Mit ‘Buddy Movie’ getaggte Beiträge

Basic CMYKZugegeben, LETHAL WEAPON 4 ist nicht so öde und lahmarschig wie der direkte Vorgänger, aber dafür so dermaßen übersteuert, dass er kaum weniger nervtötend wirkt. Seinerzeit fand ich ihn wohl ziemlich spektakulär und aufregend, die Melange aus Action und gefühlsduseliger Familienkomödie aber schon damals streitbar, weder wirklich zufriedenstellend noch gar überzeugend. Heute, knapp 15 Jahre später stehe ich dem Film gegenüber wie ein Höhlenmensch, der plötzlich mit Lady Gaga konfrontiert wird: Ich verstehe ihn nicht. Der Film suggeriert mir, dass mir das, was ich da sehe, ein Riesenvergnügen bereiten sollte, aber je überzeugter der Film von seinem Gelingen ist, umso mehr hat er mich befremdet und abgestoßen. Da ist diese wirklich grau-en-haf-te Szene, in der Riggs (Mel Gibson), Murtaugh (Danny Glover) und ihr neuer Partner Butters (Chris Rock – weil dieser Film nichts so sehr braucht wie noch einen Spaßvogel) sich in das Behandlungszimmer einer Zahnarztpraxis schleichen, um einen dort wartenden  Verdächtigen mithilfe von Lachgas zu verhören. Natürlich bekommen auch Riggs und Co. mehr als eine Brise des Betäubungsmittels ab, und die ganze Szene endet in unbändigem Gelächter und Lachkrämpfen, die an die Darbietungen einer mittelmäßigen Impro-Theatergruppe erinnern. Die Differenz zwischen meinem Gemütszustand und dem der Protagonisten hätte während dieser Szene kaum größer sein können. Nicht nur ist das ganze Lachgas-Szenario grauenhaft altbacken ist (es hilft nichts, dass Donner seit LETHAL WEAPON immer und immer wieder die Three Stooges referenziert, um sich abzusichern): Es ist einfach erschreckend unwitzig.

Der sich in dieser Szene niederschlagende Mangel an Selbstreflexion – Richard Donner scheint mir wirklich ein bemerkenswert dummer Mensch zu sein – zeichnet den ganzen Film aus. Hat denn wirklich keiner gemerkt, dass dieser Riggs ein grotesk unsympathisches Arschloch ist, mit seiner Herablassung gegenüber Schwächeren, seinem unverhohlenen Hass auf die Chinesen, die hier das Schurkenpersonal stellen, seiner Bully-Mentalität und seinem Sexismus? Besonders ätzend gerät der unvermeidliche Auftritt der Polizei-Psychologin: Nachdem sie ihm erneut eine Therapie angeraten hat (gähn!), stellt Riggs sie vor versammeltem Polizeirevier bloß, indem er ihr sexuelles Interesse an ihm unterstellt. Klar, dass ein selbstverliebter Geck wie er sich nicht vorstellen kann, dass eine Frau aus einem anderen Grund mit ihm spricht. Und wie idiotisch sich alle verhalten! Riggs erfährt in der Eröffnungsszene von Murtaugh, dass Lorna (Rene Russo) von ihm schwanger ist, weil sie sich nicht getraut hat, es ihm selbst zu sagen. In den folgenden 120 endlosen Minuten vollführen die beiden Endvierziger einen Eiertanz um die Frage, ob sie heiraten sollen: Man fühlt sich wie im Kindergarten. Murtaughs Tochter Rianne hat ihrerseits nicht nur ihre Schwangerschaft vor ihrem Daddy geheim gehalten, sondern gleich auch noch ihre Heirat einschließlich Ehemann. Die Versuche des Inkognito-Schwiegersohns Butters, sich bei Murtaugh beliebt zu machen, missversteht dieser „natürlich“ als die Avancen eines Schwulen. Es ist wirklich beeindruckend, wie würdelos sich Erwachsene verhalten können. Oder vielmehr: Was Donner so alles für lustig hält. Alles aus ist dann am Schluss, wenn es eine rührselige Ansprache von Leo Getz (Joe Pesci) gibt, der nunmehr seit drei Filmen übelste Demütigungen und Beschimpfungen über sich ergehen lassen musste und trotzdem vor lauter Dankbarkeit fast vergeht. Die zwei, drei netten, wirklich witzigen Momente – etwa das Mantra-artig wiederholte „I’m not too old for this shit!“, eine auf-den-Kopf-Stellung von Murtaughs Lieblingsspruch, mit der die beiden ihre unleugbaren Alterserscheinungen wegbeten wollen – fallen bei der Anzahl schmerzhaft-idiotischer Einfälle kaum ins Gewicht.

