Mit ‘Cung Le’ getaggte Beiträge

SAVAGE DOG bildet den Auftakt zu einer kleinen Scott-Adkins-Reihe, die gleichzeitig auch eine Jesse-V.-Johnson-Reihe ist. Der britische Regisseur, Stuntman und Stunt Coordinator (u. a. TOTAL RECALL, MARS ATTACKS! und  THE AMAZING SPIDER-MAN) drehte seine ersten Filme bereits in den Neunzigern und legte danach in regelmäßigen Abständen nach, aber seit 2017 darf man einen beachtlichen Produktivitätsanstieg verzeichnen: In den fünf Filmen, die er seitdem inszenierte, wirkte Adkins vier Mal mit (der etwas stullig betitelte AVENGEMENT steht bereits in den Startlöchern und ist ebenfalls mit dem englischen Actionstar besetzt). Der erste Titel der Reihe ist SAVAGE DOG und es handelt sich um einen jener DTV-Actioner, die gleichermaßen aufwändig produziert wie konzeptionell unterentwickelt wirken. Er lässt das Potenzial Johnsons zweifelsfrei erkennen, zeichnet sich durch sauber choreografierte und inszenierte Fights und Shootouts aus, verblüfft darüber hinaus mit wenig zurückhaltender Gewaltdarstellung, fliegt aber auch ein bisschen wirkungslos am Betrachter vorbei.

Der Film erzählt von dem nordirischen Soldaten Martin Tillman (Scott Adkins), den es in die Wirren des Indochina-Konflikts verschlagen hat, wo er sich zur Belustigung des Ex-Nazis Steiner (Vladimir Kulich) in brutalen Faustkämpfen behauptet. Als er sich seine Freilassung erkämpft, findet er Unterschlupf in der Dschungelkneipe des Amerikaners Valentine (Keith David), der auch als Voice-over-Erzähler fungiert. Tillman verliebt sich in die schöne Bardame Isabelle (Juju Chan). Doch die alte Bekanntschaft zu Steiner und seinem Killer Rastignac (Marko Zaror) holt ihn ein und am Ende zieht Tillman in die Schlacht, um den Tod seines Freundes und seiner Geliebten zu rächen …

Die Story ist direkt dem „Kleinen Handbuch des Actionfilms“ entnommen und wurde von Johnson ohne großes Schnickschnack oder erzählerische Ambition umgesetzt. Das gewährleistet in Verbindung mit der erwähnten handwerklichen Präzision, dass SAVAGE DOG gut reinläuft und actiongeladene Kurzweil ohne Längen bietet, verhindert aber auch, dass hier irgendetwas echte Spuren hinterlassen würde. Dass die letzten Worte des Films das zuvor Gezeigte zu einer Art Origin Story und somit zum Auftakt für eine ganze Reihe von Abenteuern um Tillman aufblasen, ist angesichts der Beliebigkeit dieser Geschichte schon fast wieder rührend: Es ist schwer, dem Helden des Films irgendwelche unverwechselbaren Eigenschaften abseits seines Namens zuzuordnen, die dafür sorgten, dass man ihn in einem Sequel überhaupt wiedererkennen würde. Aber ich will nicht meckern: Die finale Aufräumaktion Tillmans macht ordentlich Feuer unter dem Arsch, die Effekte sind überwiegend handgemacht, das schmutzigbraune Blut sprudelt literweise und die Abrechnung, die sich Tillman für den fiesen Rastignac ausgedacht hat, lässt auch den abgezocktesten Betrachter schlucken. Die Tötungsszene ist so over the top, dass man meinen könnte, Johnson habe sich damit ein Bisschen für die Beliebigkeit des Vorangegangenen entschuldigen wollen. SAVAGE DOG ist außerdem ein Vertreter jenes kleinen, exklusiven Kreises von Filmen , in denen der Erzähler den Film auch nach seinem Ableben noch weiter begleiten darf (siehe etwa MENACE II SOCIETY). Bei aller Kritik: SAVAGE DOG macht durchaus Laune, aber am besten schaut man ihn, wenn man was richtig Gutes zum Nachlegen hat.

A-Certain-Justice-2014„Shrinks call it ,Post Traumatic Stress Disorder‘. I call it ,Hell‘.“

PUNCTURE WOUNDS schickt den um Orientierung ringenden Afghanistan-Veteranen John Nuguyen (Cung Le) auf einen Rachefeldzug gegen Gangsterboss Hollis (Dolph Lundgren) und seine Männer. Nachdem John einer Frau zu Hilfe geeilt war und die Angreifer ins Krankenhaus geschickt hatte, ließ Hollis – um dessen Männer und Ex-Freundin es sich handelte – kurzerhand Johns ganze Familie auslöschen. Schwer bewaffnet, ausgebildet in tödlichen Nahkampftechniken und mit hohem strategischen Verständnis ausgestattet, geht John nun mit äußerster Härte gegen die Verbrecher vor. Weder sein Armykumpel J.P. (Jonathan Kowalsky) noch der Kriminalbeamte Mitchell (James C. Burns) können ihn von seinen Plänen abbringen. Im Gegenteil: Sie werden zu den willigen Gehilfen des Vigilanten.

