Mit ‘Cher’ getaggte Beiträge

Fünf Jahre ist es her, dass der Zoowärter Griffin (Kevin James) seiner Freundin Stephanie (Leslie Bibb) einen Heiratsantrag machte und abgewiesen wurde. Die Wunden sind seitdem immer noch nicht verheilt. Als er erfährt, dass sie vor der Ehe mit dem Proleten Gale (Joe Rogan) steht, sie ihm aber eine neue Chance geben würde, unter der Voraussetzung, dass er einen „vernünftigen“ Job ergreift, wird Griffin schwach. Die Tiere des Zoos, die ihren Pfleger sehr zu schätzen wissen, sehen seine Wechselgedanken mit Sorge und beschließen, zum Äußersten zu gehen, um ihn zu halten: Sie offenbaren ihm, dass sie sprechen können. Aber noch jemand möchte, dass Griffin bleibt: Seine Kollegin Kate (Rosario Dawson), die in ihn verliebt ist …

Jajaja, ich weiß. Ein Text zu ZOOKEEPER ist nicht dazu angetan, für die eigene Cinephilie und den erlesenen Geschmack zu werben. Ich hatte einfach Lust auf den Film, weil es für mich in einer bestimmten Gemütsverfssung nichts Lustigeres gibt, als dem „King of Queens“ Kevin James bei seinen shenanigans zuzusehen. Das simple Aufs-Maul-Fallen hat er zur Kunstform erhoben, er verleiht dem Durchschnittstypen, der einen wahren Rausch erlebt, wenn er dann mal über sich hinauswächst, ein Gesicht. ZOOKEEPER hat von den von mir erwarteten Slapstickeinlagen zugegeben weniger, als ich erhofft habe, macht diesen Mangel aber durch einige andere schöne Ideen wett. An vorderster Stelle ist hier natürlich die Synchronisation der Tiere mit einigen echten Superstars zu nennen: Sylvester Stallone spricht den Löwen, Cher seine Gattin, Adam Sandler gibt das freche Kapuzineräffchen und Nick Nolte den depressiven Gorilla. Das wertet diesen „Gebrauchsfilm“ deutlich auf, der mit Rosario Dawson zudem über ein Love Interest verfügt, dass ausnahmsweise einmal nicht in erster Linie brav und langweilig ist. Kevin James ist die Idealbesetzung für den gutmütigen Simpleton, der seinen eigenen Wert erkennt. Ein netter Film für zwischendruch. Und mir ein Rätsel, warum man Filme wie diesen so barsch verreißen muss, wie das wieder einmal passiert ist. Sprechende Gorillas mögen nicht der Gipfel der sophistication sein, aber man kann den feinen Herren ja auch mal zu Hause lassen, gell?

Die 37-jährige Witwe Loretta Castorini (Cher) fühlt sich in Sachen Liebe mit einem Fluch belegt, seit ihr Gatte von einem Bus überfahren wurde. Als sie den Heiratsantrag des gutmütigen, aber auch etwas leidenschaftslosen Johnny Cammareri (Danny Aiello) annimmt, tut sie dies nicht aus Liebe, sondern weil sie glaubt, dass nichts Besseres mehr kommen wird. Wenig später reist sich der Verlobte nach Sizilien, um bei seiner sterbenden Mutter zu sein, und beauftragt Loretta damit, seinen Bruder Ronny (Nicolas Cage), mit dem er seit fünf Jahren nicht mehr gesprochen hat, aufzusuchen und ihn zur bevorstehenden Hochzeit einzuladen. Doch Loretta Begegnung mit dem von Herz- und Weltschmerz zerrissenen Mann verändert alles – und die Vollmondnacht steht erst noch bevor … 

Je nachdem, welche Vorstellung man von der Liebe hat, schreibt man entweder den Franzosen oder den Italienern die Expertise für dieses Fachgebiet zu: Der Franzose ist wahrscheinlich etwas freigiebiger und unmoralischer, gleichzeitig pragmatischer in seiner Auswahl. Liebe und Sex gehören zum Alltag wie Essen und Trinken, Leidenschaften nicht hinter Schloss und Riegel, denn sie wollen ausgelebt werden. Und französischer Sex klingt wie ein Chanson, mit verrauchter Stimme vorgetragen, die von Leidenschaft, aber auch von der Schwere derselben erzählt. Der Italiener ist deutlich romantischer und sentimentaler: Wenn es ihn erwischt, ist das ein metaphysisches Ereignis, das ihn fortreißt und alles um ihn herum verändert. Der Mond ist kein fahler Himmelskörper mehr, sondern ein „big pizza pie“, wie Dean Martin in „That’s amore“ singt, das MOONSTRUCK eröffnet. Und so beschwingt wie dieses Lied sind auch seine Charaktere, die geradezu beschwipst sind vor Liebe. Dass Norman Jewison seine Liebeskomödie im erweiterten Familienkreis einer italienischen Einwandererfamilie in New York ansiedelt, sagt also weniger über Italiener oder Italoamerikaner aus, sondern vor allem über die Stimmungen und Gefühle, die Jewison erzeugen möchte.

Von Dean Martins eröffnendem Lied, über die Settings bis hin zu den Charakteren mit ihren schwelenden Leidenschaften und der Musik ist MOONSTRUCK von bittersüßer Melancholie geprägt. Loretta sehnt sich nach dem Einen, doch wählt den Kompormiss, weil sie befürchtet, sonst ganz leer auszugehen; ihre Eltern, Rose (Olympia Dukakis) und Cosmo (Vincent Gardenia) führen eine Ehe, aus der genau jene Spontaneität gewichen ist, die Cosmo nun bei seiner Geliebten Mona zu finden hofft. Johnny will insgeheim bei seiner Mama bleiben, Loretta eher aus einem Pflichtgefühl heraus heiraten und in Ronny wogen die Leidenschaften mit einer Heftigkeit, dass er darüber kaum noch lebensfähig ist. Die Liebe droht in Jewisons Film immer von der Vernunft erstickt zu werden: Weil alle Angst vor dem Tod haben, reiben sie sich in sinnlosen Spielchen auf, anstatt sich bedingungslos ihrem Gefühl hinzugeben. In der  schönsten Szene des Films trifft Rose den Universitätsprofessor Perry (großartig: John Mahoney) in einem Restaurant, wo dieser gerade eine heftige Abfuhr von seiner weiblichen Begleitung, einer Studentin, erhalten hat. Es entsteht ein seltsam vertrautes Gespräch zwischen den beiden Fremden, das das Vorspiel für eine Liebesszene bildet, die dann niemals folgt. Stattdessen kehren beide in ihr Leben zurück, das sie nun mit anderen Augen sehen können.

MOONSTRUCK gefällt sich vielleicht ein bisschen zu sehr in seinem Bild von italoamerikanischer dolce vita: Gerade in der Figur des Ronny gehen Jewison vielleicht etwas die Pferde durch und ich bin mir nicht sicher, ob ich Ronny und Loretta die Liebe, die sie füreinander empfinden, wirklich abnehme oder ob ich sie nicht als etwas arg dem narrativen Zweck unterworfen betrachten soll. Andererseits stellt der Film seinen Figuren ja eh vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit aus: Unter dem Einfluss des Mondes spielen die Hormone schon mal verrückt und lassen einen die wildesten Dinge tun. Vielleicht klagen die Castorinis und Cammareris heute schon wieder über ihr Liebesleid.