Mit ‘Bruno Mattei’ getaggte Beiträge

zombie_flesh_eaters_2ZOMBI 3 ist ein stinkender Haufen madenverseuchten Unrats und der mit Abstand schlechteste in Fulcis über 50 Titel umfassender Filmografie. Wenigstens darüber gibt es keine Diskussion, denn ansonsten ranken sich Kontroversen um diesen Film. Wahrscheinlich in der Hoffnung, wenigstens noch einmal großen Reibach machen, erklärte Fulci sich auf Anfrage von Produzent Franco Gaudenzi bereit, auf den Philippinen ein Sequel zu seinem eigenen, zehn Jahre zuvor entstandenen ZOMBI 2 zu inszenieren. Doch vor Ort ging es mit dem Gesundheitszustand des seit seiner Hepatitis-Infektion höchst labilen Regisseurs schnell bergab und er musste schließlich die Heimreise antreten. Bruno Mattei, der im Jahr zuvor mit Gaudenzi vor Ort bereits DOUBLE TARGET, ROBOWAR – ROBOT DA GUERRA und COP GAME gedreht hatte, sprang ein und „beendete“ den Film auf seine ihm eigene unnachahmliche Art (Gaudenzi und Mattei blieben sich auch danach treu: In einer aus Stahl geschmiedeten Ehe machten sie zusammen noch TRAPPOLA DIABOLICA, den unfassbaren TERMINATOR II, NATO PER COMBATTERE und DESIDERI). Fulci war ob des Resultats schockiert und versuchte verzweifelt, jeden Hinweis auf seine Beteiligung an dem Film zu tilgen, was ihm aber leider misslang. Mattei hingegen behauptete, nur ca. 40 % von ZOMBI 3 inszeniert zu haben. Es gibt eigentlich keinen Grund, ihm nicht zu glauben: In Matteis Filmografie tummelt sich so viel ehrfurchtgebietender Schrott, da hätte eine weitere Ranzgurke kaum einen Unterschied gemacht. Warum sollte er ausgerechnet die Urheberschaft für ZOMBI 3 leugnen, wenn er auch kein Problem damit hatte, für all die anderen Zelluloidmonstren mit seinem bürgerlichen Namen geradezustehen? Der immer noch klangvolle Name „Fulci“ aber versprach eine Aufmerksamkeit, die Mattei allerhöchstens geschmacksverwirrte Pennbrüder und syphilitische Prostituierte, denen er noch Geld schuldete, entgegenbrachten.

Tatsächlich trägt ZOMBI 3 alle „Markenzeichen“ eines Mattei-Films aus jener Epoche: Er wurde, wie schon erwähnt, auf den Philippinen gedreht und von Partner in Crime Claudio Fragasso geschrieben, verfügt über einen Synthiescore (hier von Stefano Mainetti) sowie Zombies, die mal traurig herumschlurfen, dann wieder rennen und springen und darüber hinaus aussehen, als hätte man ihnen Scheiße ins Gesicht geschmiert, sterile Labor- und Bürosettings, hirnrissige Einfälle in Reihe und eine Darstellerriege, die Mattei in dieser Zeit wahrscheinlich auch aufs Klo folgte. Massimo Vanni, Ottaviano Dell’Acqua und Mike Monty sind mit von der Partie, der obligatorische Auftritt von Luciano Pigozzi fiel der gnadenvollen Schere zum Opfer. Auf der anderen Seite ist da nichts, was man guten Gewissens Fulci zuschreiben könnte, selbst wenn man einräumt, dass der Ende der Achtzigerjahre nicht mehr im Vollbesitz seiner kreativen Kräfte und außerdem gesundheitlich angeschlagen war. ZOMBI 3 lässt jede Atmosphäre, jeden visuellen Stil, jedes inszenatorische Feingefühl, jeden Anflug von Spannung vermissen und präsentiert sich als durch und durch minderbemittelte Anhäufung von Ideen, die man bei vollem Verstand verworfen hätte.

