Mit ‘Costas Mandylor’ getaggte Beiträge

Der Brite French (Scott Adkins) betreibt ein erfolgloses Dojo in Los Angeles und wird von argen Geldsorgen geplagt. Sein Freund Alex (Michael Paré) stellt für ihn den Kontakt zu Tommy (Vladimir Kulich) her, einem Kredithai, der immer auf der Suche nach zuverlässigen Schuldeneintreibern ist. French wird dem Säufer Sue (Costas Mandylor) zugewiesen, der den Job schon seit vielen Jahren ausübt. Gemeinsam gehen die beiden auf Tour. Einer der Männer, den sie auf Geheiß des Gangsters Barbosa (Tony Todd) verprügeln sollen, entpuppt sich als unschuldiger Pechvogel und Vater eines kleinen Mädchens …

THE DEBT COLLECTOR ist eine echte Überraschung: Jesse V. Johnson, sonst eher Spezialist für kleine DTV-Actioner, die für den kleinen Appetit auf Gewalt und ohne Anspruch auf Nachhaltigkeit gefertigt werden, legt mit diesem Crimedrama ein kleines Masterpiece im Stile des Indiekinos der Neunzigerjahre vor. Tatsächlich erinnert der Film inhaltlich und stilistisch etwas an die Legionen von Profiteuren des Tarantino-Booms, die ab Mitte der Neunzigerjahre aus dem Boden schossen und die geneigten Zuschauer mit coolen Killern und Crimelords konfrontierten, die sich wahlweise mit Kugeln oder zitatreichen Dialogen duellierten. Wer jetzt das Gesicht verzieht, dem sei gesagt, dass Johnson die extremen Auswüchse des damaligen Trends glücklicherweise vermeidet und seine Geschichte auch nicht in einer Welt ansiedelt, die ausschließlich aus popkulturellen Verweisen konstruiert wurde. THE DEBT COLLECTOR handelt – sofern man das von einem Genrefilm sagen kann, in dem krachende Fights eines der wichtigsten erzählerischen Mittel sind – durchaus von Menschen und ihren Sorgen und Nöten und er ist nicht bloß stilistische Fingerübung.

THE DEBT COLLETOR weicht seinen beiden Hauptfiguren kaum von der Seite und begleitet sie über weite Strecken als stummer Mitfahrer im Auto bei ihren Touren von Klient zu Klient. Das kann natürlich nur funktionieren, wenn man die Schauspieler an Bord hat, die das Unternehmen tragen. Hier ist es vor allem Costas Mandylor, der eine Leistung für die Ewigkeit bietet: Den in die Jahre gekommenen, abgerissenen Profi, der längst nicht mehr fragt, wem er da die Fresse polieren soll, gibt er mit großer Überzeugungskraft und einer Spielfreude, die sich in kleinen Details entbirgt, die einen Charakter erst authentisch machen. Es macht einfach Spaß, ihn zu beobachten, ihm zuzuhören und seine Manierismen zu studieren. Selbst die klischierte Geschichte von der an Krebs verstorbenen Tochter und der daraufhin gescheiterten Ehe bekommt dank seines Spiels Gewicht. THE DEBT COLLECTOR lebt dann auch zuerst von der Chemie zwischen seinen beiden Hauptakteuren: Adkins kann Mandylor zwar nicht das Wasser reichen, aber er muss das auch nicht, weil er eher die Rolle des „straight man“ übernimmt und in dieser Funktion genau weiß, wann er sich zurücknehmen und dem Partner den Raum überlassen muss. Den Verlauf der Partnerschaft der beiden kennt man aus unzähligen Buddy Movies, aber wenn sich die beiden ungleichen Charaktere hier im Verlauf der nur zwei Tage, an denen der Film spielt, annähern, wirkt das glaubwürdig, weil die beiden ihre Drehbuchskizzen mit Leben erfüllen. Mindestens genauso wichtig ist der Schauplatz: THE DEBT COLLECTOR ist auch ein L.A.-Film und der Erfolg eines solchen steht und fällt natürlich mit den Schauplätzen. Auch hier liefert Johnson, kann auf ein brillantes Location Scouting und tolle Originalschauplätze zurückgreifen. Kameramann Jonathan Hall taucht alles in das ein magisches Licht, das die sommerliche Hitze Kaliforniens ebenso evoziert wie es als Vorbote jener gravierenden Entscheidung wirkt, die die Protagonisten am Ende zu treffen haben.

Wie gesagt: THE DEBT COLLECTOR ist eine tolle Überraschung, ein Actionfilm mit Herz, Geist und Witz, der das oft berechtigte Vorurteil, dass DTV-Actioner ästhetisch eher uninteressant sind, eindrucksvoll widerlegt. Aber die Schublade des Actionfilms ist für Johnsons Werk eigentlich eh zu klein, auch wenn hier überdurchschnittlich oft Maulschellen verteilt werden und die Bloodsquibs platzen. Sein Film hat es verdient, breitere Anerkennung zu erhalten.

