Mit ‘Bruce Campbell’ getaggte Beiträge

the evil dead (sam raimi, usa 1981)

Veröffentlicht: April 22, 2017 in Film
Schlagwörter:, , ,

Es sollte sich mittlerweile rumgesprochen haben: Sam Raimis hierzulande seit 1984 beschlagnahmter Horror- und Splatterfilm-Klassiker ist vor einem knappen Jahr endlich freigegeben worden – und aus gegebenem Anlass in einer üppigen Blu-ray-Edition erschienen. Welchen besseren Grund hätte es geben können, als sich THE EVIL DEAD endlich mal wieder anzusehen? Für critic.de habe ich darüber geschrieben. (Jetzt bitte noch MOTHER’S DAY rehabilitieren!)

army of darkness (sam raimi, usa 1992)

Veröffentlicht: Mai 20, 2013 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Raimis Debüt THE EVIL DEAD ist ein Klassiker des modernen Horror- und Splatterfilms. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die naheliegende Genrezuschreibung verdeckt die viel fundamentalere Erkenntnis, dass er absolut singulär ist (in Kürze mehr dazu anlässlich meines Textes zum aktuellen Remake). Das zeigt sich unter anderem auch in seinem Sequel ARMY OF DARKNESS, einer im Mittelalter angesiedelten Fantasy-Slapstick-Komödie, die nicht nur eine konsequente Fortschreibung der beiden vorangegangenen Teile darstellt, sondern selbst von den höchst konservativen Horrorfans akzeptiert wurde, obwohl er denkbar weit vom ersten Teil entfernt ist.

So sehr Raimi in THE EVIL DEAD und dessen zweitem Teil EVIL DEAD 2: DEAD BY DAWN – eher ein Remake als eine Fortsetzung – auch durch die Motivgeschichte des Horrorfilms wilderte, sich beim Spukhaus-, Backwood-, Zombie-, Besessenheits- und Slasherfilm bediente und dazu heftige Bilder körperlicher Verstümmelungen lieferte: Sein Protagonist Ash (Bruce Campbell) setzte sich mit dem ganzen Körper vor allem dafür ein, dass die Zuschauer den Schrecken auf der Leinwand hemmungslos weglachen konnten. Raimis viel zitierte Einflüsse vom Slapstick der THREE STOOGES über die Cartoons von Tex Avery bestimmen den Ton und überlagern die Splatter-Schweinereien. Lineare Narration tritt zugunsten einer episodischen, nummernhaften Struktur in den Hintergrund: Die EVIL DEAD-Filme gliedern sich in Set Pieces, die meist auf einer einzigen visuellen Idee basieren. So konnte Raimi mit EVIL DEAD 2 ein als Meisterwerk gefeiertes Sequel inszenieren, das noch einmal dieselbe Geschichte erzählte: Er erfand einfach neue visuelle Gags, erhöhte noch einmal das Tempo und polierte die rohe Oberfläches des Originals mit den Mitteln eines höheren Budgets. ARMY OF DARKNESS ist eine konsequente Weiterentwicklung: Zwar erzählt er die Geschichte des großmäuligen Helden wider Willen nun weiter, doch vor allem geht es darum, ein neues Setting für Raimis wüste Ideen und Campbells Verrenkungen zu liefern. Der Regisseur geht ein absurd hohes Tempo, scheißt auf die Regeln herkömmlicher Dramaturgie und die Konstruktion eines gleichmäßigen Spannungsbogens. Es gibt keine Exposition, ledigliche eine kurze, pointierte Rekapitulation der vorangegangenen Ereignisse, dann landet der Zuschauer gemeinsam mit Ash auch schon in medias res, von wo aus es auf schnellstem Weg und ohne Atempause dem Showodown entgegengeht.

