Mit ‘Charles Band’ getaggte Beiträge

the gingerdead man (charles band, usa 2005)

Veröffentlicht: November 1, 2016 in Film
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1458510192063Ich habe mich auf diesen Seiten ja schon häufiger über Charles Bands Produktionsschmiede Full Moon ausgelassen. Eine mir selbst nicht ganz schlüssige Faszination für die beknackten Billigeproduktionen hat mich schon vor Urzeiten gepackt und lässt mich nicht wirklich los, auch wenn ich das Treiben der Firma keineswegs aktiv verfolge: So weit geht die Liebe dann doch nicht. Von den Filmen, die ich bisher kenne, sind vielleicht eine Handvoll als „akzeptabel“ zu bezeichnen, meist handelt es sich bei ihnen jedoch um furchtbar dilettantischen Quark, der sich zwar selber kein Stück Ernst nimmt, aber trotzdem nur mäßig komisch ist. Full Moon hat sich spezialisiert auf hirnrissige Prämissen mit stussigen Monstern – siehe den „Gingerdead Man“ oder auch die „Evil Bong“ -, die der erstaunlicherweise sehr aktiven Fangemeinde anschließend via breiter Merchandising-Palette um die Ohren gehauen wird. (Ich muss zugeben, die Vorstellung, eine Gingerdead-Man-Figur im Regal stehen zu haben, ist verlockender, als mir das Sequel anzuschauen.) Im Gegensatz zu den Kollegen von Asylum, die ebenso Trash mit Vorsatz produzieren und so auf den ersten Blick in eine ähnliche Kerbe hauen, sind Full Moon aber wesentlich konservativer. Ihre Filme sind genetisch allesamt in den Achtzigerjahren verwurzelt, als der Horrorfilm, begünstigt durch den boomenden Videomarkt, eine kommerzielle Glanzzeit erlebte und kleine Firmen mit preisgünstigen Produktionen richtig dick ins Geschäft kommen konnten. Die Filme von Full Moon waren eigentlich immer eher Komödie als Horrorfilme, aber angetrieben wurden sie von etablierten Motiven und Plotkonstruktionen, während Asylum den Genrefilm mit chaotischen CGI-Orgien an seine Grenzen und darüber hinaus führt.

THE GINGERDEAD MAN dauert knapp 70 Minuten, ist eine deutlich als solche erkennbare Variante von CHILD’S PLAY und fußt im Wesentlichen auf dem Witz, den irren Gary Busey einen mörderischen Gingerbread Man synchronisieren zu lassen. Busey, der sich nach einem respektablen Karrierestart in den Siebzigern zum Ende der Achtzigerjahre eine Nische als Darsteller für soziopathische Schurken oder bärbeißige Cops in großen Hollywood-Produktionen (LETHAL WEAPON, PREDATOR 2, UNDER SIEGE, POINT BREAK) freigeboxt hatte, ist heute vor allem berühmt-berüchtigt für sein erratisches Verhalten und seinen vermeintlichen „Wahnsinn“, möglicherweise die Folge einer Kokainüberdosis und eines Motorradunfalls, die ihn auch das Christentum für sich entdecken ließen. In THE GINGERDEAD MAN spielt er den Killer Millard Findlemeyer, der zu Beginn des Films ein Blutbad in einem Diner anrichtet, bevor er mit rollenden Augen von dannen zieht. Nach seiner Hinrichtung landet seine Asche durch einen Unfall im Ingwerbrot-Teig einer kleinen Bäckerei, deren Inhaber wesentlich verantwortlich für seine Verurteilung waren. Als auch noch etwas Blut in die Pampe platscht, ist der Zauber perfekt und ein von Findlemeyer besessener Weckmann metzelt sich wenig später durch die Backstube.

