Mit ‘Curtis Hanson’ getaggte Beiträge

Die Highschool-Buddies Woody (Tom Cruise), Spider (John Stockwell) und Dave (Jackie Earle Haley) haben für das Wochenende den Trip ihres Lebens geplant: In Tijuana, dem Sündenbabel kurz hinter der mexikanischen Grenze, wollen sie sich ins Nachtleben stürzen und es so richtig krachen lassen. Die erste Hürde gilt es schon vor der Abfahrt zu nehmen, denn ihr Finanzier fällt aus und so müssen die Jungs wohl oder übel Daves kleinen Bruder Wendell (John P. Navin jr.) mitnehmen, der immer Bares in der Tasche hat. Auf dem Weg gabeln die Vergnügungssüchtigen dann auch noch Kathy (Shelley Long) auf, die sich in Mexiko von ihrem Ehemann scheiden lassen will. Im Nachtleben von Tijuana werden die Freunde dann getrennt und müssen sich mit gehörnten Mexikanern, korrupten Polizisten und schlagkräftigen US Marines herumärgern …

LOSIN‘ IT verdankt seine Prominenz nicht zuletzt der Tatsache, dass Tom Cruise hier sein allererstes Top Billing erhielt. Der spätere Superstar bildet als sensibler Träumer Woody zwar das romantische Herz des Films, aber im Gedächtnis bleibt vor allem Jackie Earle Haley, der den mit Abstand saftigsten Part des Jungdarsteller-Trios abbekommen hat. Sein Dave ist bekennender Sinatra-Fan mit passendem, schief sitzendem Hütchen und gefällt sich in der Rolle des mit allen Wassern gewaschenen, welterfahrenen Ladies‘ Man – der in Wahrheit aber weder von Tuten noch von Blasen Ahnung hat. Stockwell spielt hingegen den kampferprobten Jock der Clique, der seine Lektion dann in einer schäbigen mexikanischen Gefängniszelle  lernen muss, während der Softie Woody die erfahrene Kathy verführt – oder von ihr verführt wird. Die von Curtis Hanson inszenierte Komödie spielt im Jahre 1965 und profitiert vom Zeit- und Lokalkolorit: DoP Gilbert Taylor (u. a. REPULSION, FRENZY, STAR WARS, THE OMEN und FLASH GORDON) beweist seine Klasse und stilisiert das nächtliche Tijuana zu einem fast mythischen Ort, der mit seinen bunten Lichtern, den fantasievollen Dekorationen der Ladenlokale und dem ameisenhaften Gewusel auf den Straßen all das verkörpert, was die jungen Helden sich erträumt haben. Sogar den Auftritt des obligatorischen Esels gibt es, auch wenn der nicht zum Einsatz kommt – das gab das Rating dann doch nicht her.

Das ist dann auch das kleine Problem des ansonsten sehr unterhaltsamen Films: Er schöpft sein Potenzial nicht ganz aus. Hinter der Geschichte um drei Jungs aus einem der reichsten Länder der Welt, die mit ihren Dollars in einem der ärmeren einfallen, um sich dort wie die Wildsäue zu benehmen, verbirgt sich ja auch eine bittere Abrechnung mit den Baby Boomers bzw. deren Eltern, die aber zugunsten eines munteren Jugendabenteuers vernachlässigt wird. Manchmal bricht sie durch, etwa in der Konfrontation mit dem mexikanischen Gesetzeshüter, der voller Neid das teure Auto bestaunt, mit dem die Dreikäsehochs da unterwegs sind. Wie sehr die Jungs bereits in jungen Jahren verinnerlicht haben, welche Macht mit ihrem amerikanischen Geld einhergeht und dass die „Armen“ immer auch käuflich sind, zeigt sich, als sie dem Polizisten wie selbstverständlich Geld anbieten, um sich seines Wohlwollens zu versichern. Er weist sie dann sehr sachlich darauf hin, dass sie trotzdem ein kaputtes Bremslicht haben. Im Puff werden die Machtverhältnisse dann umgekehrt, die notgeilen Männer unten mit den üppigen Senoritas geködert und oben dann von traurigen, desillusionierten Kettenraucherinnen abgefertigt. Die Betreiber wissen natürlich: Wenn die Freier einmal die Treppe erklommen haben, geht die Bereitschaft, wieder umzukehren, gegen null. Im US-amerikanischen Puritanismus liegt auch eine Chance für die mexikanische Wirtschaft; Wenn sie den Amis einfach all das versprechen, was sie zu Hause nie bekommen, sind die schon mit der Hälfte davon zufrieden. Ob Woody und seine beiden Freunde diesen Mechanismus durchschaut und ihre Rolle als Kulturimperialisten begrifen haben, darf bezweifelt werden. Dass sie trotzdem geläutert nach Hause kommen, liegt einfach daran, dass Reisen nun einmal bildet.