ARMY OF DARKNESS ist – wie schon EVIL DEAD 2 – ein bunter Comic Strip mit überbordenden Panels und einem Protagonisten, der mit seiner unwiderstehlichen Mischung aus Dummheit und Maulheldentum eine wunderbare Projektionsfläche für den Zuschauer bietet. Man kann diesen Ash gleichermaßen aus- wie mit ihm lachen, ihm zujubeln, seine Chuzpe beklatschen, sich für ihn schämen und sich ob seiner Verfehlungen mit der flachen Hand vor die Strin schlagen. Man fühlt sich ein wenig wie ein kleines Kind im Kasperletheater ständig dazu berufen, ihn entweder anzufeuern oder zu warnen. Mit ihm wird ARMY OF DARKNESS zur emotionalen Achterbahnfahrt und zum hysterischen Spektakel. Ash ist der Fremdenführer, der den Zuschauer durch das Chaos von Raimis Popkultur-Museum geleitet. Hier wird die Dorothy aus THE WIZARD OF OZ wiedergeboren als Supermarktverkäufer mit delusions of grandeur, der Mittelalter-Schönheiten mit Machosprech aus dem Phrasenbuch von Humphrey Bogart begegnet, aber Schwierigkeiten hat, sich die Formel aus THE DAY THE EARTH STOOD STILL zu merken. Die Dämonen, die er weckt, materialisieren sich als Harryhausen’sche Skelette, die ihren Sinn für Humor den drei Stooges verdanken, Ash auch schon einmal als miniaturisierte Doppelgänger angreifen und ihm die Gulliver-Spezialbehandlung angedeihen lassen, bevor er wie einst Marty McFly zurück in die Zukunft reisen kann. Das ganze endet wie ein Monumentalfilm mit einer gewaltigen Schlacht, bei der Ash die knöchernen Horden mit einem umgebauten Auto ähnlich kompromisslos wegmetzelt wie sein neuseeländischer Kollege Lionel in Peter Jacksons BRAINDEAD aus dem selben Jahr, wenn er sich nicht gerade als prolliger Nachfahre von Errol Flynn gebärdet.

Zusammengehalten wird das von Raimis visuellem Erfindungsreichtum und der erwähnten breakneck speed, die verhindert, dass man sich hier allzuviele Gedanken machen kann. Wer einmal zwinkert, hat bereits etwas verpasst und läuft Gefahr, aus der Kurve zu fliegen. Vor kurzem vernahm ich das Raunen, der Film sei nicht gut gealtert: Klar, einige Effekte wirken heute etwas fadenscheinig und preiswert, die mit Stop Motion realisierte Skelettarmee kommt deutlich weniger zum Einsatz als ich das in Erinnerung hatte und der ganze Film ist ob seiner Anlage superflüchtig und kaum nachhaltig. Aber in den 80 Minuten, die er dauert, bietet er grandioses Entertainment, das ohne Vergleich ist. Heute ist Sam Raimi ja leider sehr im Mainstream angekommen, der seine Ecken und Kanten zugunsten größerer Massentauglichkeit weitestgehend abgeschliffen hat. Was für ein einzigartiger Filmemacher er ist/war, sieht man in den Filmen, die er in den ersten zehn Jahren seiner Karriere zwischen 1981 und 1992 gedreht hat. Damals gab es keinen einzigen Regisseur, der mit ihm vergleichbar gewesen wäre. Und was genau das bedeutet sieht man in ARMY OF DARKNESS, der einen schönen Schlussstrich unter diese  Frühphase setzt. Danach ging es auf zu größeren Aufgaben.

Unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Teils: Die Leiche des Mörders in Polizistenuniform konnte leider nicht geborgen werden, sodass Jack Forrest (Bruce Campbell) und Teresa Mallory (Laurene Landon) mit ihren Behauptungen, bei diesem handelte es sich um den für tot geglaubten Ex-Cop Matt Cordell (Robert Z’Dar), nicht mehr erreichen, als von ihrem Vorgesetzten Edward Doyle (Michale Lerner) an die Polizeipsychologin Susan Riley (Claudia Christian) verwiesen zu werden. Die schenkt ihnen aber genauso wenig Glauben wie der selbst ruppigen Methoden nicht ganz abgeneigte Sean McKinney (Robert Davi). Als jedoch erst Jack ermordet wird und Susan Riley dann selbst der Ermordung Teresas durch einen riesenhaften Polizisten beiwohnt, ändern beide ihre Meinung. Und Cordell hat sich inzwischen einen Vertrauten in Form des Serienmörders Turkell (Leo Rssi) gesucht …

