Mit ‘Claudia Jennings’ getaggte Beiträge

In bester New World Pictures-Tradition trägt das Poster deutlich dicker auf als der Film selbst: Wer sich beim Lösen des Tickets nicht ganz unberechtigte Hoffnungen darauf machte, einen Blick auf die Oberweiten der Hauptdarstellerinnen Susan Howard (später die „Donna“ in DALLAS), Claudia Jennings oder BRADY BUNCH-Star Maureen McCormick zu erhaschen, kam wahrscheinlich mit langem Gesicht wieder aus dem Kino. Alle bleiben sie zugeknöpft, MOONSHINE COUNTY EXPRESS hat ein PG-Rating abbekommen und ist dementsprechend züchtig, zumindest hinsichtlich Sex, denn in der Gewaltdarstellung ist er nicht ganz so zimperlich. Aber so ist er halt der Ami: Töten hui, Titten pfui. Ich will mich gar nicht beschweren: Gus Trikonis‘ Hillbilly-Actioner ist mit seinem Sujet, wie meine Leser wissen, right down my alley, und selbst wenn er mit den Highlights des Subgenres nicht mithalten kann und relativ schnell wieder vergessen ist, so ist er für einen leicht verkaterten Sonntagvormittag doch ziemlich ideal, um wieder auf die Beine zu kommen.

MOONSHINE COUNTY EXPRESS beginnt mit einem Massaker: Papa Hammer (Fred Foresman), ein Moonshiner, wird mit seinen Helfern beim Schnapsbrennen umgelegt, und hinterlässt die erwachsenen Töchter Dot (Susan Howard) und Betty (Claudia Jennings) sowie die etwas jüngere Sissy (Maureen McCormick). Jeder im Ort weiß, dass der Hotelbesitzer und Geschäftsmann Starkey (William Conrad) hinter den Morden steckt, aber alle halten sie dicht, auch Sheriff Larkin (Albert Salmi), der es stattdessen auf den Autorennfahrer und Gelegenheitsgauner JB (John Saxon) abgesehen hat. Als die Hammer-Töchter das Erbe ihres Vaters antreten, gibt es Stunk im County und JB muss sich für eine Seite entscheiden …

Die Story bietet nichts wesentlich Neues, aber genug, um 95 Minuten ohne große Längen durchzubringen. Die Mischung aus Humor, Schießereien, Verfolgungsjagden und dem Hin-und-Her zwischen JB und Dot ist ganz amüsant, auch weil Lokalkolorit und Darsteller einfach stimmen. Die Besetzung, zu der sich auch noch Peckinpah- und Westernveteran Dub Taylor als versoffener Onkel der Schwestern sowie die Veteranen Morgan Woodward und Jeff Corey hinzugesellen, vereint ein paar tolle Charakterfressen, die Trikonis‘ Fernsehinszenierung deutlich aufwerten. Lediglich John Saxon selbst passt hier nicht so recht rein: Den Versuch, einen Südstaaten-Akzent vorzutäuschen, gibt der gebürtige Brooklynite schon nach wenigen Dialogzeilen verzweifelt auf, aber auch so ist der damals bereits 42-Jährige für die Rolle des jungen, unverantwortlichen Hallodris, der durch Dot auf den Pfad der Tugend gebracht wird, einfach nicht die Idealbesetzung, um es mal freundlich auszudrücken. Er macht das Beste aus der Situation und eine schlechte Leistung habe ich von ihm sowieso noch nicht gesehen. Eine kleine Enttäuschung ist auch das Finale, das ausgerechnet vor dem Oberschurken Starkey haltmacht und sich an die staatliche Gewlatenteilung erinnert, nachdem seine Lakaien zuvor im Dutzend plattgemacht worden sind. Ums also kurz zu machen: Harmloser Spaß, der besser, aber auch deutlich schlechter sein könnte.

gator_baitEine rotmähnige, leicht bekleidete, wildkatzenartige Frau schleicht barfüßig durch die Sümpfe oder rast todesmutig mit dem Motorboot durch die Mangrovenwälder Louisianas, das Gewehr im Anschlag, das Bowiemesser im Gürtel. Die Bande grobschlächtiger Rednecks, darunter der korrupte Sheriff mit seinem anhänglichen Deputy-Sohn, ist ihr dicht auf den Fersen, hat aber dennoch keine Chance. Am Ende sind sie alle tot, bis auf einen, der die undankbare und wahrscheinlich unlösbare Aufgabe hat, aus den Tiefen der Sümpfe zurückzufinden, in die ihn die Bayou-Sirene gelockt hat.

