Mit ‘Bo Hopkins’ getaggte Beiträge

1973 White lightning - Los traficantes (ing) 01Ein Lieblingsfilm seit meiner Kindheit, in der ihn meine Eltern aus dem Fernsehen aufgezeichnet hatte. Verstanden habe ich ihn damals nicht (warum man keinen Schnaps brennen darf, war mir ein Rätsel), aber die Eröffnungsszene, in der der fiese Sheriff Connors (Ned Beatty) zwei Jungs ertränkt, hat mich immens beeindruckt. Heute fällt es mir dann auch ein bisschen schwer auseinanderzuhalten, was an meiner Zuneigung hoffnungslose Nostalgie ist und was „objektives“ Gutfinden von Sargents schnurrendem Entertainmentboliden. WHITE LIGHTNING genießt einen ausgezeichneten Ruf als einer von Reynolds‘ besten Filmen seiner „klassischen“ Phase, aber ich vermute, dass Menschen, die ihn heute zum ersten Mal sehen, ihn wahrscheinlich als unspektakulär empfinden. Es gibt drei ausgedehnte Verfolgungsjagden und eine tolle Besetzung, aber sonst könnte WHITE LIGHTNING auch eine etwas in die Länge gezogene Folge von „Ein Colt für alle Fälle“ oder „Ein Duke kommt selten allein“ sein.

Burt Reynolds ist Bobby „Gator“ McKluskey und er sitzt im Bau, weil er sich als „Moonshine Runner“, also als Lieferant schwarz gebrannten Fusels, verdingt hat, was in der Gegend, aus der er kommt, quasi der Standardberuf für echte Kerle ist. Als er erfährt, dass sein Bruder Donny, ein Student, vom korrupten Sheriff Connor umgebracht wurde, schlägt er dem Staat einen Deal vor: Er bietet sich als Informant an, verspricht, Connor belastendes Material zu finden, und wird freigelassen. Als Fahrer für Roy Boone (Bo Hopkins) steigt er in die Szene ein, bekommt aber bald Gewissensbisse, weil er natürlich auch seinesgleichen mit inkriminiert. Also muss er den schurkischen Sheriff auf seine Weise drankriegen.

WHITE LIGHTNING gefällt mir vor allem wegen seines staubig-sumpfigen Südstaatensettings. Alle Figuren sprechen diesen herrlich Southern Drawl, sind pausenlos verschwitzt und leben in Holzhäusern voller Gerümpel, die Straßen sind lehmige Dreckpisten und keiner scheint einer normalen Arbeit nachzugehen. Burt Reynolds ist ein Mahnmal männlichen Selbstbewusstseins, ohne jedoch in dieses Geckenhafte abzugleiten, das später seinen Abstieg begleitete. Auch wenn sich das in meiner Beschreibung anders anhört: WHITE LIGHTNING ist frei von überflüssigen Beigaben oder klischeehaften Übertreibungen. Er wirkt eher reduziert in seinem gesamten Aufbau, auch nicht so als hätte ein Yankee einen Film über das Leben im Süden gemacht. Ob Sargents Film wirklich authentisch ist, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber er wirkt definitiv so. Ein gutes Beispiel, um einen Eindruck von dieser Zurückgenommenheit zu geben, ist Ned Beatty. Sein Sheriff ist kein geiferndes Arschloch, wie man das von Bösewichten in Actionfilmen erwarten darf, nein, es ist eben ein Beamter, der seine Amtsautorität missbraucht in dem Glauben, dazu berechtigt zu sein. Beatty erkennt man fast gar nicht mit Brille, Hut und zusammengepressten Lippen und jede Komik, die er sonst gern in seine Rollen einbringt, ist hier abwesend. J. C. Connor ist einfach nur ein Fascho-Arschloch, wie es sie überall gibt. Das ist dann auch der kleine Schlenker, den sich der Film erlaubt: der Grund, warum Gators Bruder sterben musste. Hier weitet sich ganz zum Schluss der enge Fokus des Films und das zuvor nie hinterfragte Handeln des Helden wird doch noch einmal infrage gestellt, bevor es ein letztes Mal rund geht.

Doch, doch WHITE LIGHTNING ist schon toll.