Detective Sean Riley (Johnny Strong), Beamter des New Orleans Police Departments, ist nach dem Tod seines Kindes, der Trennung von seiner Ehefrau und dem gewaltsamen Tod seines Partners (Kim Coates) innerlich ausgebrannt. Seine  oft überharten Aktionen bringen ihm Probleme mit der Dienstaufsicht ein, die auch sein verständnisvoller Vorgesetzter (Tom Berenger) nicht mehr länger für ihn lösen kann. Als jedoch eine Reihe brutaler Hinrichtungen das Morddezernat beschäftigt, wird Riley hinzugezogen, um dem zuständigen Detective Will Ganz (Kevin Philips) zu helfen. Die Ermittlungen führen die beiden auf die Spur einer Gruppe hochspezialisierter Ex-Soldaten. Und irgendwie ist auch ein alter Freund von Riley, der Loser Colin (Sean Patrick Flanery), involviert …

Nach dem ultradüsteren, hyperbrutalen THE PRODIGY legt Kaufman mit SINNERS AND SAINTS einen größeren, höher budgetierten und inszenatorisch vielseitigeren und ausgewogeneren Polizeifilm vor, ohne mit diesem jedoch auch nur einen Deut von der mit dem Vorgänger eingeschlagenen Linie abzuweichen. Das Post-Katrina-New-Orleans liefert den angemessen tristen, desillusionierten und deprimierten Background für Kaufmans tristen, desillusionierten und deprimierten Copfilm, der als einzige Hoffnung anbietet, dass der ganze Wahnsinn auf den Straßen irgendeinem göttlichen Plan folgen könnte, aber eher nahelegt, dass wir alle verloren sind und uns nur unsere religiösen Wunschträume und Erlösungsfantasien bleiben. Der Look des Films ist dabei keineswegs betont dreckig und dunkel, lediglich roh, ungeschliffen und mit dem Auge des nüchtern-resignierten Kriegsberichterstatters eingefangen. Hier, wo Armut und Verzweiflung regieren, wird schnell geschossen und ebenso schnell gestorben und nicht immer sind diese Tode die Sache wert. Die zu Tode gefolterten Opfer, die Riley und Ganz auffinden, haben sich nichts zu Schulden kommen lassen: ihr einziger Fehler war die Bekanntschaft mit dem Mann, dem die Bösewichte um jeden Preis ans Leder wollen. Es sterben überwiegend die Falschen in der Welt von SINNERS AND SAINTS. Und Riley steht kurz davor, an diesem unerträglichen Missstand zu zerbrechen.

Das Casting des Films hat an seinem Erfolg mindestens ebenso großen Anteil wie die No-Nonsense-Shootouts und knochenbrechenden Fights, die Kaufman mit dem ungeschminkten Realismus etwa der Fernsehserie THE SHIELD inszeniert. Und im Zentrum des Ganzen thront Hauptdarsteller Johnny Strong (Nebendarsteller etwa aus THE FAST AND THE FURIOUS), der die Klischeefigur des ausgebrannten Cops, der am Rande der Legalität kämpft, mit neuem Leben füllt und damit Kaufmans kongenialer Gehilfe wird. Riley ist eben nicht der mürrische Loner, dem die Feinheiten sozialer Interaktion völlig abhanden gekommen sind und der jedes aufkeimende Gefühl hinter einer unüberwindlichen Mauer aus Schweigen und Härte verbirgt. Er ist durchaus ein angenehmer, sympathischer und humorvoller Zeitgenosse, wie man sieht, als er von Ganz zum Abendessen eingeladen wird. Das Problem ist, dass es in seinem Leben nicht mehr viel Anlass für Freude gibt. Er hat den Glauben an das Gute und daran, dass es Bestand haben kann, völlig verloren. Seine Trauer – vor allem jene über dne Verlust seines kleinen Sohnes – ist greifbar, macht ihn zu einer idealen Identifikationsfigur und bestimmt den Film mehr als seine Gewaltausbrüche.

Meine Liebelingsszene kommt gegen Ende von SINNERS AND SAINT: Riley ist von den henchmen des Schurken in seiner Wohnung gestellt und zusammengeschlagen worden. Einer von ihnen (MMA-Star Bas Rutten) beginnt nun, Riley über den Todeskampf seines Sohnes auszufragen, um ihn zu quälen: „Did he cry a lot?“ Natürlich markiert diese Demütigung den Wendepunkt, an dem Riley vom geprügelten Hund, der die Unausweichlichkeit seiner Niederlage akzeptiert hat, zum Phönix wird, der seinen eben noch triumphierenden Rivalen beibringt, dass Hochmut vor dem Fall kommt. Er dreht den Spieß um: Ja, sein Sohn habe geweint. Aber niemals habe er um sein Leben gebettelt und gejammert wie ihr toter Kamerad, bevor Riley ihn schließlich weggeballert habe. Es ist einer jener Momente, für die man das Genre als Actionfan liebt: emotional, pointiert, dramatisch – und so badass wie es das echte Leben niemals sein kann. Kaufman holt alles aus dieser Szene heraus: Sein ganzer Film ist geil, aber das ist sein orgiastischer Höhepunkt, auf den Punkt perfekt inszeniert. Auch das Ende ist wunderbar: Riley bringt Ganz‘ kleiner Tochter ein Geburtstagsgeschenk, lehnt die Einladung seines Partners und dessen Gattin, zu bleiben, aber dankend ab. Er habe noch etwas Wichtiges zu tun, etwas, das nicht warten könne. Er setzt sich in sein Auto und fährt los. An seinem Ziel angekommen, steigt er langsam, aber im Bewusstsein, dies endlich hinter sich bringen zu müssen, aus. Dann schreitet er durch die Eingangspforte der Kirche. Ende. Perfektion.