Eigentlich war der Verriss schon geschrieben: Die Sichtung am Freitagabend war nicht so richtig erfolgreich, MANIAC COP 2 schien mir nicht mehr als ein wenig charmanter und vor allem etwas langatmiger Aufguss des Vorgängers. Doch irgendwie wollte ich mich damit nicht zufriedengeben und so habe ich den Film dann nochmal geschaut, mit deutlich besserem Ergebnis. Cohens Script ist ziemlich interessant, weil er der Versuchung, den Maniac Cop zum handlungsarmen Slasher zu machen, das Sequel sozusagen auf Nummer sicher und nach Schablone anzufertigen, widersteht und sich noch stärker am Polizei- und Actionfilm orientiert als im Vorgänger. Cordell mag zwar aussehen wie ein Zombie, aber eigentlich ist er lediglich ein besonders entschlossener Vertreter des von den Vorgesetzten verratenen Vollblut-Cops, der so oft im Zentrum des reaktionären Copfilms steht und der hier nun einen besonders teuflischen Racheplan in die Tat umsetzt. In der Gegenübersellung mit dem soziopathischen Turkell kann der Zuschauer mehr als nur ein bisschen Sympathie für den hintergangenen Polizisten entwickeln, in der Figur des McKinney steht ihm ein Mann auf der Seite der Guten gegenüber, der in der Interpretation seines Jobs wohl selbst das ein oder andere Mal Gefahr läuft, so zu enden wie sein Kollege. Und wie man das von Cohen und Lustig erwarten durfte, wird New York als schmutziger Moloch gezeichnet, in dessen Schatten übles Kroppzeug gedeiht und seinen Rachefantasien auf die Gesellschaft, die sie hat fallen lassen, nachgeht, bis die Fantasie allein nicht mehr ausreicht. Die Stadt steht kurz vor der Amtszeit von Rudolph „Rudy“ Giuliani immer noch vor dem Bürgerkrieg. MANIAC COP 2 behält den dystopischen Tenor des ersten Teils also bei und findet seinen Höhepunkt in einem an THE TERMINATOR erinnernden Überfall Cordells auf ein Polizeirevier, bei dem die Polizisten fallen wie die Fliegen.

Abgerundet wird der Film durch eine Besetzung, nach der sich jeder Fan des Genrekinos die Finger lecken dürfte: Neben den bereits Aufgezählten – Campbell bleibt erneut blass und erhält nach drei Szenen die Quittung dafür – tummeln sich Leute wie Charles Napier, Clarence Williams III, Danny Trejo, Sam Raimi und Marco Rodríguez (der Supermarkt-Psycho aus COBRA) in Klein- und Kleinstrollen und die Entscheidung, Robert Davi in der Hauptrolle zu besetzen, kann ich gar nicht hoch genug bewerten (ich mag den Mann einfach). Der Gewinner des Films ist aber eindeutig Leo Rossi, der normalerweise auf Mafiosi im Anzug oder ähnliche Typen abonniert ist und den ich mit wildem Lockenkopf und von einem dichten Vollart zugewuchterten Gesicht überhaupt nicht erkannt habe. Addiert man nun noch den Score von Jay Chattaway und die spektakulären Stunts hinzu, die so manchen Hollywood-Film in den Schatten stellen, dann gibt’s an MANIAC COP 2 nun definitiv nichts auszusetzen. Keine Ahnung, was mich da am Freitag geritten hat.

In New York werden unbescholtene Bürger ausgerechnet von jemandem umgebracht, der sie eigentlich beschützen sollte: einem Polizisten. Der ermittelnde Frank McCrae (Tom Atkins) hat den Verdacht, dass der Mörder sich nicht bloß als Cop verkleidet hat, sondern tatsächlich aus den Reihen des NYPD kommt. Der Verdacht fällt zunächst auf Jack Forrest (Bruce Campbell), dessen Gattin ermordet wurde, nachdem sie ihren Mann im Bett einer anderen Frau erwischt hat. Doch auch nach Jacks Inhaftierung reißt die Mordserie nicht ab. Die Spur führt zu dem wegen seiner Methoden verurteilten Ex-Cop Matt Cordell (Robert Z’Dar), doch der sollte eigentlich längst tot sein …

MANIAC COP hat es zwar auf immerhin zwei Sequels gebracht, deren Existenz ja schon als Indikator dafür fungiert, dass Regisseur Lustig und Drehbuchautor Cohen einen Nerv beim Horror-Publikum getroffen hatten. Der Maniac Cop Matt Cordell hat seinen Platz im Pantheon der in den Achtzigerjahren so populären Slasherfiguren sicher, auch wenn er sich dort mit einem der billigeren Plätze zufrieden geben muss. Ich fand ja schon immer, dass der Film sein Potenzial nicht ganz ausschöpfen, die Erwartungen, die an eine Zusammenarbeit von Lustig und Cohen zwangsläufig geknüpft werden müssen, nicht ganz erfüllen kann und diese Meinung hat sich auch bei dieser ersten Sichtung seit einigen Jahren wieder bestätigt: Aber irgendwie macht ihn auch gerade das für mich so liebenswert und hebt ihn von den zahlreichen anderen seriellen Filmkillern, die die Willkommensfreude im Laufe ihrer zahlreichen Wiederauferstehungen gnadenlos überstrapazierten, positiv ab.

