Mit ‘Comicverfilmung’ getaggte Beiträge

Endlich bekommt Wolverine den Film, auf den ich schon seit Singers erstem X-MEN warte. Für mich, der den grimmigen Logan erst sehr spät wahrnahm, war er immer mit den Comics der späten Achtziger und fühen Neunziger verbunden, als er in sprechblasenarmen, monochromen Bildern als wettergegerbter Loner mit sozio- und psychopathischen Tendenzen gezeichnet wurde. In den bisherigen Comicverfilmungen um die Supermutanten wurde das bestenfalls angedeutet, vielleicht auch, um Jackmans Potenzial als Leading Man für oscarnominierte Crowdpleaser, Mainstreamvehikel und RomComs nicht zu unterminieren. Mit dem unsäglichen X-MEN ORIGINS: WOLVERINE (noch immer die mieseste der neuen Comicverfilmungen) und dem enttäuschenden THE WOLVERINE bewegte man sich zwar grundsätzlich in die richtige Richtung, schaffte es aber dennoch nicht, brauchbare Filme zu produzieren. Und nun LOGAN, vom selben Regisseur, der den Vorgänger noch zu einem solchen Schnarchfest hatte werden lassen. Ein Film, der nicht nur im Rahmen seines Genres eine Sternstunde darstellt (was ehrlich gesagt nicht allzu schwierig ist angesichts des vorherrschenden Mittelmaßes), sondern als erwachsener, harter Spätwestern und grimmiger Actioner in einer Art und Weise überzeugt und begeistert wie zuletzt etwa George Millers MAD MAX: FURY ROAD.

LOGAN referenziert zwar die Ereignisse aus den vorangegangenen Filmen und setzt einen kompromisslosen Schlusspunkt unter die Geschichte vom Konflikt der „normalen“ Menschen mit den begabten Mutanten, aber tonal bricht er völlig aus dem bisherigen Einerlei aus. Optisch nähert er sich dem Western an (einmal schaut Xavier George Stevens‘ SHANE im Fernsehen, bevor der Film sich während einer Episode tatsächlich in eine kleine Hommage an den Klassiker verwandelt), wirft allzu überkandidelten Effekt-Bimbam komplett über Bord und funktioniert so eher wie eine in einem Paralleluniversum angesiedelte Was-wäre-wenn-Variation. Was wäre, wenn die Welt dieses Wolverine eben nicht von Freaks in coolen Anzügen besiedelt würde, die sich mit außerirdischen Superschurken herumplagen, wenn er stattdessen in unserer Welt lebte, einer Welt, in der Menschen bluten, wenn er mit seinen Adamantium-Klauen auf sie losgeht, in der Schusswunden Schmerzen verursachen und das Leben als „Superheld“ kein großes buntes Abenteuer ist, sondern eine erschöpfende Aneinanderreihung von Verlusten und Niederlagen? Wenn Superhelden nicht ewig jung blieben, sich von Comiczyklus zu Comiczyklus, Reboot zu Reboot erneuerten, sondern alterten wie ganz normale Menschen, an Kraft einbüßten, ermüdeten und den Tod herbeisehnten? Logan blutet, schwitzt und leidet, für die smarte Coolness, die ihn in den Singerfilmen zum Rockstar der X-Men machte, fehlen ihm die Energie und die Freude an der eigenen Kraft. Er hat einfach zu viele Freunde verloren, zu viele Menschen kommen und gehen sehen, zu viele Rückschläge erlitten, um dem Leben noch etwas abgewinnen zu können. Sein Ziehvater Professor Xavier (Patrick Stewart) ist mittlerweile an Alzheimer erkrankt, ein jämmerlicher Greis, der aufgrund seiner Begabung nicht in einem friedlichen Seniorenstift dahindämmert, sondern von Logans in einem bunkerartigen Verschlag irgendwo in der Wüste unter Verschluss gehalten wird. LOGAN ist ein Film über das Altern und die Müdigkeit, die einen befällt, wenn man das ganze Leben über gekämpft hat. Sein „Held“ will nicht mehr, er hat genug, aber sein Ruf eilt ihm voraus und zwingt ihn ein letztes Mal, sich für die Belange der Seinen einzusetzen. Er tut dies ohne falschen Idealismus, mit dem Mut der Verzweiflung und letzter Kraft, weil er ahnt, dass er sich damit das Recht auf den langen Schlaf verdient, den er so lang herbeisehnt.

