Mit ‘Cliff Roquemore’ getaggte Beiträge

MPW-54312Ein Film der vertanen Chancen: Die Grundidee, einen typischen, vor Selbsstbewusstsein überschäumenden Blaxploitationhelden nach dem Schluss eines faustischen Pakts gegen den Teufel (G. Tito Shaw) antreten zu lassen, ist eigentlich sehr komisch, vor allem weil sich dieser Held, Moores Komiker Petey Wheatstraw, von der Gegenwart des Leibhaftigen so rein gar nicht beeindruckt zeigt, aber PETEY WHEATSTRAW macht viel zu wenig aus seinem Potenzial. Der Film ist schon halb rum, bevor der Deibel zum ersten Mal auftritt, bis dahin schleppt er sich durch eine recht müde Gangster-Geschichte, die deutlich weniger einnimmt als Moores zuletzt besprochene Werke DOLEMITE, THE HUMAN TORNADO oder DISCO GODFATHER.

Moore und Roquemore machen vor allem den Fehler, sich an „echtem“ Humor zu versuchen, anstatt ihn bloß als natürliches Ergebnis der kruden Produktionsbedingungen entstehen zu lassen. Wenn zu Beginn gezeigt wird, wie der Titelheld geboren wird, ein tatteriger Arzt ihn als bereits ganz gut gewachsenen Zwölfjährigen als Nachgeburt einer Melone aus dem Leib der kreischenden Mutter holt, ist das sicherlich eine ganz putzige Idee, die aber dank der unbedarften Inszenierung und der mäßig begabten, hoffnungslos overactenden Schauspieler nahezu wirkungslos verpufft. Der Plot um einen Gangsterboss, der die Comedy-Club-Betreiber Leroy (Leroy Daniels) und Skillet (Ernest Mayhand) dazu zwingt, ihren Konkurrenten Petey Wheatstraw auszuschalten, ist auch nur mäßig aufregend und führt zu nix. Interessant wird es erst, wenn Moores Held nach seiner Exekution beim Teufel vorstellig wird und der ihm gegen eine Gefälligkeit die Rückkehr aufs Erdenrund verspricht: Er soll als Gegenleistung seine leider potthässliche Tochter heiraten und ihm einen Sohn schenken. Wheatstraw schlägt ein, aber er denkt natürlich im Traum nicht daran, eine Frau zu ehelichen, die so hässlich ist, dass „she could scare off a hungry bulldog from the top of a meat truck“. Den Zauberstab, dem ihm Lucifer mit auf den Weg gegeben hat, benutzt er aber, um sich gegen seine Widersacher zu behaupten und im Ghetto für Ordnung zu sorgen. In einer Szene hüpft er freudig in Zeitlupe durch die hood, nachdem er eine fette Frau in eine schlanke verwandelt haat, in einer anderen bürstet er einem Kleinkind, das er vor einem herannahenden Auto gerettet hat, mit einem Kamm grob den Afro, bis es bitterlich weint. Mir scheint, die Tränen waren nicht gespielt. Irgendwann meldet sich der Teufel zurück, um die Einhaltung des Deals einzufordern, aber Wheatstraw lässt sich nicht einschüchtern, sondern baldowert mit seinen Kumpels einen Plan aus, wie er den Teufel hereinlegen kann. Höhepunkt des Films ist eine ausgedehnte Keilerei gegen die Armee des Dunkelfürsten, jämmerliche Spargeltarzane mit Kot in der Fresse, angeklebten Papphörnern auf dem Kopf sowie albernen Capes und Strumpfhosen, angeführt von einem Teufel im James-Brown-Bodysuit. Da löst PETEY WHEATSTRAW endlich ein, was seine Prämisse versprochen hat, allerdings ist es das bereits zu spät. Als krachlederne Burleske und als einer jener Vertreter jener kuriosen Blaxploitation/Horror-Crossovers ist Moores Schauermär durchaus ganz interessant, aber zu einem guten Film macht ihn das leider nicht. Schade drum.

