Mit ‘Cyborg’ getaggte Beiträge

Teil 5 des Terminator-Franchises hat wie die vorangegangenen beiden Teile vor allem damit zu kämpfen, dass James Cameron seinerzeit mit THE TERMINATOR und T2: JUDGEMENT DAY zwei (sehr unterschiedliche) Filme schuf, die sofort zu Klassikern avancierten und ihre jeweilige Dekade beinahe idealtypisch verkörperten: Düstere, technikskeptische No-Future-Apokalypse für die Eighties, lautes, schnelles, großes, ironiedurchsetztes und zynisches Popcorn-Spektakel für die Nineties. Vor allem letzterer war damals ein Game Changer ersten Ranges, der Film, der einen Paradigmenwechsel und eine neue Epoche computergenerierter Effekte einläutete. Selbst, wenn man von den nachfolgenden drei Teilen der Reihe enttäuscht ist oder war, so muss man doch einräumen, dass es nahezu unmöglich scheint, heute noch etwas von vergleichbarer revolutionärer Bedeutung zu schaffen. Die Effekte von Alan Taylors TERMINATOR GENISYS sind teilweise beeindruckend, das Sounddesign ähnlich wie im Vorgänger TERMINATOR SALVATION eine Klasse für sich, trotzdem sind das nur kleine Details, deren Stellenwert nicht vergleichbar ist mit den Morphing-Effekten um den T-1000 vor beinahe 25 Jahren. Das fällt beim neuesten Eintrag umso stärker auf, als er den direkten Vergleich nicht scheut, sondern ihn aktiv sucht: TERMINATOR GENISYS erzählt die Geschichte von THE TERMINATOR zunächst noch einmal aus der Perspektive des Zeitreisenden Kyle Reese (Jai Courtney), streift dabei ikonische Szenen wie die Konfrontation des Terminators mit den Punks vor dem Planetarium, nimmt dann aber eine Abzweigung. Sarah Connor (Emilia Clarke) und der Terminator (Arnold Schwarzenegger) sind in ihrem Kampf gegen Skynet mittlerweile selbst zu versierten Zeitnavigatoren geworden, sodass es gleich mehrere alternativ laufende Zeitstränge gibt, die sich ständig überkreuzen und etwa dazu führen, dass der Terminator gegen sein altes Selbst kämpfen muss. Am Ende scheint die Zukunft mit der Zerstörung Skynets und ihres neuesten Produkts Genisys gerettet, aber mit Kenntnis der Reihe weiß man, dass es in einer Welt, in der man jederzeit in die Vergangenheit reisen kann, um die Dinge retroaktiv zu ändern, keinerlei bleibenden Gewissheiten mehr gibt. Man könnte sagen, dass die TERMINATOR-Reihe in ihrer ständigen Wiederbelebung und Neuninterpretation des Alten, dem leeren Versprechen einer nun endgültigen „Auflösung“ und der gleichzeitigen inhärenten Unmöglichkeit einer solchen das ultimative Hollywood-Produkt geworden ist. Genisys ist Skynet ist Hollywood.

So wie der Technologiekonzern sich in TERMINATOR GENISYS längst nicht mehr mit der Konstruktion waffenstarrender Kampfroboter zufrieden gibt sondern mittels des titelgebenden Programms via Internet alle relevanten Bereiche des menschlichen Lebens zu kontrollieren sucht, ist Film ja längst nur noch ein Bestandteil des Markenstrebens der Studios. Solange die Marke Gewinn abwirft, wird es also neue Filme geben und dank des den Kern der TERMINATOR-Urerzählung bildenden Zeitparadoxons ist das nächste Update (der Begriff macht hier noch mehr Sinn als anderswo) gewissermaßen schon eingebaut. Kyle Reese kann am Ende nach gelungener Weltrettung im pathetischen Brustton der Überzeugung sagen „The future is not set“, auf das Potenzial geschichtsumwälzender Handlungen anspielen, aber die Ironie entgeht ihm dabei. Denn wenn die Zukunft nicht feststeht, ist ja auch der nun errungene Sieg nur vorübergehend. Was hindert die Maschinenmenschen eines alternativen Zeitstrangs daran, die nun „echte“ Zukunft durch Eingreifen in ihre Vergangenheit wieder rückgängig zu machen? Wir werden es im nächsten Teil sehen.

Die verständliche Kritik an TERMINATOR GENISYS stieß sich genau daran: Dass auch dieser neueste Teil wie so viele andere Sequels und Reboots der vergangenen Jahre die altbekannte Geschichte nicht fortsetzte, sondern lediglich noch einmal von vorn erzählte, er lediglich als ständige Spiegelung der Vorgänger funktioniere und nicht als eigenständiges Werk. Das ist nicht verkehrt, verkennt aber die Tatsache, dass genau dieser Charakter schon in THE TERMINATOR angelegt war. Vordergründig malte Camerons Film eine apokalyptische Endzeitvision um Maschinen, die die Weltherrschaft an sich gerissen und die Menschen versklavt hatten, aber im Kern ging es immer um die Frage danach, inwieweit wir wirklich unseres eigenen Glückes Schmied sind – und um eine Liebes- und Familiengeschichte. Der Scope der Serie, die sich über mehrere Jahrzehnte und verschiedene nebeneinander laufende Zeitstränge erstreckt, nichts weniger als die Zukunft der Menschheit und der Erde verhandelt, mag gewaltig erscheinen: Tatsächlich ist sie von beinahe kammerspielartiger Intimität, kreist beständig um einen Kern von vier Personen, die mit jedem Teil eine neue Fassette ihrer Beziehung zueinander ergründen. Es war natürlich die eindrucksvolle Gestalt Schwarzeneggers, die den Betrachter von THE TERMINATOR zuerst in ihren Bann schlug, wie er da als perfekte Verkörperung einer emotionslosen, aber unaufhaltsamen Maschine durch den Film walzte, aber als ich ihn mir zuletzt angeschaut habe, stellte ich fest, dass das Herz des Filmes in jener kurzen Sequenz schlägt, in der sich Sarah und Reese erst einander annhähern, sich dann schließlich in Erfüllung ihres Schicksals auf einem Bett niederlassen, um das Kind zu zeugen, das später einmal die letzte Hoffnung der Menschen werden wird.