Hugh Jackman war immer der charismatische Kern der etwas leblosen X-Men-Filme, aber auch massiv unterfordert mit einer Figur, deren Untiefen zwar immer wieder erwähnt wurden, aber letztlich bloße Behauptung blieben. Man fragte sich immer, wann dieser Wolverine denn endlich von der Kette gelassen würde, aber natürlich geschah das nie, weil die Macher der um ihn herum gebauten Filme gar kein Interesse daran hatten, dahin zu gehen, wo es wirklich wehtat, echte Emotionen zuzulassen und den Zuschauer mit unangenehmen Erkenntnissen über seinen zentralen Charakter zu konfrontieren. LOGAN ist mitunter geradezu absurd brutal und leichtes Entertainment oder gar „Spaß“ bereitet er nicht. Von Anfang an, wenn sein Titelheld von einigen Strauchdieben angegriffen wird und sie gnadenlos hinrichtet, weiß man, dass man hier kein Happy End zu erwarten hat, doch der Weg, den Mangold einschlägt, wird dann sogar noch steiniger, als man das erhofft hatte. Auch LOGAN kommt nicht ohne Pathos aus, aber er verdient sich das Recht dazu, weil sein Protagonist nicht nur die Umstände und den Gegner, sondern vor allem sich selbst überwindet. Die Schlusseinstellung ist nahezu perfekt und rundet eine zweistündige Reise ans Ende der Nacht ab. Es wird einen neuen Sonnenaufgang geben, auch dank Logan, aber er wird ihn nicht mehr erleben. Er geht dahin, wo es keine Schmerzen mehr gibt, nur noch Schlaf. Ich fürchte zwar, dass ihm die Ruhe nach diesem fulminanten Kracher nicht vergönnt sein wird, aber der Zuschauer darf frohlocken. Mit LOGAN geht das Filmdasein Wolverines erst richtig los.

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Demnächst steht hier die Sichtung von LOGAN an, über den man ja viel Gutes hört, und zur Vorbereitung habe ich mir jetzt noch einmal den Vorgänger vorgeknöpft, bei dem ich damals nach kurzer Zeit und auch jetzt wieder ein paarmal eingepennt bin. Mangold trifft zwar einige richtige Entscheidungen, aber THE WOLVERINE ist trotzdem ein ziemlicher Langweiler, der allen Goodwill, den man aufgrund guter Ansätze und einiger wirklich schöner Bilder für ihn aufbringt, mit seiner schnarchigen Erzählhaltung und einem  Rückfall ins Superhelden-Einerlei zerstreut.

THE WOLVERINE beginnt hübsch mit einer Rückblende ins Nagasaki des Jahres 1945, wo der Kriegsgefangene Logan (Hugh Jackman) den japanischen Soldaten Yashida (Hal Yamanouchi) vor der Atombombe rettet. In der Gegenwart stromert er nach dem Tod seiner Geliebten Jean Grey (Famke Janssen), die ihm in seinen Träumen immer wieder erscheint, durch die Wälder Kanadas und freundet sich mit einem Grizzly an. Bis die seherisch begabte Schwertkämpferin Yukio (Rila Fukushima) auftaucht und ihn nach Japan bringt, wo der im Sterben liegende Yashida, mittlerweile ein schwerreicher Erfinder und Unternehmer, Logan das Geschenk der Sterblichkeit in Aussicht stellt.

Nach dem ultrabeschissenen X-MEN ORIGINS: WOLVERINE wendet sich James Mangold tonal den Wolverine-Soloabenteuern zu, die sich eher an Erwachsene richteten und seinen Helden konsequent als brüterischen Killer und Gewalttäter zeichneten. Ganz so weit kann Mangold mit seinem Film natürlich (noch) nicht gehen, aber in der ersten Stunde ist THE WOLVERINE deutlich geerdeter als die anderen Superheldenverfilmungen um die X-Men. Das Japan-Setting weckt zudem wohlwollende Erinnerungen an Filme wie Pollacks THE YAKUZA oder Frankenheimers THE CHALLENGE, die sich ebenfalls dem Kulturclash und der komplexen Beziehung von Amerikanern und Japanern widmeten. Keine schlechte Referenz, allein Mangold versteht es nicht, die verschiedenen Einflüsse zu einem funktionierenden und vor allem involvierenden Ganzen zusammenzuführen.

Viel Zeit geht für die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen dem Einzelgänger und Yashidas schöner Enkelin Mariko (Tao Okamoto) drauf, aber anstatt die Vorgänge wie wohl gewünscht mit zusätzlicher Dramatik aufzuladen, zerfasert es einen sowieso schon langsamen Film noch weiter. Auch Logans Verlust seiner Selbstheilungskräfte wirkt lediglich wie eine irgendwie notwendige Episode auf dem Weg zum Ziel, es erwächst keine Spannung aus diesem Problem, und die ständige Betonung seines Liebesschmerzes und seiner Schuldgefühle gegenüber der Angebeteten Jean Grey verstärken nur das inszenatorische Versagen, diese inneren Konflikte wirklich fühlbar zu machen. Die Unentschlossenheit der ganzen Unternehmung wird dann während des Showdowns endgültig offenbar, in dem ein besonders persönlichkeitsarmer Supergegner aus dem Hut gezaubert werden muss, der sich dem Helden im generischen Schlussfight stellt, bevor der – hui-buh! – „schicksalsträchtige“ Plottwist folgt, der einem aufgrund gnadenloser Überkonstruiertheit vollends am Arsch vorbeigeht. Und dann kommt die mittlerweile unvermeidliche Post-Credit-Sequenz. Schnarch.

