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kungfuheadcrusher800Nach sich mit Bällen neckenden Nudisten und Esel waschenden Kleinkindern mussten sich die Teilnehmer des 11. Hofbauer Kongresses notgedrungen wieder den Härten des Lebens stellen.  DER TODESSCHREI DES GELBEN PANTHERS, wie YING HAN in Deutschland poetisch betitelt wurde, leistete entsprechende Konfrontationstherapie. 80 Minuten brachiales Fratzengeballer ohne jede Schönfärberei oder überkandidelte Artistik brachen von der Leinwand über die Zuschauer hernieder. Unterbrochen wurde die brutale Keilerei von feinstem taiwanesischen Sleaze, wenn der Bösewicht des Films, ein gemeiner Schmugglerboss und Menschenschinder, sich mit seinen Betthäschen vergnügt und dabei stets zu früh kommt.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die beiden Helden, zwei gestählte Kung-Fu-Kämpfer, sitzen zu Beginn im Bau, erhalten jedoch den Auftrag, besagten Schmuggler zur Strecke zu bringen. Einer schleust sich in dessen Bande ein – sehr zum Entsetzen der Landbevölkerung, die in ihm schon einen Verbündeten im Kampf gegen den Schurken sah, nur um ihn nun auf der falschen Seite des Gesetzes zu wähnen –, der andere hält sich in sicherer Distanz bereit. Natürlich fliegt der Verräter auf und die Schurken machen mobil. Es kommt zur ausgedehnten Keilerei in der bergigen Küstenlandschaft Taiwans, bei der der Held auch seinen gefürchteten Finishing Move zum Einsatz bringt, der dem Film seinen malerischen US-Titel verlieh …

Wenn es um Martial Arts und Eastern geht, bin ich ja eigentlich Monotheist. Ich liebe das Kino der Shaw Brothers (von dem ich zwar auch nur  Bruchteile kenne, aber das ist bei einem Output von rund 600 Filmen auch kaum anders denkbar) und bin bis auf vereinzelte Ausnahmen nur wenig vertraut mit dem restlichen Genre. Na klar, ich kenne Bruce Lee und natürlich das Werk Jackie Chans ab den mittleren Achtzigejahren, aber das reicht kaum, um in Sachen Eastern wirklich mitreden zu können. An den Shaws schätze ich vor allem die elaborierten Studiosettings und die bunte Kostümpracht, Merkmale einer Art „kleinen“ Monumentalkinos, und natürlich die atemberaubenden Choreografien etwa eines Lau Kar-Leung. TODESSCHREI DES GELBEN PANTHERS kommt vom ganz anderen Ende des Spektrums, konzentriert sich inhaltlich um seine vier, fünf zentralen Figuren, nutzt als Kulisse beinahe ausschließlich die freie Natur, ist in seinen Fights alles andere als filigran und raffiniert, sondern superdirekt und ultrabrutal. Der Reiz solchen Kinos erschließt sich mir schon und der Gedanke, dass sowas früher Sonntagmittag im Bahnhofskino lief, lässt mich durchaus nostalgisch werden, allein, ich kann bei Filmen dieser Art nicht so richtig mitgehen. Um emotional wirklich mitgerissen zu werden, fehlen mir die Untiefen: Alles ist von Anfang an ganz klar dargelegt und dann wird der Plot nur noch abgespult, zwar mit äußerster Konsequenz, aber nichtsdestotrotz total vorhersehbar. Klar, das Finale ist reiner, filmgewordener Tobsuchtsanfall, wenn sich der Held da förmlich in einen Rausch hineinprügelt, den Endgegner im wahrste Sinne des Wortes unangespitzt in den Boden rammt. Das hat schon etwas Befreiendes, Kathartisches, Urwüchsiges. Aber um mich über seinen Triumph wirklich freuen zu können, fehlt mir einfach die Fallhöhe.