GATOR BAIT ist einer jener unzähligen amerikanischen Drive-in-Hits aus den Siebzigerjahren, zu denen es heute gar keine Entsprechung mehr gibt. Eine lokale Produktion, die mit heißer Nadel rund um das ehemalige Playmate of the Year Claudia Jennings gestrickt worden war. Sie wirkte nach ihrer Modelkarriere in den Siebzigerjahren in einigen Exploitationfilmen mit – etwa in THE GREAT TEXAS DYNAMITE CHASE, DEATHSPORT oder Cronenbergs FAST COMPANY – bevor sie 1979 mit nur 29 Jahren in einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Sie ist logischerweise das Zentrum von GATOR BAIT, der am ehesten als Ambiente-Film funktioniert, vor allem mit seinen stimmungsvollen, lichtdurchfluteten Bildern des atemberaubenden Sumpfsettings, Louisiana-Lokalkolorit und den typischen Redneckfiguren einnimmt – und eben mit der höchst ansehnlichen (und darüber hinaus sympathischen) Hauptdarstellerin. Die notdürftige Handlung – eine Rache- und Menschenjagdgeschichte – trägt hingegen nicht wirklich über 90 Minuten, die mitunter etwas zäh werden. Die Möglichkeiten, Männer interessant durchs Unterholz latschen zu lassen, sind knapp beziffert und die Sebastians haben sie bereits zur Halbzeit allesamt ausgeschöpft. Es fehlt ein auflockerndes Element, ein Twist meinetwegen, irgendwas, was der schon nach 20 Minuten auserzählten Geschichte noch einen zusätzlichen Aspekt hinzufügen würde. Aber ich will gar nicht meckern: Als ich gestern nicht wusste, was ich gucken soll und zum Antesten kurz in GATOR BAIT reinschaute, war es dank der tollen Bilder – das unergründlich schwarze Wasser der Sümpfe, die uralten Bäume, das in dicken Bündeln durch die dichten Äste fallende Sonnenlicht, der schlammig-modrige Waldboden, die wettergegerbten Hackfressen der belatzhosten Rednecks und natürlich die Jennings in ihren selbstgeschneiderten Waldläuferklamotten – sofort um mich geschehen. Wer für den Backwood-Film genauso ein Faible hat wie ich, der kommt auch um diesen kleinen Kultfilm nicht herum, der in dieser HInsicht die Vollbedienung darstellt.

Zur Bewerbung seines Motorenöls unterhält der Ölkonzern FastCo ein Rennteam für Dragsters und sog. Funny Cars – blecherne Kraftprotze, die bei Pferdestärken im fünfstelligen Bereich entsprechende Geschwindigkeiten hinlegen -, in dem der Rennfahrer Lonnie Johnson (William Smith) der unbestrittene Star und Publikumsmagnet ist. Doch im Verlauf der aktuellen Saison kommt es zu Spannungen zwischen der Mannschaft und Manager Phil Adamson (John Saxon): Der interessiert sich nämlich einzig und allein für die Werbewirksamkeit des Teams, der er sowohl die Wünsche und Vorstellungen der einzelnen Rennfahrer als auch deren persönliche Zufriedenheit bedingungslos unterordnet. Als er mit dieser Masche auf den Widerstand Lonnies stößt, wendet er sich an Gary Black (Cedric Smith), Lonnies direkten Konkurrenten …

