Mit ‘Brad Harris’ getaggte Beiträge

l-faktor4Episode 053: Der L-Faktor (Helmuth Ashley, 1979)

Professor Waldhoff (Herbert Mensching), eine Koryphäe auf seinem Gebiet, dessen neueste Arbeit einen Durchbruch im Bereich der Pharmakologie bedeuten könnte, findet seine Gattin (Gisela Peltzer) tot vor, als er abends mit seiner Kollegin Dr. Minz (Irmgard Rupé) bei sich zu Hause ankommt. Oberinspektor Derrick berichtet er sofort von Michael Bruhn (Wolfgang Müller), einem ehemaligen Häftling, mit dem sich seine Gattin angefreundet hatte und der für ihn der Tatverdächtige Nummer eins ist. Dessen Bruder, der im Rollstuh sitzende Heinz (Matthieu Carriére), verschafft Michael aber ein Alibi – und ist außerdem überzeugt, dass der Wissenschaftler selbst der Täter ist. Das kann aber nicht sein, denn als der seine Gattin kurz vor seinem schrecklichen Fund aus dem Büro anrief, war sie noch am Leben …

DER L-FAKTOR ist ein gutes Beispiel dafür, warum es sich bei DERRICK manchmal lohnt, den Blick von der konkreten Handlung auf weniger greifbare Aspekte schweifen zu lassen. Der Kriminalfall, mit dem Derrick und Klein hier konfrontiert werden, ist nicht besonders aufregend, bestenfalls Standard, die Auflösung aufgrund des schmalen Figureninventars schon lang vor dem Finale erahnbar. Der vermeintliche Täter ist einer dieser armen Tröpfe, die von den intriganten Bastarden um sie herum als ideales Opfer auserkoren werden, Mathieu Carriére spielt einen seiner arroganten, furchtbar von sich selbst eingenommenen Stinkstiefel, dem man die ganze Zeit über einen ordentlichen verbalen Einlauf vom Oberinspektors wünscht, der aber seltsamerweise einfach nicht kommt. Business as usual, aber mit ihrem klinischen Wissenschaftssujet hat „Der L-Faktor“ eine Atmosphäre, die aus der eh schon alles andere als gemütlichen Serie noch einmal als besonders kalt und trostlos heraussticht.

Der eigentlich überflüssige Prolog etabliert das klinisch-sterile Forschungslabor, in dem Waldhoff arbeitet, und damit den bestimmenden Ton. Eine Liebesbekundung des Professors für seine Assistentin hängt durch einen hart gesetzten Schnitt so in der Luft, bleibt letztlich unausgesprochen. Die altruistische Fürsorge, mit der sich seine Gattin um den Haftentlassenen kümmert, wird in eine Rückblende geschweißt und damit noch einmal besonders vom bitteren Rest isoliert. Was bleibt, sind Ohnmacht und Verbitterung. Der Titel bezieht sich auf ein Zitat Derricks: Dem „R-Faktor“, also der Resistenz von Krankheitserregern, mit der sich Waldhoff beruflich beschäftigt, setzt er den „L-Faktor“ entgegen: den Mangel an Liebe, den seine Gattin in ihrer Ehe schließlich vermisste und der sie in die Arme des freundlichen Michael trieb …

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brunoEpisode 054: Anschlag auf Bruno (Theodor Grädler, 1979)

Die hübsche Gerda (Michaela May) beklagt sich bei ihrem Vater (Herbert Stass) über ihren Jugendfreund, den geistig behinderten Nachbarssohn Bruno (Dieter Schidor), der ihr ständig nachstellt. Letzten Endes ist es aber nicht Bruno, sondern dessen Bruder Helmut (Volker Eckstein), der zudringlich wird. Auf dem Parkplatz vor der Diskothek kommt es zum Übergriff, und Gerda verstirbt, als Helmut versucht, sie zum Schweigen zu bringen. Der Vater (Peter Ehrlich) kommt auf die Idee, den ohnehin verdächtigen und unzurechnungsfähigen Bruno an Helmuts Stelle zu belasten …

Das ist jetzt schon die dritte DERRICK-Folge, in der eine Frau dadurch ums Leben kommt, dass ein Mann ihr den Mund zuhält: Besonders widerstandsfähig ist es in dieser Serie nicht, das schwache Geschlecht. Wie fragile Schmetterlinge verenden sie, sobald sich etwas über ihre Atemwege legt. Die Täter können einem da fast schon leid tun, zumal die Drehbücher niemals zwischen Mord und Totschlag unterscheiden. Helmut ist keineswegs ein Unschuldslamm, zum Zeitpunkt der Tat auf dem besten Weg zum Vergewaltiger, aber der Tod Gerdas ist doch eher ein Unglücksfall, kein kaltblütiger Mord. Das gehört aber zum dramaturgischen Prinzip, weil bei DERRICK weniger kriminelle Energie aufs Korn genommen wird als vielmehr Feigheit und die fehlende Bereitschaft, für eigene Fehler einzustehen. Das sieht man ja auch daran, dass die Tötung immer nur der Anfang einer ganzen Kette von Lügen, Täuschungsversuchen und weiterer Vergehen ist, mit denen der Täter alles nur noch schlimmer macht. Der Titel dieser Folge ist da bezeichnend: Der „Anschlag“ ist schlicht der Versuch von Vater und Sohn, dem behinderten, hilflosen Bruno die Schuld in die Schuhe zu schieben. Der weiß eh nicht, wie und was ihm geschieht und ins Gefängnis kann man ihn auch nicht stecken. Derrick ahnt hingegen schnell, wie der Hase läuft, nur beweisen kann er nichts: Die Episode endet in einer quälenden Sequenz, in der er Bruno zur Untersuchung in eine geschlossene Anstalt mitnehmen will und Druck auf den wahren Täter und die Mutter aufbaut, die es kaum noch ertragen kann, den gutmütigen Bruno an Helmuts Statt bestrafen zu lassen. Das verfehlt seine Wirkung nicht, auch wenn die Darstellung des Behinderten heute ziemlich naiv, das Spiel Schidors eindimensional anmutet. Eckstein spielte hier mit nur zwei Folgen Abstand erneut den Mörder und es ist wie immer toll, ihm beim Schwitzen zuzusehen, wenn Derrick, der ihn sofort durchschaut, ihm auf den Zahn fühlt. In einer Nebenrolle ist Heiner Lauterbach zu sehen, in der Disco am Anfang läuft Supermax, Duvals Score presst noch den letzten Tropfen Melodramatik aus dem Stoff.

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schubach4Episode 055: Schubachs Rückkehr (Theodor Grädler, 1979)

Der Anwalt Homann (Claus Biederstaedt) sucht Derrick auf: Er hat gehört, dass sein ehemaliger Mandant Schubach (Udo Vioff) in Kürze aus der Haft entlassen wird. Homann hatt nicht nur seine Bestrafung nicht verhindern können, er hatte kurz darauf auch Schubachs Gattin Helga (Christine Buchegger) geheiratet. Nun sinnt Schubach auf mörderische Rache: Das hatte Homann ein Zellengenosse Schubachs mitgeteilt. Als Derrick den Entlassenen mit dem Verdacht konfrontiert, ist dieser geradezu entsetzt: Nichts könnte ihm, dem in der Haft Geläuterten, ferner liegen. Sofort kontaktiert er Homann, beruhigt diesen und bietet ihm die Freundschaft an, die der Anwalt nur zu bereitwillig eingeht. Derrick hingegen glaubt nicht an den Frieden …

