Mit ‘Daniel Roebuck’ getaggte Beiträge

dudes-poster-1Schade, ich hatte so eine tolle Theorie, warum DUDES ein so seltsamer Film geworden ist, aber leider ist sie schon nach kurzer Prüfung der Faktenlage nicht mehr haltbar. Für mich schien er die Probleme widerzuspiegeln, mit denen eine ambitionierte Regisseurin unweigerlich konfrontiert wird, wenn sie nach einigen ambitionierten, dem Indie-Bereich zuzuordnenden Milieustudien (THE DECLINE OF THE WESTERN CIVILIZATION, SUBURBIA) versucht, einen eher dem Mainstream zuzuordnenden Film zu drehen. Es schlagen zwei Herzen in der Brust von DUDES, aber leider nie wirklich im Einklang. Spheeris zeichnet auf der einen Seite ein im Geiste ihrer Frühwerke stehendes, trostloses Bild der Jugend in den USA der Achtzigerjahre, auf der anderen Seite soll sie dieses Bild aber in eine muntere Teenie-Komödie überführen. Beides geht nicht recht zusammen, was den Film aber auch wieder außergewöhnlich und somit interessant macht. Leider musste ich nach dem Blick auf Spheeris‘ Filmografie feststellen, dass sie vor DUDES bereits mit ihrem finsteren Jugend-Psychothriller THE BOYS NEXT DOOR sowie HOLLYWOOD VICE SQUAD, einer weiblichen Variante von Schraders HARDCORE, Erfahrungen mit publikumsträchtigeren Stoffen gesammelt hatte, sodass sich mein Verdacht einer unguten Produzentenintervention eher nicht bestätigen lässt. Vielleicht geht es also ganz allein auf ihre Kappe, dass DUDES so „entglitten“ wirkt. In ihrer Filmografie spielt er kaum eine Rolle, auf eine DVD-Auswertung wartet er bis heute. Noch nicht einmal einen kleinen Kultstatus darf er für sich in Anspruch nehmen, was auch ein bisschen schade ist, denn DUDES ist schon sehr anders.

Die drei New Yorker Punks Grant (Jon Cryer), Biscuit (Daniel Roebuck) und Milo (Flea) haben von ihrer Stadt die Schnauze voll haben und entscheiden sich aus einer Sufflaune heraus dazu, nach Kalifornien zu fahren, wo das ganze Jahr über die Sonne lacht. Als sie in der Wüste Arizonas übernachten, werden sie von einer Bande aggressiver Rednecks um den fiesen Missoula (Fear-Frontmann Lee Ving) überfallen, Milo überlebt diese Konfrontation nicht. Weil die Polizei den jungen Punks nicht wirklich helfen will, begeben sie sich selbst auf die Suche nach den Tätern. Nach einer Vision Biscuits verkleiden sich die beiden als Indianer und Cowboy, und heften sich an die Fersen des Killers, den Grant schließlich in einer Schießerei niederstrecken kann.

Schon diese kurze Inhaltsangabe macht deutlich, dass DUDES entgegen seinem Titel nicht besonders komisch ist, eher deprimierend und desillusioniert, aufgelockert allerdings durch skurrile und trippige Einschübe. Die Bilder der Punks in der Kargheit der Wüste, vor dem imposanten Hintergrund des Monument Valley muten schon reichlich fremdartig an und werden von Tarantino-Stammkameramann Robert Richardson entsprechend eingefangen. Seltsame Szenen wie jene, in der die beiden Freunde bis zu den Knien in einem Fluss stehen und sich streiten, als plötzlich ein toter Hirsch vom Himmel fällt (Jäger haben ihn von einer Brücke geworfen), stehen eher gewöhnlichen Elementen gegenüber, etwa einer sich anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Grant und der allein lebenden Jessie (Catherine Mary Stewart), oder der Begegnung mit einem hilfsbereiten Elvis-Impersonator namens Daredelvis (Pete Wilcox). Wirklich merkwürdig wird der Film, als die beiden Jungs sich nach Biscuits Traum verkleiden und ihnen nach einer Pulle Selbstgebranntem ein alter Cowboy namens Witherspoon (Cal Bartlett) erscheint. Der folgende Showdown, der einen Abstieg der Protagonisten in Wahnsinn und Gewalt suggeriert, dann aber doch in ein halbherziges Happy End mündet, gibt ebenfalls Rätsel auf.