In TERMINATOR GENISYS wird diese durch die Zeit reichende, ihre Achsen krümmende Liebe wieder thematisiert, der Film mit der Komplettierung des Paares durch den von Sarah mittlerweile liebevoll „Pops“ genannten Terminators und des ebenfalls in die Vergangenheit reisenden John Connors (Jason Clarke) endgültig zum Familienfilm – der aber nicht ohne das obligatorische schwarze Schaf auskommt. Die Aufgabe, mit der zukünftige Sequels sich verstärkt zu beschäftigen haben werden, ist eine Justierung der Zeitstränge, die eine Vereinigung aller Familienmitglieder erlaubt. Erst wenn das gelungen ist, ist die Welt – möglicherweise? – tatsächlich gerettet.

Lasst euch von Hirnis und Idioten, die diesen Film für DTV-Schrott halten, nicht in die Irre führen: UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING ist der Film des Jahres und wahrscheinlich sogar noch mehr. Es ist einer der radikalsten Filme aller Zeiten, ein einzigartiges, singuläres Kunstwerk eines Meisters des Mediums. Und wäre er nicht ein Sequel eines alten Emmerich-Actioners, dann wäre das absoluter Konsens. Meinen Text zur Stunde null des Actionfilms gibt es hier.

1999: Jugendgangs haben die US-amerikanischen Metropolen in bürgerkriegsartige Zustände gestürzt. Die Ordnung wurde wieder hergestellt, indem man bestimmte Stadtgebiete einfach aufgab: die so genannten Free-Fire-Zones, in denen nun Anarchie herrscht. Die Kennedy High School in Seattle liegt in einer solchen Free-Fire-Zone und soll wieder geöffnet werden. Dazu installiert das „Ministry of Educational Defense“ gemeinsam mit dem Waffenhersteller Megatech drei Cyborgs als Lehrkräfte (John P. Ryan, Pam Grier und Patrick Kilpatrick), die den aufmüpfigen Schülern notfalls mit Gewalt Manieren beibringen sollen. Was niemand weiß: Die Cyborgs sind der Prototyp für eine neue Waffenserie und ihr Einsatz an der Schule nur ein Testlauf. Bald sind die ersten toten Schüler zu beklagen. Der Anführer der Jugendgang „Blackhearts“, Cody Culp (Bradley Gregg), stellt sich den Kampfmaschinen entgegen …

Wieder mal so eine Filmsichtung aus der Kategorie „Wiedersehen mit alten Freunden“. Die deutsche Leihvideo-Veröffentlichung von CLASS OF 1999 war massiv geschnitten, die Kopie des niederländischen Tapes avancierte somit zum gefragten Kulturgut und zum essenziellen Bestandteil der Sammlung. Ja, seinerzeit war CLASS OF 1999 ein Renner, vollgestopft mit schöner Gewalt, geilen MAD MAX-Outfits, kreativen Latex- und Prosthetics-Splattereien und Darstellern, von denen man zwar wusste, dass man sie irgendwie cool finden sollte (neben den oben genannten etwa Stacy Keach mit herrlich gebleichter Endachtziger-Rattenschwanz-Frisur und gruseligen Reptilienaugen-Kontaktlinsen und natürlich Malcolm McDowell), aber noch nicht so recht, warum bzw. wofür. Untermalt wurde das Spektakel von in höchstem Maße testikelvergrößerndem,  prolligem und – da Nirvana ja noch in weiter Ferne lagen (zwei Jahre fühlten sich damals noch wie eine Ewigkeit an) – von der eigenen Dominanz besoffenem Schwanzrock, der die Bilder einer nahen, von coolen Jugendlichen in noch cooleren Postpunk-, New-Barbarian- und New-Wave-Klamotten dominierten urbanen Apokalypse treffend kommentierte. Der Zahn der Zeit hat also naturgemäß seine Spuren an Mark L. Lesters Film hinterlassen, aber das macht nichts, ist schließlich Teil des Spiels, wenn man solche mit einem selbst verwachsene Schätze aus der Versenkung hebt. Und mit den aktuellen Genrevertretern vorm geistigen Auge, die Vision, Commitment und Einfallsreichtum oft durch vordergründige Perfektion ersetzen, kickt CLASS OF 1999 doppelt so hart: Was hier an Stunts, Explosionen und Zerstörung aufgefahren wird, spottet jeder Beschreibung. Heutzutage lassen Filmemacher die Festplatten und Prozessoren ihrer Rechner rauchen, früher haben Leute wie Lester Autos angezündet und Häuser gesprengt, wenn sie Qualm haben wollten. Recht so!

So ist CLASS OF 1999 dann auch nicht unbedingt ein Film für Feingeister – noch weniger als der nominelle Vorgänger, Lesters visionärer CLASS OF 1984, der sich des Themas „Gewalt an Schulen“ angenommen und es mit dem seit Winners DEATH WISH etablierten Selbstjustizfilm kurzgeschlossen hatte und selbst schon nichts für zarte Gemüter gewesen war. Der Realitätsbezug, den jener noch hatte, wird hier weitestgehend zugunsten eines wilden, deutlich an Verhoevens ROBOCOP angelehnten Science-Fiction-Szenarios verworfen, das zwar dystopische und also halbwegs auf realen Verhältnissen gründende Züge trägt, aber in erster Linie Anlass für krachendes Spektakel bietet. Vor allem am Schluss, wenn die Cyborglehrer ihre fleischlichen Hüllen fallen lassen und sich ganz unverhohlen als Mordmaschinen mit individueller Bewaffnung (Flammenwerfer, Raketenwerfer, Stahlkralle und Schlagbohrer) präsentieren, schlägt das Herz des Exploitationfreundes einen Salto in der Brust. Doch die schönste und hintersinnigste Szene des Films ist ohne Zweifel die, in der John P. Ryans gestrenger Geschichtslehrer (immer stilecht in Sakko und Cordhose) zwei Bandenmitglieder zur Räson bringt, indem er sie vor versammelter Klasse kurzentschlossen über Knie legt und ihnen ordentlich den Arsch versohlt. Das ist so wunderbar oldschool wie Lesters Film im Jahre des Herrn 2011.

