Mit ‘Christopher Miller’ getaggte Beiträge

11180826_oriDie Drohung Dicksons (Ice Cube) vom Ende des ersten Teils, die beiden Helden undercover aufs College zu schicken, wird wahr gemacht: Wieder gilt es einen Drogenring auszuheben, der diesmal die Designerdroger WhyPhy auf den Markt bringen will. Doch Jenko hat andere Pläne: Er wittert die Chance, zusammen mit dem „seelenverwandten“ Studenten Zook (Wyatt Russell) Football-Karriere zu machen. Schmidt ist auf sich allein gestellt …

Der im Vorgänger noch recht milde selbstreflexive Charakter wird im zweiten Teil wesentlich mehr in den Vordergrund gerückt. Running Gag ist etwa das ständige Beharren von Schmidts (Jonah Hill) und Jenkos (Channing Tatum) Vorgesetzten, bei diesem Fall sei alles ganz genauso wie beim vorangegangenen, man habe diesmal lediglich mehr Geld zur Verfügung. Durchsichtige Plotvariationen – die aus dem Vorläufer bekannte Dynamik zwischen den beiden Protagonisten wird nun einfach umgekehrt -, sinnlose „Verbesserungen“ – das zuvor noch reichlich schäbige Hauptquartier der Undercover-Cops ist nun mit reichlich eitlem Hightech-Zeug zugestellt – werden von den Charakteren höchstselbst bemerkt und immer wieder aufs Korn genommen. Ein schöner Einfall ist eine Verfolgungsjagd, bei der die eigentlich zu Budgeteinsparungen angehaltenen Protagonisten sich zufällig stets für genau jenen Weg entscheiden, auf dem sie den größten Schaden anrichten: Da wird dann ein Geldautomat umgefahren, sodass die Banknoten durch die Luft wirbeln oder ein ganzer Skulpturenpark geschrottet. 22 JUMP STREET wandelt auf einem schmalen Grat, riskiert ständig, dass man ihn nur noch als Parodie wahr-, seine Geschichte gar nicht mehr ernstnehmen kann. Dass ihm die Gratwanderung gelingt, liegt erneut an der Chemie des Hauptdarstellerpärchens: Hill und Tatum haben sich das Image von liebenswerten, schlitzohrigen Underdogs, die man gern anfeuert und denen man auch einen Fehltritt gern verzeiht, hart erarbeitet, und das färbt auch auf den Film ab. Die beiden haben die Gabe, selbst einen schwächeren Gag noch zum Gewinner zu machen. Großartig ist auch wieder Ice Cube, der zum heimlichen Star der Show wird: Sein Ausraster am Buffet eines feinen Restaurants ist ein Highlight. (Er hat noch ein weiteres, das ich hier aber nicht verrate.)

Alles in allem hat mir das Sequel am Ende sogar noch besser gefallen als der erste Teil, einfach weil die Gagdichte höher ist. Man kann ganz bestimmt darüber streiten, ob die beständige Selbstironie nun eher einen Fall von bequemer Absicherung gegen Kritik oder aber im Gegenteil sogar reichlich sibversiv ist. Ich tendiere zu letzterem, denn ein solch freidrehende, respektlose, gleichermaßen bescheuerte wie intelligente und schlicht gut gelaunte Komödie halte ich für einen ausgesprochenen Glücksfall. Besser kann man ein Sequel eines Films, dessen erste Installaton die meisten schon für eine Schnapsidee hielten, kaum gestalten.

21-jump-street-poster-artworkMit der Fernsehserie 21 JUMP STREET begann vor rund 30 Jahren auch die Karriere von Johnny Depp als Leading Man. Er hatte zuvor schon einige Filme gemacht, etwa A NIGHTMARE ON ELM STREET oder natürlich CRY-BABY, aber in Deutschland nahm man ihn eigentlich erst in der Serie um eine Spezialeinheit von als Schülern getarnten Undercover-Cops so wirklich war. Vor allem die Teenie-Postille „Bravo“ fuhr auf den gutaussehenden Star ab und sorgte dafür, dass sein makelloses Konterfei die Wände zahlreicher Mädchenzimmer schmückte. Und auch ich verbrachte bei der deutschen Erstausstrahlung auf RTL manchen Vorabend vor der Glotze und träumte davon irgendwann auch so cool zu sein wie Tom Hanson (Johnny Depp) und seine Kollegen. Ich war halt noch jung.

Phil Lord und Christoph Miller waren jedenfalls intelligenter als ich damals, haben den blinden Fleck der Serie erkannt und zum Ausgangspunkt ihrer filmischen Aufbereitung gemacht, die dann auch kein „Remake“ im engeren Sinne ist: Fertig ausgebildete Erwachsene, die noch als Schüler durchgehen und von ihren Vorgesetzten eingesetzt werden, um minderjährige Drogendealer und Rabauken festzusetzen, sind keinesfalls „cool“, sondern ziemlich genau das Gegenteil davon. Genauso wie die beiden frisch gebackenen Polizisten Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum), die nach bestandener Ausbildung mit dem Fahrrad durch den Park patrouillieren und Strafzettel für unerlaubtes Entenfüttern ausstellen. Weil sie eigentlich davon träumten, mit großkalibriger Waffe und PS-starkem Auto auf Verbrecherjagd gehen zu können, ergreifen sie die Gelegenheit, die Mitglieder einer Drogenbande gefangenzunehmen, mit großem Enthusiasmus, der ihre  wahre Befähigung allerdings weit übersteigt. Die Folge: Die Verbrecher müssen freigelassen werden, weil Jenko vergessen hat, ihnen die Rechte vorzulesen. Zur Strafe werden sie zum launischen Captain Dickson (Ice Cube) und seiner in einer alten Kirche untergebrachten Spezialeinheit versetzt. Im Folgenden müssen die beiden erwachsenen Cops wieder bei den Eltern wohnen und zur Schule gehen und das ist alles andere als ein Zuckerschlecken, weil dort deutlich andere Sitten herrschen als damals – und weil Schmidt und Jenko verwechselt werden, der Sportler folglich mit den Chemienerds rumhängen muss, der Eierkopf hingegen mit den Sportlern.

21 JUMP STREET liegt durchaus auf der Linie der in den letzten Jahren so erfolgreich gelaufenen Komödien um Männer, die sich beharrlich weigern, erwachsen zu werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten genießen Schmidt und Jenko es, noch einmal Parties feiern und zum Abschlussball gehen zu dürfen und ihre Mission rückt darüber ziemlich weit in den Hintergrund, doch am Ende beweisen sie sich dann natürlich doch noch als echte Cops. Die Komödie ist tatsächlich sehr charmant geraten, wenn sie auch nicht die lustigste ist, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Hill und Tatum sind einfach beide sehr liebenswert und glaubwürdig in ihren Rollen, Ice Cube ist spitzenmäßig als ständig fluchender, überaus genervter und maximal desillusionierter Vorgesetzter. Neben den erwartbaren Witzchen um die vermeintliche Homosexualität der beiden Protagonisten, Penisgrößen und Potenzprobleme, gibt es auch einige glücklicherweise nicht zu aufdringlichen selbstreferenziellen Gags, mit denen 21 JUMP STREET weitere Sympathiepunkte einheimst. Keine Meisterleistung, aber ich freue mich trotzdem aufs Sequel.