In Anbetracht meiner derzeitigen musikalischen Präferenzen schien mir ein Hip-Hop-Film-Special ganz gut geeignet, meiner derzeitigen Filmfaulheit entgegenzuwirken. Gestern habe ich drei relativ aktuelle Filme dieses Subgenres angeschaut: die beiden fiktionalisierten Künstlerbiografien 8 MILE und GET RICH OR DIE TRYIN‘ sowie HUSTLE & FLOW, der der aus Memphis stammenden Crunk-Music ein Denkmal setzt. Die Reihe wird – so mich der Mailorder nicht im Stich lässt – demnächst fortgesetzt: Die Klassiker WILD STYLE sowie BREAKIN‘ und BREAKIN‘ 2: ELECTRIC BOOGALOO sind bestellt, außerdem werde ich mit dem abominablen Dipset-/Cam’Ron-Vehikel KILLA SEASON etwas im Bodensatz der selbstproduzierten DTV-Rap-Filme rühren. Los geht’s!

Jimmy Smith jr. (Eminem) steht nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens: Weil er sich von seiner Freundin getrennt hat, lebt er wieder im Trailerpark bei seiner Mutter (Kim Basinger), die eine Affäre mit einem alten Klassenkameraden von Jimmy laufen hat. Sein kärgliches Gehalt verdient er sich in einem Stahlwerk und seine großspurig vom Charterfolg sprechende Hip-Hop-Crew Three One Third scheitert schon kläglich an den ersten Karriereschritten. Doch für Jimmy – Bunny Rabbit oder B-Rabbit, wie er genannt wird – ist Rap die einzige Möglichkeit, etwas von seinen Frustrationen loszuwerden und sich zu beweisen. Allerdings hat er mit rassistischen Vorurteilen zu kämpfen. Und mit seiner Angst: Bei einem Battle bringt er kein Wort über die Lippen …