Was sich auf dem Papier putzig anhören mag, ist tatsächlich leider ziemlich schnarchig und ohne echten Esprit inszeniert. Die Spezialeffekte um den Keksmann stammen von John Carl Buechler und sind geradezu aufreizend rückständig: Die Nahaufnahmen des Gesichts offenbaren einer Gummi-Fingerpuppe, im Ganzen bekommt man das Gebäckmonster nie zu sehen, in Totalen handelt es sich um ein unbewegliches Furzkissen. Die Bedrohung, die von dem Mörder im Plätzchengewand angeblich ausgeht und die Protagonisten in Panik versetzt, ist für den Betrachter beim besten Willen nicht nachvollziehbar, und um ein einfaches Entkommen durch die Vordertür unmöglich zu machen, entpuppt sich die kleine Bäckerei als echtes Raumwunder mit labyrinthisch verschlungenem Grundriss. Die menschlichen Hauptfiguren stehen dem unbeholfenen Quatsch in Nichts nach: Sie hier zu beschreiben, wäre wirklich zu viel des Guten. Ich gestehe, ein paarmal herzhaft gelacht zu haben über diesen Dummfug: Charles Band gibt sich wirklich überhaupt keine Mühe, die Standardsituationen, aus denen THE GINGERDEAD MAN besteht, halbwegs plausibel herzuleiten, er klatscht sie einfach so aneinander und hält stur mit der Kamera drauf. Busey ist als Stimme des Lebkuchenmänneken leider ziemlich verschenkt, sein Auftritt zu Beginn bleibt der einsame Höhepunkt des Films und legt die Frage nahe, warum Full Moon nicht lieber einen Film gemacht haben, in denen Gary Busey vom Geist eines Weckmanns besessen wird, statt umgekehrt. Ein wenig reizt es mich ja schon, die drei (!!!) Nachfolger auch noch zu gucken (der dritte ist ein Crossover vom Ingwerbrotmann und der bösen Blubba), aber das Leben ist ja noch lang.

André Toulon (Guy Rolfe) erinnert sich, wie er in den Besitz seines Geheimnisses gekommen war: Als junger Puppenspieler (Greg Sestero) im Paris der Jahrhundertwende begegnet er eines Tages dem Jahrtausende alten ägyptischen Zauberer Afzel (Jack Donner). Der hat der Gottheit Suthek das Geheimnis des Lebens entwendet und ist nun auf der Flucht vor dessen Schergen. Er weiht den Puppenspieler ein …

RETRO PUPPET MASTER knüpft nahtlos an den Vorgänger an: Wie dieser befleißigt er sich eines ruhigeren, beinahe märchenhaften Tons und fährt damit ganz gut. Gleichzeitig kehrt er aber zur ursprünglichen Mythologie um den Puppenspieler Toulon zurück, beleuchtet nun endlich die genauen Umstände, unter denen er zu jenem Mann wurde, dem sich die ersten Filme der Serie widmeten. Unter normalen Umständen würde ich kritisieren, dass dieser Erklärbär-Modus eher dazu geeignet ist, das Mysterium, das einen guten Horrorfilm auszeichnet, zu zerreden: Aber bei einem Full-Moon-Film ist man für jede erzählerische Idee dankbar und realistisch betrachtet war ja schon der Original-PUPPET MASTER nicht gerade der Stoff, der einen um den Schlaf bringt. Von einem Erbe, dem man Schande machen würde, kann also nur schwerlich die Rede sein. Auffällig ist, dass man die ursprüngliche Erklärung – bisher hieß es immer, Toulon habe das Geheimnis des Lebens selbst von einer Reise nach Kairo mitgebracht – hier zugunsten einer neuen verwirft. Wahrscheinlich schreckte man – zu Recht! – davor zurück einen Film dieser Größenordnung in der ägyptischen Metropole anzusiedeln. So spielt RETRO PUPPET MASTER also in Paris, auch gut. Der Titel bezieht sich sowohl auf den Rückblickscharakter des Films als auch auf das Puppendesign: Statt der altbekannten Puppenheimer, an denen man sich doch etwas sattgesehen hat, gibt es hier Toulons erste Schöpfungen zu sehen, die noch weniger geschliffen – eben im Retrolook – daherkommen und sehr hübsch anzuschauen sind. Weniger gut gelungen sind die visuellen Effekte um Sutheks Diener, die einen leichten MATRIX-Einfluss erkennen lassen: besonnenbrillte Anzugtypen mit verzerrten Stimmen. Es handelt sich aber um reaktivierte Mumien mit aufgemalten Fäulnisflecken im Gesicht, das wäre also der originelle Part.

