Mit ‘Christopher Lloyd’ getaggte Beiträge

Das Positive an diesem Sequel zu Alejandre Ajas Film: Es macht keinen Hehl daraus, worum es ihm geht. Schon der Titel lässt keinerlei Zweifel daran: Hier wird der geneigte Zuschauer mit der Aussicht auf Blut, Titten und jede Menge niveauloser Zoten gelockt. Erschütternd allerdings, dass dieses anvisierte, niedrige Niveau durch eine schlicht unfähige Regie noch weit unterboten wird. PIRANHA 3DD ist ein großes Nichts.

Die Prämisse ist einfach: Die gefräßigen und superaggressiven Fische des ersten Teils haben überlebt und sich den Weg in einen anderen See gesucht, aus dem ein Spaßbad seine Wasservorräte bezieht. Ein Highlight des Schwimmbads ist ein „Adult Pool“, in dem barbusige Animateusen um die Gunst männlicher Badegäste buhlen. Es kommt, wie es kommen muss: Die Killerfische werden irgendwann ins Bad gepumpt und beißen die Gäste weg, bevor sie mithilfe von David Hasselhoff weggesprengt werden.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: PIRANHA 3DD wirkt, als habe jemand den Schnittmüll eines abgebrochenen Filmprojekts hastig zusammengeklebt, um noch etwas Kasse damit zu machen. Dass die Witze entweder schlecht, schlecht umgesetzt oder aber alt sind (David Hasselhoff als Bademeister – kann da noch irgendwer drüber lachen?): Geschenkt. Dass das Drehbuch eine Ansammlung von Klischees und gut abgehangenen Standards ist, die hier besonders lieblos abgewickelt werden? Ja, gut. Dass es weitaus weniger Möpse zu sehen gibt, als einem der Film zu Beginn weismachen möchte? Doof, aber verkraftbar. Dass die grauseligen CGI-Effekte lieblos hingeschludert wurden? Auch das war zu erwarten. Erschreckend allerdings ist, mit wie wenig Sinn und Verstand alle Beteiligten, besonders aber Regie, Kamera und Schnitt hier zu Werke gingen. Das Timing stimmt nicht, zum Teil weiß man gar nicht, was da eigentlich passiert,. Jeder Effekt, den das finale Blutbad haben könnte, wird durch die katastrophale Umsetzung zerstört. Ich fühlte mich schlicht für dumm verkauft: Nicht, weil hier angenommen wurde, das Publikum wolle nur Sex and Gore, denn damit wäre ich ja ganz zufrieden gewesen, sondern weil die Macher offenbar der Meinung waren, jemand mit diesen Bedürfnissen sei komplett verblödet und fräße auch noch den letzten Dreck, den man ihm vorsetzt. Fragt sich bloß, wie es gelang, Leute wie Christopher Lloyd, David Koechner, Ving Rhames und Gary Busey zum Mitmachen zu überreden. Sind die wirklich so verzweifelt? Ich höre jetzt auf, denn jedes Wort mehr ist eines zu viel.

 

Das Leben der Predigertochter Polly Franklin (Pamela Sue Martin) ändert sich schlagartig, als sie einem Banküberfall von John Dillinger beiwohnt. Danach wird sie erst von einem Reporter entjungfert, der sie mit einer Zeitungsgeschichte ködert, und dann von ihrem Vater rausgeschmissen. Sie macht sich auf den Weg nach Chicago, um dort auf eigenen Füßen zu stehen. Aber die Depression hält nicht viele Chancen bereit uns so landet sie nach einigen Umwegen erst im Knast und dann schließlich im Edelbordell der rumänischen Exilantin Anna Sage (Louise Fletcher), wo der Mob ein und aus geht. Als Anna die Ausweisung droht, ergreift sie ihre letzte Chance, im Land bleiben zu können: Denn sie hat Pollys große Liebe – einen vermeintlichen Geschäftsmann – als Staatsfeind Nr. 1 John Dillinger (Robert Conrad) erkannt …

Zum zweiten Mal nach DILLINGER widmet sich Roger Corman dem berühmten Bankräuber der Dreißigerjahre, nutzt dessen Geschichte aber lediglich als Hintergrund, vor dem sich die Lebens- und Leidensgeschichte der jungen Polly abspielt. Die verhinderte Rags-to-Riches-Geschichte entwickelt einigen Zug, weil die einzelnen Episoden knackig kurz sind, mit den für Corman typischen spitzenmäßig besetzten Nebenrollen geadelt werden – Dick Miller als sexistischer Arbeitgeber, Christopher Lloyd als gruseliger Mafiosi mit The-Crow-Muttermal und dem Spitznamen „Frognose“ – und weil Pamela Sue Martin eine liebenswerte (und attraktive) Protagonistin abgibt. Lewis Teague, ganz der Handwerker, als den man ihn in den Achtzigern zu schätzen gelernt hat, kann sich ganz auf das Drehbuch von John Sayles verlassen und steuert den Film mit sicherer Hand auf seinen Höhepunkt zu, die Erschießung Dillingers vor einem Kino in Chicago, der natürlich nochmal so interessant ist, wenn man ihn mit der gleichen Szene aus DILLINGER vergleicht. Nach kurzem Überfliegen des Wikipedia-Eintrags über den Staatsfeind Nr. 1 zeigt sich, dass Teagues Version sogar näher dran ist an der Wahrheit, denn anders als Milius dichtet er dem Gangster hier keine feste Geliebte an, die bei seiner Erschießung anwesend gewesen wäre. Andere Details – Passanten tupfen mit Taschentüchern das Blut des gefallenen Gangsters auf – finden sich interessanterweise in beiden Filmen. Leider wird dieser Szene hier jedoch einige Wucht dadurch genommen, dass der Film danach noch gute 30 Minuten weiterläuft. Und diese 30 Minuten, in denen Polly nun ihrerseits eine „Gang“ zusammenstellt und eine Bank überfällt, wirken wie nachträglich angeklebt, lassen den bis hierhin sehr glaubwürdigen Film als rein fiktives Werk, ja als Kintopp, erscheinen. Mag sein, dass es die Macher für nötig hielten, ihren Film auf einer hoffnungsvolleren Note enden zu lassen, was ja durchaus sympathisch ist: Dramaturgisch will sich das Finale einfach nicht in den Film einfügen, der mit der Erschießung Dillingers ja eigentlich schon ein passendes Ende gefunden hatte. Letztlich ist das aber auch nur ein kleinerer, zu verschmerzender Schönheitsfehler, denn die positiven Aspekte überweigen bei Weitem. Schöner Film!