Ich hatte mich tatsächlich gefreut auf diesen Film, den ich zum letzten Mal vor rund 20 Jahren gesehen und zwar als bescheuert, aber immerhin lustig und unterhaltsam in Erinnerung hatte. Boy, was I ever wrong! Es ist schon ein Kunststück einen Film hinzubiegen, der bei größtmöglicher Aufregung und Hysterie so dermaßen steif, leblos und langweilig rüberkommt. Inhaltlich wird lediglich die Prämisse von Matteis VIRUS neu aufgekocht, aber das apokalyptische Flair, das man diesem noch zugutehalten kann, will hier zu keiner Sekunde aufkommen, stattdessen wird man durch eine nicht enden wollende Abfolge dusseliger Episoden gejagt, die jeder Mindestanforderung an inhaltliche Logik ihre vollmundige Absage erteilt. Stimmung kommt eigentlich nur bei den Auftritten von Mike Monty auf, der mal wieder den militärischen Hardliner gibt (ich vermute, er hat damals direkt neben dem Telefon und in Uniform geschlafen): Wie er dem besorgten Wissenschaftler da beharrlich und in undiplomatischer Härte widerspricht, ohne auch nur ein einziges Argument vorzubringen, auch für ein Kind als vollkommen logisch erkennbare Schlussfolgerungen des armen, ob dieser Renitenz völlig verzweifelten Mannes barsch als „Science Fiction“ abwatscht und dann, grinsend wie ein frecher Schulbub, der seinem Mitschüler das Pausenbrot gezockt hat, den Atomschlag anordnet, das hat schon was und gern hätte man mehr davon gesehen. Dummerweise ist Mattei mehr an seinen spannungsarmen Action- und Splatterszenen gelegen, die im einen Fall krachend scheitern, weil sie total beliebig sind, im anderen einfach nur ermüden. Ein aus dem Kühlschrank fliegender Zombiekopf und die Spontangeburt eines gefräßigen Zombieblags bleiben im Gedächtnis, das war’s. Und der Versuch, am Ende an die humanistische Note von Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD oder die pessimistische Zukunftsperspektive von DAWN OF THE DEAD anzuknüpfen, mutet ob der zuvor anderthalb Stunden zur Schau gestellten Unfähigkeit schlicht kackendreist an. Mattei eben, und zwar durch und durch.

Als die Festivalleiter vor einigen Wochen ankündigten, dass Bruno Matteis Actionhobel DER KAMPFGIGANT als deutsche 35-mm-Kopie auf dem Terza Visione laufen werde, da stand mein persönlicher Klimax des Programms schon fest. Die italienischen Actionfilme aus den Achtzigern liebe ich alle mit besessener Inbrunst, und ein echter Mattei ist ohnehin immer ein ganz besonderes Erlebnis. Miles O’Keeffes legendäre Hölzernheit musste auf der großen Leinwand einfach eine Bewusstseinsgrenzen erweiternde Wirkung auf einen solch leicht zu beeindruckenden Mann wie mich haben. Meine eh kaum noch zu bändigende Vorfreude wuchs während der einführenden Worte, die der wunderbare Pelle Felsch dem Film widmete, buchstäblich ins Unermessliche. Würde es Mattei gelingen, meinen turmhohen Erwartungen – wahrscheinlich war ich zuletzt 1998 bei Terence Malicks Comeback THE THIN RED LINE so auf einen Film gespannt gewesen – gerecht zu werden? Waren diese Erwartungen überhaupt noch erfüllbar? Man unterschätzt sowohl Matteis schier übermenschliches Talent in der Schöpfung berauschender filmischer Psychopharmaka als auch meine Begeisterung für Filme, in denen muskulöse Supersoldaten mit dicken Wummen Vietnam aufräumen, wenn man die Möglichkeit einer negativen Antwort auf diese Frage auch nur in Erwägung zieht. DER KAMPFGIGANT entwickelte sich – nicht nur für mich – zu einem Festivalhöhepunkt und einem jener lautstark zelebrierten Gottesdienste, die derzeit wahrscheinlich nur in Nürnberg stattfinden.

