Mit ‘Brandon Lee’ getaggte Beiträge

Michael Gold (Brandon Lee) wird vom CIA in einen von den Sowjets geführten fiktiven afrikanischen Staat geschickt, um den dort arbeitenden Wissenschaftler Prof. Braun (Ernest Borgnine) abzuwerben. Zunächst kommt ihm jedoch der Auftraggeber Brauns, der schurkische Eckhard (Werner Pochath), in die Quere und sorgt für Golds Inhaftierung. Der kann zwar fliehen, doch Braun ist erst einmal verschwunden: Gold wird zurückgeschickt und erhält den Auftrag, den Forscher gemeinsam mit Brauns Tochter Alissa (Debi Monahan) ausfindig zu machen …

They don’t make ‚em like this anymore und seriöse Filmfreunde könnten dies ausnahmsweise durchaus als Zeichen einer positiven Entwicklung betrachten. Selbst wenn man wie ich ein problematisches Verhältnis zum Begriff „Trash“ hat, fallen nur wenig Gründe ein, warum man Beau Davis‘ Film nicht mit diesem Label versehen sollte: Die Geschichte ist wirklich haarsträubend blöd und Gleiches gilt für die Dialoge, die deutlichster Ausdruck des gescheiterten Bemühens sind, mit LASER MISSION ein Rundum-Sorglos-Paket in Sachen großes Entertainment beim Zuschauer abzuliefern. Hinter jeder Ecke lauert entweder ein Statist, den es umzunieten gilt, oder aber ein flacher Wortwitz und das Ganze ist filmisch so unbedarft und so sehr in seiner Zeit verhaftet, dass es heute schwerfällt, sich die Welt vorzustellen, in der LASER MISSION produziert werden konnte. Ein Film, der wieder mal auf den bösen Kommies rumhackt, mag zwar ein unpassender Anlass für die Feststellung sein, dass die späten Achtzigerjahre irgendwie eine unschuldigere Zeit waren, aber heute wäre ein solches der Fantasie eines Achtjährigen entsprungenen und mit dessen Gemüt inszenierten Werks absolut undenkbar. Dazu kommen dieser künstliche Look und der Jahrmarktscharakter des Films, dessen Macher sich seiner narrativen und technischen Unzulänglichkeiten offensichtlich völlig unbewusst war: Der Wille zählt. So darf Debi Monahan, die aussieht, als sei sie beim Casting von DREI DAMEN VOM GRILL gegen die attraktivere Brigitte Mira ausgeschieden, hier das heiße Love Interest von Brandon Lee geben, der es zwar wie ein Profi nahm, aber bis zu seinem Tod wahrscheinlich jede Nacht schreiend aus Albträumen erwachte, iund dann dem Himmel auf Knien für seine Hollywoodkarriere dankte, die ihn vor solchen Härtetests bewahrte.

Auch sonst gibt es einiges zu bestaunen, beklatschen und belachen: Der Titelsong namens „Mercenary Man“ ist genau jene Art von AOR-Softrock mit treibendem Beat und Reibeisenstimme, die ich heute schmerzlich vermisse, der afrikanische Staat gönnt sich neben den sowjetrussischen Besatzern die Amtssprache Spanisch (?) und die obligatorische Liebesszene zwischen den Protagonisten wird erzählerisch sinnvoll direkt nach einem tagelangen Fußmarsch durch die Wüste platziert. Die Comic Reliefs Pierre Knoessen und Maureen Lahoud sind besonders sinnlos und unwitzig, dafür rührt das Finale, in dem alle nochmal freudestrahlend vereint werden, fast zu Tränen (NOT!). Wer den Film sehen möchte, sollte die deutsche Fassung meiden: Die verfügt zwar über eine das Geschehen angemessen dämlich unterstützende Synchro, unterschlägt dafür aber auch ein paar Gewaltspitzen, darunter auch den Tod des Oberbösewichts Eckhard. Vielleicht hat sich Pochath aber auch einfach nur vom Acker gemacht, bevor man sein Ende drehen konnte …

Der in Japan aufgewachsene Detective Kenner (Dolph Lundgren) musste als Kind mitansehen, wie sein Vater von einem Mitglied der Yakuza umgebracht wurde. In der Gegenwart erkennt der im japanischen Viertel von L.A. arbeitende Cop den Mörder wieder: Es ist Funekei Yoshida (Cary-Hiroyuki Tagawa), der Anführer der japanischen Iron-Claw-Bande, die in großem Stil Drogen unters Volk bringt. Gemeinsam mit seinem neuen Partner, dem Halbjapaner Johnny Murata (Brandon Lee), der von japanischer Kultur aber keinen blassen Dunst hat, geht Kenner auf Rachefeldzug …

SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO stammt aus einer Übergangsphase des amerikanischen Actionfilms, einem kurzen Zeitraum der Ungewissheit, der Suche, vielleicht sogar der Ratlosigkeit. Das Erfolgskonzept, das in den Achtzigerjahren noch einen Erfolg nach dem anderen hervorgebracht hatte, war überholt, ein neues noch nicht in Sicht. Dieser Schwebezustand bot aber rückblickend einen großen Freiraum für Action-Regisseure, denen vielleicht nicht die Riesenbudgets zur Verfügung gestellt wurden, die aber trotzdem wussten, wie das funktioniert mit Bewegung, Geschwindigkeit und Zerstörung auf der Leinwand. Mark L. Lester war einer von ihnen: Mit CLASS OF 1999 und SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO machte er zwei der schönsten Actionfilme jener Findungsphase (zusammen etwa mit Baxleys STONE COLD) und nachdem James Cameron mit seinem T2: JUDGMENT DAY dann die Blaupause für das neue familienorientierte Actionkino geliefert hatte, da drehte Lester EXTREME JUSTICE und NIGHT OF THE RUNNING MAN und gab klar und deutlich zu verstehen, was er von diesem neuen Actionkino hielt.

SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO ist schon fast aufreizend provokant in seiner Flüchtigkeit: Nach 75 Minuten laufen die Credits und bis dahin wird keine Minute verschwendet. Seine Protagonisten sind nach zehn Minuten vollständig charakterisiert und ihre Motivationen etabliert, sodass dazu übergegangen werden kann, eine Actionszene nach der anderen abzufeuern. Und trotz des immensen Gewaltpegels wirkt das alles niemals abstoßend und brutal, sondern sehr cartoonesk, ohne dabei jedoch in die Abgründe des Funsplatters abzugleiten. Im Grunde ist SHOWDOWN ein sehr infantiler Film: Seine beiden Protagonisten wirken wie große Kinder (man beachte die Jacke, die Lundgren im Film trägt und die wohl nur Zwölfjährige so richtig cool finden können) und ihr Einsatzgebiet ist der eigens für sie errichtete Abenteuerspielplatz, auf dem sie sich nach Herzenslust austoben können. Die Schurken – allesamt larger than life – scheinen extra dort abgeladen, damit Kenner und Murata sich ihrer mit viel Krawumm entledigen. Die Drogen sind tödlich, für Gefühle zwischen Hass und Liebe gibt es keinen Raum, die One-Liner sirren durch den Film wie abgefeuerte Projektile. Und wenn es weibliche Brüste zu sehen gibt, was nicht eben selten ist für einen 75-Minüter, dann sind sie groß und prall und immer perfekt ausgeleuchtet. Doch so wenig nachhaltig, so albern, flüchtig und konsequenzlos SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO auch ist: Ihm gelingt es all das auf eine Art und Weise zu sein, die einem dann doch Respekt abnötigt. Man könnte auch sagen, Lester habe einen No-Nonsense-Nonsense-Film gedreht: Er ist nie zu blöd, nie zu witzig, nie zu over-the-top, findet stattdessen immer das richtige Maß und scheint sich in jeder Sekunde darüber bewusst zu sein, was er ist. Er bringt eigentlich die besten Voraussetzungen dafür mit, ihn zu hassen: Zwei smarte Helden, die sich selbst ein kleines Bisschen zu cool finden, ein bisschen zu gut aussehen, ein bisschen zu breit grinsen; einen Schurken, der ein bisschen zu eindimensional böse ist, eine damsel in distress, die ein bisschen zu sehr als offensichtliches (und unwichtiges) love interest konzipiert ist, und eine Plotline, die die Glaubwürdigkeit ein bisschen zu sehr überstrapaziert. Aber seltsamerweise fällt nichts davon negativ ins Gewicht. Erklären kann ich mir das beim besten Willen nicht, aber ich bin froh, dass es diesen Film gibt, der seine ihm zugrunde liegende Intelligenz damit unter Beweis stellt, wie er die eigentlich ultrarassistische Zeichnung seiner Bösewichter in der Gegenüberstellung von Kenner und Murata aushebelt.

