Mit ‘Christopher McDonald’ getaggte Beiträge

Happy Gilmore (Adam Sandler) träumt trotz zahlreicher gescheiterter Bewerbungen und eher mäßigem Talent immer noch von einer Karriere als Eishockeyspieler. Richtig gut ist er aber nur im Prügeln und darin, den Puck mit voller Wucht durch die Gegend zu dreschen. Diese Fähigkeit kommt ihm auch bei einer Golferwette entgegen, bei der er den kleinen Ball weiter schlägt als mancher Profi. Der ehemalige Golfer Chubbs Peterson (Carl Weathers) erkennt gleich das Potenzial in dem ungehobelten Gilmore und schlägt ihm vor, an einem Turnier teilzunehmen. Der Sieger qualifiziert sich automatisch für die Golf-Meisterschaft. Und weil Gilmore Geld braucht, um die Schulden seiner geliebten Oma zu bezahlen, willigt er ein. Der cholerische Rüpel mischt die vornehme Golfklientel ordentlich auf und wird bald zum medialen Phänomen. Das wiederum passt dem arroganten Meisterschaftsanwärter Shooter McGavin (Chrstopher McDonald) überhaupt nicht …

So wie ich die Karriere von Adam Sandler verfolgt habe, war es HAPPY GILMORE, der seinen Durchbruch als Filmstar bedeutete. Und während der Komiker in Deutschland nie die ganz große Popularität erlangte, so genoss dieser Film unter Junggebliebenen doch zumindest kurze Zeit einen kleinen Kultstatus. Zugegeben, die Idee, dass ein Eishockey-Prolet die feine, distinguierte Gesellschaft der Golfer unterwandert und die vornehmen älteren Herren mit seinen äußerst rüden Umgangsformen aufschreckt, ist ganz putzig. Leider trägt sie keinen ganzen Film, wenigstens nicht diesen. HAPPY GILMORE wirkt auf mich seltsam krampfig. Echte Gags gibt es eigentlich nicht, bloß das ungehobelte Verhalten Gilmores, das keine echte Entwicklung zulässt, außer natürlich der für diese Filme üblichen: Um an sein Ziel zu gelangen muss Gilmore sein Verhalten modifizieren und lernen, sich gegen seine „natürlichen“ Impulse zu verhalten. Und wie das halt so ist in Hollywood-Komödien geht mit dieser Selbst-Zähmung des Widerspenstigen – ein wieder mal ausgesprochen bieder-braves Love Interest hilft tatkräftig mit – auch der Erfolg einher, stand sich der eigentlich talentierte Golfer Happy Gilmore mit seinen Wutausbrüchen doch zuvor überwiegend selbst im Weg. Wie auch schon bei BILLY MADISON hat Happy Gilmore am Ende seine Lektion gelernt, verstanden, dass er seine Fähigkeiten konzentrieren und seine Schwächen zügeln muss, um ein besserer – und erfolgreicherer – Mensch zu sein. Oder wie es sein Trainer Chubbs sagt: Gilmore muss seinen „Happy Place“ finden, einen mentalen Zustand, in dem er mit sich im Reinen ist, und alles, was seine Konzentration raubt, ausgeblendet wird.

Dennis Dugan, Regisseur einiger der besten Filme Sandlers, ist es leider nicht gelungen, aus der recht eindimensionalen Prämisse einen 90-minütigen Spielfilm zu machen. Die schon beim ersten Mal nur dezent amüsanten Kapriolen Gilmores wiederholen sich ad infinitum, die Wendungen, die das Drehbuch nimmt, um zum vorhersehbaren Finale zu kommen, sind beinahe lieblos hingeworfen: Eine durch das Eingreifen des Konkurrenten herbeigeführte Verletzung, die Gilmore seiner stärksten Waffe beraubt, verschwindet einfach wieder, und als durch einen Unfall ein Boxenturm genau zwischen Gilmores Ball und das Loch fällt, da verbieten es angeblich die Regeln, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen. Solche Nachlässigkeit kennt man aus modernen Komödien und sie wären zu vernachlässigen, wenn die Lacherquote stimmte. Im Vergleich zum zwar unrunderen, aber dennoch befriedigerenden BILLY MADISON versagt HAPPY GILMORE genau hier. Es gibt ein paar gute Ansätze, wie die Beziehung Gilmores zu Chubbs Peterson (der zu früh abtreten muss), die Idee, dass sich Happy Gilmore einen Penner als Caddy heranholt und eine witzige Gastrolle für Ben Stiller als sadistischer Altenpfleger mit Dschingis-Khan-Schnauzbart. Aber wirklich witzig ist lediglich Christopher McDonald als selbstverliebter, intriganter Shooter McGavin, und irgendwie dünkt mir ein Film, der um diesen Fiesling gestrickt ist, aussichts- und facettenreicher als das, was Happy Gilmore an Möglichkeiten bietet.

