Mit ‘Corey Feldman’ getaggte Beiträge

Diskussionen über THE GOONIES drehen sich üblicherweise um die zentralen Punkte „Nostalgie“ und „Kindheitserinnerung“. Jedenfalls habe ich das jetzt mehrfach erlebt. Auch für mich ist die Spielberg-Produktion mit sehr konkreten Bildern verbunden und das, obwohl ich den Film erst einige Jahre nach seinem Kinostart zu Gesicht bekam. Aber THE GOONIES war damals ein großes Thema, etwa in der Bravo, die, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, einen ihrer „Film-Foto-Romane“ dazu brachten und das Plakatmotiv als Poster veröffentlichten. Dieses – siehe nebenan – war für mich eine Quelle der Faszination: Wie sollten diese Kinder, mit denen ich mich ja unweigerlich identifizierte, aus der dargestellten misslichen Lage entkommen? Das ging ja gar nicht! Höhlenverliese, Wasserfälle und -rutschen, ebenso raffinierte wie archaische Fallen und die Tatsache, dass mit dem Charakter des Sloth auch noch ein waschechtes Monster mitwirkte, machten THE GOONIES für mich zu einem Lieblingsfilm, obwohl er sich vorerst nur in meiner Fantasie abspielte.

Seltsamerweise hielt THE GOONIES bei der späteren Sichtung Stand und beschert mir auch heute noch großes Vergnügen. Nostalgie ist sicherlich ein Faktor und natürlich kann ich nicht beurteilen, wie mir Donners Film gefiele, wenn ich nicht diese Erinnerungen mit ihm verbände. Trotzdem mag ich ihn nicht darauf reduzieren, denn für mich verkörpert er eine bestimmte Art von großem Entertainment, wie es in den Achtzigerjahren (von Spielberg) perfektioniert wurde und auch heute noch ein Ideal darstellt. THE GOONIES ist, das zu verleugnen wäre töricht, ein INDIANA JONES-Rip-off für Kinder, voller Abenteuer, Schätze, comichaft überzeichneter Schurken, Höhlen und Gefahren in fantasievollen Settings, die den Eindruck machen, man habe bei der Konzeption gleich die Adaption als Theme-Park-Ride im Kopf gehabt. Das Drehbuch von Columbus hält sich nicht lang mit Erklärungen auf, stürzt den Zuschauer gemeinsam mit den Protagonisten in die Jagd nach einem legendären Piratenschatz, der den Erhalt des Wohnorts und damit auch der Freundschaft der Jungs und Mädels sichern soll. In die Quere kommen ihnen dabei die schurkischen Fratellis, verkörpert von den herrlich überdreht agierenden Robert Davi und Joe Pantoliano, die von der gewöhnt furztrockenen Anne Ramsey an die Kandarre genommen werden. Die Erkundung der unterirdischen Höhlensysteme ist wie aus einem Guss und kulminiert in einem Kampf auf einem Piratenschiff. Wie soll man das nicht mögen, wenn man sich einen Funken kindlichen Gemüts bewahrt hat? Keine Ahnung, aber es geht offensichtlich.

Was Menschen, die partout nicht verstehen wollen, was an THE GOONIES dran ist, vielleicht helfen mag: So perfekt, glatt und kommerziell der Film auf den ersten Blick wirken mag, er ist das Werk damals noch recht junger Filmemacher, die machten, was sie auch selbst cool und witzig fanden. Wie Sean Astin in diesem Video erklärt, waren Spielberg, Donner und Columbus vermutlich dauerbekifft, als sie den Film erdachten und umsetzten und ließen sich von dem Erfolgsdruck, der mit der Großproduktion ohne Frage verbunden war, nicht den Spaß verderben. Wie auch der mit Anschlussfehlern gespickte TEMPLE OF DOOM zeigt THE GOONIES eine gewisse Laisser-faire, die darin zum Ausdruck kommt, das kleinere Fehler einfach dringelassen wurden. Das Wohnmobil, in dem sich Donner während der Drehpausen aufzuhalten pflegte, steht zu Beginn mehrfach prominent im Bild rum, hörbare Lacher und Versprecher wurden genauso dringelassen wie Hinweise auf Szenen, die am Schneidetisch der Schere zum Opfer gefallen waren. An blöden Ideen, wie den unablässig wackelnden Ohren Sloths, und fehlgeleiteten Gags hielt man fest, als hinge das Leben davon ab. Was man vielleicht als Ausdruck von Gleichgültigkeit, Zynismus oder mangelnden Stil begreifen könnte, verleiht dem Film aber genau die Seele, die andere, nicht weniger am Reißbrett entworfene Eventkino-Blockbuster vermissen lassen und die THE GOONIES auch 30 Jahre später noch zu einem Liebling macht, mit dem warme Erinnerungen verbunden werden. Spielberg und Donner haben einen Film gedreht, der genauso improvisiert, unperfekt, geschmacksverwirrt und ungezogen ist wie seine Protagonsiten und ihr Wohnort. Es ist ein Film, der einem damals sagte, dass man weder ein schickes Haus in einem schnieken Vorort braucht noch teuere Markenspielsachen, besonders intelligente oder wohlerzogene Freunde oder wohlhabende Eltern, um jemand zu sein. Dafür würde ich ihn auch heute noch vehement gegen jede Kritik verteidigen.

