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quiet cool (clay borris, usa 1986)

Veröffentlicht: März 29, 2010 in Film
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Der toughe New Yorker Cop Joe Dylanne (James Remar) wird von seiner Exfreundin Katy (Daphne Ashbrook) nach Redneck-County beordert: Dort ist der Frieden gestört, seit eine Bande von Marihuanapflanzern ihr schändliches Unwesen treibt. Katys Eltern sind den Killern um den benackenspoilerten Valence (Nick Cassavetes) schon zum Opfer gefallen, ihr Bruder Joshua (Adam Coleman Howard) ist seitdem vermisst. Joe eilt zur Hilfe, findet bald schon den auf Rache sinnenden Joshua und beginnt mit ihm gemeinsam einen Feldzug gegen die Drogendealer …

QUIET COOL ist ein Film der zweiten Reihe: Eher unbekannt, ohne große Namen auskommend und in seinem Gesamtentwurf angenehm bescheiden, dürfte er Freunden des Actionkinos der Achtzigerjahre dennoch runtergehen wie Öl. Schon die Einführung des Helden ist herrlich: Zerknautscht in seinem katastrophalen Apartement aufwachend, frühstückt er erst einmal eine alte Pizza, bevor er dann im Einsatz – ganz Freund und Helfer – beim Versuch einen berollschuhten Handtaschenräuber mit seinem Motorrad einzuholen, jede Zurückhaltung vergisst und etliche Menschenleben gefährdet. Die Verfolgungsjagd führt über Gehsteige, durch Parkanlagen, eine U-Bahnstation und einen Zug (!), bevor der Räuber im Hudson River landet und Joe seinen Blick verträumt gen Freiheitsstatue wandern lässt. Sein Freiheits- und Gerechtigkeitssinn sind später noch gefragt, denn im heartland, da wo die Welt doch eigentlich noch in Ordnung sein soll, droht der Rückfall in die Wildwest-Zeit. Eigentlich eine nicht unübliche Konstellation im Actionfilm, die sich wunderbar dazu eignet, die Brücke zu eben jenem Western zu schlagen und den Pioniergeist des Actionhelden zu reaktivieren, der sich wie einst seine Vorfahren zur final frontier aufmachen muss, um die Zivilisation (zurück) zu bringen. Ein bisschen suggeriert QUIET COOL mit seinem Backwood-Plot, dass das die innere Sicherheit des Landes gefährdende Verbrechen mitnichten in den Häuserschluchten der Metropolen zu suchen sind – der Handtaschenräuber ist ja kaum mehr als ein fehlgeleiteter Spaßvogel und Dylanne kann sogar unangekündigt und spontan einen kleinen Kurzurlaub einlegen, ohne dass die Ordnung zusammenbricht -, womit der Film durchaus in Konkurrenz zu solch dystopischen Zeitgenossen wie DEATH WISH 3 zu sehen ist, die geradezu bürgerkriegsähnliche Szenarien heraufbeschwören und eine düstere Zukunft für die Großstädte zeichnen. Doch QUIET COOL betreibt mehr als nur einen kosmetischen Tapetenwechsel, denn die Verlagerung des Verbrechens ins Hinterland geht einher mit einer Infizierung uramerikanischer Werte. Es ist etwas faul im Staate Dänemark, wenn die liebe Oma von nebenan nicht nur das Geheimnis für die besten Blaubeermuffins hütet …

QUIET COOL hat also durchaus etwas mitzuteilen, doch fällt das angesichts der Unbeschwertheit und Kompaktheit des Films kaum auf. Zügig etabliert er seinen Konflikt und dann geht es auch schon ans Eingemachte, bevor nach kurzweiligen 80 Minuten alles wieder vorbei ist. Vorher gibt es lustige Booby Traps, einige blutige Einschüsse und sonstige Nettigkeiten, großkalibrige Handfeuerwaffen plus Flitzebogen, Marihuanapflanzen und einen Showdown, der dann auch dem letzten klarmacht, dass QUIET COOL im Grunde genommen ein Western ist. Walter-Hill-Stammschauspieler James Remar ist in einer seiner wenigen Haupt- und Sympathierollen zu sehen und entwickelt über den nur wenige Stunden umfassenden Zeitraum des Films einen amtlichen Dreitagebart. Ein feiner Film.