Mit ‘Cameron Mitchell’ getaggte Beiträge

Man muss sich ja schon ein bisschen wundern, welche Filme heute das Arrow-Treatment erfahren. Dieser lokal in Wisconsin produzierte Film aus dem Jahr 1989 wurde nach Fertigstellung erst einmal im Giftschrank abgelegt und erst vier Jahre später unters nicht gerade ungeduldig wartende Volk gebracht, vermutlich weil die Produktionsfirma Windsor Lake in diesem Zeitraum einigen Wind mit ihren unter dem Siegel „Fangoria Films“ produzierten Splatterfilmchen machte. Die Bluray von Arrow wartet mit Extras wie einem Audiokommentar des Regisseurs, des Effektmannes und des Drehbuchautoren sowie einem Making-of auf und so begrüßenswert ich es grundsätzlich finde, dass dieser Aufwand nicht nur für anerkannte Klassiker, sondern auch für vollkommen unbedeutende Käsefilmchen betrieben wird, so frage ich mich doch: Wer braucht das?

TRAPPED ALIVE ist ein typischer DTV-Schlocker der späten Achtziger: Nichts hier ist irgendwie bemerkenswert. Das Script wurde wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden runtergerockt, alle Settings schön plastikmäßig und vor allem hell ausgeleuchtet, zwei attraktive, aber mäßig talentierte Häschen als Hauptdarstellerinnen gecastet und zwei andere, leicht bekleidete aufs Cover gepackt und zu guter Letzt ein doofes Monster zusammengeschustert, das man im fertigen Film für etwa 28 Sekunden zu Gesicht bekommt. Als großen Coup konnte man noch Cameron Mitchell für den schauspielerischen Glanz verpflichten und dazu bringen, in dreieinhalb Szenen, die für das eigentliche Geschehen keinerlei Bewandtnis haben, zu monologisieren und betrübt dreinzuschauen. Es gibt ein klitzeklitzekleines Bisschen Gore und ein klitzeklitzekleines Bisschen nackte Haut und dann ist der Spuk nach knapp 90 Minuten zu Ende, ohne irgendwelche echten Emotionen ausgelöst zu haben. Es geht sehr viel schlechter, aber auch deutlich besser: TRAPPED ALIVE ist Mittelmaß, und überrascht allerhöchstens deshalb positiv, weil man eigentlich davon überzeugt war, dass er totale Kacke ist.

Die Geschichte um zwei Mäuschen, die an Weihnachten von drei Ausbrechern überfallen und gekidnappt werden und dann schließlich im Schacht einer verlassenen Mine landen, in der ein kannibalistischer Rauschebart umgeht (der ein bisschen aussieht wie ein ungewaschener Weihnachtsmann in zivil), erinnert ein bisschen an Gary Shermans ungleich besseren RAW MEAT und wird ohne echte Einfälle abgespult. Ein Nebenstrang der Handlung dreht sich um eine einsam in einer nahegelegenen Hütte wohnende Femme fatale, die sogleich beginnt, den nach den Ausbrechern fahndenden Polizisten zu becircen. Der scheint zunächst die heldenhafte Identifikationsfigur zu sein, macht aber eine plötzliche Metamorphose zum Arschloch durch, als er den Schurken in der Mine begegnet. Für den großen Schlusskampf, der gar keiner ist, ebenso plötzlich und unspektakulär endet, wie er angefangen hatte, kriegt er sich aber wieder ein und erkennt an, dass der letzte Überlebende der Bösewichte eigentlich ganz nett ist (er hatte ihm zuvor den wahrscheinlich nutzlosesten Fußverband ever aus einem goldenen Kunstledergürtel geknotet). Die Heldin entkleidet sich bis auf ihre Dessous, um in ein Wasserloch zu springen, die Femme fatale taucht mit der sensationellen Schlussenthüllung auf, dann fliegt alles in die Luft. Und Cameron Mitchell, der in kurzen Intermezzi immer wieder sorgenvoll in sein Whiskeyglas stiert und sich fragt, wo die geliebte Tochter denn nur bleibt, wird am Ende noch nicht einmal darüber aufgeklärt, dass es ihr gut geht. Der arme Mann!

