Mit ‘Bruce Payne’ getaggte Beiträge

Der Partner von Max Dire (Mario van Peebles) sprach eben noch davon, den Polizeidienst zu quittieren, zu heiraten und ein neues Leben zu beginnen, da wird er bei einem Einsatz brutal niedergeschossen und ohne große Überlebenschancen ins Krankenhaus eingeliefert. Umso erstaunter ist Max, als der Partner wenige Tage später nicht nur vor ihm steht, als sei nichts passiert, sondern er in der Ausübung seines Dienstes plötzlich einen fast übermenschlichen Ehrgeiz an den Tag legt, der nichts von seinen vorherigen Bekundungen mehr erkennen lässt. Das ungute Gefühl Max‘ findet seine Bestätigung, als der Partner sich schließlich wieder nur einige Tage später öffentlich erschießt. Der geschockte, trauernde Cop wird daraufhin vom Psychologen Adam Garou (Bruce Payne) angesprochen: Er lädt Max in eine von ihm geleitete „Selbsthilfegruppe“ ein. Doch diese entpuppt sich bald als mehr als das, nämlich eine Art Spezialeinheit, in der ein von Garou entwickeltes Serum zum Einsatz kommt, dass die Polizisten in unbesiegbare Kampfmaschinen verwandelt …

Mal wieder eine kleine Nostalgiestunde: FULL ECLIPSE – vom einstigen Genrespezialisten Anthony Hickox fürs amerikanische Pay-TV inszeniert – reifte Mitte der Neunzigerjahre bei seiner deutschen Videoveröffentlichung zum kleinen Kulthit heran, der bei mir sehr hoch im Kurs stand. Grund für meine Begeisterung waren die hübsch pulpige Verbindung von Horror- und Polizeifilm, das dadurch bedingte Nebeneinander von blutigen Schießereien, die der damaligen Mode entsprechend an Meister Woos artistischen Bullet Ballets angelehnt waren, und splatterigen Werwolfeinlagen, aber auch die hübsche Besetzung: Mario van Peebles ging so eben noch als Quasi-Actionstar durch, Patsy Kensit sah man als Heranwachsender immer gern und Bruce Payne zählte damals zu meinen ausgesprochenen Lieblings-Schurkendarstellern. Ich war bei der Wiederbegegnung auf handfeste Ernüchterung eingestellt, ja, hatte diese eigentlich fest eingeplant. Mir war klar, dass der Film heute nicht mehr ganz so unmittelbar kicken konnte, wie er das vor nunmehr fast 20 Jahren tat: Die Trends haben sich ebenso verändert, wie die Möglichkeiten der Darstellung und FULL ECLIPSE war ja nun eben keine Multimillionen-Dollar-Kinoprodution, die damals Maßstäbe hinsichtlich ihrer Effekte gesetzt hätte, sondern ein bescheidener Fernsehfilm, der vor allem durch seine Attitude punkten konnte. Und ich bin keine 17 mehr und deutlich weniger begeisterungsfähig als damals. Umso größer mein Erstaunen darüber, dass ich FULL ECLIPSE immer noch sehr unterhaltsam finde. Na klar, die Shootouts reißen heute niemanden mehr vom Hocker, sind mit ihren beidhändig schießenden Hechtsprüngen durchaus ein bisschen albern und der Film wirkt heute noch etwas kleiner und billiger als damals. Aber das Wesentliche bleibt von diesen heute sichtbaren Mängeln unangetastet: Hickox‘ Film macht einfach Spaß, er ist schön kurzweilig und er pflegt einen überaus sympathischen Umgang mit seiner inhärenten Blödheit: Er zieht sein Ding sehr straight durch und lässt nur in ganz kurzen Augenblicken erkennen, dass er selbst in on the joke ist, anstatt sich in selbstdistanzierendem Wink-wink, nudge-nudge zu ergehen. Da gibt es etwa diesen einen sehr geilen, sehr komischen Moment: Adam Garou und seine Werwolf-Spezialeinheit haben soeben ein Sprengstoff-Attentat überlebt und marschieren in einer dieser mit pathetischer Musik unterlegten Zeitlupenszenen in das Polizeipräsidium. Mit ihren zerrissenen Klamotten und den geschwärzten Gesichtern ziehen sie sofort die Blicke der umstehenden und -sitzenden Kollegen und der anwesenden Zeugen und Verdächtigen an: Alle sehen für einen Augenblick von ihrer Tätigkeit ab und verfolgen gebannt, was diese illustre Gruppe im Sinn hat. Die anderen im Schlepptau tritt Garou zum Schalterbeamten, knallt ein abgerissenes Lenkrad auf das Pult und sagt mit einem selbstbewussten Grinsen: „Wir brauchen ein neues Auto.“ – Das ist kein besonders origineller Spruch und auch keine wirklich einfallsreiche Auflösung der Szene, aber sie trifft dennoch ins Schwarze, weil Hickox sie ganz trocken runterinszeniert. Man merkt fast gar nicht, dass das ein Witz ist. Ich kann mir richtig vorstellen, wie zeitgenössische Regisseure den One-Liner damit eingeleitet hätten, dass die Musik mit einem „Kratzer“ verstummt wäre, Garou seine Witz in die neue Stille hineingesagt hätte, damit man ihn auch bloß nicht verpasst. Oder dass die Kamera dazu ruckartig an ihn herangezoomt hätte, er den Spruch im Stile eines Clint Eastwood ins Objektiv gegrummelt hätte . Nichts davon hier. Eher noch hat man den Eindruck, dass Bruce Paynes verschmitztes Lächeln von seiner Belustigung über die Szene herrührt und absichtlich dringelassen wurde. Wie gesagt: sympathisch.

