Mit ‘Chuck Norris’ getaggte Beiträge

Chuck Norris vierter Film als Hauptdarsteller (nach HUNG MIAN LAO HU, BREAKER! BREAKER! und GOOD GUYS WEAR BLACK) ist ein furchtbarer Langweiler, der noch einmal verdeutlicht, dass der Actionfilm als eigenständiges Genre erst einige Jahre später entstand und man auch erst in den Achtzigerjahren wusste, was man mit Norris als Hauptdarsteller eigentlich anfangen sollte. Er spielt hier den Karatekämpfer Matt Logan, der von der Polizistin Mandy Rust (Jennifer O’Neill) als Berater in einem Kriminalfall hinzugezogen wird: Mehrere Cops sind in ihren Ermittlungen gegen einen Drogenring durch jemanden ermordet worden, der offensichtlich ein versierter Kampfsportler ist.

Wie viele Proto-Actioner aus den Siebzigerjahren mutet auch A FORCE OF ONE an wie eine überlange Folge einer typischen Fernsehserie aus dieser Zeit. Wenn Erik Estrada als „Ponch“ auf seinem Motorrad vorbeikäme, man würde sich nicht wirklich darüber wundern. Inszenatorisch wie erzählerisch ist Aarons Film bieder, behäbig, ohne jedes Flair oder auch nur eine Idee, wie das handfeste Sujet adäquat in Bilder übertragen werden könnte. Echte Actionsequenzen sind dann auch Mangelware, stattdessen gibt es seifenoperartiges Geflirte zwischen Matt und Mandy, Ermittlungsarbeit, wie sie sich Schulkinder vorstellen, und ein bisschen Papa-Sohn-Sentimentalität zwischen dem Helden und seinem Ziehsohn Charlie (Eric Laneuville). Wenn es dann mal ans Eingemachte geht, spielt sich das Wesentliche im Off ab (Charlies Ermordung) oder wird durch Zeitlupe jeder Dynamik beraubt (Finale). Lustig außerdem, wie ständig ein Riesenbuhei darum gemacht wird, dass da jemand Karate beherrscht. Nicht nur, dass Logan allein durch die Tatsache, Leuten aufs Maul hauen zu können, zum Supermann stilisiert wird: Der Film behandelt die Kampfkunst als rätselhaftes „neues“ Phänomen, das man den Leuten erst noch erklären muss. Und das immerhin ein paar Jahre, nachdem Bruce Lee mit ENTER THE DRAGON zum Superstar geworden war. Chuck Norris‘ Untalent streut weiteren Sand ins Getriebe. Als strahlender, charmanter Held ist er hoffnungslos überfordert. Man tat gut daran, ihn einige Jahre später als schweigsamen, stoischen Klotz zu inszenieren, der mit einem Gesichtsausdruck unaufhaltsam durch seine Filme rollt.

Gibt es irgendetwas Positives über A FORCE OF ONE zu sagen? Eigentlich nicht. Ganz schön fand ich lediglich, wie das kitschige Schlussbild unter den Credits nicht etwa einfriert, sondern bis zum Ende des Films in Zeitlupe weiterläuft, aber wegen eines solchen Einfalls eine Empfehlung auszusprechen, wäre natürlich vermessen. Ich habe mich königlich gelangweilt und bewundere die Chuzpe der deutschen Titelschmiede, die diesem Heuler ernsthaft den Titel DER BULLDOZER gab. Das einzige, was Norris hier plattwalzt, ist die Geduld der Zuschauer.

Man kommt nicht umhin, die gigantische Kluft zwischen diesem von Bruce Lee selbst inszenierten Film und seinem direkten Vorgänger, dem grimmigen, misanthropischen und rassistischen JING WU MEN, zu bemerken und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Nach dem Martial-Arts-Veteran Lo Wei nahm Bruce Lee für MENG LONG GUO JIANG selbst auf dem Regiestuhl Platz und das schlägt sich zum einen in einem visuell weniger dynamischen Stil, einem lockeren Plauderton und der Zeichnung von Lees Persona nieder. Das ganze erste Drittel lebt von der Konfrontation des chinesischen Landeis Tang Lung (Bruce Lee) – einem Mann, in dem mit einer gewissen selbstzufriedenen Naivität und trotziger Aufmüpfigkeit zwei genuin kindliche Eigenschaften aufeinandertreffen – mit der westlichen Zivilisation und dem kulturellen Erbe der europäischen Weltstadt Rom. Lee gibt sich selbst ausgiebig Gelegenheit, sein komödiantisches Talent in sketchartigen Tableaus zu erproben – durchaus mit Erfolg. Die Anfangssequenz im Flughafen, in der sich Tang Lung in seinem traditionellen chinesischen Aufzug erst der strengen und hautnahen Begutachtung einer alten Dame gegenübersieht, dann ein Kind verschreckt, das er um Hilfe bitten will, und in einem Restaurant schließlich fünf Teller Suppe aus der ihm unverständlichen Speisekarte bestellt, weil er sich gegenüber der Bedienung keine Blöße geben möchte, erinnert nicht nur in ihrer Struktur stark an die Episoden der Comedy-Serie um Rowan Atkinsons Mr. Bean. Lee inszeniert die ganze Sequenz ohne jeden Dialog, ganz mit dem Fokus auf den Reaktionen und der gespielten Souveränität des isolierten und hilflosen Protagonisten. Auch später rückt er den Unterschied zwischen dem Chinesen und der ihn umgebenden Welt immer wieder in den Mittelpunkt und hat dabei wunderbare kleine Einfälle, reichert sein Spiel mit vielen kleinen Tics und Details an, die die Figur lebendig werden lassen. In einer Szene schlendert Tang Lung etwa mit seiner Cousine Chen (Nora Miao) durch die Straßen Roms und boxt dabei mehrmals mit diesen typischen Bruce-Lee-Moves gegen die Markisen der ihren Weg säumenden Geschäfte. Kurz vor dem Showdown nimmt sie ihn auf eine Sightseeing-Tour mit und er kann nicht anders, als selbst noch die beeindruckendsten Bauwerke mit herausgestellter Geringschätzung abzuwerten. (Angesichts eines prachtvollen Brunnens behauptet er, er hätte stattdessen lieber Wohnungen gebaut.)