Um mich von pakistanischen Actionfilmen zu erholen und Kraft für die mir auf der Weltreise bevorstehenden Inder zu tanken, habe ich ein paar Krakenmonsterfilme geschaut und für Hard Sensations einen Artikel dazu geschrieben, der so lang geraten ist, dass ich ihn in zwei Teile spalten musste. Teil 1 ist heute online gegangen und wartet darauf, von euch gelesen zu werden. Ich wünsche viel Vergnügen! Klick hier.

Die attraktive Fünfzehnjährige Melissa Morgan (Aleisa Shirley) ist zuviel für ihren verschlafenen texanischen Wohnort: Die beiden Jungs, mit denen sie zuletzt anbandelte, werden nur wenig später mit mehreren Messerstichen ermordet und als das freche Früchtchen vor lauter Hilflosigkeit und gegen jedes bessere Wissen insinuiert, die ortsansässigen Indianer hätten etwas mit den Verbrechen zu tun, lassen sich die lynchbereiten Rednecks nicht lang bitten. Sheriff Dan Burke (Bo Hopkins) hat alle Hände voll zu tun, die Morde aufzuklären …

Zu deutsch um den markigen Untertitel BLUTIGES INFERNO zweifelhaft bereicherter Murder-Mystery-Film/Psychothriller, der damals wohl vor allem als Slasherfilm rezipiert wurde und deshalb zu Unrecht in der Versenkung verschwand. Mich hat der Film, den mir der Inhaber des besten DVD-Ladens der Welt empfohlen hat (und bei dem ich nahezu 90 % der zuletzt hier besprochenen Filme gekauft habe), nicht wenig an John Sayles brillanten LONE STAR erinnert, was so ziemlich das größte Lob ist, dass man einem 30 Jahre alten, fast vergessenen kleinen Thriller machen kann: Schauplatz in beiden Filmen ist eine Kleinstadt in Texas, unter dessen beschaulicher Oberfläche der Rassenhass brodelt. Hauptfigur beider Filme ist ein sympathischer Sheriff, der bemüht ist, dass es bei diesem unterschwelligen Brodeln bleibt, aber bald feststellen muss, es mit einem weitaus größeren Fall zu tun zu haben, als er zunächst angenommen hat. Die Stärken von SWEET SIXTEEN sind das Drehbuch, das über einen perfekt gewölbten Spannungsbogen und viele interessante Figuren und Subplots verfügt, und die ausgezeichneten Darsteller. Sotos gelingt es so, die Stadt wirklich lebendig werden zu lassen, den Eindruck einer funktionierenden kleinen Gemeinde zu erwecken, die eine Geschichte und ein Leben abseits des Filmes hat. Bestes Beispiel dafür ist die Figur der Melissa, die sich von der neugierigen, aber nichts Böses wollenden Lolita erst in ein intrigantes Stück verwandelt, nur um dann die Empathie des Zuschauers zurückzugewinnen: There is more than meets the eye. Neben Bo Hopkins treten in Nebenrollen Susan Strasberg, Patrick Macnee, Don Stroud, Don Shanks und Hollywood-Legende Henry Wilcoxon auf und bringen ein schauspielerisches Gewicht mit, das kleineren Produktionen dieser Art sonst eher abgeht. Diese Vorzüge addieren sich zu einem ausgesprochen spannenden Ganzen, das glücklicherweise ohne die klischierten Standardsituationen und -plotwendungen auskommt, die allzu vielen Thrillern das Genick brechen. SWEET SIXTEEN macht bis zum Showdown alles richtig, versteigt sich dann aber leider zu einer Auflösung, die dem wirklich famosen Aufbau wie so oft nicht ganz gerecht wird: Sie wirkt angeklebt und kommt geradezu aus dem Nichts, was umso trauriger ist, als SWEET SIXTEEN vorher zahlreiche Plotelemente aufbietet, an denen sich eine viel bessere Auflösung der Geschichte hätte aufhängen lassen. Letztlich kann dieser Schönheitsfehler den mehr als guten Eindruck aber nicht entscheidend schmälern – zumal auch das Schlussbild wieder schön abseitig ist. Ich empfehle den Film hiermit ausdrücklich weiter, Robert vom Movie Store wird sich freuen und mir beipflichten.