Cohens finstere Story um einen No-Nonsense-Cop, der für sein hartes Durchgreifen bestraft wird und es im Gefängnis schließlich mit genau jenen Subjekten zu tun bekommt, die er zuvor mit der Macht des Gesetzes ausgestattet drangsaliert hatte, daraufhin für tot erklärt wird, nur um dies dann für einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Polizei zu nutzen, ist ohne Zweifel von der aufgeheizten Stimmung im New York der Prä-Giuliani-Ära mit ihrem Zero-Tolerance-Großreinemachen geprägt (und darüber hinaus eine schlagfertige Überspitzung der Tough-Cop-Filme der Siebzigerjahre). Cohen – einer der essenziellen New-York-Filmemacher – verfügt über ein ausgezeichnetes Gespür dafür, soziale Missstände und die aus diesen resultierenden Ängste der Stadtmenschen zum Ausgangspunkt für seine potenten, doppelbödigen und intelligenten, niemals aber verkopften Genrefilme zu machen, und auch MANIAC COP ist da keine Ausnahme: Was wäre, wenn sich in einer Stadt, in der die Straßen nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch gefahrlos zu betreten sind, ausgerechnet ein Polizist als größte Bedrohung entpuppte? Lustig setzt diese Angst in der ersten Hälfte des Films, die eben fast ausschließlich nachts spielt, sehr effektiv ins Bild, verzeichnet die Straßen Manhattans ganz im Sinne des düsteren Crime- und Selbstjustiz-Thrillers  seines Jahrzehnts zum Kriegsschauplatz (hier müssen Lustigs VIGILANTE und MANIAC unbedingt genannt werden). Man merkt dem Film in jenen Szenen an, dass seine Urheber mit Leib und Seele New Yorker  sind: Der Film erreicht eine Intimität und Authentizität, die durchaus bemerkenswert und keineswegs selbstverständlich ist. Selbst eigentlich unspektakuläre Füllszenen – ein Dialog zwischen McCrae und seinem Kollegen Ripley (William Smith) in einer schummrigen Bar – geraten so unverhofft zum Kern eines Horrorfilms, der mit dieser Etikettierung reichlich unterbewertet ist.

Es ist dann auch die überwiegend mit Plotabwicklung beschäftigte zweite Hälfte des Films, die ihm eines Teils seiner Wirkung wieder beraubt. Wenn der Täter enttarnt ist, mit McCrae plötzlich gar der bisherige Protagonist abtreten muss und Lustig ganz zur Hatz auf das Monster übergeht, die vorher gesichtslose Bedrohung mithin konkretisiert, gliedert sich der Film ins generische Maniac-on-the-loose-Subgenre ein, das eher mit Vordergründigkeiten beschäftigt ist. Vor allem zeigt sich aber in dieser zweiten Hälfte, warum Bruce Campbell nie den Sprung nach ganz oben geschafft hat und seine Brötchen wohl bis ans Ende aller Tage mit langweiliger Selbst- bzw. Ash-Kopie oder selbstreflexiver Fanboy-Fütterung wie MY NAME IS BRUCE fristen wird: Als straighter Held, der keine Gelegenheit zu Slapstick-Verrenkungen erhält, bleibt er vor allem im Vergleich mit Atkins fürchterlich blass. Die in der zweiten Hälfte von MANIAC COP vollzogene enttäuschende Entwicklung lässt sich also ganz explizit an ihm festmachen. Dennoch: Die genannten Stärken von Lustigs Film reichen aus, ihm einen Platz in meinem Herzen einzuräumen. Und ein Film, der sein Versprechen nicht ganz einlösen kann, ist mir immer noch lieber als einer, der erst gar keins macht, das er brechen könnte. Ach ja: Teil 2 und 3 sind bestellt, ick freu mir!