Das eröffnet den Blick auf einen interessanten Subtext, der die etwas fade und unterentwickelt bleibende Actiongeschichte um ein chinesisches Restaurant, das von den Schlägertrupps eines lokalen Gangsters heimgesucht wird, überlagert. Wie schon in den beiden vorangegangenen Filmen geht es erneut um chinesisches Klassenbewusstsein, und, im weitesten Sinne, um Rassismus: Die Grundkonstellation – Tang Lung reist aus China nach Rom, um seinen entfernten Verwandten zu helfen – erinnert an TANG SHAN DA XIONG (in dem sich Lees Protagonist Cheng Li zu Verwandten nach Thailand begab, um dort zu arbeiten), der Rassismus äußert sich weniger im schwelenden Hass gegen Japaner (obwohl es eine japanische Schurkenfigur gibt), sondern vielmehr in der Unsicherheit, die die Chinesen ihrer eigenen Kultur gegenüber zeigen. Unter den Restaurantangestellten tobt ein Streit darüber, welche Kampfkunst denn nun die beste sei, und erst als Tang Lungs Fähigkeiten sie überzeugen, bekennen sie sich zum chinesischen Kung-Fu. Auch in dem oben geschilderten Verhalten gegenüber seiner Cousine zeigt Tang Lung diesen chinesische Minderwertigkeitskomplex, der vom Regisseur Bruce Lee eindeutig aufseiten der Männer verortet wird. Chen ist die mit Abstand reifste Figur des Films und mehr als einmal betrachtet sie das Gehabe ihrer Cousins und Kollegen mit kopfschüttelndem Unverständnis. Die Hilflosigkeit Tang Lungs kommt besonders gut in der Szene zum Ausdruck, in dem er nach dem Flirt mit einer Unbekannten (Malisa Longo) bei dieser im Bett landet. Er spielt das Spiel (für ihn ist es tatsächlich nur ein solches) solange mit, bis sie ihre Brüste entblößt, woraufhin er panisch Reißaus nimmt, dem erschrockenen Kind am Flughafen nicht unähnlich. Diese Kindlichkeit ist prägend für den ganzen Film und alle seine Figuren. Man beachte nur, wie sich die Restaurantbediensteten in jeder sich bietenden Pause auf den Hinterhof flüchten, um dort zu trainieren und eifrig die Vor- und Nachteile verschiedener Kampfstile zu diskutieren. Ihre Träume sind es, die sie am Leben halten. Aber es fehlt die Verwirklichung dieser Träume. (Übrigens: Ich liebe dieses Hinterhofsetting, das ohne Zweifel im Studio aufgebaut wurde, dadurch eine beinahe traumähnliche Qualität erhält.)

Es ist dramaturgischer Konsequenz geschuldet, dass sich Tang Lung am Ende im Kampf gegen einen Weißen bewähren muss, einen US-Amerikaner, dem die westliche Überheblichkeit aus jeder Pore tropft und bei dem jedes einzelne Körperhaar die virile Überlegenheit gegenüber dem kleinen Chinesen repräsentiert. Der damals noch unbekannte Chuck Norris – in den Credits als siebenfacher US-Karatemeister vorgestellt – versieht seine Rolle mit jener Stoik und Einsilbigkeit, die später sein Markenzeichen werden sollte. Er spricht genau einen Satz, dem daher besonderes Gewicht zukommt: „Bob’s my student.“ Drei Worte, die nichts als Autorität ausdrücken. Der Eleganz Lees hat er nicht viel mehr entgegenzusetzen als Kraft und Effizienz, eine typische David-gegen-Goliath-Konstellation. Doch der Kampf der beiden ist nicht bloß ein Kräftemessen zweier Charaktere, sondern zweier unterschiedlicher Philosophien, zweier Prinzipien. Und es ist der Moment, in dem Tang Lung „full circle“ kommt, in dem er seine Unsicherheit überwindet und zum „Drachen“ wird. Alle Angeberei, die die vorherigen Kämpfe gegen ihm nicht annähernd ebenbürtige Gegner noch auszeichnete (seiner Unsicherheit geschuldet), ist hier endlich abwesend, stattdessen prägen äußerste Konzentration und Geduld das Duell. Noch großartiger als der eigentliche Fight zwischen Lee und Norris, der zu den ikonischen Momenten des Martial-Arts-Kinos zählt, ist das ausdauernde, nur vom Knacken der Knochen untermalte Stretching, das die beiden zuvor absolvieren. Es kann kein Zweifel mehr am Ernst der Situation bestehen, wenn sich die Feinde die Zeit zum Warm-up nehmen.

