Mit ‘Crispin Glover’ getaggte Beiträge

friday-the-13th-the-final-chapter-577802lFür mich ist dies der beste Teil der Reihe, der finsterste und brutalste, der, der genau das verkörpert, was die Reihe für mich gerade in meiner Jugend immer so reizvoll machte. Joseph Zito gelang es, die Essenz der ersten drei Teile, das, was Jason Voorhees überhaupt erst zu einer effektiven Figur machte, klar herauszuarbeiten, bevor das Franchise endgültig den Wandel zu poppigem Kinderkram und Funsplatter vollzog (was nicht heißt, dass ich die kommenden Teile nicht mag). Hier ist Jason noch eine bösartige, furchteinflößende Urgewalt, ein Mysterium zudem. Seine zahlreichen Morde beenden mittelmäßige bis traurige Teenieleben blutig und überaus mitleidlos, der Film ist dunkel, feucht, kalt und – im Rahmen dessen, was im nicht gerade subtilen Slashergenre möglich ist – beunruhigend, am Ende gar verstörend.

FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER knüpft wieder unmittelbar an den direkten Vorgänger an, verströmt aber vom Start weg eine ungeahnte Dringlichkeit und Bedrohung, die auch das Teeniegedöns der Exposition entsprechend verdüstert. Zito beschränkt es zudem auf ein absolutes Mindestmaß – das, was nötig ist, um seine Opferschar als notgeile Jammerlappen zu zeichnen – und lässt Jason bereits nach kürzester Zeit von der Leine, auf dass er sein blutiges Handwerk verrichte. Die Spezialeffekte stammen wieder einmal von Tom Savini, kommen ruppig und hart daher, selbst wenn man sieht, dass auch dieser Film Federn lassen musste, um sein R-Rating zu bekommen. Jason selbst geht mit äußerster Effizienz zu Werke und bleibt bis zur letzten Spule nahezu unsichtbar, nicht zuletzt, weil die Nacht, der Wald und der Regen ihn verdecken (man vergleiche Zitos Film nur mal mit dem bei Festbeleuchtung gedrehten Vorgänger). Ein kluger Schachzug: Im Vergleich mit späteren Sequels, in denen Jason fast zum Protagonisten wird, ist dieser vierte Teil deutlich spannender, und wenn der Hüne mit der Eishockeymaske endlich in Erscheinung tritt, schlägt das ganz anders zu Buche. Meine Lieblingsszene mit ihm ist dann auch noch nicht einmal besonders grafisch: Er durchbricht mit den Armen ein Fenster im ersten Stock eines Hauses von außen, greift das dahinter stehende Mädchen, reißt sie heraus und wirft sie kurzerhand über die Balkonbrüstung. In Zeitlupe kommt dieser Mord gleich doppelt brachial daher (Zito setzt sie häufiger sehr effektiv ein). Überhaupt wirken die genretypischen creative killings hier vergleichsweise bodenständig, was dem Film sehr zugute kommt. In späteren Teilen fragt man sich ja des öfteren, welchen Baumarkt Jason zuvor geplündert haben mag, um an sein Arsenal von Mordwaffen zu kommen.