Von der Actionfront gibt es leider kaum Positiveres zu vermelden. Es kracht, wie erwähnt, etwas mehr als im dritten Teil, aber wirklich mitreißend ist das alles nicht. Der Erfolg einer spektakulären Verfolgungsjagd wird massiv dadurch geschmälert, dass man Gibsons Stunt-Double allzu oft allzu gut erkennen kann, Jet Lis Martial-Arts-Künste sind weitestgehend verschenkt, zumal seine Rolle mit „eindimensional“ noch reichlich wohlwollend beschrieben ist. Nee, nee, das ist alles nichts. Vielleicht ist LETHAL WEAPON 4 einfach schlecht gealtert, vielleicht ist man bei der gerechten Einschätzung des Films auch durch Gibsons Eskapaden in den  letzten Jahren beeinträchtigt. Aus heutiger Warte kann ich mir jedenfalls kaum erklären, warum ich diesen Film nicht damals schon gehasst habe. Ein eindrucksvolles Beispiel, dass Älterwerden mitnichten bloß körperlichen und geistigen Verfall bedeutet, sondern manchmal auch mit einer begrüßenswerten Weiterentwicklung einhergeht.

lethal-weapon-3-pLETHAL WEAPON 3 ist eine Katastrophe. Ein komplett unerträgliche Angelegenheit, die alles, was man schon in den beiden Vorgängern nur ausgehalten hat, weil das Gesamtpaket stimmte, auf epische Breite auswalzt und in noch einmal runtergedummter Version präsentiert – und dabei dann auch noch vergisst, wenigstens ordentlich Rabatz zu machen. Der Film beginnt mit der besten Szene – Riggs (Mel Gibson) jagt bei dem Versuch, eine Bombe entschärfen, ein Hochhaus in die Luft – und hat danach rein gar nichts mehr zu bieten. Jener Auftakt wurde dann damals auch marketingtechnisch weidlich ausgeschlachtet: Dass man eine echte Häusersprengung als Hintergrund benutzte, empfand man seltsamerweise als erwähnenswerte News und nicht etwa als billige Abkürzung der Filmemacher. Von diesem netten Einstieg an geht es nur noch bergab. Die ganz lustige Idee, die beiden Chaos-Cops zum Streifendienst zu verdonnern, wird nach einer kurzen Szene wieder verworfen, bevor sie wirklichen Ertrag eingefahren hat (immerhin dürfen die beiden Helden auf die ihnen eigene „sympathische“ Art einen arglosen Bürger drangsalieren). Der eigentliche Plot um einen Ex-Cop, der sein Insider-Wissen nutzt, um beschlagnahmte Waffen aus der Asservatenkammer zu stehlen, und diese dann samt Teflon-durchschlagender „Cop-Killer“-Munition an Street Kids verhökert, kommt nie in die Gänge. Ständig ist irgendein anderer Schwachsinn wichtiger: Leo Getz (Joe Pesci), der sich nun als geschwätziger Immobilienmakler verdingt, Murtaughs (Danny Glover) Haus verkaufen will und nach einer harmlosen Schussverletzung auf Geheiß seiner beiden feinen Freunde Darmspiegelung und Rektaluntersuchung erhält. Die sich anbahnende Beziehung zwischen Riggs und der Internal-Affairs-Beamtin Lorna Cole (Rene Russo). Das Drama um Murtaugh, der wenige Tage vor seiner Pensionierung in Notwehr einen auf die schiefe Bahn geratenen Freund seines Sohnes erschießt. Der ganze Film ist eine Ansammlung von Satelliten-Ideen, die aufgrund des Verlustes ihres Gravitationszentrums orientierungslos im Nichts schweben, weitab der Umlaufbahn, die ihnen vielleicht einmal Sinn verliehen hat. Der Oberschurke Jack Travis (Stuart Wilson) absolviert hingegen kaum mehr als gelegentliche Gastauftritte, damit man nicht vergisst, dass LETHAL WEAPON 3 ein Actionkrimi sein soll, und gerät zur totalen Non-Entität: Seine Motivation, sein Plan, das alles ist kaum von Interesse und wird dann lediglich zwischen Tür und Angel abgewickelt, weil man es nicht einfach ganz weglassen wollte. Der Showdown in einer nicht fertig gestellten Neubausiedlung wird zwar mit viel Tamtam und Gerumms inszeniert, wirkt aber verglichen mit den Actionszenen der Vorgänger wie aus einer Videopremiere geklaut. Man mag kaum glauben, dass die Köpfe hinter der Serie, die in den vorangegangenen Installationen vielleicht nicht sonderlich inspiriert war, aber für sich doch immerhin in Anspruch nehmen konnte, das Hollywood’sche Achterbahnversprechen ohne Einschränkungen einzulösen, sich zu diesem auf allen Ebenen enttäuschenden Rohrkrepierer hinreißen ließen und dafür noch nicht einmal die entsprechende und verdiente Quittung an den Kinokassen erhielten.