human_tornado_poster_01THE HUMAN TORNADO, die Fortsetzung von DOLEMITE, ist nach dem Erfolg des Vorgängers erwartungsgemäß größer, weniger billig und ranzig und damit, soweit man das so sagen kann, auch „besser“ im Sinne von „sauberer“ und „wohlgeformter“. Weil Rudy Ray Moore aber immer noch kein begnadeter Schauspieler und schon gar kein Martial Artist ist, und man diese Tatsache auch nicht mit einem höheren Budget aus der Welt schaffen konnte, bedient sich der Film außerdem einer offen zur Schau getragenen Selbstironie. Das alles macht THE HUMAN TORNADO zu einem unterhaltsameren, aber auch zu einem etwas stromlinienförmigeren Film, dem der rohe, ungeleckte Charme des Vorgängers weitestgehend abhanden gekommen ist – was aber nicht bedeutet, es hier nun plötzlich mit glatt gebügelter Mainstreamware zu tun zu haben.

Die Story ist fast identisch mit der im ersten Teil: Während Dolemite unterwegs ist (er absolviert eine Comedy-Tour und Impressionen seiner Darbietung markieren den Beginn des Films) und er es mit einem rassistischen Redneck-Sheriff zu tun bekommt, dessen Gattin er flachgelegt hat, nimmt der Mafioso Cavaletti (Herb Graham) ihm in der Heimat den Nachtklub samt Belegschaft ab. Um sich abzusichern, hat er zudem zwei von Dolemites Mädchen als Geiseln genommen. Zurück in Los Angeles trommelt der Pimp seine Leute zusammen, um den Kampf aufzunehmen und seinen Besitz zurückzugewinnen, doch inzwischen ist auch der rachsüchtige Redneck eingetroffen und hat schon die örtliche Polizei auf seine Seite gezogen …

Es kommt zur wilden Karatekeilerei, für die wieder einmal Howard Jackson herangezogen wurde, der diesmal auch eine größere Rolle innehat (neben dem mittelamerikanischen Nunchaku-Meister und Ghostbuster Ernie Hudson – no shit!). Die Fights sind um Längen besser als zuvor, was aber keinesfalls daran liegt, dass Moore in der Zwischenzeit zum Karateka gereift wäre, sondern daran, dass die Lahmarschigkeit seiner Moves durch den Einsatz von Zeitlupe abgefangen wird und er sich mehr auf ein mit lustigen Geräuschen und Grimassen untermaltes Posing verlegt. Diese Form des Augenzwinkerns ist hier ausnahmsweise durchaus angebracht: Wirklich ernstzunehmen war Moore in der Rolle des fightenden Superpimps mit der großen Klappe ja schon in DOLEMITE nicht, und die beharrliche Weigerung, seine inhärente Lächerlichkeit mitzuinszenieren, machte den Film zwar irgendwie charmant, aufgrund der zahlreichen Unzulänglichkeiten aber eben auch ein bisschen dröge. Im Sequel ist nun alles geradezu cartoonesk aufgeblasen, der Superpimp wird endgültig zum absurden Superheld, auch wenn er nicht, wie auf dem Poster, als menschlicher Wirbelsturm durch die gegnerischen Armeen rast. Sein Gegner steht ihm in nichts nach und lässt seine Geiseln im Keller eines verfallenen Hauses von einer alten Vettel mit zotteliger Turmfrisur foltern. Besonders perfide: Sie klemmt einer der Damen eine entsicherte Handgranate zwischen die Beine und lässt sie auf einem wackligen Holzstamm stehen. Und in einer weiteren denkwürdigen Szene besorgt Dolemite es einer ausgehungerten Dame so gut, dass um sie herum das ganze Haus zusammenbricht.

Dem Vernehmen nach steht die deutsche Synchro – hierzulande heißt der Film schlicht DER BASTARD – dem Vergnügen in nichts nach, was ich mir lebhaft vorstellen kann: Ich musste „leider“ mit dem O-Ton vorlieb nehmen, der aber von Moores kraftvoller Stimme und der Inbrunst, mit der er seine zahllosen „motherfuckers“ ausspuckt, getragen wird. Mir hat THE HUMAN TORNADO schon eine Ecke besser gefallen als der Vorgänger, der aber dafür aber eigener und ungeschliffener ist.