Wie schon die vorangegangenen Beiträge kann  auch dieser Film das Wohlwollen des geneigten Zuschauers (sprich: meins) nicht bis zum Ende aufrechterhalten. Es fehlt einfach eine Idee, die über das bloß routinierte Abspulen des Vorhersehbaren hinausginge. Ich vermisste eine Überraschung, Raffinesse: Mag sein, dass das zu viel verlangt ist von einem Full-Moon-Film, der in erster Linie Geld bringen soll, aber wenn man solche Filme nicht mit einem gewissen Enthusiasmus macht, warum dann überhaupt? Das Finale muss man schon als antiklimaktisch bezeichnen und das liegt nicht nur daran, dass offensichtlich keine Kohle da war, um sich etwas halbwegs Spektakuläres zu leisten. Wie dem auch sei: RETRO PUPPET MASTER ist ganz niedlich und bleibt als besserer Eintrag der Serie im Gedächtnis. Ich bin jetzt erst einmal ganz froh, etwas anderes schauen zu können. Die nach diesem entstandenen PUPPET MASTER-Filme werde ich wohl vorerst meiden, Komplettierung bin ich aber nie abgeneigt. Full Moons Oeuvre bleibe ich zukünftig treu, die TRANCERS- und SUBSPECIES-Reihen sowie die ersten beiden GINGERDEAD MAN-Filme mit Gary Busey sind schon vorgemerkt. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie mag ich diesen trivialen Schrott …

Der etwas tumbe, aber herzensgute und hoch talentierte Robert (Josh Green) wird von Dr. Magrew (George Peck), der ein Puppenkabinett betreibt, als Assistent engagiert. Seine Figuren sind von echtem Leben beseelt und auch Robert soll in diese Kunst eingeführt werden. Zwischen dem Jungen und Magrews Tochter Jane (Emily Harrison) entspinnt sich jedoch eine sanfte Romanze, die dem Puppenmeister nicht so recht in den Plan passt. Denn er hat andere, finstere Pläne für Robert …

Nach dem selbst für Full-Moon-Verhältnisse katastrophal miesen PUPPET MASTER 5: THE FINAL CHAPTER ging man in den Büros der rührigen DTV-Horrorschmiede in Klausur. Knapp fünf Jahre verstrichen, bis dieser sechste Beitrag zur Reihe veröffentlicht wurde. Und das Bedürfnis nach einem Neuanfang erkennt man sofort: Schon der Titel bricht mit der bisherigen Tradition simpler Durchnummerierung, inhaltlich hat CURSE OF THE PUPPET MASTER mit den Vorgängern fast gar nichts zu tun. Der Name „Toulon“ taucht mal auf einem Schild auf, ohne dass weiter darauf eingegangen würde, und natürlich sind die liebgewonnenen Puppen mit von der Partie, doch sonst ist DeCoteaus zweiter Beitrag zur Reihe bemerkenswert eigenständig und „unseriell“. Anstatt weiter im Modus des Achtziger-/Neunziger-Videothekenhorrors zu machen, der seine Inspiration dem Slasherkino verdankte, orientiert sich DeCoteau für diesen Beitrag eher am klassischen Horrorfilm, der immer mit leicht melodramatischer Note ausgestattet war. Im Mittelpunkt stehen also Menschen, nicht irgendwelcher kindischer Unfug. Nur langsam – mancher würde vielleicht auch sagen: langweilig – entfaltet sich die Geschichte um Robert, seine unglückliche Liebe zu Jane und das Geheimnis des Puppenspielers Magrew: Zwar ahnt man recht früh, wohin die Reise gehen wird, und CURSE ist auch nicht frei von den erwartbaren Defiziten des Low-Budget-Films, aber der Versuch, das ganze Treiben emotionell zu erden, ist definitiv ein Schritt in die richtuge Richtung und muss gelobt werden. Okay, die Schauspieler sind bestenfalls durchschnittlich, die Dialoge hölzern und die Puppeneffekte haben sich auch nicht eben weiterentwickelt, aber mir hat der Film trotzdem Spaß gemacht. DeCoteau macht genau das, was schon seinen dritten Teil herausstechen ließ: Er verlässt sich nicht auf seine Effekte und den vergänglichen Reiz der Stop-Motion-Puppen, sondern bietet „Charaktere“ an, deren Schicksal den Kern der Geschichte ausmacht. Dass dabei kein Film rausgekommen ist, der zu Tränen rührt, bis ins Mark erschüttert oder einen in Euphorie versetzt, war wohl zu erwarten. Ich würde ihm das nicht vorwerfen. Für das, was er ist, ist CURSE sehr, sehr ordentlich geworden.