Inhaltlich wird die im Vorgänger schon angedeutete Richtung indessen konsequent weiterverfolgt: Riggs bekommt endlich die Frau zur Seite gestellt, die ihn zügeln und das Wasser reichen kann. Rene Russo absolviert als schlagkräftige Polizeibeamtin fast mehr Actionszenen als Gibson und die Szene, in der die beiden ihre Narben miteinander vergleichen, ist dann auch ein weitestgehend einsamer, wenn auch wenig origineller Höhepunkt des Films. Ein regelrechtes Ärgernis stellt hingegen wieder einmal der Auftritt der Polizeipsychologin Dr. Stephanie Woods (Mary Ellen Trainor) dar, deren unermüdliche, seit dem ersten Teil währenden Bemühungen, Riggs zu einer Therapie zu überreden, mittlerweile deutlich stalkerhafte Züge annehmen. Ein besonders frappierendes Beispiel für den ätzenden Anti-Intellektualismus, Sexismus und Chauvinismus, die die Reihe zwar von Beginn an begleiten, zuvor aber noch offensiv angegangen und daher produktiv zur Wirkung gebracht werden konnten. Der dritte Teil ist nur noch spießig und borniert, dabei aber auch noch jeder kontroversen Härte beraubt (als einziger der Reihe ging er in Deutschland mit 16er-Freigabe durch). Das liegt eben daran, dass die Ausgangsidee der Serie, die Paarung eines braven Familienmanns in den besten Jahren mit einem trainierten und an Depressionen leidenden Killer, im dritten Teil längst passé ist. Klar, Riggs muss sich auch hier mal wieder schmerzhaft die Schulter aus- und wieder einrenken (noch so eine alte, aufgewärmte Idee), und ab und zu darf er noch gefährlich mit den Augen rollen, doch eine tödliche Waffe, eine Bedrohung auch für das eigene Leben, ist er längst nicht mehr. Seine Kanten sind abgeschliffen, sein Schmerz gestillt. Papa hat ihn heim ins Reich geholt, wo der Kleingeist, der er ist, gänzlich reflexionsfrei seinem Omnipotenzwahn nachgehen und seine Polizistenmacht missbrauchen darf, um all jene zu gängeln, die nicht in sein begrenztes Schema passen. Aber das größte Vergehen von LETHAL WEAPON 3 ist noch etwas anderes: Dass Donner noch nicht einmal in der Lage ist, selbst ein Mindestmaß an Interesse für diese Figuren aufzubringen oder seinen Film wenigstens mit einem Tempo zu inszenieren, bei dem einem nicht vor lauter Langeweile die Füße und die Arschbacken einschlafen.

