Mit ‘Christian Slater’ getaggte Beiträge

thMit ihrer Mutter wachsen Billie Jean (Helen Slater) und Binx (Christian Slater) in einem Trailerpark im texanischen Corpus Christi auf. Binx‘ ganzes Glück ist sein Motoroller, den er sich vom Geld gekauft hat, das ihm der verstorbene Vater hinterlassen hatte. Ein Streit mit dem lokalen Großmaul  Hubie (Barry Tubb) endet mit der mutwilligen Beschädigung des geliebten Gefährts. Als Billie Jean Mr. Pyatt (Richard Bradford) aufsucht, Hubies Vater, und 600 Dollar für die Reparatur verlangt, geht der Mann ihr an die Wäsche, beschuldigt die Geschwister nach einem behrzten Tritt in die Eier des Diebstahls und bekommt in einer Verkettung unglücklicher Zufälle eine Kugel in die Schulter. Fortan sind Billie Jean und Binx – gemeinsam mit den Freundinnen Ophelia (Martha Gehman) und Putter (Yeardley Smith) – auf der Flucht. Mr. Pyatt verbreitet Lügen vor dem ermittelnden Polizisten Ringwald (Peter Coyote) und profitiert nebenbei vom wachsenden Ruhm der Flüchtigen: Sie hat die Jugendlichen von Anfang an auf ihrer Seite, aber als sie mithilfe des Staatsanwaltssohnes Lloyd (Keith Gordon) eine Art Bekennervideo veröffentlicht, avanciert sie zu einer echten Volksheldin …

In den USA genießt THE LEGEND OF BILLIE JEAN unter Eighties-Kids Kultstatus, hierzulande wurde er unter dem Titel ZEIT DER VERGELTUNG reichlich missverständlich vermarktet. Man kennt diese modernen Bonnie&Clyde-Geschichten, nicht zuletzt in solch jugendlichen Variationen wie hier (der nur ein Jahr später als Regiedebüt von Emilio Estevez erschienene WISDOM fällt mir sofort ein), und selten gehen sie gut aus, laufen vielmehr meist zielstrebig auf eine Tragödie zu. Bei THE LEGEND OF BILLIE JEAN ist schon relativ früh klar, dass solcherlei Tiefschläge hier nicht zu erwarten sind: Der Film ist insgesamt doch von eher sonnigem Gemüt und die Rebellion der Kids bleibt stets im Rahmen dessen, was mit ein paar sozialen Arbeitsstunden und mahnenden Worten adäquat sanktioniert ist. Auch die Gegenseite, angeführt vom sympathisch-besonnenen Ringwald, ist ernsthaft bemüht, nicht den ersten Schritt zur Eskalation zu machen. Natürlich droht diese am Ende doch, weil Lloyds Vater (Dean Stockwell) eine Karrierechance wittert, aber die Bedrohung ist schnell gebannt und Billie Jean bekommt die Gerechtigkeit und Genugtuung, die sie von Anfang an verlangt hat. THE LEGEND OF BILLIE JEAN ist ein Empowerment-Film für die unterprivilegierte Jugend (hier noch verstärkt durch den niedrigen sozialen Status der Protagonisten), die sich mit Verve gegen die wie so oft verständnislosen Eltern auflehnen, die nur Karriere und persönlichen materiellen Profit im Sinn haben. Aber aller Reichtum bedeutet nichts, wenn man nicht mit sich selbst im Reinen ist.