 

 

Jim Brown ist eine amerikanische Footballlegende: Während seiner Zeit in der NFL, von 1957 bis 1965, wurde er in jedem Jahr für den ProBowl nominiert, das jährliche All-Star-Spiel, brach reihenweise Rekorde und gilt vielen als bester Footballspieler aller Zeiten – was ihn automatisch zu einem der größten Sportstars überhaupt macht. Für einen Deutschen ist Browns Popularität, vor allem bei Afroamerikanern, die in den Sechzigern ja noch ganz akut von der Segregation betroffen waren, kaum annähernd einzuschätzen und zu bewerten. Seine Beliebtheit mündete unmittelbar nach seinem Karriereende in eine neue Laufbahn als Leinwandheld, in der aber – da sind wir wieder beim alltäglichen Rassismus – zunächst die zweite Geige als Sidekick weißer Stars spielen musste, etwa in THE DIRTY DOZEN, DARK OF THE SUN, ICE STATION ZEBRA. Ein paar Hauptrollen in kleineren Produktionen fielen auch ab, z. B. in KENNER, 100 RIFLES, TICK … TICK … TICK … oder RIOT, aber es war dann SLAUGHTER, der seinen Ruf als einer der großen Blaxploitationhelden zementierte. Der billig runtergekurbelte Film war ein Hit, dem kurze Zeit später ein Sequel sowie weitere ähnliche Engagements folgten: BLACK GUNN, THREE THE HARD WAY sowie der von Antonio Margheriti inszenierte TAKE A HARD RIDE.

SLAUGHTER gilt mithin als einer der großen Hits seines problematischen Genres, aber so richtig warm geworden bin ich mit ihm auch bei dieser zweiten Sichtung nach vielen Jahren nicht. Wer auf ruppige Gewalt steht – und wer tut das nicht? -, der wird hier durchaus fündig, aber sowohl erzählerisch wie auch schauspielerisch und inszenatorisch ist Starretts Film kaum anders als als holprig und steif zu bezeichnen. Der Regisseur sollte im weiteren Verlauf seiner kurzen Karriere deutlich stärkere Arbeiten vorlegen, etwa das Horror-Roadmovie RACE WITH THE DEVIL oder den tragikomischen Heist-Film THE GRAVY TRAIN. SLAUGHTER, der eine sehr banale und schmucklose Rache- und Crime-Geschichte erzählt, hat hingegen nicht viel mehr zu bieten als die Präsenz Browns, die dicken Titten von Stella Stevens und eben die splatterigen Einschüsse. Auch Starrett selbst scheint nicht allzu überzeugt von der Potenz seines Scripts gewesen zu sein, was man daran erkennt, dass jede Gewaltszene mithilfe einer kruden Fischaugenlinse aufgemotzt wird. Es fallen ein paar schöne Aufnahmen ab, das Finale drückt ganz gut aufs Gas, Rip Torn gibt einen herrlich widerlichen Schurken und wirklich langweilig ist SLAUGHTER nun auch nicht, weil er sehr verlässlich nach zwei bis drei öden Dialogszenen, die das Nichts an Handlung sehr unbeholfen vorantreiben, eine Keilerei einschiebt, aber fesselnd ist definitiv was anderes. Die bunte Funk-geschwängerte Absurdität, die die besseren der kommerziellen Blaxploiter jener Tage an den Tag legen, geht ihm ebenfalls völlig ab: SLAUGHTER ist noch sehr in den Sechzigerjahren verhaftet und wirkt teilweise ziemlich altbacken. Vielleicht klappt’s beim nächsten Mal besser …

Gattin und Sohn eines afrikanischen Königs werden von dem schurkischen Rebellenführer Tabrak (James Ryan) entführt. Das CIA, dem an der Stabilisierung der politischen Verhältnisse in dem Staat sehr gelegen ist, reaktiviert den ehemaligen Agenten Monroe Bieler (Robert Ginty), um die Entführten zu befreien und Tabrak zur Strecke zu bringen …

