Mit ‘Brian Yuzna’ getaggte Beiträge

Damals in Deutschland radikal gekürzt, war Brian Yuznas RETURN OF THE LIVING DEAD 3 ein letzter Paukenschlag des Splatterfilms „alter“ Prägung. An Dan O’Bannons klassischen ersten Teil kommt er nicht ran, Peter Jacksons kurz zuvor erschienener BRAIN DEAD ließ Steve Johnsons Gematsche schon etwas zweitrangig erscheinen und insgesamt wirkt der Film heute noch mehr wie eine DTV-Produktion als damals schon Trotzdem sollte er Freunden des Horror- und Splatterfilms immer noch munden, zumal er mit Mindy Clarke als Piercing-süchtigem Maso-Zombie eine wirklich ikonische Figur aufzubieten hat. Bei Koch Media ist derFilm unlängst ungekürzt in einem schicken Mediabook erschienen, zu dem ich das Booklet beisteuern durfte. Viel Vergnügen!

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return of the living dead 3 (brian yuzna, usa 1993)

Veröffentlicht: Januar 5, 2010 in Film
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Curt (J. Trevor Edmond) und Abigail (Melinda Clarke) sind ein jugendliches Liebespaar und als solches stets auf den nächsten Thrill aus. Deshalb schleichen sich beide in den Armeestützpunkt, wo Curts Vater arbeitet, um ein bisschen herumzuspionieren. Dort werden sie Zeugen eines grausigen Experiments: Mittels eines Gases werden Tote zu neuem blutgierigen Leben ereckt – und bringen gleich mal zwei Wissenschaftler um. Curt und Abigail fliehen entsetzt und bauen nur wenig später einen Unfall, der für das Mädchen tödlich endet. Aber Curt weiß ja, wie er sie zurückholen kann …

Gern nehme ich Funxtons „Herausforderung“ an und muss dann auch gleich einräumen, dass der Film für mich sehr wohl einiges an Reiz eingebüßt hat, seit ich ihn vor ca. 15 Jahren zum ersten Mal sah. Zwar gefällt er mir immer noch, doch ein bisschen ernüchternd war das Wiedersehen schon: Hatte ich ihn als ausschweifendes, großes Splatterspektakel in Erinnerung behalten, entpuppte er sich vielmehr als unterfinanziertes Kammerspiel. Eine Handvoll Darsteller verliert sich an menschenleeren Drehorten, die nicht an eine Großstadt, sondern eher an ein Gewerbegebiet bei Mitternacht erinnern, und irgendwie den Eindruck vermitteln, dass die Apokalypse, die doch erst noch bevorstehen soll, sich schon längst ereignet hat. Aber das fällt nicht so ins Gewicht, weil Yuzna einen eher ungewöhnlichen Ansatz für seinen Zombiefilm wählt: Hier geht es eben nicht um das Ende der Menschheit, sondern um eine tragisch verlaufende Liebesgeschichte, quasi „Romeo & Julia meets Frankenstein“, eine intime Privatapokalypse also. Behält man das im Blick, funktioniert Yuznas Film durchaus, bietet Splatterfreunden einige hübsche handgemachte Sauereien und schließt in seiner wohl spektakulärsten und berühmtesten Sequenz Zombiemythos mit Körperkunst kurz: Um den Schmerz zu stillen, den der Hunger nach Menschenfleisch verursacht, beginnt Abigail sich mit allerlei Metallschrott und Glasscherben zu piercen, bis sie als zombifizierte Do-it-yourself-Terminatress dasteht. Hier ist Yuzna ein sehr nachhaltiges Bild gelungen, das dem ansonsten stark in den Neunzigern verorteten und somit nicht gerade zeitlosen Film doch noch seinen Platz in der (Horror-)Filmgeschichte beschert. Wenn nur der identitätslose Billigscore und die sterilen Settings nicht wären …

the dentist 2 (brian yuzna, usa 1998)

Veröffentlicht: Dezember 17, 2009 in Film
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Nachdem dem verrückten Zahnarzt Dr. Feinstone die Flucht aus der psychiatrischen Klinik gelungen ist, lässt er sich als Larry Crawford in einem verschlafenen Nest nieder, wo er Bekanntschaft mit Jamie Devers (Jillian McWhirter) macht, für die er schnell ein amouröses Interesse entwickelt. Als ihm jedoch immer wieder seine psychische Störung und seine Vergangenheit in Form lästiger Fragen in die Quere kommen, bröckelt die mühsam aufrecht erhaltene Fassade …