1987 direkt im Anschluss an den kaum minder unfassbaren STRIKE COMMANDO – bzw. COBRA FORCE – gedreht, widmete sich Mattei bereits zum zweiten Mal einem Re-Imagining von Cosmatos‘ RAMBO: FIRST BLOOD PART II und interpretierte den Stoff zu einem bewegenden Vater-Sohn-Drama um. O’Keeffe – dem der unvergleichliche Sano Cestnik nach der ohne Zwischenfälle gelungenen Projektion eine „unglaubliche Präsenz“ auf der Leinwand bescheinigte – ist Robert „Bob“ Ross (nicht zu verwechseln mit dem buddhistischen Fernsehmaler gleichen Namens), seines Zeichens bester Soldat von Amerika und Überlebender von sage und schreibe sechs Himmelfahrtskommandos. Weil er die eindrucksvolle Kulisse Südostasiens nicht mehr missen möchte, nachdem er die wohl schönste und produktivste Zeit seines Lebens dort verlebt hat, vermuten die Russen, angeführt von Colonel Calckin (Bo Svenson), dass es sich bei ihm um einen CIA-Agenten handelt, dabei sucht Ross in Wahrheit nur nach einer Gelegenheit, seinen mit einer mittlerweile nicht mehr unter den Lebenden weilenden Vietnamesin gezeugten Sohn „nach Hause“ zu bringen. Die Amerikaner – vertreten durch den asthmatischen Senator Blaster (Donald Pleasence) – bieten sie ihm, wollen aber im Gegenzug, dass Ross für sie einige nordvietnamesische Terroristen kaltstellt; in Wahrheit spekulieren sie natürlich darauf, dass er im Dschungel krepiert, diese Schweine.

Wahrscheinlich noch nie wurde in einem Film so viel so richtig gemacht wie hier: Matteis Perfektionismus macht noch nicht einmal bei der Titeleinblendung Kompromisse: Ross – mit verschwitztem, freiem Oberkörper, glänzend zurückgeschleimter Matte und einem Blick, der gar nichts sagt, das aber eindrucksvoll – reißt sich gerade die nächste Dose Budweiser auf, da knallt der monumentale Schriftzug „Der Kampfgigant“ ins Bild wie ein Fleischpeitschenhieb. Es stimmt einfach alles: O’Keeffe macht beim Schleichen durch den Busch eine herausragende Figur und beweist pantherhafte Agilität. Mattei erreichte dies durch einen wahrhaft kubrickesken Schachzug: Die Hosen, die er O’Keeffe für die Auftaktsequenz anfertigen ließ, waren drei Nummern zu eng und verlangten dem Mimen alles ab. Als er für den Hauptteil des Films endlich in großzügiger geschnittene Armeehosen schlüpfen durfte, dankte er es dem Regisseur mit einer grazilen Jahrhundertleistung. Die Wunder werden nicht alle in diesem Epos: Nachdem Ross mit dem U-Boot im Zielgebiet abgesetzt wurde, wird er sofort entdeckt, bekommt aber von einem Hai Hilfe, bevor er diesen in zwei Hälften sprengt. Sein „Kontakter“ ist der lebhafte Toro (Ottaviano Dell’Acqua), der die einzigartige Gabe hat, Terroristen durch bloßes Ansehen zu erkennen. Die beiden verstehen sich sofort super und haben eine Mordsgaudi bei der Infiltration eines russischen Camps und der anschließenden Flucht auf einem Motorrad mit Beiwagen, die Mattei inszeniert wie in einem alten Slapstickfilm. Man sollte Krieg einfach nicht so ernst nehmen. Später taucht auch noch Luciano Pigozzi in der Rolle auf, auf die er in jenen Jahren abonniert war: rauschebärtiger Zausel mit goldenem Herz im Urwald. Hier wird ihm auch noch eine blonde Tochter angehängt, die Ross mit dem stählernem Blick des Beziehungsexperten als passende Mama für seinen Sohn ausmacht. Sie ist dafür nicht zuletzt deshalb prädestiniert, weil sie das Problem, das der Junge mit seinem zurückgekehrten Papa hat, messerscharf analysiert: „Der Junge mag dich nicht.“ Das wird sich natürlich zum Finale hin ändern, wenn der undankbare Bastard merkt, dass seine Antipathie nicht ausreicht, um den Vater auf Geheiß der Russen zu exekutieren, und er sich deshalb für bedingungslose Liebe zu ihm entscheidet. Es ist aber auch wirklich schwer, diesen Ross nicht zu mögen: Wie er da von einem Hubschrauber gejagt jede Pfütze mitnimmt, die sich ihm darbietet, in zehn Zentimeter tiefen Mulden Deckung sucht und sich am Ende kurzerhand einen Berg hinunterrollen lässt, offenbart er das Potenzial zum Superpapa, der dem Sohnemann auf dem Bolzplatz mit eisernen Schienbeinschonern zur Seite steht und alles abräumt, was sich ihm in den Weg stellt. Ein Mann zum Pferdeäpfel stehlen.