Der chinesische Kunststudent Jake Lo (Brandon Lee) ist Zeuge als der Mafiaboss Serrano (Nick Mancuso), der das Drogengeschäft in Chicago an sich reißen will, einen Mittelsmann ausschaltet und fortan seines Lebens nicht mehr sicher. Als er von einem korrupten FBI-Beamten verraten wird und nach einem abgewehrten Anschlag auf sein Leben als Polizistenmörder gilt, kommt ihm Mace Ryan (Powers Boothe) zur Hilfe, ein Cop, der seit Jahren verbissen darum kämpft, den Drogenzar Kinman Tau (Tzi Ma), der die USA von Asien aus mit seinem Heroin überflutet, hinter Gitter zu bringen. In Jake sieht er eine Chance, sein Ziel zu erreichen, denn Tau arbeitete auch mit Serrano zusammen …

RAPID FIRE stammt aus einer Übergangszeit, als das Actionkino im Stil der Achtzigerjahre noch nicht gänzlich tot war, aber sich merklich gesundschrumpfte und den langsamen Rückzug in die damals noch florierenden Videotheken antrat. Auf der großen Leinwand läuteten Cameron und Schwarzenegger mit TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY die bis heute andauernde Ära des Eventkinos ein, während Filmemacher wie Dwight H. Little, Craig R. Baxley, Mark L. Lester, John Flynn, Lewis Teague oder andere im kleineren Rahmen noch so taten, als sei alles beim Alten. Der ungebremste Größenwahn war mit dem kommerziellen Fehlschlag der irrwitzigen Materialschlacht von RAMBO III einer neuen Bescheidenheit gewichen: kleine, lediglich formelhafte Plots betonen nun den spielerischen Aspekt des Actionkinos, was auch mit der  Inszenierung der Actionszenen korrespondiert, die nun nicht mehr länger jene Momente markieren, in denen die auf der Handlungsebene angelegten Konflikte eskalieren, sondern sich von der Handlung beinahe vollständig emanzipieren und – ähnlich dem Porno oder dem Slasherfilm – zu „Nummern“ werden, denen das eigentliche Interesse gilt.

Die Geschichte von RAPID FIRE ist aus sattsam bekannten Versatzstücken des Cop- und Gangsterfilms zusammengesetzt und die Figuren sind allesamt überlebensgroße Klischees mit einer ganz klar definierten Funktion: Lee gibt den aufrechten asiatischen Immigranten, der mit dem Idealismus gebrochen hat, seit er die Ermordung seines Vaters bei den Unruhen auf dem Platz des Himmlischen Friedens mitansehen musste, Boothe ist der abgerissene Cop, der sein Privatleben zugunsten seiner „Mission“ völlig aufgegeben hat. Natürlich profitieren beide aus der  vorübergehenden Partnerschaft: Jake lernt, dass es wichtig ist, seinen Überzeugungen zu folgen, Mace erkennt in seiner väterlichen Zuneigung zu Jake, dass es neben dem Beruf noch etwas anderes gibt. Der Plot von RAPID FIRE ist auf wirklich liebenswerte Art und Weise einfältig – ein kleiner, früh fallengelassener Subplot widmet sich etwa dem chinesischen Studentenführer Paul (Dustin Nguyen aus 21 JUMP STREET), der mit rotem Stirnband für die Befreiung Chinas demonstriert und Jake als Sohn eines echten „martyrs of the cause“ für seine Zwecke gewinnen will – und ganz darauf hinkonstruiert, möglichst viele Gelegenheiten für krachende Actionszenen zu bieten. In diesen kommt RAPID FIRE dann auch ganz zu sich: Choreografiert von Brandon Lee sind die zahlreichen Fights von einer Physis geprägt, die man heute in dieser Form höchstens noch von Isaac Florentine geboten bekommt und die den Hongkong-Einfluss kaum verleugnen können.Und weil sich ihnen nichts in den Weg stellt, entfalten sie ihre ganze Durchschlagskraft.

Der Titel RAPID FIRE beschreibt sowohl den Film als auch das Seherlebnis sehr treffend: Schnell, urgewaltig und zerstörerisch geht es hier zur Sache. Nach 90 Minuten ist der Spuk vorbei, ohne dass man sich noch lange mit den Kollateralschäden aufhalten müsste. Das Feuer ist ein reinigendes.