Eminem hat seine Biografie schon früh zum Thema seiner Songs gemacht. Die Trunksucht seiner Mutter, seine Zugehörigkeit zum White Trash eines Detroiter Trailerparks und die Hassliebe zu Kim, der Mutter seiner Tochter, wurden von ihm ebenso wort- wie bildreich thematisiert und bedurften daher kaum noch einer Filmisierung. Zum Glück versteht sich 8 MILE dann auch nicht als klassisches Biopic. Zwar ist unschwer zu erkennen, wer sich hinter der Figur des Jimmy verbirgt, haben einige Details von Eminems Biografie Eingang in den Film gefunden, doch der bezieht seinen Reiz nicht daraus, den Werdegang eines Popstars nachzuerzählen. Der von der Handlung abgedeckte Zeitrahmen ist im Gegenteil relativ eng gesteckt und der Film endet, noch bevor Rabbits/Eminems Erfolgsgeschichte beginnt. Damit emanzipiert sich Hansons Film auch von der klassischen „Aufstieg des Underdogs“-Dramaturgie, die sich im Hip-Hop-Kontext meist als materialistisches Coming of Wealth umschreiben lässt – siehe etwa 50 Cents GET RICH OR DIE TRYIN‘, aber dazu später mehr. Das Rappen ist für Jimmy nicht Mittel zum materialistischen Zweck, sondern Selbstzweck. Wenn er sich vor dem Battle besinnt, dann den Beat in sich aufnimmt, sich in den richtigen mindset versetzt, bevor die Worte aus ihm heraussprudeln, erkennt man die meditative Wirkung seiner Tätigkeit. Jimmy ist kein extrovertierter Charakter: Es dauert lang, bevor man ihn rappen hört und seine Texte scheinen vor allem für ihn zu sein, auch, weil Zweifel an ihm nagen. Erst im Battle erlangt er das Selbstbewusstsein, die Identität und Ganzheit, die ihm der Alltag verwehren. Vollkommen konzentriert, in the zone, überwindet er kraft seiner Worte rassistische Vorurteile (er ist als Weißer Außenseiter in einer von Schwarzen geprägten Kultur), Demütigungen und Schmerz. So ist es ein kluger Schachzug von Hanson und Drehbuchautor Scott Silver, dass Jimmy seinen Erzfeind gerade nicht durch Selbstüberhöhung und Beleidigung bezwingt, sondern im Gegenteil durch Selbsterkenntnis und -akzeptanz. Es ist ein großartiger Moment, wenn Rabbit triumphiert, weil er alle Beleidigungen, mit denen sein Gegner ihn überziehen könnte, antizipiert und diesem vorweg- und damit sozusagen und sprichwörtlich aus dem Mund nimmt. Doch damit ist Jimmy noch lang nicht am Ziel: Er hat nur einen Kampf gewonnen, bevor er sich wieder ins Stahlwerk begibt, um die Nachtschicht zu beenden.

8 MILE erinnert mehr als an andere Musikfilme an John G. Avildsens ROCKY. Die verlassenen Ruinen und Trailerparks der Automobilstadt Detroits spiegeln die tristen Arbeiterviertel Philadelphias, die Schlachterei, in der Rocky Schweinehälften traktiert, wird durch das erwähnte Stahlwerk ersetzt, und wenn Jimmy vor dem Battle sein Antlitz im Spiegel einer verkommenen Toilette fixiert, erinnert er nicht nur wegen seiner abgewetzten Sportklamotten an den Boxer mit dem großen Herz. Aber in 8 MILE offenbart sich ein interessanter und offenkundiger Wandel des Antihelden: Seine Waffe ist nicht mehr die Kraft seine Hände, sondern sein mouthpiece. Die klassische Aktion wird durch Kognition ersetzt, der körperliche durch den geistigen Kampf. 8 MILE ist ein kontemplativer, ja beinahe resignativer Film, in dem sich ein großes Misstrauen, eine große Skepsis vor der Handlung zeigt, in dem die Protagonisten allesamt in ihren Verhaltensweisen und Lebensumständen gefangen und ohnmächtig sind. Und die Momente, in denen in 8 MILE doch die Physis regiert, sind Momente der Gewalt und der Niederlage.

Marcus‘ (Marc John Jeffries/Curtis „50 Cent“ Jackson) Mutter ist Drogendealerin. Eines Tages kommt sie von der Arbeit nicht mehr zurück: Ein Konkurrent hat sie kurzerhand ermordet. Vom einfachen Leben bei seinen Großeltern gebeutelt schlägt Marcus den Weg der Mutter ein. Mit großem Ehrgeiz steigt Marcus zum erfolgreichen Dealer auf, auf den bald schon die Gangsterbosse der Stadt aufmerksam werden. Doch was ihn antreibt, sind die Trauer um die verstorbene Mutter, die Wut auf den Mörder und die Sehnsucht nach dem Vater, den er nie hatte. Während eines Gefängnisaufenthalts entdeckt Marcus die reinigende Wirkung des Reimens und fasst den Entschluss, nie wieder Drogen zu verkaufen. Doch die alten Bekannten wollen ihn nicht so einfach ziehen lassen: Marcus wird Opfer eines Mordanschlags …