Was mir diesmal mehr als damals aufgefallen ist: FULL ECLIPSE bedient sich ikonografisch recht dreist bei den X-Men und da natürlich vor allem beim Design Wolverines. Die erste Verfilmung der Comicserie sollte erst gut sechs Jahre später erscheinen und es ist mehr als fraglich, ob Singer als Vorbereitung darauf ausgerechnet diesen kleinen Pay-TV-Fernsehfilm gesehen hat. Die Szenen, in denen die Spezialeinheit in vollem Werwolf-Look und in Body-Suits im Mondschein herumpost, weckt allerdings mehr als nur leise Assoziationen. Sehr wahrscheinlich ist es eher umgekehrt: Mit der seit damals gewonnenen Kenntnis dutzender Superhelden-Comicverfilmungen sieht auch FULL ECLIPSE heute so aus wie eine von diesen. Früher war es einfach nur ein merkwürdiger Genrehybrid ohne große Vorbilder, heute sieht man in seiner Dramaturgie zahlreiche Parallelen zu den modernen Marvel-Filmen. FULL ECLIPSE erzählt demnach so etwas wie die Origin Story von Max Dire, dem Werwolf-Polizisten, und das Ende deutet dessen kommenden Abenteuer an, in denen er seine Eigenschaften dann für das Wohl der Menschheit einsetzt. Schade, dass nie ein Sequel gedreht wurde. Das hätte mir – wie FULL ECLIPSE auch – wahrscheinlich besser gefallen als alle X-Men-Filme zusammen.

Der drifter Ian (Brendan Hughes) wartet in einem verschlafenen Nest auf die Ankunft des Wanderzirkus von Harker (Bruce Payne): Dessen Hauptattraktion ist die umfangreiche Freakshow, der auch Ian bald einverleibt wird. Er ist nämlich ein Werwolf – und hat eine Rechnung mit Harker zu begleichen …

Der bislang letzte Teil der spektakulär unzusammenhängenden HOWLING-Reihe – die deutsche Titelschmiede potenzierte die Konfusion noch mit ihren absurden Titelkreationen – ist nach dem doch eher ernüchternden HOWLING V: THE REBIRTH wieder ein Schritt in die richtige Richtung. Perellos Film hat ordentliche Production Values, ist gut besetzt – etwa mit Bruce Payne, der in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre zu sowas wie dem B-Movie-Gary-Oldman avancierte und mit seinem dekadent-aristokratischen Gestus einige wirklich hassenswerte Schurkenrollen spielte, und Antonio Fargas, dem Huggy Bear aus STARSKY & HUTCH – und hat mit der Freakshow zudem ein ebenso stimmungsvoll-nostalgisches wie originelles Setting (und eines, mit dem man bei mir immer punkten kann, siehe GHOULIES II), das dem Film einen harten Fantasy-Einschlag verleiht und ihn in motivische Nähe zu etwa Tod Brownings FREAKS und George Pals THE SEVEN FACES OF DR. LAO rückt; nicht die schlechtesten Referenzen für ein DTV-Horrorsequel aus einer Zeit, als das Genre nur noch wenig beklatschenswertes hervorbrachte. Zwar ist das Werwolfthema wie schon im Vorgänger auch hier nicht viel mehr als eine Fußnote, aber es gibt sowohl die schmerzhaften Verwandlungsszenen als auch einige durchaus ansehnliche Make-up-Effekte, sodass man sich als Horrorfan nicht total verprellt fühlen muss. Dass es zum ganz großen Wurf trotzdem nicht reicht, liegt zum einen am wohl zugunsten einer apokalyptischen Stimmung arg verschleppten Erzähltempo und an einer gewissen Vorhersehbarkeit: Die finale Konfrontation erwartet man ab der ersten Minute des Films und der Konflikt, der hinter ihr steckt, wird leider nicht wirklich mit Leben gefüllt. Mit knapp 100 Minuten ist HOWLING VI: THE FREAKS zudem einfach einen Hauch zu lang geraten: Die vorhandenen guten Ideen und Szenen werden mit läppischem Füllmaterial und langgezogenen Passagen neutralisiert, ihr Effekt verwässert. Trotzdem: ein sehr respektabler Abschluss einer Reihe, die man am besten als willkürliche Verbindung für sich stehender Filme rezipiert.