MENG LONG GUO JIANG ist insgesamt weniger rund und schlüssig, als es die beiden Bruce-Lee-Filme Lo Weis waren. Lee ist kein gelernter Regisseur, das merkt man, und es zeigt sich vor allem in den Actionszenen, die den Drive vermissen lassen, den Lo Wei mit der Kameraarbeit erzeugte. Lees Blick auf seine Kampfkunst ist sachlicher, in gewisser Weise akademischer. Er will nicht in erster Linie einen berauschenden Wirbel erzeugen, sondern Bewegungsfolgen nachvollziehbar und transparent machen. In dieser Hinsicht ist MENG LONG GUO JIANG dann wieder vorbildlich: Die Kampfszenen sind absolut sauber und übersichtlich choreografiert und fotografiert. Aber Lees erste und einzige Regiearbeit hat durchaus noch andere Meriten als diese: In seiner Leichtigkeit, der Bereitschaft, sich in letztlich unbedeutenden Episoden zu verheddern, dem Pioniergeist, der nötig dafür war, Anfang der Siebzigerjahre einen Eastern in Rom zu drehen, zeigt Lee genau den Spirit, den eine Geschichte um chinesische Immigranten in Europa braucht. Ihr Mut, in einer fremden Welt ein Geschäft aufzuziehen, spiegelt sich in der Furchtlosigkeit und dem Enthusiasmus, mit dem auch der Regisseur durch den Film prescht. Das sind Eigenschaften, die MENG LONG GUO JIANG meiner Meinung nach zu allererst auszeichnen, seine filmhistorische Bedeutung hat er freilich mit anderen Werten erlangt. Für Lees Gesamtwerk und die Legendenbildung wird er wahrscheinlich nur noch von dem wenig später folgenden ENTER THE DRAGON übertroffen, für dessen Entstehung MENG LONG GUO JIANG wiederum entscheidend war. Erst hier drängte sich Bruce Lee als Heldendarsteller auf, erst hier konnte er sein ganzes Charisma ausspielen.

Der ganze Film in einem Satz: Braddock denkt an die Kinder.

Von Reverend Polanski (Yehuda Efroni) erfährt der Vietnamveteran Braddock (Chuck Norris), dass seine totgeglaubte vietnamesische Frau Lin (Miki Kim) noch lebt und er sogar einen Sohn (Roland Harrah III) hat: Beide leben in einem nordvietnamesischen Dorf unter menschenunwürdigen Bedingungen, als Menschen zweiter Klasse der ständigen Gängelei durch General Quoc (Aki Aleong) ausgesetzt. Braddock macht sich sofort auf den Weg, seine Familie zu befreien und mit in die USA zu nehmen …

Wenn Joseph Zitos MISSING IN ACTION (und das back-to-back gedrehte Sequel) in ihrer Bitterkeit und Hasserfülltheit selbst Ausdruck des Traumas sind, in das der Vietnamkrieg das Kollektiv der US-amerikanischen Gesellschaft gestürzt hatte, dann ist BRADDOCK: MISSING IN ACTION III die störrische Weigerung, sich mit diesem Trauma auseinanderzusetzen und zur Realität zurückzukehren. 1988, im selben Jahr, in dem man Stallone dafür auslachte, weil er sich in Afghanistan in einen Konflikt einmischte, der in der Realität soeben sein Ende gefunden hatte, arbeitet sich Braddock immer noch an den kommunistischen Vietnamesen ab, hat er die Niederlage immer noch nicht überwunden, immerhin satte 13 Jahre, nachdem der Krieg beendet wurde. Aaron Norris‘ Film ist ein krasser Anachronismus, der die psychische Disposition seines Protagonisten zur unbeugsamen Tugend stilisiert. Am Ende des mit 105 Minuten überlangen Films kann man nur den Kopf schütteln, ob der zur Schau getragenen Unfähigkeit, die Vergangenheit zu verarbeiten, dem einstigen Feind die Hand zu reichen und eigene Fehler einzugestehen. „I can see the love of freedom/shining in your eyes“ singt Ron Bloom in seinem pathetischen Abschlusssong, sich mit bebender Inbrunst gegen die Erkenntnis stemmend, dass es im Krieg kein Gut und Böse, aber dafür sehr wohl eine „freedom“ außerhalb der USA gibt, eine, die nicht erst großzügig durch einen bärtigen Massenmörder verabreicht werden muss.

Dabei wirkt BRADDOCK: MISSING IN ACTION III selbst nicht mehr allzu überzeugt von seiner Weltsicht: Da muss erst eine Verkettung äußerst unglücklicher Missgeschicke konstruiert werden, um den US-Soldaten in den Glauben zu versetzen, seine vietnamesische Frau sei einer Explosion zum Opfer gefallen, der Sohn sein verständliches Misstrauen gegen den ihm vollkommen unbekannten Papa in Rekordgeschwindigkeit ablegen und zum glühenden Bewunderer seiner Mordkunst werden, auch wenn der genau genommen Schuld daran ist, dass die Mama nur Minuten nach der „Befreiung“ vor seinen Augen hingerichtet wurde. Um Braddocks Handeln zu legitimieren, müssen alle Register der Zuschauermanipulation gezogen und ein Heim voller „Bastardkinder“ erdichtet werden, die der amerikanische Held dann als „Karawane der Tapferen“ ins sichere Thailand führt, es dabei ganz allein mit den gegnerischen Streitkräften aufnehmend. Wenn es um Kinder geht, sind bekanntlich alle Mittel recht. Doch das Gemetzel kommt vier Jahre nach dem ersten Teil und drei Jahre, nachdem Rambo gezeigt hatte, wie so eine Revanche auszusehen hat, nur noch müde daher.

