Mit ‘Bud Spencer’ getaggte Beiträge

Der Fischer Mücke Schiffskapitän Buddy Graziano (Bud Spencer) läuft liegt mit seinem Schiff in einem kleinen Hafen ein, nachdem wo es von einem U-Boot beschädigt wurde zu seiner Überraschung von eifrigen Hafenarbeitern auseinandergenommen wird. Vor Ort liefern sich die dort stationierten US-Soldaten, angeführt vom großmäuligen Sergeant Kempfer (Raimund Harmstorf) Rosco Dunn (Kallie Knoetze), und eine Gruppe kleinkrimineller hoffnungsloser italienischer Jugendlicher Boxsportler, geleitet vom sympathischen Möchtegern-Trainer Jerry (Jerry Calà), erbitterte Schlägereien Grabenkämpfe. In einem Football-Match Boxkampf sollen die Fronten endgültig geklärt werden. Und Mücke Buddy, selbst ein ehemaliger FootballBox-Profi, mit dem Kempfer Dunn noch eine offene Rechnung hat, nimmt sich des hoffnungslosen italienischen Haufens wie aus dem Nichts auftauchenden Boxtalents Giorgio Desideri (Stefano Mingardo) an …

Wer mein Blog in den letzten Wochen fleißig verfolgt hat, dem dürfte der obige Absatz samt der gestrichenen Passagen bekannt vorkommen: Es handelt sich um eine nur geringfügig abgeänderte Version meiner Inhaltsangabe zu LO CHIAMAVANO BULLDOZER, von dem BOMBER, wie man nun unschwer erkennen kann, eine Art Remake, wenn nicht gar eine nur leicht modifizierte Kopie ist. Der Footballsport wurde von Michele Lupo, der auch das Vorbild inszenierte, lediglich durchs Boxen ersetzt, was zugegebenermaßen zwar einige weitere Abweichungen nach sich zieht, die schlicht und einfach dadurch begründet sind, dass Football eben eine Mannschafts-, Boxen aber eine Einzelsportart ist, am groben Plotverlauf aber nichts Wesentliches ändert: Wieder nimmt sich der legendäre Ex-Profi, der aus zunächst undurchsichtigen Gründen einst seine Karriere beendete und Entsagung schwor, eines hoffnungslosen Haufens untalentierter Träumer an und führt sie zum Sieg gegen den amerikanischen Feind, der zufällig auch sein ganz persönlicher Feind ist. Der Gegner hält nichts von Fair Play und so ist der Ex-Profi gezwungen, selbst Hand anzulegen und somit auch sein eigenes Trauma aufzulösen. BOMBER ist zwar durchaus unterhaltsam – nicht zuletzt wieder einmal aufgrund der krachigen Synchro -, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frische und Energie, die das Original auszeichnete weitestgehend futsch ist. Außerdem funktioniert die Story mit einem Einzelsportler nicht ganz so gut, weil ein nicht unerheblicher Teil der zunächst eingeführten Loser-Figuren im weiteren Verlauf der Handlung zur Tatenlosigkeit verdammt und schließlich ganz fallen gelassen wird. BOMBER ist einfach in allen Belangen ein Stück schwächer als LO CHIAMAVANO BULLDOZER: Der Titelsong „Fantasy“ ist klasse, aber eben kein „Bulldozer“; Kalli Knoetze hat einen fantastischen Namen, ist aber kein Raimund Harmstorf; die Amis sind zwar böse, aber eben nicht so herrlich over the top wie zuvor; der rosafarbene Buggy von Trainer Jerry ist hübsch, der verrostete Kahn von Mücke war aber noch hübscher; des Weiteren ist Tauziehen kein adäquater Ersatz für Armdrückwettbewerbe und die Keilereien waren vier Jahre zuvor auch spritziger. Aber was hat man denn erwartet: Lupo hat BOMBER wahrscheinlich im Schlaf inszeniert, einige Gags, wie etwa den Spargeltarzan, der vor Aufregung aus seinem Hot Dog trinkt, aber in seine Cola beißt, übernimmt er der Einfachheit halber gleich eins-zu-eins und irgendwie ist der Film auch symptomatisch für eine Periode in Spencers Schaffen, in der es wohl in erster Linie darum ging, noch möglichst viel Kohle aus dem Star rauszupressen, bevor sich die Zuschauer abwenden würden, was dann ja zwei bis drei Jahre später passierte. Als Exploiter ist BOMBER natürlich gerade wegen seiner Recycling-Praxis  Gold wert …