Nach den Ereignissen des Vorgängers findet sich Rick (Gordon Currie) in polizeilichem Gewahrsam wieder: Weil der zuständige Detective (Ron O’Neal) seine wüste Geschichte um Killerpuppen nicht glauben will, gilt Rick als Hauptverdächtiger in einer Mordserie. Sein Arbeitgeber hat allerdings Interesse an seiner Geschichte: Er hinterlegt nicht nur die Kaution für Rick, sondern entsendet auch drei Finstermänner, die das Hotel in der Bodega Bay nach den geheimnisvollen Puppen durchsuchen sollen …

… und damit ist tatsächlich der ganze Plot des Films erzählt. Ein Großteil der mit 75 Minuten nicht eben üppigen Laufzeit wird damit gefüllt, egale Figuren durch die Dunkelheit des Hotels staksen und dann und wann den Zwergdämonen oder Toulons Puppen zum Opfer fallen zu lassen. Am Schluss explodiert der böse Oberdämon in seiner dringend einer Renovierung bedürfenden Dimension und einer der langweiligsten Filme, die ich je gesehen habe, ist zu Ende. An PUPPET MASTER 5 gibt es tatsächlich nichts zu beschönigen: Aus der Idee, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, wird gar nichts gemacht, vielmehr ausgerechnet das, was in diesem langweilig und vergessenswürdig war, nochmal aufgekocht. Vielleicht hätte man doch beim ursprünglichen Plan bleiben sollen, Teil 4 und 5 zu einem Film zusammenzuschneiden, anstatt aus der Idee für einen halben Film gleich zwei zu machen. Dieser hier ist die Laufzeit nicht wert und verheizt auch noch verdiente Exploitation-Ikonen wie Clu Gulager (gesehen habe ich ihn nicht, aber IMDb behauptet das) und Ron O’Neal für seine kläglichen Versuche in Unterhaltung. Mehr Worte hat dieser Schrott nicht verdient.

puppet master 4 (jeff burr, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 21, 2012 in Film
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Die Dämonen, denen Toulon das Geheimnis des Lebens entrissen hat, wollen es zurück. Sie schicken deshalb kleine Horrorwesen auf die Erde. Fortan muss sich Rick Myers (Gordon Currie), ein jugendliches Genie, der Biester erwehren: Er arbeitet für ein Wissenschaftsprojekt an der Erzeugung künstlichen Lebens und hat sich dazu als Hausmeister im leerstehenden Hotel in der Bodega Bay einquartiert, wo die Puppen vor Jahren ein Massaker anrichteten …