Es ist schade um den betriebenen Aufwand und die oben erwähnten Ansätze: Mangold scheitert krachend bei dem Versuch, einen „erwachsenen“ Superheldenfilm zu drehen. Für ein finsteres Action-Drama im Stile der Siebziger ist THE WOLVERINE vor allem zu leblos, zu stromlinienförmig und baukastenartig, dann auch wieder zu albern und kindisch mit seinen Riesenroboterfantasien, für ein buntes Popcornspektakel zu lahm, unspektakulär, uncharmant und humorlos. Vielleicht wäre das zu verkraften gewesen, wenn Mangold sich im Zaum gehalten und auf einen knackigen Anderthalbstünder beschränkt hätte. Aufgeblasen auf endlose 120 Minuten ist THE WOLVERINE aber lediglich als hochpotentes Schlafmittel effektiv.

Als ich meine kurze, aber heftige Marvelphase hatte – es muss so Anfang der Neunzigerjahre gewesen sein – da war Doctor Strange ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, an das sich nur die Veteranen noch erinnertern. Dass er nun mit einem eigenen Film geadelt und den Avengers künftig im Kampf gegen zerfahrene Drehbücher und unterentwickelte Schurkenfiguren zur Seite stehen wird, zeigt mir einmal mehr, dass die Comicwelt, die die Filme abbilden, nicht mehr die ist, die ich damals kennengelernt habe. Aber die Inklusion des über fernöstliche Esoterik zu magischen Kräften gelangten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ins Marvel Cinematic Universe ist in jedem Fall eine willkommene, weil  die Figur das seit etlichen Filmen bestehende Einerlei doch ein wenig aufzumischen vermag. Was nicht heißt, dass DOCTOR STRANGE erzählerisch oder gar formal besonders aus der Reihe fiele: Derricksons Werk zeigt genau dieselben Schwächen, die mich auch bei den vorangegangene drölfzig Marvel-Filmen schon gelangweilt haben, nur mutet dieses Werk insgesamt etwas kurzweiliger, witziger und aufgrund seiner Figur minimal origineller an. Nach ANT-MAN darf DOCTOR STRANGE also für sich in Anspruch nehmen, einer der besseren Filme der dritten Marvel-Welle zu sein.

Leider muss man sich als Zuschauer, wie immer in diesen Filmen, wieder einmal durch eine ellenlange Exposition kämpfen, die umso sinnloser erscheint, als man jeden ihrer Schritte punktgenau vohersagen kann. Strange ist der brillante, witzige und auch irgendwie charmante Held, dem jedoch aufgrund einer mustergültigen Laufbahn jegliche Demut völlig fremd ist. Naturellement macht ein schwerer Autounfall seiner güldenen Karriere ein jähes Ende: Plötzlich steht das Wunderkind vor dem Nichts und er reagiert darauf wie ein Arschloch, das dringend eine Lektion braucht. Die gibt es in Nepal, wo er eigentlich die Heilung für seine verkrüppelten Hände sucht, aber weitaus mehr findet: Nicht nur mystische Zauberkräfte, sondern auch die Einsicht, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die ein reicher Schnösel nicht begreift. Weil das für einen Film aber noch nicht reicht, wird er noch in einen uralten Konflikt zwischen seiner Lehrerin „The Ancient One“ (Tilda Swinton) und einem abtrünnigen Schüler (Mads Mikkelsen) hineingezogen, der wieder einmal notdürftig übergestülpt wirkt und mit dem Rest des Films keine rechte Bindung eingehen mag.

Wie gesagt, im Grunde ist alles wie zuvor; dass ich DOCTOR STRANGE diese Mängel aber eher verzeihe als meinetwegen dem letzten CAPTAIN AMERICA-Film, liegt daran, dass Benedict Cumberbatch durch seine bloße Anwesenheit einen kultivierten Witz und Stil mitbringt, den andere Marvel-Filme weitestgehend vermissen lassen, und die Zaubershow, die er und seine Gegner abbrennen, darüber hinaus viel Stoff für visuell aufregende Effekte bietet. Über die von Nolans INCEPTION inspirierte Sequenz, in der sich eine ganze Stadt in einen Zauberwürfel zu verwandeln scheint, wurde schon viel geschrieben, fast noch schöner fand ich Stranges Flug durch bunte Space-Dimensionen, der an eine Achterbahnversion des berühmten Sternenfluges aus 2001: A SPACE ODYSSEY erinnert. Derrickson und seine Effektleute zaubern einfach jede Menge Eye Candy aus dem Zylinder und es ist eine willkommene Abwechslung, endlich einmal nicht mit diesem ganzen nach x Filmen doch etwas müden Politthriller-Gedöns der Avengers-Filme konfrontiert zu werden. DOCTOR STRANGE ist Quatsch im positivsten Sinne und als solcher recht erfrischend.