Seit Sheriff Hall (Bud Spencer) den kleinen Außerirdischen H7-25 (Cary Guffey) bei sich aufgenommen hat, befindet er sich auf der Flucht vor dem Militär, das den Kleinen für Experimente haben will. Auf ihrer Reise durch die USA gelangen die beiden ungleichen Flüchtlinge schließlich in das Städtchen Monroe, das dringend einen neuen Sheriff braucht, um dem grassierenden Verbrechen Einhalt zu gebieten. Hall ist genau der Richtige für den Job, doch die Probleme werden größer, als feindliche Außerirdische landen …

Das Sequel zu DER GROSSE MIT SEINEM AUSSERIRDISCHEN KLEINEN stellt zwar inhaltlich eine logische Fortführung der begonnenen Geschichte dar, kann qualitativ aber nicht an den Vorgänger anschließen. Die Geschichte schleppt sich müde und nur wenig zielstrebig voran und der Niedlichkeitsbonus, den man Lupos erstem Teil noch zugestehen musste, ist verbraucht, ohne dass der Verlust adäquat ausgeglichen würde. Ein paar Details sind dennoch nett und seien hier erwähnt, um meinen Text auf eine einem Spencer-Fan angemessene Länge zu bringen (ich könnte wohl selbst zu SUPERFANTAGENIO seitenweise schwafeln).

Besonders beeindruckt hat mich ein weiteres Beispiel für die infantile Logik, der so viele Filme um Bud Spencer und/oder Terence Hill folgen. Als der kleine H7-25 mit seiner Basketball-Schulmannschaft gegen die Konkurrenz antritt, wird aus dem Nachbarschaftsduell via Tonspur – der Radiomoderator des Monroer Radiosenders kommentiert das Spiel aus dem Off – just in dem Moment das entscheidende Spiel um die Meisterschaft, als der Außeriridsche – obwohl eben erst in der Stadt angekommen bereits Kapitän seines Teams – den Siegpunkt erzielt. Ungereimtheiten wie diese lassen für mich den geradezu selbstvergessenen Enthusiasmus erkennen, mit dem diese Filme gemacht wurden: Was gefällt, wird ins Drehbuch aufgenommen, egal, ob es dem bis zu diesem Zeitpunkt bereits Geschriebenen widerspricht. Man sieht die Autoren beim Brainstormen förmlich vor sich: „Ja, und dann gibt es da ein Basketballspiel …“ „Ja, genau und H7-25 verhindert mit seinen Kräften einen Korb der Gegner!“ „Sehr gut, sehr gut, das gefällt mir. Und dann nimmt er den Ball …“ „Er sollte außerdem Kapitän der Mannschaft sein!“ „Jajaja, exakt, aber warte … Er nimmt also den Ball und dribbelt … Es sind nur noch ein paar Sekunden zu spielen … Und er macht den Siegpunkt!“ „Volltreffer! Aber weißt du was: Damit wird die Mannschaft Meister!“ „Du bist ein Genie! Wo nimmst du nur diese Ideen her? Hast du alles aufgeschrieben?“ „Na klar!“ „OK, weiter im Text!“ Genau so spielen Kinder. 

Hübsch ist auch das Ende, natürlich eine Keilerei: Hall gerät scheinbar in den Bann der Außerirdischen, wird von diesen ferngesteuert und in ihr Raumschiff geführt, wo sich aber herausstellt, dass er sie nur getäuscht hat. Seine Hiebe auf die armen außeriridischen Leiber – die interessanterweise mit Elektronik vollgestopft und also eigentlich genau genommen Cyborgs oder Roboter sind – lösen bei diesen pittoreske Fehlfunktionen und Störungen aus, sodass die Szenerie am Schluss von tanzenden, stotternden und sogar auf den Händen laufenden Schurken bestimmt wird. Die letzte Einstellung, die zeigt, wie Hall und H7-25 in einem kleinen Raumschiff durchs unbewegliche Weltall schweben, ist einfach nur herrlich in ihrer Fadenscheinigkeit und macht es mir schwer zu sagen, dass man diesen Film eigentlich nur als Komplettist sehen muss. Aber auch aus der Perspektive des Liebenden: eher schwach.

2018: John Connor (Christian Bale) kämpft mit der Resistance verzweifelt gegen die Maschinenherrschaft des Konzerns Skynet, als ein Unbekannter namens Marcus Wright (Sam Worthington) bei ihnen eintrifft und berichtet, dass der zivile Widerstandskämpfer Kyle Reese (Anton Yelchin) in die Hände der Mschinen gefallen ist. Das ist überaus dramatisch, denn die Zukunft hängt entscheidend von Kyle Reese ab: Der soll nämlich von John Connor in die Vergangenheit geschickt werden, um dort dafür sorgen, dass John überhaupt gezeugt wird. Doch als Wright sich selbst als neues Terminatormodell entpuppt – zu seiner eigenen Überraschung -, steht Connor vor der Frage, ob er in eine Falle tappt, wenn er versucht, Kyle zu befreien … 

Ich hatte im Vorfeld – und nachdem, was ich gelesen hatte – arge Bedenken, ob der vierte Teil der TERMINATOR-Reihe mir gefallen würde. Mc Gs CHARLIE’S ANGELS habe ich damals als absolute Katastrophe empfunden, als Paradebeispiel für das, was ich am zeitgenössischen Videoclip-Film hassenswert finde, und weil noch nicht einmal dessen Actionsequenzen zu ertragen waren, standen die Vorzeichen für einen Actionfilm unter seiner Regie doch ziemlich schlecht. Nach der Sichtung muss ich zwar einräumen, dass er sich sehr achtbar aus der Affäre gezogen hat und ein gutes, sehenswertes Sequel vorgelegt hat, doch so richtig warm geworden bin ich nicht mit dem Film. Es fällt mir schwer, überhaupt eine Meinung zu formulieren, was eher ungewöhnlich ist: Klar, gibt es immer mal Filme, die man sacken lassen muss, bevor man etwas über sie sagen kann, aber ob einem eine Film nun gefallen hat oder eher nicht, ist ja nicht unbedingt eine Frage der Reflexion, sondern eine eines sich meist unmittelbar einstellenden Gefühls. Und dieses Gefühl – ganz egal ob es mir nun sagt „Toll!“ oder auch „Mist!“ – habe ich bei TERMINATOR SALVATION einfach vermisst. Nun zeichnete sich ja die ganze Reihe bislang durch einen kalt-zynischen Ton aus, war demzufolge nichts, was man im eigentlichen Wortsinn „liebhaben“ konnte. Selbst der familienfreundliche zweite Teil hatte in der abgehärmten Sarah Connor eine Figur, deren Fundamentalismus dem Zuschauer ziemlich auf den Magen schlagen musste, und Mc Gs Film setzt da nahtlos an.