Gegenüber PUPPET MASTER 3: TOULON’S REVENGE ist Burrs vierter Teil leider wieder ein Rückschritt. Hatte der Vorgänger durch den historischen Background erheblich an Scope gewonnen, kehrte man für diesen Teil unerklärlicherweise wieder in die Gegenwart und das beengte Setting der ersten beiden Teile zurück. Burr, dessen unglücklich verlaufene Karriere ich schon mehrfach thematisiert habe, bemüht sich redlich, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen, und es ist ihm hoch anzurechnen, dass PUPPET MASTER 4 immerhin ansehbar und streckenweise auch ganz lustig geworden ist, aber auch er kann Scheiße nicht in Gold verwandeln. Das Elend beginnt und endet mit dieser blöden Dämonen-Idee: Die Unterwelt, in die ein paarmal „rübergeschaltet“ wird, um einen Pappmaché-Dämonen mit Trichterbrust, Stielnippeln und Wasserkopp beim albernen Monologisieren zuzuschauen, ist etwa so effektiv wie die durchschnittliche Dorfgeisterbahn, wenn der Bucklige Kartenabreißer gerade seinen freien Tag hat. Überhaupt muss doch die Kompetenz dieses Gesellen angezweifelt werden, wenn er keine anderen Mittel zur Verfügung hat, die Protagonisten-Nerds aus dem Weg zu räumen, als ein paar Topfpflanzen-große Zwergdämönchen. Dass erwachsene Menschen sich nicht ein paar Spielzeugpuppen erwehren können, war schon in den vorangegangenen Filmen die Plausibilitätshürde, die man zu überspringen hatte, aber hier fällt das erst so richtig ins Gewicht. PUPPET MASTER 4 hat null Schauwerte: Nicht ungewöhnlich für eine solch eilig für den Videomarkt runtergekurbelte Billigware, aber dennoch hätte man aus den vorhandenen Mitteln sicherlich mehr machen können.

Auf der Habenseite des Films steht seine herrliche Naivität und Cheesiness: Der musikalische Soundtrack wird mit 1993 reichlich antiquiert klingendem US-Hardrock bestritten, Held Rick testet seine superintelligenten Roboter (Made in China, Batterien im Lieferumfang nicht enthalten) in nervenzerfetzenden Lasertag-Duellen in seinem Schlaf- und Arbeitszimmer, wo er in Antizipation späterer Actionstandards vom Bett hinter den Wäschekorb hechtet, dabei mit seinem Virtual-Reality-Laserhandschuh auf die unbeholfen rumeiernden Robbies ballernd. Und dann dürfen auch der schmierige Konkurrent Cameron und seine Freundin Lauren nicht vergessen werden: Er sieht aus wie eine unsympathische Mischung aus Parker Lewis und Vanilla Ice, sie ist die in diesen Filmen obligatorische Metaphysik- und Parapsychologie-Studentin. Auf die Frage, worauf sie sich spezialisiert habe, antwortet sie mit allergrößter Selbstverständlichkeit: „I’m a Channeler.“ Klarheit, von der Germanisten nur träumen können, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Leider hält der Film dieses Blödheitsniveau nicht durchgehend, sondern wird irgendwann ziemlich trist. Stimmung kommt am Schluss nochmal auf, wenn die Puppen via alter Frankenstein-Technik einen weiteren ihrer Puppenkumpels zu Leben erwecken. Der Fight gegen die Dämonenbrut lockt aber wirklich niemanden hinter dem Ofen hervor. Wäre man doch bloß bei den Nazis geblieben! Da ich auch den Back-to-Back produzierten PUPPET MASTER 5 gesehen habe, weiß ich aber: Es geht wirklich noch schlimmer. Und deswegen will ich mit PUPPET MASTER 4 nicht zu hart ins Gericht gehen.