So bleibt nur der Prolog lobend zu erwähnen: Das Chaos um den Fall von Saigon, die Aufruhr vor den Toren der amerikanischen Botschaft, die von verzweifelt auf Rettung hoffenden Zivilisten belagert wird, wurde von Aaron Norris spannungsreich und authentisch eingefangen. Die ganze Sequenz darf als eine der überzeugendsten des gesamten Cannon-Katalogs gelten und hätte definitiv einen besseren Film verdient gehabt als diese unverbesserliche Schote. So ist sie der funkelnde Edelstein in der Jauchgrube.

Ein Jahr, nachdem der Vietnamveteran James Braddock (Chuck Norris) aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückgekehrt ist, tobt in seiner Heimat die Debatte um den Verbleib weiterer vermisster Soldaten. Weil die Politiker seiner Meinung nach jedoch gar kein echtes Interesse haben, diese Männer zu finden und nach Hause zu holen, ergreift er die Initiative: Ein diplomatisches Treffen mit den Nordvietnamesen nutzt er, um sich die nötigen Informationen mit Gewalt zu beschaffen. Mithilfe seines Kumpels Jack Tucker (M. Emmet Walsh) dringt er von Thailand aus nach Vietnam ein, haut die amerikanischen POWs im Alleingang raus und bringt sie just in dem Moment nach Hanoi, als der nordvietnamesische General vor den Augen der versammelten Weltpresse die Existenz jeglicher Kriegsgefangener im eigenen Land abstreitet.

MISSING IN ACTION war seinerzeit in den USA ein Riesenhit, spielte ca. das Zehnfache seines Budgets wieder ein und blieb bis zum Schluss einer der größten Erfolge der überaus produktiven Cannon Group der Israelis Menahem Golan und Yoram Globus. Die beiden hatten das Potenzial des brisanten Thema erkannt, das ja nicht zuletzt Präsident Reagan auf seine Fahnen geschrieben hatte, und wussten, dass sie schnell reagieren mussten, bevor ein anderer denselben Einfall haben würde. Der zur selben Zeit gedrehte MISSING IN ACTION 2: THE BEGINNING, der eigentlich die Trilogie eröffnen sollte, wurde zurückgestellt, und somit erschien MISSING IN ACTION noch ein Jahr vor dem ungleich aufwändigeren RAMBO: FIRST BLOOD PART II. (Der noch zuvor entstandene UNCOMMON VALOR hinterließ keinen größeren Eindruck beim Publikum, in Kürze mehr dazu.) Inhaltlich muss MISSING IN ACTION natürlich als überaus kontrovers bezeichnet werden: Wie auch Stallones Film gilt er heute als typisch für die Politik unter Reagan, dem kein Trick zu schäbig war, die geknickte Nation, an deren Spitze er stand, wieder aufzurichten. Das Thema „Kriegsgefangene in Vietnam“ wurde medial massiv aufgebauscht, brachte am Ende aber nicht die gewünschten Ergebnisse. Es muss vermutet werden, dass jene 2.500 vermissten US-Soldaten schlicht Gefallene waren. Sowohl MISSING IN ACTION wie auch RAMBO: FIRST BLOOD PART II ziehen alle quasi-propagandistischen Register, verfolgen die Strategie, dem Publikum sowohl ein griffiges Feindbild wie auch ein Stück Hoffnung zu geben. Dass es diese Kriegsgefangenen geben musste, daran besteht in beiden Filmen nie der leiseste Zweifel – und das Wissen wird dann ja auch bestätigt.

Was die Ideologiekritik, die diese Filme verständlicherweise provozierten, jedoch regelmäßig übersah: Mehr als als aktive Politik lassen sie sich als verzweifelte Trauerarbeit lesen. In MISSING IN ACTION wird das meines Erachtens nach noch deutlicher als im größeren, spektakuläreren RAMBO-Sequel. Zitos Film beginnt mit Rückblenden, Erinnerungen Braddocks an das Schlachtgetümmel in Vietnam, erlittene Grausamkeiten, verlorene Kameraden, und blendet auf den in der Gegenwart auf seinem Bett liegenden Veteranen, der gedankenverloren ins Leere starrt (die Szene erinnert an den Auftakt von APOCALYPSE NOW). Er wird den Krieg nicht los, auch nicht die Gedanken an die möglicherweise noch lebenden Freunde, und das Fernsehen ist voll mit Beiträgen über POWs. Er muss etwas unternehmen, also nimmt er die eigentlich schon mehrfach abgelehnte Einladung zu einem diplomatischen Treffen in Nordvietnam wahr. Dort wirft er jede falsche Höflichkeit über Bord, tritt den Offiziellen mit unverhohlener Verachtung gegenüber, setzt erst gar keine Hoffnungen in „Verhandlungen“. Abends nutzt er eine Gala, um aus dem streng bewachten Hotel aus- und bei dem nordvietnamesischen General Trau (James Hong) einzubrechen. Mit Waffengewalt presst er den Standort des Gefangenenlagers aus ihm heraus, bringt ihn schließlich um und kehrt unbemerkt ins Hotel zurück, wo man ihm nichts nachweisen kann. Nun widmet er sich den Vorbereitungen für seine Mini-Invasion, die er mit größter Effizienz und ohne eine Miene zu verziehen durchführt. Es wird nicht explizit gesagt, aber der Betrachter kann kaum zu einem anderen Schluss kommen, als diesen Braddock für einen schwerst angeschlagenen Psychopathen zu halten, dessen Besessenheit sich durch die Realität nicht begrenzen lässt. Die Nordvietnamesen sind immer noch der Feind, werden diese Rolle in Braddocks Lebenszeit wahrscheinlich auch nicht mehr los. Der Veteran steht ihnen nicht als besonnener Zivilist gegenüber: Für ihn ist der Krieg nie beendet worden. Und er wird sein Ende auch nicht finden, wenn Braddock nicht seiner inneren Stimme folgt.