Der Wissenschaftler David Harrison (Jim Metzler) reist mit seiner Familie in das kleine Wüstenkaff Purgatory, wo er an der Produktion eines Blutersatzes auf Pflanzenbasis mitarbeiten soll. Was David nicht weiß: Hinter dem Projekt verbirgt sich Jozek Mardulak (David Carradine), ein Vampir, der hofft, dass seine Rasse in Einklang mit den Menschen leben wird, wenn sie nicht mehr auf deren Blut angewiesen ist. Die Vampire, die die gesamte Bevölkerung von Purgatory stellen, haben sich mithilfe von Sonnenbrillen, -hüten und extrastarker Sonnenmilch zumindest schon gegen das Sonnenlicht immunisiert, doch so ganz können sie von ihren Trieben noch nicht lassen. Und deshalb formiert sich unter den Vampiren offener Widerstand gegen Mardulaks Pläne …

Ich hatte hier anlässlich von WAXWORK und WAXWORK II schonmal über Hickox schwadroniert. SUNDOWN war mir zwar bekannt, aus mir unerfindlichen Gründen hatte ich ihn aber bislang immer als vernachlässigbar einsortiert. Diese Verfehlung hat aber auch ihr Gutes, denn so bin ich gestern in den Genuss gekommen, ihn zum ersten Mal sehen zu dürfen. Und was war das für ein Genuss! SUNDOWN ist nicht nur enorm einfallsreich, witzig, geistreich, originell und mit Schauspielern wie Bruce Campbell, Deborah Foreman, M. Emmet Walsh, John Ireland und TWIN PEAKS-Star Dana Ashbrook überaus gut besetzt, sondern darüber hinaus auch noch eine absolute Augenweide. Dank einer eleganten Kameraführung und des Scopeformats erblüht Hickox‘ Westernhommage im Vampirfilmgewand in voller Pracht und erscheint deutlich größer, als sie eigentlich ist. Das beginnt schon bei der schön animierten (und kein bisschen antiquiert wirkenden) Titeleinblendung und setzt sich bei der spektakulär eingefangenen Naturkulisse – SUNDOWN wurde unter anderem im Arches National Park in Utah gedreht – fort. 

Solche ästhetischen Reize nützten natürlich nix, wenn Hickox nicht auch eine schöne Geschichte zu erzählen hätte, mit der er seiner Zeit zudem gute zehn Jahre voraus war. Beschäftigt man sich im Vampirfilm seit BLADE häufiger mit der Frage der Resozialisation der Vampire, so betrat Hickox damit Ende der Achtzigerjahre, als der Horrofilm sich in eine Phase der Stagnation befand, Neuland. Und er schlachtet seine Prämisse längst nicht nur für visuelle Einfälle (man denke etwa an die drei Vampire von der Tankstelle) aus, sondern hat dabei durchaus Relevanz zu bieten. Es ist doch offenkundig, dass es in SUNDOWN nur an der Oberfläche um Vampire geht, darunter aber vor allem um eine Konservatismus-vs.-Fortschritts-Diskussion um Integration des „Anderen“ und die Probleme, die diese bereitet (womit er zudem beängstigend aktuell ist): Mardulak will die friedliche Koexistenz von Mensch und Vampir, die aber eben an die Bedingung geknüpft ist, dass der Mensch von letzterem nichts mehr zu befürchten hat. Und das setzt wiederum einen Sinnes- und Lebenswandel der Vampire voraus, zu dem diese längst nicht alle bereit sind, weil er gegen ihr „Wesen“ verstoße. Auch dass Hickox diese Geschichte vor dem Hintergrund alter Westernfilme austrägt, ist längst nicht nur Gimmick: In SUNDOWN geht es um einen Aufbruch zu neuen Ufern, zur Überschreitung einer bis dato festen, unüberwindlichen Grenze und die Begründung einer neuen Zivilisation: mithin um die Kernthemen des Westerns. Und wie in diesem ist der Prozess der Zivilisation leider mit Opfern verbunden. Auch deshalb kann man SUNDOWN durchaus kritisch diskutieren, denn es muss sich ja vor allem eine Seite – die der Vampire – anpassen und wer von ihnen keine Lust darauf hat, muss eben gewaltsam weichen. Auch der Schlussgag, der ziemlich plakativ zeigt, dass die „neuen“ Vampire jetzt tatsächlich „angekommen“ sind in der Gemeinschaft der Menschen, ist eigentlich nur in einem Genre entschuldbar, das von Scharzweißmalerei, einer gewissen Simplifizierung und einem Reaktionismus geprägt ist, dessen Aussagen mithin von vornherein nicht eins zu eins auf komplexe Sachverhalte angewendet werden können. Insofern ändert dieser Kritikpunkt – so man ihn als solchen empfindet – auch nichts an meinem Urteil, stützt es sogar noch, weil er mit dazu beiträgt, dass SUNDOWN auch über seine rasanten 90 Minuten hinaus beschäftigt: Ein völlig unterschätzter Film und sehr wahrscheinlich Hickox‘ bester.