Sergeant Alan Parker (Bud Spencer), der seiner Familie vorspielt ein Waschmaschinenvertreter zu sein, erhält den Auftrag, den schmierigen Kleinganoven Tony Roma (Tomas Milian) zu verhaften. Das gelingt, doch Tony fügt sich verständlicherweise nur ungern in sein Schicksal: Nach einem gelungenen Fluchtversuch beobachtet er zufällig den Mafiaboss Salvatore Licuti (Marc Lawrence) und seine Männer beim blutigen Geschäft und steht fortan auch bei diesen auf der Abshcussliste. Alan hat nun alle Hände voll zu tun, Tonys Gesundheit zu erhalten …

Was für eine verpasste Chance! Jedem Freund des Italokinos muss das Wasser im Munde zusammenlaufen, wenn er von der Paarung Spencer & Milian hört: Letzterer hat sich seinen Platz im Exploitation-Olymp mit der Verkörperung (hier trifft der Begriff den Nagel tatsächlich auf den Kopf) des unkonventionellen römischen Cops Nico Giraldi und unzähligen asozialen Gaunern, etwa in den großartigen LA BANDA DEL GOBBO oder  MILANO ODIA: LA POLIZIA NON PUÒ SPARARE sowie zahlreichen weiteren Filmen, redlich verdient – ebenso wie den Luxus, sein Einkommen nun seit rund 20 Jahren mit schauspielerisch wahrscheinlich wenig herausfordernden Neben- und Kleinstrollen als lateinamerikanischer Finsterling in Hollywood-Produktionen bestreiten zu dürfen. Er ist dann auch der einsame Höhepunkt in Corbuccis lauer Krimikomödie, die zwar nicht wirklich schlecht ist, aber jeden Drive, der für einen solchen Film doch von essenzieller Bedeutung ist, vermissen lässt. Zwischen Spencer und Milian springt der Funke nicht über, was wohl auch daran liegt, dass Spencers Rolle kaum was hergibt und ihm zudem die undankbare Aufgabe zukommt, Milians Over-the-Top-Darstellung des selbstmitleidigen und mamafixierten Schmierlappens mit pomadiger Rockabillyfrisur und den scheußlichsten Klamotten diesseits von Liberace zu „bremsen“, obwohl man sich als Zuschauer doch nichts mehr wünscht, als dass der Film endlich einmal die Kontrolle verlöre. Aber nix da: Das A und O einer solchen Buddy-Komödie – die guten Ideen, rasante Actionsequenzen, die sich mit komischen Einlagen abwechseln, das Hin und Her der Protagonisten, auf das ja auch der Titel des Films anspielt – sind hier weitestgehend absent. Ab und zu blitzt mal ein Funke auf, der andeutet, was CANE E GATTO hätte sein können, nur um nach kurzem Aufflackern sang- und klanglos zu erlöschen. Corbuccis Film ist so durchschnittlich, dass er analog zum Urmeter in einem Museum als idealtypisches Beispiel fürs Mittelmaß ausgestellt werden könnte. Schade.

banana joe (steno, italien/deutschland 1982)