 

 

e0e9f5c6bfGestern ging dieses unglaubliche Video von Corey Feldmans Auftritt im US-Fernsehen durchs Netz. Ich verfolge Feldman schon etwas länger, weil ich ihn hochgradig faszinierend finde – und quasi mit ihm aufgewachsen bin. Er evoziert eine komplexe Mischung von Gefühlen bei mir, die mit „Fremdscham“ nur unzureichend erklärt ist. In den Achtzigern war er ein beliebter und viel beschäftigter Kinder- und Jugendstar, dem die Herzen und die Geldscheine nur so zuflogen, bevor ihm der Ruhm dann aber irgendwie in die Quere kam. Die üblichen Drogenprobleme wurden publik, die Rollen wurden kleiner, die Kluft zwischen Feldman und der Realität größer. Als sein Kumpel und Filmpartner Corey Haim verstarb, der ein ähnliches Schicksal teilte, aber noch weniger gut damit zurechtkam, ließ Feldman in seiner Biografie verlauten, die beiden seien von einem namhaften Hollywood-Produzenten sexuell missbraucht worden. Richtig ernst nahm und nimmt das tragischerweise keiner: Feldman ist heute einer dieser C-Prominenten, die in erster Linie deshalb noch manchmal in die Öffentlichkeit gezerrt werden, weil man sich ulkige Schoten von ihnen erhofft. So machte er in den letzten Jahren mit peinlichen Partys von sich reden, auf die man sich teuer einkaufen konnte und die sich dann als traurige Versammlungen Fehlgeleiteter entpuppten oder eben von seinen verzweifelten Versuchen, eine Musikkarriere zu starten. An seinem aktuellen Album „Angelic 2 the Core“, das der Anlass für seinen TV-Auftritt war, arbeitete er angeblich zehn Jahre und suchte vergeblich nach einem Label: Natürlich nicht, weil er grotesk untalentiert und geschmacklich mit seinen Jacko-Anleihen in den Neunzigern stehengeblieben ist, sondern, weil sich keiner „getraut habe“. Die Musik, ein krass anachronistischer Rap/Rock-Hybrid ist ziemlich furchtbar, Feldmman definitiv weder ein Sänger noch überhaupt ein begabter Frontmann, seine Darbietung amateurhaft und überambitioniert. Aber ich finde seinen Auftritt ja gerade wegen des enthusiastisch dargebotenen Untalents ziemlich grandios. Feldman ist mit Leib und Seele bei seiner Musik, das merkt man, und das schützt ihn auch vor dem Spott der anderen. Er lebt mit „Corey’s Angels“, seiner Backingband aus engelhaft gekleideten Mädels, die er angeblich von der Straße aufgelesen habe, in einer komplett eigenen Welt, in der Jackos Tanzmoves immer noch das Allergrößte sind und die Leute versessen darauf sind, ihn im Duett mit Fred Durst zu hören. Das ist, wenn man den Hintergrund kennt, ziemlich tragisch: Aber wenn das Feldmans Weg ist, mit seinen Traumata klarzukommen, dann kann man das nur gutheißen. Fakt ist: Das, was er da auf die Bühne gebracht hat, macht sonst keiner.

