Mit ‘Casey Siemaszko’ getaggte Beiträge

secret_admirerSECRET ADMIRER. Das klingt kaum weniger bieder und langweilig als der deutsche Verleihtitel, der da eine CRAZY LOVE – LIEBE SCHWARZ AUF WEISS verheißt. Kein Wunder, dass der Film – in den USA im Double Feature mit CLASS auf DVD erschienen – mehrere Jahre bei mir im Regal auf seinen Einsatz warten musste, obwohl ich die Teeniekomödien aus den Achtzigerjahren ja eigentlich sehr mag. Was für ein Irrtum! Wie auch der zuletzt gesehene MANNEQUIN ist SECRET ADMIRE wirklich charmant, lebt von seinem hervorragend aufgelegten Darsteller-Ensemble aus glaubwürdigen Jungstars und verdienten Profis, denen man den Spaß an der Sache ansieht, und einem Drehbuch, das seiner Prämisse im Laufe der 90 Minuten immer noch weitere Aspekte abringt. Dass man auch noch Kelly Prestons ziemlich beeindruckende Oberweite zu Gesicht bekommt, kann natürlich auch nicht schaden, soll über diese Erwähnung hinaus aber nicht weiter thematisiert werden. Ein Gentleman genießt und schweigt.

Highschool-Kid Michael Ryan (C. Thomas Howell) hat eine Schwäche für die schöne Deborah (Kelly Preston), die so begehrt ist, dass sie nur mit College-Schülern ausgeht. Als er eines Tages einen anonymen Verehrerbrief in seinem Locker findet, ist er sicher: Der muss von ihr sein! Seine lyrisch unbeholfenen Antworten werden von seiner besten Freundin Toni (Lori Loughlin) auf Vordermann gebracht, erweichen so das Herz der eingebildeten Schönheit – und gelangen auf Umwegen auch in die Hände der Eltern der Turteltauben (Dee Wallace Stone und Cliff De Young auf der einen, Leigh Taylor-Young und Fred Ward auf der anderen Seite), was wiederum deren Eheleben mächtig durcheinander bringt …

Es ist genau dieser Kniff, der SECRET ADMIRER von der netten, aber auch harmlosen romantischen Highschool-Teeniekomödie in einen sehr sympathischen, humanistischen und warmen Film verwandelt. Wie die Eheleute da wie aus dem Nichts in eine Affäre taumeln, über den Kitzel sich selbst und dann wieder die Liebe zum Partner entdecken, ist toll, kein bisschen spießig und ehrlich gesagt auch interessanter als der eigentliche Plot. Vor allem Fred Ward, der Deborahs Papa als hardboiled cop mit weichem Kern gibt, beweist wieder einmal seine ganze Klasse, die sich leider viel zu selten in entsprechend großen Rollen niederschlug. Ähnlich überraschend verfährt SECRET ADMIRER mit dem College-Arschloch Steve (Scott McGinnis): Der eklige Jock, der kurz davor ist, auch die zierliche Toni auf die Matratze zu zerren, zeigt plötzlich Skrupel und Herz und wächst zumindest für einen kurzen Moment über das Klischee hinaus, das sich in Sportwagenpostern an seiner Wand zu bestätigen scheint. Bei so viel Liebe zum Detail macht es auch überhaupt nichts, dass die Auflösung des ganzen ein alter Hut und natürlich von der ersten Minute an für jeden, der nicht völlig auf den Kopf gefallen ist, vorherzusehen ist. Völlig Wurst, denn man nimmt das Happy End mit den beiden sich im Hafenbecken in die Arme schließenden zu gern mit. Lori Loughlin ist aber auch wirklich zum Anbeißen niedlich. Das Engagement für die grauslige Schmalzbacken-Sitcom FULL HOUSE wird ihrem Konto gut getan haben, aber hier zeigt sie deutlich größeres Potenzial, das nach dem Fernsehengagement leider nicht mehr gehoben werden konnte. Und auch C. Thomas Howell erinnert daran, warum er dereinst zu den großen Teeniehoffnungen zählte. In einer weiteren Nebenrolle als tölpeliger Kumpel Michaels ist Ex-YOUNG GUN Casey Siemaszko zu sehen. Runde Sache, das.

