Mit ‘Clu Gulager’ getaggte Beiträge

Chuck Norris vierter Film als Hauptdarsteller (nach HUNG MIAN LAO HU, BREAKER! BREAKER! und GOOD GUYS WEAR BLACK) ist ein furchtbarer Langweiler, der noch einmal verdeutlicht, dass der Actionfilm als eigenständiges Genre erst einige Jahre später entstand und man auch erst in den Achtzigerjahren wusste, was man mit Norris als Hauptdarsteller eigentlich anfangen sollte. Er spielt hier den Karatekämpfer Matt Logan, der von der Polizistin Mandy Rust (Jennifer O’Neill) als Berater in einem Kriminalfall hinzugezogen wird: Mehrere Cops sind in ihren Ermittlungen gegen einen Drogenring durch jemanden ermordet worden, der offensichtlich ein versierter Kampfsportler ist.

Wie viele Proto-Actioner aus den Siebzigerjahren mutet auch A FORCE OF ONE an wie eine überlange Folge einer typischen Fernsehserie aus dieser Zeit. Wenn Erik Estrada als „Ponch“ auf seinem Motorrad vorbeikäme, man würde sich nicht wirklich darüber wundern. Inszenatorisch wie erzählerisch ist Aarons Film bieder, behäbig, ohne jedes Flair oder auch nur eine Idee, wie das handfeste Sujet adäquat in Bilder übertragen werden könnte. Echte Actionsequenzen sind dann auch Mangelware, stattdessen gibt es seifenoperartiges Geflirte zwischen Matt und Mandy, Ermittlungsarbeit, wie sie sich Schulkinder vorstellen, und ein bisschen Papa-Sohn-Sentimentalität zwischen dem Helden und seinem Ziehsohn Charlie (Eric Laneuville). Wenn es dann mal ans Eingemachte geht, spielt sich das Wesentliche im Off ab (Charlies Ermordung) oder wird durch Zeitlupe jeder Dynamik beraubt (Finale). Lustig außerdem, wie ständig ein Riesenbuhei darum gemacht wird, dass da jemand Karate beherrscht. Nicht nur, dass Logan allein durch die Tatsache, Leuten aufs Maul hauen zu können, zum Supermann stilisiert wird: Der Film behandelt die Kampfkunst als rätselhaftes „neues“ Phänomen, das man den Leuten erst noch erklären muss. Und das immerhin ein paar Jahre, nachdem Bruce Lee mit ENTER THE DRAGON zum Superstar geworden war. Chuck Norris‘ Untalent streut weiteren Sand ins Getriebe. Als strahlender, charmanter Held ist er hoffnungslos überfordert. Man tat gut daran, ihn einige Jahre später als schweigsamen, stoischen Klotz zu inszenieren, der mit einem Gesichtsausdruck unaufhaltsam durch seine Filme rollt.

Gibt es irgendetwas Positives über A FORCE OF ONE zu sagen? Eigentlich nicht. Ganz schön fand ich lediglich, wie das kitschige Schlussbild unter den Credits nicht etwa einfriert, sondern bis zum Ende des Films in Zeitlupe weiterläuft, aber wegen eines solchen Einfalls eine Empfehlung auszusprechen, wäre natürlich vermessen. Ich habe mich königlich gelangweilt und bewundere die Chuzpe der deutschen Titelschmiede, die diesem Heuler ernsthaft den Titel DER BULLDOZER gab. Das einzige, was Norris hier plattwalzt, ist die Geduld der Zuschauer.

Anlässlich meines Textes zu FRIDAY THE 13TH PART 2 hatte ich jüngst über die oft idiosynkratische Natur zweiter Teile gesprochen und dabei diesen Film explizit erwähnt: Jack Sholders Sequel zu Cravens A NIGHTMARE ON ELM STREET ist ein Paradebeispiel für meine These und gleich in doppelter Hinsicht seltsam. Nicht nur, weil er vom erst mit dem dritten Teil endgültig etablierten Muster der NIGHTMARE-Filme abweicht und seinen heimlichen Helden Freddy Krueger auf sehr eigene Art und Weise einsetzt, sondern auch, weil er einen Subtext aufweist, der mit dem Rest der Reihe rein gar nichts zu tun hat. A NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE ist ein Coming-Out-Film erster Güte und ein seltenes Beispiel für einen queeren Mainstream-Horrorfilm. Der Film ist tatsächlich so eindeutig schwul, dass der oben verwendete Begriff „Subtext“ kaum noch tragfähig ist und man sich außerdem über die geradezu rührende Ahnungslosigkeit von Regisseur Jack Sholder wundern muss, der angeblich der Meinung war, ein ganz normales Sequel zu inszenieren und an dem die mehr als eindeutigen Hinweise auf die unterdrückte Homosexualität von Protagonist Jesse (Mark Patton) völlig vorbeigingen. Der hingegen, selbst homosexuell, muss sich während der Dreharbeiten mehr als einmal auf die Zunge gebissen haben, waren ihm die Implikationen des Stoffes im Gegensatz zum Regisseur doch völlig klar.

A NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE widmet sich besagtem Teenager Jesse, der mit seiner Familie soeben in das Haus auf der Elm Street 1428 eingezogen ist, in dem Nancy Thompson im ersten Teil von dem Traumdämon Freddy Krueger bedrängt worden war. Es dauert nicht lange, da wird er von Albträumen heimgesucht: Doch Freddy will ihn nicht etwa umbringen, sondern Besitz von seinem Körper ergreifen, um so Zugang zur Wirklichkeit zu erhalten. Im Rahmen der Serie macht Kruegers Plan nicht den geringsten Sinn: Warum sollte Krueger Zugang zur Realität haben wollen, wenn er seinem blutigen Treiben im Vorgänger doch sehr effektiv und zudem völlig ungefährdet in den Träumen der Teenager nachgehen konnte? Auf die blutig-fantasievollen Traum-Morde, die in Chuck Russells drittem Teil zu Kruegers bevorzugtem M.O. und zum Erfolgsgeheimnis der Reihe werden sollten, wartet man hier noch vergebens, stattdessen greift Sholder Motive des Spukhausfilms auf, wenn Jesses Familie von unerklärlicher Hitze geplagt wird oder sich ihre Vögel plötzlich von selbst entzünden. Man merkt, dass den Autoren noch nicht ganz klar war, was die Zuschauer an Cravens Film und an Freddy Krueger eigentlich begeistert hatte: FREDDY’S REVENGE ist eine Sackgasse, aber eine, die es sich zu besuchen lohnt.

Der Traumdämon Krueger wird hier zur Metapher nicht für verdrängte Schuld, sondern für die unterdrückte Homosexualität Jesses. Gleich zu Beginn wird er von zwei Mädchen im Schulbus verlacht, dann kabbelt er sich mit seinem Kumpel Grady (Robert Rusler) beim Schulsport. Beim Einräumen seines Zimmers tanzt er zu quietschigen Eighties-Pop wie ein Chippendale, wenn ihn Krueger erschreckt, kreischt er hingegen wie ein Mädchen in der Geisterbahn. Eines Nachts, als er wieder einmal schweißgebadet aufwacht, verschlägt es ihn in den Sadomasoschuppen, den sein fieser Sportlehrer zu frequentieren pflegt. Der packt sich den Jungen sogleich, zwingt ihn zum nächtlichen Sport und will ihn dann in der Dusche züchtigen, als ihm Freddy zuvorkommt und ihm mit nassen Handtüchern in Großaufnahme den nackten Arsch versohlt. Später gelingt es der schönen Lisa (Kim Myers) endlich, den widerspenstigen Jesse auf die Matte zu zerren, doch bevor der Nägel mit Köpfen machen kann, kommt ihm erneut Freddy dazwischen. Was tut der arme Jesse: Er klettert ins Schlafzimmer seines Kumpels Grady und bittet diesen, auf ihn aufzupassen. Am Schluss ist es die Liebe Lisas, die den Dämon bezwingt und Jesse zumindest vorerst in den Hafen der Heterosexualität führt. Dass Jesses ziemlich eindeutigen Probleme damit keineswegs gelöst sind, deutet das Shock Ending mehr als nur an.

Als NIGHTMARE-Film ist Sholders zweiter Teil eher mäßig gelungen, was ihn aber paradoxerweise auch zum wahrscheinlich interessantesten Teil der Reihe und zu einem der bizarrsten Mainstream-Horrorfilme der Achtzigerjahre macht. Wie dieser Film in dieser Form entstehen konnte, angeblich ohne jede Absicht und Einsicht in das, was sich da für jeden denkenden Menschen offensichtlich auf der Leinwand abspielt, ist mir ein Rätsel. Egal, ob A NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE nun auf eine Verkettung von Zufällen zurückzuführen ist oder auf einen cleveren Streich: Wir alle dürfen uns glücklich schätzen, dass es ihn gibt.

Aus einem Forschungslabor kann eine Katze entkommen, die durch Geheimexperimente zu einem tödlichen Raubtier mutiert ist. In den Händen von fünf vergnügungssüchtigen Jungmenschen – drei männliche Studenten, zwei Bimbos – landet sie schließlich auf der Luxusjacht einer Gruppe von Gangstern, die sich mit den von ihnen erbeuteten Millionen auf die Cayman Islands absetzen wollen. An Bord geht das frohe Sterben los …

