Mit ‘Bobby Farrelly’ getaggte Beiträge

142vio1111111Ein Glücksfall!

Bobby und Peter Farrelly kehren 20 Jahre nach dem Überraschungshit DUMB AND DUMBER zu dessen Protagonisten, den beiden grotesk verblödeten Hängern Lloyd Christmas (Jim Carrey) und Harry Dunne (Jeff Daniels) zurück. Ersterer ist nach der im ersten Teil erlittenen Absage seiner Angebeten in eine katatonische Starre verfallen und in eine Heilanstalt eingewiesen worden, wo ihn sein treuer Freund seitdem jeden Tag besucht hat. Doch – haha! – alles war nur ein ausgesprochen elaborierter Streich Lloyds. Die 20 Jahre seines Lebens, die er dafür in den Wind geschissen hat, waren es in jedem Fall wert und das bestätigt ihm auch ein sichtlich beeindruckter Harry.

Dieser Gag, der DUMB AND DUMBER TO eröffnet, gibt die gegenüber dem Vorgänger modifizierte humoristische Richtung vor: Waren die beiden Idioten zuvor noch sehr gut mit dem Attribut „liebenswert“ umschrieben, auch wenn sie schon einmal einem blinden Jungen einen toten Wellensittich verkauften, so fällt das bei den nun deutlich gealterten Männern doch um Einiges schwerer. Nicht nur sind die Witze schmutziger und zotiger, es bleibt einem doch das ein oder andere Mal das Lachen im Hals stecken, etwa wenn die beiden „Helden“ die Eltern eines bei einem Motorradunfall verunglückten Freundes aufsuchen, oder – etwas profaner – die Moderatorin bei einem wissenschaftlichen Fachvortrag aus dem Auditorium zum Ausziehen auffordern.

DUMB AND DUMBER TO pendelt zwischen nostalgischer Rückbesinnung – der Plot greift Situationen und Requisiten aus dem ersten Teil wieder auf oder variiert sie leicht, die Endcredits stellen Bilder der beiden Teile gegenüber – und der ernüchterten oder gar schockierten Bestandsaufnahme hin und her. Die Farrellys haben auch einen Film über das Älterwerden gemacht, der auf dem frappierenden Clou basiert, dass seine Charaktere sich geistig nicht ein Iota weiterentwickelt haben. Die erwähnte Liebenswürdigkeit, die in DUMB AND DUMVER daraus resultierte, dass die beiden in einer zynischen Welt eine Art kindlicher Unschuld verkörperten und in einem beneidenswerten Zustand der Blindheit lebten, wird hier doch ziemlich entzaubert. Was natürlich nicht heißt, dass sich Lloyd und Harry in Schurken verwandelt hätten: Das wird schon allein dadurch verhindert, dass sie auf genug Menschen treffen, die echte Schurkenqualitäten an den Tag legen. Aber wie sie da in ihrem Zustand bisweilen aggressiver Infantilität verharren, beseelt im Zustand der geistigen Quasibehinderung und voller Herablassung gegenüber Menschen, die ihnen intellektuell und menschlich weit überlegen sind, ist nicht unbedingt beneidens- oder gar erstrebenswert. Diese beiden sind völlig zufrieden damit, nur einander zu haben. Und so wie sie sich verhalten, wird sich daran auch nie etwas ändern. DUMB AND DUMVER TO ist im Grunde ein furchtbar trauriger Film.

1994-dumb-and-dumber-poster1Mehr als 20 Jahre ist’s her, da saß ich mit einem guten Freund im Kino und lachte Tränen über diesen Film. Vor allem folgende Szene hatte es mir angetan: Nachdem die beiden Trottel Lloyd Christmas (Jim Carrey) und Harry Dunne (Jeff Daniels) mal wieder ihre Jobs verloren haben und deshalb enorm klamm sind, mahnt Harry seinen Kumpel vor dem folgenden Einkauf, nur das Nötigste zu kaufen und keinesfalls Geld für irgendwelchen Unsinn rauszuschmeißen. Lloyd ist fast beleidigt ob des Misstrauens, versichert, diszipliniert zu sein. Und dann sieht man ihn nach dem Schnitt mit einem riesigen Schaumgummi-Cowboyhut, einem Ping-Pong-Schläger, an dem der Ball über ein Gummiband festgebunden ist, und einer Tüte voller Windräder. DUMB AND DUMBER war das supererfolgreiche Debüt der Farrellys, die das Genre der Hollywood-Komödie in den folgenden Jahren maßgeblich veränderten und als Wegbereiter des heute so populären Gross-out- und Equal-opportunities-Humors gelten dürfen. DUMB AND DUMBER ist noch relativ brav und verhalten, aber er ist insofern wichtig, weil er die Handlung bereits komplett seinen Charakteren unterwirft, deren titelgebende, bodenlose Dummheit der Antrieb des Films ist.