Anders als seine Kollegen inszeniert Joseph Zito seinen Actionfilm trotz des patriotischen Befreiungsschlags, mit dem dieser endet, ohne den großen emotionalen Überschwang, ohne Euphorie. MISSING IN ACTION ist, seinem Sujet durchaus angemessen, einer der düstersten Genrebeiträge seines Jahrzehnts. Chuck Norris, sonst der stoische Fels in der um ihn tosenden Brandung seiner Filme, wirkt hier absolut prägend: Es ist, als sei der ganze Film eine Verlängerung seines Braddock, ein grober, schroffer Klotz, der alles niederdrückt. Da drängt sich der interpretatorische Wurf, MISSING IN ACTION als Imagination seines Helden zu sehen, geradezu auf. Er agiert in seiner Fantasie das aus, was seine Nation träumte, um sich nicht mit der bitteren Realität abfinden zu müssen.

Der Text, den ich damals mit dem Außenseiter auf „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde!“ veröffentlicht habe, halte ich immer noch für lesenswert. Klick hier.

THE EXPENDABLES hat mich vor etwas mehr als zwei Jahren wahnsinnig glücklich gemacht: Ein richtig guter Film war er trotzdem nicht. Die Freude darüber, die alten Recken nach teilweise entbehrungsreichen Jahren in einem großen Actionfilm vereint zu sehen, überdeckte die milde Enttäuschung darüber, dass Slys Film kein großes „Fuck You!“ an die modernen Sitten und Gebräuche des Actionkinos darstellte, sondern weitestgehend dessen fragwürdigen ästhetischen Rahmenbedingungen verpflichtet war. Dass THE EXPENDABLES verglichen mit anderen Großproduktionen dennoch beinahe bescheiden rüberkam – was Viele ihm ankreideten –, er nicht versuchte, das Rad neu zu erfinden oder Michael Bay und Konsorten in Sachen Megalomanie zu überbieten, fand ich sehr angenehm. Es passte zur Altersmüdigkeit seiner Darsteller, zu ihrem Wissen, dass der eigene Mythos längst gesichert ist. Niemand von ihnen musste irgendwem noch irgendwas beweisen. Bei THE EXPENDABLES 2 ist die Unschuld weitestgehend verloren: Die Freude über das Wiedersehen, das schöne Gefühl, den alten Helden bei ihrer verdienten Ehrenrunde zujubeln zu dürfen, weicht hier dem Eindruck, dass das alte Eisen den angekündigten Ruhestand gern noch ein paar Jahre nach hinten verschiebt, wenn die große Kasse winkt. THE EXPENDABLES war ein Geschenk, THE EXPENDABLES 2 ist im Grunde Business as usual. THE EXPENDABLES war Black Sabbath einmalig wiedervereint mit Ozzy, THE EXPENDABLES 2 ist die xte Tournee der greisenhaften Rolling Stones. Der Film schmälert schon durch seine bloße Existenz rückwirkend den Liebesdienst, den Sly seinen Fans mit Teil 1 erwiesen hat. Und er wirft teilweise sogar die Frage auf, ob er wirklich verstanden hat, was einen guten Actionfilm auszeichnet, was Fans am Genre und seinen Protagonisten lieben und was am ersten Teil gelungen war.

THE EXPENDABLES handelte seine Action-Set-Pieces fast pflichtschuldig ab, war dafür immer ganz bei sich, wenn er seinen wettergegerbten Helden dabei zusah, wie sie sie selbst waren. Mehr als irgendwelche Stunts oder Effekte sind es die kleinen Momente, die sich bei mir eingebrannt haben: Stallone und Rourke im nachdenklichen Zwiegespräch, die Sorge Jet Lis um sein finanzielles Auskommen, Dolph Lundgrens fall from grace und seine finale Wiederaufnahme im Kreis der Kameraden. Dass ich hier die Namen der Darsteller verwende und nicht die ihrer Rollen, ist zwar meiner Faulheit zuzuschreiben, bei IMDb nachzuschauen, macht aber dennoch Sinn: THE EXPENDABLES bediente den Wunschtraum eines jeden Fans, dass seine Helden (oder etwa die Mitglieder der Lieblingsband) auch privat die dicksten Kumpels sind, in ihrer Freizeit miteiander rumhängen und in Erinnerungen schwelgen, Anekdoten austauschen, sich necken und aufziehen, aber immer für einander da sind. Außergewöhnlich an diesem Film war nicht die Allstar-Besetzung, sondern seine fast unverschämte Relaxtheit. Der generische Plot um Eric Roberts und seine Bananenrepublik hat beim Ehemaligentreffen fast gestört.