LICENSE TO DRIVE ist in den Karrieren seiner beiden Stars knapp vor dem Niedergang anzusiedeln und war in den USA ein recht beachtlicher Hit. Feldman machte direkt im Anschluss mit Joe Dante den tollen THE ‚BURBS, es folgten, ebenfalls mit Haim, DREAM A LITTLE DREAM, eine Sprecherrolle im ersten TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES-Film sowie der spaßige EDGE OF HONOR, dann ging es, von Ausnahmen wie BORDELLO OF BLOOD abgesehen, stetig bergab. Für Haim war LICENSE TO DRIVE nach THE LOST BOYS die erste echte Hauptrolle: Er war der kommende Mädchenschwarm und gemeinsam mit Feldman gab er ein jugendlich-freches Duo ab. So dachten sich die Produzenten das jedenfalls. Der Plan ging nicht wirklich auf. Keiner von Haims folgenden Filmen – der genannte DREAM A LITTLE DREAM, die Koontz-Verfilmung WATCHERS oder der Endzeitfilm PRAYER OF THE ROLLERBOYS – hinterließ einen bleibenden Eindruck, der Abstieg in das weite Feld der Videopremieren war vorgezeichnet. Dazu passend ist LICENSE TO DRIVE auch ein Film, der eher von der kurzen Popularität Haims profitierte, als dass er echte Meriten hätte. So sehr sich Regisseur Beeman auch bemüht, eine turbulente Teeniekomödie auf die Beine zu stellen – Chris Columbus um Längen besserer ADVENTURES IN BABYSITTING ist ein guter Vergleich  -, alles wirkt irgendwie simuliert, steif und zweitklassig.

Es geht um den sechzehnjährigen Les Anderson (Corey Haim), der sich nichts so sehr wünscht, wie endlich den Führerschein und das dazugehörige Auto zu haben. Auf der Highschool muss man sich ohne fahrbaren Untersatz erst gar keine Hoffnungen machen, von den Mädchen wahrgenommen zu werden, schon gar nicht von einer Schönheit wie Mercedes Lane (Heather Graham), die sich lieber mit einem slawisch anmutenden Graf-Dracula-Ersatz mit Ferrari abgibt. Dummerweise fliegt Les just an jenem Tag durch die Prüfung, an dem er der holden versprochen hat, sie zu einem Date mit Opas Auto abzuholen. Also entwendet er den Cadillac kurzerhand und begibt sich in ein haarsträubendes Abenteuer, an dessen Ende der Wagen ein einziger Schrotthaufen ist.

LICENSE TO DRIVE bemüht eine Eskalationsdramaturgie, für die ein gutes Gespür für Timing nötig ist – und natürlich ein Hauptdarsteller, mit dem man mitfiebert. Beides fehlt. Die Aneinanderreihung von haarsträubenden Katastrophen wirkt beliebig (die feindseligen Rockerproleten, denen Les und seine Kumpels immer wieder begegnen) oder vollends überzogen (der Besoffene, der den Caddy stiehlt und damit auf Amokfahrt geht), und Haims stets mit offenem Mund in die Gegend stierender Les ist viel zu unreflektiert und verantwortungslos, um echtes Mitleid mit ihm und seiner Situation zu haben. In dem Bemühen, es allen Recht zu machen, lässt er sich auf die idiotischsten Aktionen ein (wie etwa die, die sturzbetrunkene Mercedes in den Kofferraum seines Autos zu stecken, damit sie den Innenraum nicht vollkotzt). Wie er mit dem Cadillac seines Großvaters umgeht, ist einfach zu fahrlässig, um als Zuschauer jenes Anteil an der fortschreitenden Zerstörung nehmen zu können, das notwendig für das Funktionieren von LICENSE TO DRIVE ist. Wirklich witzig sind Richard Masur und Carol Kane als Elternpaar, unangenehm fällt die Feindseligkeit auf, mit der jeder Kritik am US-amerikanischen Automobilfetisch begegnet wird. So wird der Aktivistentrip von Les‘ Schwester ihrer Verehrung für einen „Commie“ im Lenin-Look zugeschrieben und dass der Junge von einem BMW als Erstwagen träumt ist irgendwie legitim. Seine Verantwortungslosigkeit ist am Ende OK, weil er die schwangere Mama rechtzeitig ins Krankenhaus bringt und der Opa kann über seinen Schrotthaufen nur lachen, weil er den Wagen von Les‘ Eltern selbst zu Klump gefahren hat. Wie gut, dass Mercedes wenigstens einen Golf Cabrio ihr eigen nennt. Nun ja.