Ihr kennt vielleicht diese Logikrätsel, bei denen man die sinnhafte Verbindung einer bestimmten Anzahl von Begriffen, Bildern oder Zahlen herausfinden und anhand dieser dann das „Kuckucksei“ aussortieren muss. „Was passt nicht in diese Reihe?“ lautet meist die Frage und wendet man diese auf die Filmografie von David Cronenberg an, so lautet die Antwort sehr einmütig „FAST COMPANY“. Dem ist nur wenig hinzuzufügen und wenn Blue Underground auf dem Backcover der DVD Cronenberg mit dem Spruch zitieren, dass FAST COMPANY einer der „wichtigsten Filme seiner Karriere“ sei (und sowohl Quelle als auch Kontext schuldig bleiben), so darf man mit einigem Recht annehmen, dass er sich damit weniger auf den Inhalt des Films als auf die Bedingungen bezieht, unter denen er entstand – oder etwa darauf, dass er damals zum ersten Mal mit Kameramann Mark Irwin zusammenarbeitete, der ihn im Folgenden bis THE FLY begleiten sollte. FAST COMPANY ist eine Auftragsarbeit, ein Exploitationfilm, der sich Stil und Sujet an den US-amerikanischen Exploitern orientierte, wie sie etwa Samuel Z. Arkoff und Roger Corman in den Siebzigern am laufenden Band und mit beträchtlichem Erfolg produzierten, und als Autorenfilm nur insofern interessant, als dieser hier ganz abwesend scheint. Es ist wirklich erstaunlich, wie es Cronenberg gelang, seine zu diesem Zeitpunkt doch schon recht ausgeprägte individuelle Handschrift zu verdecken und einen anonymen Film zu machen, der dennoch nicht nach desinterssiert heruntergekurbelter Söldnerarbeit aussieht. FAST COMPANY bietet vor allem 90 Minuten locker-flockiges und aus heutiger Sicht herrlich unschuldiges Entertainment im Stile der Siebzigerjahre mit der dazugehörigen Besetzung gestandener B-Film-Recken.

Zwar finden sich durchaus einige Bilder, die sich ohne große Schwierigkeiten in das Werk des Kanadiers eingliedern ließen – etwa die krassen Großaufnahmen der Rennfahrer, die in die fast ausschließlich aus Motor bestehenden Blechkäfige steigen -, doch sind dies höchstens visuelle, nicht aber semantische Referenzen. Der vielleicht klarste Cronenbergismus findet sich in einer kurzen Sexszene, in der der junge Rennfahrer Billy (Nicholas Campbell) seinem Betthasen das FastCo-Motorenöl über die nackte Brust gießt und die dazugehörigen Werbeversprechungen rezitiert: Es besteht kein Zweifel daran, dass es hier lediglich um die nötige Zurschaustellung von Nacktheit ging, aber die Assoziation des Körpers als ein Stück Maschine, das besonderer Pflege bedarf, drängt sich hier – rund zehn Jahre vor DEAD RINGERS – förmlich auf.

Fazit: Wer sich lediglich selbst davon überzeugen will, dass FAST COMPANY die Anomalie in Cronenbergs Schaffen ist, kann sich die Sichtung sparen und diese „Weisheit“ ruhigen Gewissens weiter aus zweiter Hand zitieren. Wer jedoch amerikanisches Exploitationkino der Seventies liebt und sich partout nicht vorstellen kann, dass ausgerechnet Cronenberg zu sowas in der Lage gewesen sein soll, der wird die Begegnung mit FAST COMPANY wahrscheinlich genauso genießen wie ich.

 

Candy Morgan (Claudia Jennings) hat gerade eine Haftstrafe abgesessen, da dreht sie schon das nächste krumme Ding: Mit zwei Stangen Dynamit bewaffnet stürmt sie in eine texanische Kleinstadtbank, um mit dem geraubten Geld die Farm des Vaters zu retten. Mit ihrem furchtlosen Auftreten erregt sie die Aufmerksamkeit der Bankangestellten Ellie-Jo Turner (Jocelyn Jones), der just in diesem Moment wegen anhaltender Unzuverlässigkeit gekündigt wird. Die beiden Frauen begegnen sich wenig später erneut und mit ihrem Enthusiasmus kann Ellie-Jo Candy davon überzeugen, gemeinsam mit ihr weitere Banken zu auszurauben. Mit der Sorglosigkeit von Teenagern gehen beide ihrer neuen Profession nach, bis sie bemerken, dass die Polizei ihren Sinn für Humor nicht ganz teilen mag …

THE GREAT TEXAS DYNAMITE CHASE ist eine nette, harmlose kleine Actionkomödie, wie sie das Exploitationkino der Siebzigerjahre in rauen Mengen hervorbgebracht hat und eigentlich kein Grund, in Begeisterungsstürme auszubrechen. Eigentlich. Denn dieser vermeintlich austauschbare Film hat gestern in einer Art und Weise meine Stimmung getroffen, wie mir das schon lange nicht mehr passiert ist: Von Anfang an war ich ganz und gar „drin“, völlig aufgesogen von der Leichtigkeit, mit der der Film voranschreitet, und geborgen in seiner ansteckend sympathischen Sorglosigkeit. Nicht für eine Sekunde drifteten meine Gedanken vom Film zur schnöden Realität, nicht einmal wanderte der Blick ungeduldig zur Uhr: ein Zustand, der von mir aus ewig hätte andauern können. Wenn es auch nicht unerheblich auf eine unruhige Nacht und meinen angeschlagenen Gesundheitszustand zurückging: dass ich ungefähr zur Hälfte des Films eingeschlafen bin, war irgendwie auch die logische Konsequenz von so viel Gemütlichkeit. Aber es spricht auch für seine Qualität, dass die Fortsetzung dann nicht die befürchtete Ernüchterung brachte. Ich kann die Sichtung von THE GREAT TEXAS DYNAMITE CHASE daher nur mit dem Tragen eines maßgeschneiderten Paars Schuhe (aus weichem Wildleder vielleicht) vergleichen: Man passt so gut rein, dass man ganz vergisst, es überhaupt zu tragen.