Ist es nur die geminderte Erwartungshaltung oder doch die Sympathie für den Underdog, die mich solche schon im Vorfeld mit Häme und Spott überzogenen, vermeintlich „misslungenen“ (DC-)Filme wie SUICIDE SQUAD regelmäßig besser finden lässt, als ihre gefeierten (Marvel-)Kollegen?

Man konnte viel darüber lesen, dass Ayer und seine Schauspieler ohne Drehbuch arbeiten, ihre Geschichte quasi on the spot, von Drehtag zu Drehtag, improvisieren mussten; dass das Studio dem Regisseur bei jeder Entscheidung dazwischengrätschte, Jared Leto es mit dem method acting übertrieb. Bei Erscheinen wurde SUICIDE SQUAD heftig verrissen, was an seinem finanziellen Erfolg aber nichts änderte. Langweilig sei der Film, unlogisch, schlecht inszeniert, darüber hinaus zahnlos, vor allem gemessen an der gezeichneten Vorlage, die dem Vernehmen nach relativ blutig ist (ich hab das Comic nie gelesen). Fakt ist, dass der Film viel Potenzial verschleudert: Die Exposition ist toll, temporeich, mit viel Schwung und Stilbewusstsein inszeniert, das Figureninventar interessant, die Darsteller sind mit viel Engagement bei der Sache. Der Humor ist over the top, mit dem wenig originell, aber sehr ikonisch bestückten Soundtrack peilt der Film auf sehr gelungene Art und Weise die archetypische Überzeichnung an, die für Superhelden-Comics so charakteristisch ist. Leto setzt Ledgers Joker eine exzentrischere, selbstverliebtere, aber nicht minder verstörende Darbietung gegenüber, Will Smith erinnert endlich mal wieder daran, dass er mal ein veritabler Actionstar war, Margot Robbie herrscht als Fetischfantasie Harley Quinn und die etwas untergeordneten Jai Courtney, Jay Hernandez und Adewale Akinnuoye-Agbaje haben als Captain Boomerang, Diablo und Killer Croc ebenfalls sichtbar Spaß an ihren Rollen. Alle Zeichen stehen auf Durchmarsch, doch dann versumpft der Film auf unerklärliche Weise.

Die Vorbereitung der Handlung ist noch viel versprechend, doch leider mündet die Exposition in eine knapp 90-minütige Actionsequenz, die ohne nennenswerte Höhepunkte, dramaturgische Zuspitzung oder auch nur einen klaren Konflikt vor sich hin dümpelt. Interessant wird es immer dann, wenn der Joker auftritt, weil die bizarre Liebesbeziehung zwischen ihm und Harley einen emotionalen Anknüpfungspunkt bietet, den etwa die bloß behauptete Liebe zwischen dem Soldaten Flag (Joel Kinnaman) und der von einer uralten Zauberin besessenen Wissenschaftlerin June Moon (Cara Delevingne) überhaupt nicht trifft. Überhaupt: Hat jemand verstanden, wieso die Enchantress ausbricht, obwohl man sie doch angeblich durch den Besitz ihres Herzens unter Kontrolle hat? Und warum sie einen riesenhaften Gehilfen benötigt, obwohl sie doch selbst so mächtig ist? Ich jedenfalls nicht, auch nach mehreren Versuchen nicht. Die Konfusion und Löchrigkeit von SUICIDE SQUAD (auch in der langen Fassung) ist auch deshalb so rätselhaft, weil der Film in sich eigentlich sehr homogen wirkt. Es gibt keine sichtbaren Sprünge, der Film ist geradezu ein Paradebeispiel für lineare Handlungsentwicklung (man kann buchstäblich 120 Minuten lang neben den Figuren herlaufen).

Dass ich ca. vier Anläufe gebraucht habe, SUICIDE SQUAD zu Ende zu sehen, würde ich immer noch in erster Linie meiner Müdigkeit nach Feierabend zuschreiben, aber so ganz unschuldig daran ist der Film selbst auch nicht. Mit diesem Figureninventar nichts besseres anzufangen wissen, als sie in eine eintönige Auseinandersetzung mit einem leeren Obermufti zu schicken, ist schon ein Armutszeugnis, auch wenn man immer wieder erkennen kann, dass Ayer was drauf hat. Warum man sich nicht auf den Joker als Hauptgegner konzentrierte, ist mir ein Rätsel. Dass ich hier dennoch eher geneigt bin, Gnade walten zu lassen, liegt am Look des Films, eben an den Charakteren und der ersten Dreiviertelstunde, die richtig viel Spaß gemacht hat. Und es ist dann doch mehr hängengeblieben als vom durch und durch routinierten CIVIL WAR.