A Nyomozó (Ungarn 2008 )
Regie: Attila Galambos

Der ungarische Pathologe Tibor (Zsolt Anger) lebt ein ereignisloses Leben: Ohne Freunde ist seine einzige Kontaktperson seine Mutter, die allerdings mit Knochenmarkskrebs im Krankenhaus und im Sterben liegt. Eine schwedische Stiftung soll die Operation finanzieren, lehnt aber aufgrund der Mittellosigkeit Tibors ab. Da kommt ihm ein merkwürdiger Mann, der sich „Zyklop“ nennt und Tibor einen Auftragsmord anbietet, gerade recht. Doch am Tag nach dem kaltblütig ausgeführten Mord hat Tibor einen Brief des Toten im Briefkasten und in diesem stellt er sich als verschollener Halbbruder vor. Tibor gerät in den Blick der Polizei und muss nun auf eigene Faust ermitteln …

Galambos gelingt mit A NYOZÒ ein wunderbar lakonischer Film Noir, der durch seinen ungewöhnlichen Helden und die ebenso fahle wie beschwingte Atmosphäre besticht. Tibor ist ein Antiheld wie er im Buche steht: Als Sonderling, der mit dem Tod besser vertraut ist als mit Menschen, lebt er sein ereignisloses Leben bis eben genannter Mordfall und die Kellnerin Edit (Judit Rezes) Abwechslung bringen. Dann wächst Tibor schließlich über sich hinaus, wäscht nicht nur seinen Namen rein, sondern kriegt auch die Frau, an der er am Schluss seine in jahrelanger Routine perfektionierten Schminkkünste ausprobieren darf. A NYOZÒ ist einer dieser Filme, für die man aufs Fantasy Filmfest geht: Ein leiser, kleiner, unspektakulärer Film, den man unter anderen Umständen niemals gesehen hätte, den man nun aber nicht mehr missen möchte. Schön.


Hvordan vi slipper af med de andre (Dänemark 2007)
Regie: Anders Ronnow Klarlund

Während die braven Bürger Dänemarks im Sommerurlaub weilen, räumt die Regierung das Land ordentlich auf: Weil man herausgefunden hat, dass ein Großteil der Steuereinnahmen zugunsten sozialer Abgaben an Arbeitslose, Behinderte, Drogenabhängige und Kriminelle verpulvert wird, die im Gegenzug keinen produktiven Beitrag leisten, werden alle solchermaßen „Verdächtigen“ in Schulen zusammengepfercht und nach einer kurzen Befragung über ihre Rolle in der Gesellschaft exekutiert. Unter den neuen Kandidaten befindet sich auch Sidse (Louise Mieritz), eine Widerstandskämpferin. Und was niemand weiß: Sie arbeitete vorher für die andere Seite …