Veröffentlicht: März 15, 2011 in Film
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Papa Joe, genannt „Banana Joe“ (Bud Spencer), lebt mit seinen zahlreichen Kindern das beschauliche Leben eines einfachen Bananenbauers im kolumbianischen Urwald. Der Frieden hat ein Ende, als man auf dem Markt, auf dem Joe regelmäßig seine Bananen zum Verkauf anbietet, einen Gewerbeschein von ihm verlangt: Der fernab jeder Zivilisation aufgewachsene Mann begibt sich auf eine Odyssee in die Großstadt, um dort in Sisyphos-Manier die notwendigen Behördengänge zu erledigen. Währenddessen begibt sich eine Gruppe fieser Grundstücksspekulanten daran, eine Bananenfabrik in Joes Heimat zu errichten …

In einer für Bud Spencer enorm produktiven Schaffensperiode vom PIEDONE-Regisseur Steno inszeniert, ist BANANA JOE ein liebenswerter kleiner Märchenfilm mit Fish-out-of-water-Plot und leisen kafkaesken Anklängen, dessen marginalen Abweichungen von Spencers Persona ihn für den Kenner interessant machen. Der gutmütige, einfach gestrickte und aufgrund seiner Herkunft im besten Sinne „weltfremde“ Bananenbauer Joe, der sich mit Kindern versteht und den einfachen Freuden des Lebens zugeneigt ist, scheint zunächst eine sehr typische Spencer-Figur. Was ihn aber von den Spencer-Charakteren vor allem der Spencer&Hill-Kollaborationen abhebt, ist ihre Indifferenz gegenüber weltlichem Wohlstand. Vergessen Spencers Filmfiguren auf der Jagd nach dem Mammon sonst schon einmal die Moral, an die sie dann von Hills Charakteren schmerzlich erinnert werden, sind sie in derRegel durch die Unzufriedenheit mit ihrem gesellschaftlichen Status und den Wunsch, aus diesen Zwängen auszubrechen, gekennzeichnet, so ist Banana Joe der glücklichste Mensch auf Erden. Geld bedeutet ihm nichts, es ist allerhöchstens Mittel zum Zweck, etwa eine Schule zu bauen, und Klassendünkel ist ihm fremd, weil er gar keine Vorstellung von solchen sozialen Hierarchien besitzt. Leider sieht das System auch im tiefsten Urwald nicht vor, dass sich einer seinem Spiel entzieht: Und so handelt die Geschichte von BANANA JOE letztlich davon, die Unschuld seiner Hauptfigur zu brechen, ihn durch die Mühlen der Bürokratie zu drehen, bis er entweder auf Linie gebracht ist oder aber gebrochen. Es ist klar, dass dieser Versuch schon an der Physis des Protagonisten scheitern muss; aber auch daran, dass Joe die Mechanismen der Unterwerfung, die auf ihn angewendet werden, völlig fremd sind, ihre Wirkung mithin verfehlen, mehr noch, von ihm zurückgeworfen werden. Wäre da nicht die klamaukige Synchro, bei der man etwas den Eindruck hat, sie wolle den Zuschauer für die etwas leisere Gangart des Films entschädigen, der Verweis auf Frank Capra, Jacques Tati oder ähnliche filmische Moralisten, die die kalten, technokratischen Systeme der Moderne von ihren herzensguten Naivlingen aushebeln lassen, fiele noch deutlich leichter. Dennoch: BANANA JOE reiht sich ein in die immer länger werdende Liste wunderbarer Spencer-Filme und sei hiermit zur Revision (oder Erstsichtung) empfohlen. Wer es lieber etwas grober mag, darf sich immer noch an der Synchro erfreuen, an dem herrlichen Auftritt von Gunther Philipp als schwulem Herrenausstatter oder dem Soundtrack, der neben dem wunderbar melancholischen Titelsong einige ältere Oliver-Onions-Stücke featuret.

hector_der_ritter_ohne_furcht_und_tadelMit seinen treuen Mitstreitern zieht der Söldner Hector (Bud Spencer) durch die mittelalterlichen Lande. Als er der Belagerung einer spanischen Festung durch die Franzosen beiwohnt, schlägt er sich sofort auf die Seite der Spanier, die für die Hilfe dankbar sind. Die Franzosen hingegen überziehen die Neuankömmlinge mit dem ätzenden Spott der Privilegierten, was Hector dazu veranlasst, die Franzosen zum Kampf herauszufordern. Diese willigen zu einer Schlacht 13 gegen 13 ein. Nun steht Hector vor dem Problem noch neun lebensmüde Italiener zusammentrommeln zu müssen …