Der strahlende Held John Connor wird von einem mit „unterkühlt“ noch freundlich umschriebenen Christian Bale als emotionsloser Stratege gegeben, den der jahrelange, ausweglose Kampf gegen einen überlegenen Gegner in einer postapokalyptischen Welt innerlich komplett ausgehöhlt hat, der eigentliche Protagonist des Films ist eine Maschine, deren überwiegend positiven Charaktereigenschaften wiederum nur zur Tarnung dienen und  das eigentlich Teuflische an ihr sind, und das Finale schlägt zwar eine menschliche Note an, perpetuiert aber letztlich nur den Status quo, an dem der Film zuvor schon angesetzt hatte. Und die formale Gestaltung passt sich dieser Tristesse mit der gewohnt ausgeblichenen Farbgebung, dem originellen Sounddesign, mit den im Gegensatz zum sonst sehr gleichförmig gehandhabten Actionfilm-Sound eher gedrosselten, authentisch wirkenden Maschinengeräuschen, und den zwar spektakulären, aber nur wenig euphorischen Actionsequenzen an. TERMINATOR SALVATION kennt keinerlei emotionalen Höhen und Tiefen, ist vielmehr von einer durchgehend gedrückten Stimmung, die dem Stoff zwar angemessen ist,  bei mir aber eben auch dazu geführt hat, dass ich dem Film in einem Zustand regungslosen Interesses gefolgt bin. Das Hauptproblem sehe ich aber eher auf der inhaltlichen Seite: Zwar darf man die Entscheidung begrüßen, dass die Reihe sich nach drei in der Gegenwart spielenden Filmen endlich der Figur des erwachsenen John Connor zuwendet, von dem man bis dato so viel gehört, aber nur wenig gesehen hat, und auch, dass sich Mc G in der Zeichnung dieser Zukunft nicht an Camerons Bildern orientiert, sondern eher an dem Endzeit-Look,  der sich in den letzten Jahren in Hollywood offensichtlich etabliert hat, ist zu verschmerzen. Problematischer scheint mir hingegen die Einführung einer komplett neuen Figur, die in der bislang bereits vollständig etablierten Mythologie wie ein Fremdkörper wirkt. Weil die TERMINATOR-Reihe durch ihre zahlreichen Zeitreise-Paradoxien und die daraus folgende vollständige reziproke Bedingung von Vergangenheit und Zukunft beinahe hermetisch abgeriegelt ist, gibt es ja eigentlich nur noch eine wirklich nachhaltige Geschichte zu erzählen: die vom Sieg oder der Niederlage der Menschen. Dummerweise ist dies auch die einzige, die Hollywood mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals erzählen wird, weil sie damit ein ertragreiches Franchise aufgeben würden. So bleibt Mc G nur, ein komplett neues Zwischenkapitel aufzuschlagen, das dem bislang bestehenden Zyklus eigentlich gar nichts hinzufügt. Um dennoch für etwas Gravitas zu sorgen, greift er zum erprobten Allheilmittel: der Jesusmetaphorik. Marcus Wright darf seine von der präapokalytischen Vergangenheit bis in die postapokalyptische Zukunft reichende Passion erleben, wird zwischendurch selbstredend gekreuzigt und bringt am Schluss das Opfer, das das zumindest vorübergehende Fortbestehen der Menschheit sichert.

Das ist alles nicht wirklich schlecht, vor allem vor dem Hintergrund deutlich mieserer Sequels, aber eben alles andere als zwingend. Im Grunde genommen krankt TEMINATOR SALVATION am EMPIRE STRIKES BACK-Syndrom: Es gibt jede Menge zu staunen und zu sehen, aber eine echte Lösung wird einem vorenthalten. Ab in die Warteschleife bis zum nächsten Sequel (in 3D vermutlich), das auch wieder nur Zwischenstation auf dem Weg zu einem nie kommenden Endpunkt sein wird. Irgendwie reizt mich das nur noch bedingt, auch wenn es hier objektiv betrachtet nur wenig zu bemängeln gibt.

cyborg soldier (john stead, usa 2008)

Veröffentlicht: September 17, 2010 in Film
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Aus einem streng geheimen Forschungslabor entflieht der Prototyp eines Cyborgs: der auf modernster Nanotechnolgie basierende, mit regenerativen Kräften ausgestattete und somit fast unaufhaltsame Isaac (Rich Franklin). Auf der Flucht vor den Häschern, die ihm der Projektverantwortliche Simon Hart (Bruce Greenwood) hinterherschickt, begegnet er der Polizistin Lindsey Reardon (Ex-BEVERLY HILLS 90210-Star Tiffani Thiessen), die in der Folge zur gefährlichen Mitwisserin wird und somit ebenfalls auf der Abschussliste Harts landet …