11168030_oriVielleicht bin nur ich es, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie gern ich zu diesem Film zurückkehre. Ich zähle THE LOST BOYS nicht zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und meine autobiografische Verbindung zu ihm besteht auch nicht etwa in einem heimlichen Kinobesuch mit 11, sondern lediglich darin, damals zur Kompensation den „Roman zum Film“ gelesen zu haben. THE LOST BOYS ist auch nicht wahnsinnig spektakulär, man könnte ihm sogar vorwerfen, das Potenzial seiner verlockenden Prämisse – jugendliche Vampire lassen es krachen – nicht annähernd auszuschöpfen, aber vielleicht ist gerade das der Schlüssel zu seinem anhaltenden Erfolg: Schumachers Film bietet ebenso viele Reize für das geneigte Rezpientenhirn wie Freiraum für die eigene Fantasie, ist geradezu vollgestopft mit Charakteren, visuellen Einfällen und Sounds, und macht in dieser Überfülle einfach gute Laune. Wenn die knapp 100 Minuten rum sind, ist man mitnichten satt, vielmehr würde man gern noch mehr sehen – oder besser noch: Selbst raus auf die Straßen, hinein ins Getümmel, in den Tanzschuppen, die Bar, an den Strand oder auf die Flaniermeile, dahin, wo das Leben wartet und mit seinen vielfältigen Verheißungen lockt.

Wahrscheinlich muss man in den Achtzigerjahren aufgewachsen sein, um THE LOST BOYS so richtig geil zu finden, denn wenn man ehrlich ist, müssen einige seiner zeitgenössischen Details auf den Spätgeborenen ziemlich lachhaft wirken: Der AOR-Soundtrack bietet die volle Eighties-Breitseite aus hallendem Monsterschlagzeug, Kinderchören, fehlgeleiteten Coverversionen und „Cry, little sister“-Textzeilen (die Band, die zu Beginn auftritt, konnte sich nur ein zugekokster Hollywood-Exec ausdenken), die zur Schau getragene Mode ist schlicht mindblowing, die mit ihrem erstrebenswerten Lifestyle als cool und edgy apostrophierten Kids um David (Kiefer Sutherland) sind im Grunde genommen ziemliche Deppen (und dazu noch Fashion Victims vor dem Herrn), die damalige Popularität der beiden Coreys nur noch schwer vermittelbar. Schumacher, der eine ganze Karriere aus solchen zeitgeistigen Vehikeln gemacht hat, strebt mit THE LOST BOYS keine Dauerhaftigkeit oder gar Nachhaltigkeit an und fängt das thematisierte jugendliche Lebensgefühl gerade deshalb so perfekt ein. Sein Film ist in einem Mindset verortet, in dem der Alltag nur der Vorlauf für die nächste Party ist, jede Nacht voller Möglichkeiten steckt, die Zukunft noch weit, weit weg ist und man sich jeden Tag neu erfinden darf.

Corey Haims Sam schlendert demnach mit seinem bodenlangen Karomantel durch Santa Carla, als sei er Hugh Hefner, was ihn jedoch nicht daran hindert, an der Kinderzimmerwand ein Poster von Rob Lowe at his gayest hängen zu haben. Sein Bruder Michael (Jason Patric) fällt auf die coole Gang herein, weil er die schöne Star (Jami Gertz in Zigeunermode) beeindrucken will und wird so zum Vampir (mit neuem Ohrring), die Frog Brothers (Corey Feldman und Jamison Newlander) inszenieren sich hingegen als allwissende scholars in Vampirkunde, allzeit bereite Wächter ihrer Heimatstadt und Westentaschenrambos, während ihre Hippieeltern bekifft in der Ecke liegen. THE LOST BOYS handelt auch von der ersten Generation nach ’68, die dabei ist, ihren eigenen Weg zu finden. Flower Power ist passé, Hedonismus ist der heißeste Scheiß, möglicherweise aber auch mit einigen unvorhergesehenen Problemen behaftet.

„Der einzige Jason-Film der Jason-Endlosreihe ohne Jason“: So beschrieb der unnachahmliche Andreas Bethmann dieses vierte Sequel seinerzeit in dem von ihm herausgegebenen Horror-Fanzine „Art of Horror“, einer Fundgrube für angehende Lektoren, Freunde von sprachlos machenden Stilblüten und sprachlicher Einfalt. Nachdem nur ein Jahr zuvor angeblich „Das letzte Kapitel“ erzählt worden war, verkündete Regisseur Danny Steinmann hier also den „Neuen Anfang“. Bei soviel merkantiler Dreistigkeit war es wahrscheinlich angeraten, den Kunden mit einem einladenden Augenzwinkern auf die eigene Seite zu ziehen. Mit dem fünften Teil der Reihe beginnt also das postmoderne Zeitalter der FRIDAY THE 13TH-Reihe, wenngleich Steinmann den von Zito am Ende des Vorgängers fallengelassenen roten Faden dankbar aufgreift und zu den Whodunit-Wurzeln des ersten Teils zurückkehrt. Sein Film spielt mit dem nicht unberechtigten Verdacht des Publikums, der traumatisierte Tommy Jarvis (John Shepherd) könne das Werk von Jason Voorhees aufgegriffen haben, nur um ihn am Ende eines Besseren zu belehren. Wer den Film halbwegs aufmerksam verfolgt, weiß da indessen schon lange, wer sich unter der Eishockemaske verbirgt, denn, wie McCarthy in seinem „Splatter Movie Guide“ schreibt, weist Steinmann im Prinzip mit einem Neonschild auf den Täter hin. Dass er einen Copycat-Mörder an Jasons Stelle setzt, hat dem Film in Fankreisen erbitterte Kritik eingetragen und er gilt generell als einer der schwächeren Teile, aber wenn man FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING unvoreingenommen und eben nicht durch die Nerd- oder Fanbrille betrachtet, fallen einem einige Kniffe auf, die ihn zu einem der intelligenteren, zumindest aber einem der interessanteren Sequels machen.