Oh, was für eine perfide Episode! Udo Vioff ist großartig als Schubach, der sich in acht Jahren Haft einen minutiösen Plan zurechtgelegt hat, wie er Homann fertigmachen will – und sich nun auch durch die Anwesenheit Derricks nicht aus der Ruhe bringen lässt. Die Episode bricht mit dem gängigen Schema der Serie: Derrick „ermittelt“ aus reinem Verdacht heraus, es gibt bis zum bitteren Finale kein Verbrechen, das aufgeklärt werden muss, vielmehr geht es darum eines zu verhindern, bevor es passiert, was aber dadurch erheblich erschwert wird, dass es keinerlei Handhabe für den Oberinspektor gibt, nur einen Verdacht. Schubach ist die Freundlichkeit in Person, was aber nur Teil seines Plans ist, zu dem es gehört, Homann in Sicherheit zu wiegen, sich so an seine Ex-Gattin heranzuschmeißen und sie schließlich zurückzugewinnen – was ihm in einer megaschwofigen Tanzszene auch gelingt. Derrick ist zwar zum Beobachten verdammt, aber dabei ganz in seinem Element: Tappert, das muss man mal feststellen, ist großartig, wie er seinen Derrick da eine ganze Episode lang stoisch auf der Lauer liegen lässt, die Scharade Schubachs zu jeder Zeit durchschauend und Homanns Gutgläubigkeit mitleidig zur Kenntnis nehmend. Die Spannung entspringt zu gleichen Teilen der Frage, was genau Schubach im Schilde führt, wie aus dem Warten auf den Moment, in dem Derrick, die Münchener City-Kobra, zuschlagen wird.

Die Schlusspointe ist selbst für DERRICK-Verhältnisse noch ziemlich niederschmetternd und trostlos, Schubachs finaler Kommentar, ein salopp fallen gelassenes „Schade“, macht endgültig den Deckel drauf. Möglicherweise greife ich zu hoch, aber fürs erste ziehe ich die Höchstwertung:

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hausEpisode 056: Ein unheimliches Haus (Alfred Vohrer, 1979)

Die Besitzerin einer Pension stirbt, nachdem ihr eine Angestellte (Lisa Kreuzer) unwissentlich vergifteten Tee gebracht hat. Es kommen nicht viele als Täter in Betracht: Da die Urlaubssaison schon vorbei ist, halten sich neben den beiden Bediensteten nur der pensionierte Jurist Sobak (Wolfgang Büttner) sowie der tatterige Kunstmaler Kamenoff (Paul Hoffmann) und seine Gattin Elvira (Nora Minor) in dem Haus auf. Und für die Vergiftung des Tees kommt nach Aussagen der Zeugen nur ein kurzes Zeitfenster in Frage. Es sei denn, sie lügen …

Schon der Titelscreen weckt Erinnerungen an die Wallace-Reihe der Rialto, zu der Regisseur Vohrer einen wichtigen Beitrag geleistet hatte. Das Sujet und der Ablauf der Geschichte verstärken die Assoziationen noch: Die ganze Folge spielt in der altmodischen Pension, alle Bewohner benehmen sich verdächtig, haben ein Motiv sowie einen schrulligen Charakter. „Ein unheimliches Haus“ ist eine eher humorige, gemütliche Folge – ein klassischer Whodunit, der ohne echten Höhepunkt auskommen muss. Was an Spannung fehlt, kompensiert Komponist Frank Duval, der auch schon einmal die Zubereitung eines Tees mit dramatischen Klängen unterlegt. Und Sascha Hehn macht mit. So there.

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puppeEpisode 057: Die Puppe (Theodor Grädler, 1979)

Frau Gerdes wird tot in ihrem Haus aufgefunden, die Zeichen deuten auf einen Einbruch hin, doch auch ein Blumenstrauß wurde hinterlassen. Die Spur führt zum Schönheitssalon von Johann Gall (Karl Walter Diess), der auch den jungen, verzärtelten und stillen Manikürist Adi Dong (Werner Schulenberg) beschäftigt, dessen zuvorkommende, respektvolle Art bei den älteren, oft einsamen Kundinnen etwas besser ankommt, als es üblich ist und der ihnen daher nicht selten erotische Hausbesuche abstattet. Auch mit Frau Gerdes hatte er offensichtlich ein Verhältnis. Doch was hat der Ehemann (Siegfried Wischnewski) der Toten zu verbergen?

Grädlers Folge entpuppt sich als etwas weniger bizarr, als es zunächst den Anschein hat, gehört am Ende aber doch zu den denkwürdigeren, bizarreren Momenten der Serie. Das liegt in erster Linie an Werner Schulenbergs Interpretation des Filous als abwechselnd a- oder doch homosexuell anmutendem Schönling, der den feinen Gesellschaftsdamen mit geradezu devoter Bewunderung begegnet. Wie er sie aus blauen Augen unter blondem Schopf anhimmelt und ihnen mit zerbrechlich leiser Stimme schwärmerische, aber nie anzügliche Komplimente macht, ist schon eine Schau. (Leider ist er kaum weiter in Erscheinung getreten, wird aber auch kommende DERRICK-Episoden bereichern – und spielt außerdem im tollen deutschen Nebelkrimi DER NEBELMÖRDER mit.) Der Titel der Episode bezieht sich auf ihn, weil er von geradezu wächsern-blässlicher Anmut ist, und – wie sich herausstellt – selbst nur das Spielzeug eines intriganten Strippenziehers im Hintergrund. Die Auflösung ist zwar ein kleiner Letdown, aber das Ende trotzdem ein echter Burner. Einerseits fragt man sich, was hier wohl drin gewesen wäre, hätte etwa Brynych die Episode inszeniert oder man sich hinsichtlich der Darstellung von Sexualität mehr erlauben können. Dann aber ist es gerade die Verbindung des sexuellen Themas und der unterkühlten, züchtigen und eben asexuellen Inszenierung, die so faszinierend ist. Adi Dong jedenfalls ist eine der denkwürdigeren Schöpfungen des deutschen Fernsehens. Ebenso wie ein durch ein Gipsbein gehandicappter Derrick, der in bester James-Stewart-Manier zum Herumsitzen verdammt ist und vor allem als Lieferant für einen Running Gag dient („Mein Bein ist in Ordnung, es ist nur der Gips.“), während Klein für ihn die Arbeit erledigt. Auch eine Erkenntnis, die man durch die DERRICK-Aufarbeitung machen kann: Die Serie hatte tatsächlich Witz!

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Episode 058: Tandem (Zbynek Brynych, 1979)

Wieder einmal wird eine Frau tot in ihrem Haus aufgefunden. Ihr Ehemann, der vorbestrafte Totschläger Ewald Bienert (Stefan Behrens), kam zu spät: In seiner Stammkneipe hatte er ihre Ermordung bei einem Telefonanruf mitanhören müssen. Derrick und Klein kommt der Mann indessen verdächtig vor, nicht nur, weil er ein saftiges Vermögen von der wohlhabenden Gattin erbt. Sie kommen einem Mordkomplott auf die Spur, in das auch Bienerts ehemaliger Knastkumpel Rudolf Nolde (Raimund Harmstorf) und dessen Gattin (Elisabeth Wiedemann) verwickelt sind …

In „Tandem“ vermag der kundige DERRICK-Zuschauer eine Art Collage bisheriger Episoden oder auch ein Zwischenfazit Brynychs erkennen: Der – Achtung: Spoiler – fingierte Anruf, mit dem sich Bienert ein Alibi verschafft, kam in etwas abgewandelter Form schon in Folge 053, „Der L-Faktor“, vor (zugegebenermaßen von Grädler), die Szenen mit Behrens, der schon in der Brynych-Episode „Der Spitzel“ auftrat, erinnern wiederum an Episode 015, „Alarm auf Revier 12“, Harmstorf war bereits in Episode 008, „Zeichen der Gewalt“, mit von der Partie und der ganze Plot von „Tandem“ ist außerdem unverkennbar eine Hommage an Hitchocks STRANGERS ON A TRAIN. Das – und das wendungsreiche Drehbuch von Reinecker – reichen aus für eine überdurchschnittliche Folge, auch wenn ich die Regie-Extravaganzen, die sich Brynych in den zuletzt gesehenen KOMMISSAR-Folgen noch erlaubte, etwas vermisse. In „Tandem“ ist er, wie schon zuletzt in „Der Spitzel“ deutlich geerdeter unterwegs, stellt seine Regie ganz in den Dienst des Scripts. Wahrscheinlich war DERRICK bereits zu groß geworden, um seinen Angestellten noch Querschläger zu erlauben.