Der Film ist sehr süß, angenehm understated und geradezu realistisch, sehr ehrlich und liebevoll im Umgang mit seinen Charakteren, aber vielleicht auch ein bisschen zu unspektakulär und nett, um so richtig zu beeindrucken, wenn man nicht mit ihm aufgewachsen ist. Ich kann mir jedenfalls sehr gut vorstellen, wie ich auf den Film angesprungen wäre, hätte ich ihn mit 10, 11 oder 12 Jahren gesehen: Allein Helen Slater hätte mich wahrscheinlich um den Verstand gebracht. So bleibt ein rundum positiver Eindruck, aber kein wirlich nachhaltiger. Ein schöner, kleiner Film, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Walter Hills letzter Kinofilm datiert auf das Jahr 2002. Nach UNDISPUTED inszenierte er noch den Pilotfilm für die Fernsehserie DEADWOOD sowie die Miniserie BROKEN TRAIL, ansonsten beschränkte er sich auf die Tätigkeit als Produzent. Wie schmerzlich der große Klassizist des amerikanischen Actionkinos in dieser Zeit gefehlt hat, wird einem gleich zu Beginn seines neuen Films BULLET TO THE HEAD bewusst: Auf dem Weg zu ihrem Ziel zerfetzt die Kugel erst die Logos der beteiligten Produktionsfirmen, bevor sie mit den ersten Bildern im Hirn des Betrachters einschlägt. In braunstichigem Schwarzweiß fährt ein Zug vorbei, dessen charakteristischen Maschinengeräusche sich sogleich in den treibenden Groove des Scores verwandeln, der mit Slideguitar-Einsatz an den großen Ry Cooder erinnert, Walter Hills einstigen Stammkomponisten. Ein Mann (Sung Kang) lehnt wartend an einer Säule, ein Asiate, die melancholisch blickenden Augen ins Nichts gerichtet. Er steigt in ein anhaltendes Auto, der Fahrer hält ihm eine Pistole an die Schläfe, wird dann aber selbst erschossen. Das zerfurchte Gesicht des Killers Jimmy Bobo (Sylvester Stallone) schaut durch das zertrümmerte Fahrerfenster, das Bild friert ein. Aus dem Off erklingt seine Stimme, ein uraltes, dunkles Grollen aus den Tiefen der Erde: „The guy I just saved is a cop. That’s not the usual way I do things, but sometimes you gotta abandon your principles and do what’s right.“ Walter Hills neuester Film bedeutet eine Rückkehr zu den gebrochenen Heldenfiguren des (Spät-)Westerns, dem Schwertkämpferethos der Filme Chang Chehs, zur Kriegerehre, die sich im Namen des Richtigen auch gegen sich selbst richtet.

James „Jimmy Bobo“ Bonomo (Sylvester Stallone) und sein Partner Louis Blanchard (Jon Seda) erfüllen ihren Auftrag, den Erpresser Hank Greely zu töten. Als sie sich wenig später am mit ihrem Auftraggeber verabredeten Treffpunkt einfinden, wartet der Killer Keegan (Jason Momoa) auf sie, der Blanchard umbringt. Auf die Ermordung Greelys wird der Polizist Taylor Kwon (Sung Kang) angesetzt: Der Tote war selbst Cop und als solcher jahrelang Kwons Partner, bevor er unehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde. Kwon verbindet die beiden Morde und stößt so auf Bobo, mit dem er erst ein Treffen und dann schließlich einen Deal vereinbart: Wenn der Killer ihm dabei hilft, die Verantwortlichen für Greelys und Blanchards Tod ausfindig zu machen, wird er ihn laufen lassen …