Im Werk seines Hauptdarstellers ist HAPPY GILMORE, wie oben schon erwähnt, durchaus bedeutend. Er gehört noch zum Frühwerk, verharrt noch ersten Stufe der Entwicklung von Sandlers Filmpersona vom juvenilen, aufbrausenden Einfaltspinsel hin zum fürsorglichen Familienvater, und dabei fällt dabei im Grunde hinter BILLY MADISON zurück. HAPPY GILMORE ist etwas größer und professioneller, aber die verspielte Herzlichkeit und Unbekümmertheit des Vorgängers geht ihm weitestgehend ab. Zusammen mit dem fast schon unverschämt plumpen Product Placement ergibt sich ein Urteil, das mit bei Sandler sonst sehr fernliegt: HAPPY GILMORE ist mir ein wenig unsympathisch. (Dass er 1996, dem Jahr der vielleicht größten weltweiten Hongkong-Popularität, den doofen MTV Movie Award für die „Best Fight Scene“ erhielt, eine müde Boxerei zwischen Happy Gilmore und einem sich selbst spielenden greisenhaften Game-Show-Host, dafür kann der Film zwar nix, aber es passt absolut ins Bild.)

An ihrem letzten Schultag vor dem Beginn des Daseins als Erwachsene beschließen die beiden sozialen Outcasts Bo (Charlie Sheen) und Roy (Maxwell Caulfield) nach L. A. zu fahren, um es dort noch einmal so richtig krachen zu lassen. Doch der Ausflug beendet in mehr als einer Hinsicht ihre Jugend: Der von der Außenwelt komplett entfremdete Roy spürt in sich nämlich das unstillbare Verlangen, einen Menschen zu töten …

Gleich nach ihrem desillusionierenden Jahrhundertwerk SUBURBIA drehte die filmische Jugendbeauftragte Penelope Spheeris diese kalte Hundeschnauze von einem Film, der ihr Plädoyer aus dem erstgenannten noch einmal bekräftigt. Flüchten sich die vernachlässigten Kids aus SUBURBIA in eine Ersatzfamilie aus Gleichgesinnten und in den artikulierten Zorn des Punk, um den sozialen Halt nicht vollständig zu verlieren, und lösen sie damit nur wieder das Unverständnis, die Angst und den Hass der Erwachsenen aus, die eine Alternative zu ihrem Lebensstil nicht akzeptieren können, zeigt THE BOYS NEXT DOOR unmissverständlich, was passiert, wenn jegliches Ventil, die eigenen Frustrationen abzulassen, fehlt. Für Roy ist schon von Beginn an alles zu spät: Sein smartes Lächeln kann nicht verbergen, dass ihn Gewaltfantasien ausfüllen, sein aufgepumpter Körper ist kein Zeichen von Sportsgeist und Ehrgeiz, sondern von Travis Bickle’scher Mobilmachung gegen den unspezifischen Feind, sein Vater ist ein Säufer und sein bester Freund Bo selbst noch zu unreif und beeinflussbar, um die richtigen Fragen zu stellen. Für die Armee, die allein seine Bedürfnisse noch in eine gesellschaftlich akzeptierte Richtung lenken könnte, mangelt es ihm an der nötigen Disziplin und der Bereitschaft zur Selbstaufgabe, also muss sich seine ganze angestaute Aggression – die seinen muskulösen Körper förmlich niederzudrücken scheint – anders Bahn brechen. Wenn er sich auf seine Opfer stürzt und ohne Rücksicht auf sie einprügelt, auch wenn sie schon längst am Boden liegen, kommt ein krasses Maß an Selbsthass und Verzweiflung darin zum Ausdruck, die zu heilen kaum noch möglich ist.