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Episode 059: Lena (Theodor Grädler, 1979)

Man soll es nicht für möglich halten: Wolfgang Horn (Rolf Becker) findet seine Ex-Frau Anita (Beatrice Norden) tot zu Hause auf. Weil er ihr gegenüber im Streit um die gemeinsame Tochter Agnes handgreiflich geworden war, ist er für Derrick und Klein der Tatverdächtige Nummer 1. Erschwerend hinzu kommt, dass die potenzielle Zeugin, Horns taubstumme Schwägerin Lena (Ursula Lingen), zur Tatzeit zwar anwesend war, durch ihre Behinderung allerdings nichts mitbekommen hat. Aber sie will einen verdächtigen Mann vor dem Haus gesehen haben. Derrick glaubt, dass sie ihren Verwandten schützen will, auf dessen Hilfe sie nach dem Tod der Schwester angewiesen ist.

Eine ganz schwache Episode, deren einsame Höhepunkte die Anwesenheit von Jess-Franco-Mainstay Paul Muller und Rudolf Schündler in Nebenrollen sind. Darüber hinaus ist sie für heutige Zuschauer lediglich interessant, weil sie zeigt, wie viel sich Gott sei Dank im Umgang mit Behinderten geändert hat in den letzten 40 Jahren. Wie plump, unfähig und unsensibel alle Figuren mit der Titelheldin umgehen, ist schon schockierend: Da wird in ihrer Gegenwart über sie geredet, als sei sie komplett schwachsinnig und bekäme nichts mit, behandelt auch das Drehbuch sie als vollkommen hilflose Person, die ständig einen Beistand benötigt. Ärgerlich und langweilig.

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new-yorkEpisode 060: Besuch aus New York (Helmuth Ashley, 1979)

Auf die junge Anna Born (Léonie Thelen) wird ein brutaler Mordanschlag verübt, bei dem ihr Freund sein Leben verliert. Es stellt sich heraus, dass sie die Millionen eines amerikanischen Onkels mit Verbindungen in die Unterwelt geerbt hat und sie nun von dessen sich um das Vermögen geprellt fühlenden Geschäftspartnern umgelegt werden soll. Alle Spuren führen zu Bob Dryer (Brad Harris), der sich in einem Münchener Hotel eingemietet hat. Aber er behauptet, Anna schützen zu wollen.

Die Erben-Geschichte ist nicht gerade die Neuerfindung des Rades, aber Ashley macht das Beste draus. Gleich zu Beginn gibt es eine schöne Aerobic-Szene, gefolgt von einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd, das erste Mal seit weiß nicht wie lang, dass es bei DERRICK richtig zur Sache geht und man sogar einen echten Stunt bewundern kann. Schön sind auch die Szenen bei der Familie Megassa (Bruno W. Pantel, Greta Zimmer und – zum dritten Mal innerhalb der letzten 15 Folgen – Volker Eckstein), bei der Anna zur Untermiete wohnt. Die Aussicht, Anteil am Vermögen zu nehmen, lässt sie zu Verrätern werden: Wie sie da verschwörerisch in ihrer tristen Küche sitzen, Bier trinken, rauchen und tumb ins Nichts ihres traurigen Daseins starren, ist spannender als der weitere Verlauf des Falles. Brad Harris mit Lockenpracht hat nur so etwas wie einen ausgedehnten Gastauftritt und bekommt nichts zu tun, was ein bisschen schade ist. Dafür darf sich Fritz Wepper als ritterlicher Beschützer der gefährdeten Dame mal wieder als heimliches Love Interest versuchen. Dass er bei der Keilerei mit dem Attentäter am Schluss von Derrick gerettet werden muss, ist hingegen irgendwie ungerecht. Kann man den denn gar nicht mal etwas allein zu Ende bringen lassen?

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herculesLuigi Cozzis Wiederbelebung des Peplums sieht ungefähr genauso aus, wie man das nach seinem STAR CRASH erwarten durfte: Die Kostüme sind offenherzig und fantasievoll, die Spezialeffekte bemühen Mitte der Achtzigerjahre bereits reichlich veraltete Techniken, die dem Film eine kindliche Naivität verleihen, überall blitzt und funkelt es und statt eines kontinuierlich entwickelten Spannungsbogens gibt es eine Aneinanderreihung von Episoden, deren Logik nicht immer unmittelbar nachvollziehbar ist. Trotz dieser Gemeinsamkeiten ist HERCULES aber ein völlig anderer Film als Cozzis Weltraumoper (die nur Unmenschen ohne Geschmack und Stil als STAR WARS-Rip-off bezeichnen). Cozzi wirft sich mit offenem Visier in die Schlacht, versucht nicht, die alten Sandalenfilme auf einen historisch fundierteren Boden zu stellen, sondern empfängt den dem Genre inhärenten Kintopp mit offenen Armen, schafft aber gleichzeitig ein Werk, dessen hoher Abstraktionsgrad es schon fast in den Rang des dekonstruktivistischen Metafilms hebt.

Für mich besonders auffällig: HERCULES wird niemals „lebendig“, wie es die alten Herkules-Filme ohne Zweifel wurden, die ihre Zuschauer in eine pittoreske Pseudoantike voller schöner Frauen, edler Recken, finsterer Schurken und gräuslicher Ungeheuer entführten. Stattdessen spielt Cozzis Film in einer beinahe entvölkerten Welt, über der des Nachts ein planetenreiches Weltall prangt und deren wenigen Bewohner keinen normalen Alltag zu kennen scheinen, sondern ständig irgendwelche seltsamen Pläne schmieden. Der Film beginnt mit keinem geringeren Ereignis als der Erschaffung der Welt, bei der Pandoras Büchse – hier eher: ein Tonkrug – eine wichtige Rolle spielt. Am Ende des Vorgangs kommen die auf dem Mond (!) lebenden Götter Zeus (Claudio Cassinelli), Athene (Delia Boccardo) und Hera (Rossana Podestà) auf die Idee, einen Superhelden aus reinem Licht zu schaffen, um den nun auf der Erde waltenden bösen Mächten etwas entgegenzusetzen. An seinem neuen Bestimmungsort angelangt, wird der kleine Hercules sogleich als potenziell gefährlicher Göttersohn enttarnt und auf einem Floß ausgesetzt, auf dem der Tausendsassa seinen Pflegeeltern in die Arme treibt. In diesem Stil setzt sich der gesamte folgende Film aus Elementen zusammen, die man entweder aus anderen Mythen und Märchen oder aber aus zu jener Zeit erfolgreichen Filmen (vor allem CLASH OF THE TITANS und SUPERMAN müssen genannt werden) kennt, die aber nie im Stile des nervtötenden Zitatekinos mit wissendem Augenzwinkern refrenziert werden.

