Mit ‘Bob Kelljan’ getaggte Beiträge

Roger Cormans New World Pictures verzückten zu Beginn der Siebzigerjahre nach Sensationen gierende Herren im Trenchcoat genauso wie Kritiker, die in Filmen wie THE STUDENT NURSES oder CAGED HEAT hinter all dem Sex und der Gewalt auch eine intelligente, mit Humor hervorgebrachte Gesellschaftskritik sahen. Dass sich das Exploitationkino immer wieder beim Tagesgeschehen bediente, um Respektabilität vorzugaukeln, war nichts Neues: Das Genre nahm seinen Ursprung schließlich in den Sexualhygiene- oder Drogenaufklärungsfilmen eines Kroeger Babb, dessen Publikum sich in den Vorführungen das abholen konnte, was ihm anderswo vorenthalten wurde, ohne sich dabei schlecht fühlen zu müssen. Aber man muss doch einräumen, dass man bei diesem Bestreben intelligenter (siehe oben genannte Filme) oder weniger intelligent vorgehen konnte. Was uns zu Bob Kelljans RAPE SQUAD bringt, der auch unter dem etwas weniger reißerischen Titel ACT OF VENGEANCE firmiert. (Die Produktionsfirma AIP, Cormans ehemaliger Arbeitgeber, hatte den Titel kurz vor dem Kinostart noch geändert, weil sie aufgrund des Wörtchens „Rape“ im Titel kalte Füße bekommen hatte.)

Der Film beginnt mit der Vergewaltigung der hübschen Studentin Linda (Jo Ann Harris): Ein mit Eishockeymaske verhüllter Serientäter überfällt und missbraucht sie und zwingt sie noch dazu, dabei „Jingle Bells“ zu singen. Ihr späterer Besuch auf dem Polizeirevier, wo sie den Überfall zur Anzeige bringen will, verlängert ihre Demütigung noch: Die anwesenden Männer starren die lädierte, aber attraktive Frau unverhohlen an, der zuständige Beamte suggeriert mit seinen Fragen, dass sie zumindest eine Teilschuld trägt, die abschließende Untersuchung durch einen schmierigen Frauenarzt gibt es noch obendrauf. Das Ergebnis der Tortur: Nicht nur kann man nichts machen, man bezweifelt auch die Tat, weil es keine Spuren von Sperma gibt. Linda ist verständlicherweise aufgebracht. Auch eine Gegenüberstellung, der sie mit anderen Opfern des Schurken beiwohnt, bringt nichts: Mit der Maske sehen alle Männer gleich aus. Die Polizei macht den Frauen nur wenig Hoffnung. Aber Linda will sich nicht abspeisen lassen: Sie überzeugt ihre Leidensgenossinnen, ein „Rape Squad“ zu gründen, eine Selbsthilfegruppe oder Art weiblicher Bürgerwehr, die Aufklärungsarbeit leistet und anderen Frauen Hilfe anbietet. Gemeinsam räumen sie in der Folge auf nächtlichen Straßen mit dem männlichen Geschmeiß auf …

RAPE SQUAD ist, wie oben schon angedeutet, eine erwartungsgemäß zwiespältige Angelegenheit: Auf der einen Seite ist die Anfangssequenz, die die Tortur Lindas zeigt, ziemlich eindrucksvoll und hellsichtig für die institutionelle Gewalt, die den Opfern noch zusätzlich zu ihrem eigentlichen Leid widerfährt, wird den (männlichen) Zuschauern auch das Auge für den Mitte der Siebziger wahrscheinlich noch weitaus selbstverständlicheren Alltagssexismus geöffnet, dem Frauen sich ausgesetzt sahen, und dem vermutlich eher übersichtlichen weiblichem Publikum klar gemacht, dass sie diesen nicht hinzunehmen haben; auf der anderen Seite kann es sich Kelljan dann aber trotzdem nicht verkneifen, die Mitglieder des Rape Squads beim gemeinsamen Bad im Whirlpool zu zeigen oder eine von ihnen sagen zu lassen, wie „geil“ sie nach all der unfreiwilligen Enthaltsamkeit sei. Das unterläuft den kritischen, feministischen Impetus dann doch erheblich. Aber solche Tendenzen machen die lobenswerten Ansätze nict völlig zunichte: Die Sympathie, soviel muss man RAPE SQAD aber zugutehalten, liegt eindeutig auf der Seite der Opfer. Die Männer, die in einer losen Verknüpfung einzelner Episoden ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, sind ekelhafte Machoärsche, die von ihrer eigenen Unwiderstehlichkeit ebenso überzeugt sind wie von der grundsätzlichen Verfügbarkeit aller Frauen. Und selbst der Freund Lindas, definitiv kein Gewalttäter, ist der Meinung, Linda solle sich doch endlich mal wieder abregen, anstatt ihr Unterstützung und Verständnis entgegenzubringen. Wenn dann also Date-Rapisten der kümmerliche Pimmel mit Farbstoff übergossen wird oder auf einem nächtlichen Parkplatz ein gewalttätiger Pimp eine ordentlich Portion Dresche bekommt, spürt man als humanistischer tiefe tiefe Befriedigung. Das ist ja auch ganz interessant, geht es im Rape & Revenge- wie auch beim Selbstjustizfilm doch meist eher darum, Rache als geeignetes Mittel zur Widerherstellung des Status quo in Zweifel zu ziehen. Das ist hier anders: RAPE SQUAD bietet erst einmal ein Ventil und Katharsis, was auch dadurch funktioniert, weil die Gewalt der Frauen gegenüber der der Männer vergleichsweise harmlos dargestellt wird. Und wisst ihr was: Ich finde das gar nicht mal so verkehrt.

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