Es ist schwierig für mich, diese Begeisterung zu verargumentieren. THE GREAT TEXAS DYNAMITE CHASE ist bestimmt nicht der tollste Exploiter, der jemals gedreht wurde, er beinhaltet keine besonders brillanten Regieeinfälle, bahnbrechenden Szenen oder Stunts, die ich hervorheben müsste, seine Geschichte vermittelt uns keine neuen Erkenntnisse oder Denkanstöße und genauso wenig besteht ein Anlass, ihn für besonders einflussreich zu halten. Seine Stärken liegen ganz allein in seiner ansteckenden Good-Naturedness, die wiederum das Ergebnis einer Vielzahl einzelner unspektakulärer Faktoren ist, die sich wundersam zu großem Effekt verbinden. Pressman (der später noch den mittelprächtigen Achtzigerquatsch Dr. DETROIT und den spaßigen TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES 2: THE SECRET OF THE OOZE drehte und heute ein gut beschäftigter Serienregisseur ist) greift für seinen Film auf eine klassische Handlungsschablone des Gangster- und Roadmovies zurück, aus der er jedoch konsequent jede Anwandlung von Tragik herausgestrichen hat. Auf den Verlust der Unschuld, jenen Point-of-no-return, an dem das Geschehen umschlägt, weil ein zuvor stets eingehaltener moralischer Grundsatz zum ersten Mal verletzt wurde, der in all diesen Filmen die Wendung hin zu einem meist traurigen Ende markiert, wartet man hier vergebens: Die verbrecherische Tour von Candy und Ellie-Jo verliert nie ihren spielerischen Charakter, nie geht es dabei wirklich um den materiellen Gewinn, nie gibt es einen echten, persönlichen Schaden, stets überwiegt die Ansicht, dass man die beiden Frauen für ihren Mut und dafür, dass sie einer Tätigkeit nachgehen, in der sie gut sind, bewundern sollte.

Damit das funktioniert, verlegt Pressman die infrastrukturelle Realität der depressiven Dreißigerjahre in die Siebziger: Die Idee mit den Dynamitstangen ist ebenso ein Anachronismus wie die Leichtigkeit, mit der die Protagonistinnen der Polizei immer wieder entgehen, obwohl ihr Aktionsradius begrenzt ist und sie sich zudem kaum Mühe geben, unerkannt zu bleiben. Überhaupt die Staatsmacht: Die bleibt durchweg gesichtslos – kein grantelnder Bundepolizist hat sich in die Liste der Nebenfiguren gemogelt – und nimmt eindeutig die Rolle des Spielverderbers ein, der die Gangart unnötig verschärft und so ganz allein für den dann doch irgendwann folgenden Schicksalsschlag zuständig ist. Auch wenn THE GREAT TEXAS DYNAMITE CHASE kaum als politischer Film angesehen werden kann, kann man ihm einen dezent anarchistischen oder subversiven Charakter kaum absprechen: Die Raubzüge von Candy und Ellie-Jo sichern ihnen die Sympathie der breiten Masse, immer wieder treffen sie auf Menschen, die bereit sind, ihnen zu helfen. Der Film zieht hier sehr deutlich eine Grenze zwischen den Interessen des übergeordneten Staates und denen seiner Bürger, die sich nicht unbedingt decken müssen. Ihr Outlaw-Dasein mag die beiden Frauen vor den Augen des Gesetzes zu Außenseitern machen, doch die Realität sieht anders aus: Ihre kriminelle Energie vereint die Menschen miteinander. Ich weiß nicht, ob meine Begeisterung für THE GREAT TEXAS DYNAMITE CHASE nun halbwegs plausibel geworden ist. So wie ich ihn sehe, muss man ihn zusammen mit seinen beiden Protagonistinnen einfach lieben.