Lou Ferrignos Held scheint selbst nie so ganz zu begreifen, was da um ihn herum eigentlich vorgeht, und der böse Plan seiner Gegenspieler – der schurkische König Minos (William Berger) und seine Gefährtin Ariadne (Sybil Danning) – ist kaum mehr als ein Vorwand, um ihn auf die Reise durch verschiedene Set Pieces zu schicken. Hier und da schnappt man mal etwas auf, was man kennt – den Augiasstall oder Charon, den knochigen Fährmann -, aber mehr als an griechischen Mythen ist Cozzi offenkundig am Spinnen eigenen Seemannsgarns interessiert. Sein Hercules tritt gegen riesige Roboterwesen an, die eine weibliche Zauberin namens Daedalus (Eva Robins) zum Leben erweckt hat, Circe (Mirella D’Angelo) verwandelt ihn in einen Riesen, sodass er die Kontinente Europa und Afrika trennen kann, der Finalkampf findet im Inneren eines brodelnden Vulkans statt, den Minos als Energiequelle nutzt. Atlantis wird auch mal kurz erwähnt, genau wie der Feuervogel Phoenix und es ist erstaunlich, dass ein Film, der so konfus ist, gleichzeitig so aufgeräumt wirkt.

Die Legende besagt, dass der back to back mit Fragassos und Matteis I SETTE MAGNIFICI GLADIATORI gedrehte HERCULES ursprünglich als „erwachsen“ angelegt war und erst auf Initiative des entrüsteten Ferrigno entschärft wurde. Ein HERCULES UNBOUND wäre sicher interessant gewesen, aber ich finde Cozzis Film auch so sehr schön. Er ist nicht ganz so ein selig machender Knaller wie STAR CRASH, aber welcher Film ist das schon? Ich finde jedenfalls, dass er – wie eigentlich alle Filme von Cozzi – als verlachtes So-bad-it’s-good-Vehikel reichlich unter- und vor allem geringgeschätzt wird.

operazione-pakistan-b6a467a5-f08a-4540-94d6-35020d640550Zwei Jahre, nachdem das Duo aus Kommissar X (Tony Kendall) und Captain Tom Rowland (Brad Harris) zum letzten Mal auf der Leinwand aktiv war, kehrt es zurück, um eine Drogenorganisation zu zerschlagen, die von Pakistan aus den Weltmarkt mit ihrem Stoff flutet. Die Zeit ist nicht spurlos an ihnen vorübergegangen: Die Siebzigerjahre sind angebrochen, und das macht sich bemerkbar in einem flapsigeren Stil, den auch Regisseur Harald Reinl mit ein paar gezielten Sadismen nicht aushebeln kann. Die beiden verbrecherjagenden Kumpels schmeißen mit Sprüchen nur so um sich, ganz im Stile der damals so beliebten Brandt-Synchros werden da „Beulen in den Bart“ gehauen oder Vergleiche zu Zeitgeistheroen wie Gunther Sachs gezogen. Der naive Pop-Charme, der die ersten Teile der Reihe beflügelte und sie zu idealtypischen Beiträgen der Eurospy-Welle machte, ist irgendwo im Sommer der Liebe abhanden gekommen. Eine äußerst herbe, im Rahmen des Films gleichermaßen deplatziert wirkende wie prägende Sequenz zu Beginn zeigt ein paar übrig gebliebende Hippies beim Kiffen und Fixen: Das ist nicht gestellt, wie die Nadel da in einen bereits reichlich zerstochen aussehenden Arm geführt wird, und es fiel mir tatsächlich schwer, die Augen nicht abzuwenden. So „real“ der Hintergrund des neuesten Kommissar-X-Abenteuers auch sein mag, der Blick auf echtes Drogenelend ist in einem Maße spekulativ und abgezockt, wie die Reihe zuvor harmlos war. Und wenn sich Reinl nach dem kurzen, verstörenden Einschub wieder der losen Folge von Keilereien, Verfolgungsjagden, Attentaten und amateurhaften Ermittlungsversuchen zuwendet, bei dem die bösen, bösen Drogen nicht mehr als ein McGuffin sind, erhärtet er diesen Eindruck noch. Was natürlich nicht heißt, dass auch dieser letzte Eintrag der Reihe angenehm seichte Unterhaltung bietet.

Am putzigsten sind natürlich die verzweifelten Versuche des Drehbuchs, die Räuberpistole irgendwie respektabel oder gar relevant erscheinen zu lassen. So schwadroniert ein Kollege Rowlands gegenüber dem pakistanischen Superintendend Ali (Mohammad Ali) von „alten asiatischen Geheimbünden“, nach deren Vorbild die Organisation der roten Tiger aufgezogen sei, nur um im selben Atemzug zuzugeben, von der Materie eigentlich gar keine Ahnung zu haben. Ein Sachbuch soll die Bildungslücke schließen und dieses Buch befindet sich im Besitz des Wissenschaftlers Professor Tavaria (Ernst Fritz Fürbringer). Das finde ich immer wunderbar: Diese Vorstellung, dass es ganz genau ein Buch gibt, das alle Probleme beseitigen kann, dass dieses Buch zwar ungemein selten ist, aber natürlich trotzdem jeder von seiner Existenz und seinem Besitzer weiß. Die Antwort auf die Frage, warum das Wissen über alte Geheimbünde, die es doch laut Ali gar nicht mehr gibt, bei den Ermittlungen hilfreich sein soll, bleibt der Film leider schuldig, aber so geht das eigentlich die ganze Zeit: Die Handlung schreitet voran, indem irgendeine Behauptung aufgestellt wird, die dann unweigerlich zum nächsten Kapitelchen führt. So auch mit dem Buch: Dass Wissen Macht ist, ist nämlich auch den Schurken nicht verborgen geblieben, weshalb der Kriminalbeamte nach Ausleihe des Buches unverzüglich gen Jenseits befördert werden muss. Warum? Egal! In diesem Stile geht es weiter: Kommissar X und Captain Rowland werden hinzugezogen und immer, wenn sich eine Spur ergibt oder jemand einen wichtigen Hinweis geben könnte, wird ein Attentat verübt und der nächste muss ins Gras beißen, bis schließlich nur noch der Oberschurke übrig ist. Dass diese mit allen Wassern gewaschenen Kriminellen nicht merken, wie sie den Helden die Arbeit abnehmen. Es ist fraglich, ob die beiden nun nicht gerade als Superhirne zu bezeichnenden Kriminalisten den Fall gelöst hätten, hätte der Gesuchte nicht alle Verdächtigen selbst aus dem Weg geräumt. Am Schluss überführt ihn ein Siegelring, der den „roten Tiger“ zeigt, das Wappentier der Drogenhändler. Das ist nun wirklich ziemlich dämlich, zumal das Wappentier auch noch aussieht wie von einem Achtjährigen mit dem Wasserfarbkasten gemalt. Wegen eines solch hässlichen Rings ins Gras beißen zu müssen, muss für jeden Verbrecher eine echte Schmach sein. Aber immer noch besser, als im Knast gehänselt zu werden.

Jo Walker (Tony Kendall) wird auf Empfehlung seines Freundes Captain Rowland (Brad Harris) von einer Amerikanerin nach Thailand gerufen, weil deren Tochter Phyllis (Hansi Linder) bei einem Urlaubsausflug spurlos verschwunden ist. Dahinter steckt die angebliche Wohltätigkeitsorganisation der „Drei Goldenen Schlangen“ von Kim So, die auf einer Insel junge Frauen aus aller Welt gefangen hält. Unter Drogen gesetzt, stehen die Mädchen finanzkräftigen Herren gegen Bezahlung für Liebesdienste zur Verfügung und sehen einem traurigen Schicksal entgegen. Aber mit vereinten Kräften gelingt es Walker und Rowland, zur Insel vorzudringen …

