Mit ‘Christina Applegate’ getaggte Beiträge

bad_moms_posterAmy Mitchell (Mila Kunis) ist eine Bilderbuchmama wider Willen: Mit 20 ungewollt schwanger geworden, muss sie das Leben ihrer beiden Kinder organisieren und nebenbei ihren Job bewältigen, derweil ihr Ehemann Mike (David Walton) faul zu Hause herumlungert – und sie mit einer Netzbekanntschaft betrügt. In der Schule leidet sie unter dem eisernen Regime der PTA-Präsidentin Gwendolyn (Christina Applegate), die selbst noch einen Bake Sale zum kaum zu bewältigenden Spießrutenlauf der Political Correctness macht. Als Amy nach einem Tag voller Rückschläge auf die ebenfalls frustrierten Carla (Kathryn Hahn) und Kiki (Kristen Bell) trifft, beschließen die drei, ab sofort fünfe gerade sein zu lassen und „bad moms“ zu werden …

BAD MOMS ist, da führt kein Weg drum herum, ein formula movie: Filme mit „bad“ irgendwas haben Konjunktur, ebenso Komödien, die in Opposition zu braven Rom Coms realistischere Lebenssituationen als Grundlage nehmen und diese dann mit bisweilen vulgären Exkursen sowie Raum zur Improvisation aufpeppen. Nach ihrem Schwur benehmen sich die drei Moms in einem Supermarkt daneben, saufen Wodka und gröhlen herum, auf einer Party, die Amy anlässlich ihrer Kandidatur als PTA-Präsidentin schmeißt, lassen die geladenen Mütter sichtlich gelöst den Alltagsstress fallen und die Sau raus: Da werden dann Schnapsflaschen „gewichst“ und Mamas zu lesbischen Experimenten überredet. Der Witz über den fleischfarbenen, die Libido abtötenden „Mom Bra“ darf in diesem Zusammenhang natürlich genauso wenig fehlen wie die sich neu anbahnende Liebesbeziehung, bei der der Mann seine Eignung durch Cunnilingus beweisen kann. Kathryn Hahn übernimmt die Rolle des vulgären motormouths, derweil Kristen Bell das schüchterne Mauerblümchen gibt, das im neuen Lebenskonzept aufblüht und auf dem Gipfel ihres „coming-outs“ dann sogar dem Ehemann Paroli bietet, der sich bei der Führung des Haushalts bis dahin allzu sehr auf sie verlassen hat. Am Ende ist alles gut: Die Idee der „bad mom“, also einer Mutter, die nicht wie eine Besessene von Termin zu Termin hetzt und sofort Repressalien befürchten muss, wenn sie ihrem Spross kein selbstgebackenes glutenfreies Brot mit veganem Dinkelaufstrich und frisch gepressten Spitzkohlsaft zum Frühstück einpackt, setzt sich an der Schule durch. Offensichtlich sind Amy, Kiki und Carla nicht die einzigen, die den Druck nicht mehr aushalten. Und selbst die perfekte Gwendolyn zeigt am Schluss Schwächen und wird als Mensch rehabilitiert.

BAD MOMS ist, und das ist gar nicht so abfällig gemeint, vor allen Dingen eins: nett. Die Botschaft darf man nur begrüßen, auch wenn der Film noch überzeugender darin gewesen wäre, wenn er eine weniger brave Form gewählt hätte. Die wie mit dem Vorschlaghammer in die allgemeine Harmlosigkeit gedroschenen Zoten fallen krass aus dem allgemeinen Tenor des Films heraus, auch wenn sie durchaus witzig sind. BAD MOMS ist kein BRIDESMAIDS und schon gar keine mütterliche Antwort auf BAD SANTA. Gut hätte es auch getan, wenn der Film bei der Zeichnung seiner Männer weniger stereotyp vorgegangen wäre (zwei der drei Männer des Films übernehmen keinerlei Verantwortung zu Hause und der dritte, ein Bilderbuch-Dad, wie er im Buche steht, ist natürlich Witwer), aber das ist wahrscheinlich part of the deal. Hier geht es um die Frauen, die sich nach über 100-jähriger Filmgeschichte, in der sie oft auf das Heimchen am Herd oder Fels in der hemischen Brandung reduziert wurde, etwas Luft verschaffen darf. Dass sich an der Rollenverteilung am Ende gar nicht wirklich etwas ändert, die Frau immer noch die Kompetenz in Sachen Erziehung und Haushaltsführung ist, ihr der Mann lediglich etwas bereitwilliger als zuverlässigerer Assistent zur Seite steht, gehört wohl dazu. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut.