CODE NAME VENGEANCE ist einer der zahlreichen preisgünstigen Actionklopper, die Ginty in den Achtzigern machte: Vorbilder waren meist populärere, größere Actionfilme, im Schlepptau des B-Movie-Stars befanden sich dann abgewirtschaftete Veteranen wie hier Cameron Mitchell, blondes Eye Candy wie Shannon Tweed oder aber Darsteller, die man aufgrund ihrer Nebendarstellertätigkeit in populären Filmen als „Stars“ verkaufen konnte (siehe Sandahl Bergman in PROGRAMMED TO KILL). Regisseur Winters, ein gebürtiger Brite mit bis in die Sechzigerjahre zurückreichender Fernseh- und Showbizerfahrung (u. a. Episoden für THE MONKEES sowie der Alice-Cooper-Film WELCOME TO MY NIGHTMARE), hatte in den frühen Achtzigern das MANIAC-Quasisequel LOVE TO KILL inszeniert und für MISSION … KILL auch schon mit Ginty und Mitchell zusammengearbeitet. Wies letzterer aber ein als ambitioniert zu bezeichnendes Script und eine sehr ungewöhnliche, spannenden Story auf, ist dieser Nachklapp insgesamt deutlich bescheidener: Die Geschichte ist im Grunde nach fünf Minuten zu Ende erzählt und weicht dann einer Aneinanderreihung von Actionszenen sowie typischer Actionfilmklischees, wie dem alten, gut gelaunten Veteranen, dem sich als Verräter entpuppenden Sidekick sowie dem mit verdeckter Agenda handelnden CIA-Agenten, der am Schluss seine gerechte Strafe bekommt. Das Ende, mit dem per Helikopter ins Morgen flatternden Helden, das in MISSION … KILL eine deutlich pessimistische Note trug, verwendet Winters hier auch, setzt den Helden aber neben die geile blonde Tweed, die ihm verführerisch zuzwinkert, was den Unterschied zwischen beiden Filmen auf den Punkt bringt.

CODE NAME VENGEANCE ist ziemlich ruppig und in seinen Ballereien durchaus gefällig, aber dann auch wieder viel zu routiniert. War MISSION … KILL noch vollgestopft mit interessanten Figuren, Subplots und Motiven lässt dieser Film jedes spezifische Detail vermissen und wirkt so irgendwie lustlos und austauschbar. Das endlose Geballer ist letztlich vor allem ermüdend und wenn am Ende die Credits rollen ist kaum etwas hängengeblieben. Winters hingegen blieb hängen und zwar in Südafrika, wo er mit Reb Brown den ersten südafrikanischen Science-Fiction-Film drehte, den herrlich hirnrissigen SPACE MUTINY. Ginty, Tweed und Mitchell indessen zogen weiter und sorgten mit ihrem kommenden Output weiterhin dafür, dass der Nachschub für die Videotheken nicht abriss.

hollywood-cop-movie-poster-1988-1020299590Mit SAMURAI COP hat Amir Shervan sich einen Namen unter Menschen gemacht, die Freude an grotesk vergeigten Billigfilmen mit miesen Darstellern und dusseligen Dialogen haben. Der Film hat sich in den letzten 20 Jahren einen solch legendären Ruf erworben, dass im vergangenen Jahr sogar ein Sequel produziert wurde. Dieses ist dem Vernehmen nach jedoch einer dieser kläglichen Kandidaten, deren Macher es sich auf die Fahnen geschrieben haben, einen besonders bescheuerten, „verrückten“ und ach so kultigen Spaßfilm zu machen, und die daher nur für Menschen goutierbar sind, die sich bevorzugt in alkohoisierten Horden vor dem heimischen Flachbildschirm versammeln, um mal so richtig abzulachen. Zur Strafe für solche Unsitte sollte man ihnen HOLLYWOOD COP vorsetzen, mit dem sich Shervan nicht gerade einen Gefallen getan hat, der als Folterinstrument aber durchaus einer snnvollen Bestimmung zugeführt werden kann.

Der Auftakt ist noch furios: Gangsterboss Feliciano – Jim Mitchum hat zwischen zwei Hangovers einen kleinen Film eingeschoben – beauftragt seine goons, einen kleinen Jungen zu entführen, dabei jedoch kein Aufsehen zu erregen und keinerlei Zeugen zu hinterlassen. Schnitt zu einem kleinen Häuschen auf dem Lande, dem Kind, das mit einer Ziege spielt, und besagten Ganoven, die sich ihre Strumpfmasken überziehen, mit Karacho und Gebrüll einen Berg hinunterrennen und sich beim folgenden Überfall alles andere als unauffällig benehmen. Es stellt sich heraus, dass das Kind der Sohn eines ehemaligen Partners von Feliciano ist, der diesen um einen Haufen Kohle betrogen hat und außerdem längst von der die Mama des Blags geschieden ist. Die muss nun ihren Ex-Mann auftreiben, um das Lösegeld von 6 Millionen Dollar zu berappen und angelt sich zu diesem Behufe den etwas an Matthias Reim erinnernden Bullen Turkey (David Goss). Sie suchen und finden ihn, kaufen das Kind frei, doch – ätsch – im Koffer war nur Falschgeld und die ganze Nummer geht von vorn los. Tja, und das ist eigentlich auch schon die ganze Geschichte, die Shervan gnadenlos auf 100 quälend lange Minuten auswalzt. Die Freude über doof in die Gegend guckende Knallchargen, hässliche Settings und dummdreiste Dialoge, damit verrate ich wohl kein Geheimnis, trägt leider nicht halb so lang.

