Mit ‘Chad McQueen’ getaggte Beiträge

Los Angeles in der nahen Zukunft des Jahres 2004: Während Kopien eines Aids-Impfstoffs den Markt fluten, haben die Polizisten Braniff (Chad McQueen) und Sledge (Gary Daniels) alle Hände voll zu tun, denn das Verbrechen ist vollkommen außer Kontrolle geraten. Hatte die Stadt das Verbrechen vor Jahren durch die Einrichtung einer „Personal Freedom Zone“, in der so genannte opferlose Verbrechen (Drogenhandel, Prostitution etc.) nicht mehr strafrechtlich verfolgt wurden, in den Griff bekommen, hat sich diese Zone nun in ein Kriegsgebiet verwandelt, dessen Konflikte immer mehr über seine Grenzen hinaustreten. Als Braniff und Sledge ein Gangmitglied (Jim Hellwig, der ehemalige Catchprofi „Ultimate Warrior“) in die Zone verfolgen, landen sie im Etablissement des Gangsterbosses Drexal (Joseph Ruskin), der dort Cage Fights veranstaltet. Sledge und Braniff beschließen, sich als Teilnehmer einzuschleusen …

Man merkt es vielleicht schon: FIREPOWER ist inhaltlich etwas zerfahren, packt die Ideen für mindestens zwei Filme in einen, der in der Folge nie so ganz zu sich findet. Pepin ist im PM-Stall für die Science-Fiction-Stoffe zuständig und so versprechen die ersten 20 Minuten ein absolutes Fest, das jedoch leider vertagt werden muss, als sich FIREPOWER in einen Arena-Fight-Film verwandelt. Dieses Subgenre des Actionfilms bezieht seinen Reiz aus der Gegenüberstellung unterschiedlicher Typen und Charaktere, deren Eigenschaften sich in unterschiedlichen Kampfstilen niederschlagen, sowie aus einer Dramaturgie, die der einer Sportveranstaltung nicht unähnlich ist: Man lernt während der Vorkämpfe die einzelnen Teilnehmer kennen, entwickelt Vorlieben und Abneigungen und sieht im Finalkampf idealerweise die Auseinandersetzung zwischen dem eigenen Favoriten und der persönlichen Hassfigur. Die Verteilung der Sympathien wird natürlich durch die Inszenierung gesteuert und die affektive Bindung durch Integration saftiger Spezial- und Toneffekte sowie aufwändige Choreografien gesichert. All das gelingt Pepin auf den ersten Blick nicht: Den Kämpfen fehlt jede dramaturgische Verbindung, weil der Turniermodus unklar ist, die Kämpfer bleiben bis auf eine Ausnahme (Art Camacho als „Viper“) anonym. So prügeln sich Sledge und Braniff dem Ende entgegen und man trauert über die verpassten Möglichkeiten.

Doch halt: Wie bei so vielen PM-Filmen steckt der Teufel auch hier im Detail. Das Turnier ist nämlich von Beginn an ein Fake, weil Drexal und seine Untergebenen das Kampfgeschehen aus einem Hinterzimmer per Computer manipulieren und so dafür sorgen, dass immer der „Richtige“ (= der, der ihnen am meisten Knete verschafft bzw. ihnen gewogen ist) weiterkommt; und verläuft etwas nicht nach Plan, erfinden sie einfach eine Ausnahmeregelung, die einem verwunderten Kämpfer eine unverhoffte Finalteilnahme verschafft. Auch dass die beiden Cops über die Fights ihr eigentliches Ziel aus den Augen verlieren, hat durchaus Methode: Vor allem Sledge geht in seiner neuen Rolle als Cagefighter vollkommen auf und legt ein äußerst unangenehmes Imponiergehabe an den Tag. Schrieb ich zu RIOT noch, dass Daniels in seinen Filmen zwar uncharismatisch, aber stets sympathisch daherkomme, so straft mich FIREPOWER Lügen: Mit blondem Pferdeschwanz, ärmellosem Holzfällerhemd, dämlichen Prolo-Phrasen wie „Rock’n’Roll“ und seinem arroganten Auftreten im Ring stellt er die Sympathien des Zuschauers auf eine harte Probe. Aber auch das ist eine Art Finte des Drehbuchs: Sledge wird von der anscheinend grenzenlosen Freiheit in der „Personal Freedom Zone“ verführt. Endlich kann er seinen niedersten Instinkten frönen und wird dafür auch noch bezahlt. Daniels Schauspiel ist mitnichten eine Fehlleistung, sondern führt zielgenau auf ein Ende hin, das ich hier nicht verraten möchte. Ich habe jedenfalls ziemlich blöd geguckt, als alle vorher als solche identifizierten Mängel plötzlich in einem ganz anderen Licht erschienen. FIREPOWER weist einige solcher Löcher auf, die am Schluss mit einem Mal Sinn ergeben. Mehr als in die Phalanx der mit dystopischen Motiven nur spielender Actionfilme reiht er sich so zwischen den echten filmischen Dystopien ein, indem er eine Welt zeichnet, die nicht nur an der sichtbaren Oberfläche verrottet und abgestorben ist, sondern deren Seelenlandschaften kaum weniger desolat aussehen.