Über das Menschmaschinen-Motiv, dessen sich vor allem der Actionfilm in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder angenommen hat, habe ich hier zuletzt häufiger geschrieben, etwa anlässlich des herausragenden UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION. CYBORG SOLDIER könnte man als Ausarbeitung von dessen Andrew-Scott-Charakter beschreiben, der von Dolph Lundgren als ein von geradezu Hamlet’schem Zweifel geplagter Cyborg interpretiert wird. Isaac wird vom letzten Rest Menschlichkeit, von dem seine Erfinder eigentlich dachten, er sei restlos ausgemerzt, von der widerspruchslosen Erfüllung seiner Pflicht, für die er programmiert ist, abgehalten. Er, der doch eigentlich nur funktionieren soll, spürt da etwas in sich, dass er sich nicht erklären kann, das sich aber mit äußerster Dringlichkeit bemerkbar macht: Diesem Gefühl kann und darf er sich nicht widersetzen. Wie auch in Verhoevens ROBOCOP dringen übrig gebliebene Erinnerungssplitter an die Oberfläche seines Bewusstseins, suggerieren ihm, dass sein Selbst mehr ist, als die Aufgabe, die er zu erfüllen hat, ja, sich geradezu in Widerspruch zu dieser befindet. Seine folgende Flucht ist eine Suche nach der Identität und was sie erschwert, ist die Tatsache, dass er nicht weiß, was er da eigentlich sucht. (Wie jemand, der keine Sprache hat.) Mehr als ein reiner Actionfilm ist CYBORG SOLDIER ein Drama, dessen Protagonisten jedoch  typische Actionfilm-Figuren sind, und in seiner Reduktion auf drei Hauptfiguren und ein winterlich-karges Setting hat er etwas geradezu Parabelhaftes. Der existenzielle Konflikt, in dem sich sein Held befindet, wird kaum noch mit Science-Fiction-Zierrat oder Actionsequenzen überladen, sondern in glasklare Bilder des Todes, der Trauer und der Hoffnungslosigkeit gebracht. Rich Franklin ist als Isaac zwar nicht der paranoid android aus Douglas Adams „Hitchhiker’s Guide to Galaxy“, aber zumindest der depressive Cyborg, der von einem Gefühl der Ohnmacht gelähmt wird, die er nicht versteht. Man muss Mitleid mit ihm haben. Ein deutliches FRANKENSTEIN-Zitat (das Monster und das Mädchen) mag zunächst noch Suspense erzeugen, doch diese Killermaschine ist schon längst einen Schritt weiter als Karloffs Monster. Sie hat gelernt, sich der Programmierung zu widersetzen, zu zweifeln. Das ist dann auch das Heldenhafte an ihm: dass er gegen die eigene Bestimmung handelt. Hier haben wir sie, die Chance für den Helden im Essenzialismus, vor der Lam in REPLICANT noch zurückschreckte. Ein normales Leben ist für ihn zwar nicht mehr möglich, aber Erlösung findet er dann doch. Er muss sich keine Sorgen darüber machen, wie Devereaux in UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION noch einmal reaktiviert zu werden.

Ein im besten Sinne kleiner Film, der eine ganz große Überraschung darstellt. Wunderschön und einzigartig.

Nach den Ereignissen von CYBER TRACKER: Eric (Don „The Dragon“ Wilson) arbeitet nach wie vor für den Secret Service und sein neuester Kollegen ist ein Tracker (Jim Maniaci), die sich offenbar trotz allen Protests als Ordnungshüter etabliert haben. Auch Erics Frau, die Fernsehreporterin Connie (Stacie Foster), darf ihren Job weiter ausüben, obwohl sie doch zuvor nebenbei für die radikale Terrororganisation U.H.R. (Union for Human Rights) tätig war: Dass ihre Organisation eine groß angelegte Verschwörung aufgedeckt hat, hat sie rehabilitiert. Doch damit scheint es schon wieder vorbei, als sie vor laufenden Kameras einen Gouverneur erschießt, sehr zum Entsetzen auch ihres Gatten. Es stellt sich aber „zum Glück“ heraus, dass der Mord auf das Konto eines Trackers mit Connies Antlitz geht, den der fiese Damien Rhodes (Steven Rowe) eingesetzt hat, um sich die für seine Pläne potenziell gefährliche Frau vom Hals zu schaffen. Und er hat auch noch einen Cyborg mit Erics Gesicht auf Lager …

Wer hätte das für möglich gehalten: CYBER TRACKER 2 ist nach dem doch eher drögen Vorgänger schon fast als qualitativer Quantensprung zu bezeichnen. Der Film legt hinsichtlich seiner Actionszenen eine ganze Schippe drauf, schon in der temporeichen Eingangssequenz geht mehr kaputt als in den 90 Minuten des ersten Teils zusammen, und im zuverlässigen Fünf-Minuten-Rhythmus fliegt etwas erst in und danach durch die Luft, rollen tosende Flammen über den Bildschirm, werden Autos geschrottet, Menschen und Menschmaschinen effektvoll erschossen. Zudem bietet Pepins Fortsetzung eine zumindest etwas breiter angelegte emotionale Palette, ergeht sich nicht ausschließlich in dystopischer, stahlblau gefärbter Tristesse, sondern erlaubt seinen Protagonisten auch mal ein Lächeln. Ein paar miese visuelle Effekte konnte sich Pepin zwar auch diesmal nicht verkneifen, doch ist dafür der ganze Rest aufwändiger geraten – oder sieht zumindest so aus. So weit, so gut. Trotzdem können diese positiven Eigenschaften nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass die Story etwas sehr um des Sequels willen konstruiert ist: Dass die Cybertracker (die jetzt also nicht mehr Coretracker wie noch im Vorgänger heißen) zum festen Bestandteil des amerikanischen Rechtssystems geworden sind, scheint nach den Ereignissen des ersten Teils eher unglaubwürdig. Nicht nur, dass sie schon dort niemand wirklich haben wollte, sie stellten sich ja auch noch als Erfindung eines Irren mit Weltbeherrschungsplänen heraus. Man sollte meinen, dass der Plan einer Computerexekutive nach solchen Erfahrungen erst einmal wieder vertagt worden wäre, zumal die Welt in CYBER TRACKER 2 insgesamt um Einiges freundlicher aussieht als noch zuvor. (Misstrauische und kritische Gemüter könnten aber mit einigem Recht vermuten, dass die geradezu klinisch sauber anmutenden gläsernen Bürotürme, die die Kulisse so vieler PM-Filme sind, nur täuschende Fassade sind, hinter der es gewaltig brodelt.) Aber vielleicht ist das ja auch gerade den Trackern zu verdanken, die am Ende sogar in der Lage sind, von ihren einprogrammierten Grundsätzen abzuweichen und menschliche Gefühle (ein Lächeln!) zu zeigen. Man könnte auch sagen, dass sich CYBER TRACKER 2 zum Vorgänger verhält wie Camerons T2: JUDGMENT DAY zu dessen erstem Teil: Die einstige Mordmaschine hat eine Lektion in Humanismus gelernt, zum Ausgleich muss da natürlich eine neue, noch effizientere Maschine her.