hall-pass-movie-posterRick (Owen Wilson) und sein bester Kumpel Fred (Jason Sudeikis) bekommen von ihren Gattinnen einen „Hall Pass“, einen eine Woche gültigen „Freifahrtschein“ ausgestellt, nachdem sie sich mit ihrer Sexobsession und der Angewohnheit, ständig hinter anderen Frauen herzustieren, zum wiederholten Mal unmöglich gemacht haben. In einer Woche Urlaub von der Ehe steht es ihnen frei, sich nach Belieben auszutoben und ihre unerfüllten Fantasien auszuleben, um hoffentlicht „geheult“ in den Ehealltag zurückzukehren. Die anfängliche Euphorie der beiden Männer weicht jedoch schnell der Ernüchterung, denn das andere Geschlecht ist alles andere als wild danach, mit zwei Fortysomethings ins Bett zu springen. Und während also Ricks und Freds Bemühungen immer verzweifelter werden, bändeln ihre Gattinnen Maggie (Jenna Fischer) und Grace (Christina Applegate) ihrerseits mit ihren Urlaubsbekanntschaften an.

Die Farrellys galten mit THERE’S SOMETHING ABOUT MARY mal als Erfinder der Gross-out- bzw. Anything-goes- bzw. Equal-opportunities-Komödie, fielen aber irgendwann dem eigenen Trend zum Opfer als sie von der nächsten Generation von Filmemachern hinsichtlich vulgärer Zoten übertroffen wurden. HALL PASS wirkt in seiner Exposition, in der Rick und Fred sich vor aller Welt zum Affen machen, laut über die Geschlechtsteile ihrer weiblichen Mitmenschen fantasieren oder der Bedienung im Café ungehemmt auf den Arsch glotzen und imaginäre Fotos für die „spank bank“ schießen, geradezu versessen darauf, verlorenen Boden gutzumachen, schwenkt dann aber recht schnell in versöhnlichere Gefilde ab. Anstatt Ricks und Freds Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen, führt der Film ihnen natürlich vor Augen, dass sie mit ihren Gattinnen doch sehr zufrieden sind, ein Traum durch seine Verwirklichung nicht unbedingt besser wird. Die Filme der Farrellys waren zwar schon immer von einer letztlich konservativen Moral geprägt, doch in HALL PASS ist auch die letzte Flamme des Aufbegehrens verloschen, mutet jeder Tabubruch nur noch wie das Ausreizen einer längst totgerittenen Masche an. Sie sind eben mit ihren Protagonisten zusammen älter geworden.

Wirklich überrascht wird von HALL PASS wohl nur noch der unbedarfteste Zuschauer, aber es fallen trotzdem ein paar gute Gags ab: Die Kumpels vollkommend stoned auf dem Golfplatz, die weibliche Eroberung, die plötzlich über Krämpfe klagt und der ein Nieser unangenehme Erlechterung verschafft, Rick und Fred vollends besoffen beim Anpöbeln entgeisterter Frauen. HALL PASS ist nicht ohne Wahrheit und demütigende Einblicke in das Wesen des Mannes, aber ein wenig mehr Mut hätte ihm trotzdem gut getan.

Will Ferrells Stern als Starkomiker ging nach einigen grandiosen Gastauftritten – etwa in den AUSTIN POWERS-Filmen, ZOOLANDER, THE LADIES MAN, JAY AND SILENT BOB STRIKE BACK und Hauptrollen in A NIGHT AT THE ROXBURY und OLD SCHOOL – wahrscheinlich mit ELF auf, aber sein frühes Meisterwerk legte er ein Jahr später mit ANCHORMAN: THE LEGEND OF RON BURGUNDY ab. Alles, was ihn auszeichnet, konnte er in diesem ihm auf den Leib geschneiderten Film in Perfektion zeigen: Ein Gefühl für aufgeblasene Popanze, bei denen Selbst- und Außenwahrnehmung krass auseinanderfallen und die das Gemüt eines emotional instabilen Kindes aufweisen, eine Mimik irgendwo auf dem immens schmalen Grat zwischen Ausdruckslosigkeit und Overacting und grenzenloses Improvisationstalent. Herrlich absurde Ideen und eine mit sichtbarem Spaß agierende Riege von Nebendarstellern rundeten ein Werk ab, dem ich ohne zu zögern den Begriff „Kultfilm“ anheften würde, wenn der nicht mittlerweile gänzlich unmöglich wäre. Zuletzt zeigte Ferrells Masche arge Abnutzungserscheinungen und seine beiden letzten wirklich tollen Filme, TALLADEGA NIGHTS und STEPBROTHERS, liegen 8 bzw. 6 Jahre zurück. Seine Imitation und Parodie von George W. Bush in diversen Kurzsketchen und einem Ein-Personen-Stück brachten ihm noch einmal Respekt ein und bestätigten, dass er auch politisch zu den „Guten“ zu zählen ist, aber Filme wie CASA DE MI PADRE oder THE CAMPAIGN waren doch eher enttäuschend. Nach fast zehn Jahren seine vielleicht beliebteste Rolle in Form eines Sequels wiederaufleben zu lassen, schien eine logische Idee und ein relativ sicheres Mittel, das abgeflaute Interesse noch einmal aufleben zu lassen. Aber zumindest bei mir schwang da doch von Anfang an die Befürchtung mit, dass sich ANCHORMAN mit der Fortsetzung als einmaliger Glücksfall erweisen würde und Ferrell als ein Komiker, dessen beste Zeit unbestreitbar vorbei ist. Nachdem ich ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES nun gesehen habe, kann ich sagen: Nein, ANCHORMAN 2 kommt an seinen Vorgänger nicht heran, aber er macht das Beste aus einer vertrackten Situation.