Die Strategie von 8 MILE ist Authentifizierung und Entglorifizierung, die von 50 Cents Biopic ist Mythifizierung. Der Schlüsselmoment von GRODT wie auch von 50s Leben ist der Anschlag auf sein Leben: Neun Kugeln muss er einstecken, die letzte schlägt in seinem Gesicht ein, verletzt seine Zunge, doch auch diese kann seinen Aufstieg zum erfolgreichsten Rapper der ersten Hälfte der 2000er nicht verhindern. Dass er sich nach diesem Ereignis als unzerstörbare Naturgewalt und als Monster versteht und inszeniert, verwundert wenig und erinnert an das Schicksal des Protagonisten aus Peter Weirs FEARLESS. Wenn Young Caesar, wie 50 Cent hier heißt, am Ende des Films nach dem Tod seines ärgsten Feindes die Bühne betritt, seinen steroidgemästeten und mit den Tätowierungen an einen Totempfahl erinnernden Oberkörper entblößt und zu rappen beginnt, soll das das Bild eines übermenschlichen Sieges sein. Doch der Zuschauer hat eher das Gefühl, dass der Rapper mit kugelsicherer Weste und Tank Top den letzten Rest Menschlichkeit abstreift und sich endgültig in die gefühllose Rapmaschine verwandelt. Das Spannende an diesem Film, der frappierende Ähnlichkeit mit einer Superheldencomic-Verfilmung aufweist, ist gerade sein Misslingen des Versuchs, seinen Helden als Menschen zu zeichnen. Aber genau das verleiht ihm paradoxerweise seine Tragik. Als Young Caesar nach überstandener Genesung seine Tracks aufnimmt und bemerkt, dass seine Stimme anders klingt als zuvor, ermutigt seine Geliebte ihn damit, dass sie sagt, sie trage nun mehr „pain“ in sich. Doch das bleibt leere Behauptung. Marcus bleibt wie sein alter ego menschliche Tabula Rasa, ein Mann, der alle Gefühle so tief ins sich eingeschlossen hat, dass sie auch in seinen vorgeblich tiefst empfundenen Gefühlsäußerungen nicht ans Licht dringen können. „Other people hide their feelings. You bury them.“, sagt seine Partnerin einmal treffend. Und Marcus fällt nichts anderes darauf ein als zu sagen: „You are you and I am me.“ 50 Cents Gesicht lässt erahnen, welcher Mensch sich hinter der Fassade verbergen könnte. Sein Lächeln ist spitzbübisch und kindlich, es passt nicht zu dem Rapper, der mit eiskaltem Kalkül jeden Konkurrenten mit Disses überzieht, Karrieren zerstört und auch vor Verbündeten nicht halt macht. Doch wie hätte sich das Kind entwickeln sollen, dass mit zwölf Jahren schon mit der ganzen Härte des Lebens konfrontiert wurde? Und welche Wärme kann aus der Dunkelheit der Isolationshaft heraus entstehen? Das ist die stärkste Szene des Films: Mit der Rasierklinge, die ihm in die Einzelzelle geworfen wird, damit er sich die Pulsadern öffnen kann, beginnt Marcus seine Lyrics in den Putz zu ritzen. Young Caesars Musik entsteht in der Einsamkeit als Mittel, um nicht wahnsinnig zu werden. Vielleicht war sie nie für andere bestimmt.

Hustle & Flow
(Craig Brewer, USA 2005)

Memphis, Tennessee: DJay (Terrence Howard) ist in den mittleren Dreißigern, seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit dem Dealen von Weed und der Zuhälterei. Das Geschäft läuft eher schlecht: Shug (Taraji P. Henson) ist schwanger, die Stripperin Lexus (Paula Jai Parker) macht ihm das Leben schwer und Nola (Taryn Manning) ist zwar treu, aber auch etwas lethargisch. Und so sieht DJay sich auf dem Abstellgleis. Sollte sein Leben schon jetzt vorbei sein? Von der Crunk-Music erhofft er sich Zugang zu einer neuen, besseren Welt voller Wohlstand. In seinen Texten bündelt er seinen ganzen Schmerz, seinen ganzen Zorn, doch es fehlt ein Produzent. Da trifft er einen alten Schulfreund wieder, einen Tontechniker …

