Mit ‘Cailee Spaeny’ getaggte Beiträge

Hatte irgendjemand auf dieses Sequel gewartet? Ich gebe ja zu, dass mir der erste Teil damals durchaus Spaß gemacht hat, aber nachhaltig war auch der nicht: Ich kann mich an nichts mehr aus Del Toros Kampfroboter-treffen-auf-Riesenmonster-Spektakel erinnern, außer daran, dass es da ordentlich Rabatz mit guten CGI-Effekten gab. Soweit ich weiß, blieb der Film auch kommerziell weit unter den Erwartungen, aber wahrscheinlich fiel dann doch noch genug Gewinn ab, um ein Sequel verantworten zu können. Für dieses zeichnete der mexikanische Regisseur, der mit THE SHAPE OF WATER nach Jahren der Enttäuschungen endlich seinen großen Triumph feiern durfte, nur noch als „Visual consultant“ verantwortlich, als ob die Stabsliste mit ihren gefühlten viereinhalbtausend Computereffektmenschen noch nicht überladen genug wäre. Sein Humanismus hatte es schon im Vorgänger schwer, aber im Sequel, dem Spielfilmdebüt von DeKnight, fehlt er an allen Ecken und Enden. PACIFIC RIM: UPRISING ist eine reine virtuelle Hightech-Materialschlacht, die zwar beeindruckend aussieht (wenn man sich damit arrangieren mag, dass er im Grunde genommen ein Trickfilm ist, in dem auch ein paar Schauspieler rumstehen), aber mit ihrem für Kinder aufbereiteten Militär-, Heldentod- und Waffenfetischismus einen ziemlich bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Der Film ist wie STARSHIP TROOPERS ohne die ätzende Satire und den kritischen Impetus.

Nach den Ereignissen aus Teil 1 räumt die Menschheit immer noch die Trümmer der geschlagenen Roboterschlacht weg und wappnet sich für eine Rückkehr der aus einer anderen Dimension stammenden Kaijus. Auf einer Militärbasis in China werden Jugendliche zu Piloten der wolkenkratzergroßen Jaeger ausgebildet. Dahin verschlägt es auch Jake Pentecost (John Boyega), Sohn eines gefallenen Kriegshelden, und die junge Amara (Cailee Spaeny), die ihre Eltern bei einem Monsterangriff verlor und aus Schrott selbst einen voll funktionstüchtigen Jaeger konstruierte. Der chinesische Waffenkonzern ist außerdem dabei, eine ferngesteuerte Variante der Riesenroboter zu entwickeln. Doch die Prototypen laufen Amok und leiten die Rückkehr der Riesenmonster ein. Pentecost muss mit den jungen Rekruten in die Schlacht ziehen, um das Ende der Welt zu verhindern.

Riesenroboter vs. Riesenmonster, das versteht man oder man versteht es nicht. Der Appeal ist entweder da oder nicht. Der Bezug zu den japanischen Vorbildern um Godzilla wird ganz offen im Begriff „Kaiju“ für die Monster herumgetragen, aber von deren Herz, Unschuld und Naivität könnte sich PACIFIC RIM: UPRISING eine dicke Scheibe abschneiden. Nicht nur, dass die Monstren hier vollkommen gesichts- und identitätslose Wesen sind, die ausgerottet werden müssen, als Soldaten für die weltrettende Schlacht werden Jugendliche und Kinder herangezogen, denen nicht nur das Know-how für die waffenstarrende Technologie, sondern gleich auch noch die nötige Opferbereitschaft angedrillt werden. Die Szenen, in denen sie sich in ihrer fensterlosen Baracke nach den typischen Beleidigungen gegenseitig an die Kehle gehen und Respekt für sich einfordern, bevor sie von den strengen Ausbildern zu Disziplin und Loyalität vor dem großen Ziel ermahnt werden, sind schmerzhaft. Was ist das für ein Unterhaltungskino, in dem der Vernichtungskrieg mit möglichem Heldentod als erstrebenswertes Ziel für Menschen gezeichnet wird, die noch nicht einmal Sex hatten? Das Gehorsam und die Aufgabe der eigenen Identität als Zeichen von Stärke entwirft? Und dabei noch so unehrlich ist, das Gegenteil zu behaupten? Natürlich soll Amara immer die bleiben, die sie ist, wie ihr ihr pseudorebellischer Ausbilder einflüstert. Es ist ein krasse Lüge, denn natürlich sind solche Eigenschaften genau so lange gewünscht, wie sie dem großen Ziel nicht im Weg stehen. Pentecost selbst ist ja das beste Beispiel: Am Anfang noch das aufmüpfige Großmaul mit Straßenattitüde, legt er seine Respektlosigkeit, die der Film als Hindernis auf dem Weg zum Kriegshelden zeichnet, schnell ab, um vor der Schlacht auf Leben und Tod große Motivationsreden zu halten, von Familie und Selbstverwirklichung zu schwafeln. Er gibt am Ende sogar zu, nur Phrasen gedroschen zu haben, aber der Zweck heiligt die Mittel.

Wenn die Effekte von PACIFIC RIM: UPRISING State of the Art sind, sind die Dramaturgie und die Tricks, die das Drehbuch wie Kaninchen aus dem Hut zaubert, sobald es nicht mehr weiter geht, von vorgestern. Neben seiner kriegstreiberischen Attitüde krankt der Film auch daran, dass er die innerhalb seiner Welt gültigen Regeln auf dem Weg verwirft oder neu erfindet – darin erinnert er tatsächlich an Achtzigerjahre-Cartoons um GI Joes, Transformers oder M.A.S.Ks, die auch immer ein neue Wunderwaffe aus dem Hut zauberten, wenn sie sich in eine Ecke geschrieben hatten. Was die Roboter oder die Monster können und nicht können, wird nie wirklich etabliert, ständig ist alles möglich. Spannung ist hier nur ein vorauseilend gehorsamer Reflex auf Oberflächenreize. Das ist dann auch das einzige, woran ich halbwegs Spaß hatte: Großen Viechern dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig zu Klump hauen und dabei eine ganze Stadt dem Erdboden gleichmachen. Mit Film hat das aber kaum noch was zu tun. PACIFIC RIM: UPRISING ist Mobilmachung vor Greenscreen.