Memoiren eines Splatterfans, Teil 2: Dass der erste Teil mich also etwas enttäuscht aus dem Kino entlassen hatte, entpuppte sich für die Rezeption des Sequels als Vorteil. Von falschen Erwartungen frei wohnte ich anno 1998 der Vorstellung im Rahmen des Fantasy Filmfests bei und hatte eine Ferkelsfreud an Yuznas Film. So ganz kann ich das heute nicht mehr nachvollziehen. Auch wenn THE DENTIST 2 beileibe nicht schlecht ist und einen sich an die Grenzen der Zurechnungsfähigkeit spielenden Corbin Bernsen aufbietet, dem man ansieht, wie viel Spaß es ihm bereitet hat, einmal völlig über die Stränge schlagen zu können: Insgesamt ist THE DENTIST 2 doch recht fad und kaum zwingend. Während Yuzna seinen ersten Teil über einen sehr reduzierten und gerade deshalb so effektiven Plot entfaltet, entpuppt sich das Sequel als geradezu umständlich erzählt und wird so seiner eigentlichen Stärken beraubt. Es besteht von Beginn an kein Zweifel daran, dass Feinstones/Crawfords Versuche, ein normales Leben zu führen, zum Scheitern verurteilt sind, sodass das Warten auf den Rückfall keineswegs spannend, sondern im Gegenteil ausgesprochen langweilig ist. Und weil Feinstone die Grenze zum Wahnsinn ja schon einmal beherzt übertreten hat, entfällt auch das Moment, das den ersten Teil so spannend gemacht hat: Er ist kein tragischer Held mehr, der erfolglos versucht, die Fassade der Normalität aufrechtzuerhalten, und selbst am meisten von seinen Schandtaten schockiert ist, sondern ein recht handelsüblicher Serienmörder. Es fehlt einfach die Ambivalenz, der Riss. So kann man sich nur über den allerdings mengenmäßig noch einmal reduzierten Zahnsplatter freuen und eben über Bernsens Leistung. Wenn er am Ende mit blutverschmiertem Gesicht vor seinem Badezimmerspiegel steht und einen hysterischen Lachanfall bekommt, dann ist das die mit Abstand beste Szene des ganzen Films. Der Gute hätte es verdient, dass ihm ein wirklich fähiger Regisseur mal so einen richtig saftigen Part auf den Leib schneidert. Das wird aber wahrscheinlich genauso wenig passieren, wie Yuzna einen dritten Teil seiner Zahnarzt-Reihe dreht. Zumindest letzteres ist wohl auch ganz gut so.

the dentist (brian yuzna, usa 1996)

Veröffentlicht: Dezember 17, 2009 in Film
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Der Zahnarzt Dr. Alan Feinstone (Corbin Bernsen) hat eigentlich alles: eine schicke Villa mit Pool in Beverly Hills, eine attraktive Ehefrau und eine gut funktionierende Praxis. Doch unter der glänzenden Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Feinstone ist verrückt und führt einen unbarmherzigen, aber erfolglosen Kampf gegen den Schmutz, der alles vereinnahmt. Als er seine Gattin beim Sex mit dem Poolboy ertappt, brennen ihm die Sicherungen endgültig durch. Seinen Patienten steht ein ausgesprochen schmerzhafter Tag bevor …

Was waren das noch für Zeiten, als einen die Aussicht auf einen neuen Brian-Yuzna-Film richtig nervös machte, als man sich den THE DENTIST-Slot beim Fantasy Filmfest schon Wochen vorher freihielt und nie auf die Idee gekommen wäre, sich stattdessen etwas anderes anzuschauen. Heute, mehr als zehn Jahre später, kann man nur noch staunen über die Begeisterung, die einem ein Regisseur abringen konnte, der, wenn man ganz ehrlich ist, schon damals keinen einzigen richtig guten Film vorzuweisen hatte. Weil Yuzna es aber fertig gebracht hat, dieses höchst mittelmäßige Niveau seitdem mit unentschuldbaren filmischen Missgeburten wie BEYOND RE-ANIMATOR oder FAUST: LOVE OF THE DAMNED noch radikal zu unterbieten, ist man mit dem (nicht mehr ganz) jugendlichen Splatterfan von einst, der RETURN OF THE LIVING DEAD 3, NECRONOMICON und BRIDE OF RE-ANIMATOR verehrte, fast schon wieder einig. Bezeichnenderweise hat mir THE DENTIST heute dann auch besser gefallen als anno 1996 beim FFF, wo er an der aufgebauten Erwartungshaltung eigentlich nur scheitern konnte. Statt des quietschbunten Gummisplatters, den man von Yuzna gewohnt war und den man bitteschön auch weiterhin von ihm sehen wollte, versucht er sich mit THE DENTIST überraschenderweise an einem kammerspielartigen Psychothriller mit unübersehbaren Hitchcock-Anleihen und einer dominant schwarzhumorigen Note. Seine Effekte sind zwar immer noch überaus drastisch, aber eben deutlich sparsamer über den ganzen Film verteilt als noch in den Vorgängern. Doch diese Mischung funktioniert erstaunlich gut: Die Kamera deutet das unabwendbare Unheil mit ihren verkanteten Blickwinkeln auch in vermeintlich harmlosen Momenten an, Corbin Bernsen brilliert als analfixiertes, arrogantes Arschloch und die Strategie, den Zuschauer mit dem Schurken zu verbünden, sorgt für einige Spannung, weil man sich wieder und wieder dabei ertappt, wie man mit dem Psychopathen mitfiebert, der sich in seinem unkontrollierbaren Wahn immer tiefer in die Scheiße reitet. Weil THE DENTIST mit seinem ganzen Szenario zudem ganz auf Ängste baut, die nahezu jeder Zuschauer teilen dürfte, ist Yuznas Film enorm effektiv, blähen sich die eigentlich sehr kurzen Effektszenen, in denen in Großaufnahme genüsslich in Zähnen und Zahnfleisch geporkelt wird, unwillkürlich zu höllischen Schreckensszenarien auf, die vom allseits beliebten Geräusch eines sirrenden Bohrers angemessen untermalt werden. Ein hübscher kleiner Thriller, den man wiederentdecken darf.