Nun also THE EXPENDABLES 2: Die Vermarktungslogik ließ vermuten, dass gegenüber dem Vorgänger vor allem quantitativ zugelegt wird. Und so ist es dann auch: Die Cameos von Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger wurden zu Nebenrollen ausgebaut, Chuck Norris darf einen Gastauftritt absolvieren, Jean Claude Van Damme den Schurken spielen, die Rolle des obersten Henchman, die im Vorgänger Steve Austin zufiel, übernimmt nun Scott Adkins. (Zu meinem Bedauern wurde Gary Daniels nicht adäquat ersetzt. Dabei hätten sich Lorenzo Lamas, Billy Blanks, Roddy Piper, Sasha Mitchell oder Jeff Speakman sicherlich über einen Anruf gefreut und wären wahrscheinlich zu Fuß zum Drehort gelaufen. Na gut, Billy Blanks vielleicht nicht, der dürfte als Tae-Bo-Guru mehr Geld gescheffelt haben als mit allen seinen Filmen zusammen.) Diese personelle Auftstockung wird aber bei genauem Blick schon dadurch relativiert, dass Jet Li bereits nach gut 20 Minuten aus dem Film verschwindet. Ein Fehler, weil es auch sein Rapport mit Dolph Lundgren war, der dem Vorgänger Herz und Seele verlieh. Und Lundgren, der eigentliche Star und emotionale Kern von THE EXPENDABLES, wird hier als hohler Comic Relief verheizt. Randy Couture und Terry Crews waren schon im ersten Teil nur Randfiguren und werden noch mehr marginalisiert. Die Szenen, die das Team bei den gemeinsamen Plauderstündchen zeigen, vermisst man schmerzlich. Gerade, weil sie auch hier wieder genau jene Momente markieren, in denen der Film die Seele offenbart, an der es ihm sonst an allen Ecken und Enden mangelt. Die Actionszenen wurden ausgebaut, sie sind länger, blutiger und auch spektakulärer, zudem – eine der wenigen echten Verbesserungen gegenüber dem ersten Teil – deutlich übersichtlicher und kohärenter inszeniert, aber sie füllen nicht die Lücke, die da sonst klafft.

Wie auch THE EXPENDABLES wird auch sein Sequel voreilig als Eighties-Revival-Action, als Dienst am Fan des guten alten Actionkinos der Achtziger bezeichnet. Das traf schon auf Teil 1 nur bedingt zu (stilistisch hatte er mit den Actionfilmen der Achtziger rein gar nichts zu tun), hier geht es vollkommen an der Sache vorbei. THE EXPENDABLES 2 ist genauso am Reißbrett entworfenes Produkt wie so viele Filme, die man sonst mit dem Arsch nicht anschauen würde. Die Ausnahme ist, dass hier Leute mitspielen, von denen man dachte, dass sie es besser wüssten. Das große Ärgernis des Films ist seine unerträgliche Selbstreferenzialität, mit der er sich eben gerade nicht an die Cracks wendet, an Menschen, die das Werk Stallones, Schwarzeneggers, Norris‘, Lundgrens oder Van Dammes in- und auswendig kennen, es studiert haben und innig lieben. Die hohlen Zitate, die da vor allem Schwarzenegger in einem fort in den Mund gelegt werden, sind genau jene Zeilen, die zu bejubeln man die Quelle gar nicht mehr kennen muss, weil sie längst in den Fundus der Popkultur eingegangen sind. Wie einfallslos und ahnungslos muss man sein, wenn man ein von Arnie geäußertes „I’ll be back“ als Pointe in einer Multimillionen-Dollar-Produktion verkauft, die sich als Oldschool-Action versteht? Wenn man ihn Bruce Willis ein „Yippiekayay“ entgegnen lässt? Das hat nichts mit Ehrerbietung oder Metahumor zu tun (und mit Insiderwitz noch viel weniger), das ist einfach nur miserables Handwerk. Ein Armutszeugnis, ehrlich gesagt. Chuck Norris‘ Auftritt wäre eine schöne Sache gewesen, wenn man sich wenigstens ein bisschen Mühe gegeben hätte, ihn halbwegs sinnvoll in die Handlung zu integrieren. So latscht er in den Film rein, weil er auch noch mitmachen muss und verwandelt ihn in eine härtere Variante von HOT SHOTS. Es hätte nur noch der Schwenk auf das mitfilmende Kamerateam gefehlt, die Entfremdung wäre dadurch kaum stärker ausgefallen.

Solcherlei Stückwerk, die unkreative, ohne Sinn für eine übergeordnete Dramaturgie erfolgte Aneinanderreihung zotiger Gimmicks zerstört dann auch den Effekt, den die gelungeneren Szenen ohne jeden Zweifel hätten haben können. Jean Claude Van Damme hat eine traurig unterentwickelte Schurkenrolle abbekommen, aber er reißt den Film in jeder seiner Szenen an sich. Er muss dafür nicht mehr tun, als anwesend zu sein und sein in den letzten zehn Jahren ausgeprägtes Eisgesicht hinter einer coolen Sonnenbrille zu verbergen. Er sieht aus wie die Muse eines Avantgarde-Künstlers, wie die Gestalt aus einem Kraftwerk-Video: unantastbar, kantig, androgyn, geil. Dem Affentheater, zu dem der Film in den letzten 20 Minuten verkommt, setzt er Arroganz, Selbstbewusstsein und Kaltschnäuzgkeit entgegen. Auch Scott Adkins nutzt seine Mini-Chance und bekommt die Gelegenheit, seinen bewährten Yuri-Boyka-Akzent in einer Hollywood-Produktion unterzubringen (vielleicht der einzig echte In-Joke des Films, schon deshalb, weil er kaum jemandem aufgefallen ist – so ähnlich wie Gary Daniels im Vorgänger). Nur Stallone kann da mithalten. Sein kurzatmig ausgestoßenes „Track him, find him, kill him!“ ist einer der raren Gänsehautmomente des Films. THE EXPENDABES 2 sollte eigentlich voll von solchen Momenten sein, aber die Prioritäten lagen leider woanders.

