auch sein Chef, der gerissene Walter Burns (Walter Matthau), kann ihn nicht halten, weil auf Hildy eine neue Liebe, die Sängerin Peggy (Susan Sarandon), und ein neuer Job in der Werbeagentur seines zukünftigen Schwiegervaters warten. Doch Hildy ist ein geborener Journalist und deswegen müssen seine Zukunftspläne kurzfristig aufgeschoben werden als ihm der zu Unrecht zum Tod verurteilte Earl Williams (Austin Pendleton) in die Hände fällt …

Billy Wilder, der alte Zyniker. Die Credits werden vom Rattern und Klappern der Druckpresse begleitet, am Ende steht die Titelseite des Examiners, die von der bevorstehenden Exekution des vermeintlichen Polizistenmörders Earl Williams berichtet. Der Maschinenlärm geht nahtlos über in das eifrige Hämmern der Gefängnisangestellten, die im Innenhof den Galgen errichten. Presse und Exekutive, sie gehen Hand in Hand und deswegen gibt es im Gerichtsgebäude auch einen Raum nur für Journalisten. In diesem Raum versammeln sich die Berufskollegen von Hildy, um ihrer Arbeit nachzugehen. Das sieht so aus, dass sie Karten spielen, Schnaps trinken und dann und wann zum Telefon greifen, um eine erfundene Meldung in die Sprechmuschel zu bellen. Jeder vielleicht einmal vorhandene Idealismus ist längst der kompletten Gleichgültigkeit gewichen, die vollmundigen Artikel sind reiner Selbstzweck. Und auch für das Schicksal Earl Williams‘ interessiert sich keiner. Hauptsache, er baumelt pünktlich am Galgen. Aber die Presse ist nicht die alleinige Zielscheibe für Wilders böse Kritik, denn auch der Staatsapparat, verkörpert von Sheriff Hartman (Vincent Gardenia) und dem Bürgermeister (Harold Gould) wird aufs Korn genommen. Denn wie so oft sind mit Williams‘ Hinrichtung politische Interessen verknüpft. Wahlen stehen an und eine sauber durchgeführte Exekution wäre die perfekte Werbung für den Bürgermeister. So wird dann schon einmal eine von offizieller Stelle geforderte Aufschiebung ignoriert und der Bote auf Kosten der Stadt ins Bordell geschickt.

Es ist an Hildy und Walter diesen Skandal aufzudecken. Hildy von neuem Eifer beseelt wittert die große Geschichte, um seinen Abgang zu versüßen. Beiden geht es nicht um die Gerechtigkeit. Dass beide das Richtige tun, ist letztlich der Tatsache geschuldet, dass sie sich davon den größten Effekt versprechen. Was könnte mehr Leser binden als die Unschuld eines Mörders zu belegen und gleichzeitig die führenden Persönlichkeiten der Stadt zweifelhafter Machenschaften zu bezichtigen?

Wilder frischt mit THE FRONT PAGE eine Kritik auf, die er schon in seinem ACE IN THE HOLE einmal formulierte (den ich dringend noch sehen muss). Auch stilistisch orientiert sich Wilder an Bewährtem (man denke etwa an ONE, TWO, THREE! oder THE FORTUNE COOKIE): Fast der gesamte Film spielt in einem Raum, in dem gleich mehrere Handlungsfäden zusammenlaufen und sich verdichten. Geschliffene Dialogzeilen werden mit hoher Frequenz „abgeschossen“, sodass THE FRONT PAGE beinahe wie ein Actionfilm anmutet. So findet Wilder nicht nur die perfekte Form für sein Thema – Presse und Geschwindigkeit sind schließlich kaum voneinander zu trennende Begriffe -, er dramatisiert seine Vorgänge zusätzlich, indem er alles andere komplett ausblendet: In diesem Raum, an diesem Tag wird über das Schicksal eines Unschuldigen entschieden – aber mit ihm zusammen über das Schicksal der ganzen Welt. Wilders Kunst besteht darin, das Große im Kleinen zu verpacken, das hat er mit seinem Protagonisten Hildy gemeinsam. Seine Botschaften drängen sich nicht auf, überdecken nie die eigentliche Narration, sondern entfalten sich in dieser und durch sie. 

Wer es noch nicht wusste: Wie eigentlich alles von Billy Wilder ist auch THE FRONT PAGE uneingeschränkt zu empfehlen.

Der Kameramann Harry Hinkle (Jack Lemmon) wird während einer Football-Liveübertragung vom Spieler Luther „Boom Boom“ Jackson (Ron Rich) über den Haufen gerannt und erleidet eine Gehirnerschütterung. Sein Schwager, der zwielichtige Anwalt Willie Gingrich (Walter Matthau), sieht die Chance auf das große Geld: Er überredet Harry dazu Lähmungserscheinungen zu simulieren und so ein großes Schmerzensgeld zu erschwindeln. Als Köder fungiert Harrys Exfrau Sandy (Judy West), über die er nie hinweggekommen ist und die sich sofort auf den Weg zu ihm macht, als sie von seinem Unfall erfährt. Doch Harry fühlt sich mit dem Schwindel mehr und mehr unwohl, zumal der schuldbewusste „Boom Boom“ Jackson seine Karriere zugunsten seines „Opfers“ vollkommen vernachlässigt …