Man erkennt durchaus die Handschrift der Regisseurin, die für sich in Anspruch nehmen kann, Jugendkultur nicht nur via MTV-Schnellstudium aufgesogen zu haben. Die Protagonisten und was man von der Szene, in der sie sich bewegen, mitbekommt, wirken zu jeder Zeit authentisch, und sind nicht, wie so oft, nach den weltfremden Vorstellungen irgendwelcher Hollywood-Sesselpupser gezimmert. Gleich zu Beginn absolvieren die Vandals einen pogointensiven Auftritt, Lee Ving ist ein alter Weggefährte, der ja schon in DECLINE als Arschloch vom Dienst überzeugte, der Soundtrack selbst indessen kündigt bereits den Hairspray-Metal aus THE DECLINE OF WESTERN CIVILIZATION PART II: THE METAL YEARS an. Die Sympathien sind klar verteilt und auch, wenn nicht so ganz klar wird, was das eigentlich alles soll, kommen die USA mit ihrer Außenseitern alles andere als wohl gesonnenen Redneck-Kultur nicht gerade gut weg. Die Wandlung der Punks zu prototypischen Figuren aus der amerikanischen Geschichte scheint einen Versuch darzustellen, in der Heimat „anzukommen“. Dass ein Mord dazugehört, lässt tief blicken. Am Ende wartet nicht Kalifornien, sondern doch nur das Ende der Unschuld.

Irgendwo im diesigen Oregon: Eine Gruppe von Teenagern langweilt sich zwischen billigem Dope und Dosenbier, während die Eltern durch Abwesenheit oder Indifferenz glänzen. Als der schweigsame Samson (Daniel Roebuck) erzählt, er habe seine Freundin erwürgt, und den ungläubigen Freunden die Leiche am Fluss vorführt, meint Layne (Crispin Glover), er müssen ihn vor der Polizei beschützen. Matt (Keanu Reeves) hingegen ist skeptisch …

RIVER’S EDGE habe ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und an Details der Handlung konnte ich mich dann auch nicht mehr wirklich erinnern, aber seine bedrückende Stimmung hat sich fest in meinem Gedächtnis eingebrannt. Hunter, der später einige Folgen von TWIN PEAKS inszenieren sollte – was passt, weil die Lynch-Serie fast dieselbe Prämisse wie sein Film hat –, erzeugt diese Stimmung ausschließlich durch Erzähltempo, Dialoge, Charakterisierungen und Settings und ohne Rückgriff auf die heute so angesagten Tricks der Postproduktion, die schlechten Filmemachern als bequeme Abkürzung dienen. RIVER’S EDGE ist dann auch kein Film, der den Zuschauer überrumpelt oder mit krassen Bildern um sich wirft, sondern einer, der fast unmerklich ins Bewusstsein drängt und dort ganz langsam seine Wirkung entfaltet. Hunters Film ist wie ein herbstlicher Nieselregen: Man spürt ihn nicht direkt und es dauert eine ganze Weile, bis man durchnässt ist, aber  dann ist man bis auf die Knochen durchfeuchtet und halb erfroren.

Hunter zeigt eine vollkommen entfremdete und desorientierte Jugend, die gar nicht mehr in der Lage ist, etwas zu empfinden – und ziemlich ratlos vor dieser furchtbaren Erkentnis steht. Matt und seine Freunde wissen, dass es schrecklich ist, dass ihre Freundin tot am Flussufer liegt, sie wissen, dass sie trauern oder aber wenigstens erschrocken sein müssten, stattdessen regt sich nichts in ihnen. Layne verwandelt das Erlebnis in ein Abenteuer, wie er es aus dem Fernsehen oder Kino kennt („I feel like Chuck Norris“, sagt er einmal), und als Matt Samson schließlich anzeigt, tut er das aus rein rationalen Erwägungen, weil er weiß, dass Samson jederzeit wieder zuschlagen könnte. Wie Geister stapfen die Kids durch die trostlose Landschaft ihrer Heimat auf der Suche nach irgendetwas, dass sie lebendig fühlen lässt. Diese Akzentuierung unterscheidet RIVER’S EDGE von zahlreichen anderen Filmen, die eine verrohte, von zu viel Medienkonsum und zu wenig Erziehung brutalisierte Jugend auf dem Weg ins gesellschaftliche Abseits zeigen, und vorgeben, ganz genau zu wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Hunter hebt hingegen nie den mahnenden oder belehrenden Zeigefinger, bringt vielmehr viel Mitgefühl und Verständnis für seine hilflosen Protagonisten auf, die einen verzweifelten Kampf um den Erhalt ihrer Menschlichkeit kämpfen – und diesen zu verlieren drohen. Ein Meisterwerk des Teeniefilms mit durchweg starken Darstellern, aus denen der eh grandiose Crispin Glover mit seiner allerdings dankbaren Rolle des Möchtegernanführers Layne noch heraussticht. Und dass sich fast das komplette Debütalbum „Show no Mercy“ von Slayer auf dem Soundtrack befindet, schadet dem Film sicher auch nicht.