captain_america_civil_war_ver18_xlgDie beiden Filme um den „first avenger“ namens Captain America sind wahrscheinlich das beste, was unter dem Marvel-Logo bislang über die Leinwand geflimmert ist. Gerade der vorangegangene Teil wurde geradezu euphorisch aufgenommen und etablierte das inszenierende Bruderpaar der Russos sofort als neue Hoffnung am Franchise-Himmel. Wenn man sich den Drive anschaut, mit dem sie die Actionsequenz realisiert haben, mit der CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR beginnt, ist man geneigt, in die Jubelarien miteinzustimmen. Das Tempo ist hoch, der Schnitt frenetisch, ohne dabei die Übersichtlichkeit zu zerstören, und darüber hinaus ziemlich zupackend und brachial – durchaus überraschend für eine doch eher kindgerechte Comicverfilmung, deren Vielzahl an CGI einer echten, spürbaren Physis oft eher im Weg steht. Aber tonal hatte sich ja schon der Vorgänger vom bunten Firlefanz der anderen Filme des MCU abgehoben und die Brücke geschlagen zum Politthriller der Siebzigerjahre. Man mag es den Russos nicht verdenken, wenn sie die Erfolgswelle so lange reiten wie es geht und sich mit weiteren Comicverfilmungen gesund stoßen, aber insgeheim frage ich mich schon, zu was die beiden wirklich im Stande wären. „Wirklich“, das meint in diesem Fall: nicht in ein enges Konzept gepfercht, das wenig Freiheiten erlaubt, dafür aber vorsieht, dass innerhalb von knapp zwei Stunden ca. ein Dutzend handelnder Hauptfiguren eingeführt, ca. 28 offen herumliegende Handlungsfäden aufgenommen und nebenbei die nächsten zehn Filme angeteasert werden müssen.

Ich gebe, wie schon bei X-MEN: APOCALYPSE, gern zu, dass ich CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR deutlich besser fand als die letzten Marvel-Filme: Die Geschichte um den Riss, der durch die Superhelden-Mannschaft geht und sie plötzlich zu Feinden macht, ist um Längen interessanter als der Kampf um irgendwelche Steine mit unklaren Eigenschaften. Die Actionszenen sind, wie erwähnt, griffig inszeniert, die große Schlacht der Protagonisten gegeneinander stellt eine gelungene Übersetzung der Comic-Panels in Filmbilder dar, ebenso wie Spider-Mans unentwegte Sprücheklopferei hier sehr schön adaptiert wird. Und langweilig, wie so mancher Kollege, fand ich den Film auch nicht. Trotzdem muss ich nach 24 Stunden des Sackenlassens irgendwie konstatieren, dass CAPTAIN AMERICA: CIVIL WAR so gut wie gar keine Spuren bei mir hinterlassen hat. Er ist einfach so vorbeigerauscht. Ich weiß, oft genug lobe ich Filme für solche „Flüchtigkeit“ und Trivialität. Aber der hier will ja nicht flüchtig und trivial sein, sondern ist in jeder Sekunde mit dem Wissen um die Schlüsselfunktion produziert worden, die er im Übergang des MCU in die nächste Phase innehat. Satte 250 Millionen hat das Ding gekostet, das muss man sich mal vorstellen. Und dann hat man am Ende das Gefühl, eine überproduzierte Episode einer Fernsehserie gesehen zu haben. In irgendeinem Text, den ich unmittelbar nach dem Kinostart gelesen habe, fiel der Schreiber fast auf die Knie vor dem angeblichen erzählerischen Finessenreichtum, der Kunstfertigkeit, mit der alle zuvor angestoßenen Plotfäden hier zusammenlaufen. Ich glaube, für diese Form verblendeter Begeisterung bin ich zu alt: Das ist keineswegs genial, sondern genau wie in den zugrundeliegenden Heftchen (oder eben in einer Fernsehserie), nur dass man die in einer Viertelstunde durchgelesen hatte, nur einen Monat bis zur nächsten Ausgabe warten und dann nur ein paar Mark fuffzich dafür berappen musste, anstatt wie jetzt mit lauten Dröhnen der Marketingmaschine ein „Jahrhundertereignis“ vorgesetzt zu bekommen, dem dann ein ganzer Industriezweig seinen Merchandisingmüll hinterher kippt.

Ich finde es schade, dass ich nach mittlerweile zwei?, drei? Filmen immer noch nicht mehr über Hawkeye, Falcon oder Black Widow weiß, als dass sie Pfeile schießen, Flügel haben oder kämpfen können. Dass bei all der Zeit, die sie sich nehmen, entscheidende Handlungsmomente trotzdem noch lieblos hingeschludert oder schlicht hanebüchen wirken, Neuankömmlinge wie Black Panther oder Scarlet Witch (jaja, die war schon bei AVENGERS: AGE OF ULTRON dabei, aber wer will sich das alles merken), außer einem optischen Eindruck keinerlei Wirkung hinterlassen und das alles seltsam leer und leblos wirkt. Die Comics ließen auf wenigen Seiten und in statischen Panelen ganze lebendige Universen vor dem Auge entstehen, CIVIL WAR hingegen könnte auch in einem Gewerbegebiet gedreht worden sein, so aseptisch fühlt er sich an. Ich glaube, der Drang danach, die stilisierten, mal im- dann wieder expressionistischen Bilder der Comics in „realistische“ Filmbilder zu übersetzen, raubt den Figuren genau das, was ursprünglich mal ihre Kraft ausmachte und Menschen überhaupt dazu brachte, sie in ihre Herzen zu schließen: In den bunten Kästen gefangen wirkten Captain America, Iron Man und Konsorten wirlich überlebensgroß. In Fleisch und Blut sind sie Clowns mit überkandidelten Problemen.

