Mit ‘Buddy Ebsen’ getaggte Beiträge

Sam Francis Gifford (Robert Wagner) ist der junge Besitzer einer Baumwollplantage und als solcher unerbittlich gegenüber den für ihn arbeitenden Pflückern. Als er 1945 als Soldat in den Pazifik beordert wird, miterleben muss, wie einfache Leute sich für ein völlig abstraktes und darüber hinaus fragwürdiges Ziel opfern und Leben in Sekundenbruchteilen einfach so beendet werden, vollzieht sich bei ihm ein Gesinnungswandel …

Der US-amerikanische Kriegsfilm war eigentlich bis in die Siebzigerjahre entweder Propaganda oder aber Erbauungskino: Wenn nicht unverhohlen die Tugenden des US-Soldaten besungen, ihre Leistungen in den überstandenen Kriegen gefeiert und die Werbetrommel für die Armee gerührt wurden, dann war Krieg wenigstens ein actionreiches Spektakel, in dem die good guys die bad guys in mehr oder weniger exotischen Ländern pyrotechnisch effektvoll ins Jenseits beförderten. Ausnahmen – sprich das, was man als Antikriegsfilme bezeichnen könnte – bestätigen selbstverständlich diese Regel und um eine solche Ausnahme handelt es sich bei Richard Fleischers BETWEEN HEAVEN AND HELL.

Schon zu Beginn sieht es schlecht aus für das strahlende Heldentum: Der Protagonist Gifford döst in einer provisorischen Gefängniszelle – eigentlich mehr ein Kaninchenkäfig für Menschen -, als er vor seinen Vorgesetzten zitiert wird. Wir erfahren, dass er sich eine schwere Disziplinlosigkeit hat zu Schulden kommen lassen, die ihn bei einer Verhandlung vor dem Militärgericht durchaus mehrere Jahre ins Gefängnis bringen könnte. Weil er sich aber vorher als fähiger Mann erwiesen hat und zudem bereits mit dem Silver Star ausgezeichnet wurde, wird er lediglich in das Camp des gefürchteten Captain Grimes (Broderick Crawford) strafversetzt, der von seinen Leuten nur „Waco“ genannt wird. Und auch der lässt sich nicht in die bekannten Kategorien einordnen: Er ist weder der väterliche Freund in Uniform noch der knallharte Hund, der zwar keinerlei Gefühle zeigt, aber eigentlich doch nur das Beste für seine Leute will. Vielmehr ist er ein Vorgänger eines Colonel Kurtz: Wie ein Häuptling herrscht er mit undurchschaubarer Willkür über seine Gefolgschaft, verbittet sich das übliche „Sir“ und kann seine Verachtung für die hierarchische Organisation und Bürokratie kaum verbergen. Seine Soldaten lungern im Dreck herum und er hat es sich in der Funktion des alleinigen Gesetzgebers bequem gemacht. Doch dahinter verbirgt sich kein Größenwahn, sondern Angst und Unsicherheit: Als einer seiner persönlichen „Diener“ bei einem Angriff ums Leben kommt, zieht er sich weinend wie ein gebrochener Mann in seine Hütte zurück.

Aber auch in der Art, wie Fleischer seinen Film erzählt, ist er seiner Zeit voraus: BETWEEN HEAVEN AND HELL hat keinen klaren Plot. Es gibt keine Mission, die Gifford mit seinen Kameraden zu bestehen hätte und die dem Film einen klar abgesteckten Rahmen geben würde. Der Film orientiert sich einzig an Giffords Kriegserfahrungen und in der daraus folgenden Episodenhaftigkeit erinnert er bereits an Filme wie THE BIG RED ONE oder THE THIN RED LINE. Ein Drittel des Films nehmen zwei lange Rückblenden zu Beginn ein: Eine davon zeigt den arroganten Gifford als Privatmensch vor dem Krieg, eine zweite schildert den Zeitraum vor seiner Inhaftierung. In der filmischen Gegenwart ist Gifford bereits ein gebrochener Mann, die Illusionen, die er sich über den Krieg gemacht hat, sind zerstört, alles, was noch übrig geblieben ist, sind Angst und Ehrfurcht vor dem Leben. Er ist nicht direkt ein Antiheld, vielmehr wird er zum Gespenst, unsichtbar, flüchtig, ohne greifbare Konturen. Es ist eine beachtliche Leistung des jungen Robert Wagner, der in eine totale körperliche Passivität abgleitet und nur noch aus einem Gesicht und einem Augenpaar besteht, das stets nach dem versteckten Todesschützen zu suchen scheint. Seine Entwicklung wird deutlich, wenn man sich seine Handlungen vor Augen ruft: Nachdem er sich in einem frühen, mutigen Einsatz seine Medaille verdient hat – schon da machen seine unkontrolliert zitternden Hände klar, dass es hier keine abgebrühten Kriegshelden geben wird -, besteht seine Großtat in der zweiten Hälfte darin, vor einer Übermacht davonzurennen und Hilfe für seinen verwundet zurückgebliebenen Kameraden zu holen.

Auffallend ist auch die zupackende Härte des Films, seine Darstellung des Todes als einer rücksichtslos aus dem Nichts zuschlagenden Kraft – übrigens typisch für Fleischers Schaffen, in dem der Tod selten „gerecht“, Gewalt schmutzig und schmerzhaft ist. Immer wieder fallen Soldaten unsichtbaren Heckenschützen zum Opfer, werden mitten im Satz aus dem Leben gerissen – teilweise von den eigenen Leuten. In der erschütterndsten Szene des Films, die Aufschluss über Giffords vorher erwähnte Disziplinlosigkeit gibt, erkundet der mit drei seiner Kameraden eine Ruine, in ihrem Rücken der Jeep mit zwei weiteren Soldaten, die ihnen mit einem Geschütz Rückendeckung geben. Als ein Teil der Ruine einstürzt, erschreckt sich der Schütze auf dem Jeep so sehr, dass er reflexartig zu schießen beginnt – und Giffords Freunde niederstreckt. Auch wenn dieser Moment – der auch aus einem Fuller-Film stammen könnte – der emotional nachhaltigste des Films ist, so bietet Fleischer noch weitere Actionszenen auf, die mich gestern wie der Blitz trafen: Ein nächtlicher Angriff, der in letzter Sekunde von einer Leuchtgranate erhellt wird und eine heranschleichende Dutzendschaft bewaffneter Feinde offenbart, würde jedem Horrorfilm zur Ehre gereichen (und erinnert natürlich an PLATOON). Das einzige, was BETWEEN HEAVEN AND HELL neben der CinemaScope-Fotografie und dem militärisch-zackigen (aber tollen) Score noch mit dem klassischen Hollywood-Kriegsfilm verbindet, ist das vielleicht etwas zu positive Ende. Man könnte mit Hitchcock aber auch einfach argumentieren, dass der Zuschauer sich nach 90 schonungslosen Minuten wenigstens dieses eine Zugeständnis verdient hat. Ums kurz zu machen: Ein fantastischer, leider nahezu vergessener früher Antikriegsfilm, der die Wiederentdeckung unbedingt lohnt. Groß! (Und das schreibe ich nicht nur, weil der US-DVD ein starspangledbanneriges Support-our-Troops-Kühlschrankmagnet beiliegt.)