Dass ich diesen Film – der wie schon der dritte Tel vor ihm und die folgenden ebenfalls in Kalifornien gedreht wurde und dessen Setting kaum mit den ersten beiden Filmen in Übereinstimmung zu bringen ist – so mag, liegt neben der Top-Performance von Jason und der zielstrebigen Inszenierung von Zito vor allem an den beiden „Stars“, Corey Feldman und Crispin Glover. Ersterer hat als damals 13-Jähriger die Hauptrolle als Crystal-Lake-Anwohner Tommy und trägt erheblich dazu bei, dass man tatsächlich emotional in FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER involviert ist. Wenn Tommy in seinem Bett aufjauchzt, weil er die geilen Ischen nebenan nackig sehen kann, ist man ganz bei ihm und sorgt sich im Folgenden um seine Sicherheit. Das harte Finale, in dem er einen sichtbaren Knacks erleidet, sorgt ebenfalls dafür, dass dieser vierte Film der Reihe neben dem ersten als ernstester Beitrag gelten darf. Die Schlusseinstellung zeitigt eine Wirkung, die der vierte Teil einer tumben Slasherfilm-Reihe eigentlich niemals haben dürfte. Crispin Glover ist hier so etwas wie das Comic Relief, auch wenn dieser Begriff seiner Funktion nicht ganz gerecht wird. Er ist der linkische Nerd, der sich bei den Frauen ziemlich dumm anstellt und dessen Selbstbewusstsein massiv angeknackst ist. Er reißt sich dann zusammen, spricht tatsächlich ein Mädel an und gewinnt die Herzen der Zuschauer mit einer der bizarrsten Tanz-Performances ever. Sein Ende spielt meiner Deutung der FRIDAY THE 13TH-Reihe sehr in die Karten: Er wird gekillt, nachdem ihm seine Eroberung ein Spitzenleistung im Bett bescheinigt hat. Nicht, weil ein Puritaner ihn dafür bestrafen will, dass er Sex hatte, sondern weil solches Glück im Teenieleben einfach nicht vorgesehen ist. Life’s a bitch and then you die.

Irgendwo im diesigen Oregon: Eine Gruppe von Teenagern langweilt sich zwischen billigem Dope und Dosenbier, während die Eltern durch Abwesenheit oder Indifferenz glänzen. Als der schweigsame Samson (Daniel Roebuck) erzählt, er habe seine Freundin erwürgt, und den ungläubigen Freunden die Leiche am Fluss vorführt, meint Layne (Crispin Glover), er müssen ihn vor der Polizei beschützen. Matt (Keanu Reeves) hingegen ist skeptisch …

RIVER’S EDGE habe ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und an Details der Handlung konnte ich mich dann auch nicht mehr wirklich erinnern, aber seine bedrückende Stimmung hat sich fest in meinem Gedächtnis eingebrannt. Hunter, der später einige Folgen von TWIN PEAKS inszenieren sollte – was passt, weil die Lynch-Serie fast dieselbe Prämisse wie sein Film hat –, erzeugt diese Stimmung ausschließlich durch Erzähltempo, Dialoge, Charakterisierungen und Settings und ohne Rückgriff auf die heute so angesagten Tricks der Postproduktion, die schlechten Filmemachern als bequeme Abkürzung dienen. RIVER’S EDGE ist dann auch kein Film, der den Zuschauer überrumpelt oder mit krassen Bildern um sich wirft, sondern einer, der fast unmerklich ins Bewusstsein drängt und dort ganz langsam seine Wirkung entfaltet. Hunters Film ist wie ein herbstlicher Nieselregen: Man spürt ihn nicht direkt und es dauert eine ganze Weile, bis man durchnässt ist, aber  dann ist man bis auf die Knochen durchfeuchtet und halb erfroren.