In dieser bitteren Groteske zeichnet Klarlund nicht weniger als den Untergang der westlichen Sozialstaaten. Um diese weiter finanzieren zu können, müssen nun nämlich gerade jene Menschen weichen, die sie am dringendsten benötigen, sie aber nach Ansicht der Regierung nicht mehr verdienen. HVORDAN VI SLIPPER … der im Titel die Frage stellt „Wie werden wir die anderen los?“ zeigt, was passiert, wenn das typische BILD-Zeitungs-Genörgel über „Sozialschmarotzer“ reale Konsequenzen nach sich zöge. Nun muss jeder beweisen, dass er ein guter Bürger ist: Ein nahezu unmögliches Verfahren, wie die Opfer erfahren müssen. HVORDAN VI SLIPPER … wurde vom Filmfest-Katalog wieder einmal als grelle Komödie beworben, was m. E. einer krassen Fehleinschätzung gleichkommt. Das Lachen bleibt schnell im Halse stecken, das Gezeigte nimmt die Züge einer gleichermaßen absurden wie beängstigend umsetzbaren Dystopie an, die eher erschütternd anzusehen ist. Das ganze Ausmaß der Aktionen der europäischen Staaten – es wird erwähnt, dass auch andere Länder dem dänischen Vorbild folgen und Internierungslager zur Aussortierung „Asozialer“ betreiben – wird am Schluss deutlich, wenn dänische Flüchtlinge nach Afrika fliehen, das innerhalb weniger Jahre zum zweiten Mal nach CHILDREN OF MEN als Hoffnung und Neuanfang fungiert – eine Idee, die auch der mit afrikanischer Volksmusik durchsetzte Soundtrack repräsentiert. HVORDAN VI SLIPPER … ist ausgezeichnet und eignet sich gut für ein Double Feature mit dem norwegischen KUNSTEN A TENKE NEGATIVT, der ebenso die Schrecken der Leistungsgesellschaften porträtiert und so etwas wie die Vorstufe zu Klarlunds Film darstellt.


Jack Brooks: Monster Slayer (Kanada 2007)
Regie: Jon Knautz

Klempner Jack (Trevor Matthews) hat ein Problem: Seitdem er als Kind hilflos mitansehen musste, wie seine Familie von einem Monster ermordet wurde, leidet er unter unkontrollierbaren Aggressionen, die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Als sein Abendschullehrer, Professor Crowley (Robert Englund), aber einem uralten Fluch zum Opfer fällt und sich in ein gefräßiges Monstrum verwandelt, beschließt Jack, sich seinen Ängste zu stellen und den Kampf zu suchen …

Knautz drehte mit JACK BROOK: MONSTER SLAYER einen unschuldig-oldschooligen Horrortrashfilm, der mit seinem liebenswürdig gezeichneten Protagonisten zu punkten versteht. Eigentlich ist Knautz‘ Film ein ausgesprochener Genrebastard, der Action-, Fantasy- und Splatterelemente vereint und in das dramaturgische Gewand einer „Origin Story“ hüllt, das man vor allem durch zahlreiche Comicverfilmungen kennen gelernt hat. Somit ist der Titel etwas irreführend: Denn der titelgebende „Monster Slayer“ wird Jack erst zum Schluss des Films, der dann auch gleich das Sequel ankündigt, das ich ausgesprochen gern sehen würde. Von anderen vergleichbaren Filmen hebt sich JACK BROOKS: MONSTER SLAYER ausgesprochen positiv ab, weil er sich nicht in hysterischem Übereifer in hohlen Zoten und unmotiviertem Gesplatter verliert, sondern sich Zeit für den Aufbau und die Entwicklung seiner Gags lässt. Hinzu kommen die sympathischen Darsteller und die herrlich altmodischen Effekte. Billige CGI sucht man vergebens, dazu wird die Tradition des Mannes im Gummianzug auf sehr liebenswerte Art und Weise wiederbelebt. Die DVD ist schon gekauft.


Martyrs (Frankreich/Kanada 2008 )
Regie: Pascal Laugier

Der kleinen Lucie gelingt die Flucht: Mehrere Tage wurde sie in einem baufälligen Fabrikgebäude gefangen gehalten und gequält. 15 Jahre später hat sie ihre Peiniger gemeinsam mit ihrer Freundin Anna ausfindig gemacht und richtet ein Blutbad an. Aber ihr Martyrium ist noch nicht beendet …