Was PUNCTURE WOUNDS an inhaltlicher Tiefe und Aufrichtigkeit vermissen lässt – die psychische Disposition des Protagonisten ist kaum mehr als ein Feigenblatt -, das macht er in Brutalität wieder wett. Wenn John eine Bande gesichtsloser Drogenköche mit gezielten Messerstichen in den Hals auslöscht, er dem pädophilen Informanten eine Überdosis Pillen in den Hals schüttet und ihn sterbend zurücklässt oder er Hollis‘ Widersacher Bennett (Vinnie Jones) einer Folter unterzieht, die er sich während der eigenen Kriegsgefangenschaft von den Taliban abgeschaut hat, erreicht der Film eine Grausamkeit, die keinerlei kathartische Wirkung nach sich zieht. Man ist einfach nur geschockt, ob des gebotenen Schauspiels. Es wird bis zum Ende nicht klar, wie sich die beiden Regisseure zu ihrem Helden positionieren: Mehrfach wird betont, dass er außer Kontrolle geraten sei, Erinnerungen an seine Gefangenschaft plagen ihn und er scheint nicht fähig, an einem normalen Leben teilzuhaben. Der seit dem Krieg mit einer Beinprothese ausgestattete Freund redet ihm ins Gewissen, mahnt ihn zur Vernunft und fordert ihn auf, den Amoklauf zu beenden, doch das Finale, in dem sich alle über die Beseitigung von Hollis‘ Gang freuen, scheint ihm im Nachhinein Recht zu geben. Diese Strategie ist nichts Neues, wurde ja auch von Michael Winner für seinen DEATH WISH genutzt, doch der bittere Humor, der seine Aussage als beißende Ironie kenntlich machte, fehlt hier. Stattdessen kleistern Serafini und Coyne PUNCTURE WOUNDS mit den digitalen Stilmitteln der Intensified Continuity zu: Künstliche Unschärfen, Lense Flares, Wackelkamera und Schnittgewitter werden mal mehr mal weniger bemüht, ohne dass ein echtes ästhetisches Konzept dahinter zum Vorschein käme. Ihr Film soll vor allem „geil“ aussehen, was per se natürlich nicht verwerflich ist, in diesem Kontext aber durchaus zweifelhaft erscheint.

Trotzdem würde ich PUCTURE WOUNDS immer noch das Prädikat „sehenswert“ verleihen, weil es ja mittlerweile eher selten vorkommt, dass einen ein DTV-Actioner noch vor ideologische Konflikte stellt. Meist rasen die einfach nur so vorbei. PUNCTURE WOUNDS ist insgesamt leicht gehobener Durchschnitt und zeigt das Potenzial des Regisseurs-Duos, das bei der Postproduction künftig etwas mehr Zurückhaltung zeigen – merke: Nicht jedes zur Verfügung stehende Stilmittel muss auch eingesetzt werden. – und außerdem jemanden engagieren sollte, der zünftige Blood Squibs hinbekommt. Diese Digitalbluspritzer sind wirklich das allerletzte, wenn sie hier auch längst nicht so übel aussehen wie in CHAIN OF COMMAND. Lundgren-Fans werden sich indessen darüber freuen, ihr Idol mit Dschinghis-Khan-Schnurrbart und langen Haaren sehen zu dürfen, und MMA-Champion Cung Le (der mich an einen asiatischen Cuba Gooding erinnert) erweist sich nach John Hyams‘ DRAGON EYES zum zweiten Mal als gute Besetzung für gebrochene Charaktere. Ich würde ihn gern häufiger sehen.

Für Hard Sensations habe ich einen Text geschrieben, in dem ich mich mit drei aktuellen Actionfilmen auseinandersetze, die dieser Tage in Deutschland auf DVD erschienen sind/erscheinen: Es handelt sich um John Hyams‘ DRAGON EYES mit Jean Claude Van Damme und up-and-coming Martial-Arts-Star Cung Le, den neuen Seagal namens MAXIMUM CONVICTION und einen weiteren Film mit den „Muscles from Brussels“, Ernie Barbarashs großartigen SIX BULLETS. Hier geht’s lang, viel Vergnügen!