Nach dem Erfolg von LETHAL WEAPON war ein Sequel unvermeidbar. Nach Hollywood-Logik beinhaltet es alles, was den Vorgänger zum Hit machte, in erhöhter Dosis: Der Humoranteil wird durch die Einführung von Joe Pescis Charakter noch einmal gesteigert, die Actionszenen und Stunts sind elaborierter und ausufernder, die Gewalt ist für eine solche Großproduktion von bemerkenswerter Ruppigkeit. Nach den CIA-Schurken des ersten Teils wird eine besonders hassenswerte Antagonistenschar weißer südafrikanischer Rassisten aufgeboten, die unter dem Deckmantel diplomatischer Immunität ihr kriminelles Unwesen treibt. Hier schleicht sich dann sogar Tagesaktualität ein, wird nicht mehr gegen den 1989 schon in der Abwicklung befindlichen Ostblock propagandiert, sondern gegen den noch aktiven Apartheidsstaat. Das geschieht nicht ohne ätzende Polemik – alle weißen Südafrikaner des Films sind groteske Nazikarikaturen –, die durch die Anwesenheit Murtaughs gewissermaßen legitimiert wird (wer im ersten Teil genau aufgepasst hat, hat am Kühlschrank der Familie Murtaugh einen Anti-Apartheid-Free-South-Africa-Aufkleber entdeckt). Die Verwendungen des rassistischen Schmähworts „Kaffer“ sind nicht zu zählen und wirken heute, nach etlichen N-Wort-Debatten und PC-Diskussionen, reichlich zynisch und kalkuliert. Hinsichtlich der Affektsteuerung ist diese Konstellation natürlich Gold wert: Man wähnt sich mit der Sympathie zu Riggs und Murtaugh instinktiv sofort auf der richtigen Seite, auch wenn sich die Methoden, mit denen die Südafrikaner hier kollektiv als Unmenschen verurteilt und die USA als gelobtes Land der Toleranz gefeiert werden, jene so manches vermeintlich antisowjetischen Propagandafilms der mittleren Achtzigerjahre weit in den Schatten stellen. Der Zorn Riggs‘, der sich am Ende gegen die Schurken entlädt, nachdem seine neue Flamme (Patsy Kensit) exekutiert wurde, spiegelt den Amoklauf Rambos nach dem Mord an Co in RAMBO: FRST BLOOD PART II; mit dem Unterschied, dass die eigentlichen Schurken damals in den eigenen Reihen zu suchen waren – und in einem Akt der Selbstbeherrschung verschont blieben. Hier setzen sich Murtaugh und Riggs über geltendes Recht krass hinweg, spucken auf die diplomatische Immunität und richten den ätzenden Popanz Arjen Rudd (Joss Ackland) mit einem Kopfschuss hin, als der ihnen mit triumphierendem Grinsen seinen Diplomatenpass entgegenhält. Man könnte durchaus sagen, dass LETHAL WEAPON 2 mit seinen reaktionären Tendenzen, Gewalt- und Allmachtsfantasien im Gewand der Unterhaltung problematischer ist, als alle „reaktionären“ Actionfilme zuvor.

Auch inhaltlich erzählt LETHAL WEAPON 2 vom Regress: Riggs ist zu Beginn des Films ganz im Schoße der Familie Murtaugh angekommen, geht bei ihnen ein und aus. Der ständig auf des Messers Schneide tänzelnde Psychopath, der er im ersten Teil noch war, ist unter Kontrolle, hat seine Probleme gelöst. So berichtet er Murtaughs Gattin dann auch einmal von jenem Abend, an dem er vom Tod seiner Frau erfuhr: Zwar merkt man ihm an, wie es hinter der betont coolen Fassade brodelt, aber man muss keinen Rückfall in die manische Depression mehr befürchten. Seine an Masochismus grenzende Tollkühnheit nutzt er vor allem, um ein paar Dollar nebenbei zu verdienen: So befreit er sich durch mutwilliges Auskugeln des Schultergelenks gegen Geld von seinen Kollegen aus einer Zwangsjacke und renkt sie sich äußerst schmerzhaft vor den Augen der Polizeipsychologin, die ihn eh am liebsten in Behandlung sähe, wieder ein. Er gleicht einem domestizierten Wolf: Seine Unberechenbarkeit ist in geordnete Bahnen überführt, nutzbar gemacht. Wenn es nötig ist, wird er von der Leine gelassen. Dann zeigen seine Augen wieder dieses gefährliche Blitzen, ist ihm alles zuzutrauen, gleicht er einem Pyromanen in der Feuerwerkskörper-Fabrik. Wie dieser Mann tickt, wird sehr schön in einem eher unauffälligen Moment deutlich: Als er seinen Partner Murtaugh regungslos auf der Toilette sitzend vorfindet, mit ruhiger Stimme sprechend und wie von einer tiefgreifenden Erkenntnis befallen. schleicht sich echte Angst in Riggs Gesicht. Als Murtaugh Riggs jedoch offenbart, dass seine Kloschüssel mit einer Bombe versehen ist, die ihn dort seit Stunden festhält, entfährt diesem ein Stoßseufzer der Erleichterung. Mit einer handfesten lebensgefährlichen Situation kann er umgehen, mit dem Geständnis eines allzumenschlichen Problems wäre er indessen überfordert gewesen. Der weitere Verlauf des Films zeigt dann auch, das es ein frommer Wunsch ist, diesen Mann dauerhaft unter Kontrolle zu halten. Nach dem Tod seiner Liebschaft und der die Glaubwürdigkeit etwas überstrapazierenden Offenbarung, dass die Südafrikaner auch am Tod seiner Ehefrau beteiligt waren, rastet Riggs völlig aus, beginnt einen Ein-Mann-Feldzug gegen die Bösewichter, in den er auch seinen sonst so zivilisierten Freund Murtaugh mit hineinzieht. LETHAL WEAPON 2 macht eindrucksvoll klar, dass es nur eine Sache gibt, die diesen Riggs dauerhaft zähmen kann: Und tatsächlich wird er dann ja im nächsten Film eine gleichberechtigte Partnerin finden.