Für BULLET TO THE HEAD kehrt Walter Hill nach New Orleans und in die Sümpfe Louisianas zurück, beide bereits Schauplätze seines Debüts HARD TIMES sowie von SOUTHERN COMFORT und JOHNNY HANDSOME. Die Handlung ist eine Variante seines Erfolgsfilms 48 HRS., in dem ein Cop sich der Dienste eines Kriminellen versichert, um einen Killer zur Strecke zu bringen. Die Vorzeichen sind in diesem Film allerdings umgekehrt: Kwon ist der Unerfahrene des Duos, während der Verbrecher Jimmy Bobo die Fäden in der Hand hält. Es entwickelt sich auch keine Freundschaft zwischen den beiden, allerhöchstens betrachten sie sich am Ende mit einem gewissen gegenseitigen Respekt. Aber sie gehen beide wieder ihren Weg, wissend, dass sie Gegner sind, auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen. Hills Interesse gilt vor allem seinem alternden, weisen Killer und er ringt Stallone eine grandiose Leistung ab. Er interpretiert Bobo als etwas altersstarrsinnigen, müden, aber immer noch selbstbewussten Profi, der seine lange Karriere der Tatsache zu verdanken hat, dass er sich immer treu geblieben ist, keine Spielchen gespielt hat. Er ist eine im Kern tragische Figur, aber er ist über den Punkt hinaus, Dinge, die nicht so gelaufen sind, wie sie hätten laufen sollen, zu bedauern. Schon in jungen Jahren kam er mit dem Gesetz in Konflikt, sein Weg schien von Beginn an vorgezeichnet. Seine Tochter Lisa (Sarah Shahi), die er laut eigener Aussage mit einer drogensüchtigen Prostituierte zeugte – es ist nicht ganz klar, ob das die Wahrheit ist oder ob eine tiefe Verletzung aus seinen Worten spricht –, gab er in fremde Hände, weil er „not much of a father“ gewesen sei. Aber auch wenn Bobo das Produkt ungünstiger Umstände ist, so hat er sein Schicksal angenommen, ohne sich zu beklagen. Sometimes you gotta abandon your principles and do what’s right. Diese Einstellung zum Leben erkennt man auch in seiner Körperhaltung wieder: In Jimmy Bobos Gang zeigen sich sein Stolz und sein Selbstbewusstsein, der Swagger und die Coolness des Selfmade-Heros, gleichzeitig erkennt man, wie viel Kraft ihn das Aufrechterhalten der Pose – das Leben – kostet. Von oben drückt ein gewaltiges Gewicht auf ihn und er wird langsam zu alt, um noch dagegenzuhalten. Das breitbeinige Hängen in den Knien, der lässig federnde Gang,  dessen Schwerpunkt im Zentrum der biologischen Männlichkeit zu ruhen scheint, erinnern deutlich an John Wayne. Und seine moralische Ambivalenz macht ihn auch zu einem Seelenverwandten von Waynes Ethan Edwards, dem Protagonisten von THE SEARCHERS: „That’ll be the day“ sind die letzten Worte Bobos in Hills Film, ein wortwörtliches  Zitat aus Fords berühmtem Western. Beide Filme drehen sich um einen Menschen, dessen Handlungen und Ansichten nur schwer zu verteidigen sind, die – aus welchen Gründen auch immer – einen Weg eingeschlagen haben, den sie nun konsequent zu Ende beschreiten, wissend, dass sie dabei viel schlechtes Karma auf sich geladen haben.  Es ist eigentlich nicht vorgesehen, dass sie ungestraft davonkommen. Insgeheim warten beide auf die Strafe, die sie verdienen. Wie der Schurke von BULLET TO THE HEAD einmal sagt: „In classical literature … the hero dies.“ Jimmy weiß, dass die poetic justice seinen Tod vorschreibt.

Seine Strafe naht anscheinend in Form des muskelbepackten Söldners Keegan. Aber das Duell zwischen den beiden, das auch den Showdown des Films darstellt, findet auf einer ganz anderen, übergeordneten Ebene statt. Es hat nichts mit dem  initialen Mordauftrag zu tun, der von einem skrupellosen Geschäftemacher zu dem Zweck erteilt wurde, einen unliebsamen Mitwisser auszuschalten. Als die beiden Kontrahenten gegeneinander antreten, ist es ein Kampf der Prinzipien: Keegan will seinen Auftrag erfüllen, auch wenn er sich seiner Auftraggeber selbst entledigt hat, Bobo hat geschworen, ihn zur Strecke zu bringen, als er sich an seiner Tochter vergriffen hat. Es ist ein Zusammenprall archaischer Triebe, in dem es um die nackte Existenz geht, jeder Ratio, die über das bloße Überleben hinausgeht, komplett enthoben. „If you lay hands on her, I will kill you with a rock.“, droht Bobo, als er von der Entführung Sarahs erfährt und bringt damit zum Ausdruck, dass die zivilisierte Fassade fällt, sobald es ums eigene Fleisch und Blut geht. Das Thema setzt sich fort, als sich die beiden gegenüberstehen und Keegan zwei Feueräxte als Waffen auswählt: „What are we, fuckin vikings?“, fragt Bobo, der die Fesseln der Vernunft nicht ganz abwerfen mag. Ein Gesetz des Actionfilms: Im Helden muss wenigstens ein Rest von Menschlichkeit schlummern. Deswegen ist der „Endgegner“ auch meist physisch überlegen.