Als HECTOR, RITTER OHNE FURCHT UND TADEL in meiner Kindheit über den Bildschirm flimmerte, konnte ich dem Treiben trotz meiner Begeisterung für Bud Spencer nicht viel abgewinnen: Ein Ritterfilm hatte für mich so auszusehen wie Richard Thorpes IVANHOE, farbenprächtig, pathetisch und voller schöner Burgfrolleins, edler Ritter, gütiger Könige und verstohlener Schurken, ein Spencer-Film gefälligst lustig und voller Sprüche zur fehlerfreien Wiedergabe auf dem Pausenhof zu sein. Nun kommt Campaniles Film zwar durchaus breit daher, was nicht zuletzt an der schier endlosen ausgeblichenen Erde Apuliens liegt, wo der Film gedreht wurde, aber doch keineswegs monumental. Schon die von den De-Angelis-Brüdern komponierte Ballade „O Ettore“, ein traditionell instrumentiertes Schunkelliedchen, das von einem amateurhaft, aber enthusiastisch singenden Männerchor zum Besten gegeben wird, gibt die Richtung vor. Die Verklärung, die vor allem das amerikanische  Historien- und Monumentalkino sonst so antreibt, ist Campaniles Sache nicht. Wer seinen AUTOSTOP ROSSO SANGUE kennt, einen der perfidesten, härtesten und anspruchsvollsten Thriller nicht nur des italienischen Kinos, der weiß, dass der Linksintellektuelle für schnöde Affirmation nicht zu haben sein würde. Auch in IL SOLDATO DI VENTURA geht es um nichts weniger als den Klassenkampf zwischen den Reichen, denen alles in die Hände zu fallen scheint, und den Armen, die auch im Augenblick ihres größten Erfolges noch die Gelackmeierten sind. Hectors Taten sind allein deshalb schon zweitrangig, weil er ein Unterprivilegierter ist: eine Tatsache, an der sich nicht rütteln lässt. Auch der Sieg, den der bunt zusammengwürfelte Haufen unverzagter, vom System gebeutelter Italiener am Ende erringt, wird die Welt nicht verändern, aber zumindest im Gedächtnis der Beteiligten seine Spuren hinterlassen. Campanile inszeniert dieses Sozialmärchen aber mit ruhiger Hand und ohne große Gefühlswallungen. Er vergisst nie, dass das nicht der Stoff für den großen filmischen Klassenkampf ist, eher das Balsam für jene, die sich in diesem Kampf aufzureiben pflegen. Der verbissene Zynismus, der auch etwa den genannten AUTOSTOP ROOSO SANGUE zu einem so herausfordernden Film macht, weicht hier zugunsten einer fast sportlichen Haltung. In einem wirklich schönen Film findet er in einer Sequenz ein treffendes Bild für die politische Macht des Künstlers, aber auch für die Grenzen dieser Macht. Hector schließt sich mit seinen Männern einer Gruppe spanischer Schauspieler an, mit denen er den französischen Soldaten eine besondere Show bietet. Die vorgeführten Zaubertricks dienen dazu, die Waffen der nichts Böses ahnenden Gegner zu zerstören oder sie in einem naheglegenen Fluss zu entsorgen. Natürlich fliegt das Treiben auf und so kommt es dann doch zu einer kurzen handfesten Auseinandersetzung. So ist das auch mit dem politisch motivierten Film: Fakten schaffen müssen andere.