A NEW BEGINNING eröffnet mit einer Albtraumsequenz, in der der junge Tommy (Corey Feldman) beobachtet, wie zwei Jungs das Grab von Jason öffnen und von dem wiedererwachenden Killer gemurkst werden. Jason nimmt sofort Witterung auf, geht wie an der Schnur gezogen auf Tommy zu und rammt ihm seine Machete in den Leib, woraufhin der offensichtlich über Nacht zum Young Adult herangereifte Junge erwacht (der folgende sechste Teil beginnt ganz ähnlich). Er befindet sich in einem Transporter, der ihn in ein Heim für psychisch labile Jugendliche bringt. Dort, irgendwo in einem nicht näher bezeichneten Waldgebiet (auch dieser Teil wurde wieder in Kalifornien gedreht und sieht kein bisschen aus wie die ersten beiden Filme) sollen die Kids auf antiautoritärem Wege auf die Reintegration in die Gesellschaft vorbereitet werden. Das therapeutische Konzept lässt zu wünschen übrig, denn es dauert keine zehn Minuten, da wird das erste – der verfettete, zurückgebliebene Joey (Dominick Brascia) – von einem cholerischen Mitinsassen mit der Axt verhackstückt. Betrachtet man den Film als Abbild der Realität (tut das wirklich jemand?), funktioniert er natürlich kein Stück: Die beiden Heimleiter – Matt (Richard Young) und Pam (Melanie Kinnaman) – behandeln ihre jugendlichen Patienten als seien sie ihre Vertrauenslehrer, der brutale Mord entlockt ihnen kaum mehr als ein besorgt-enttäuschtes Stirnrunzeln, ihre „Methoden“ (welche das genau sind, wird nie wirklich klar) stellen sie trotz dieses Dramas aber nie in Zweifel. Die potenziell gefährdeten Kids benehmen sich weiterhin wie in einem Ferienlager und der schwarze Koch lädt sogar seinen halbüchsigen Enkel Reggie (Shavar Ross) dazu ein, seine Ferien mit den Durchgeknallten zu verbringen (was der seltsamerweise keineswegs widerwillig, sondern im Gegenteil voller Enthusiasmus tut). Aber die ersten vier Teile und ihr desillusioniertes Bild von Jugend im Hinterkopf macht diese Darstellung der Dinge natürlich Sinn. Steinmanns Szenario ist eine gleichnishafte Pointierung all dieser Ideen: Die Jugend ist eine Zeit des inneren Tumults, in der selbst gut ausgebildete Erwachsene keine Hilfe bieten können, die Hormone sprießen wie Unkraut, aber es gibt kaum Gelegenheit zum Triebabbau. Und wenn doch, muss man entweder mit Sanktionen oder aber dem moralischen Zeigefinger irgendwelcher bigotten Spießer rechnen. Das Leben ist buchstäblich ein Tollhaus für diese Kids.