Während des Zweiten Weltkriegs versucht Professor Hess (Ian Abercrombie) für die Nazis ein Serum zu entwickeln, mit dem man Tote wiederbeleben kann – ohne Erfolg. Als die Aufmerksamkeit der Nazis auf den systemkritischen Puppenspieler Toulon (Guy Rolfe) fällt, kommen sie ihrem Wunsch jedoch ein Stück näher. Denn dessen Puppen scheinen tatsächlich zu leben. Major Krauss (Richard Lynch) will ihm sein Geheimnis um jeden Preis abjagen …

Heute würde man PUPPET MASTER III: TOULON’S REVENGE als „Prequel“ bezeichnen. 1991 war man da weniger akribisch und freute sich lediglich über eine Fortsetzung, die einem etwas Vorgeschichte zum Puppenspieler Toulon lieferte. Man erfährt zwar nichts wirklich essenziell Neues – was die Nazis von ihm im ersten Teil wollten, war ja klar –, dennoch ist es – ausgerechnet!, möchte ich hinzufügen – DeCoteau tatsächlich gelungen, den bislang besten Film der Reihe vorzulegen. Schon vom ersten Blick auf die optimistisch als „Berlin, 1941“ bezeichnete Pappmaché-Stadt hebt die Stimmung an. Zwar wurde PUPPET MASTER III zu 100 % in muffigen Studiosettings realisiert (IMDb weist als Drehort „Backlot, Universal Studios“ aus), doch das historische Setting, die Anwesenheit schurkischer Nazis, allen voran Richard Lynch, und missglückter Zombieexperimente, lässt dieses Manko leicht vergessen. Richtig spannend ist auch dieser Teil wieder nicht, aber eben auch nicht so beliebig und generisch wie sein direkter Vorgänger.

Am wichtigsten ist wohl, dass einem die Figuren nicht mehr so schrecklich wurst sind wie in den Teilen zuvor: Guy Rolfe – der seine Rolle aus DOLLS wiederholt – füllt den Part des Toulon mit jenem Leben, lässt den Zuschauer in einigen Szenen wirklich mitleiden, macht den Schmerz des Puppenspielers nachvollziehbar. Zum ersten Mal hatte ich in dieser Serie das Gefühl, dass der Puppenspieler nicht nur erfunden wurde, um einen Grund für seine lustigen Kreationen zu haben, sondern dass diese Figur wirklich Potenzial hat. Die tragischen Untertöne stehen PUPPET MASTER III: TOULON’S REVENGE sehr gut zu Gesicht. Am Ende, wenn Toulon Deutschland mit seinen Puppen im Gepäck verlässt, kam wirklich etwas Vorfreude auf Teil 4 auf. Die wurde durch die stussige Ankündigung von PUPPET MASTER 4: WHEN BAD PUPPETS TURN GOOD auf typisch Full-Moon’sche Art unterlaufen, aber immerhin. In einer nicht unwichtigen Nebenrolle als General Müller ist übrigens Walter Gotell, der KGB-Russe aus unzähligen Bond-Filmen, zu sehen. Er scheint seinen Spaß gehabt zu haben: Kein Wunder, darf er doch in der obligatorischen Tittenszene mitwirken.

puppet master ll (dave allen, usa 1991)

Veröffentlicht: Oktober 19, 2012 in Film
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Ein paranormales Forschungsteam zieht im leerstehenden Hotel in der Bodega Bay ein, um die Ursache für die mysteriösen Ereignisse aus dem ersten Teil zu finden. Bald gibt es jedoch die ersten Toten. Als nächstes stellt sich ein mumienhaft vermummter Herr als rechtmäßiger Besitzer des Hotels vor und weicht Carolyn (Elizabeth Maclellan), der Leiterin des Teams, nicht mehr von der Seite. Es handelt sich um den Puppenmeister Toulon, der von seinen Schöpfungen zu neuem Leben erweckt wurde …