Nach den Ereignissen von Teil 1 sind mittlerweile die Achtzigerjahre angebrochen und Anchorman Ron Burgundy ist dem Ruf des Erfolges nach New York gefolgt, wo er gemeinsam mit seiner Ehefrau Veronica Corningstone (Christina Applegate) eine Nachrichtensendung moderiert. Alles ist gut, bis Veronica eines Tages befördert und er gefeuert wird: In seiner Ehre gekränkt, verlässt er sie und seinen Sohn, stürzt sich in Selbstmitleid, Alkohol und ein Engagement als Moderator der Delfinshow in SeaWorld. Unerwartete Besserung deutet sich an, als er von Freddie Shapp (Dylan Baker) für den neuartigen 24-Stunden-Newskanal des Medienmoguls und Fluglinienbesitzers Kench Allenby (Josh Lawson) engagiert wird. Er trommelt sein altes Team, bestehend aus Sportmoderator Champ Kind (Davd Koechner), Brian Fantana (Paul Rudd) und Wetterman Brick Tamland (Steve Carell), zusammen und tritt erwartungsfroh den neuen Job an. Die Euphorie währt nur kurz: Man überantwortet ihm den unattraktiven Nachtslot, während der schmierige Schönling Jack Lime (James Marsden) zur Prime Time moderieren darf. Als sich der in seiner Ehre gekränkte Burgundy Lime zu einer beinahe aussichtslose Wette hinreißen lässt – er will Limes Quote toppen oder für immer von seinem Beruf zurücktreten –, kommt ihm eine Idee, die die Nachrichten für immer revolutionieren wird: Er erfindet das Infotainment und erreicht mit Einspielfilmen über putzige Tierchen und Brustimplantate, Unwetterwarnungen, Liveübertragungen von Verfolgungsjagden, Crack-Experimenten und wilden Spekulationen Rekordergebnisse …

ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES wählt mit dem Aufkommen von reinen Nachrichtensendern ein interessantes Thema, dessen Potenzial leider nicht voll ausgeschöpft wird. Die Interpretation von Nachrichten als Entertainment, die heute längst der Standard ist, hätte eigentlich ausreichend Gelegenheit für absurde Episoden und Gags gegeben, wird letztlich aber in nur zwei, drei Szenen abgefrühstückt. Wenn McKays Film die lange Pause zwischen beiden Teilen auch oft zugute kommt – man verzeiht ihm nach so langer Zeit gern auch einige unkreativen Wiederholungen –, so spürt man auch die Bürde, die damit einhergeht. Viel Zeit wird gewissermaßen für die Pflicht geopfert, Gags aus dem Vorgänger zu wiederholen oder zumindest zu refrenzieren, und eine Handlung zu konstruieren, die doch eigentlich nur von minderem Interesse ist, während die Kür, das Ausreizen neuer, viel versprechender Einfälle, das wilde Improvisieren haarsträubender Dialoge – das Herz des ersten Teils – viell zu kurz kommt. Ich hätte gern mehr gemeinsame Szenen des Newsteams gesehen, mehr Fremdscham indzuzierende Versuche Burgundys, sich bei der Familie seiner neuen afroamerikanischen Flamme und Chefin Linda (Meagan Good) als „brother“ anzudienen, mehr peinliche Eskapaden des Popanzes Burgundy. Seine Läuterung zum Familienvater und verantwortungsbewusstem US-Bürgerim letzten Akt wirken dagegen müde, ausgewalzte Reprisen etwa des Newsteam-Fights (ntürlich mit noch mehr Cameos als zuvor) sind wie auf Autopilot inszeniert und rauben Zeit, ohne dem Vorgänger noch etwas hinzufügen zu können. Man merkt, dass hier einfach mehr auf dem Spiel stand als beim ersten Teil, an den keinerlei Erwartungen geknüpft waren. ANCHORMAN konnte sich ganz auf seine Figuren konzentrieren und war immer dann ganz bei sich, wenn er Ferrel und Co. improvisieren ließ, ohne sie mit dramaturgischen Zwängen einzuengen. Das kam seinem Thema, der Misogynie in den Medien der Siebzigerjahre, sogar zugute. ANCHORMAN 2 hat hingegen eine Agenda, die sich immer störend nach vorn schiebt. Wenn Burgundy am Ende erklärt, dass Nachrichtensendungen dazu da sind, das Volk über die Taten seiner Politiker aufzuklären, anstatt sie zu betäuben, ist das sehr löblich. Aber dass das so explizit gesagt werden muss, noch dazu von einem Esel wie Burgundy, zeigt auch, was hier falsch gelaufen ist. Trotzdem: Ich habe einige Male sehr gelacht. Und vielleicht vertsecken sich ja auch noch ein paar Perlen im Bonusmaterial.