Stammregisseur Gianfranco Parolini machte für den sechsten KOMMISSAR X-Film seinem Landsmann Roberto Mauri Platz und begnügte sich mit dem Verfassen des Drehbuchs. Mehr als dieser Besetzungswechsel macht sich jedoch ein gewisser Zeitgeistwandel bemerkbar. DREI GOLDENEN SCHLANGEN kündigt mit seinem sexualisierten Thema den Übergang vom unschuldig-naiven Popspektakel zum handfesten Sleaze an, wie er sich in den Siebzigern engültig vollziehen sollte. Immer wieder werden barbusige Damen im Bild drapiert: ein Schauwert, der die Science-Fiction-Eskapaden und das Location Hopping der vorangegangenen Reihenbeiträge weitestgehend ersetzt. Der Umschwung vom heiteren Agentenfilm zur handfesten Komödie war schon vorher vollzogen worden, doch Rainer Brandts Synchronisation gibt dem Film noch einen zusätzlichen Schub. Die Sprüche, die er den Figuren in den Mund legt, haben entscheidenden Anteil daran, dass DREI GOLDENE SCHLANGEN seinen Charme entwickelt, auch wenn er sonst eher roh und hingeworfen wirkt. Gleich zu Beginn singt Rowland unter der Dusche „Oh, my darling Clementine, plötzlich war er wieder klein“, später nennt er ein dreirädriges Taxigefährt „Rost Royce“ und beschimpft einen Einheimischen als „Galettebürste“, was immer das ist. Die verbalen Absurditäten nehmen kein Ende, sodass auch dieser sechste KOMMISSAR X-Film als voller Erfolg verbucht werden kann, auch wenn er die Eurospy-Eleganz der Anfangstage gänzlich vermissen lässt und ihm im Finale etwas die Puste ausgeht. Egal. Nach diesem Film legte Produzent Theo Maria Werner die Serie zunächst auf Eis, bevor er 1971 Harald Reinl für ein neues, dann jedoch endgültig letztes Abenteuer von Jo Walker und Captain Rowland anheuerte. KOMMISSAR X JAGT DIE ROTEN TIGER erscheint demnächst via Filmjuwelen auf DVD und selbstverständlich werde ich die Reihe dann zu ihrem angemessenen Abschluss bringen.

Der Schwerverbrecher Arthur Hillary (Franco Fantasia) wird von seinen Kumpanen, darunter der gefährliche Anthony (Siegfried Rauch), bei einem Gefangenentransport befreit. Hillary hatte vor seiner Inhaftierung einen spektakulären Diamantenraub gelandet, die Beute hatte er in der titelgebenden Statue bei seinem Zwillingsbruder Robert in Kanada versteckt. Jenen gilt es nun ausfindig zu machen, um ihm die Steinchen wieder abzunehmen. Derweil Captain Rowland (Brad Harris) auf den flüchtigen Schurken angesetzt wird, ist Privatdetektiv Jo Walker im Auftrag der Versicherung unterwegs, die Diamanten zurückzuholen. Beide müssen sich wieder miteinander arrangieren, um zum Ziel zu kommen …

Der fünfte Film der insgesamt siebenteiligen Reihe setzt die mit dem Vorgänger KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE eingeschlagene Linie fort. Das bedeutet, dass es auch hier um einen „normalen“ Kriminalfall geht, die an die Erfolge der Bond-Reihe angelehnten Ausflüge ins Science-Fiction-Genre der Vergangenheit angehören. Die Story ist nicht übermäßig spektakulär, aber durchaus kurzweilig, das Zusammenspiel von Harris und Kendall steht wieder mehr im Vordergrund, der Ton des Films ist wesentlich komödiantischer als zuvor. Harris hat als Rowlanddie Rolle des etwas einfältigen Deppen inne, der der Cleverness seines freischaffenden Partners nur wenig entgegenzusetzen hat, aber dessen Scharfsinn mit der nötigen körperlichen Durchschlagskraft ergänzt. Die spritzige Dynamik der beiden kann man etwas mit jener vergleichen, die Terence Hill und Bud Spencer einige Jahre später zu Ruhm und einem Platz in der (europäischen) Filmgeschichte verhelfen sollte. Den Hintergrund des munteren Treibens bildet vor allem die Kulisse der damaligen Weltausstellung in Montreal, und Ausflüge nach L.A. und Calgary werden auf die bekannt rührend-unbekümmerte Art mit Material aus Italien ergänzt. Das garantiert gleich zu Beginn einige Lacher, wenn Parolini dem Zuschauer ein südeuropäisches Bergambiente mit unbefestigten Schotterpisten als die Serpentinen der Hollywood Hills verkaufen will, oder er jenen berühmten Wasserfall, der in fast jedem italienischen Film der Sechziger- und Siebzigerjahre zu sehen ist, nach Kanada verlegt. Schön ist auch die als Hightech-Sensation eingebaute Archivmaterial-Szene mit einem Jetpack, das für „Menschen im Düsenzeitalter“ als die kommende Fortbewegungsart gepriesen wird, sonst aber keinerlei narrative Funktion erfüllt. Das sind die Momente, für die man den trivialen Stoff jener Tage liebt. Für Kurzweil ist also, nicht zuletzt aufgrund der Anwesenheit von Eurobabes wie Erika Blanc oder Hannelore Auer, wieder einmal gesorgt, auch wenn die vorangegangenen Höhepunkte der Reihe unerreicht bleiben. Ein Meisterwerk erwartet von einem KOMMISSAR X-Film eh niemand, insofern darf die Mission „Entertainment“ nach 90 schön bunten, beschwingten und angenehm depperten Minuten dennoch als „erfolgreich“ abgehakt werden. Mehr fällt mir zu diesem Film aber auch nicht mehr ein.

Ein Film, der mit einer ausgedehnten Prügelei anfängt, kann nicht schlecht sein. KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE knüpft nach dem doch etwas langweiligen Vorgänger wieder an das Niveau der ersten beiden Filme um den Privatdetektiv an. Der Job führt Jo Walker (Tony Kendall) diesmal nach Istanbul, dessen beeindruckende Skyline gleichermaßen Exotik wie geschäftige Urbanität mitbringt, etwas, das den vorangegangenen Titeln, die in Sri Lanka respektive Singapur spielten, fehlte. Auch die Storyline – es geht um die Drohung einiger Ganoven, der titelgebenden „drei grünen Hunde“, die Trinkwasserversorgung der Metropole mit LSD zu verseuchen und die Stadt so zur Zahlung eines stattlichen Sümmchens zu erpressen. Glücklicherweise kann Captain Tom Rowland (Brad Harris) das Halluzinogen in Sicherheit bringen, mit den erwartbaren Konsequenzen: Auch KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE weicht kein Stück vom bisher etablierten Erfolgskonzept ab, was bedeutet, dass auch dieser Film in loser Folge Verfolgungsjagden, Mordanschläge, Prügeleien, Ballereien und Entführungen aneinanderreiht.

Ob man das nun anregend oder ermüdend findet, hat nicht wenig mit der Fähigkeit zu tun, die freifließende Lebensfreude hinter dem Spektakel zu erkennen. Dass Walker und Rowland laut ihrer Berufsbezeichnung im Dienste des Gesetzes unterwegs sind, ist eigentlich nur vorgeschoben. In ihrem Handeln zeigt sich überdeutlich die Berauschung an der eigenen Bewegung, an der Herrschaft über den Körper, die sich am klarsten natürlich dort zeigt, wo sie gleichzeitig den Triumph über andere bedeutet. Wobei KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE trotz etlicher Tote niemals wirklich auf böse Art gewalttätig wird. Alles ist als Spiel gekennzeichnet und von geradezu kindlicher Euphorie getrieben. Im Showdown in der bizarren Felslandschaft Kappadokiens gibt es eine ausgedehnte Verfolgungsjagd, in deren Verlauf Rowland und seine Häscher die sandigen Hänge der Hügel hinabrutschen wie in einem Vergnügungspark, und eine Totale, die zeigt wie die Schurken nach einem Schlag von Rowland die Böschung hinunterpurzeln. Die Verbrecherjagd ist reiner Selbstzweck, im Grunde genommen egoistische Lustförderung der beiden Helden, und dass sie dabei noch etwas Gutes tun, nehmen sie eher amüsiert zur Kenntnis. Vor allem Walker kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr raus, wenn er da in einer Tour mit hübschen Dingern anbändelt und auch schon mal zu einer in den Zuber steigen darf, um sich vor der Polizei zu verstecken.