 

462-film-page-largeEin Wunder: X-MEN: APOCALYPSE hat mir wider Erwarten ganz gut gefallen. Die bisherigen X-Men-Filme ließen mich bislang ziemlich kalt, an die letzten beiden überambitionierten Schnarchfeste, X-MEN: FIRST CLASS und  X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST, habe ich kaum noch Erinnerungen. Irgendwie hängt Singer mit seinem Franchise seit 15 Jahren in einer Zeitschleife – wie seine Protagonisten in den letzten drei Filmen. Wer sich über die ständigen Reboots von Spider-Man aufregt, übersieht, dass man auch ohne solche Volten hübsch auf der Stelle treten kann. Auch hier gibt es inhaltlich kaum Neues: Wieder einmal geht es es da um den Konflikt zwischen den idealistischen Mutanten um den intellektuellen Professer Xavier (James McAvoy), die an eine friedliche Koexistenz von Mensch und Mutant glauben, und den Abtrünnigen, die genug haben von der Diskriminierung durch die Menschen und zum Vergeltungsschlag ausholen. Anstatt von Magneto (Michael Fassbender) werden sie im aktuellen Sequel aber vom uralten Apocalypse (Oscar Isaac) angeführt, sowas wie dem Urmutant, der die letzten Jahrtausende unter einer eingestürzten Pramide geschlummert hat und nun durch rätselhafte Umstände zu neuem Leben aufersteht. Magneto mischt natürlich auch wieder mit, darf nun aber ins zweite Glied zurücktreten und sich sein Selbstbewusstsein von Apocalypse aufpolieren lassen. Es kommt zur breit ausgewalzten Schlacht, mit großem Effektaufwand inszeniert, wie von Singer gewohnt aber auch immer etwas lahm, ohne echten Drive oder Gespür für Kinetik. Dass er das Geschehen um den superschnellen Quicksilver einfrieren muss, um seine Geschwindigkeit darzustellen, ist ein cleverer Schachzug (den Vaughn zuvor schon in FIRST CLASS erprobt hatte), aber auch ein bisschen bezeichnend für sein Bremspedal-Faible.

Als ich in meinem letzten Eintrag über GODS OF EGYPT von Blockbustern schwadronierte, die sich viel zu ernst nehmen und eine Tiefe vorgaukeln, die gar nicht da ist, da war das natürlich nicht ohne Hintergedanken formuliert. X-MEN: APOCALYPSE gefällt sich wie seine Vorgänger darin, Nerds das Gefühl zu geben, sie seien Philosophiestudenten. Da wird Zeitgeschichte im Vorbeigehen referenziert, brüten die Helden ständig angestrengt vor sich hin, die Stirn von tiefen Falten zerfurcht ob des schweren Loses, das sie mit ihren Superfähigkeiten gezogen haben, dürfen die Mutanten als Repräsentanten jeder geschundenen Minderheit durchgehen. Mag sein, dass das dem großen, durchgehenden Bogen der Comics entspricht, aber immer wenn ich die gelesen habe, blieb bei mir in erster Linie hängen, dass es doch auch ziemlich geil ist, in der Gegend rumzufliegen, Laserstrahlen abzuschießen, Gedanken zu lesen oder die Naturgesetze auf andere Art und Weise zu beugen. In den Filmen ist Spaß weitestgehend verboten, da geht es stattdessen um tiefes Leid und Verantwortung. It’s hard out here for a mutant. What a drag.

Warum mir X-MEN: APOCALYPSE trotzdem gefallen hat? Weil er im Gegensatz zu den beiden drögen Vorgängern endlich wieder Schauwerte bietet und Singer sich auch von der langweilig-monochromen Optik verabschiedet, die das Franchise sonst ausgezeichnet hat. X-MEN: APOCALYPSE ist, aller inhaltlichen Schwermut zum Trotz, schön bunt und hat endlich auch mal einen angemessenen Obermufti, dessen Auftreten seinem Namen entsprechend für endzeitliche Stimmung sorgt. Der grobe Klotz mit dem traurigen Blick macht einiges her, vor allem, wenn er Menschen mit einer wegwerfenden Handbewegung im Erdboden versinken lässt, mit einem tödlichen Staubwirbel über den Jordan schickt oder auch einfach nur One-Liner mit donnernder Stimme intoniert. Wolverine (Hugh Jackman) absolviert einen netten Gastauftritt, der sich tatsächlich wie die vergleichbaren Kniffe der Comics anfühlt, auch Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee), zum ersten Mal seit X-MEN 2 wieder mit von der Partie, ist eine willkommene Ergänzung; genauso übrigens wie Angel (Ben Hardy), eine Figur, die ich zwar hochgradig bescheuert, aber gerade deshalb so wertvoll finde: Sie unterläuft diesen Überernst, den der Film unter Singers bleischwerer Regie ostentativ vor sich herträgt, in einer Art und Weise, die fast an Sabotage grenzt. Im größenwahnsinnigen Finale löst X-MEN: APOCALYPSE zudem das Versprechen ein, das seit Jahren immer nur angeteasert wird, gibt es endlich einmal diese weltumspannenden Katastrophenszenarios, die in den Comics ganze Seiten in grellen Farben leuchten ließen, nachdem man zuletzt den Eindruck hatte, Singer wollte unbedingt einen europäischen Politthriller aus der Vorlage machen. Vielleicht lernen die Mutanten beim nächsten Mal dann sogar, Freude an ihren Fähigkeiten zu entwickeln. Es wäre ihnen zu wünschen.