Die angesprochene Law-and-Order-Mentalität und der kaltschnäuzige Zynismus des Films werden zwar vordergründig durch die liebenswerten Kumpeleien des Films konterkariert, spiegeln sich aber auch in der herablassenden Behandlung, die Riggs und Murtaugh dem ihnen anvertrauten Leo Getz angedeihen lassen. Pesci lässt sich als kleiner Giftzwerg mit Plappermaul inszenieren, als Comic Relief, an dem sich die beiden echten Kerle abreagieren können – sogar der sonst so brave Murtaugh wird ihm gegenüber zum waschechten bully. Da setzt es in einer Tour Backpfeifen, Nasenstüber, verbale Demütigungen und Beleidigungen, die Leo in geradezu hündischer Ergebenheit hinnimmt und fast noch dankbar dafür ist, dass er von diesen beiden gewachsenen Mannsbildern wenigstens irgendwie wahrgenommen wird. Auch wenn Donner seine beiden Helden wahrscheinlich wirklich als dufte Typen verstanden wissen wollte: Eher unabsichtlich gelang ihm ein recht treffendes Bild einer geschlossenen Männergesellschaft, die nur ihresgleichen als gleichberechtigt akzeptieren kann, ihre Zuneigung in kleinen Sticheleien ausdrückt und Außenstehende ausschließlich mit einer Geringschätzung zu behandeln weiß, in der sich die Frustration über den eigenen gesellschaftlichen Status niederschlägt. Auch der Zorn auf die südafrikanischen Diplomaten ist nur indirekt mit deren Machenschaften und ihrer Ideologie zu erklären: Hinter dem Gesicht der Rechtschaffenheit verbirgt sich nichts anderes als die hässliche Fratze des Wutbürgers, der im gegenüber all das verkörpert sieht, was er nicht hat. Ich finde es toll, wie LETHAL WEAPON 2 – ganz wie seinem Protagonisten Riggs – die Kontrolle entgleitet und diese Fratze zum Vorschein kommt, wie der „Spaß für die ganze Familie“ zur verfilmten Bild-Zeitung gerät. Teil 1 war wahrscheinlich zwingender und runder, weniger aufgeblasen mit Albernheiten, aber das Sequel ist einzigartig in seiner Falschheit. Ein Spätachtziger-Masterpiece.

Seit über einem Jahr versuchen die beiden Polizisten „Freebie“ (James Caan) und sein hispanischer Partner „The Bean“ (Alan Arkin) dem Gangsterboss Red Meyers (Jack Kruschen) etwas nachzuweisen. Als sie endlich einen Beweis in seinem Hausmüll finden, fehlt ihnen nur noch der nötige Belastungszeuge. Doch der ist bis Montag nicht in der Stadt und just an jenem Tag soll Meyers von einem Killer erschossen werden. Um ihre Ermittlungen doch noch zu einem guten Ende zu bringen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als als Bodyguards für Meyers zu fungieren …

Hossa! Wer ein wenig mit Rushs Werk vertraut ist, der weiß, dass der Mann für Durchschnittskram eher nicht zu haben war. Sein THE STUNT MAN dürfte zu den eigenartigsten Filmen zählen, die je in Hollywood entstanden sind (nach diesem Film dauerte es satte 15 Jahre, bis Rush wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte: für COLOR OF NIGHT!) und FREEBIE AND THE BEAN, der im Gewand einer Krimikomödie daherkommt, steht dem kaum nach. Zwischen all den toughen oder ausgebrannten Cops, die den Polizeifilm in den Siebzigerjahren in erster Linie bevölkern, nehmen sich Freebie und Bean aus wie Paradiesvögel: Freebie ein typisch amerikanisches, raubeiniges Großmaul, dessen weicher Kern lediglich beim Abendessen mit der Geliebten mal zum Vorschein kommt, The Bean der straight man, den es braucht, um Freebie zu erden, ein immer irgendwie leidend wirkender, trauriger Clown im Billiganzug, bilden die beiden ein explosives, immer im Clinch liegendes Gespann, das keinen dritten (oder vierten) Mann mehr braucht, um als moderne Variante der Marx Brothers oder der drei Stooges durchzugehen. Es ist auch ein Beweis für die Fehlerhaftigkeit der Welt, ihre schmerzhaft-komische Imperfektion, die Freebie und The Bean selbst immer wieder hautnah erleben, dass sie beide noch ihrem Beruf nachgehen dürfen und nicht längst in hohem Bogen rausgeschmissen worden sind.

