Mit ‘Corey Yuen’ getaggte Beiträge

no-retreat-no-surrender-movie-poster-1986-1020247752Habe ich den jetzt wirklich zum ersten Mal gesehen? Ich glaube ja, aber verbürgen will ich mich nicht dafür. JCVDs Debüt als Schauspieler (er war vorher lediglich als Statist zu sehen gewesen) war auch der Auftakt für ein putziges Sequelphänomen, das sich in den USA und Deutschland über mehrere Reihen aufsplittete. Unter dem Originaltitel NO RETREAT, NO SURRENDER kam die Reihe zwischen 1986 und 1992 in den USA auf immerhin fünf Teile, die in Deutschland aber unter unterschiedlichsten, jede Verbindung vermissen lassenden Titeln herauskamen. KARATE TIGER, wie NO RETREAT, NO SURRENDER indessen bei uns hieß, zog selbst diverse Sequels nach sich, die wiederum nichts miteinander zu tun hatten und auf großzügigen Umbenennungen des deutschen Verleihs basierten. So hielten u. a. Teile aus den KICKBOXER- und BEST OF THE BEST-Serien Einzug in das KARATE TIGER-Franchise, für das in Deutschland 1998 erst mit Teil 10 Schluss war. Lediglich ein weiteres „echtes“ Originalsequel wurde einverleibt: NO RETREAT, NO SURRENDER 4 wurde zu KARATE TIGER 5. Wer Lust auf einen amtlichen Knoten im Hirn hat, kann sich ja mal der deutschen Wikipedia-Seite von KARATE TIGER widmen, die die bizarren Verschlingungen haarklein aufdröselt.

Hier soll es aber nun ausschließlich um das Original gehen, das schon erklärungsbedürftig genug ist. Corey Yuens Film verquickt auf engstem Raum jugendliches Außenseiterdrama und Coming-of-Age- sowie Karate-Trainings- und -Turnierfilm mit zahlreichen Tanz- und Klamaukeinlagen, dem klassischen Kung-Fu-Plot um konkurrierende Dojos und dem Motiv eines prominenten Mentors, der dem Protagonisten als geisterhafte Erscheinung den Weg weist. Der ca. 95 Minuten lange Film ist vollgestopft mit Subplots und Figuren, vereint zudem einander eher widerstrebende Elemente der Hongkong-Komödie und des typisch amerikanischen Teeniefilms. Der Humor ist reichlich debil und grell, und das Spiel der eh nicht gerade brillanten Akteure wirkt dadurch, dass sie Stoff umsetzen sollen, der eher auf das deutlich exaltiertere, burleske Spiel chinesischer Darsteller ausgerichtet ist, gleich doppelt so steif und unnatürlich. Aber diese Theatralik, die totale Übersteuerung aller Emotionen, die dem in den USA vorherrschenden Coolness-Paradigma so krass widerstrebt, macht auch den Reiz von NO RETREAT, NO SURRENDER aus. Abgesehen vom Erscheinen Bruce Lees als geisterhaftem Lehrer des Protagonisten und natürlich der Idee, dass ein Gangsterboss völlig unbedeutende Karateschulen in seine Gewalt bringen will, ist Corey Yuens Film eigentlich eher „realistisch“, aber durch die genannten Eigenheiten wirkt er selbst in seinen banalsten Szenen noch wie ein bizarres Märchen aus einer rätselhaften Paralleldimension.

Schon seltsam, dass ausgerechnet dieser Film zu einem solchen popkulturellen Phänomen heranreifte. Andererseits macht er ziemlich viel Spaß und das ist ja letztlich entscheidend. Nur als Actionfilm ist er jetzt nicht unbedingt der Bringer und dass die muscles from Brussels (hier noch mit ein bisschen Babyspeck) gegen diesen ätzenden Jammerlappen verlieren ist im Grunde genommen natürlich ein Skandal.

 

 

 

 

Der Ninja Yuen-Wu (Hiroyuki Sanada) wird seinem Clan untreu, um in China den Mörder seines Vater ausfindig zu machen. Der vermeintliche Übeltäter führt ein beschauliches Dasein als Spiegelmacher und Onkel des großmäuligen Kampfsportlers Jay (Conan Lee), der selbst keinem Kampf aus dem Weg geht. Die Wege Jays und Yuen-Wus kreuzen sich schließlich …

Im selben Jahr wie der zuletzt gesehene FIVE ELEMENT NINJAS entstanden, könnte NINJA IN THE DRAGON’S DEN kaum weiter von diesem entfernt sein. Kein Wunder: Chang Cheh war 1982 schon seit über 20 Jahren als Regisseur tätig, hatte in dieser Zeit über 80 Filme inszeniert und den hongkong-chinesischen Kung-Fu-Film ganz entscheidend geprägt, während der gerade 31-jährige Corey Yuen sein Regiedebüt eben erst hinter sich gebracht hatte. Man sieht in seinem Film also schon das kommende, kommerziell und künstlerisch so erfolg- und einflussreiche Jahrzehnt des Hongkong-Kinos heraufziehen: Beschwingte Disco-Beats treiben den von einer Attraktion zur nächsten springenden Film an, Slapstick-Sequenzen wechseln sich mit halsbrecherischen Martial-Arts-Choreografien ab, innovative Kamera- und Schnitttechniken erhöhen das Tempo noch weiter. Auch inhaltlich bedeutet NINJA IN THE DRAGON’S DEN eine Abkehr von den Schwertkämpfer- und Kung-Fu-Epen Chang Chehs, in denen dieser einen wehmütigen Blick zurück auf eine Zeit warf, in der das Wort eines Mannes noch zählte und der Erhalt der Ehre alles war, auch wenn das auf Kosten des eigenen Lebens ging. Bei Corey Yuen sieht man das Dasein weniger streng und so kann auch der Schulterschluss zwischen dem Chinesen und dem Japaner geprobt werden, was wenige Jahre vorher noch undenkbar gewesen wäre.

NINJA IN THE DRAGON’S DEN ist neben seiner historischen Bedeutung vor allem für seine Stunts und Kampfchoreografien sehenswert – der Humor ist wie immer bei Hongkong-Filmen Geschmackssache. Ich mag ihn für seine ungebremste Naivität und selbstvergessene Albernheit, die sich einen Scheißdreck um Kategorien wie Coolness schert, mittlerweile sehr gern, habe dafür aber durchaus einige Zeit gebraucht. Yuens Zweitwerk ist relativ populär, erlebte Mitte der Achtzigerjahre sogar eine deutsche Veröffentlichung unter dem sich damals wohl aufdrängenden Titel NINJA KOMMANDO und lief auch mal im Fernsehen, wo ich ihn als Teenie auszugsweise sah, ohne zu wissen, um welchen Film es sich handelte. Viele Jahre später war ich dann sehr verdutzt, als ich die feine Hongkong-Legends-DVD aus den Niederlanden einlegte und unverhofft mit einem längst vergessenen Bekannten konfrontiert wurde.