Mit ‘Cary Hiroyuki-Tagawa’ getaggte Beiträge

Der in Japan aufgewachsene Detective Kenner (Dolph Lundgren) musste als Kind mitansehen, wie sein Vater von einem Mitglied der Yakuza umgebracht wurde. In der Gegenwart erkennt der im japanischen Viertel von L.A. arbeitende Cop den Mörder wieder: Es ist Funekei Yoshida (Cary-Hiroyuki Tagawa), der Anführer der japanischen Iron-Claw-Bande, die in großem Stil Drogen unters Volk bringt. Gemeinsam mit seinem neuen Partner, dem Halbjapaner Johnny Murata (Brandon Lee), der von japanischer Kultur aber keinen blassen Dunst hat, geht Kenner auf Rachefeldzug …

SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO stammt aus einer Übergangsphase des amerikanischen Actionfilms, einem kurzen Zeitraum der Ungewissheit, der Suche, vielleicht sogar der Ratlosigkeit. Das Erfolgskonzept, das in den Achtzigerjahren noch einen Erfolg nach dem anderen hervorgebracht hatte, war überholt, ein neues noch nicht in Sicht. Dieser Schwebezustand bot aber rückblickend einen großen Freiraum für Action-Regisseure, denen vielleicht nicht die Riesenbudgets zur Verfügung gestellt wurden, die aber trotzdem wussten, wie das funktioniert mit Bewegung, Geschwindigkeit und Zerstörung auf der Leinwand. Mark L. Lester war einer von ihnen: Mit CLASS OF 1999 und SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO machte er zwei der schönsten Actionfilme jener Findungsphase (zusammen etwa mit Baxleys STONE COLD) und nachdem James Cameron mit seinem T2: JUDGMENT DAY dann die Blaupause für das neue familienorientierte Actionkino geliefert hatte, da drehte Lester EXTREME JUSTICE und NIGHT OF THE RUNNING MAN und gab klar und deutlich zu verstehen, was er von diesem neuen Actionkino hielt.

SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO ist schon fast aufreizend provokant in seiner Flüchtigkeit: Nach 75 Minuten laufen die Credits und bis dahin wird keine Minute verschwendet. Seine Protagonisten sind nach zehn Minuten vollständig charakterisiert und ihre Motivationen etabliert, sodass dazu übergegangen werden kann, eine Actionszene nach der anderen abzufeuern. Und trotz des immensen Gewaltpegels wirkt das alles niemals abstoßend und brutal, sondern sehr cartoonesk, ohne dabei jedoch in die Abgründe des Funsplatters abzugleiten. Im Grunde ist SHOWDOWN ein sehr infantiler Film: Seine beiden Protagonisten wirken wie große Kinder (man beachte die Jacke, die Lundgren im Film trägt und die wohl nur Zwölfjährige so richtig cool finden können) und ihr Einsatzgebiet ist der eigens für sie errichtete Abenteuerspielplatz, auf dem sie sich nach Herzenslust austoben können. Die Schurken – allesamt larger than life – scheinen extra dort abgeladen, damit Kenner und Murata sich ihrer mit viel Krawumm entledigen. Die Drogen sind tödlich, für Gefühle zwischen Hass und Liebe gibt es keinen Raum, die One-Liner sirren durch den Film wie abgefeuerte Projektile. Und wenn es weibliche Brüste zu sehen gibt, was nicht eben selten ist für einen 75-Minüter, dann sind sie groß und prall und immer perfekt ausgeleuchtet. Doch so wenig nachhaltig, so albern, flüchtig und konsequenzlos SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO auch ist: Ihm gelingt es all das auf eine Art und Weise zu sein, die einem dann doch Respekt abnötigt. Man könnte auch sagen, Lester habe einen No-Nonsense-Nonsense-Film gedreht: Er ist nie zu blöd, nie zu witzig, nie zu over-the-top, findet stattdessen immer das richtige Maß und scheint sich in jeder Sekunde darüber bewusst zu sein, was er ist. Er bringt eigentlich die besten Voraussetzungen dafür mit, ihn zu hassen: Zwei smarte Helden, die sich selbst ein kleines Bisschen zu cool finden, ein bisschen zu gut aussehen, ein bisschen zu breit grinsen; einen Schurken, der ein bisschen zu eindimensional böse ist, eine damsel in distress, die ein bisschen zu sehr als offensichtliches (und unwichtiges) love interest konzipiert ist, und eine Plotline, die die Glaubwürdigkeit ein bisschen zu sehr überstrapaziert. Aber seltsamerweise fällt nichts davon negativ ins Gewicht. Erklären kann ich mir das beim besten Willen nicht, aber ich bin froh, dass es diesen Film gibt, der seine ihm zugrunde liegende Intelligenz damit unter Beweis stellt, wie er die eigentlich ultrarassistische Zeichnung seiner Bösewichter in der Gegenüberstellung von Kenner und Murata aushebelt.