THE FORTUNE COOKIE gilt gemeinhin als echter Billy-Wilder-Klassiker, begründete zudem die erfolgreiche Filmpartnerschaft von Lemmon und Matthau, die bis in die späten Neunzigerjahre anhielt, und verschaffte letzterem seinen wohlverdienten Oscar. Insofern ist es wahrscheinlich Ketzerei, wenn ich gestehe, dass mir THE FORTUNE COOKIE zwar gefallen, mich aber keineswegs so umgehauen hat, wie ich das erwartet hatte. Eigentlich ist Wilders Film eher traurig als komisch, streckenweise ziehen einen der Schwindel von Gingrich und Hinkle, die berechnende Geldgier Sandys geradezu herunter, leidet man mit dem armen Footballspieler, der gar nicht weiß, das er einer Betrügerei aufsitzt. Natürlich ist das von Billy Wilder genauso intendiert: Nach dem locker-flockigen KISS ME, STUPID ist THE FORTUNE COOKIE wesentlich ernster, von einer ernst gemeinten Moralität durchzogen und schon ein Vorgeschmack auf das, was etwa mit dem grandiosen AVANTI! einige Jahre später folgen sollte. Vielleicht muss eine weitere Sichtung her, vielleicht ist eine falsche Erwartungshaltung Schuld, dass mich THE FORTUNE COOKIE etwas enttäuscht hat: Ich wollte einfach etwas anderes. Nach dem turbulenten Auftakt verlieren sich nämlich das Tempo, das Wilders Filme sonst immer vorlegen, ebenso wie der Witz zugunsten der Tragik und der Erkenntnis, dass die meisten Menschen vom Geld korrumpiert sind, alles dafür tun würden, um etwas vom Reichtum der anderen abbekommen zu können. Das ist ohne Zweifel höchst kunstvoll, bei aller thematischen Schwere unglaublich leichtfüßig inszeniert und das Zusammenspiel von Lemmon und Matthau ist einfach göttlich. Ein für Wilder ungewöhnlich düsterer, nichtsdestotrotz schöner Film, den ich wohl zu einer anderen Gelegenheit nochmal sehen muss, um ihn so zu würdigen, wie er das ohne Frage verdient hat.

kiss me, stupid (billy wilder, usa 1964)

Veröffentlicht: Juli 26, 2008 in Film
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In dem in bitterer Ironie mit dem Namen „Climax“ versehenen Wüstenkaff in Nevada träumen der Klavierlehrer Orville J. Spooner (Ray Walston) und sein Freund, der Tankwart Barney (Cliff Osmond), von einer Musikerkarriere. Der große Traum rückt in greifbare Nähe als niemand Geringeres als Superstar Dean Martin (Dean Martin) an Barneys Tankstelle hält. Ein beherzter Griff an die Benzinleitung von Dinos Wagen sorgt dafür, dass dieser die Nacht bei Orville verbringen muss. Um dem Star aber die eigenen Songs unterzujubeln, will er bei Laune gehalten werden: Eine Frau muss her! So wird aus dem nahe gelegenen Tanzschuppen, dem „Belly Button“, die attraktive Polly (Kim Novak) rekrutiert. Nun ist nur noch Orvilles Gattin Zelda (Felicia Farr) im Weg …

Billy Wilders Komödie zählt vielleicht nicht zu seinen ganz großen Sternstunden, dennoch sorgen sein grandioses Gespür für Timing, der stets punktgenaue dramaturgische Aufbau und das gewisse Maß an Respektlosigkeit und Subversivität auch hier wieder dafür, dass man nach knapp zwei Stunden mit einem breiten Lächeln und einem guten Gefühl aus dem Film entlassen wird. Dass KISS ME, STUPID sich trotz kleinerer Mängel – die Dialogpassagen von Kim Novak wirken nicht immer überzeugend, der Film kann seine Bühnenherkunft nicht ganz verleugnen – seinen Platz in einer langen Liste von amerikanischen Komödienklassikern dennoch redlich verdient hat, ist aber nicht zuletzt Dean Martin zu verdanken, der sich mit so viel Verve selbst auf die Schippe nimmt, dass es eine wahre Freude ist. Das Image, das ihm immer anhing – und das wohl nicht von ungefähr kam –, das des Alkoholikers und rücksichtslosen Weiberhelden,  zelebriert er mit einer Inbrunst, dass es teilweise nahe an der Selbstdemontage vorbeischrammt – und gerade damit fährt er immense Sympathiepunkte ein. Eigentlich en Wunder, denn in KISS ME, STUPID ist er alles andere als eine Sympathiefigur, sondern eher der Schurke des Films: Wenn er Orvilles vermeintlicher Frau vor dessen Augen auf die Pelle rückt und vollkommen die Contenance verliert, lacht man darüber vor allem, weil man fast Mitleid mit ihm hat. Er spielt sich selbst als einen Mann, der seinen Trieben vollkommen erlegen ist. Aber er hat durchaus einen Verwandten: Orville hat zwar weder den Schmelz in der Stimme noch das gute Aussehen, aber die Liebe zu seiner Zelda schlägt sich in einer Eifersucht nieder, die ihn sich mehr als einmal brutal blamieren lässt. Klassische Momente gibt es in rauhen Mengen: Dino, der unter dem Tisch herumkriecht, um Polly zwischen die Beine gucken zu können, und eine fallengelassene Serviette als reichlich fadenscheinigen Anlass nutzt, Orvilles verzweifelter Versuch, seine Frau Zelda zu vergrätzen – die Cagneysche Pampelmuse immer im Anschlag, das abschließende Schäferstündchen zwischen Zelda und ihrem großen Idol. Das sollte man wenigstens einmal gesehen haben.