Wer wissen will, warum der Film HOLLYWOOD COP heißt, dem sei gesagt, dass es sich bei dem Stadtteil von L.A. schlicht und ergreifend um den Arbeitsplatz Turkeys handelt. Der Film spielt jedoch nicht in Tinseltown, sondern in irgendwelchen heruntergekommenen Vorörtchen, die eher nach Boise, Iowa aussehen. Die Namen der Darsteller in den Credits sind in einem Anflug von Größenwahn in die Sterne auf dem Walk of Fame hineinmanipuliert, die Protagonistin latscht zu Beginn kurz hintereinander am Chinese Theater und zwei Murals mit Hollywoodstars vorbei, das war’s. Der Rest dieses Rohrkrepierers verströmt so viel Glamour wie ein Loch in einer schmutzigen Tennissocke.

 

maybe-canadian-flag-day-was-takenIm abgeschiedenen Memorial Valley hat der skrupellose Geschäftsmann Allen Sangster (Cameron Mitchell) eine Campinganlage errichtet, die pünktlich zum bevorstehenden Memorial Day eröffnet werden und ihm die Taschen vollmachen soll. Auch diverse technische Probleme, nicht fertig gestellte Straßen und ein offensichtlich von einem Saboteuer in den Trinkwasserbrunnen geschmissener Hundekadaver lassen ihn von seinem Vorhaben nicht abbringen. Und so kommt denn, was kommen muss: Ein vor Jahren entführter Junge hat als Höhlenmensch im Tal überlebt und kämpft nun mit Speer, Axt und Booby Trap gegen die eine Müllspur hinter sich herziehenden Touristen. Park Ranger George Webster (John Kerry), spitzenmäßiger Fährtenleser und Vater des Verschollenen, und Sangsters mit ökologischem Bewusstsein ausgestatteter Sohn David (Mark Mears) nehmen zusammen mit einigen Campern den Kampf gegen den Killer auf …

MEMORIAL VALLEY MASSACRE ist einer der späten Nachzieher des zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen ausgeuferten Slasherbooms, der Videotheken durch die gesamten Achtzigerjahre hindurch mit nie versiegendem Nachschub versorgte. Das Wörtchen „Massacre“ im Titel löste bei Fans sofort schwitzige Handflächen und nervöses Zucken aus, auch wenn sie doch eigentlich längst hätten wissen müssen, dass damit meist die lahmsten und ödesten Vertreter der Zunft verkauft werden sollten. So auch hier: Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis irgendwas passiert, der Täter – ein zotteliger Teenie mit Fellwams, Metalmähne und Überbiss – ist indes gleich von Anfang an zu sehen, was jeden Funken von Spannung schon im Keim erstickt. Man verbringt viel Zeit mit den verschiedenen Campern, die genau jenen Typen entsprechen, die immer in solchen Filmen auftreten. Da gibt es die brave, ökologisch interessierte und sich zunächst spröde gebende Schönheit, die im Laufe des Films natürlich mit dem jungen Protagonisten anbändeln wird, den gruselige Geschichten erzählenden und Böses vorhersagenden schwarzen Hausmeister, der von niemandem ernst genommen wird, die Rockerbande, die sich hart gibt, am Ende aber tatkräftig mithilft, die notgeile Teenie-Ische, die gleich zwei willige Typen mitgebracht hat, diese aber nur hinhält, und natürlich den Militär-Crack (William Smith) im gepanzerten Wohnmobil, der als Endgegner für den Killer aufgebaut wird, dann aber schon vorher ins Gras beißen muss. Die Effekte locken keinen Hund hinter dem Ofen hervor und die ganze Chose wird so spannungsarm und vorhersehbar abgespult, dass es schwerfällt, überhaupt von einem Horrorfilm zu sprechen. Vielmehr erinnert MEMORIAL VALLEY MASSACRE an eine zu lang geratene Episode einer typischen US-Serie der Achtzigerjahre. Die beiden Stars Mitchell und Smith erhalten zwar die oberen Ränge in den Credits haben aber kaum mehr als Gastauftritte. Ihre Einstellung erinnert durchaus an die, die auch hinter dem Film steckt: Mit möglichst wenig Arbeit nen ordentlichen Paycheck einstreichen. MEMORIAL VALLEY MASSACRE kann ich beim besten Willen nicht weiterempfehlen, aber irgendwie mag ich solchen Käse.