Der Ganove Buddy (Bud Spencer) schlägt sich mit seinem Partner, dem trotteligen Indianer Adelrauge (Amidou), mehr schlecht als recht durchs Leben. Bei einem Überfall auf einen Zug erbeuten die beiden nicht mehr als den Werkzeugkoffer eines Arztes, sodass Buddy wenig später im Nest Yucca die Rolle des Mediziners übernimmt. Das Städtchen hat aber noch ärgere Probleme: Von dem Ganoven Colorado Slim (Riccardo Pizzuti) und seinen Schergen terrorisiert, ergreifen mehr und mehr Bürger die Flucht, der einst blühende Ort verfällt mehr und mehr. Doch mit dem neuen „Arzt“ wendet sich das Blatt …

Michele Lupo, einer der fleißigsten Arbeitgeber für Bud Spencer in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren, bescherte dem Star mit EINE FAUST GEHT NACH WESTEN nicht nur einen achtbaren Erfolg, sondern auch eine mehr als willkommene Rückkehr zu dem Genre, dem dieser seinen Ruhm entscheidend zu verdanken hatte. Aus den filmisch bestenfalls zweckdienlich inszenierten Spencer&Hill-Filmen der Spätphase ragt diese Italowestern-Parodie mit den berühmten andalusischen Westernsettings, den liebevoll designten Kostümen, der herrlichen Scope-Fotografie und dem treibenden, dramatischen Score, der den Zuschauer in die Blütezeit des Genres mitte der Sechzigerjahre zurückversetzt, weit heraus.  Zwar fungiert der Komiker Amidou hier als Partner für Spencer und als halbherziger Hill-Ersatz, doch lässt sich an OCCHIO ALLA PENNA trotzdem erkennen, dass Spencer zu dieser Zeit auf Hill weniger angewiesen war als jener auf ihn. Während Hill den straight man neben ihm brauchte, den er mit seinen Streichen in den Wahnsinn treiben konnte, kommt Spencer  sehr gut ohne Pausenclown zurecht. Obwohl optisch eher unflexibel und unbeweglich, verkörpert er einen Typen, der sich überall zurechtfindet, weil er sich perfekt anpassen kann. Wenn der ungebildete Gauner Buddy in OCCHIO ALLA PENNA also einen Magenkranken behandeln muss, ohne auch nur die geringste Ahnung von Medizin zu haben, bietet das auch ohne anwesenden Narren mehr als ausreichend Witz, den Lupo für seinen Film reichlich zu nutzen weiß.

Ich muss hier mal wieder ein Loblied auf Spencer anstimmen, denn niemand hatte diese stoische Art so gut drauf wie er, niemand wusste der seufzenden Resignation des gewohnheitsmäßigen Verlierers ein so sympathisches Gesicht zu verleihen. Spencer ist dem Zuschauer ja auch deshalb so nah, weil er ein Durchschnittstyp ist, jemand der sich versucht, irgendwie durchs Leben zu schlagen, dabei auf Widerstand in Form von Spott, Niedertracht, Missgunst oder eben einen unverschämten Sidekick stoßend, der sich einen Spaß daraus machte, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen. Hill ist sich selbst stets genug und kann deshalb am Ende der gemeinsamen Abenteuer auch geflissentlich darüber hinwegsehen, dass die eigenen Taschen leer sind, während Spencer, dem das irdische Dasein eben nicht egal ist, daran verzweifelt. Es ist nicht nur die Schwerkraft, die ihn am Boden der Tatsachen hält. In seinen Soloauftritten bekommt man den Beweis, dass dieser Koloss zu mehr in der Lage ist, als die kugelrunde Zielscheibe für Hills Spott oder aber bloß dessen schlagkräftigen enforcer abzugeben. So auch hier: Wenn er am Ende, wo der Goldstaub die Luft von Yucca verdichtet und der Reichtum also förmlich zu greifen ist, wieder einmal die Flucht ergreifen muss, nur um sich dann – weil er nun endgültig die Schnauze voll hat vom Wegrennen – einem ganzen Indianerstamm entgegenzustellen, dann ist das nicht bloß ein erzählerisches Klischee. Es bringt in wenigen Sekunden zum Ausdruck, was in dieser Figur seit mehr als 15 Jahren langsam am schwelen war. Ein fantastisches Ende für einen wirklich schönen Film und eigentlich auch für die Persona Spencer.