Jerry Mitchell überhört den Wecker, schreckt dann panisch hoch, um sich für den bevorstehenden Schultag fertigzumachen, an dem er die Verantwortung über den School Store hat. Nach einer hektisch besorgten Katzenwäsche, einem zwischen Tür und Angel eingenommenen Frühstück und dem Missbrauch der Mikrowelle als Wäschetrockner kann für ihn und die schon auf ihn wartende jüngere Schwester die Fahrt zur Schule beginnen, auf der er unterwegs noch seine eigentlich viel zu coole, gelassene und souveräne Freundin aufsammeln muss, deren ausgezeichnetes Timing sie ohne jede Eile und punktgenau in der richtigen Sekunde vor die Tür treten lässt. Kein Vergleich zum entnervten Jerry, der kurz darauf beinahe alle drei in einen haarsträubenden Verkehrsunfall verwickelt, den er nur kraft des unverschämten Glücks des Tüchtigen vermeiden kann. Just in dem Moment, als er den Schock abgeschüttelt hat und auf den Schulparkplatz einbiegt, drängt sich der Popsong vom Soundtrack in den Vordergrund und vermeldet: „This is something to remember me by.“ Das muss tatsächlich dazugesagt werden, denn Jerry ist eher der Typ „Mann ohne Eigenschaften“, der von allen übersehen wird. Sein grauer Wollpullover spricht Bände. Aber wir wissen jetzt: He will overcome.

Phil Joanous THREE O’CLOCK HIGH erzählt von einem Schultag, an dem für Jerry tatsächlich alles daneben geht und den er – wie jenen Unfall aus der Auftaktsequenz – unbeschadet überstehen muss, obwohl doch alle Zeichen auf Schmerzen, Demütigung, Bestrafung stehen. Der Film folgt jener unaufhaltsamen Eskalationslogik, bei der jedes einzelne Detail so in Stellung gebracht wird, dass sich für Jerry daraus entweder unangenehme Konsequenzen ergeben oder schon bestehende Gefahren noch verschärft werden. Für Jerry geht es tatsächlich um alles: Er fürchtet um seine Gesundheit, sein Leben, seine Schul- und Berufslaufbahn und seine Zukunft, aber es ist ja nicht zuletzt diese Furcht, die ihn in immer tiefere Schwierigkeiten treibt, weil sie ihn dazu verführt, weitere Dummheiten zu begehen. Das Schöne an THREE O’CLOCK HIGH ist, dass er sich der naiven Schuljungen-Perspektive Jerry Mitchells total verschreibt, obwohl er gleichzeitig ganz klar aufzeigt, dass die durchzustehenden Konflikte alles andere als existenzielle Bedeutung haben: Der neue Schüler Buddy Revell (Richard Tyson), von dem er um 15 Uhr eine vermeintlich tödliche Tracht Prügel erwartet, weil er es gewagt hat, ihn anzufassen, und über dessen bisherige Verbrechen und Straftaten die Schüler auf den Gängen der Schule fast ehrfurchtsvoll sprechen, ist zwar ein unangenehmer Bully und Angeber, aber eben kein Mörder, die Polizisten und Sicherheitsbeauftragten der Schule, die Jerry außerdem das Leben zu Hölle machen, als sei er ein Schwerverbrecher, letztlich nur ihre Macht auskostende Sesselfurzer. Wenn Jerry seine Nemesis Buddy mit einem Lucky Punch niederstreckt, ist dessen Bann gebrochen und es sind plötzlich Jerrys „Taten“, die im Stille-Post-Verfahren zu Legenden aufgeblasen werden. So bereitet die High School auf das Leben „da draußen“ vor: indem sie es in kleinerem Rahmen simuliert. Und sie ist als Erziehungsanstalt dann erfolgreich, wenn ihre Schüler ihre Simulation für bare Münze nehmen. Jerry ist in diesem Sinne ein absoluter Musterschüler: So arglos und lieb, dass ihm dieser eine Pechtag als einer erscheint, der über den Rest seines Lebens entscheiden könnte.

THREE O’CLOCK HIGH ist ein wunderbar bescheidener Film: Er kommt ganz ohne Subplots aus, konzentriert sich allein darauf, diese eine Geschichte gut und richtig zu erzählen und das gelingt ihm mit Bravour. Timing und Rhythmus, mit denen solche Filme stehen und fallen, sind perfekt, die Gags sitzen, die Figuren sind genau so weit charakterisiert, dass sie als Typen einerseits klar erkennbar bleiben, andererseits aber trotzdem lebendig sind. Die Besetzung ist ausgezeichnet – vor allem natürlich Casey Siemaszko, der fast jede Szene bestreiten muss – und nach 85 Minuten kommt der Film genau zum richtigen Zeitpunkt zum Ende. Kurzweil auf hohem Niveau von Phil Joanou, der später den Gangsterfilm-Klassiker STATE OF GRACE inszenieren sollte und mit THREE O’CLOCK HIGH sowas wie das Negativ zu FERRIS BUELLER’S DAY OFF gedreht hat: einen Film über die Odyssee eines Jungen, dem einfach alles misslingt. John Hughes‘ Films ist der Traum, das hier die Realität.