„The road to hell is paved with good intentions“, wusste der irische Dramatiker George Bernard Shaw. 1950 gestorben, blieb ihm die Gelegenheit, die Richtigkeit seines berühmten Aphorismus anhand von Terence Youngs wahrhaft unfasslichem THE KLANSMAN erneut bestätigt zu sehen, leider – oder auch: zum Glück – verwehrt. Der Film ist eines jener Werke, die zwar nominell der Sphäre des studiofinanzierten Mainstreams zuzurechnen – die stargespickte Besetzung spricht eine deutliche Sprache, selbst wenn man einräumt, dass Burton und Marvin Mitte der Siebziger hinsichtlich ihrer Berühmt- und Beliebtheit nicht mit Redford, Newman und McQueen mithalten konnten –, aber eigentlich eher in der stinkenden Kloake des für die Bahnhofs- und Pornokinos produzierten Schmuddelfilms zu Hause sind. Filme wie THE KLANSMAN waren früher schon selten, heute, 40 Jahre später, wo kein Film mehr das Licht der Multiplexe erblickt, bevor nicht eine 400-seitige Zielgruppenanalyse erstellt wurde, sind sie vollkommen undenkbar – und deshalb umso wertvoller. Auch weil die Geschichte die Erinnerung an sie beharrlich zu verdrängen versucht: Die beste DVD-Veröffentlichung von THE KLANSMAN stammt aus Deutschland, präsentiert den Film unter dem erfundenen Titel VERDAMMT & VERFLUCHT (deutscher Originaltitel damals was VERFLUCHT SIND SIE ALLE) mit krisseligem, des Mediums eigentlich unwürdigem Bild und ohne den O-Ton, dafür aber mit der räudigen deutschen Synchro. Es steht zu vermuten, dass eine Deluxe-Blu-ray-Edition von Youngs Ku-Klux-Klan-Thriller genauso unwahrscheinlich ist wie eine Criterion-Edition der Filme von PM Entertainment. Aber der Reihe nach.

THE KLANSMAN spielt in einer Kleinstadt in Alabama, die fest in der Hand des Klans und darüber hinaus in Kürze Schauplatz einer Demonstration für die Wahlrechte der Afroamerikaner ist. Die Aussicht, das die „Nigger“ dieselben Rechte wie die überlegenen Weißen genießen sollen, versetzt die Herrenmenschen in Aufruhr, und Sheriff Track Bascomb (Lee Marvin) hat alle Hände voll damit zu tun, die Gemüter zu beruhigen. Das ist alles andere als leicht, da sein Freund Breck Stancill (Richard Burton) immer wieder Öl ins eh schon lodernde Feuer gießt. Sein Großvater wurde einst von Rassisten aufgeknüpft und dass er Schwarzen auf seinem Grundstück kostenlose Unterkunft gewährt und keinen Hehl aus seiner Verachtung für die Klanmitglieder macht, ist den Menschen im Ort ein Dorn im Auge. Als Nancy Poteet (Linda Evans), die Gattin eines „Kluxers“ angeblich von einem Schwarzen vergewaltigt wird, kocht die Stimmung endgültig über und es firmiert sich ein Mob, der einen Afroamerikaner als Sündenbock ausmacht und skrupellos umbringt. Der Mord wird beobachtet von Garth (O. J. Simpson), der Rache schwört und beginnt, die Mörder einen nach dem anderen auszuschalten …