Was ihn außerdem hervorstechen lässt – damals war einem das noch nicht so klar, weil Carrey noch am Anfang seiner Karriere stand und allenfalls als Gummigesicht bekannt war -, ist die Qualität seiner Hauptbesetzung: Carrey und Daniels sind brillant zusammen, ergänzen sich schlicht perfekt. Carrey hat natürlich die grellsten und überdrehtesten Momente, aber ohne die dumpfe Stoik von Daniels würde er nicht funktionieren. Er kommt mit seiner typischen – und unglaublichen – Grimassiererei nur durch, weil Daniels neben ihm stets die Contenance des schlichten Gemüts bewahrt. So ensteht eine dialektische Dynamik, ein wunderbar arhythmischer Drive, der an den Treppensturz eines Rollstuhlfahrers mit Gipsbein erinnert. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der Lloyd seinen Kumpel nach einem Zerwürfnis – Lloyd war knappe 500 Meilen in die falsche Richtung gefahren, nachdem beide eigentlich schon fast an ihrem Ziel angekommen waren – mitten im Nirgendwo dazu auffordert, auf das lächerliche Minimoped zu steigen, das er im Tausch gegen Harrys Auto erworben hat. „Just when I thought you couldn’t be any dumber …“, beginnt Harry, zum erwarteten und total berechtigten Hieb ausholend, „You pull off something like this and totally redeem yourself!“ Das ist die Magie des Films: Nichts ist, was es scheint, weil die beiden liebenswerten Volltrottel über eine ganz eigene Weltsicht verfügen.

Was weniger gut gealtert ist an DUMB AND DUMBER ist sein ganzer Look. Der Film macht schmerzhaft deutlich, was für ein beschissenes Jahrzehnt die Neunziger waren. Vom Soundtrack jaulen einem tatsächlich die Crash Test Dummies mit ihrem damals schon nicht auszuhaltenden Hit entgegen, pastellige Farbpalette, Ausleuchtung, Betonfrisuren und Klamotten erwecken vor allem im letzten Drittel den Eindruck, der Film sei in einem Vergnügungspark für wohlhabende Rentner gedreht (was Aspen, wo der Film spielt, vielleicht auch ist). Nun zeichnen sich die meisten modernen US-Komödien ja sowieso schon durch einen eher unsichtbar-austauschbaren visuellen Stil aus, dem man das Werk des gnadenlosen Zahns der Zeit schneller ansieht als anderen Filmen, aber hier ist das schon besonders frappierend, weil der leblose Plastiklook einfach nicht zu den überdrehten Protagonisten passen mag. Dem Vergnügen tut das dennoch keinen Abbruch, auch wenn mir das Sequel tatsächlich noch besser gefallen hat. Mag aber auch daran liegen, dass ich DUMB AND DUMBER mittlerweile auswendig kenne.

 

hall-pass-movie-posterRick (Owen Wilson) und sein bester Kumpel Fred (Jason Sudeikis) bekommen von ihren Gattinnen einen „Hall Pass“, einen eine Woche gültigen „Freifahrtschein“ ausgestellt, nachdem sie sich mit ihrer Sexobsession und der Angewohnheit, ständig hinter anderen Frauen herzustieren, zum wiederholten Mal unmöglich gemacht haben. In einer Woche Urlaub von der Ehe steht es ihnen frei, sich nach Belieben auszutoben und ihre unerfüllten Fantasien auszuleben, um hoffentlicht „geheult“ in den Ehealltag zurückzukehren. Die anfängliche Euphorie der beiden Männer weicht jedoch schnell der Ernüchterung, denn das andere Geschlecht ist alles andere als wild danach, mit zwei Fortysomethings ins Bett zu springen. Und während also Ricks und Freds Bemühungen immer verzweifelter werden, bändeln ihre Gattinnen Maggie (Jenna Fischer) und Grace (Christina Applegate) ihrerseits mit ihren Urlaubsbekanntschaften an.

Die Farrellys galten mit THERE’S SOMETHING ABOUT MARY mal als Erfinder der Gross-out- bzw. Anything-goes- bzw. Equal-opportunities-Komödie, fielen aber irgendwann dem eigenen Trend zum Opfer als sie von der nächsten Generation von Filmemachern hinsichtlich vulgärer Zoten übertroffen wurden. HALL PASS wirkt in seiner Exposition, in der Rick und Fred sich vor aller Welt zum Affen machen, laut über die Geschlechtsteile ihrer weiblichen Mitmenschen fantasieren oder der Bedienung im Café ungehemmt auf den Arsch glotzen und imaginäre Fotos für die „spank bank“ schießen, geradezu versessen darauf, verlorenen Boden gutzumachen, schwenkt dann aber recht schnell in versöhnlichere Gefilde ab. Anstatt Ricks und Freds Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen, führt der Film ihnen natürlich vor Augen, dass sie mit ihren Gattinnen doch sehr zufrieden sind, ein Traum durch seine Verwirklichung nicht unbedingt besser wird. Die Filme der Farrellys waren zwar schon immer von einer letztlich konservativen Moral geprägt, doch in HALL PASS ist auch die letzte Flamme des Aufbegehrens verloschen, mutet jeder Tabubruch nur noch wie das Ausreizen einer längst totgerittenen Masche an. Sie sind eben mit ihren Protagonisten zusammen älter geworden.

Wirklich überrascht wird von HALL PASS wohl nur noch der unbedarfteste Zuschauer, aber es fallen trotzdem ein paar gute Gags ab: Die Kumpels vollkommend stoned auf dem Golfplatz, die weibliche Eroberung, die plötzlich über Krämpfe klagt und der ein Nieser unangenehme Erlechterung verschafft, Rick und Fred vollends besoffen beim Anpöbeln entgeisterter Frauen. HALL PASS ist nicht ohne Wahrheit und demütigende Einblicke in das Wesen des Mannes, aber ein wenig mehr Mut hätte ihm trotzdem gut getan.