MARTYRS wurde von der Festivalleitung mit großen Worten angekündigt, die eigentlich nicht mehr nötig waren. In Cannes bekam MARTYRS, der für das französische Kabelfernsehen produziert wurde, den Ruf des Skandalfilms weg, der nun mit kolportierten Geschichten über kollabierte Zuschauer und Verbotsforderungen unterfüttert und bestätigt werden sollte. Nein, MARTYRS sei mitnichten ein affirmativer Splatterspaß, sondern the real deal, große Kunst, Ende und Anfang des Kinos gleichermaßen. Nach den 90 Minuten MARTYRS muss da jeodch Entwarnung gegeben und Einiges relativiert werden: Laugiers Film ist ein eiskalt kalkulierter Schocker, dessen revolutionärer Zug wohl sein soll, dass er sich gar nicht mehr die Mühe macht, seine breit ausgewalzten Bilder von Schmerz und Pein in einen breiteren narrativen Kontext einzubinden. Wer sich in seinem Interesse für das Horrorgenre aber auch einmal jenseits des Tellerrands umgesehen hat, wird wissen, dass das längst nichts Neues mehr ist (dass MARTYRS am Schluss an eine gemäßigte Version des berüchtigten Foltersegments aus der GUINEA PIG-Reihe erinnert, spricht Bände). Aber Laugier hat mit MARTYRS natürlich den Kniff gefunden, mit dem er den Schabernack zu legitimieren sucht: Schließlich geht es hier ja um das Martyrium und das soll mit den Protagonistinnen eben auch der Zuschauer durchleiden. Warum, wird am Ende auch erklärt, doch mutet diese Erklärung angesichts des auf Provokation gebügelten Rests doch etwas halbgar an. Das Problem an MARTYRS ist sicherlich, dass er seiner geschliffenen Form keinerlei Inhalt, keinerlei Relevanz entgegenzusetzen hat. Im Gegenteil: Nach 60 Minuten gibt es eine harte Zäsur, kippt der Film mit der Einführung einer hinter der Folter steckenden Geheimorganisation aus alternden Bonzen in reaktionären Kintopp um, der die ersten beiden Drittel des Films nahezu ad absurdum führt, bevor es die schicke Pointe am Schluss gibt, die MARTYRS zum schönen Päckchen schnürt. Letztlich ist dieser Film kein visonäres Stück Filmkunst, sondern konventionell erzähltes Genrekino, dass wohl nur Unbedarfte so zu treffen vermag, wie es die Gerüchteküche berichtet. Dass die französische Kultusministerin die verhängte 18er-Freigabe zugunsten einer Freigabe ab 16 gekippt hat, spricht Bände hinsichtlich seines angeblich verstörenden Gehalts. Nichts wird so heiß gegessen wie es auf den Tisch kommt; das gilt auch für diesen Film, den man sich genau einmal anschauen sollte, um festzustellen, dass die „neue Härte“ des Horrorfilms auf dem besten Wege ist, zum alten Hut zu werden.


My Name is Bruce (USA 2007)
Regie: Bruce Campbell

Das kleine ehemalige Goldgräberstädtchen Gold Lick wird von einem alten chinesischen Dämon namens Guandi heimgesucht, der die Seelen der einst in einer Mine verschütteten chinesischen Arbeiter rächen will und sich daran macht, die Bevölkerung zu dezimieren. Doch der junge Jeff weiß Rat: Er ist riesiger Bruce-Campbell-Fan und als solcher der Meinung, sein Idol könne helfen. Kurzerhand entführt er den abgewrackten Filmstar. Doch der ist der Meinung, alles sei nur ein Spiel …

Man muss gar nicht viel schreiben über MY NAME IS BRUCE: Der Film ist eine One-Man-Show Campbells, der sich selbst als eine Realversion seines Helden Ash aus der EVIL DEAD-Reihe spielt. Campbell ist großmäulig und unverschämt, aber vor allem unglaublich feige. Seine Karriere ist ein Witz, der sich in schundigen Produktionen wie der bulgarischen Koproduktion der „Cave Alien“-Sequels perpetuiert. Statt einer Villa in Beverly Hills lebt der Held in einem winzigen Trailer irgendwo im Nichts, sein Auto ist eine Schrottlaube, die Exfrau will mehr Geld, die Schränke sind gefüllt mit halb ausgetrunkenen Schnapsflaschen. Außer ihm selbst hält niemand etwas von ihm: Als „unwiderstehlicher“ Aufreißer bekommt er eine Abfuhr nach der anderen. MY NAME IS BRUCE stellt seinen Helden und den Kult um diesen ganz ins Zentrum eines mit In-Jokes und Referenzen gespickten Films, der sonst natürlich arg unausgegoren ist. Aber das ist eigentlich auch egal, denn die Sprüche und Gags sitzen und dürften all jene, die sich wünschten, Campbell häufiger zu sehen, zufriedenstellen. Der liefert eine absolute Glanzvorstellung ab und der Spaß, den die Beteiligten offenkundig hatten, überträgt sich ohne Reibungsverlust auf den Zuschauer. Eine runde Sache, in der Ted Raimi in drei Rollen auftritt.