Zwar sind ihre übersichtlichen Erfolge nicht nur ein Zufallsprodukt ihres gemeinsamen Rapports, die beiden sind auch nicht schreiend inkompetent wie etwa ihre Kollegen aus der POLICE ACADEMY, dennoch scheinen sie von einem humorvollen und schadenfrohen Gott geschickt worden zu sein, um die im System eh schon vorhandenen Fehler noch zu verstärken. Oder als sei der Polizeidienst umgekehrt nur erfunden worden, um ihnen eine Beschäftigung zu geben, in der sie ihr anarchisch-zersetzerisches Potenzial am besten entfalten können. Und bei dem Chaos – das sie anrichten, in dem sie sich selbst befinden – ist es ein Wunder, dass Rushs Film nicht selbst davon in Mitleidenschaft gezogen wird. So wie seine beiden Helden die Maske der Gesellschaftsfähigkeit aufrecht zu halten bemüht sind, gelingt es auch Rush auf geradezu wundersame Weise, einen Eindruck von Kohärenz zu vermitteln. Bei allem Wahnsinn ist FREEBIE AND THE BEAN doch immer nur ein Stück jenseits der bekannten Normalität, gerade so weit, dass man immer wieder aufgeschreckt wird, wenn die Absurdität wieder besonders heftig einbricht: etwa wenn die beiden mit ihrem Auto von einer Hochstraße abkommen und in das Schlafzimmer eines alten Ehepaares krachen. Der Blick der beiden alten Leute, als sie das Auto mit den beiden Bullen am Fußende ihres Bettes sehen, spiegelt das Gefühl des Zuschauers während des Films wunderbar wider: Die Schluckaufs (-äufe?) der Handlung und die nervösen Tics der Protagonisten sind zwar niemals vorhersehbar, aber so richtig wundern tun sie einen dann auch wieder nicht. Der ganze Film ist ein Paradoxon: Es gibt Dinge, die sind wahrlich zu unwahrscheinlich, als dass sie nicht passieren würden.

FREEBIE AND THE BEAN ist aber keinesfalls ein letztlich doch nur lebloses Experiment, zu dem Zweck, herauszufinden, wie weit man die Mechanismen des Copfilms belasten kann, bis das ganze Konstrukt mit einem Krachen in sich zusammenbricht. Vielmehr feiert Richard Rush die Irrwege des Lebens, seine gottverdammte Tragik, die gleichzeitig Quelle aller Schönheit ist. Das Verhör, dem der glühend eifersüchtige Bean seine Frau unterzieht, um ihren Betrug bloßzustellen, das aber bloß dazu führt, ihn als hoffnungslos verliebten Narren zu entblößen, ist so eine Szene, bei der die Zeit stehenbleibt, man erkennt, dass die vermeintlichen Clowns Menschen aus Fleisch und Blut sind und man ihnen gar nicht so unähnlich ist. Das zunächst tieftraurige Ende, das anscheinend einen harten Bruch im Ton des Films markiert, ist eine weitere dieser Szenen: Hier entwickelt der Film plötzlich eine Emotionalität, die eine ganz neue Perspektive auf die Vorgänge eröffnet. FREEBIE AND THE BEAN ist natürlich auch zum Schreien komisch: Mein Favorit ist sicherlich die Szene, in der die beiden für ihre Verfehlungen vom wutschnaubenden Staatsanwalt (Alex Rocco) förmlich in der Luft zerrissen werden und die beiden sich in stammelnde Kinder verwandeln, die beim Süßigkeitenklau erwischt worden sind. Wer dachte, James Caan könne nur wortkarge Badasses, sollte sich hier eines Besseren belehren lassen. Und wer nicht wusste, was für ein begnadeter Komiker Alan Arkin ist, findet hier geeignetes Anschuungsmaterial. FREEBIE AND THE BEAN ist eine Wundertüte: Witzig, traurig, geistreich, rasant, einfach und kompliziert zugleich. Große Kunst, großes Entertainment. Und dabei auch noch wunderschön anzusehen. Begeisterung.