THE KLANSMAN begibt sich von Beginn an in eine überaus undankbare Position, weil er gewissermaßen die Innenperspektive des südstaatlichen Rassismus einnimmt. Der Ausgleich, den beispielsweise ein Film wie Alan Parkers MISSISSIPPI BURNING in Form der Beamten implementiert, fehlt in Youngs Film fast völlig. Sheriff Bascomb hat mit dem Klan zwar nichts zu tun, aber in erster Linie ist ihm am Frieden in der Stadt gelegen. Und der ist nun einmal leichter zu sichern, wenn er den Rassisten nachgibt. Stancill nimmt eine dezidiertere Haltung ein, aber die führt eher dazu, dass er sich aus dem Alltagsleben in der Stadt heraushält und sich auf seinen Hügel zurückzieht. Als Zuschauer bekommt man sehr schnell den Eindruck, dass alles sehr viel leichter wäre, wenn es keine Schwarzen gebe. Oder wenn sie sich wenigstens fügen würden. Der Klan-Vorsitzende, Bürgermeister Riddle (David Huddleston), ist dann auch nicht etwa ein hasssprühender Rassist, vielmehr argumentiert er mit der kühlen Ratio des Unternehmers, warum es besser für die Wirtschaft ist, die „Nigger“ kleinzuhalten. Im ganzen Film gibt es nicht einen Menschen, der Klartext redet, der von der humanistischen Notwendigkeit einer Gleichstellung von Schwarz und Weiß überzeugt ist, der das etablierte System als falsch, verkommen, verbrecherisch und unmenschlich bezeichnet. Sie alle sind mit der Rassentrennung aufgewachsen, haben sie verinnerlicht, können nicht über sie hinausdenken. Auch die Studenten, die für die Demonstration in das Städtchen kommen, sehen sich ständigen Diffamierungen ausgesetzt, die der Film beinahe zu teilen scheint, weil er ihnen nie wirklich eine Stimme gibt. Das Bild, das THE KLANSMAN zeichnet, entspricht sehr wahrscheinlich der Realität im Süden der USA in den Siebzigerjahren, aber für einen Unterhaltungsfilm, der THE KLANSMAN ohne Frage ist, ist das verheerend. Der Rassenhass verkommt hier zum „aufregenden“ Setting für Action und Thrill, Sex und Gewalt.

Die Unmenschlichkeit, der Hass und die maßlose Dummheit, mit der der Zuschauer hier 105 Minuten lang konfrontiert wird, ist nur schwer zu ertragen. Am Anfang verlustiert sich ein Pulk weißer Männer am Kampf einer kleingewachsenen Schwarzen gegen einen riesenhaften, schwachsinnigen Mann, dem sie Geld dafür gegeben haben, die Frau zu überwältigen. Die vergewaltigte Nancy wird von der empörten Menge inklusive des Pfarrers aufgefordert, den Gottesdienst zu verlassen, da sie durch die Berührung eines Schwarzen „verunreinigt“ sei. Ihr Mann verlässt sie nach nur wenigen Tagen, weil er den Gedanken, ein Schwarzer habe sie angefasst, nicht mehr erträgt. Presseleute machen der Polizeibeamtin Trixie (Luciana Paluzzi), Bascoms Lebensgefährtin, ungehemmt eindeutige und ziemlich unflätige Angebote, die sie einfach so mit einem Lächeln hinnimmt. Und am allerschlimmsten: Als die Afroamerikanerin Loretta (Lola Falana) von Klanmitgliedern vergewaltigt wird, bringt Sheriff Bascomb – der Held des Films! – sie nur unter der Bedingung ins Krankenhaus, dass sie aussagt, sie sei von einem Schwarzen überfallen worden. Die deutsche Synchro macht alles nur noch schlimmer. Mit beinahe sadistischer Freude werden da immer neue rassistische und sexistische Verunglimpfungen erdacht und mit Inbrunst ausgespuckt. Man möchte sich nach der Betrachtung am liebsten von aller Schuld, die man auf sich genommen hat, reinwaschen. Es bleibt ein einziges Rätsel wie irgendjemand der an diesem Film Beteiligten meinen konnte, THE KLANSMAN sei eine gute Idee. Und dass mit William Alexander gar ein afroamerikanischer Geldgeber hinter dem Projekt stand, ist völlig unerklärlich