Hunter zeigt eine vollkommen entfremdete und desorientierte Jugend, die gar nicht mehr in der Lage ist, etwas zu empfinden – und ziemlich ratlos vor dieser furchtbaren Erkentnis steht. Matt und seine Freunde wissen, dass es schrecklich ist, dass ihre Freundin tot am Flussufer liegt, sie wissen, dass sie trauern oder aber wenigstens erschrocken sein müssten, stattdessen regt sich nichts in ihnen. Layne verwandelt das Erlebnis in ein Abenteuer, wie er es aus dem Fernsehen oder Kino kennt („I feel like Chuck Norris“, sagt er einmal), und als Matt Samson schließlich anzeigt, tut er das aus rein rationalen Erwägungen, weil er weiß, dass Samson jederzeit wieder zuschlagen könnte. Wie Geister stapfen die Kids durch die trostlose Landschaft ihrer Heimat auf der Suche nach irgendetwas, dass sie lebendig fühlen lässt. Diese Akzentuierung unterscheidet RIVER’S EDGE von zahlreichen anderen Filmen, die eine verrohte, von zu viel Medienkonsum und zu wenig Erziehung brutalisierte Jugend auf dem Weg ins gesellschaftliche Abseits zeigen, und vorgeben, ganz genau zu wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Hunter hebt hingegen nie den mahnenden oder belehrenden Zeigefinger, bringt vielmehr viel Mitgefühl und Verständnis für seine hilflosen Protagonisten auf, die einen verzweifelten Kampf um den Erhalt ihrer Menschlichkeit kämpfen – und diesen zu verlieren drohen. Ein Meisterwerk des Teeniefilms mit durchweg starken Darstellern, aus denen der eh grandiose Crispin Glover mit seiner allerdings dankbaren Rolle des Möchtegernanführers Layne noch heraussticht. Und dass sich fast das komplette Debütalbum „Show no Mercy“ von Slayer auf dem Soundtrack befindet, schadet dem Film sicher auch nicht.

Der fesche öläugige Bobby (Matt Lattanzi) wird von seinem reichen Vater (Kevin McCarthy) zu schulischen Höchstleistungen getrieben, die jedoch ausbleiben, weil Bobby mit seinen Kumpels Billy (Clark Brandon) und Jack (Crispin Glover) mehr Energie darauf verwendet, sich die Hörner abzustoßen. Als der Papa die 29-jährige Terry (Caren Kaye) als Nachhilfelehrerin für den Filius engagiert, ist dieser jedoch plötzlich motiviert. Und er wird von ihr nicht nur in Fremdsprachen unterwiesen …

An Filmen wie MY TUTOR erkennt man noch die Exploitationwurzeln des Teeniefilms, die im Verlauf der Achtziger mit dem Erfolg etwa der respektablen (und braveren) John-Hughes-Filmen immer mehr gekappt werden sollten. MY TUTOR liefert mit seiner belanglosen und auffallend lustlos abgespulten Story nur Vorwand für ein paar Sexszenen, die dann auch eine ganze Ecke expliziter ausgefallen sind als in anderen Vertretern des Genres. Die Ausflüge der Kumpels in Puffs, Schlammcatch-Arenen und zu willigen Diner-Bedienungen enden immer mit der Aussicht auf üppige Oberweiten und entsprechenden Leibesertüchtigungen – passend dazu absolviert auch die Russ-Meyer-Ikone Kitten Natividad einen kleinen Gastauftritt. Das sieht Mann zwar alles ganz gern, doch hätte der Film um diese Szenen drumrum ruhig etwas interessanter sein dürfen. Der ganze Plot um die Verführung des Schülers durch die ältere Frau führt zu gar nix und kommt zudem nahezu ohne jeden Konflikt aus. Erst am Ende konstruiert Regisseur Bowers etwas Ärger herbei, damit es so etwas wie eine Auflösung geben kann. Dazu kommt noch, dass MY TUTOR seltsam leer wirkt: Die Figuren sind allesamt so eindimensional und uninteressant, dass man das alles völlig teilnahmslos über sich ergehen lässt. Wie sehr der Film etwas mehr Profil vertragen hätte, sieht man daran, wie die Stimmung abrupt ansteigt, wenn Crispin Glover in einer typischen Nerd-Rolle oder McCarthy als erfolgsgeiler Papa auftritt. Die lustigste Szene ist noch nichtmal ein Gag, sondern eher ein Beispiel für die Unbedarftheit des Drehbuchs: Auf die Frage der wie gesagt 29-jährigen Terry an ihren Schüler, wie alt der sie schätze, antwortet dieser tatsächlich „45? 40?“ und sie ist noch nichtmal beleidigt. Vollkommen unrealistisch. (Und ich muss zur Abwechslung dringend mal wieder was Vernünftiges gucken.)