Mit FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING wird die Schwelle zur grellen Komödie, auf der vorherige Beiträge immer schon besoffen entlangtorkelten, endgültig überschritten. Die wie in einer bunten Nummernrevue aneinander geklatschten Morde sind an Selbstzweckhaftigkeit kaum noch zu übertreffen, ein gutes halbes Dutzend unterentwickelter Figuren wird zu dem einzigen Zweck eingeführt, den Body Count in die Höhe zu treiben. Mit Spannung hat der Film rein gar nichts mehr am Hut, dafür aber umso mehr mit eigenwilligem, überdrehtem Humor. Eine Eintopf kochende Backwood-Mama und ihr beschränkter Sohn fungieren als Zerrbild vermeintlich uramerikanischer Werte, ein Sanitäter zieht sich eine Linie Koks, während er auf sein Date wartet, natürlich eine dummbratzige Kellnerin. Dem Bürgermeister ist die fortschrittliche Klinik ein Dorn im Auge, weil er der Meinung ist, die Kids bräuchten nicht mehr Freiraum, sondern eine noch stärkere Hand, und die verdreckten Rednecks setzen ihn in einem fort unter Druck. Jede Figur ist ein grobschlächtiges Klischee, das man sofort einordnen kann. Nur Tommy bleibt ein Mysterium: Er steht ständig auf der Kippe und wahrscheinlich hätte der Film sogar erheblich davon profitiert, wenn er mit den Vermutungen, die er bedient, Ernst gemacht und Tommy tatsächlich das Erbe Jasons hätte antreten lassen. So gibt es eine ziemlich doofe Schlussenthüllung und ein Shock Ending, das die Uhr einen Teil zurückdreht und erneut mit einem böse guckenden Tommy schließt. So ganz ablegen kann ich die Enttäuschung über die vertane Chance nicht, dennoch finde ich, dass FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING besser ist als sein mieser Ruf. Zu diesem späten Zeitpunkt müsste die Reihe eigentlich längst auf Autopilot laufen. Aber so einfach hat es sich Steinmann dann doch nicht gemacht, was ich sehr honorabel finde.

friday-the-13th-the-final-chapter-577802lFür mich ist dies der beste Teil der Reihe, der finsterste und brutalste, der, der genau das verkörpert, was die Reihe für mich gerade in meiner Jugend immer so reizvoll machte. Joseph Zito gelang es, die Essenz der ersten drei Teile, das, was Jason Voorhees überhaupt erst zu einer effektiven Figur machte, klar herauszuarbeiten, bevor das Franchise endgültig den Wandel zu poppigem Kinderkram und Funsplatter vollzog (was nicht heißt, dass ich die kommenden Teile nicht mag). Hier ist Jason noch eine bösartige, furchteinflößende Urgewalt, ein Mysterium zudem. Seine zahlreichen Morde beenden mittelmäßige bis traurige Teenieleben blutig und überaus mitleidlos, der Film ist dunkel, feucht, kalt und – im Rahmen dessen, was im nicht gerade subtilen Slashergenre möglich ist – beunruhigend, am Ende gar verstörend.

FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER knüpft wieder unmittelbar an den direkten Vorgänger an, verströmt aber vom Start weg eine ungeahnte Dringlichkeit und Bedrohung, die auch das Teeniegedöns der Exposition entsprechend verdüstert. Zito beschränkt es zudem auf ein absolutes Mindestmaß – das, was nötig ist, um seine Opferschar als notgeile Jammerlappen zu zeichnen – und lässt Jason bereits nach kürzester Zeit von der Leine, auf dass er sein blutiges Handwerk verrichte. Die Spezialeffekte stammen wieder einmal von Tom Savini, kommen ruppig und hart daher, selbst wenn man sieht, dass auch dieser Film Federn lassen musste, um sein R-Rating zu bekommen. Jason selbst geht mit äußerster Effizienz zu Werke und bleibt bis zur letzten Spule nahezu unsichtbar, nicht zuletzt, weil die Nacht, der Wald und der Regen ihn verdecken (man vergleiche Zitos Film nur mal mit dem bei Festbeleuchtung gedrehten Vorgänger). Ein kluger Schachzug: Im Vergleich mit späteren Sequels, in denen Jason fast zum Protagonisten wird, ist dieser vierte Teil deutlich spannender, und wenn der Hüne mit der Eishockeymaske endlich in Erscheinung tritt, schlägt das ganz anders zu Buche. Meine Lieblingsszene mit ihm ist dann auch noch nicht einmal besonders grafisch: Er durchbricht mit den Armen ein Fenster im ersten Stock eines Hauses von außen, greift das dahinter stehende Mädchen, reißt sie heraus und wirft sie kurzerhand über die Balkonbrüstung. In Zeitlupe kommt dieser Mord gleich doppelt brachial daher (Zito setzt sie häufiger sehr effektiv ein). Überhaupt wirken die genretypischen creative killings hier vergleichsweise bodenständig, was dem Film sehr zugute kommt. In späteren Teilen fragt man sich ja des öfteren, welchen Baumarkt Jason zuvor geplündert haben mag, um an sein Arsenal von Mordwaffen zu kommen.