Die Kritiken zu BULLET TO THE HEAD waren, soweit ich das mitbekommen habe, verhalten. Eine Ausnahme war – wenig überraschend – Armond White, der Hill immer wieder als Meister des Actionkinos anführt, wenn es darum geht, die Verfehlungen moderner Genrevertreter zu kritisieren. Dieser Text, ein (von „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde“ inspiriertes :)) Zwiegespräch Whites mit dem Hill-Experten Gregory Solman, erklärt seine Begeisterung und lieferte auch einige Hinweise für meinen Eintrag. (Eine nicht weniger interessante Antwort auf und Kritik an Whites/Solmans Text findet sich hier.) Ein Grund für die allgemeine Enttäsuchung und Nüchternheit könnte die Erwartungshaltung gewesen sein: Nach zehn Jahren Abstinenz erhofften wohl nicht wenige ein Meisterwerk. Die Frage ist nicht nur, ob diese Filmlandschaft ein solches überhaupt noch zulässt, sondern auch, ob Hill mit 71 Jahren noch die Energie hat, sich selbst zu einem solchen anzutreiben. Er hat immer mit Klischees und Archetypen gearbeitet, aber er hat sie gleichzeitig unterwandert oder aber bis auf ihr nacktes Gerüst entkleidet. In BULLET TO THE HEAD wirkt er – wie sein Protagonist Jimmy Bobo – etwas zu müde für solche Ambitionen. Und so ist der ganze Film deutlich weniger zwingend als seine vergangenen Großtaten. Hier und da vermutet man die Einmischung des Studios, spürt das Desinteresse des Altmeisters. Aber der Film ist dennoch ganz bei sich, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, ist Ausdruck eines großen Könners, der niemandem mehr etwas beweisen muss, einfach froh ist, noch Filme drehen zu können, die am Ende unverkennbar die seinen sind. Denn das lässt sich nicht wegdiskutieren: BULLET TO THE HEAD mag ein schwächerer Hill-Film sein, aber er bleibt dabei dennoch ein Hill-Film. Und hat den Werken seiner Eleven damit immer noch Einiges voraus. Muss man sehen, ganz klar.

Veronica (Winona Ryder) ist innerlich zerrissen: Zwar gehört sie auf ihrer Highschool der populären Clique der drei Heathers (Shannen Doherty, Lisanne Falk, Kim Walker) an, die sich wie Herrenmenschen durch die heiligen Hallen bewegen und es sich zum Ziel gesetzt zu haben scheinen, alle „Minderwertigen“ öffentlich zu demütigen, doch eigentlich sind ihr nicht nur dieses Gebaren, sondern auch die drei Freundinnen zuwider. Ihre auch ob der eigenen Rückgratlosigkeit langsam anwachsenden Gewaltfantasien finden schließlich in J.D. (Christian Slater), einem mysteriöser Loner, der sich den typischen Ränkespielchen entzieht, ihren Spiegel. Veronica ist fasziniert von dessen Unangepasstheit und lässt sich von ihm zur Ermordung einer der drei Heathers manipulieren. Der Mord wird flugs als Selbstmord getarnt und die Täter sind aus dem Schneider, was in ihnen die Idee heranreifen lässt, auch andere Unsympathen ihrer Schule zu bestrafen. Doch erstens geht J.D. stets weiter, als Veronica dies will, und zweitens müssen die beiden verdutzt feststellen, dass die eigentlich so verhassten Personen nach ihrem Tod einen deutlichen Popularitätsschub erleben …  

„My teen angst bullshit’s got a body count.“ HEATHERS ist auch dann noch ein reichlich abgründig und verschroben , wenn man auch jene Vertreter des amerikanischen Highschoolfilm-Subgenres in die Betrachtung miteinbezieht, die einen durchaus kritischen Blick auf das Treiben an Schulen werfen. Die sich im Mikrokosmos Schule spiegelnden Auswüchse der auf Egoismus fußenden Erfolgsgesellschaft – die Zweiklassengesellschaft von Jocks und Nerds, von populären Schülern und verlachten Außenseitern, und die sich aus dieser Konstellation ergebenden Grabenkämpfe ums Dazugehören, Sich-Abgrenzen und -Behaupten – werden von nahezu allen dieser Filme aufgegriffen und wie erwähnt von einigen sogar entprechend kommentiert. HEATHERS geht insofern einen Schritt weiter, als er in bestem dialektischen Sinne auch die Reaktion auf diesen Zustand kritisch beleuchtet, sodass sich am Ende nicht nur die Einteilung in angesagte und unbeliebte, sondern auch die in „Schuldige“ und „Unschuldige“ in Luft auflöst. Etabliert Lehmann mit der Hauptfigur Veronica zunächst einen Charakter, der das „System“ trotz seiner Zugehörigkeit von außen zu überblicken scheint, seine Fehlerhaftigkeit und Verlogenheit erkennt und darüber reflektiert, so offenbart sich im Verlauf des Films, dass ihre Reaktion – die durch das teufllische Treiben J.D.s begünstigt wird – nicht etwa umstürzlerisch ist, also ein Anschlag auf das System von außen, sondern im Gegenteil auch nur systemerhaltend. Um dazuzugehören, etwas von der Aufmerksamkeit abzubekommen, deuten selbst ehemalige Mobbingopfer der Toten ihre Beziehung zu jenen noch positiv um, und der Lehrkörper nutzt die Gelegenheit zu heuchlerischen Andachtsveranstaltungen und der Beschwörung eines faktisch gar nicht vorhandenen Zusammenhalts. Veronica steht tatsächlich vor dem mephistophelischen Dilemma (mit umgekehrten Vorzeichen): Sie will das Gute, doch schafft nur mehr Böses.