 

Der Freier (Eb Lottimer) des 16-jährigen Straßenmädchens Dawn (Christina Applegate) entpuppt sich als Psychopath. In letzter Sekunde wird sie vom jungen Sy (David Mendenhall) gerettet, der sich in L.A. als Musiker verdingen will. Die beiden kommen sich infolgedessen näher und der aus behüteten Verhältnissen stammende Sy erhält Einblick wie es auch sein könnte: Dawn wurde von ihrer Mutter, einer Prostituierten, sitzengelassen und lebt nun mit zahlreichen anderen jugendlichen Obdachlosen in einem Abwasserkanal. Die einzige Aufheiterung ist der Fix, für den sie ihr weniges Geld ausgibt. Aber auch für dieses Leben lohnt es sich zu kämpfen: Denn der Killer vom Anfang will seine Niederlage nicht so auf sich sitzen lassen. Und dass er ein Polizist ist, macht es nicht einfacher …

STREETS, auf den ersten Blick ein Nachfolger eher exploitativer Babystrich-Filme wie ANGEL, entpuppt sich auf den zweiten als durchaus ernstes, gut gespieltes Drama. Christina Applegate und David Mendenhall – Stallones Sohn aus OVER THE TOP – geben ein sympathisches ungleiches Pärchen ab, die gleichzeitig sonnendurchfluteten wie tristen Bilder von Venice Beach bieten eine stimmungsvolle Kulisse für den Blick auf die Schattenseiten der kalifornischen Metropole. Zwar bleibt STREETS etwas zu konventionell und brav, um wirklich zu schockieren oder zu bewegen, dennoch sind seine Bemühungen aller Ehren wert. Die potenzielle Wirkung der Corman-Produktion wird in erster Linie durch den reichlich generischen Serienmörder-Subplot gemindert: Zwar liefert der einige heftige Bilder und Effekte – die Erschießung einer in eine Mülltonne gesteckten Elfjährigen etwa –, aber er rückt den sehr aufrichtigen Film (nie gleitet er in den Sleaze ab, in dem vergleichbare Prostitutionsdramen so gern aufhalten) auch unweigerlich in Richtung Kintopp. Man kennt das aus unzähligen anderen Werken: die Parallelmontagen nichts Böses ahnender Opfer und des ihnen immer näher kommenden Killers, die Morde an den Freunden, denen der Schurke die Hinweise auf den Verbleib der Gesuchten abringt, die Trennung der Protagonisten just in dem Moment, in dem sie ihre gegenseitige Unterstützung am meisten brauchen, dann schließlich ihre Wiedervereinigung und der Triumph über den Widersacher. Das ist, wie gesagt, immer sauber gemacht – auch wenn die Tatsache, dasss der Killer Polizist ist, den Film kein Stück weiterbringt –, lenkt aber eben auch von den interessanteren, gewichtigeren Aspekten des Films ab. Dass das Herz dennoch auf dem rechten Fleck sitzt, das Schicksal Dawns nicht bloß den sensationalistischen Stoff für zynische Zuschauermanipulation bietet, beweist das tolle, traurige Ende, das dem Friede-Freude-Eierkuchen und der Gefühlsduselei, das etwa Fernsehproduktionen auszeichnet, die sich dieses Themas annehmen, eine saftige Absage und STREETS mit seinem Schlussbild im Gedächtnis verankert.

Kann man gucken.