Richard Burton, der zu diesem Zeitpunkt seines Lebens täglich ca. drei Flaschen Wodka in sich hineinschüttete und kurz vor dem Exitus stand, war bei den Dreharbeiten in körperlich extrem schlechter Verfassung, erkrankte an Grippe und akuter Bronchitis, und musste überwiegend sitzend oder liegend gefilmt werden. Die Szene, in der er Cameron Mitchell verprügelt, war für ihn dann auch sichtlich schmerzhafter als für Mitchell. Nach seiner letzten Szene wurde der zunehmend stärker abbauende Waliser auf Geheiß von Regisseur Young sofort ins nächste Krankenhaus gebracht, wo es hieß, der Filmemacher habe ihm damit das Leben gerettet. Eine Anekdote besagt außerdem, dass Young seinen Make-up-Artist für dessen Job in Burtons Sterbeszene besonders gelobt habe. Dessen verdutzte Antwort war nur: „Ich habe doch gar nichts gemacht.“ Vielleicht hat sich Burton auch für THE KLANSMAN geschämt.

 

Die Studentin Scotty Parker (Rebecca Balding) kommt zu spät: Alle Wohnheimsplätze sind schon vergeben, also muss sie sich selbst auf die Suche nach einer Bleibe machen. Sie wird fündig in einem wunderschönen Haus direkt an der Küste, in dem der schüchterne Mason Engels (Brad Rearden) mit seiner Mutter (Yvonne DeCarlo) lebt und die Familienkasse durch Untervemietung der zahlreichen Zimmer an Studenten aufbessert. Scotty ist überglücklich und auch ihre studentischen Mitbewohner nehmen sie sofort gut auf. Doch bereits in der ersten Nacht fällt einer von ihnen einem Killer zum Opfer: Wohnt noch jemand im Haus?

THE SILENT SCREAM ist einer jener kleinen Schocker, die mein Leben sicherlich nicht mehr nachhaltig verändern werden, über die ich mich aber trotzdem immer wieder freue, wenn ein Wink des Schicksals – oder mein lieber Freund Robert – sie mir in die Hände spielen. Sauber inszeniert, mit auffallend gediegener Kameraarbeit und einem wunderbar altmodischen, an den richtigen Vorbildern orientierten Score, serviert Denny Harris keinesfalls spektakuläre, aber sehr solide Genrekost. Man muss ein bisschen Geduld mit dem Film haben: Mehr als ein hoher Bodycount oder zahlreiche Plottwists zeichnet den Film eine bestimmte Atmosphäre latenter Bedrohung aus. Die Kamera erkundet jeden verspinnwebten Winkel des alten Hauses und der orchestrale Score vibriert vor Herrmann’schen Spitzen.

THE SILENT SCREAM nimmt zwar einige Stichwörter vom damals gerade aufkeimenden Slasherfilm entgegen und fällt auch inhaltlich nicht so weit aus dem Rahmen, dass man ihn als „exzentrisch“ bezeichnen müsste, trotzdem geht er seinen eigenen Weg. Der zumindest rätselhafte, wenn nicht doch nur bescheuerte deutsche Titel PSYCHOCK weist die Richtung: Harris hat Hitchcocks bahnbrechenden Film bestimmt mehrfach gesehen und bemüht sich um einen ähnlich ruhigen Aufbau bis zur großen Enthüllung, die eine besonders dysfunktionale Familie präsentiert, aber durchaus Mitleid mit ihr evoziert, anstatt sie bloß als Butzemann für eine Pointe zu missbrauchen. Sie schockt zwar nicht mehr annähernd so schwer wie des Meisters finaler Twist das 20 Jahre zuvor vermutlich tat, trägt aber dennoch entscheidend zum Charme des zwischen den Stühlen Slasherfilm, Murder Mystery und Psychothriller sitzenden Films bei, der mich ein bisschen an THE UNSEEN erinnert hat, der allerdings etwas saftiger daherkommt. Die drei Stars des Films – Yonne DeCarlo als Mama, Cameron Mitchell als ermittelnder Polizist und Barbara Steele in von mir spoilervorbeugend nicht näher beschriebener Rolle – waren wahrscheinlich nur ein paar Tage am Set waren, wie es sich für einen echten Exploiter gehört: Doch gerade letztere wertet THE SILENT SCREAM immens auf. Genrefreunde sollten dem Film allein wegen ihr mal eine Chance geben.