Vielleicht war es auch nur äußeren Umständen geschuldet, dass ich CYBER TRACKER 2 – aller Verbesserungen zum Trotz – über die gesamte Spielzeit als sprichwörtlich ermüdend empfunden habe. Neben den genannten, eigentlich verzeihbaren Mängeln scheint mir das Hauptproblem beider Filme in der Besetzung der Hauptfigur zu liegen: Wilson ist kein wirklich schlechter Actiondarsteller – hier hat er den geleckten Kurzhaarlook des ersten Teils zugunsten eines Desperado-Typs mit langen Haaren und Staubmantel abgelegt -, aber es gelingt ihm einfach nicht, bei mir Sympathie oder auch nur Empathie zu evozieren, wie das etwa Gary Daniels mit seiner Kartoffelnase durchaus schafft. Wilson wirkt selbst dann noch seltsam unbeteiligt, wenn um ihn herum alles in Flammen aufgeht. Egal. Wer Lust auf eine amtliche Zerstörungsorgie aus dem Hause PM Entertainment hat, fährt mit CYBER TRACKER 2 definitiv besser als mit dem ersten Teil, den es jedoch braucht, um den Einstieg zu finden. Wählerische Menschen finden aber zahlreiche bessere Filme, die unter der Ägide von Pepin und Merhi entstanden sind. Auch wenn in denen nicht Apollo Creeds Trainer Tony Burton mitspielt.

In nicht allzu ferner Zukunft: Das Rechtssystem der USA wird durch die Firma Cybercore, die unter der Schirmherrschaft von Senator Dilly (John Aprea) steht, komplett computerisiert, für die sprichwörtliche Exekutive sind keine Polizisten, sondern so genannte CoreTracker (Jim Maniaci) zuständig, nahezu unverwundbare und zum Töten programmierte Androiden. Als der neu im Dienst Dillys stehende Secret-Service-Agent Eric Phillips (Don „The Dragon“ Wilson) erfährt, wie Dilly mit seinen zahlreichen Kritikern umgeht, nimmt er kurzerhand Reißaus und steht fortan sowohl auf der Abschussliste von Secret-Service-Chef Ross (Richard Norton mit seinem putzigen Aussie-Akzent) als auch der CoreTracker. Auf der Flucht wird Phillips von einer radikalen Menschenrechtsorganisation aufgegriffen, die sich von ihm wertvolle Hilfe im Kampf gegen Dilly und Cybercore erhofft …

Nach meinen Lobeshymnen über die Filme von PM Entertainment musste zwangsläufig mal ein schwächerer Film der Firma des Weges kommen: Hallo CYBER TRACKER, setz dich hin und nimm dir ’nen Keks, ich rede gerade über dich. Die Frage nach den moralisch-philosophischen Implikationen einer automatisierten Rechtsprechung, wie sie etwa ROBOCOP oder MINORITY REPORT stellen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen, bietet eigentlich genug Stoff auch noch für den xten Film, der sich ihr annimmt. Leider jedoch dient sie Pepin – der mir gegenüber seinem Spezi Merhi der deutlich schlechtere Regisseur zu sein scheint – nur als relativ willkürliche Prämisse für Science-Action von der Stange. Die Problematik wird in einer Szene zu Beginn, in der sich der Senator einer kritischen Menge aus Demonstranten und Reportern stellt, grob umrissen (sein schönstes Argument pro Computerexekutoren: endlich würden keine Polizisten mehr in Ausübung ihrer Pflicht erschossen), um danach zugunsten eines etwas faden und unterentwickelten Cyborg-on-the-loose-jagt-einen-Unschuldigen in den Hintergrund zu treten. Hinter Cybercore stecken letztendlich keine politischen Hardliner, die für eine Zero-Tolerance-Politik eintreten, sondern ein diabolischer Mad Scientist, der die als minderwertig empfundene Menschheit komplett durch bessere Maschinen ersetzen möchte. Es ist klar, dass Differenzierungen da auf der Strecke bleiben müssen.

So richtet Pepin sein Augenmerk auf das, wofür PM Entertainment in erster Linie steht: dicke Explosionen und Feuerstunts, zerstörungswütige Autocrashes, Martial-Arts-Fights und Schießereien sowie ein paar nur wenig überzeugende visuelle Effekte. Gegenüber Filmen wie RIOT, RAGE oder T-FORCE kommt CYBER TRACKER aber auch in dieser Hinsicht nicht über unteren Durchschnitt hinaus, was nicht zuletzt darin begründet ist, dass der ganze Film einen etwas schlampigen und hingeworfenen Eindruck macht. Vor allem mit der inneren Logik und Kohärenz hapert es: Da wird einmal behauptet, der CoreTracker sei aus einem völlig neuartigen, physikalischen Gesetzen trotzenden Material gefertigt, dass quasi immateriell ist und somit nicht beschädigt werden kann, nur um dann wenig später zu zeigen, wie Phillips dem Androiden einen Arm abschießt. Und sieht man zu Beginn in einer Subjektiven, dass der CoreTracker mit einer Zielautomatik ausgestattet ist, die absolute Treffsicherheit gewährleistet, ist er bei einem späteren Schusswechsel in einem mit Personen geradezu vollgestopften Raum, in dem selbst ein Blinder nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung mal einen Glückstreffer landen müsste, nicht in der Lage, einen seiner Gegner auch nur zu verwunden. Ganz ohne Meriten ist CYBER TRACKER trotzdem nicht: Der Film ist durchaus kurzweilig, hat hier und da seine Momente – etwa in einem selbstmörderischen Feuerstunt am Ende -, das Finale macht Einiges wieder gut, was vorher verbockt wurde, und Filtereinsatz und die Ausleuchtung mit einem eisigen Blau sind teilweise so exzessiv, dass sie fast zu einer Disintegration der Oberflächenstruktur des Bildes führen: Manchmal weiß man nicht mehr, ob man da einen Spiel- oder einen Zeichentrickfilm vor sich hat. Überdies fällt CYBER TRACKER durch die völlige Abwesenheit jeglichen auflockernden Humors auf: Der ganze Film ist von einer verbissenen Ernsthaftigkeit geprägt, die im harten Kontrast zu seinem infantilen Inhalt steht.

