Mit ‘Carey Lowell’ getaggte Beiträge

Das jungdynamische Erfolgspärchen Camilla (Carey Lowell) und Phil (Dwier Brown) ist jüngst nach Los Angeles in ein schickes Designerhaus umgesiedelt, als sich auch schon Nachwuchs ankündigt. Weil beide ihre Karriere nicht vernachlässigen wollen, engagieren sie eine Kinderfrau: die attraktive und sinnliche Camilla (Jenny Seagrove), die sich fortan rührend um den kleinen Jake kümmert. Doch in Wahrheit führt sie Böses im Schilde …

William Friedkin interessierte sich laut Audiokommentar für den Kontrast zwischen einem im Leben stehenden, modernen Paar und dem altertümlichen Unerklärlichen, das in dessen Leben Einzug hält: Camilla ist nämlich eine Bäume anbetende Druidin, die ihrem Heiligtum frische Babys zuführt. Das klingt schon nicht so, als habe Friedkin wirklich große Pläne für THE GUARDIAN gehabt, und so kommt der Film dann auch über effektives, aber natürlich famos inszeniertes Genrekino nicht hinaus. Dass Friedkin mit seinem Vorsatz, den genannten Zusammenprall des Gegensätzlichen abzubilden, scheitert, liegt vor allem daran, dass Camillas Druidenkult eine Leerstelle bleibt. Was sie von den Babyopfern hat, welche Macht sie tatsächlich hat und wer sie überhaupt ist, lässt der Film völlig unbeantwortet.

Aber dieser erklärerische Mangel hat auch den Vorteil, dass THE GUARDIAN ohne Durchhänger und Längen zur Sache kommt. Dazu trägt Friedkin natürlich einen nicht unerheblichen Teil bei: Er weiß einfach, wie man ökonomisch erzählt, und eine eigentlich banale Sequenz wie das Kinderfrauen-Audtioning mausert sich so unter seiner Regie zu einem der Highlights des Films, bei dem sich zahlreiche Regisseure hinsichtlich Timing und Pointierung noch etwas abschauen können. Weil darüber hinaus auch die happigen Splattereffekte und die atmosphärisch fotogafierten Gruseleinlagen ausgezeichnet sind, darf man THE GUARDIAN trotz aller Schwächen durchaus zu den besseren Horrorfilmen seiner Zeit zählen. Aber ich bin mir sicher, dass Friedkin noch deutlich mehr hätte herausholen können, hätte er sich mehr auf sein Protagonistenpärchen konzentriert, dass ein Kind in die Welt setzt, aber mit dessen Erziehung offensichtlich nichts zu tun haben möchte. Im Bild des Karrierepärchens, das die Arbeit einer Kinderfrau überlässt, während es sich mit seinen hippen Karrierefreunden über das Elterndasein austauscht, dann aber eilig zur Kettensäge greift, als ihr „Besitz“ plötzlich in Gefahr schwebt, ist THE GUARDIAN nämlich wirklich gruseliges Spätachtziger-Horrorkino.

Das „Magnet Project“ erlaubt es Schülern aus sozial schwachen Familien auf eine Eliteschule zu gehen, so auch dem freundlichen Danny (J. Eddie Peck). Natürlich gefällt das nicht allen Eliteschülern: Ein Anstieg der Kriminalität auf dem Campus wird sofort den ungeliebten Neuen in die Schuhe geschoben und ein Campus-Wachtrupp namens „Sentinels“ ins Leben gerufen, der vom Millionärssohn Randy (John Stockwell) angeführt wird. Die Methoden der Sentinels sind mehr als fragwürdig, aber der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Bis ein Teilnehmer des Magnet Project tot aufgefunden wird …

DANGEROUSLY CLOSE, vom B-Movie-Titan Pyun für die selige Cannon inszeniert, ist zunächst mal ein Fest für alle Achtzigerjahre-Fetischisten: Gleich zu Beginn gibt es eine dieser geilen Scheinwerfer-im-Nebel-Gegenlicht-Aufnahmen, ohne die ein Genrefilm damals einfach nicht auskam, der Soundtrack ist gespickt mit Hochkarätern von Depeche Mode, Robert Palmer, Fine Young Cannibals über T.S.O.L. und die Lords of the New Church bis hin zu Black Uhuru, neben den genannten Darstellern gibt es ein Wiedersehen mit RETURN OF THE LIVING DEAD-Star Thom Mathews und dem späteren Bondgirl Carey Lowell – hier noch mit einem überaus attraktiven Rest von Babyspeck – und inhaltlich vereint der Film zwei der dominierenden Themen seines Jahrzehnts: Selbstjustiz und Klassenkampf. So wendet sich der verschlagene Randy an den zurückhaltenden Danny (seines Zeichens Redakteur der Campuszeitung), weil er dessen Gewogenheit braucht, um seine Sentinels aus dem Fokus des Interesses zu ziehen, und genau weiß, dass er diesen mit seinem materiellen Besitz leicht beeindrucken und gefügig machen kann. Zwischen beiden beginnt ein Spiel um Macht und Verführung, das darüber hinaus mehr als nur latent sexuell konnotiert ist: Ein gerade im Kontext des Selbstjustizplots ziemlich reizvoller Aspekt.

Leider, leider wird dieser interessanteste Teil der Handlung, nachdem er ausführlich aufgebaut wurde, in der zweiten Hälfte des Films aus mir unerfindlichen Gründen zugunsten einer konventionellen, unspektakulären Abwicklung fallen gelassen. Die Beziehung zwischen Randy und Danny wird plötzlich aufgelöst und geht in eine „normale“ Rivalität über, die aber auch erst im Showdown ausagiert wird. Nichts, was in der ersten Hälfte angerissen wird, scheint in der zweiten noch eine Rolle zu spielen und das ist ziemlich schade, weil DANGEROUSLY CLOSE durchaus das Potenzial zu einem kleinen Klassiker gehabt hätte. So kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, jemand habe mehr abgebissen als er zu kauen in der Lage war. Ich vermute die Wurzel des Übels beim Drehbuch, aber das ist natürlich schwierig zu sagen. Pyuns Film landet so letztendlich doch nur beim leicht gehobenen Durchschnitt: Man kann sich DANGEROUSLY CLOSE durchaus ansehen kann, ohne sich ärgern zu müssen, aber der bittere Geschmack der Enttäuschung bleibt doch.