batmanvsupermanMarvel vs. DC: Das ist heute vielleicht noch mehr eine Glaubensfrage als damals, als es nur die Heftchen mit den bunten Bildern zu kaufen gab. DC hatte die Nase lange Zeit vorn, mit Batman und Superman zwei Charaktere vorzuweisen, die bereits in den amerikanischen Mythenschatz eingegangen waren. Marvels aufgekaufter Captain America war dagegen von Anfang an nur ein Westentaschen-Superman, Spiderman zwar immens populär, aber eben doch nur eine Variation der DC’schen Pionierarbeit. Nur mit den Filmen da will es bei DC nicht so recht klappen, zumindest, wenn man den Nerds und Geeks glaubt, die sich schon längst für das MCU, das „Marvel Cinematic Universe“, entschieden haben, das seit 2008 mit durchschnittlich ein bis drei Filmen pro Jahre fleißig weitergestrickt wird und das jetzt schon bis ins Jahr 2038 vorausgeplant ist. Dabei standen die Sterne für DC eigentlich immer günstig: Der erste Superman-Zyklus und die Burton-Batmans sorgten zu einer Zeit für Aufsehen, als Marvelhelden noch in superbilligen TV-Produktionen herumhampeln mussten bzw. verzweifelt den Sprung auf die Leinwand versuchten. Eine Wende kündigte sich erst um die Jahrtausendwende an, als X-MEN und vor allem SPIDERMAN die Marvel-Offensive einläuteten. Selbst als Marvel mit IRON MAN den echten Startschuss für ihr MCU gaben, hatte DC noch die Nolan-Batmans vorzuweisen, von denen der zweite, THE DARK KNIGHT zu ungeahnter Euphorie führte. Mit THE DARK KNIGHT RISES wurden dann die kritischen Stimmen zu einer Zeit laut, als Marvel in den nächsten Gang schaltete: Während man sich hier über gutgelauntes Popcornkino mit bunten Bildchen freute, wurde da die umfassende Düsternis und „grittiness“ beklagt. Alles aus war dann, als Snyder seinen Superman in MAN OF STEEL ganz Metropolis in Schutt und Asche legen ließ. Ein Affront, der die Weichen für den Backlash stellte, der mit dem Release von BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE über DC hereinbrach. Man konnte offensichtlich nichts richtig machen.

Dabei machen DC zum Auftakt sogar den Kotau vor den Fanboys: Hatte MAN OF STEEL noch die Möglichkeit gelassen, dass bei Supermans Kampf gegen den bösen General Zod nur leere Wolkenkratzer zerstört worden waren (Outlaw Vern hat einen wie ich finde sehr klugen Text zum angeblichen Skandal des Films geschrieben), bestätigt BVS die Interpretation der Zuschauer und lässt Superman (Henry Cavill) infolgedessen eine Art Sündenfall erleben. Die Menschen wenden sich von ihm ab, weil sie erkennen, dass er eine Bedrohung für sie darstellen könnte, Politiker überlegen, wie sie fortan mit ihm umgehen sollen. Und im unweit von Metropolis gelegenen Gotham City hat es einer schon immer gewusst: Bruce Wayne aka Batman (Ben Affleck), für den Superman auch nur ein weiterer Verbrecher ist, dem es das Handwerk zu legen gilt. Gleichzeitig macht sich Superschurke Lex Luthor (Jesse Eisenberg) daran, die Macht zu übernehmen. Der Hass Batmans auf Superman ist seine wichtigste Waffe – und natürlich der Riesenmutant Doomsday, den er aus einer Kreuzung des toten General Zod und seiner eigenen DNA erschafft …