Der rollschuhfahrende drifter Rosco (Terence Hill) verwickelt den soeben aus der Haft entlassenen Doug O’Riordan (Bud Spencer) erst in eine Keilerei und stiftet ihn dann auch noch zum Raub eines LKWs an. Auf der anschließenden Flucht vor der Polizei besteigen beide unter falschem Namen ein Flugzeug, nur um plötzlich für Geheimagenten gehalten zu werden. Als Steinberg und Mason sollen die beiden es mit dem Superschurken K1 aufnehmen, der die Welt durch den Abschuss einer Rakete ins Chaos stürzen will …

Eigentlich wollte ich diesen Film nicht nochmal schauen, da ich ihn als sehr mäßig im Gedächtnis behalten hatte, doch mit dem traurigen MIAMI SUPERCOPS konnte ich die Reihe beim besten Willen nicht enden lassen. So hatte jener Totalausfall wenigstens ein Gutes, nämlich dass ich mich davon überzeugen konnte, dass NATI CON LA CAMICIA gar nicht so schlecht ist. Die Verwechslungsposse zapft bereits das komische Potenzial an, das der darauffolgende NON C’É DUE SENZA QUATTRO so erfolgreich für sich nutzen sollte: Als texanische Ölbarone getarnt, dürfen sich die Proleten Spencer & Hill komplett gehen lassen, sich in die geschmacksverwirrte Garderobe schmeißen, die nur Neureiche so zielsicher aus dem Kleiderschrank zu ziehen wissen, und das vornehme Gehabe im Luxushotel genussvoll bloßstellen. Die Agentenposse, die sich inhaltlich etwas an das damals aktuelle Connery-Bond-Revival namens NEVER SAY NEVER anlehnt (inklusive dem Barbara-Carrera-Ersatz Faith Minton), lockt zwar wirklich keinen Hund hinterm Ofen hervor, ist aber immerhin mit einigem Tempo inszeniert und kann mit etlichen kleinen Gags, die nicht ausschließlich auf das Konto von Hill & Spencer gehen, punkten. Besonders gut gefallen haben mir die beiden V-Männer der feindlichen Geheimdienste, die als Eis- bzw. Würstchenverkäufer getarnt sind und ihre Funksprüche in eine Eistüte bzw. Senftube sprechen – letzterer ist zudem auch noch den Decknamen „Würstchen“ gestraft. In einer anderen tollen Szene steigt ein Mann in sein Auto, nur um zu bemerken, dass man das Lenrad entfernt hat. Vollkommen verwirrt schaut er sich im Innenraum des Wagens danach um, unter anderem hinter den Sichtblenden und im Handschuhfach. In einer ähnlichen Szene finden sich Spencer und Hill auf einer kleinen Toilette ein, in die sie vorher etliche Bösewichter haben verschwinden sehen, die nun jedoch wie vom Erdboden verschluckt sind. Auf der Suche nach einer Geheimtür widmet sich Hill dem Handtuchspender und zieht voller Erwartung – und jederzeit mit dem schlimmsten rechnend – mehrere der Papierhandtücher heraus. Solche kleinen visuellen Gags hat man in CHI TROVA UN AMICO, TROVA UN TRESORO vergeblich gesucht, sodass man NATI CON LA CAMICIA entgegen meiner im Eintrag zu jenem Film voreilig vorgenommenen Abwatschung des Spätwerks durchaus als „gelungen“ bezeichnen kann. Insgesamt muss man zwar konstatieren, dass auch Barbonis Film sich lediglich mit dem unkreativen Abspulen des Erfolgsrezepts begnügt, in einigen Sequenzen unbeholfen und billig erscheint und zum Auswalzen der Spielzeit eine lange, spannungsarme Parasailing-Sequenz einbindet, die heute, wo man diesem Hobby an jedem Baggersee nachgehen kann, verblüffend unspektakulär anmutet. Aber schon der Volksmund weiß: Besser gut geklaut als schlecht neu erfunden. Reicht.