Terroristen verschaffen sich Zugang zum Kernkraftwerk von Tschernobyl und drohen damit, die Reaktoren zu sprengen, sollte der russische Präsident ihrer Forderung, politische Gefangene zu befreien, nicht Folge leisten. Die Situation wird dadurch noch verschärft, dass die Terroristen im Besitz eines NGU sind: eines mit neuesten wissenschaftlichen Mitteln hochgezüchteten Supersoldaten (Andrei „The Pitbull“ Arlovski). Als sämtliche auf das besetzte Gelände eingeschleusten Einsatzkräfte – darunter auch einige NGUs – dieser Kampfmaschine zum Opfer gefallen sind, gibt es nur noch eine Hoffnung: den Einsatz des NGU-Prototypen Luc Devereaux (Jean-Claude van Damme). Doch der befindet sich eigentlich mitten in einer Therapie, die ihn wieder zu einem „normalen“ Mitglied der Gesellschaft machen soll …  

Das Cyborg-/Maschinenmensch-Motiv, das sich bis in Stummfilmtage zurückverfolgen lässt (DER GOLEM von Carl Boese und Paul Wegener aus dem Jahr 1920) und auch in den berühmten FRANKENSTEIN-Filmen der Universal aus den Dreißigerjahren aufgegriffen wird, dreht sich im Kern nicht so sehr um die Frage, ob sich menschliches Leben künstlich erzeugen lässt, denn die wird von den Filmen ziemlich eindeutig mit „Ja“ beantwortet. An diese Erkenntnis knüpfen sich vielmehr weiterführende und dringlichere Fragen: Was ist die Essenz von Menschlichkeit? Was zeichnet den Menschen aus, wenn auch eine Maschine menschlich sein kann? John Hyams – Sohn des Regieroutiniers Peter Hyams, der den Film seines Sohnes mit seiner grandiosen Kameraarbeit veredelt – liefert im zweiten Sequel der UNIVERSAL SOLDIER-Reihe zwar keine wesentlich neuen Antworten auf diese Fragen, aber er liefert durch die Überkreuzung des Menschmaschinen-Motivs mit dem in den letzten Jahren im Actionfilm neu etablierten (und durch das Altern seiner Darsteller begünstigten) Thema des Alterns des Helden neue Impulse hinsichtlich einer Typisierung des Actionhelden. UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION ist auf den ersten Blick zunächst einmal ein unglaublich düsterer und trostloser Film: Das Tschernobyl-Setting – das Realität gewordene postnukleare, posthumanistische wasteland – wird in ein stählern-kaltes Blaugrau getaucht, das nur durch ein infernalisch loderndes Flammengelb in den Reaktorraum-Szenen „aufgelockert“ wird, dazu wummert ein technoid-synthetischer Score. Und als human factor in einem Film, der ausschließlich von Soldaten, Terroristen, kühl kalkulierenden Politikern, größenwahnsinnigen Wissenschaftlern und deren Zombiesoldaten bevölkert scheint, wird dem Zuschauer mit Luc Devereaux ein Mann serviert, dessen Restmenschlichkeit nicht ausreicht, um ihn als Mensch leben zu lassen. Sein Blick ist erloschen, seine Gesichtszüge eingefallen, jegliche Fähigkeit, Emotionen zu empfinden, ist ihm abhanden gekommen, erinnern kann er sich an fast nichts. Nur ein Instinkt ist ihm geblieben: der Instinkt zu kämpfen, zu töten, zu überleben. Und der soll nun durch eine Therapie unterdrückt werden. 

Es gibt eine erschütternde Szene, in der Devereaux mit seiner Therapeutin in einer Bar sitzt, misstrauisch einen Mann beäugt, der den Raum betritt, völlig unvermittelt aufspringt und wie ein Berserker auf diesen einzudreschen beginnt. Nur das Eingreifen der Therapeutin verhindert, dass Devereaux zum Mörder an einem vollkommen Unschuldigen wird. Die Szene endet damit, dass die Therapeutin Devereaux hinausführt, der Mann wird keine weitere Rolle mehr spielen. Man kann den ganzen Film durchaus als humanistischen Kommentar verstehen, als krasse Verbildlichung der verheerenden psychischen Schäden, die Soldaten in Kriegseinsätzen erleiden, aber mehr Durchschlagskraft erhält UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION, wenn man ihn als Kommentar zum Status quo des Actionhelden liest. Die tapferen Krieger für die gute Sache stehen plötzlich in einem anderen Licht da, wenn man sie mit Devereaux abgleicht – oder auch mit Scott (Dolph Lundgren), dem anderen NGU: Dessen unwillkürliche auftretenden Impulse zur Kontemplation und Reflexion werden immer wieder durch die Eingriffe seines Schöpfers unterbunden, dem sie schlicht unwillkommen sind; als Kriegsmaschine habe Scott gefälligst bedingungslos zu funktionieren. Die Forderung, seine Menschlichkeit zu vergessen, die Trautman – ganz väterlicher Freund – mit seiner „full circle“-Frage an Rambo richtet (siehe auch meine Texte zu RAMBO und THE ROOKIE), findet in UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION Widerhall in den Worten des Wissenschaftlers, der Devereauxs Regenerationsprozess mit einer Spritze unterbindet: „I can make you whole again.“ Ganz, eins, das ist Devereaux nach dem Verständnis des Wissenschaftlers dann, wenn dieser seine Zweifel vergisst und sich ganz seiner von außen auferlegten Bestimmung unterwirft, seine Funktion erfüllt, ohne sie weiter zu hinterfragen. So betrachtet sind die Actionhelden plötzlich traurige, unterjochte Geschöpfe (Frankensteins Monster nicht unähnlich – ich habe diesen Vergleich schon einmal gezogen), seelische Krüppel, für die es keine Erlösung jenseits des Todes mehr geben kann.

Was UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION aber über den resignativen Nihilismus hinausführt, ist dieser Funken Hoffnung, der in Form des nicht unterzukriegenden Drangs der Menschlichkeit, sich gegen äußere Zwänge zu behaupten, in Devereaux und Scott am Leben bleibt und Hyams Film davor bewahrt, zum allzu tristen Memento mori zu werden. Es ist das Ringen um ihre Restmenschlichkeit, das Devereaux und Scott inmitten einer Welt, die Menschlichkeit nur noch als Schwäche begreift und sie deshalb mit allen Mitteln abzutöten gedenkt, zu Sympathieträgern macht und den Blick in die Zukunft eröffnet. Ein wahrhaft großer Film: Und eine Actiongranate vor dem Herrn überdies.