HEATHERS arbeitet mit den Versatzstücken des Genres, um sie im richtigen Moment zu großem Effekt als solche bloßzustellen und damit nicht nur den Zuschauer, sondern meist auch Veronica auf dem falschen Fuß zu erwischen. Eltern kommen für gewöhnlich schlecht weg in solchen Filmen und auch hier gibt es genug Beispiele für die Gleichgültigkeit, die die Erzieher gegenüber ihren Kindern an den Tag legen. J.D.s Vater ist ein eitler Geck, eine Karikatur vom Mann in den besten Jahren, ein rücksichtsloser Geschäftemacher, der seine Frau in den Selbstmord trieb und mit seinen ständigen Arbeitsplatzwechseln wohl mit dazu beigetragen hat, dass J.D. einfach nicht dazugehören kann, und Veronicas Eltern, deren Leben sich im Verspeisen von Pastete auf der Terrasse zu erschöpfen scheint, machen auch keinen allzu empathischen Eindruck. Doch gegen Ende sagt Veronicas Mutter etwas Erstaunliches, was man fast als „Moral von der Geschicht'“ aus dem Film filtern möchte:  „When teenagers complain that they want to be treated like human beings, it’s usually because they are being treated like human beings.“ Veronicas Sorgen, ihr Wut und ihre Angst, die sie ja selbst schon als „teenage angst bullshit“ entlarvt hat, sind eben kein pathologischer Zustand, der behandelt werden muss, sondern gehören zum Prozess des Erwachsenwerdens dazu. Die Spielchen, die sie an ihrer Schule zu spielen hat, sind eben dieselben, die auch „da draußen“ in der Erwachsenenwelt noch gespielt werden. Man kann sich darüber aufregen und darüber verzweifeln, daran ändern wird man wohl nichts. Auch dann nicht, wenn man zu drastischen Mitteln greift. Aber man kann sich dem Spiel, so weit es geht, verweigern.

Die Inszenierung von HEATHERS reflektiert diesen Erkenntnisprozess. Beginnt der Film fast wie ein beständig zwischen verführerisch und abstoßend pendelnder Traum komplett mit Weichzeichner, Weitwinkel und durch den Synthesizer gejagten Engelschören, die die Entfremdung Veronicas perfekt abbilden, wird er im mörderischen Mittelteil vom Rausch des Bonnie-und-Clyder-Spiels der beiden Protagonisten erfasst, nur um sich zum Ende hin aller auffälligen Verfremdungseffekte zu entledigen und einen ernüchterten, niedergeschlagenen  Ton anzunehmen. Das Feuerwerk aus Pointen und übersteigerten Szenen weicht einer ruhigeren Abfolge eher statischer Szenen, während Veronica sich in der Introspektion übt und eine realistische Bestandsaufnahme wagt, die ihr in der letzten Einstellung den zwar jeder Illusion entledigten, aber immerhin ungetrübten und zuversichtlichen Blick in die Zukunft erlaubt. HEATHERS ist in Deutschland nicht so bekannt, wohl auch, weil seine beiden Stars zum Zeitpunkt des Erscheinens noch keine waren ist, genießt in den USA aber hochverdienten Kultstatus und ist weitaus mehr als „nur“ eine skurrile Teeniekomödie. Auch als solche funktioniert er aber ausgezeichnet, weil die Dialoge geschliffen scharf und die Pointen abgrundtief böse sind.