„Crunk Music“ bezeichnet ein Rap-Subgenre aus Memphis, das sich durch treibende Drumcomputer-Beats, vulgäre, grafische Lyrics, einen tiefen, rollenden Bassgroove, aber eine gegenüber klassischem Hip-Hop aufwändigere Instrumentierung auszeichnet und in den letzten Jahren die bis dahin dominierende East-Coast-Ästhetik abgelöst hat. In Craig Brewers ausgezeichnetem Film wird diese Musik als legitimer Nachfahre des Blues inszeniert, als Musik voller Schmerz, Angst und Zorn, voller ungezügelter und unvermittelt auf Tonträger gebannter Energie, letzte Möglichkeit der Unterprivilegierten, sich Gehör zu verschaffen, wozu nicht zuletzt die einfachen Produktionsbedingungen ihren Teil beitragen. Der Rapper wird zum Prediger seiner Hood, zum Gospelsänger, der die Dämonen exorziert. Zuerst die eigenen: DJay leidet an sich selbst, trauert dem Vater hinterher, den er mit zwölf Jahren verlor, den Träumen, die sich nie erfüllt haben, der Ungerechtigkeit der Welt, aber auch der Unfähigkeit, diese zu überwinden. All diese Gefühle wandern in seine Musik, die er gemeinsam mit dem in einem langweiligen bürgerlichen Leben gefangenen Key (Anthony Anderson) und dem schlaksigen weißen Loser Shelby (DJ Qualls) aufnimmt und die somit für ein ganzes Kollektiv zum Befreiungsschlag und Hoffnungsschimmer wird. Nachdem Shug den schmerzzerissenen Refrain zu „It’s hard out here for a Pimp“ (der oscarprämierte Titelsong wurde von DJ Paul und Juicy J geschrieben und produziert, ihrerseits Crunk-Veteranen der Three-6 Mafia) eingesungen hat, gesteht sie DJay: „It meant the World to me.“ In der Figur des Crunk-Superstars Skinny Black (Südstaaten-Rapper Ludacris) wird allerdings auch die Schattenseite des Geschäfts deutlich: Denn wenn der Erfolg kommt und der Schmerz kein Feuer mehr erhält, muss auch die Musik sterben. Skinny Black erweist sich als arrogantes Arschloch, das sich von seinen Wurzeln denkbar weit entfernt hat und auf einen Emporkömmling wie DJay nur mit Hohn und Verachtung blicken kann. Die Konfrontation mit ihm soll DJay, Key und Shelby den großen Erfolg bringen, doch sie endet mit der Inhaftierung für Djay, der im Knast immerhin den Siegeszug seines Songs „Whoop that Trick“ miterleben darf. Die Verwebung von Crunk und Kriminalität ist fast schon eine notwendige Bedingung für die Existenz der Musik.

Craig Brewer (der konsequenterweise einen Blues-Film folgen ließ: BLACK SNAKE MOAN) hat mit HUSTLE & FLOW einen Film vorgelegt, der bis auf die Knochen von der Hitze und Feuchtigkeit der Südstaaten durchzogen ist, ein Film, der schwitzen lässt und trotz aller euphorisierender Energie schwer auf den Schultern liegt. Im Memphis von HUSTLE & FLOW bewegt sich wenig, scheint schon das Sprechen nur unter Mühe vonstatten zu gehen (der Südstaatenslang des Films ist ein Gedicht), ist alles dazu verdammt, nach einem beschwerlichen Dasein elendig zu verrecken. Aber HUSTLE & FLOW ist kein Runterzieher, kein Film der den Schmutz ästhetisiert, und sein Publikum mit Elendsvoyeurismus bedient. Brewer erhöht sein Memphis vielmehr zum allegorischen, magischen Ort. Die zentrale Kompositionsszene ist eine der schönsten Darstellungen kreativer Euphorie, die ich je gesehen habe. Wenn die Beats zu DJays klagenden Texten einsetzen, ist das auch für den Zuschauer eine spürbare Befreiung. Und fast freut man sich, dass DJays Plan nicht ohne Reibungen aufgeht, denn so hat er noch länger Stoff für seine wunderbare Crunk-Music.