Dass ich diesen Film – der wie schon der dritte Tel vor ihm und die folgenden ebenfalls in Kalifornien gedreht wurde und dessen Setting kaum mit den ersten beiden Filmen in Übereinstimmung zu bringen ist – so mag, liegt neben der Top-Performance von Jason und der zielstrebigen Inszenierung von Zito vor allem an den beiden „Stars“, Corey Feldman und Crispin Glover. Ersterer hat als damals 13-Jähriger die Hauptrolle als Crystal-Lake-Anwohner Tommy und trägt erheblich dazu bei, dass man tatsächlich emotional in FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER involviert ist. Wenn Tommy in seinem Bett aufjauchzt, weil er die geilen Ischen nebenan nackig sehen kann, ist man ganz bei ihm und sorgt sich im Folgenden um seine Sicherheit. Das harte Finale, in dem er einen sichtbaren Knacks erleidet, sorgt ebenfalls dafür, dass dieser vierte Film der Reihe neben dem ersten als ernstester Beitrag gelten darf. Die Schlusseinstellung zeitigt eine Wirkung, die der vierte Teil einer tumben Slasherfilm-Reihe eigentlich niemals haben dürfte. Crispin Glover ist hier so etwas wie das Comic Relief, auch wenn dieser Begriff seiner Funktion nicht ganz gerecht wird. Er ist der linkische Nerd, der sich bei den Frauen ziemlich dumm anstellt und dessen Selbstbewusstsein massiv angeknackst ist. Er reißt sich dann zusammen, spricht tatsächlich ein Mädel an und gewinnt die Herzen der Zuschauer mit einer der bizarrsten Tanz-Performances ever. Sein Ende spielt meiner Deutung der FRIDAY THE 13TH-Reihe sehr in die Karten: Er wird gekillt, nachdem ihm seine Eroberung ein Spitzenleistung im Bett bescheinigt hat. Nicht, weil ein Puritaner ihn dafür bestrafen will, dass er Sex hatte, sondern weil solches Glück im Teenieleben einfach nicht vorgesehen ist. Life’s a bitch and then you die.

Ray Peterson (Tom Hanks) will eigentlich eine entspannte Urlaubswoche im Vorstadthaus verbringen, doch die mysteriösen neuen Nachbarn, die Klopeks, sowie das dem Vorstädter angeborene Misstrauen machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Weil sich die Neuen nicht so ins Vorstadtleben integrieren wie es den Alteingesessenen angemessen erscheint, sie ihren Rasen nicht pflegen und nachts außerdem rätselhafte Geräusche aus ihrem Keller dringen, beginnen Ray, Quasselstrippe Art Weingartner (Rick Ducommun) und Soldat a.D. Lieutenant Mark Rumsfield (Bruce Dern) wild zu spekulieren und den Nachbarn nachzuspionieren. Als dann auch noch der Nachbar Walter spurlos verschwindet, steht für die drei Freizeitagenten fest: Die Klopeks haben ihn umgebracht …

Ein tolles Wiedersehen mit einem großartigen Film, der leider nicht ganz den großen Ruf genießt, der ihm eigentlich gebührt. Joe Dante war meines Erachtens nie besser als bei THE ‚ BURBS, der das beliebte Thema vom Horror, der in den tristen Alltag einbricht, von der komödiantischen Seite aufrollt, dem vorurteilsbeladenen Vorstadtspießer gleichermaßen den Spiegel vorhält wie er ihm eine ausgesprochene Liebeserklärung macht. Das ist dann auch das Besondere an THE ‚BURBS: Im Gegensatz zu ähnlich gelagerten Filmen predigt Dante nicht mit ätzender Besserwisserei von der Kanzel herab, sondern betrachtet den nun mal von Natur aus fehlerbehafteten Menschen mit viel Sympathie und Liebe und gesteht ihm die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis zu. Bewundernswert ist vor allem das Timing des Films, der keine elaborierten Slapsticksequenzen braucht, sondern nur die kleinen perfekt platzierten Beobachtungen und passgenauen Dialogzeilen, um das Zwerchfell des Betrachters zu strapazieren. Tom Hanks ist brillant als autoagressiver, aber im Grunde harmloser Ottonormalverbraucher: Wenn sich die Zerstörungswut in seinen Wutanfällen darin erschöpft, Bierdosen zu zerdrücken, dann erkennt man darin den von der Zivilisation jeder Möglichkeit zum Ausleben der Triebe beraubten Pantoffelheld besser als in jedem noch so wortreichen Geständnis. Es wird sehr deutlich, dass die Filmwelt mit Hanks‘ Aufstieg in die Sphären des drögen Qualitätskinos einen der größten Komiker der Achtzigerjahre verloren hat. Die Szene, in der Ray Peterson und Rumsfield unter Anleitung ihrer vernünftigen Ehefrauen im Hause der Klopeks auflaufen, um sich von deren Normalität zu überzeugen, die Luft aber unter dem Druck des im Raum stehenden Verdachts förmlich vibriert, ist eine der witzigsten Sequenzen, die das amerikanische Kino in den Achtzigerjahren hervorgebracht hat. Wirkungstreffer folgt auf Wirkungstreffer und das Spiel der Akteure, die ihr ganzes Unbehagen allein Blicken und Körperhaltung zum Ausdruck bringen, während Bruce Dern mit stichelnden Bemerkungen den „bad cop“ gibt, ist einfach nur perfekt zu nennen. „Sardine?“ – Ich habe mir fast in die Hosen gemacht und meiner Gattin ist es wohl ähnlich ergangen. Ein Klassiker zum Immer-Wieder-Gucken. Daran werde ich mich jetzt wieder häufiger erinnern.