Der Text ist jetzt etwas schärfer geworden, als ich das vorhatte. Es ist mir tatsächlich genetisch unmöglich, THE EXPENDABLES 2 nicht doch irgendwie zu mögen, aber die Erkenntnis, dass die unantastbaren Helden nicht nur nicht unfehlbar sind, sondern auch noch unter massiven Geschmacksverwirrungen leiden, ist ziemlich schmerzhaft. Ich wollte einen anderen THE EXPENDABLES 2 als diesen. Einen, der ohne dämlichen Humor auskommt, einen, der seine Recken nicht insgeheim zu Clowns degradiert. Einen der mir nicht ständig – wink-wink, nudge-nudge – zuzwinkert und sich mit mir verbrüdern will, indem er mir Witze erzählt, die ich schon kenne. Einen mit Herz und Seele und nicht nach zielgruppenorientierter Marktanalyse zurechtoptimierten Eventklumpen. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich damit einer Minderheit angehöre. Und ich bin durchaus kompromissbereit. Das Problem an THE EXPENDABLES 2 ist nicht in erster Linie, dass er etwas macht, was ich nicht wollte. Sondern dass er das, was er macht, schlecht macht.

https://i1.wp.com/adamantiumbullet.com/wp-content/uploads/2011/06/firewalker_poster_01.jpgDie Abenteurer und Schatzsucher Max Donigan (Chuck Norris) und Leo Porter (Louis Gossett jr.) werden von der attraktiven Patricia Goodwin (Melody Anderson) beauftragt, mit ihr gemeinsam einen geheimen Schatz zu bergen. Doch auf der Suche werden sie von El Coyote (Sonny Landham), einem unfreundlichen Indianer, der selbst großes Interesse an dem Schatz hat, und diversen südamerikanischen Milizen immer wieder in Bedrängnis gebracht …

FIREWALKER, Traum meiner Jugend. Naja, irgendwie war mir wohl damals schon insgeheim klar, dass dieser Abenteuerfilm der Cannon  – mit dem diese nach den beiden QUATERMAINFilmen zum zweiten Mal jenes Terrain beackerten, das Spielberg mit seinem INDIANA JONES so erfolgreich bestellt hatte – nicht wirklich „gut“ ist. Er dürfte wohl einer jener Filme sein, die ich zwar etliche Male mit großen Enthusiasmus angefangen, dann aber doch immer wieder vorzeitig abgebrochen habe. Warum das so ist, wird schnell klar: Der Film lässt ab der Mitte merklich nach. Die erste halbe Stunde ist nicht weniger als fulminant – zumindest in der deutschen Synchronfassung: In bester Rainer-Brandt-Manier wird hier gekalauert, dass sich die Balken biegen, und den Protagonisten immer wieder ein dummer Spruch in den eigentlich geschlossenen Mund gelegt. Zitierwürdige Zeilen finden sich zu Hauf und mehrfach haben meine Gattin und ich uns den Lachanfall nicht verkneifen können: Da wird sich darüber beschwert, dass der Sand zu sandig sei, und die Hautfarbe Leos („Von Beruf Neger“) immer wieder auf eine Art und Weise ins Zentrum des Humors gerückt, die heute gar nicht mehr denkbar wäre. Ein spanischer Gehilfe verabschiedet sich mit „Au weia con dios“, der altehrwürdige Indianer (Will Sampson) überreicht als Talisman „Gepresste Krümelkacke aus dem Medizinmann-Discount“ und beim Kartenspiel quittiert Leo den Siegesausruf – „66!“ – der quirligen Patricia mit einem genervten Stöhnen und der unsterblichen Zeile „Wir spielen doch Mau-Mau!“. Humorig dürfte FIREWALKER auch in der Originalfassung gewesen sein, aber erst die deutsche Synchronisation erhebt ihn zum Gaga-Schauspiel. Und sie wertet ihn mit ihren Charakterisierungen massiv auf: Die Chemie zwischen Norris und Gossett jr. (brillant vertont von Manfred Lehmann) stimmt, ihre gegenseitigen Neckereien und Streitigkeiten tragen viel zur Dynamik in diesem Anfangsdrittel des Films bei – mehr als etwaige Actionszenen. Norris ist als gutmütiger, aber etwas tumber Kumpeltyp geradezu kongenial besetzt bzw. synchronisiert: Von seiner stoischen Ruhe, der schon an Autismus grenzenden Ausdrucks- und Emotionslosigkeit, die seine sonstigen Darbietungen auszeichnet, ist hier nichts zu spüren. Er kommt eher als schnauzbärtige Variante der latent treudoofen Haudegen rüber, auf die sonst etwa Kurt Russell abonniert war und lässt einen fast bedauern, dass er sich nicht häufiger in komödiantischen Rollen versucht hat.