Vor sieben Jahren verhafteten die beiden FBI-Agenten Doug Bennett (Terence Hill) und Steve Forest (Bud Spencer) den Bankräuber Joe Garret, ohne jedoch die Beute von 20 Millionen Dollar sicherstellen oder aber seine beiden Partner  dingfest machen zu können. Nun ist Garret wieder auf freiem Fuß – und im Nu eine Leiche. Doug reaktiviert seinen ehemaligen Partner, der sich mittlerweile als Fluglehrer verdingt, und als Polizisten der Stadt Miami getarnt machen sie sich auf die Suche nach Garrets Mörder, bei dem sie auch die Beute von damals vermuten …

Tragisch. MIAMI SUPERCOPS markierte 1985 das unrühmliche Ende der überaus erfolgreichen Kollaboration von Spencer & Hill. Waren erste Abnutzungserscheinungen bereits in den späten Siebzigerjahren auszumachen, kann man hier nur noch den endgültigen Hirntod diagnostizieren. Der halbherzige Versuch, die totgetretene Masche durch eine Wendung hin zum ernsteren Krimi und die Orientierung am damaligen Megaerfolg MIAMI VICE wiederzubeleben, scheitert leider kläglich, weil die über anderthalb Jahrzehnte etablierten Strukturen und Mechanismen viel zu festgefahren sind, als dass sie mit den durchsichtigen Mitteln, die Corbucci hier bemüht, aufzubrechen wären. Auch den beiden Hauptdarstellern, die sich sonst selbst in ihren schwachen Filmen ganz auf ihre Chemie verlassen konnten und sich in ihren Rollen offenkundig so Zuhause fühlten wie in einem geliebten Jogginganzug, merkt man eine gewisse Verunsicherung und Lustlosigkeit an. Vor allem Hill, sonst ein Ausbund an Lebensfreude, sieht schon fast beängstigend blass aus, kann das natürliche Unbehagen des Endvierzigers, der den Berufsjugendlichen geben soll, nicht mehr länger zerstreuen. Aber es liegt nicht direkt an den beiden, dass MIAMI SUPERCOPS so schmerzhaft ist: Drehbuch und Inszenierung sind schrecklich fußgängerhaft, höhepunktarm plätschert der Film seinem Ende entgegen und nichts lässt die konzeptionelle Unentschlossenheit des Films so deutlich hervortreten wie der Showdown in einer Lagerhalle, in dem Hill & Spencer ihre Dienstwaffen benutzen, um die herumstehenden Gegenstände zu manipulieren und so ihre Gegner auszuschalten. Das Blut, das für gewöhnlich im Polizeifilm spritzt, stammt hier aus Tomatenkonserven, die sich über den Schurken ergießen. Eigentlich ja eine ganz hübsche Idee, die in diesem ernst gemeinten Krimi aber völlig deplatziert ist und nur beweist, dass man keine Ahnung hatte, was man mit dem Duo noch anfangen sollte. Die deutsche Synchro reiht sich ein in diese Verunsicherung und nennt die beiden stets „Buddy“ und „Terence“, die krampfhaft versuchte Neuerfindung damit zusätzlich unterminierend. Mit Spencer und Hill kann man nur Mitleid haben: Sie sind zu Opfern ihres Erfolgs geworden. MIAMI SUPERCOPS ist demnach ein bisschen wie ein Konzert einer ehemaligen Supergroup, die mit neuem „zeitgemäßen“ Stil versucht, relevant zu bleiben, damit aber nur den Andrang am Bierstand erhöht, wo sich die Leute bis zum Zugabenteil mit den alten Hits die Zeit vertreiben. Für den Film gilt analog: Schnell vergessen und sich mit den alten Hits schadlos halten.