DER KAMPFGIGANT, untermalt von einem treibenden Synthiescore von Stefano Mainetti, der einem nicht übel Lust macht, selbst loszuziehen und eine Bananenrepublik zu erobern, ist voller Details, die ihn unvergesslich machen: In der „Schaltzentrale“ der US-Einsatzkräfte sitzen nicht nur gelangweilte Hartz-IV-Empfänger rammdösig über bedeutungsschwer blinkenden Lämpchen, an der Wand hängt auch eine Porträtzeichnung von Ronald Reagan, die der Staatschef wahrscheinlich beim Besuch der Rüdesheimer Drosselgasse von einem Straßenkünstler anfertigen ließ. Donald Pleasence versucht bei all seinen Auftritten verzweifelt, sich hinter einem Inhalator zu verstecken, auf dass man ihn nicht bemerkt. Massimo Vanni hat eine unfassbare Szene, als er mit einem Jeep ins Bild kommt, aussteigt, um seinem Chef Bericht zu erstatten, aber dabei offensichtlich vergisst, die Handbremse zu ziehen. „Achtung Jeep!“ brüllt Svenson, als sich das Gefährt wie von Geisterhand in Bewegung setzt. Vanni handelt geistesgegenwärtig: Er dreht sich um, springt in das Auto und fährt einfach ab. So inszeniert man temporeiche Filme! Ganz toll auch der Abwurf einer Bombe aus einem Hubschrauber, der nicht etwa automatisch erfolgt, sondern dadurch, dass der Pilot die Tür öffnet und das gute Stück, das anscheinend im Cockpit rumlag, einfach von Hand rausschmeißt. Die allergrößte Leistung Matteis ist es aber gewiss, Mike Monty, der seine Karriere als Darsteller von Befehle gebenden Soldaten mit genau einem perfekt ausgefeilten Gesichtsausdruck bewältigte („angespannt-besorgt“), hier einen waren Gefühlsausbruch zu bescheren. Den enthemmten Luftsprung, den der Veteran macht, als er erfährt, dass Ross noch am Leben ist, vollführte auch mein Herz während der traumhaften 100 Minuten DER KAMPFGIGANT, die ich mein Lebtag nicht vergessen werde.

Wer jetzt Lust auf dieses Masterpiece bekommen hat, kann ihn sich hier in der englischen Fassung anschauen.

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Am kommenden Wochenende, vom 27. – 29.03., findet im wunderschönen Nürnberg, der Heimat des Hofbauer-Kommandos und des Hofbauer Kongresses, zum zweiten Mal das „Terza Visione“ statt, ein dreitägiges Filmfestival, das sich ganz dem italeinischen Genrefilm verschrieben hat. Zur Premiere im vergangenen Jahr konnte ich leider nicht anwesend sein, diesmal werde ich es mir hingegen nicht nehmen lassen, die heiligen Hallen des KommKinos mit meiner Präsenz zu beehren. Das Programm besteht wie im vergangenen Jahr aus einer erlesenen Mischung bekannter und noch zu entdeckender Klassiker aus den Fünfziger- bis Achtzigerjahren und deckt so unterschiedliche Genres ab wie Italowestern, Komödie, Juvenile-Delinquents-Drama, Poliziescho, Abenteuer-, Horror-, Action-, und Sexfilm. Als Teaser werfe ich hier nur die Titel OPERAZIONE PAURA, NON SI SEVIZIA UN PAPERINO, ITALIO A MANO ARMATA, DOUBLE TARGET oder OPERA in den Raum. Zu letzterem, der als Abschlussfilm am Sonntag läuft, wurde ich überdies auserkoren, einige einleitende Worte zu sprechen. Wer Interesse hat und in der Nähe ist, sollte nicht mehr zu lange zögern, denn es wird mit ausverkauftem Haus gerechnet. Das vollständige Programm findet ihr hier.