Nerd Rex (Daniel Roebuck) macht an seiner Schule täglich einen wahren Spießrutenlauf durch, wird von Jungs und Mädels gleichermaßen gedemütigt und verarscht. Als er bei einem Klassenausflug in die Wüste mitten in ein (mysteriös bleibendes) Militärexperiment gerät, landet er plötzlich in der Steinzeit und trifft dort auf die knackige Eba (Cynthia Thompson), die er sogleich versucht, zum Beischlaf zu überreden. Doch ihre Steinzeitkollegen sabotieren seine Pläne beharrlich …

Zugegeben, aus dem im Text zu MY TUTOR geäußerten Vorhaben, mal wieder einen guten Film zu schauen, ist offenkundig nix geworden, aber CAVEGIRL hat trotzdem mehr Spaß gemacht als die beiden vorangegangenen Teeniegurken. Ich würde sogar so weit gehen, ihn als einen der hirnverbranntesten, debilsten, idiotischsten und infantilsten Filme zu bezeichnen, die ich je gesehen habe. Das macht ihn zwar nicht per se zum Pflichtprogramm für Cineasten, aber doch zu einem Film, den man als Freund des Beknackten mal gesehen haben sollte. Die Prämisse, eine Höhlenfrau als Sexualpartner herbeizufantasieren, fußt noch irgendwie auf der literarischen Tradition des edlen Wilden, aber was in CAVEGIRL daraus gemacht wird, lässt einen beide Hände über dem Kopf zusammenschlagen und um Vergebung für alle Beteiligten flehen.

Kaum trifft Rex die mit Traummaßen und Wildlederbikini, aber leider nicht mit Intelligenz ausgestattete Eba, da versucht er ihr schon, den Satz „I want to sit on your face“ beizubringen. Ihre ersten Worte sollen nach seinem Wunsch „face“, „hair“ und „boobs“ sein, aber ein unerklärlicher selektiver Prozess verhindert stets, dass auch nur ein unzüchtiges Wort über die Lippen der unschuldigen Steinzeitschönheit kommt. Unterbrochen werden diese überaus aufdringlichen Versuche, in ihren Pelztanga zu gelangen, von den kaum weniger hohlen Slapstickspäßen um die anderen Höhlenmenschen, die Rex‘ Rasierschaum fressen und Steine auf den Kopf bekommen. Und damit die Wartezeit bis zum erwartbaren Erfolg Rex‘ nicht zu trocken wird, gibt es noch eine andere, weniger attraktive Steinzeitfrau, die bei jeder Gelegenheit ihre Oberweite zeigt, die man aber eigentlich gar nicht sehen will.

Für Ideologiekritik ist dieser Film erwartungsgemäß eine wahre Fundgrube: Wenn man als Mann bei richtigen Frauen keinen Erfolg hat, sucht man sich eben eine geistig Minderbemittelte, die gar nicht bemerkt, dass sie vergewaltigt wird. Das ist zwar etwas überspitzt formuliert, trifft den Kern des Films aber dennoch ganz gut: Schließlich baut Rex gar ein Bett mit einem Mechanismus, der es zusammenbrechen lassen soll, damit er dann ganz „zufällig“ auf ihr landet. Was ja auch einiges darüber aussagt, wie sich Mann hier Sex vorstellt: als mechanisches Pimmelreinhalten. Für Rex (und Eba) geht dennoch alles gut aus: Am Ende entschließt er sich gar, zu ihr zurückzukehren, weil er in der Gegenwart nur ein Depp ist. Na dann. Bleibt letztlich noch die Frage, was es mit Regisseur David Oliver auf sich hat: Der hat diesen unfassbaren Film fast im Alleingang fertiggestellt, fungierte auch als Drehbuchautor, Kameramann und Produzent und hat danach – wen wundert’s? – gar nichts mehr gemacht. CAVEGIRL darf also mit Fug und Recht als sein Lebenswerk bezeichnet werden: Er wird ihn bis an sein Lebensende begleiten wie das Cavegirl den Rex. Ich ahne, dass ihm das nicht einmal peinlich ist.