Die beiden Cops des DEA Jack (David Bradley) und Philip (Todd Jensen) – ersterer ein ewig verschwitzt glänzender Vollprolet, der mit Jeans, Cowboystiefel, Lederjacke und Muskelshirt auf die Welt gekommen zu sein scheint, letzterer der bepopperscheitelte Bruder Jacks, Typ: „Im Windschatten meines stärkeren Bruders kann ich mir alles erlauben.“ – werden aufgrund ihrer ruppigen Arbeitsweise die „Double-Trouble-Cops“ genannt. Vielleicht aber auch nur, weil sie beide zusammen mit ihren aus dem Spielzeugladen geklauten Schirmkäppis so aussehen, als könnten sie jede Schwulenbar zum Überkochen bringen. Jedenfalls erledigen beide gemeinsam in den ersten drei Minuten gleich mal einen Psychopathen, der sich jedoch als Sohn einer berühmten Publizistin entpuppt, was den beiden ungeliebten Cops die sofortige Suspendierung einbringt. Und einer blonden Journalistin, die mit ihrem gesamten Fernsehteam noch vor dem Rettungswagen am Tatort ist, eine fette Story. Wir werden ihr später wiederbegegnen: Das ist kein Versprechen, sondern eine Drohung.

Weil Jack aber einen schicken ledernen Bauchbeutel hat, den er nie ablegt, und Philip ein grienendes Balg, macht ihnen die Arbeitslosigkeit nichts weiter aus. Lieber erstmal Billard spielen gehen, wie Kerls das nunmal machen, wenn sich ein stressiger Tag dem Ende zuneigt. Um sich selbst geil zu finden, braucht man eben keinen Job. Zumal Zappel-Philip, ewig auf der Suche nach Action, gleich das nächste heiße Eisen im Feuer hat (niemand verlangt schließlich so sehr nach sofortiger Wiedereinstellung wie ein Cop, der wegen ständiger Disziplinlosigkeit gefeuert worden ist): Auf irgendeiner mittelamerikanischen Insel sitzt der Drogenzar Kessel (John Rhys-Davies), der förmlich danach schreit, von einer Eliteeinheit voller nach Gewalt lechzender Herrenmenschen den Arsch versohlt zu bekommen. Jack hat aber leider erstmal keine Lust mehr, Menschen umzubringen, und sagt Philip ab. Der ist allein natürlich nur die Hälfte wert und fällt dann vor Ort auch Kessels neuer Erfindung zum Opfer: einem Cyborg.

Weil Philip aber ein schlaues Kerlchen ist, hat er – wissend, dass er in einem Film wie CYBORG COP neben dem feschen David Bradley dazu verdammt ist, nur die zweite Geige zu spielen – seinem Bruder schon vorab eine Nachricht hinterlegt, in der er ihn zu Hilfe ruft. Mangelndes Selbstvertrauen ist Philip anscheinend weniger fremd als ein guter Friseur. Jack macht sich sogleich auf den Weg in die Bananenrepublik, wo er – ebenfalls ein Plotstandard – schon am Flughafen der zickigen Reporterin vom Beginn des Films wiederbegegnet und fortan mit ihr verbale Nettigkeiten austauscht, die an misslungene Kindergeburtstage erinnern. Der geübte Seher solcher C-Actioner weiß jedoch: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das blonde Dummchen der todsicheren Mischung aus öligen Muckis, nichtvorhandenem Charme und fehlender sozialer Kompetenz erliegt und sich zu luriger Saxophonmusik auf den Rücken dreht. Und weil CYBORG COP nicht gerade ein Film ist, der mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer zu spielen wüsste, passiert genau das. Endlich nackte Brüste, mag der Leser sagen, aber leider trübt die Anwesenheit Bradleys das potenzielle Vergnügen ganz erheblich. Nein, es macht definitiv keinen Spaß, ihm beim Liebesspiel zuzusehen, man fühlt sich schmutzig, benutzt und möchte ein Frauenhaus gründen. Der zickigen Reporterin gönnt man zwar so Einiges, aber das geht dann doch zu weit.

Weil Firstenbergs Film nur knappe 90 Minuten lang ist, aber schon 50 Minuten für Exposition und das merkwürdige Balzverhalten minderbemittelter Actionfilmprotagonisten draufgegangen sind, geht am Ende alles ganz schnell. Für den Showdown schnappt sich Jack eine dicke Wumme und Granaten, klemmt sich ein Motorrad zwischen die aufgepumpten Schenkel und fährt los, dem Kessel den Dampf abzulassen. Der wohnt in einem Camp das draußen wie Ewok-Village aussieht und drinnen so, wie Labors, in denen Actionschurken mit ihren weißbekittelten Wissenschaftlerschergen Cyborgs bauen, nun einmal aussehen. Überall kleben sinnlose Bildschirme an der Wand, irgendwo steht eine gläserne Litfasssäule mit Cyborg drin herum und selbstverständlich gibt es auch Stahltreppen und -balustraden, von denen Bösewichter herunterfallen können.

Philip, mittlerweile auch ein Cyborg, erkennt natürlich seinen Bruder Jack und weigert sich, den tödlichen Befehl auszuführen, wendet sich statddessen gegen seinen Schöpfer und stirbt im Kampf gegen den Obercyborgmops. Kurz zuvor hatte Jack dieses Wunderwerk überlegener Technik – Preis zzgl. Mehrwertsteuer: 10 Millionen Dollar – noch mit einem popeligen Kurzschluss zerstören können, was Kessels Wissenschaftlern eine stressige Nachtschicht eingebracht hatte. Gut Ding will Weile haben, einen Cyborg kloppt man aber schonmal schneller zusammen, wenn sich David Bradley zum Kuchenessen angekündigt hat. Es ist also nur konsequent, dass Jack dem Cyborg-Provisorium zur Strafe mit seinem Mokick den Kopf abfährt, in einem Finalkampf, der mit das traurigste ist, was ich je in einem Actionfilm zu sehen bekommen habe. Die letzte Einstellung zeigt, wie Jack mit seiner Reporterfreundin das Balg vom Philip abholt. Zur Feier des Tages hat sich Jack dafür extra aus seinen verschwitzten Rockerklamotten gepellt und ein todschickes weißes Sakko übergeworfen, in dessen Kragen ihn bestimmt noch das Preisschild kratzt. Aber das wirft einen Kerl wie Jack natürlich nicht aus der Bahn.