Aber auch besagter Niedergang des Films ist nicht zuletzt auf ihn zurückzuführen. Irgendwann tritt die Freundschaft von Max und Leo in den Hintergrund und macht der aufkeimenden Liebe zwischen Max und Patricia Platz. Das Sprüchefeuerwerk versiegt und stattdessen wird Plotabwicklung betrieben. Hier treten dann die Defizite des Films deutlich zu Tage: Die Geschichte um den Schatz ist haarsträubend unterentwickelt und auch nicht wirklich interessant, die Production Values sind zwar recht ordentlich, können aber selbstredend zu keiner Sekunde mit dem Vorbild oder auch größeren Rip-offs wie ROMANCING THE STONE mithalten und die Liebesgeschichte kommt direkt aus dem „Grundkurs Drebuchschreiben“. Nur noch einmal kommt wirklich Stimmung auf: Als Max seinem alten Kumpel Corky (John Rhys-Davies) wiederbegegnet, einem Weggefährten, der sich nun im Stile eines gut gelaunten Colonel Kurtz zum General einer Horde von Rebellen aufgeschwungen hat, wird der Film für einige Minuten plötzlich sehr ernst und geradezu nachdenklich. Die Schattenseiten des Abenteuerdaseins werden beleuchtet und suggeriert, dass die Suche nach Schätzen und Artefakten möglicherweise nur eine Flucht ist. Das geht natürlich einher mit dem Liebes-Subplot und Max‘ Überlegungen, endlich sesshaft zu werden, wirkt aber ungleich stärker. In nur wenigen Minuten lässt Rhys-Davies diesen Charakter entstehen, der in dieser kurzen Zeit echter, vollständiger und lebendiger wirkt als alle anderen Figuren des Films. Sein Blick, wenn Max ihn wieder verlässt, enthält ganze Welten an Gefühlen und Erinnerungen. Die Turbulenzen um den Schatz, die danach noch folgen, erreichen nicht annähernd die Durchschlagskraft dieser Sequenz. Der Film rast zwar mit großer Aufregung seinem Ende entgegen, doch wirkt das Tamtam wie ein laues Plätschern. Da merkt man dann wieder, was gut gescriptete Charaktere und die Spontaneität der Dialoge ausmachen.

Der Vietnamkrieg liegt in den letzten Zügen und amerikanische Diplomaten verhandeln erfolglos mit Nordvietnam, um die Freilassung amerikanischer Kriegsgefangener zu erwirken. Eine Spezialeinheit der CIA, die Black Tigers unter der Leitung von Major John T. Booker (Chuck Norris), erhält daraufhin den Geheimauftrag, einige Kriegsgefangene zu befreien. Doch die Mission endet im Desaster: Im angeblichen Gefangenenlager warten ausschließlich nordvietnamesische Soldaten, die die Black Tigers dezimieren, der Hubschrauber, der die Agenten abholen soll, kommt nicht. Fünf Jahre später steht der Politiker Conrad Morgan (James Franciscus), der einst die Verhandlungen führte, vor einem großen Karriereschritt Richtung späterer Präsidentschaft, als die verbliebenen Black Tigers nach und nach Mordanschlägen zum Opfer fallen. Auch Booker ist in Gefahr und versucht verzweifelt, seine alten Kumpane zu warnen und das Komplott aufzudecken …

GOOD GUYS WEAR BLACK gehört noch zur Frühphase des Norris’schen Schaffens, als der Actionfilm noch kein eigenes etabliertes Genre war, sondern lediglich die Summe verschiedener aktionsbetonter Genres darstellte. Ted Post, der viel fürs Fernsehen arbeitete und dessen bekanntesten Werke wahrscheinlich die jeweils zweiten Teile zur Dirty-Harry- und Planet-der-Affen-Reihe sind – MAGNUM FORCE und BENEATH THE PLANET OF THE APES –, inszeniert die Geschichte um den Verrat eines karrieregeilen Politikers an seinen eigenen Leuten dann auch als eher gemächlichen und vor allem enorm geschwätzigen Agententhriller, der nie wirklich in die Gänge kommt. Die wenigen Actionszenen sind kurz und aufgrund der statischen Szenenauflösung selten spektakulär: Der einsame Höhepunkt des Films ist ein beherzter Sprungkicks Norris‘ durch die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos auf den Brustkorb des Fahrers. Ansonsten wird viel geredet und durch die Gegend gefahren, ohne dass dabei auch nur annähernd so etwas wie Spannung aufkäme. Die verzweifelten Versuche, Norris als romantischen Held aufzubauen – man stellt ihm die junge, hübsche Anne Archer zur Seite –, zeigen zudem, dass man noch nicht so richtig wusste, wo die Stärken und Schwächen des Hauptdarstellers lagen. GOOD GUYS WEAR BLACK ist als Zeitzeugnis nicht ganz uninteressant, aber vor allem ziemlich langweilig.

Das ist zumindest insofern schade, als der Film inhaltlich einen Vorläufer solcher Actionklassiker wie MISSING IN ACTION oder RAMBO: FIRST BLOOD PART II darstellt, der durch seine dialoglastigere Anlage das Feld thematisch absteckt, das dann später vor allem bildgewaltig beackert wurde. Die verbale Auseinandersetzung zwischen Booker und Morgan kurz vor Schluss bringt all das auf den Punkt, was später gar nicht mehr gesagt werden musste. Die USA konnten es nur so weit bringen, weil sie es in ihrer Geschichte immer wieder verstanden haben, die Schwachen auszunutzen, sich stets auf den Patriotismus seiner Bürger verlassen konnten, die den Worten ihrer politischen Führer blind zu folgen bereit waren. Leider versäumt es Post, aus dieser durchaus brisanten Erkenntnis einen ebenso brisanten Film zu machen: GOOD GUYS WEAR BLACK ist harm- und belanglos, das verbrecherische Treiben wirkt nie erschreckend und skandalös, sondern eher läppisch und lediglich gespielt – ganz wie in einer Vorabendserie. So bleibt neben dem oben erwähnten Kick vor allem ein Bild hängen, das eher unfreiwillig das Versagen des Filmes widerspiegelt: Chuck Norris in himmelblauem Skianzug und dazu passender Bommelmütze. Dafür hat sich das Durchleiden von GOOD GUYS WEAR BLACK dann durchaus gelohnt.