In den endlosen Wäldern des amerikanischen Nordwestens stoßen drei Pfadfinder unter der Leitung des schlitzohrigen Butler (Corey Feldman) auf das Versteck von Waffenschmugglern. Deren Schmuggelware – eine Kiste mit Raketenwerfern sowie passender Munition – verstecken die drei kurz entschlossen und planen, die Polizei zu rufen. Doch dummerweise lassen sie etwas am Fundort zurück, was die Bösewichte auf ihre Spur bringt. Es entbrennt eine gnadenlose Jagd …

Ich hatte den Film, der in Deutschland ziemlich willkürlich betitelt als SLAYER auf Video erschien, vor einer halben Ewigkeit zum letzten Mal gesehen und als überaus feinen Actioner mit hohem Booby-Trap-Einsatz in Erinnerung behalten. Anlässlich meiner kleinen Backwood-Reihe ist mir der Film wieder eingefallen und ich habe ihn in Großbritannien als DVD aufgetrieben. Das Wiedersehen war schön, aber durchaus mit einigen kleineren Ernüchterungen verbunden, denn EDGE OF HONOR hängt – nach allerdings furiosem Auftakt – im Mittelteil ziemlich durch und findet erst zum dann aber wirklich geilen Finale wieder zu seiner Form zurück.

Als Backwood-Film ist EDGE OF HONOR eher am Rande interessant, erweitert das Inventar aber durchaus durch ein interessantes Detail: Die Waffenschmuggler sind nämlich ehemalige Holzfäller, die durch den Konkurs ihrer Arbeitgeber gezwungen waren, in andere „Branchen“ umzusatteln. Das Vergessen-Sein der Hinterwäldler, das im Backwood-Film ja immer der Status quo ist, wird hier somit thematisiert und problematisiert. Das sollte man aber nicht überbewerten, weil es von Spence nicht weiter ausgearbeitet wird. Ihm geht es vor allem um die Action und das ist auch eines der Hauptprobleme des Films: Denn angesichts der annähernd ausweglosen Situation der Protagonisten geht alles dann doch irgendwie ziemlich glimpflich aus. Da hatte man auf Seiten der Macher wohl doch Bedenken, die minderjährigen Hauptfiguren einfach so wegzupusten. Das fällt vor allem deshalb so (negativ) auf, weil EDGE OF HONOR in den Auftaktminuten, in denen die Schurken vorgestellt werden, alles andere als zimperlich ist und die Brustkörbe gleich in Reihe explodieren. Realismus sollte man also beim besten Willen nicht erwarten und Suspension of Disbelief ist auch Voraussetzung, um das erwähnte Finale, in dem ausgesprochen wirkungsvolle und elaborierte Booby Traps zum Einsatz kommen, die die schwachbrüstigen Kids in der Kürze der Zeit und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln niemals hätten bauen können, genießen zu können. Das fällt aber recht leicht, weil die Inszenierung dieses Finales ziemlich gut gelungen ist und es einfach schön anzusehen ist, wenn ein Bösewicht von zwei herabschnellenden Baumstämmen zermatscht wird.

Fazit: Ein auf der guten Seite von mittelmäßig stehender Film, der durch seine feinen Naturaufnahmen, einen obereklen Don Swayze, einen brutalen Auftakt und ein einfallsreich-absurdes Finale die Punkte reinholt, die er im lahmen Mittelteil und mit seiner partiellen Eierlosigkeit verspielt. Gucken schadet nicht, Nichtsehen tut aber auch nicht weh.