Die Siebzigerjahre mögen für das Exploitationkino eine ungleich bessere Zeit gewesen sein, doch Greydon Clarks Meisterleistungen stammen, so weit ich das beurteilen kann, aus den Achtzigern. Ein Double Feature mit JOYSTICKS und UNINVITED übertrifft so ziemlich alles, was man sich als kulturbeflissener Mensch vorstellen kann: der eine die aller Zwänge befreite, entfesselte Zelebrierung alles Trivialen, der andere ein Horrorfilm um ein bestialisches Perserkätzchen, das erwachsene Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Das Geile an UNINVITED ist, dass man dem Film deutlich anmerkt, dass keiner der Beteiligten ernsthaft der Meinung war, an einem spannenden, schockierenden Horrorfilm mitzuarbeiten, aber alle gemeinsam beschlossen haben, so zu tun als ob. Dieses ach so ironische Augenzwinkern, das etwa bei vielen Troma-Filmen so nervt und auf der reichlich zynischen Haltung basiert, dass Schrott, der offen als solcher deklariert wird, deshalb irgendwie besser sei, sucht man hier vergebens. Clark filmt seine unsagbar dämliche Geschichte tatsächlich ganz straight runter und kann damit enorme Sympathiepunkte einfahren.

UNINVITED ist tatsächlich haarstäubender Quatsch: So wird gleich zu Beginn, wenn das harmlos aussehende, aber todbringende Kätzchen einfach so aus dem Top-Secret-Labor rauslaufen kann, der Ausnahmezustand ausgerufen, als sei Godzilla ausgebrochen. Die Kluft zwischen der Panik der den Film bevölkernden Menschen und den Bildern des braven Kätzchens, das auch im Kampfmodus  nur von mäßig beeindruckender Statur ist, ist der Schlüssel zum Erfolg und Grundlage für den Humor des Films. Ein weiterer sind die hanebüchenen „wissenschaftlichen“ Erklärungsversuche: Zu Beginn wird noch vor Strahlengefahr gewarnt, was schon blödsinnig ist, weil Strahlenverseuchung nunmal beim besten Willen nicht ansteckend ist, später dann von irgendwelchen Chemikalien und Mutationen gefaselt, die dazu geführt haben, dass von der Katze Gebissene nun als Träger einer Seuche fungieren. Zum Glück sterben alle Katzenopfer an platzenden Gefäßen noch bevor sie diese Behauptung beweisen könnten, aber wie das mit der Seuchenhysterie funktioniert, zeigt Greydon Clark trotzdem sehr nachhaltig. Der arme Tropf der nach einem Biss „I have the poison in my blood!“ kreischend auf die Reling des Schiffes klettert, um sich in vorauseilendem Gehorsam in den Tod zu stürzen, und dabei dann vor lauter Tolpatschigkeit seine Perle mit in den Tod reißt, sorgt für einen der lustigsten Momente des Films, der von dieser Sorte einige hat. George Kennedy, dem die Katze die Achillessehne durchbeißt und der daraufhin von Krämpfen geschüttelt verendet, ist göttlich, wie auch die ganze Grundkonstellation mit dem geckenhaften Playboygangster Walter Graham (Alex Cord), der ein paar dumme Ischen samt deren Aufriss mit auf die Flucht nimmt, so herrlich Banane ist, dass sich alle Fragen erübrigen. Die Katze, die immer, wenn sie wütend wird, eine bösere, hässlichere Katze erbricht, ist neben dem stets gern gesehenen Clu Gulager der gar nicht mal so heimliche Star des Films, und man drückt ihr alle Daumen bei ihrem teuflischen Plan, die Besatzung dahinzuraffen. Menschen, die sich panisch vor einer streunenden Katze fürchten, aber dennoch nicht in der Lage sind, nachts die Tür zu ihrer Koje zu schließen, wurden früher von der Evolution aussortiert, heute muss das eben anders besorgt werden. Es sind andere, kompliziertere Zeiten als damals.

Das Finale, bei der die beiden letzten Überlebenden mit einem Rettungsboot entkommen, während die Jacht sich in ein Plastikmodell verwandelt und in einem Taifun in der Badewanne versinkt, und dabei wiederholt vo der völlig durchnässten Mieze angegriffen werden, erinnert in seiner Absurdität und der fadenscheinigen Inszenierung (man erkennt deutlich, dass das Boot nicht im Wasser schwimmt, mitnichten von den Wellen oder dem Wind geschaukelt wird, sondern von Mitgliedern der Filmcrew, und der peitschende Regen wahrscheinlich aus mehreren Duschen stammt) gar an die Helge-Schneider-Filme, das Bild von der böse guckenden Killerpussy, die auf einem Aktenkoffer auf dem Weltmeer schaukelt, an die Fantasie eines besonders gemeinen Hundenarren, das ohrenbetäubende Schlürfen und Schlecken während einer Liebesszene hingegen an die Raumathmo im Haus von Dr. Freudstein. Ich bin mir sicher, dass es noch andere Momente gab, die sich für einen Text ausschlachten ließen, aber irgendwann muss ja auch mal gut sein. Ein Satz, den ich beherzige, was wohl der Hauptunterschied zwischen mir und Greydon Clark ist. Er dreht deshalb Filme wie JOYSTICKS und UNIVITED, während ich dann wie vom Donner gerührt vor der Mattscheibe sitze und später an der Tastatur mit den Worten ringe, die meine Gefühle adäquat wiedergeben.