Spheeris‘ Kamera vollzieht dies dadurch nach, indem sie immer wieder die Furcht und damit das Kindliche im Blick Roys aufspürt – und mit ihr  seinen menschlichen Kern -, besorgt beobachtet, wie diese Furcht mehr und mehr von einer gefährlichen Leere aufgelöst wird, und in den Gewaltszenen, in denen eine vormoralische Kraft sich seines Körpers zu bemächtigen scheint, auf Distanz geht, schockiert von dem, was da mit ihm passiert. Es mag bei so viel Kälte widersprüchlich klingen, aber THE BOYS NEXT DOOR ist ein einfühlsamer Film, weil er sich mit Vorverurteilungen zurückhält, er seinen beiden hoffnungslosen Protagonisten vielmehr mit Sympathie und Mitgefühl begegnet und eine Welt zeigt, in der es allzu leicht ist, zum misanthropischen Soziopathen zu werden. Als Roy auf offener Straße einen Tankwart zusammenschlägt, reagiert kein einziger der zahlreichen Passanten und der „Augenzeuge“, der sich der Polizei anbietet, ist ein alter Mann, der die Gelegenheit prompt dazu nutzt, das Verbrechen einem Schwarzen und einem Hispanic zuzuschieben. Roy verfährt genauso, nur seine Mittel sind ungleich drastischer: Den Wohlstand, der um ihn herum als erstrebenswert ausgestellt wird und von dem er weiß, dass er ihn niemals wird erreichen können, das Glück, das ihm verstellt bleiben wird, die Liebe, die er nicht erfahren wird, weil er sich selbst hasst, all das soll auch kein anderer haben. Und wer sich diesem unausgesprochenen Diktum widersetzt, ist ein Verräter und muss bestraft werden. Doch die Kluft, die Roy zwischen sich und der Gesellschaft spürt, wird so nur noch größer: Denn nichts ändert sich durch seine Gewalttaten. Im Gegenteil zementieren sie nur seinen Status als vom Schicksal Übergangener.

THE BOYS NEXT DOOR schwächt seinen Impact ein wenig durch die einleitende Creditsequenz, in der mittels Archivbildern und Kommentaren eine Parallele zu berühmt-berüchtigten Serienmördern gezogen wird: Die einfache Message lautet, dass sich das Böse manchmal hinter einer sehr alltäglichen Maske verbirgt. Das trifft zwar auf Spheeris‘ Film auch zu, verdeckt meines Erachtens aber den sozialkritischen Kern ihres Films, der doch nicht die bloße Existenz eines zwar banalen, aber dennoch voraussetzungslosen Bösen konstatiert, als vielmehr einen graduellen Übergang von jugendlicher Devianz hin zur pathologischen Mordlust erkennt und damit auch eine Möglichkeit, wenn nicht gar Verpflichtung, zur gesellschaftlichen Intervention. Vielleicht ist diese Creditsequenz aber auch eher als Warnung zu verstehen: Der Grundstein für ein Dasein als Serienmörder wird in Kindheit und Jugend gelegt. Wehret den Anfängen! Wie dem auch sei: THE BOYS NEXT DOOR ist bärenstark, profitiert von Caulfields wirklich furchteinflößender, beunruhigender Darstellung und der linkischen Naivität, die der spindeldürre Charlie Sheen mitbringt. Die ausgezeichnete Fotografie und der gleichermaßen mit Punk- und Hardrocksongs gespickte Soundtrack schaden gewiss auch nicht und der visuelle Zirkelschluss, der die Klammer für THE BOYS NEXT DOOR bildet, ist zu schön, um wahr zu sein.