Emanuelle Kendall (Laura Gemser) wird in ein Frauengefängnis gesteckt, dessen Inhaftierten unter unmenschlichen Bedingungen leben müssen. Neben der harten Arbeit in einer Kiesgrube müssen sie immer wieder die Grausamkeiten der Wärterin Rescaut (Franca Stoppi, die gruselige Matrone aus BUIO OMEGA) über sich ergehen lassen. Nur im Arzt Dr. Moran (Gabriele Tinti), der selbst wegen der Sterbehilfe an seiner Frau einsitzt, haben die Frauen einen Verbündeten. Als herauskommt, dass Emanuelle eine Journalistin ist, die im Auftrag von Amnesty International (!) über die Zustände in Frauengefängnissen berichten soll, gerät sie in Lebensgefahr …

VIOLENZA IN UN CARCERE FEMMINILE, zu deutsch wunderbar knallig LAURA – EINE FRAU GEHT DURCH DIE HÖLLE (ich muss dabei sofort an Uschi Glas denken), darf wohl als einer der besseren Filme bezeichnet werden, die Bruno  Mattei gedreht hat. Wenn man aber bedenkt, dass auf seine Kappe solche unglaublichen Baddies wie das legendäre DAWN OF THE DEAD-Ripoff VIRUS, der dusselige Endzeitfilm RATS – NOTTI DEL TERRORE, das mitleiderregende TERMINATOR-„Sequel“ TERMINATOR II oder die beiden herrlich-blöden Reb-Brown-Actioner STRIKE COMMANDO und ROBOWAR – ROBOT DA GUERRA gehen, relativiert sich die Aussage schon wieder erheblich. VIOLENZA funktioniert in der ersten Dreiviertelstunde tatsächlich ganz gut, versinkt dann aber nach und nach in denselben Mängeln, die alle Mattei-Filme auszeichnen, die ich kenne. Die Schauspielerführung ist hölzern, die Regie uninspiriert und unkreativ, Effekte und Ausstattung billig bis zum Gehtnichtmehr (der Film kostete nach Angaben von Mattei 67.000 Dollar) und der treibende Synthiescore von Luigi Ceccarelli zwar sehr effektiv in seiner Emulation von Goblin und Carpenter, aber eben auch ziemlich entwaffnend, weil er vor allem die Kluft zwischen der Spannung, die er selbst evoziert, und dem, was tatsächlich geboten wird, akzentuiert.

Das größte Manko des Films ist aber ohne Zweifel, dass die eigentlich interessante Geschichte total umständlich erzählt wird. Dass Emanuelle eine Journalistin ist, kommt erst nach einer guten Stunde ans Tageslicht, kurz bevor das dann auch die bösen Gefängnisleiter mitbekommt. Die Suspense, die sich aus dem Wissensvorsprung des Zuschauers gegenüber den Schurken ergeben hätte, die Spannung, ob es Emanuelle gelingt, ihr Geheimnis zu wahren, sie verpuffen einfach. So plätschert der Film von einer theatralischen, aber eben auch an Schülertheater erinnernden, Szene und einer müden Geschmacklosigkeit zur nächsten, wobei die größte sicherlich die ausgesprochene Hässlichkeit des Films ist. Das könnte man durchaus noch als Pluspunkt sehen: Von den bisher von mir geschauten WiP-Filmen, kann man VIOLENZA immerhin bescheinigen, dass er der „realistischste“ ist. Statt der Supermodels aus den Jack-Hill-Filmen oder der ins Surreale übersteigerten Sadomaso-Fantasie Jess Francos gibt es hier überwiegend unansehnliche Hackfressen, die in wenig dekorative graue Kartoffelsäcke gehüllt werden. Und die Foltermethoden sind auch vergleichsweise bodenständig. Glamour bringen höchstens Laura Gemser, die sich trotz ihres Ruhm wohl für nichts zu schade war, und Gabriele Tinti, dessen Talent hier weitestgehend verschenkt ist. Dafür geben die Ratten, für die Mattei ein offensichtliches Faible hat, ihr Bestes und sorgen für die beste Szene in einem Film, der viel besser, aber eben auch noch deutlich schlechter hätte sein können.