Die gute Laune des Films ist ansteckend, die Sonne strahlt aus jedem Einzelbild und danach möchte man sich am liebsten so einen Schlapphut kaufen, wie ihn nur Herbert Fux tragen kann, der hier den Schurken Eddie Shapiro spielt. Seine Rolle ist ganz und gar nicht entscheidend, aber diese Wiener Lässigkeit, die er mitbringt und die jede Szene mit ihm durchzieht wie Zigarrendunst eine funzelige Eckkneipe, passt wie der Arsch auf den Eimer und ist das Element, das dieser vierte KOMMISSAR X-Film den Vorgängern voraus hat.

Same procedure as before: Jo Walker (Tony Kendall) und Tom Rowland (Brad Harris) werden vom Physiker Prof. Akron (Ernst Fritz Fürbringer) nach Singapur gerufen. Der Mann hat einen speziellen Filter erfunden (der Film sagt beharrlich „das Filter“), mit dem sich Laserstrahlen so bündeln lassen, dass sie sämtliche Motoren auf eine Distanz von Hunderten von Kilometern lahmlegen. Verständlicherweise gibt es eine Schurkenorganisation, die alles daran setzt, die Vernichtungswaffe in ihre Hände zu bekommen. Schon nach ihrer Ankunft entgehen die beiden Helden nur knapp einem spektakulären Anschlag, die folgenden 90 Minuten setzen sich dann wie in den beiden Vorgängern aus einer rasanten Abfolge von Verfolgungsjagden, Entführungen, Keilereien und Schießereien zusammen, bis Jo am Ende gemeinsam mit einer schönen Blonden im Helikopter davonschwebt und Tom als schmollender Dritter zurückbleibt.

Ich muss es so deutlich sagen: Dieses dritte Leinwandabenteuer von Kommissar X kann deutliche Ermüdungserscheinungen nicht verhehlen. Der Spaß fängt recht munter an, Parolini verliert keine Zeit und spult das Minimum an Handlung in großer Eile ab, stets bemüht, schnell die nächste Prügelei/Schießerei/Verfolgungsjagd abwickeln zu können. Grundsätzlich kein schlechtes Rezept und zudem eines, mit dem die beiden durchaus schmackhaft geratenen Vorgänger entstanden. Um im Bild zu bleiben, müsste man hier wohl konstatieren, dass die Zutaten von KOMMISSAR X – IN DEN KLAUEN DES GOLDENEN DRACHEN minderer Qualität sind. Anstatt die Geschmacksnerven mit dem subtilen Zusammenspiel unterschiedlicher Aromen zu kitzeln, zu verführen und anzuregen, verbinden sie sich hier zu einem klebrigen Einerlei, das sich als fader Flansch um die Zunge legt und schon nach kurzer Zeit ein Gefühl träger Sattheit erzeugt. Die einzelnen Bestandteile laufen ölig ineinander und am Ende ist alles eine beigefarbene Soße von zweifelhafter Konsistenz. Um das Bild wieder zu verlassen: Es fehlen hier die echten Highlights, der Wahnsinn, die absurde Übertreibung, die Zehetgrubers strukturell sehr ähnlich gelagertem KOMMISSAR X – DREI GELBE KATZEN den entscheidenden Kick gaben, die Momente, die aus dem Strom des Immergleichen herausragen. Vielleicht würde ich anders denken, hätte ich die beiden Filme in umgekehrter Reihenfolge gesehen, aber IN DEN KLAUEN DES GOLDENEN DRACHEN ist kaum mehr als eine schwache Kopie des Vorgängers. Die Einstellung stimmt, aber das Drehbuch bietet irgendwie wenig, aus dem sich etwas machen ließe. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Da dreht sich der ganze Film um eine gefährliche Laserkanonen und außer bei einer kleinen Testvorführung kommt die kein einziges Mal zum Einsatz.

So bleiben eigentlich nur zwei Szenen wirklich im Gedächtnis: Die eine spielt in der musealen Folterkammer eines alten chinesischen Tempels, und der Museumsführer steigert sich während seines Vortrags über die weiblichen Folterknechte, die ihre Opfer dort einst auf Geheiß des Kaisers Ming zu Tode quälten, beinahe in erotische Ekstase – womit er, wenig überraschend, eine Turtelei zwischen Jo und der lispelnden Schönheit Selena (Margaret Rose Keil) inspiriert. (Leena merkte richtig an, dass die KOMMISSAR X-Filme eine seltsame Obsession für gewalttätige Frauen in Uniform kultivieren.) Die zweite ist kaum weniger nebensächlich: In der Lobby des Hotels, in dem Jo und Tom abgestiegen sind, spielt eine Girlgroup und Brad Harris legt eine flotte Sohle aufs Parkett, die sich gewaschen hat. Sein Kumpel fühlt sich sofort herausgefordert und tut es ihm mit munter im Takt wippenden Scheitel gleich. Nur in dieser Szene entwickeln die beiden Pappfiguren ein bisschen Leben, nur hier springt der Funke auf den Zuschauer über. Ansonsten zielt Parolini mit dem ganzen Aufwand, den er betreibt, leider ins Leere.

In einer ceylonesischen Grotte, die ein großer, goldener Katzenkopf als Eingangstor ziert, bekommt der beschnurrbartete Karatemeister King (Dan Vadis) den Auftrag, Babs Lincoln (Ann Smyrner), Tochter des amerikanischen Botschafters Jefferson Lincoln, zu entführen. Das sieht dann so aus, dass er der blonden Schönen mit seinen beiden Kumpanen (darunter Siegfried Rauch als „Nitro“) auffällig, aber unbemerkt durch die deutlich kürzer gewachsenen Scharen Einheimischer hinterherstapft, die sich anlässlich eines Volksfestes auf den Straßen tummeln. Niemand stört sich daran, als die Frau von ihnen niedergeschlagen und weggeschleppt wird, nur ihr amerikanischer Kollege nimmt die Verfolgung auf, muss diesen Wagemut aber mit seinem Leben bezahlen, derweil Babs entkommen kann. Schnitt zu einer im Freien abgehaltenen Polizeipräsentation, bei der der Redner die Vorzüge von Karate preist und vor seinen Gefahren warnt, gerät die Kampfkunst in falsche Hände. Dass ein Karateschlag die Durchschlagskraft einer Pistolenkugel hat, belegt danach Captain Tom Rowland, indem er eine Delle in einen mit Alufolie umwickelten Styroporwürfel boxt, die von den Anwesenden bestaunt wird wie die Landung eines Ufos. Bevor er Autogramme geben muss, wird er aber abkommandiert nach Colombo, um im Fall der oben geschilderten Ermordung zu ermitteln. An Ort und Stelle trifft er auf seinen Kumpel Jo Walker (im vorangegangenen Text nannte ich ihn fälschlicherweise „Joe“), der wiederum herausfinden soll, wer die schöne Babs entführen wollte. Schon nach kurzer Zeit werden diverse Mordanschläge auf die beiden verübt: Erst plätschert eine gefährliche Säure aus Walkers Dusche, dann sollen die beiden Gangsterjäger samt Babs Lincoln, Lincolns Neffe Dawson (Philippe Lemaire) und des einheimischen Inspektor Da Silva in die Luft gesprengt werden. Hier zeigt sich nicht zum ersten Mal, aber am eindrucksvollsten das, was den Film vor allem auszeichnet: der unbändige Wille, sich jeder schnöden Logik zu widersetzen, um ein hübsches Spektakel auf die Leinwand zu bringen: Zunächst platziert King eine Ampulle mit Nitroglycerin auf dem Nebentisch der Helden – warum er mit seinem überaus auffälligen Äußeren von Babs nicht erkannt wird, bleibt ihr Geheimnis – und macht sich dann vom Acker. In einem Hotelzimmer mit Aussicht auf die fröhlich plauschende Tischgemeinschaft nimmt nun „Nitro“ mit einem Scharfschützengewehr Platz. Seine Aufgabe ist es, das Nitrofläschchen abzuschießen und so eine Explosion auszulösen, die alle auslöscht. Ja, das hätte man durchaus einfacher lösen können, und so ist es dann auch kein Wunder, dass der Plan vereitelt wird. Wer so blöd ist, der hat es nicht besser verdient. Auch nicht, wenn man sich hinter einem so geilen Kampfnamen wie „Drei gelbe Katzen“ versteckt. Die verbergen sich hinter diesen ganzen mal mehr, meist aber weniger geglückten Taten, handeln jedoch nur im Auftrag eines noch größeren Schurken. Es geht nämlich um einen Wissenschaftler, der einen todbringenden Biokampfstoff entwickelt hat und nun den Mann erpresst, der ihn wegen diese Erfindung einst des Landes verwiesen hatte. Alle wollen Geld, alle haben Dreck am Stecken, aber außer den beiden Protagonisten blickt keiner mehr durch.