Manchmal frage ich mich schon, warum ich mir Quark wie diesen überhaupt und dann auch noch gern ansehe. PUPPET MASTER II unterhält leidlich gut, versumpft nach der spaßig-dummen Exposition mehr und mehr und findet dann erst zum Finale wieder einigermaßen in die Spur. Er ist nicht irrsinnig komisch, weder freiwillig noch unfreiwillig, kein Stück spannend oder gar unheimlich und außerdem alles andere als spektakulär. Filme wie diesen konnte man anno 1991 zu Dutzenden in jeder Videothek ausleihen und die immerhin ganz hübsch designten Püppchen sollten eigentlich auch nicht als alleiniger Schauwert bestehen können. Vielleicht ist es aber gerade diese umfassende Mittelmäßigkeit, die Filme wie diesen zu dankbarem Programm für den verdienten Feierabend macht. Man muss sich nicht besonders konzentrieren, man verpasst nicht wirklich etwas, wenn man mal kurz in Sekundenschlaf fällt, und man fügt dem Film auch kein himmelschreiendes Unrecht zu mit dieser bequemen Rezeptionshaltung. Ab und zu gibt es mal was zu schmunzeln, eine doofe Dialogzeile oder einen putzigen Effekt, zum Schluss splattert es ein wenig und wenn der Spuk nach 85 Minuten vorbei ist, kann man die DVD wieder wegpacken, ohne enttäuscht worden zu sein.

PUPPET MASTER II beginnt mit den „Untersuchungen“ der inkompetenten Forscher. Weil ausgerechnet Chefin Carolyn den Möglichkeiten der Wissenschaft nicht so recht traut, hat sie auch noch eine zickige, selbstgerechte und ständig mit altklugen, lebensweisen Sprüchen um sich werfende Esoteriktante mitgebracht. Es gibt die üblichen Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern des idealtypisch besetzten Teams: Carolyn ist die spröde Tante, im Temperament irgendwo zwischen gelangweilt, lethargisch und humorlos angesiedelt. Ihr Bruder Patrick ist wohl als Sozialmaßnahme mitgenommen worden, jedenfalls säuft er sich gleich am ersten Abend zu, wird ausfallend gegenüber der Esoteriktrulla und blamiert so seine Schwester. Als er ins Gras beißt, scheinen alle erleichtert zu sein. Noch nicht einmal die Polizei wird benachrichtigt! Dann gibt es noch den stets gut gelaunten bärenhaften Lance, der für die Stimmung zuständig ist und mit Mitglied Nr. 4, der dickbehupten Wanda, liiert, damit es wenigstens eine Nacktszene gibt. Später gesellt sich noch der Langweiler Michael hinzu, der Bruder eines der im ersten Teil dezimierten, um mit Mauerblümchen Carolyn ein denkbar pragmatisches Liebespaar zu bilden. Weil den Drehbuchschreibern wohl irgendwann aufgefallen ist, dass das Opferrepertoire viel zu schmal ist, dichteten sie noch ein altes Hillbilly-Pärchen hinzu, deren Scheune dann auch mal von den Puppen attackiert wird – aus welchem Grund auch immer.

Die Puppen selbst haben Zuwachs durch „Torch“ erhalten, einen naziesken Darth-Vader-Verschnitt mit Patronenzähnen und Flammenwerfer-Hand. Am Schluss löst sich alles durch eine unerklärliche Wendung des Schicksals (oder des Drehbuchs) im Wohlgefallen auf: Die Puppen wenden sich gegen ihren Herrn, auch wenn es dafür gar keinen Grund gibt. Die Verzweiflung über derlei Ungereimtheiten hält sich aber in Grenzen, wohl auch, weil PUPPET MASTER II dann noch mit einem wirklich unheimlichen Puppenmensch-Make-up aufwartet, das in einem richtigen Horrorfilm verheerende Wirkung gehabt hätte, hier aber lediglich überrascht zur Kenntnis genommen wird. Und die fatale Hoffnung weckt, Teil 3 könnte vielleicht mit ein bisschen mehr Engagement zusammengebaut worden sein.