Die Kritik, mit der Snyders Film vom Start weg überzogen wurde, war harsch – und lässt sich kein Stück mit meiner Sichtungserfahrung in Übereinstimmung bringen. Was daran liegen mag, dass ich den gut 30 Minuten längeren Extended Cut gesehen habe: den Vorwurf, der Film sei unzusammenhängend und konfus, den man überall hörte, kann ich BVS beim besten Willen nicht machen, im Gegenteil. Gerade wenn man, wie ich, an Marvelfilmen wie AVENGERS: AGE OF ULTRON beklagt, dass sie wie Collagen aus unfertigen und übereilten Storyfragmenten anmuten, sich mehr darauf konzentrieren, die nächsten drei Filme anzustoßen, als ihre eigene Geschichte zu erzählen, muss einem BVS wie eine Wohltat vorkommen. Der Konflikt zwischen Batman und Superman, der den ethischen Konflikt zwischen übergeordneter, universeller und individueller Moral widerspiegelt, bildet das klare dramaturgische Zentrum, um das sich die eher sparsamen Subplots herumgruppieren. Snyder baut seine Geschichte sehr geduldig auf, anstatt bloß kurze Episödchen aneinanderzureihen und irgendwann den Überblick zu verlieren. Lediglich das beim MCU abgeschaute Anteasern der nun wohl in den Startlöchern stehenden Wonder-Woman- und Justice-League-Filme lenkt etwas ab und steht unverbunden mit dem Rest herum, stört aber auch nicht übermäßig. Was man wohl lieben oder hassen kann, sind das Pathos und die Ernsthaftigkeit, mit der das Ganze umgesetzt wird. Auch ich habe schon mal behauptet, die Marvelfilme böten zu wenig Fun: So gesehen müsste ich BVS eigentlich hassen. Der Unterschied liegt wohl darin, dass Batman und Superman als Figuren einfach um ein Vielfaches interessanter und allgemeingültiger sind als Iron Man, Thor, Captain America oder Ant-Man (Hulk lasse ich mal außen vor, aber mit dem weiß Marvel ja offensichtlich auch nichts mehr anzufangen) und es demzufolge überhaupt als lohnenswertes Unterfangen ist, einen „ernsten“ Film um sie zu stricken.

Das scheint aber nicht mehr besonders gefragt zu sein: Spaßig soll es sein, möglichst wenig nachhaltig, gut wegzukonsumieren. Da kann einem BVS schon mal den Abend verderben mit seiner brüterischen, dunklen, deprimierenden Ader. Auch wenn Snyder den Bogen im ausufernden Finale mal wieder überspannt, kann ich mit seiner Interpretation der Comics mehr anfangen als mit diesen komplett leeren Marvel-Spektakeln, in denen sich ein Dutzend bunt kostümierter Figuren um einen Stein balgen, dessen Bedeutung erst im übernächsten Film geklärt werden wird. Ich fühle mich von BVS einfach als erwachsener Filmzuschauer ernst genommen, während ich mich bei Marvel auf die Rolle des Konsumenten reduziert fühle. Ich glaube, dahinter verbergen sich grundsätzlich andere Ansprüche an oder Konzepte von Unterhaltung. Als ein Makel von BVS wurde angeführt, wie der Streit zwischen Superman und Batman schließlich aufgelöst wird: Batman verschont den geschlagen am Boden liegenden Helden, als er erfährt, dass dessen Mutter auch auf den Namen Martha hört. M. E. wird hier von den Kritikern etwas Grundsätzliches nicht verstanden, nämlich dass Kunst (und vor allem Superheldencomics for chrissakes!) mit Verdichtungen arbeitet. Das sind keine echten, voll durchpsychologisierten Individuen, denen wir da zusehen. Es geht auch nicht wirklich um die zufällig Namensgleichheit, sondern darum, dass Batman erkennt, dass das zu vernichtende Alien wie er EINE MUTTER HAT, mithin „Mensch“ ist. Es ist vielleicht nicht die eleganteste Auflösung für den Konflikt, aber es ist weit von jener Lächerlichkeit entfernt, die mancher darin ausgemacht zu haben glaubt. Aber gut, bei Marvel kommt so etwas natürlich nicht vor, weil die Messlatte da von Anfang an sehr viel tiefer liegt. Wenn man die Sichtweise erfolgreich etabliert hat, dass sowieso alles nur ein buntes Späßchen ist, das man nicht zu ernst nehmen sollte, können auch solche Ausrutscher nicht passieren.

Das Problem von DC ist mithin Folgendes: Snyder (und vor ihm Nolan) haben etwas riskiert, haben Filme gemacht, an denen man sich reiben und die man auch richtig kacke finden kann. Marvel macht Filme, die allen gefallen sollen und sind damit bisher recht erfolgreich (was man anerkennen muss). Aber für die Filmkultur finde ich es trotzdem traurig, dass harmloser Bullshit wie die AVENGERS-Filme oder ein GUARDIANS OF THE GALAXY abgefeiert werden wie die Neuerfindung von geschnittenem Brot, während man sich über MAN OF STEEL oder BVS das Maul zerreißt, weil die Filme es wagen, einen eigenen Stil und eigene Ideen zu etablieren, vielleicht sogar mal von der Vorlage abzuweichen. Aber gut, so richtig wundern muss einen das in unserer Zeit ja nicht mehr.