Nach Ablauf der 90 Minuten von KOMMISSAR X – DREI GELBE KATZEN dessen Handlung zusammenzufassen, stellt daher auch vor einige Probleme. Wie bei den besten Exploitern wirkt die Story wie von einem Zehnjährigen mit galoppierender Fantasie, aber mangelndem editorischen Geschick erdacht, wüst mit dem heiligen Vorsatz zusammengekloppt, möglichst viele astreine Elemente unterzubringen. War Parolinis KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT noch annähernd seriös, begibt sich die Reihe unter der Regie von Rudolf Zehetgruber auf eine Kreuzfahrt in beinahe surrealistische Gaga-Gefilde. In den ersten Minuten des Films dreht sich alles um „Karate“, wobei dieser heute sehr trivial anmutende Begriff hier wie der unaussprechliche Vorname des Leibhaftigen behandelt wird: „Karate“, das ist hier noch etwas Exotisches, Geheimnisvolles, potenziell Gefährliches. Und je häufiger das Wort ausgesprochen wird, umso exotischer, geheimnisvoller und potenziell gefährlicher wird auch der Film. Karate, Karate, Karate. In der Vorstellungswelt des Zehnjährigen, der sich diese Geschichte ausgedacht hat, gibt es eigentlich nur eine Sache, die noch verbotener und verlockender ist: Säure. Deshalb gibt es auch einmal den tollen (von mir aus dem Gedächtnis paraphrasierten) Dialogsatz: „Seit letztem Jahr sind mehrere Menschen verschwunden. Entweder getötet durch Karate oder durch Säure!“ Ein Satz, den man so sicherlich nie bei den Tagesthemen hören wird und der Schrödingers Katzensatz mit einem neuen Paradoxon kontert: Wie kann jemand verschwunden und gleichzeitig durch Karate (oder Säure) getötet worden sein? Kommissar X kennt die Antwort auf diese Frage mit Sicherheit auch nicht, ist er doch immun gegen jeden erkenntnistheoretischen Höhenflug. Mit geradezu autistischer Beschränktheit stelzt er allem hinterher, was ballonförmige sekundäre Geschlechtsmerkmale aufweist, drückt jeder Frau ungefragt ein Küsschen ab, fest davon überzeugt, dass die nichts dagegen haben könne. Und zum Wunder des heutigen Mannes ist das hier auch so. Es ist durchaus reizvoll, sich ein „gritty reboot“ der Kommissar-X-Reihe vorzustellen, das den Titelhelden als Stalker und Sexualverbrecher zeigt, einen von seinem unstillbaren Trieb aufs gesellschaftliche Abstellgleis geführten psychiatrischen Pflegefall, der sich zwanghaft an Frauen reiben muss und vor lauter Anzeigen wegen sexueller Nötigung einen Zweitwohnsitz längst im Gerichtsgebäude hat, wo ihn selbst der Hausmeister mitleidig beäugt. Seltsam ist in diesem Zusammenhang auch diese permanente Kippen-Not: Es ist einer der Running Gags des Films, dass Walker seinen Kumpel Rowland um Zigaretten anschnorrt. Ein weiteres Merkmal, dass ihn als unverdrossenen Frechdachs zeichnet, der immer auf die Füße fällt: Er ist natürlich das alter ego des zehnjährigen Drehbuchautors.

Der hat neben abstrusen Albernheiten aber durchaus noch einige gute Ideen in petto: Der „Todessee“, auf dem der Film gegen Ende spielt, eine Sumpflandschaft mit im Wasser stehenden, abgestorbenen Bäumen, liefert ein stimmungsvolles Setting. Die von Zehetgruber völlig lautlos eingefangene Todesszene von Dawson, der auf dem Rücksitz eines Autos vergast wird, derweil der durch eine Scheibe geschützte Fahrer seinen Tod mit sadistischem Grinsen quittiert, ist für einen sonst doch sehr munteren Film überaus bitter und unangenehm geraten. Super ist auch der Showdown zwischen Rowland und King: Vom Polizisten besiegt, schleicht der Geschlagene tief enttäuscht von dannen, um die Schmach der Niederlage durch seinen Todessturz zu mildern. Und der Film endet dann mit dem begehrlichen Blick Walkers auf gleich drei Frauenärsche: den von Babs, den der exotischen Michéle (Michéle Mahaut) und den einer rassigen Elefantendame. DREI ÄRSCHE FÜR KOMMISSAR X wäre durchaus ein passender Alternativtitel gewesen. Rudolf Zehetgruber ist mir von seinem verschnarchten DIE NYLONSCHLINGE in leidlich guter Erinnerung und von Christoph Draxtra weiß ich, dass Verschnarchtheit gewissermaßen der modus operandi des DUDU-Stars ist. Dass er sich schwertut mit einer ökonomischen Spannungsdramaturgie (wie ein Zehnjähriger!), fällt bei KOMMISSAR X – DREI GELBE KATZEN allerdings kaum ins Gewicht, da hier einfach immer was los, immer was geboten ist. Wer braucht schon Suspense, wenn er Remmidemmi haben kann. Das macht Hoffnung für Zehetgrubers zweiten Beitrag zur Reihe, die laufende Nummer 4, KOMMISSAR X – DREI GRÜNE HUNDE.

Schöne Frauen mit fliederfarbenen Betonfrisuren, smarte Helden mit charmantem Gewinnerlächeln und Blei in den Fäusten, schnittige Sportwagen mit Radarortung, willenlos gemachte Frauenarmeen, eine ausgehöhlte Insel, Giftpfeil-Morde, Radioaktivität, viel Gold und ein finsterer Plan: Attraktive Zutaten zu diesem bonbonbunten Spektakel, das dank aerodynamischer Inszenierung, schöner Kamerarbeit und vielen prallen Ideen vergessen lässt, dass es gleich in doppelter Hinsicht eine Kopie ist.

„Kommissar X“ hießen der Privatdetektiv und die Groschenheft-Reihe, die der Erich-Pabel-Verlag gegen den FBI-Agenten Jerry Cotton ins Rennen schickte, der wiederum im konkurrierenden Baste Lübbe Verlag seine eigene Heftserie hatte. Ab 1959 leistete Joe Walker, wie der Detektiv mit bürgerlichem Namen heißt, erbitterten Widerstand gegen Cottons Schundroman-Monopol, bevor er den Beruf 1992 aufgrund schwindenden Leserinteresses an den Nagel hängen musste. Da sich die Jerry-Cotton-Filme in den späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahren zu Publikumsmagneten mit entsprechendem Ertrag entwickelten, konnte sein Rivale nicht hinten anstehen. Doch während Jerry Cotton sich auf der Leinwand durch recht klassisch (und bis 1967 schwarzweiß) gehaltene Polizeifilmstoffe schlug, orientierten sich die Produzenten von KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT deutlich erkennbar an den Abenteuern des britischen Superagenten James Bond. Der Plot, eine sich nicht groß um etwaige Plotholes und Ungereimtheiten scherende Mixtur aus DR. NO (der distinguierte, stets lächelnde Superschurke mit seiner Insel samt Indoor-Hafen), GOLDFINGER (der Clou mit dem Goldraub) und YOU ONLY LIVE TWICE (die ausgehöhlte Insel) zuzüglich etwas Atomparanoia, vollzieht sich genreüblich vor sonniger Urlaubskulisse (die Küstenlandschaft des heutigen Kroatiens dient als allerdings wenig überzeugendes USA-Double) und unter Mitwirkung zahlreicher attraktiver Damen. Titelheld Joe Walker wird sogar von Gert Günther Hoffmann synchronisiert, der auch Sean Connerys Bond die Stimme lieh. Mit diesen Parallelen hat KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT freilich nicht gerade einen Exotenstatus inne – die große Zahl meist europäischer Bond-Rip-offs fasst man heute sogar unter einem eigenen Genrebegriff als Eurospy-Filme zusammen –, aber er hebt sich doch sehr positiv aus der Menge hervor.

Ursächlich hierfür ist neben der handwerklich sauberen Fertigung und dem humorvollen Ton – der Begriff „Trash“ wird angesichts der Souveränität, mit der Parolinie seine Posse spinnt, wirklich nur von den gelangweiltesten Menschen ins Spiel gebracht – vor allem das Zusammenspiel von Tony Kendall und Brad Harris, als Captain Tom Rowland. Der Chef der New Yorker Mordkommission fungiert als Partner des Detektivs, steht jedoch gleichzeitig mit ihm im Wettkampf um die schnellste Lösung des Falls. Nicht, dass die beiden jetzt unbedingt eine überirdische Chemie miteinander entwickelten, aber die Dynamik zwischen ihnen bürgt für Abwechslung, wo andere, vergleichbare Titel sich auf einen meist doch eher langweiligen Helden konzentrieren, der eben kein Bond ist. Die Schurkenhatz von KOMMISSAR X – JAGD AUF UNBEKANNT gewinnt einen jungshaft-lausbübischen Charakter, crimefighting wird zum coolen Anlass, geile Schlitten zu fahren und chicks abzuschleppen (man beachte das museale Appartement Walkers, das ausschließlich mit eitlen Accessoires vollgestellt ist), und hinter dem Wunsch, Kriminalbeamter oder Detektiv zu werden, steckt weniger eine gesellschaftliche Mission als vielmehr der Wunsch nach Selbstermächtigung und einem gewissen lifestyle. Bei O’Brien (Nikola Popovic), dem Schurken mit dem Masterplan, ist das nicht unbedingt anders: Wer würde nicht gern eine Armee willenloser henchwomen in Fetischkleidung durch sein unterirdisches lair patroullieren lassen? Eben.

In einem im Urwald von Thailand versteckten Diamantencamp quält der Menschenschinder Yakiris (Gianni Rizzo) arme, mittellose Teufel zu Tode. Die wertvollen Steinchen schmuggelt er nach Europa, wobei er ihm ein Gauner namens „der gelbe Tiger“ (Philipe Lemaire) immer wieder zusetzt. Das „Syndikat“, eine internationale Gruppe von Diamantenhändlern, beobachtet dieses illegale Treiben mit Sorge und schickt deshalb einen Mann nach Thailand. Vor Ort treffen wenig später der Journalist Werner Homfeld (Paul Hubschmid), der an einer Geschichte über den Diamantenhandel recherchiert, die Wissenschaftlerin Dr. Vivian Lancaster (Marianne Hold), die auf einer Schlangenfarm arbeitet, der schlagkräftige Amerikaner Joe (Brad Harris), die abenteuerlustige amerikanische Millionärin Gloria Pickerstone (Dorothee Parker) und ihr Butler Archibald (Chris Howland) sowie der mysteriöse Vermeeren (Horst Frank), der alle im Unklaren lässt, welche Interessen er verfolgt, aufeinander. Sie geraten in die Kämpfe zwischen Yakiris und dem gelben Tiger und setzen ihr Leben schließlich bei einer Reise an den Mekong, in die titelgebende „Diamantenhölle“ aufs Spiel …

Wenn man dieses mit exotischen Schauplätzen, prächtigen Farben, kernigen Typen und schönen Frauen, Explosionen, Faustkämpfen und Schießereien, wilden Tieren, funkelnden Diamanten und markigen Sprüchen auf die Vollbedienung eines nach Unterhaltung lechzenden Publikums abzielende Spektakel bewundert, kann man nur um das Ableben des Abenteuerfilms trauern. Das einst so beliebte Genre ist völlig im Actionfilm und im Drama aufgegangen und niemand käme mehr auf das schmale Brett, die Massen allein mit der Erwähnung irgendeines weit entfernten Ortes ins Kino locken zu können. Damals war das anders, den Pauschaltourismus, wie wir ihn heute kennen und längst als selbstverständlich erachten, gab es noch nicht, und während wir das Flugzeug mittlerweile als ganz normales Fortbewegungsmittel wahrnehmen, lud der Durchschnittsbürger vor 50 Jahren eben noch die ganze Familie ins Auto und führ mit ihr an die Nordsee. Das Kino bot vielen mithin die einzige Möglichkeit, all jene Orte, von denen man im Erdkundeunterricht gehört hatte, zu besuchen und Produzenten wie Wolf C. Hartwig wussten, das auszunutzen. Die Geschichte von DIE DIAMANTENHÖLLE AM MEKONG ist dann auch merklich zweitrangig: Wichtig ist, dass die Zutaten stimmen, und das ist hier ganz ohne Zweifel der Fall.

Mit Paul Hubschmid und Marianne Hold bot Hartwig zwei der zu jener Zeit beliebtesten Kinostars auf, Horst Frank stand damals schon für Zwielichtigkeit und Coolness, die Anwesenheit von Brad Harris versprach schlagkräftige Action und mit Chris Howland war auch für den nötigen Witz gesorgt. Die Personenkonstellation wird immer wieder bunt durcheinandergewirbelt, an jeder Ecke wartet irgendein Finstermann, der Böses im Schilde führt, und garantiert endet jede zweite Szene mit einem Faustkampf, einem vereitelten Mordanschlag oder einem Toten mit Blei in der Brust bzw. der Ansichtskarte aus Solingen zwischen den Schulterblättern. Besonders rührend wird es, wenn mittels Archivmaterial ein paar Elefanten in den Film geschnitte werden, die nicht nur anhand der sie umgebenden Savannenlandschaft unschwer als afrikanischen Ursprungs identifiziert werden können. Egal, Hauptsache, es ist immer was los. DIE DIAMANTENHÖLLE AM MEKONG ist erstaunlich ruppig, der Body Count beachtlich und die Schindereien, die Yakiris seinen Sklaven angedeihen lässt, kündigen bereits die Gewaltzelebrierungen an, mit denen das Exploitationkino seine Zuschauer im folgenden Jahrzehnt  locken würde. Aber diese Härten können das sonnige Gemüt des Films nicht wirklich trüben. Am Ende fliegt alles in die Luft, nur die Hütte, in der die fesche Vivian gefangen gehalten wird, bleibt verschont, weil Homfeld die brennende Zündschnur mit einem gezielten Messerwurf durchtrennt, die Schurken beißen ins Gras oder werden verhaftet und alle haben sich lieb.Ich diesen Film auch, allein für diesen tollen Dialogsatz, mit dem der gemeine Yakiris Vivian an sich binden will: „Entweder sie leben mit mir im Wohlstand oder ich richte ihre Freunde!“ Wer die Wahl hat …